- 1 -
Prozess-Steuerung im Textilbetrieb
Die Erfindung bezieht sich auf Prozess-Steuerungs-Systeme insbesondere für Spinnereien.
Stand der Technik
Die Idee der computergesteuerten Spinnerei schwebt seit min¬ destens zwanzig Jahren vor den Augen der Fachwelt - siehe zum Beispiel: US 3922642; BE 771277; BE 779591.
Die Anstrengungen in dieser Richtung haben sich in den letz¬ ten Jahren vervielfacht - zum Beispiel: DE-OS 3906508; US-PS 4563873; US-PS 4665686 und EP-PS 0410429.
Als Zwischenstufe auf dem Weg zum Prozessleitsystem erschien seit 1980 die Prozessdatenerfassung, die zum Beispiel im Ar¬ tikel "Die Prozessdatenerfassung als Führungsinstrument" von W.Kistler im "Textil praxis international" vom Mai 1984 be¬ schrieben wurde. Die Weiterentwicklung der Prozessdatener¬ fassung kann dann durch die folgenden Artikel verfolgt wer¬ den:
i) "Mikroelektronik - heutige und zukünftige Einsatzgebiete in Spinnereibetrieben" von Marcel Zünd in "Melliand Tex- tilberichte" , Juni 1985, ii) Zellweger Uster: Conedata 100 for Quality and Productiviy in Winding" in Textile World, vom April 1986, iii)"A Quality Analysis System for OE based on an absolute detector" von Dan Claeys, im Canadian Textile Journal vom Mai 1986, wo das "Dσwnloading" von Einstellungen für Garnreiniger vorgesehen ist.
Das Reutlinger Spinnerei-Kolloquium vom Dezember 1986 wurde der Informationsverarbeitung gewidmet und allgemeine Ueber- legungen für die Anwendung vom Prozessleitsystem in der Spinnerei wurden vorgelegt z.B. im Artikel "Integration der Information im Textilbetrieb - Ueberlegungen zum textilen CIM" (Dr. T. Fischer).
Anforderungen an ein Informationssystem sind dann im Artikel "Integrierte Informationsverarbeitung als Instrument der Un¬ ternehmungsführung" in Melliand Textilberichte, 11/1987, Seite 805 bis 808, aufgeführt worden und Ansätze für moderne Lösungen sind im Artikel "Integration und
Vernetzungsmöglichkeiten in der textilen Fertigung durch CIM" auf den Seiten 809 bis 814 der gleichen Zeitschrift zu fin¬ den.
Als Stand der Technik im Januar 1991 kann das BARCO CIM Sy¬ stem aufgeführt werden. Dieses System ist in der Veröffent¬ lichung "CIM in Spinning" der Fa. Barco Automation Inc. Charlotte, NC, USA dargelegt worden. Es sieht eine "Daten¬ einheit" (Maschinenterminal) pro Maschine vor, wobei der Prozessleitrechner (die Zentrale) mit den Dateneinheiten der Maschinen Signale austauscht. Die Dateneinheit (mit ihren Anzeigen) dient auch als Bedienerunterstützung. Obwohl die vorerwähnte Veröffentlichung die bidirektionale Kommunikation erwähnt, ist das System offensichtlich primär noch auf die Datenerfassung auf der Maschine und Weiterleitung an die Zentrale eingerichtet. Eine Verbindung mit der Maschinen¬ steuerung ist weder gezeigt noch angedeutet. Solche Daten¬ einheiten lassen sich in einem einzigen Netzwerk integrieren, was die System-Architektur vereinfacht - allenfalls auf Kosten der System-Flexibilität und der Reaktionsgeschwindig¬ keit. Ausserdem, da keine echte zentrale Steuerung vorgesehen ist, wird nichts unternommen, um die mit dem Netzwerk ver¬ bundenen Maschine vor den Auswirkungen eines Netzwerkdefektes
bzw. Ausfalls zu schützen. Eine Weiterentwicklung dieses Sy¬ stems ist im Artikel "Fadenbruchdetektor für Ringspinnma¬ schinen" in Melliand Textilberichte vom September 1991 (ITMA Ausgabe) aufgeführt.
Prozessleitsysteme gehören heute in gewissen Industrien zum lang eingeführten Stand der Technik. Es fragt sich, wieso diese "bekannten Prinzipien" nicht ohne weiteres im Textil¬ betrieb realisieren lassen sondern nur mühsam, schrittweise zur Anwendung kommen. Die Antwort liegt zum Teil in der Tat¬ sache, dass ein Prozessleitsystem nur schwer einen Maschi¬ nenkomplex (wie z.B. einen Spinnereibetrieb) "auferlegt" werden kann. Prozessleitsysteme lassen sich relativ leicht einführen, wo die Informatik und die Prozesstechnologie gleichzeitig entwickelt werden. Dies ist z.B. im Bereich der Chemiefaseraufbereitung (Filamentspinnerei) eher der Fall, so dass schon in Dornbirn Konferenz des Jahres 1981 die Einfüh¬ rung von Prozessleitsystemen in die Filamentspinnerei vorge¬ sehen werden konnten (Vortrag von K. Ibounig - "Wandel der Prozessleittechnik durch die Mikroelektronik" ) .
Die Technologie der Kurz- und Langstapelfaserspinnereien bzw. die Gestaltung der Maschinen dieser Spinnereien lassen sich nicht schnell ändern. Die Informatik muss sich hier an einen langsameren Entwicklungsgang des Prozesses selber anpassen. Ein realisierbarer Vorschlag für ein Prozessleitsystem in einem Spinnereibetrieb muss die Gegebenheiten des Spinnerei¬ betriebes berücksichtigen. Die für das Prozessleitsystem zu¬ treffenden Aspekte werden daher kurz aufgeführt.
Informatik/Prozesstechnologie (Automatisierung)
Die Informatik in der Spinnereianlage steht im Gesamtrahmen der Automatisierung. Ihr Zweck ist letztlich eine bessere Beherrschung der Garnproduktion. Massstab sind die
Produktionskosten. Die Randbedingungen werden vom Rohmateri¬ al-Markt, von den lokalen betrieblichen Gegebenheiten und von den Garnabnehmern bestimmt. Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf die Verhältnisse in der Kurzstapel-Spinne- rei. Als Beispiel dient das Ringspinnen eines Garnes aus ge¬ kämmter Baumwolle. Die Erfindung ist aber in anderen Spinne¬ reien und zur Herstellung von anderen Endprodukten anwendbar.
