Mikromechanisches Relais mit Hybridantrieb
Die Erfindung betrifft ein mikromechanisches Relais mit einem Basissubstrat, welches eine flächige Basiselektrode und zu¬ mindest ein feststehendes Gegenkontaktstück trägt, und mit mindestens einem Anker, welcher in Form einer Zunge an einer Seite elastisch mit einem Träger verbunden ist und eine der Basiselektrode gegenüberliegende Ankerelektrode sowie ein dem Gegenkontaktstück gegenüberliegendes Ankerkontaktstück auf¬ weist, derart, daß bei Anlegen einer elektrischen Spannung zwischen der Ankerelektrode und der Basiselektrode der Anker an die Basis angezogen wird.
Ein mikromechanisches Relais mit elektrostatischem Antrieb ist beispielsweise bekannt aus einem Aufsatz von Minoru Sakata: "An Electrostatic Microactuator for Electro-Mechani- cal Relay", IEEE Micro Electro Mechanical Systems, February 1989, Seiten 149 bis 151. Dort ist ein aus einem Silizium¬ substrat freigeätzter Anker über zwei Torsionsstege in einer Mittellinie so gelagert, daß jeder seiner beiden Flügel einer unterhalb liegenden Basiselektrode gegenübersteht. Für eine elektrostatische Erregung dieses Relais wird jeweils Spannung zwischen der Ankerelektrode und einer der beiden Basiselek¬ troden angelegt, so daß der Anker wahlweise eine Schwenkbewe¬ gung nach der einen oder anderen Seite ausführt. Aufgrund des Abstandes der Torsionslagerung zur Basis verbleibt auch nach der Schwenkbewegung ein gewisser keilförmiger Luftspalt zwi¬ schen den Elektroden, so daß die elektrostatische Anziehungs¬ kraft verhältnismäßig gering bleibt. Dies wirkt sich auch in einer relativ geringen Kontaktkraft aus.
In der DE 32 07 920 C2 ist bereits ein Verfahren zur Herstel¬ lung eines elektrostatischen Relais beschrieben. Dort wird ein Anker aus einer Rahmenplatte aus kristallinem Halbleiter-
aterial herausgeätzt; mit der Rahmenplatte wird der Anker auf eine isolierende Unterlage gesetzt, welche auch die Ge¬ genelektrode trägt. Allerdings besteht zwischen dem Anker und der Gegenelektrode ein verhältnismäßig großer Abstand, der auch bei angezogenem Anker erhalten bleibt. Um bei diesem Ab¬ stand zwischen Anker und Gegenelektrode die gewünschten Kon¬ taktkräfte zu erzeugen, sind bei diesem bekannten Relais ver¬ hältnismäßig große Spannungen erforderlich.
Generell hat ein elektrostatischer Antrieb für Relais den Nachteil, daß zu Beginn der Ankerbewegung, also bei großem Abstand zwischen den Elektroden, die Anzugskraft relativ ge¬ ring ist, so daß das Relais nur zögernd anspricht bzw. hohe Ansprechspannungen erfordert. Ziel der vorliegenden Erfindung ist es deshalb, ein mikromechanisches Relais der eingangs ge¬ nannten Art so weiterzubilden, daß die Ansprechcharakteristik verbessert wird, daß also die Vorteile des elektrostatischen Antriebs - eine relativ hohe Kontaktkraft bei angezogenem An¬ ker - erhalten bleiben, zugleich aber die Kräfte zu Beginn des Ansprechens erhöht werden.
Erfindungsgemäß wird dieses Ziel dadurch erreicht, daß der Anker zumindest teilweise mit einer als Biegewandler wirken¬ den Piezoschicht versehen ist, deren Biegekraft bei Erregung die elektrostatische Anzugskraft zwischen der Basiselektrode und der Ankerelektrode unterstützt.
