Schuhsohle oder Einlegesohle
Gegenstand der Erfindung ist eine Schuhsohle oder Einlegesohle, deren mit der Fußsohle in Berührung gelangender Sohlenteil aus einem zur Formänderung geeigneten Material hergestellt und die Laufsohle bzw. Einlegesohle so beschaffen ist, daß sie zumindest teilweise einen Hohlkörper darstellt, dessen bodenseitige sowie seitliche Teile in einer der Form und Größe des herkömmlichen Schuhwerks entsprechenden Form und Größe oder in einer in verti¬ kaler Richtung erhöhten Größe hergestellt sind.
Bekanntlich liefen die Menschen zur Zeit der frühen Entwicklung des menschlichen Geschlechts barfuß. Erst mit der Entwicklung der
Zivilisation entwickelte sich auch die Bekleidungskultur und mit ihr erschienen auch die verschiedenen Arten der Fußbekleidungen.
Im Verlaufe der Entwicklung der Herstellungstechniken der Fußbe- kleidungen, weiterhin der Entwicklung des Straßenbaues konnte a- ber das Schuhwerk immer weniger Möglichkeit dazu bieten, daß der menschliche Fuß seine mit dem Gehen bzw. Laufen verbundene Funk¬ tion unter den, der auf dem natürlichen Boden barfuß erfolgenden Bewegung ähnlichen Umständen ausführen konnte, was im Verlaufe der Zeit zur Beschränkung der Benutzbarkeit der Füße geführt hat.
Als LaufSohlenmaterial für Fußbekleidung wurden die verschieden¬ sten Werkstoffe verwendet: Tuche, Filze, die Blätter von Pflan¬ zen, rohes und gegerbtes Leder, Holz, Metall, Gummi und Kunst- stoffe. Unter den in neuester Zeit zur Verwendung gelangenden Schuhwerkssohlen sind solche einfacher und zusammengesetzter Kon¬ struktion (z.B. Holz, Leder, Kunststoff und deren Kombinationen oder aus sonstigem Material eingebaute Einlagen), harte (Holz, Metall) oder elastische Laufsohlen (Gummi, Kunststoffe), weiter- hin harte oder weiche, bzw. flexible Sohlen vorzufinden. Die dem menschlichen Fuß zu liegenden inneren Flächen der Schuhsohlen bzw. Einlegesohlen werden im Interesse der Förderung bzw. Komfor- tabelmachung des Gehens unterschiedlich ausgestaltet. So können die Innenflächen auf die sich in der Praxis verbreitete Weise
z.B. ebene, glatte, krumme, gewölbte bzw. stachelige Oberflächen oder deren Kombinationen sein.
Mangelhaftigkeit der aufgezählten und bekannten Schuhsohlen ist, daß sie - nachdem sie die Berührung der menschlichen Fußsohleno¬ berfläche mit dem Boden zwangsläufig verhindern - (ihre Bestim¬ mung ist ja eben der Schutz der Fußsohle bzw. des Fußes) , die Vielseitigkeit der Berührung des menschlichen Fußes mit dem Erd¬ boden verhindern, was zu ungünstigen Veränderungen an den Füßen führen kann.
Zur Beeinflussung der ungünstigen Veränderungen der Füße wurden und werden in der Praxis zahlreiche Maßnahmen und Methoden ange¬ wandt. Derartige sind die bereits erwähnten Ausgestaltungsarten der Innenfläche der Sohle, wobei die eingebauten oder herausnehm¬ baren bzw. auswechselbaren Einlagen oder die orthopädischen Ein¬ lagen eine ähnliche Aufgabe erfüllen. In erster Linie bei diesen letzteren, aber z.B. auch bei dem orthopädischen Schuhwerk werden an den mit dem menschlichen Fuß in Berührung kommenden Innenfläh- hen an verschiedenen Stellen, in erster Linie an den Sohlenref¬ lexionspunkten verschieden förmige und verschieden große Wölbun¬ gen ausgebildet, die dann eine günstige Wirkung auf den menschli¬ chen Fuß ausüben.