Der Spinnprozess umfasst die Umwandlung eines Naturproduktes mit nur begrenzt vorhersehbaren Eigenschaften in ein genau spezifiziertes Zwischenerzeugnis (Garn) . Durch die Aufteilung in eine Reihe verschiedener Stufen ist die Garnherstellung darüber hinaus prozesstechnisch besonders anspruchsvoll.
Wie die Fig. 1 zeigt, ist die Wertschöpfung auf die einzelnen Prozessstufen der Spinnerei ungleich verteilt: In der Putze¬ rei und der Karderie steht die Reinigungswirkung im Vorder¬ grund, welche in erster Linie einen grossen Einfluss auf das Laufverhalten im abschliessenden Verspinnen der Fasern hat. Massgebend für die Eigenschaften des fertigen Games sind die darauf folgende Prozessschritte Kämmerei und Strecken, da sie dem Veredeln des Rohstoffes und dem Vergleichmässigen des Faserverbandes dienen. Diese Abschnitte der Produktion stel¬ len in der heutigen Spinnerei nur einen beschränkten Teil der Wertschöpfung dar, sind aber für die Prozess-Beherrschung entscheidend. Hier beschränkt sich das Nutzen-Potential vor¬ nehmlich auf das Ausnützen von kostengünstigem Rohstoff. Im Endspinnverfahren liegt schliesslich der Grossteil der Wert¬ schöpfung. An dieser Stelle entsteht das qualitativ genau spezifizierte Garn, und am Schluss an das Endspinnen steht die Prüfung auf "Gut" oder "Minderwertig" (oder sogar "Aussschuss" ) .
Eine weitere Untersuchung der Wertschöpfung zeigt, dass das wesentlichste Verbesserungspotential im Personalbedarf liegt.
Das Ringspinnverfahren ist hier besonders exemplarisch. Fig. 2 zeigt den Personalbedarf in den verschiedenen Prozessstufen. Die Bedienung erfordert zwar keine lange Aus¬ bildung aber eine ausgesprochen hohe Zuverlässigkeit. Ein einziges Verwechseln zweier Vorgarnspulen in der Nachtschicht genügt, um schlimmstenfalls die gesamte Produktion mehrerer Tage unbrauchbar zu machen - und dies wird unter Umständen erst beim Färben des fertigen Gewebes erkannt. Gerade ältere Anlagen verlangen besonders gewissenhaftes und aufmerksames Bedienungspersonal.
Eine ganz wesentliche Komponente in der Prozessbeherrschung ist das Hochfahren, Umstellen und Stillsetzen der Produkti¬ onslinie. Hier liegt ein besonders attraktives Ziel für die Automatisierung: das heute in Westeuropa weit verbreitete Stillsetzen der Anlage über das Wochenende bringt nicht nur kostspielige Stillstandszeiten, sondern eine ausgesprochene Unruhe in den Prozess. Jeder Stillstand einer Maschine stellt eine Störung dar und bringt nach kurzer Zeit weitere vorge¬ lagerte oder folgende Maschinen aus dem Produktionstakt. Das Hochfahren einer Spinnereianlage ist prozesstechnisch immer riskant. Priorität bei der Automatisierung hat deshalb nicht etwa das selbsttätige Hochfahren der Anlage, sondern das Vermeiden von Stillständen. Durch personalarme Schichten bei Nacht oder am Wochenende lässt sich das Hochfahren künftig weitgehend vermeiden.
Beherrschte Spinntechnologie und Automatisierung stehen in gegenseitiger Abhängigkeit. Nur ein gutmütiger Prozess lässt sich automatisch bewältigen. Unvorhergesehene, plötzliche Abweichungen der Fasereigenschaften stören die Produktion genau so wie technisch bedingte Stillstände einzelner Ma¬ schinen. Auch wenn die mittlere Durchlaufzeit eines Materi¬ al-Elementes vom Faserballen bis zum Garn mehrere Tage dau¬ ert, sind bei manchen Prozessstufen Eingriffstakte im Mi-
nutenbereich einzuhalten, um den Materialfluss aufrecht zu erhalten. Die Organisation und Führung des Spinnereibetriebes ist deshalb eng verknüpft mit dem Produktionstakt der ein¬ zelnen Maschinen.
Ursprünglich waren die Bereiche Putzerei - Karderie - Vor¬ werke - Endspinnen und Spulen jeweils einzelne Meistereien, prozesstechnisch getrennt durch Materialpuffer. Die Voraus¬ setzungen dazu bestehen heute nicht mehr. Trotz stark er¬ höhter Produktionsrate ist die Bedienung einer ganzen Pro¬ zessstufe oder mehrerer verbundener Maschinen durch eine einzige Person heute schon durchaus üblich. Der Prozessablauf wird dadurch um so empfindlicher für Störungen, und die Per¬ sonalreserve für ungeplante Eingriffe fehlt weitgehend.
Hieraus ergibt sich die Maschinenüberwachung als erstes Ein¬ satzfeld für die Informatik-Vernetzung. Aus der Statistik der Laufzeiten und Stillstände lassen sich Schlüsse ziehen, die zu einem effizienteren Personaleinsatz führen. Die Überwa¬ chung der Qualität von Streckenband und Garn erlaubt als nächstes die Diagnose von Störungen im spinntechnologischen Prozessablauf. Sie erleichtert damit die zeitgerechte In¬ standhaltung der Maschinen.
Beide Aufgaben sind heute technisch gelöst, soweit es die einzelnen Produktionsmaschinen mit ihrer individuellen Be¬ dienung zulassen. Diese Überwachung findet aber ihre eng ge¬ steckten Grenzen in einem Mangel an Information, bedingt durch die manuelle Abwicklung der Transporte und weiterer wichtiger Eingriffe:
Nur die Stillstände, nicht aber deren Begründung werden automatisch erfasst. Für die Störungs-Statistik bedarf es weiterhin auf Mitwirkung des Bedieners.
Der Materialfluss ist nicht kontrolliert. Das Fortpflan¬ zen eines Fehlers lässt sich nur mit Mutmassungen ver¬ folgen.