Bei dem erfindungsgemäßen Relais ist also der Anker zusätz¬ lich zu dem elektrostatischen Antrieb mit einem Piezoantrieb versehen. Bei diesem so gebildeten Hybridantrieb werden die Eigenschaften zweier Antriebsεysteme nutzbringend derart kom¬ biniert, daß die Vorteile des einen Antriebs die Nachteile des jeweils anderen Antriebs aufwiegen: Der Piezoantrieb kann den Anker um ein großes Wegstück bzw. über einen großen Schalthub verschieben, erzeugt aber bei großer Ankerauslen¬ kung, d. h. in der Arbeitsposition, nur eine kleine Kraft. Andererseits erzeugt der elektrostatische Antrieb zwar in der
Arbei sstellung, d. h. bei angezogenem Anker, eine große Kon¬ taktkraft, jedoch ist die elektrostatische Anzugskraft zu Be¬ ginn der Ankerbewegung, also bei großen Elektrodenabständen, nur gering.
In dem erfindungsgemäßen Relais ist der Anker in Form einer die Ankerelektrode und die Piezoschicht tragenden Zunge einseitig mit einem Ankersubstrat schwenkbar verbunden. Bei diesem Relais wird mit einem mehr oder weniger keilförmigen Luftspalt zwischen Anker und Basis von Beginn an eine relativ hohe elektrostatische Anzugskraft erzeugt, die jedoch durch Überlagerung mit der piezoelektrischen Kraft noch verbessert wird. Vorzugsweise ist dabei die Basiselektrode auf einem schräg geätzten Abschnitt des Basissubstrats angeordnet, derart, daß die Ankerelektrode mit ihr im Ruhezustand den erwähnten keilförmigen Luftspalt bildet und sich im Erregungszustand annähernd parallel an sie anlegt. Da hierbei nach dem Anziehen des Ankers zwischen den Elektroden, abgese¬ hen von den notwendigen dünnen Isolierschichten, keinerlei Luftspalt verbleibt, lassen sich verhältnismäßig hohe Kon¬ taktkräfte gewinnen.
Die Erfindung wird nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel anhand der Zeichnung näher erläutert. Es zeigt
Figur 1 ein Hybridrelais mit einem zungenförmigen, einseitig gelagerten Anker,
Figur 2 eine vergrößert dargestellte, nicht maßstäbliche Schnittdarstellung der Schichten im Anker- und Basissubstrat eines Relais gemäß Figur 1,
Figur 3 eine schematische Ansteuerschaltung für ein Hybridre¬ lais und
Figur 4 ein schematisiertes Kräftediagramm für ein Hybridre¬ lais.
In Figur 1 ist schematisch ein mikromechanisches Hybridrelais dargestellt, wobei die tatsächlichen Größenverhältnisse zugunsten der Anschaulichkeit vernachlässigt werden. Dabei ist ein Basissubstrat 51 vorgesehen, welches beispielsweise aus Silizium, vorzugsweise jedoch auch aus Pyrex-Glas, beste¬ hen kann. Auf diesem Basissubstrat 51 ist ein Ankersubstrat 52 angeordnet und befestigt, das vorzugsweise aus Silizium bestehen kann. In diesem Ankersubstrat 52 ist ein zungenför- miger Anker 53 als freigeätzter Oberflächenbereich ausgebil¬ det. Das Basissubstrat 51 und das Ankersubstrat 52 sind mit freigeätzten Bereichen an ihren Rändern so verbunden, daß der Anker 53 in einem geschlossenen Kontaktraum 54 liegt.
Der Anker besitzt an seinem freien Ende ein Ankerkontaktstück 55, das mit einem feststehenden Gegenkontaktelement 56 des Basissubstrats zusammenwirkt. Weiterhin ist auf dem Anker an seinem der Basis zugewandten Oberflächenbereich eine Anker¬ elektrode 57 in Form einer Metallschicht angeordnet, die ih- rerseits einer Basiselektrode 58 des Basissubstrats gegen¬ übersteht. Diese beiden Elektroden 57 und 58 bilden einen elektrostatischen Antrieb für das Relais. Die Basiselektrode 58 ist dabei auf einem abgeschrägten Abschnitt 59 des Basis¬ substrats angeordnet, so daß die Ankerelektrode 57 im angezo- genen Zustand des Ankers * wie in Figur 1 dargestellt - durchgehend parallel auf der Basiselektrode 58 aufliegt.