Die an den mit dem menschlichen Fuß in Berührung kommenden festen Schuhsohlen vorgesehenen Wölbungen üben z.B. ihre Wirkung u.a. dadurch aus, daß sie an dem sich an ihnen fortbewegenden Fuß eine massierende Einwirkung auslösen.
Auf einer elastischen Schuhsohle oder Einlegesohle kann sich der menschliche Fuß in horizontaler Richtung weniger bewegen, so daß bei diesen eher die Änderung άea auf die verschiedenen Punkte des menschlichen Fußes ausgeübten Druckes die günstige Wirkung bedeu¬ tet.
Es gibt auch eine derartige Lösung, die die günstigen Wirkungen in der Weise zu erhöhen versucht, daß im Inneren der Sohle des
Schuhwerks oder der für diesen Zweck ausgebildeten Einlegesohle mit Hilfe einer Fachwerkstruktur voneinander durch Seitenwände abgegrenzte Kammern gebildet werden, die mit in physiologischer Hinsicht effektiven Medien, z.B. Heilpflanzen oder heilkräftiger Erde aufgefüllt werden, die die entsprechenden Reflexzσnen und Nervenpunkte massierend ihre Heilwirkung ausüben. Das mit dem menschlichen Fuß in Berührung kommende Teil der Schuhsole bzw. Einlegesohle wird aus luftdurchlässigem Material hergestellt. Ei¬ ne derartige Lösung beschreibt die Patentschrift DE 36 27 538 AI.
Alle diese Maßnahmen dienen aber in erster Linie zur Heilung von kranken menschlichen Füßen, bzw. zur Ertragbarmachung des für den Menschen sehr wichtigen Gehens und nicht zur Verhinderung von durch das Tragen von widernatürlichem Schuhwerk entstandenen De- formationen des menschlichen Fußes.
Eine andere, und zwar die Patentschrift DE 37 23 549 AI gibt eine zum Schutz gegen die, im Verlaufe von unter außerordentlichen Um¬ ständen eintretenden Beanspruchungen des menschlichen Fußes even- tuell eintretenden Verletzungen geeignete Ausführungslösung be¬ kannt. Der obere, dem menschlichen Fuß zu liegende Teil des Schuhsohle bzw. der Einlegesohle ist durch schaumartige Kunst¬ stofftrennwände in kleine Kammern aufgeteilt und in jeder dersel¬ ben ist je ein Masseteilchen vorgesehen, das bei den einzelnen Schritten, unter Einwirkung der Belastung zwischen den Trennwän¬ den der Kammer sich hin- und herbewegen kann und dadurch die an der menschlichen Fußsohle auf den Fußkopf einwirkenden verlet¬ zungsgefährlichen Einwirkungen mindert.
Diese Lösungen verfolgen das Ziel der Heilung des menschlichen Fußes bzw. der Minderung der Wirkung der auf den menschlichen Fuß einwirkenden Beanspruchungen, sind aber keineswegs dazu geeignet, die widernatürliche Haltung, die Bewegung während des Gehens und daduch die Deformierung des Fußes zu verhindern, da sie zu einer Simulierung der Gehbewegung unter natürlichen Verhältnissen nicht in der Lage sind.
Die Aufgabe der Erfindung ist die Minderung der vorerwähnten Man¬ gelhaftigkeiten und die Bereitstellung einer derartigen Schuhsoh¬ le oder Einlegesohle, die besser als die bisher bekannten Schuh¬ sohlen und Einlegesohlen die Berührung des menschlichen Fußes mit dem Erdboden simuliert und den Einwirkungen des auf dem natür¬ lichen Erdboden erfolgenden Gehens auf die barfüßige menschliche Fußsohle näherkommt.
Grundlage der Erfindung ist die Erkenntnis, daß alle gebräuchli- chen, mit dem menschlichen Fuß in Berührung kommenden Schuhsohlen oder Einlegesohlen über eine sich nicht fortbewegende, stationäre Oberfläche verfügen oder nur zu einer sehr begrenzten Fortbewe¬ gung fähig sind, und deshalb im Interesse einer besseren Simulie¬ rung der unmittelbaren Verbindung mit dem Erdboden derartige Schuhsohlen bzw. Einlegesohlen bereitgestellt werden müssen, bei denen das Material an den mit der menschlichen Fußsohle in Berüh¬ rung kommenden Flächen über eine verhältnismäßig große Bewegungs¬ möglichkeit verfügt.