Technologisch bedeutsame Eingriffe wie das Beheben von Fadenbrüchen oder das Entfernen von Wickeln werden nur indirekt erfasst, beispielsweise über die Stillstandszeit der Spinnstelle oder der Maschine.
Schliesslich zeigt die Statistik lediglich die Vergan¬ genheit auf. Sie lässt mannigfaltige Fehlschlüsse zu. Ein rasches Eingreifen, Voraussetzung für eine zeitgerechte Fehlerbehebung, erfordert nach wie vor die Kontrollrunde einer aufmerksamen Bedienungsperson.
Weitere Schritte in der Prozessüberwachung sind deshalb auf die Automatisierung der wichtigsten Bedienerfunktionen ange¬ wiesen. Zur Beurteilung verschiedener Informatik-Konzepte ist es wichtig, diese im Umfeld der übrigen Automatisierungs- funktionen zu betrachten.
Der wirtschaftliche Druck zur Einführung der Automatisierung entsteht vornehmlich an den Stellen des grössten Personalbe¬ darfes. Im Vordergrund stehen hier das Fadenansetzen sowie der Transport und Austausch der Vorgarnspulen. In der Rotor¬ spinnerei, wo das automatische Fadenansetzen bereits zum Stand der Technik gehört, stellen der Transport der Spinn¬ kannen im Vorwerk und das Abtransportieren der Garnspulen das künftige Schwergewicht dar.
Die hier aufgeführten Funktionen sind eine Basis für die Informatikvernetzung, welche ergänzt wird durch die heute schon realisierte Qualitäts-Erfassung an der Karde, der Strecke (z.B. nach unserer PCT Patentanmeldung mit der Int. Veröffentlichungsnummer WO 92/00409 und der Spulmaschine. Zur
Zeit stehen verschiedene Teile dieser Automatisierung im Stadium der Entwicklung und haben noch keinen breiten Einsatz gefunden. Gerade dies ist aber bei Konzepten für die Informatikvernetzung zu berücksichtigen. Hier würden bei zu knapper Dimensionierung der Uebertragungskapazität wertvoll¬ ste ZukunftsChancen verbaut.
Bei allem Einsatz von Bedienungsrobotern und Transportsy¬ stemen ist abzusehen, dass eine ganze Reihe von Bedienvor¬ gängen vor allem im Bereich der Ausnahmesituationen und der Instandhaltung dem menschlichen Bediener vorbehalten bleiben. Die nun knappst gehaltene Bedienungskapazität muss demzufolge nach genauen Prioritäten eingesetzt werden - eine wichtige und vor allem zeitkritische Aufgabe im Bereich der Bediener¬ unterstützung. Die praktische Erfahrung in den Pionierbe¬ trieben, welche einzelne Automatisierungsschritte bereits verwirklicht haben, bestätigt die entscheidende Rolle eines Alarmsystems. Der richtige Mann am richtigen Ort wird zum Kriterium für den Betrieb der Gesamtanlage. Dies lässt sich durch Kommunikation von Person zu Person nicht mehr gewähr¬ leisten, weil bereits das Suchen eines Mitarbeiters in der Anlage einen ausgedehnten Rundgang von mehreren Minuten er¬ fordert.
Aehnlich zeitkritische Abläufe entstehen durch die Verkettung im Materialfluss. Die traditionelle Entkoppelung der ein¬ zelnen Prozessstufen durch grosse Zwischenlager entspricht nicht den Anforderungen einer flexiblen, qualitativ straff überwachten Produktionslinie. Transportautomatisierung be¬ deutet deshalb für die Informatik den Schritt von der Über¬ wachung zur Steuerung bestimmter Übergabestellen und somit die direkte Einbindung in den Prozess. Ein Ausfall der Steu¬ erfunktion ist unmittelbar gleichbedeutend mit einer Störung in der Produktion. Die Zuverlässigkeit der Informatik ist für den Betrieb gleich wichtig wie etwa diejenige des
Buchungssystems einer Fluggesellschaft: Jeder Ausfall hat innerhalb von Minuten schwere Folgen. Der Hersteller von Spinnereianlagen betrachtet das Thema Informatik-Netzwerk deshalb aus der Sicht des Gesamtprozesses und sieht darin weit mehr als eine PC-Applikation oder eine Ergänzung zur betriebsinternen Datenverarbeitung.
Fig. 3 fasst die Funktionen und die Anforderungen an die zeitlichen Fähigkeiten der Prozesssteuerung in der Spinnerei zusammen.
Konzeptuelle Aspekte der Erfindung
Grundsätzlich kann man zwei bisherige Ansatzpunkte für die Konzeption einer vernetzten Prozess-Informatik-Lösung unter¬ scheiden:
Das Ausweiten der Produktionsplanung und -Steuerung in die Produktionslinie hinein bis zur einzelnen Prozess¬ stufe und Maschine, gleichbedeutend mit einer Einführung der Informatik von oben nach unten.
Das Ausgestalten der Qualitätsüberwachung mit Einbezug der Materialflussüberwachung zu einer vollen Prozess¬ überwachung. Dieses Vorgehen entspricht einer Weiterent¬ wicklung der bekannten Systeme zur Betriebsdaten- und Qualitätserfassung.
Dieser Erfindung liegt ein drittes Konzept zugrunde, nämlich der Einführung neuer Spinnereimaschinen mit steuerbaren Ei¬ genschaften für den Betrieb mit geschlossenem Regelkreis. Dazu gehört auch die Störungsbehebung durch Bedienungsroboter (Normalfall) und Bedienungspersonal (Ausnahmefall, Instand¬ setzung) . Dieses Konzept bedeutet die Umstellung auf eine eigentliche Prozessregelung. Sie setzt einen hohen Grad der
Automatisierung und Prozessüberwachung voraus. Fig. 4 fasst einen entsprechenden Ueberblick der Einführung der Prozess¬ informatik in der Spinnerei zusammen.
Das Konzept an und für sich ist nicht neu - Ansätze dafür findet man im Stand der Technik, der in dieser Anmeldung er¬ wähnt ist. Das Konzept ist aber bislang in der Spinnerei nicht konzequent durchgesetzt worden.