Zusätzlich besitzt der Anker 53 einen piezoelektrischen An¬ trieb in Form einer Piezoschicht 60, welche als Biegewandler arbeitet und vor allem zu Beginn der Ankerbewegung die not¬ wendige Anzugskraft für den Anker aufbringt.
Obwohl in Figur 1 nur andeutungsweise mit 64 dargestellt, müssen natürlich elektrische Zuleitungen zu den Kontakt- stücken 55 und 56 sowie zu den Elektroden 57 und 59 und zu den nicht weiter dargestellten Elektroden des piezoelektri¬ schen Wandlers 60 vorgesehen werden. Diese Zuleitungen werden
in üblicher Schichttechnik aufgebracht, wobei natürlich ein¬ zelne Leiterbahnen in einer Ebene nebeneinander liegen kön¬ nen. So kann die Zuleitung zu dem beweglichen Kontaktstück 55 mit der Elektrode 57 in einer Ebene liegen und innerhalb die- ser Ebene von dieser durch entsprechende Zwischenräume ge¬ trennt sein. Das Zungenende des Ankers 53 kann auch durch Längsschlitze beispielsweise in drei gegeneinander bewegbare Enden aufgeteilt werden. Auf diese Weise könnte das mit dem Kontaktstück 55 versehene Zungenende sich zur Erhöhung der Kontaktkraft elastisch durchbiegen, während die seitlichen Zungenenden mit der auf ihnen liegenden Elektrodenschicht flach auf der Basiselektrode 58 aufliegen. Nur der Vollstän¬ digkeit halber sei erwähnt, daß die Isolierung von Schichten unterschiedlichen Potentials durch geeignete Isolations- schichten sichergestellt wird, obwohl diese Schichten nicht eigens dargestellt sind.
In Figur 2 sind die das Relais bildenden zwei Teile vor dem Zusammenbau in etwas vergrößerter Darstellung noch einmal ge- zeigt, um die Schichten etwas deutlicher hervorzuheben. Es sei jedoch betont, daß in dieser schematischen Darstellung die geometrischen Verhältnisse nicht maßstäblich den tatsäch¬ lichen Längen und Dicken der einzelnen Schichten entsprechen. Bei der Herstellung wird aus dem Ankersubstrat 52 die den An- ker 53 bildende Zunge durch selektives Ätzen freigelegt. Diese Zunge besteht also aus Silizium wie das Substrat selbst, ist jedoch durch Dotierung ätzresistent gemacht. Dar¬ auf wird eine Siθ2-Schicht als Isolationsschicht erzeugt und auf diese wiederum wird eine Metallschicht aufgebracht, wel- ehe beispielsweise aus Aluminium besteht und einerseits die Ankerelektrode 57, andererseits aber auch die Zuleitung für das Kontaktstück 55 und die innere Elektrode 61 für die da¬ nach aufzubringende piezoelektrische Schicht 60 bildet. So¬ weit die metallischen Flächen oder Leitungen gegeneinander isoliert werden müssen, erfolgt dies durch entsprechende Längsunterbrechungen. Nach der piezoelektrischen Schicht 60 wird deren äußere Elektrode 62 ebenfalls als Metallschicht
aufgebracht. Am freien Ende der Zunge bzw. des Ankers 53 wird das Kontaktstück 55 galvanisch aufgebracht. Außerdem kann das vordere Ende der Zunge durch zwei Schlitze in eine Schaltfe¬ der und zwei seitlich liegende elektrostatische Ankerelemente unterteilt sein.