Das wesentliche Merkmal der Erfindung ist, daß das Innere des Hohlkörpers mit einer, den Hohlkörper bis zum Laufsohlenteil reichend voll ausfüllenden, dabei aber aus zwangsläufig nicht die gleiche Form und Größe aufweisenden, im Vergleich zueinander zu einer Fortbewegung bzw. im Vergleich zur Wandung des Hohlkörpers zumindest zu einer beschränkten Fortbewegung geeigneten Körnchen bestehenden körnigen Masse ausgefüllt ist.
Die Erfindung wird detaillierter mit Hilfe der in den Fig. darge¬ stellten Ausführungsbeispielen beschrieben, wobei in Fig.l der Längsschnitt einer Schuhsohle nach einem Ausfüh¬ rungsbeispiel der Erfindung, Fig.2 der Längsschnitt einer Schuhsohle nach einem anderen
Ausführungsbeispiel der Erfindung, Fig.3 der Schnitt A-A des Ausführungsbeispiels nach Fig.2 zu sehen ist.
Der mit der menschlichen Fußsohlenfläche in Berührung kommende Laufsohlenteil 1 der Schuhsohle nach Fig.l ist aus einem zur Formänderung geeigneten Material gefertigt. Die sich an das Lauf¬ sohlenteil 1 anschließenden übrigen Teile der Schuhsohle sind derartige, zumindest teilweise Hohlkörper 2, deren dem Erdboden zu liegendes Sohlenteil 3, sowie dessen Seitenteile 4 in einer der Form und Größe des herkömmlichen Schuhwerks entsprechenden Form und Größe, oder einer in vertikaler Richtung erhöhten Größe ausgebildet sind, wobei das Innere des Hohlkörpers 2 mit einem den Hohlkörper 2 abdeckenden und sich bis zum Laufsohlentei1 1 erstreckend voll ausfüllenden, miteinander zwangsläufig nicht gleichförmigen und gleichgroßen, im Vergleich zu einander zu einer Fortbewegung bzw. im Vergleich zu den Seitenteilen 4 des Hohlkörpers 2 zumindest zu einer beschränkten Fortbewegung ge- eigneten Körnchen bestehenden körnigen Material ausgefüllt sind.
Wesentlichens Merkmal der Erfindung ist, daß das körnige Material aus sich aufeinander leicht fortbewegenden Körnchen 5 besteht. Das vertikale Maß des Schuhsohle bzw. der Einlegesohle beträgt vorzugsweise 5 - 40 mm, wogegen das Größtmaß der einzelnen Körn¬ chen 5-35 mm ist. Die Form der Körnchen 5 kann kugelförmig, ab¬ gerundet zylinderförmig, bohnen- oder linsenförmig, oval usw. sein. Das körnige Material kann aus gleichartigen und gleich¬ großen Körnchen 5 bestehen, wobei jedoch dasselbe auch aus ver- schiedenförmigen und verschieden großen Körnchen 5 vermischt her¬ gestellt werden kann. Das körnige Material kann aus natürlichen oder aus künstlich hergestellten Körnchen 5 bestehen.
Natürliche Körnchen 5 können Obstkörner, wie z.B. Kirschenkörner, Sauerkirschenkörner, Aprikosenkörner, Pflaumenkörner oder ein Ge¬ misch aus denselben usw. sein. Weiterhin können es aus natürli¬ chen Grundstoffen bearbeitete Körnchen 5, z.B. Holz- oder Kera- mikkügelchen, nötigenfalls mit einem Glasurüberzug versehene, massive oder innen hohle bzw. mit einer harten Schale versehene innen weichere Strukturen sein. Schließlich können die Körnchen 5 auch aus Kunststoffen, z.B. Hart-PVC, Polystyrol, Polypropylen usw. hergestellt sein.