Der Schritt in die Prozessregelung erfordert eine leistungs¬ fähige, auch auf zukünftige Aufgaben ausgelegte Kommunikati¬ on. Die zur Zeit übliche Norm-Schnittstelle genügt für die Betriebsdatenerfassung, nicht jedoch für die Prozessführung verbundener Maschinen. Dabei liegt die Grenze der Anwen¬ dungsmöglichkeiten nicht nur in der Übertragungskapazität:
Die Prozessregelung selbst ist auf höchste Betriebssi¬ cherheit, die damit verbundene Bedienerführung (Alarme) dagegen auf grosse Geschwindigkeit und hohen Daten- Durchsatz angewiesen. Beide Funktionen des Netzwerks ha¬ ben unmittelbaren Einfluss auf den Prozess-Ablauf. Da die regelmässigen Kontrollgänge des Bedieners entfallen, wird eine moderne, stark automatisierte Spinnereianlage auf ein gut ausgebautes Alarm-System absolut angewiesen sein.
Eine umfassende Verdichtung und Auswertung der Sensor- Signale, etwa als Spektrogramm, lässt sich wegen der er¬ forderlichen Rechenkapazität nicht mehr in jeder Maschi¬ nensteuerung vollziehen. Eine leistungsfähige Qualitäts¬ erfassung muss deshalb Zugriff haben auf die Rohdaten direkt ab Sensor. Eine vorherige Verdichtung durch eine lokale Auswerte-Einheit macht eine künftige Erweiterung der Funktionen äusserst aufwendig. Die Übertragung von Rohdaten ist zwar nicht zeitkritisch und erträgt
- 11 -
Kompromisse in der Zuverlässigkeit, erfordert aber einen grossen Daten-Durchsatz.
Die praktische Erfahrung mit handelsüblichen Schnitt¬ stellen zeigt, dass für die Anwendung nur noch mit einem Zehntel der theoretisch verfügbaren Übertragungsleistung gerechnet werden kann. Der Rest wird für die Selbstüber¬ prüfung, die Steuerung des Datenverkehrs und als Reserve für Spitzenbelastungen benötigt.
Fig. 5 fasst die Anforderungen an die Datenübertragungsfä- higkeiten eines Netzwerkes, das zur Erfüllung der in Fig. 3 aufgezeigten Funktionen ausgelegt ist.
Hieraus ergibt sich ein Informatik-Konzept, das auch im "Hauptproblemgebiet" (in der Endspinnstufe vom Bedienungsro¬ boter bis zum Transportsystem, vom Flyer bis zum einzelnen Garnreiniger sämtliche für den Prozess wesentliche Maschinen, Bedienstellen und Sensoren verbinden kann. Dabei wird es voraussichtlich notwendig, das Netz zu unterteilen, um die vielen Anschluss-Stellen zu bewältigen. Vorzugsweise ist der freie Zugriff des Prozessleitrechners zu allen Schnittstellen in der Anlage, eingeschlossen die Alarmierung des Bedie¬ nungspersonals vorzusehen. Nach diesem Konzept lässt sich die Kommunikation stufenweise aufbauen und mit überschaubaren Mitteln auch erneuern. Das gemeinsame Element ist der leistungsfähige Prozessleitrechner, der mit den nötigen Schnittstellen-Treiber versehen werden muss. Die einzelnen Maschinensteuerungen müssen über vernetzbare Schnittstellen für die bidirektionale Datenübertragung verfügen und zumin¬ dest den jeweiligen Betriebszustand melden.
Die Wahl der einzelnen Schnittstellen-Protokolle ist von ge¬ ringerer Bedeutung als gemeinhin angenommen wird. Eine Selbstverständlichkeit in diesen Systemen ist die serielle
Datenübertragung. Die mit Zweidraht-Leitungen arbeitenden Übertragungsnormen RS 232, RS 422 und RS 485 dürften für die zweite Hälfte der 90er Jahre nicht mehr genügen: Kapazität und Reichweite sind bereits heute knapp für Anlagen mit ei¬ nigen Dutzend Anschluss-Stellen und Leitungslängen bis zu mehreren hundert Metern. Mit der Unterteilung in mehrere Netze entstehen trotzdem brauchbare Lösungen mit dem Vorteil der kostengünstigen Verkabelung. Eine zukunftssichere Inve¬ stition ist die Vernetzung mit Koaxialkabel, wie sie in der kommerziellen EDV üblich ist. Der von der amerikanischen In¬ dustrie ausgehende Entwurf MAP basiert auf dieser Technik, ebenso das von Rieter gewählte RIELAN. Ein künftiger Einsatz von Lichtleitern ermöglicht zumindest dieselbe Übertragungs¬ kapazität.
Die Telekommunikation nimmt bei der Entwicklung der Netz¬ werkstandards auf die Textilindustrie kaum Rücksicht. In die Wahl kommen deshalb nur Produkte mit weiter industrieller Verbreitung, schon um die nötige Einsatzdauer und Zuverläs¬ sigkeit zu gewährleisten. Die benötigten Hardware-Komponenten und Software-Treiber sind genau spezifiziert und müssen nicht mehr besonders entwickelt werden.
Die Erfindung
Die Erfindung sieht entsprechend dem letzterwähnten Konzept eine Spinnereianlage mit einem Prozessleitrechner für minde¬ stens eine Maschinengruppe vor, wobei jede Maschine der Gruppe mit einer eigenen Steuerung versehen ist, welche die Aktorik der Maschine (samt allfälliger dieser Maschine zuge¬ ordneten Hilfsaggregate) steuert. Es ist mindestens ein Netzwerk für die bidirektionale Kommunikation zwischen dem Rechner und jeder Maschine der Gruppe vorgesehen.
Steuerbefehle vom Prozessleitrechner werden im Betrieb der Anlage über das Netzwerk an die Maschinensteuerungen gelei¬ tet. Jede Maschinensteuerung leitet die Steuerbefehle an die von dieser Steuerung gesteuerte Aktorik weiter, wobei die Steuerbefehle wenn notwendig durch die Maschinensteuerung in für die Aktorik geeigneten Steuersignale verwandelt werden.