Die Basis wird aus einem Basissubstrat 51 ebenfalls durch Ät¬ zen aus Silizium oder aus Pyrex-Glas hergestellt. In einem ersten Ätzschritt wird anisotrop oder isotrop eine Wanne 54a hergestellt, deren Boden parallel zur Waferoberflache ist. In einem zweiten Ätzschritt wird dann in den Wannenboden mit ei¬ ner an sich bekannten Technik eine keilförmige Ausnehmung zur Erzeugung der Schräge 59 geätzt, die in einem flachen Winkel gegen die Oberfläche des Substrats geneigt ist. Die Neigung ist in der Zeichnung übertrieben dargestellt. Bei einem prak¬ tischen Beispiel liegt der Winkel in der Größenordnung von 3°. Auf die geätzte Oberflächenform wird dann eine Metall¬ schicht zur Bildung der Basiselektrode 58 und der erforderli¬ chen Zuleitungen erzeugt. Das Kontaktstück 56 wird galvanisch erzeugt. Außerdem wird eine Isolationsschicht 63, beispiels¬ weise aus Siθ2 in herkömmlicher Weise aufgebracht. In einer möglichen Abwandlung kann auch die piezoelektrische Schicht 60 über die gesamte Länge der Zunge erstreckt werden. In die¬ sem Falle würde sie als Isolationsschicht zwischen den Elek- troden 57 und 58 wirken, so daß die zusätzliche Isolations¬ schicht 63 entbehrlich wäre.
Die beiden Substrate 51 und 52 werden in bekannter Weise, beispielsweise durch anodisches Bonden, zusammengefügt. Dabei werden auch die entsprechenden Zuleitungen zu den Metall- schichten vorgesehen, ohne daß dies in der Figur näher darge¬ stellt zu werden braucht.
Figur 3 zeigt eine einfache Schaltung für einen Hybridantrieb gemäß Figur 1. Dabei liegt eine Basiselektrode 11 parallel zu einer Ankerelektrode 23, welche plattenförmig einander gegen¬ überstehen und bei Anlegung einer Spannung von der Spannungs-
quelle 40 als elektrostatischer Antrieb dienen. Parallel zu diesem elektrostatischen Antrieb liegt ein Piezowandler 41 mit seinen Elektroden 42 und 43, wobei die Elektrode 43 von der gleichen Schicht wie die Elektrode 23 gebildet sein kann. Über den Schalter 44 können der elektrostatische Antrieb mit den Elektroden 11 und 23 sowie der Piezoantrieb mit den Elek¬ troden 42 und 43 parallel an die Spannungsquelle 40 angelegt werden. Dabei sprechen beide Antriebe gleichzeitig an und überlagern ihre Kräfte zum Schließen des jeweiligen Kontak- tes.
Die Charakteristik der beiden Antriebe ist schematisch in Fi¬ gur 4 gezeigt. Über einer Achse für den Ankerabstand s ist die Kraft F aufgetragen. Im Ruhezustand, wenn der Ankerab- stand den Wert a besitzt, ist die mit fl bezeichnete elektro¬ statische Kraft verhältnismäßig gering; sie steigt mit zuneh¬ mender Annäherung des Ankers an die Basiselektrode an und er¬ reicht einen hohen Wert, wenn der Abstand s gegen 0 geht. Die piezoelektrische Anziehungskraft, mit f2 bezeichnet, ist am größten am Anfang der Ankerbewegung, also bei großem Ankerab¬ stand. Sie wird mit zunehmender Auslenkung des Biegewandlers zur Basiselektrode hin kleiner. Somit kompensiert die pie¬ zoelektrische Kraft f2 bei dem großen Ankerabstand a den ge¬ ringen Wert von fl, während die elektrostatische Kraft fl nach dem Schließen des Ankers den kleinen Wert der piezoelek¬ trischen Kraft f2 kompensiert. Es entsteht dabei ein Gesamt¬ verlauf der Kräf e f3, der über den gesamten Wegverlauf die entgegenwirkende Federkraft f4 der elastischen Lagerbänder zu überwinden und bei geschlossenem Anker eine große Kontakt- kraft zu erzeugen vermag.