Das Material des Laufsohlenteiles 1 ist ein bei Schuhwerk übri¬ gens verwendbarer, zum dauerhaften Gebrauch und zur Formänderung geeigneter Leder-, Textil- oder Kunststoff. Wichtig ist, daß die Körnchen 5 in einem im voraus bestimmten Ausmaße zur Fortbewegung fähig sind, bzw. sich im nötigen Maße ausbreiten können. Auf die¬ ser "plastischen", aber gleichzeitig entsprechend festen Fläche stützen die bei jedem einzelnen Schritt sich in jeweils anderer Weise verteilenden Körnchen die Sohle ab. Die sich frei fortbewe¬ genden Körnchen 5 ändern jeweils entsprechend der Form der menschlichen Fußsohle und entsprechend den sich infolge der durch die Bewegungen bedingten Änderungen ergebenden Forderungen ihre Position, so daß auf diese Weise die Schuhsohlenkonstruktion den Formänderungen der menschlichen Fußsohle folgt.
Entsprechend dem in Fig.2 dargestelltem Beispiel ist der Hohlkör¬ per 2 mittels der zum bodenseitigen Teil des Hohlkörpers 2 vor¬ zugsweise senkrechten und an die Seitenteile 4 des Hohlkörpers 2 und/oder an den Laufsohlentei1 1 befestigten Trennwände 6 in, den verschiedene Verhaltungsweisen verwirklichenden Partien der menschlichen Fußsohle entsprechend, getrennte Kammern 7 aufge¬ teilt. Bei diesem Beispiel ist im Interesse einer besseren Ab¬ stützung des inneren hohlgewölbten Teiles der menschlichen Fu߬ sohle das die eine Kammer 7 bedeckende Laufsohlentei1 1 stark hochgewölbt, wie dies aus Fig.3 ersichlich ist, und mit größeren Durchmesser aufweisenden Körnchen 5 aufgefüllt. Eine ebenfalls eigene getrennte Kammer kann an dem Fersenteil ausgebildet wer¬ den, wo verhältnismäßig die wenigsten Änderungen, sowie an dem vorderen Teil der Schuhsohle, wo unterhalb der Zehen der größte Bedarf hinichtich von Änderungen besteht.
Mindestens ein Teil der Körnchen ist an die Seitenteile 4 und/oder an den Schuhsohlenteil 3 des Hohlkörpers 2 verankert in einer nur zur beschränkten Fortbewegung geeigneten Weise im Hohl¬ körper 2 vorgesehen.
Nach einem vorteilhaften Ausführungsbeispiel ist bzw. sind an der Schuhsohle bzw. Einlegesohle eine oder mehrere zum Auswechseln
bzw. Nachfüllen der Körnchen 5 geeignete Einfüllöffnung bzw. Ein- füllöffnungen vorgesehen, die z.B. mit einem Klettverschluß ver¬ sehen sind. Dies ermöglicht, das eventuell verschlissene oder schadhaft gewordene Körnchenmaterial auszuwechseln, so daß das Schuhwerk auch weiterhin zum Tragen geeignet bleibt.
Soweit das Schuhwerk so angefertigt wird, daß hierbei genügend Raum für das Einsetzen einer Einlegesohle verbleibt, so kann der Hohlkörper 2 aus dem gleichen Material, wie die den Hohlkörper 2 abdeckende Laufsohle 1 hergestellt werden.
Die erfindungsgemäße Schuhsohle oder Einlegesohle simulieren die Verhältnisse eines auf dem natürlichen Erdboden erfolgenden Ge¬ hens bzw. Laufens wesentlich besser, als die bisher gebräuchli- chen Schuhsohlen bzw. Einlegesohlen, können sich vollständig an die Form des Fußes anpassen, richten sich während des Stehens vollkommen nach den individuellen Gegebenheiten des menschlichen Fußes, bewegen während des Gehens und Laufens die Sohlenmuskeln intensiver und reizen dabei die Reflexionspunkte der menschlichen Fußsohle und stabilisieren dadurch das gesunde Wohlbefinden.
Der begehrte Schutzumfang ist jedoch keineswegs auf die bei den Ausführungsbeispielen beschriebenen Ausführungslösungen be¬ schränkt, sondern erstreckt sich auf alle in den Patentansprü- chen, insbesondere im Hauptanspruchspunkt für den Schutz bean¬ tragten Ausführungslösungen.