Die Uebertragung der Steuerbefehle kann unmittelbar vom Prozessleitrechner an die Maschinensteuerungen erfolgen. Diese Uebertragung kann aber auch über eine weitere Vorrich¬ tung erfolgen, z.B. über eine "Maschinenstation" des in EP 0 365 901 beschriebenen Typs. Wichtig ist aber, dass weder der Prozessleitrechner noch eine übertragende Vorrichtung (wie solche Maschinenstationen) den direkten Zugriff auf die Aktorik der Maschine gewährt wird. Stattdessen kann eine Aenderung des Maschinenzustandes, welche einen Eingriff in die Aktorik verlangt, nur mittels der Maschinensteuerung (und nach dem in dieser Steuerung effektiven Arbeitsprogramm) be¬ wirkt werden.
Die Verbindung der Maschinensteuerung mit ihrer (gesteuerten) Aktorik kann unabhängig vom Kommunikationsnetzwerk zwischen der Maschinensteuerung und dem Prozessleitrechner gestaltet werden und kann sogar verschieden für verschiedene Aktorik- elemente (bzw. Hilfaggregate) sein. Im Fall einer Maschine mit einer Vielzahl von Arbeitsstellen (z.B. einer sogenannten Längsteilmaschine) und mit einer autonomen Steuerung für jede Arbeitsstelle kann die Verbindung zwischen der Maschinen¬ steuerung und der vorhandenen Aktorik über die autonomen Ar¬ beitsstellensteuerungen realisiert werden, beispielsweise nach DOS 3928831 oder nach DOS 3910181 oder nach DPS 3438962.
In einer Ringspinnmaschine ist es heute unwahrscheinlich, dass die Kommunikationsverbindung zwischen der Maschinen¬ steuerung und den ArbeitsStellensteuerungen auch für die
Signalübertragung zwischen der Maschinensteuerung und einem für alle Arbeitsstellen gemeinsamen Hilfsaggregat (z.B. einem Doffaggregat einer Ringspinnmaschine) auszunutzen wäre. Bei dem neuen Spinnverfahren ist es aber vorhersehbar, dass das Hilfsaggregat als ein fahrbarer Automat ausgeführt und für die Kommunikation mit einer Zentrale über die Arbeitsstellen ausgelegt ist, wie z.B. in EP 0295406 vorgesehen ist.
In Abhängigkeit von der Ausführung der Aktorikelemente kann die Signalverbindung mit der Maschinensteuerung auf elek¬ trischem, optischem, magnetischem, pneumatischem, mecha¬ nischem (oder anderen) Signalübertragungsmittel beruhen.
Auf jeden Fall ist jede Maschinensteuerung in der Lage, die vom Prozessleitrechner erhaltenen Steuerbefehle in geeignete Signale für ihre eigenen Aktorikelemente zu übersetzen (um¬ zuwandeln). Der Prozessleitrechner kann dementsprechend mit einem einzigen Satz von Steuerbefehlen für einen gegebenen Maschinentyp arbeiten, gleichgültig ob die mit dem Prozess¬ leitrechner verbundenen Maschinen dieses Typs mit der glei¬ chen oder mit unterschiedlichen Aktorikelementen bzw. Hilf¬ aggregaten ausgerüstet sind.
Die Sensorik der Maschine umfasst vorzugsweise zumindest eine Sicherheitssensorik, welche zur Signalübertragung mit der Maschinensteuerung verbunden ist. Die Maschinensteuerung ist vorzugsweise mittels der Sensorik kontinuierlich in der Lage, ein Abbild des Zustandes (insbesondere des Sicherheitszu- standes) der Maschine zu erzeugen. Die Maschinensteuerung kann dann derart programmiert sein, dass sie erst bzw. nur dann einen Steuerbefehl vom Prozessleitrechner ausführt, wenn nach dem Abbild des Zustandes der Maschine ohne Gefährdung von Personen, Maschinen oder Bedienungseinrichtungen die Ma¬ schine in den neuen Zustand überführt werden kann. Der "Si¬ cherheitszustand" der Maschine umfasst daher sowohl die
Sicherheit der menschlichen Bedienung als auch diejenige von allfälligen an der Maschine vorhandenen fahrbaren Bedie¬ nungseinrichtungen (insbesondere Bedienungsautomaten) und in der Maschine integrierten Elemente. Dies ist natürlich von besonderer Bedeutung in Zusammenhang mit Menschen, die sich jederzeit frei im Bereich der Maschine bewegen können, aber auch in Zusammenhang mit allfälligen fahrbaren Einrichtungen, die sich nicht kontinuierlich sondern nur gelegentlich an der Maschine befinden, z.B. Transportgeräte für Vorlagematerial.
In der bevorzugten Ausführung wird die Erfindung in einer Anlage nach unserer PCT Patentanmeldung mit der internatio¬ nalen Veröffentlichungsnummer WO 91/16481 realisiert, d.h. in einer Anlage, worin mindestens eine Maschinensteuerung eine Bedienungsoberfläche aufweist und der Prozessleitrechner diese Bedienungsoberfläche zur Kommunikation mit einem Menschen bzw. mit einem fahrbaren Automaten an dieser Ma¬ schine verwenden kann. Durch diese Anordnung kann relativ leicht sichergestellt werden, dass in der gesamten vom Rech¬ ner gesteuerten Anlage einem bestimmten Signal eine eindeu¬ tige Bedeutung zugeordnet wird. Dies kann einem System ge¬ genübergestellt werden, wonach die Bedienungsunterstützung über ein von den Maschinensteurungen unabhängiges System er¬ folgt, z.B. nach US 4194349. Die Vorteile der Kombination nach dieser Erfindung sind besonders ausgeprägt, wenn ein Prozessleitrechner sowohl die Bedienungsunterstützung als auch die Steuerung der Maschinen beeinflusst, z.B. in einem Doff-Management-System für Ringspinnmaschinen, ähnlich einem System nach US 4665686.
Die Bedienungsunterstützung über die Bedienungsoberfläche an der zutreffenden Maschine stellt natürlich auch sicher, dass die Hilfe da angeboten wird, wo sie notwendig ist. Dies er¬ laubt auch eine Vereinfachung des Alarm- bzw. RufSystems, da die Bedienung jetzt im Prinzip nur an die betroffene Maschine
geleitet werden muss, ohne vorher genau über die notwendige Handlung informiert zu werden. Das Alarm- bzw. Rufsystem muss natürlich noch absichern, dass die Bedienung über die Dring¬ lichkeit bzw. die Priorität des Bedienungsrufes informiert wird bzw. dass die richtige Bedienungshilfe bzw. Bedienungs¬ person (Doffhilfe, Wartung, Fadenbruchbehebung usw. ) an die betroffene Maschine gerufen wird.
Ueber die Bedienungsoberfläche kann eine Instruktion an die Bedienungsperson erteilt werden, eine Handlung zu tätigen, welche von der Maschinensteuerung selbst nicht ausgeführt werden kann, z.B. weil die dazu notwendige Aktorik in der zutreffenden Maschine nicht vorhanden ist bzw. nicht unter der Kontrolle der Maschinensteuerung steht. Ein Beispiel ei¬ ner solcher Handlung (nämlich die Stilllegung einer schlecht arbeitenden Spinnstelle, wo die Maschinensteuerung nicht di¬ rekt in die Spinnstellen eingreifen kann) ist in unserer CH Patentanmeldung Nr. 697/91-2 vom 07.03.1991 (Obj. 2211) be¬ schrieben. Die Bedienperson kann aber auch dazu aufgefordert werden, gewisse Informationen (Daten) in das Kommunikations¬ system (z.B. aber eine Tastatur) einzugeben. Diese Daten vervollständigen z.B. das Abbild des Systems im Prozessleit¬ rechner, falls die zutreffende Sensorik in den geleiteten Maschinen fehlt.
Die Bedienungsperson ist auch vorzugsweise in der Lage (oder ist sogar "gezwungen" ) , die Erzeugung eines Signals zu ver¬ ursachen, welche die Ausführung der Instruktion darstellt und dies an die Maschinensteuerung bzw. den Prozessleitrechner mitteilt.
Die bevorzugte Anlage nach dieser Erfindung ist mit einer Sensorik versehen, welche den Betrieb der Anlage auch ohne die Prozessleitsignale des Prozessleitrechners gewährleistet. Nach dieser bevorzugten Anordnung ist die Anlage als
"konventionell" betreibbare Anlage gestaltet, d.h. sie ist auf der Maschinenebene mit einer derartigen Sensorik und mit derartigen, mit dieser Sensorik verbundenen Maschinensteue¬ rungen versehen, dass die Anlage auch ohne den Prozessleitrechner vollständig betriebsfähig ist.
Die vom betriebsbereiten Prozessleitrechner erzeugten Leit¬ signale wirken dann optimierend auf die sonst betriebsfähige Anlage, wobei die Maschinensteuerungen der Anlage anhand der Signale von der mit ihren verbundenen Sensorik in der Lage sind, die Plausibilität der Leitsignale jederzeit zu prüfen. Eine Maschinensteuerung führt nur dann einen Steuerbefehl des Prozessleitrechners aus, wenn die Plausibilitätskontrolle keinen Widerspruch zwischen dem Leitsignal (Steuerbefehl) des Prozessleitrechners und den von der Sensorik festgestellten Zustand der Anlage aufdeckt. Andernfalls löst die Maschinen¬ steuerung ein Alarmsignal aus. Die "Steuerbefehle" des Prozessleitrechners sind normalerweise in der Form von Soll¬ werten erzeugt oder sind dazu bestimmt, Prozesse bzw. Zu- standsübergänge an der Maschine (den Maschinen) auszulösen.
Die Anlage ("Maschinenkette") ist "konventionell" betreibbar in dem Sinn, dass heute schon bekannte Steuerungen und Sensorik ausreichen, um die Anlage ohne den Prozessleit¬ rechner zu betreiben. Diese heutzutage bekannten Steuerungen können natürlich noch verbessert werden, sind aber noch als "konventionell" zu betrachten, solange sie in der Lage sind, die Anlage ohne den Prozessleitrechner betriebsfähig aufrecht zu erhalten. Beim Ausfall des Prozessleitrechners müssen bzw. können allenfalls gewisse Funktionen des Prozessleitrechners von der Bedienperson übernommen werden. In diesem Fall muss die Möglichkeit des menschlichen Eingriffes in der "konven¬ tionellen" Anlagesteuerung vorgesehen werden. Es ist aber auch aus anderen Gründen wünschenswert, die Möglichkeit von einzelnen Eingriffen der Bedienungsperson in den
Prozessabläufen der Anlage vorzusehen, auch dann, wenn die Anlage als ganze vom Prozessleitrechner gesteuert bzw. gere¬ gelt wird.
Nach einem zweiten Aspekt sieht die Erfindung daher eine Spinnereianlage mit den folgenden Merkmalen vor:
einem Prozessleitrechner für mindestens eine Gruppe der Maschinen der Anlage, einer autonomen Steuerung für jede Maschine dieser Grup¬ pe, einem Netzwerk für die bidirektionale Kommunikation zwi¬ schen dem Prozessleitrechner und den autonomen Steue¬ rungen, wobei Steuerbefehle vom Prozessleitrechner an die Steuerungen über das Netzwerk übermittelt werden können, für mindestens eine Steuerung derartige Bedienungsmittel, dass diese Steuerung durch die Bedienungsmittel neu ein¬ gestellt werden kann, wobei die Bedienungsmittel ein se¬ lektiv betätigbares Mittel umfasst, wodurch diese Steue¬ rung in einem ersten oder einem zweiten Zustand gestellt werden kann, so dass in ihrem ersten Zustand die Steue¬ rung nur auf die Bedienungsmittel reagiert und in ihrem zweiten Zustand die Steuerung sowohl auf den Bedienungs¬ mitteln als auch auf Leitsignale vom Prozessleit¬ rechner reagiert.
In einer Anlage, wo alle oder mindestens die kritischen Ma¬ schinensteuerungen nach diesem zweiten Aspekt der Erfindung gebildet sind, ist es jederzeit der Bedienungsperson (über das "Bedienungsmittel") möglich, in die Prozessabläufe der Anlage einzugreifen, ob der Prozessleitrechner betriebsf hig ist oder nicht. Weiterhin ist es der Bedienungsperson mög¬ lich, jede einzelne Maschine oder mindestens gewisse Maschi¬ nen vom Prozessleitrechner abzukoppeln und dann z.B. Ver-
suche, Wartungsarbeiten oder Aenderungen an dieser ausge¬ wählten Maschine durchzuführen.
Bei einem Ausfall des Prozessleitrechners (oder einer we¬ sentlichen Funktion davon) bzw. des Kommunikationsnetzwerkes zwischen dem Leitrechner und den Maschinen, ist die bzw. jede Maschine bzw. die Sensorik zur Belieferung des Leitrechners mit Daten vorzugsweise mit örtlichen Speichermitteln zum vorläufigen Abspeichern der anfallenden Daten verbunden. Wenn der Rechner bzw. das Netzwerk wieder funktionsfähig ist, können die auf diese Weise gespeicherten Daten an den Leit¬ rechner geliefert werden. Jede "Kommunikationseinheit" (Vor¬ richtung, die Daten über das Netzwerk an den Leitrechner liefert) kann daher z.B. mit Mitteln versehen werden, um festzustellen, ob die gelieferten Daten angenommen werden, oder nicht (z.B. "quittiert" worden sind). Fehlt z.B. das "Quittieren" (Bestätigung der Ankunft der gelieferten Daten im Prozessleitrechner) kann die Verbindung der zutreffenden Sensorik mit dem vorläufigen Speichermittel verwirklicht werden. Allenfalls können auch beim Normalbetrieb die anfal¬ lenden (Roh-) Daten in einem örtlichen Pufferspeicher einge¬ tragen werden und daraus nur dann an das Netzwerk geliefert werden, wenn "gewährleistet" wird, dass die Kommunikation mit dem Prozessleitrechner planmässig abläuft.
Ge äss einem dritten Aspekt der Erfindung werden "Rohdaten" an den Prozessleitrechner geliefert. "Rohdaten" bedeuten nicht (unbedingt) die eigentlichen Ausgangssignale der Sen¬ soren, sondern zumindest den vollen "Informationsgehalt" solcher Signale.
Gemäss einem vierten Aspekt der Erfindung ist die geleitete Anlage trotz des Vorhandenseins vom Prozessleitrechner ohne diesen Rechner voll betriebsf hig, wozu die Maschinen mit der dazu erforderlichen Sensorik versehen sind.
Diese und weitere Aspekte der Erfindung werden nun anhand der in den Zeichnungen dargestellten Beispiele näher erläutert.
Es zeigt:
Fig. 1 schematisch die Verteilung der Wertschöpfung in einer Ringspinnerei für gekämmte Baumwolle,
Fig. 2 schematisch den Personalbedarf in den Prozess- Stufen,
Fig. 3 schematisch die Funktionen der Prozess-Steuerung in der Spinnerei (zeigt Datenform und zeitlichen Anfall der Signale) ,
Fig. 4 schematisch die Einführung der Prozess-Informatik in der Spinnerei,
Fig. 5 schematisch die Anforderungen an die Datenüber¬ tragung,
Fig. 6 ein Layout-Diagramm einer Spinnerei bis zum Spinnen (ohne Umspulen),
Fig. 7 eine Zusammenfassung des Diagramms der Fig. 6,
Fig. 8 eine Rechner-Anordnung für eine Prozess-Steuerung in einer Anlage nach Fig. 7,
Fig. 9 schematisch die Vernetzung von Maschinen, Bedie¬ nungsrobotern und Transportsystemen,
Fig. 10 eine diagrammatische Darstellung der Verbindung zwischen einer Maschinensteuerung und einer Spinnstelle,
Fig. 11 eine diagrammatische Darstellung der Verbindung zwischen einer Maschinensteuerung und einer Spul¬ stelle,
Fig. 12 schematisch eine mögliche Architektur einer Pro¬ zess-Steuerung,
Fig. 13 eine Modifikation der Architektur nach Fig. 12,
Fig. 14 weitere Modifikationen der Architektur nach Fig. 12,
Fig. 15 eine Aufstellung von Begriffen, Standards und Zuständen, die für die Prozess-Steuerung von Bedeutung sind.
Fig. 16 einen schematischen Querschnitt durch eine Ring¬ spinnmaschine mit einigen Hilfsgeräten,
Fig. 17 ein schematisches Layout eines Spinnsaals, das Roboter als Hilfsgeräte umfasst,
Fig. 18 eine schematische Darstellung einer in der Maschine eingebauten Transporteinrichtung,
Fig. 19 eine Modifikation der Anordnung nach Fig. 14,
Fig. 20 ein Diagramm zur Erläuterung verschiedener Möglichkeiten nach dieser Erfindung,
Fig. 21 (schematisch) die sogenannte Drehzahlkurve der Ringspinnmaschine, und
Fig. 22 ein Diagramm zur näheren Erläuterung der "kommunikationsfähigen" Maschine.
Die Problematik der Prozessführung (ob automatisch oder durch menschliche Bedienung) in der Spinnerei liegt zum Teil in der "Aufsplitterung" des Materialflusses zwischen dem Eingang in der Prozesslinie und der Uebergabe an die Garnlager bzw. an die Weiterverarbeitung in der Weberei oder Strickerei. Dies soll nachfolgend verdeutlicht werden, bevor die Anwendung der Prinzipien nach dieser Erfindung erläutert wird. Die hier aufgeführte Anlage ist konventionell und schon in PCT Pa¬ tentanmeldung Nr. PCT/CH/91/00140 (Int. Veröffentlichungs¬ nummer WO 92/00409) gezeigt worden; sie dient bloss als Bei¬ spiel.
Die in Fig. 6 dargestellte Spinnerei umfasst einen Ballen¬ öffner 120, eine Grobreinigungsmaschine 122, eine Mischma¬ schine 124, zwei Feinreinigungsmaschinen 126, zwölf Karden 128, zwei Strecken 130 (erste Streckenpassage), zwei Kämme- reivorbereitungs-Maschinen 132, zehn Kämmaschinen 136, vier Strecken 138 (zweite Streckenpassage), fünf Flyer 140 und vierzig Ringspinnmaschinen 142. Jede Ringspinnmaschine 142 umfasst eine grosse Anzahl Spinnstellen (bis zu ca. 1200 Spinnstellen pro Maschine) . Dies wird nachfolgend näher in Zusammenhang mit Fig. 16 erklärt.
Fig. 6 zeigt eine heute konventionelle Anordnung zur Her¬ stellung von einem sogenannten gekämmten Ringgarn. Das Ringspinnverfahren kann durch ein neueres Spinnverfahren (z.B. das Rotorspinnen) ersetzt werden, wobei die Flyer dann überflüssig werden. Da aber die Prinzipien dieser Erfindung unabhängig von der Art der Endspinnstufe anwendbar sind, reicht die Erklärung in Zusammenhang mit dem konventionellen Ringspinnen auch für die Anwendung der Erfindung in Zusam¬ menhang mit neuen Spinnverfahren. Nicht gezeigt in Fig. 6 ist die Spulerei, die für neue Spinnverfahren (z.B. Rotorspinnen) ohnehin wegfällt.
Die Spinnerei nach Fig. 6 ist nochmals in Fig. 7 schematisch dargestellt, wobei im letzteren Fall die Maschinen zu "Ver¬ arbeitungsstufen" zusammengefasst worden sind. Gemäss dieser Betrachtungsweise bilden der Ballenöffner 120 und die Grob- reinigungs aschine 122, Mischmaschine 124 und Feinreini- gungsmaschinen 126 zusammen eine sogenannte Putzerei 42, welche die Karderie 44 mit weitgehend geöffnetem und gerei¬ nigtem Fasermaterial beliefert. Innerhalb der Pύtzerei wird das Fasermaterial in einem pneumatischen Transportsystem (Luftstrom) von Maschine zu Maschine befördert, welches Sy¬ stem in der Karderie einen Abschluss findet. Die Karden 128 liefern je ein Band als Zwischenprodukt, welches in einem geeigneten Behälter (einer sogenannten "Kanne") abgelegt und weiterbefördert werden muss.
Die erste Streckenpassage (durch die Strecken 130) und die zweite Streckenpassage (durch die Strecken 136) bilden je eine Verarbeitungsstufe 46 bzw. 52 (Fig. 7). Dazwischen bil¬ den die Kämmereivorbereitungsmaschinen 132 eine Verarbei¬ tungsstufe 48 (Fig. 7) und die Kämmaschinen 134 eine Verar¬ beitungsstufe 50 (Fig. 7). Schliesslich bilden die Flyer 138 eine Spinnvorbereitungsstufe 54 (Fig. 7) und die Ringspinn¬ maschinen 140 eine Endspinnstufe 56 (Fig. 7).
In unserer deutschen Patentanmeldung Nr. 39 24 779 vom 26.06.1989 beschreiben wir ein Prozessleitsystem, wonach eine Spinnerei in "Bereichen" organisiert ist und Signale aus ei¬ nem Bereich zur Steuerung bzw. Regelung von vorangehenden Bereichen ausgenützt werden können. Ein Beispiel für eine solche Anlage ist in Fig. 8 schematisch gezeigt, wobei die Anlage drei Bereiche Bl, B2 und B3 umfasst und jeder Bereich einen eigenen Prozessleitrechner Rl, R2, R3 zugeordnet ist. Jeder Rechner Rl, R2, R3 ist zum Signalaustausch verbunden (in Fig. 8 schematisch durch die Verbindungen 86 angedeutet). Es wird dem Fachmann klar sein, dass die Darstellung der
Fig. 8 rein schematisch ist. Es kann natürlich ein einziger Prozessleitrechner vorgesehen werden, welcher mit allen Be¬ reichen der Spinnereianlage verbunden ist und den gewünschten Signalaustausch zwischen diesen Bereichen durchführt. Es könnten auch weitere "Bereiche" definiert werden. z.B. nach dem Artikel "Integrierte Prozessdatenverarbeitung mit USTER MILLDATA" von H.P. Erni (Reutlinger Spinnerei Kolloquium, 2/3 Dezember 1987). Die gezeigte Ausführung mit einem Prozess¬ rechner R pro Bereich B stellt aber eine sinnvolle Ausführung dar, welche für diese Erklärung angenommen wird.
Der Bereich Bl umfasst die Putzerei 42 und die Karderie 44 (Fig. 7).
Der Bereich B2 umfasst sowohl die beiden Streckenpassagen 146, 152 (Fig. 7) als auch die Kämmereivorbereitungsstufe 148 und die Kämmerei 150.
Der Bereich B3 umfasst die Flyer 154 und die Endspinnstufe 156 (Fig. 7), allenfalls auch eine Spulerei.
Die Anpassung der Anlagen nach den Figuren 6 bis 8 an die in Zusammenhang mit den Figuren 1 bis 5 erläuterten Prinzipien wird nachfolgend anhand der Figuren 9 bis 14 näher erklärt. Der Bereich B3 (Fig. 8) dient hier als Beispiel.
Eine praktische Ausführung des Bereiches B3 für eine automa¬ tisierte Anlage ist in Fig. 9 gezeigt, allerdings immer noch schematisch, um die Informatik-Aspekte des Systems darzu¬ stellen. Der dargestellte Anlageteil umfasst (in der Reihen¬ folge der Prozessstufen, d.h. der "Verkettung" der Maschi¬ nen) :
a) die Flyerstufe 300,
b) eine Endspinnstufe 320, in diesem Fall durch Ringspinn¬ maschinen gebildet,
c) ein Vorgarntransportsystem 310, um Flyerspulen von der Flyerstufe 300 an die Endspinnstufe 320 und leere Hülsen von der Endspinnstufe 320 zurück an die Flyerstufe 300 zu tragen, und
d) eine Umspulstufe 330, um die an den Ringspinnmaschinen gebildeten Kopse in grösseren (zylindrischen oder ko¬ nischen) Packungen umzuwandeln.
Jede Verarbeitungsstufe 300, 320, 330 umfasst eine Mehrzahl von Hauptarbeitseinheiten (Maschinen), die je mit einer ei¬ genen Steuerung versehen sind. Diese Steuerung ist in Fig. 9 nicht gezeigt, wird aber nachfolgend in Zusammenhang mit Fig. 10 etwas näher erläutert. An der jeweiligen Maschinen¬ steuerung angehängt, sind Robotikeinheiten (Bedienungsauto¬ maten), die dieser Maschine direkt zugeteilt werden. In Fig. 9 ist für jeden Flyer der Stufe 300 ein eigener Doffer vorgesehen - die Funktion "Flyerdoffen" ist in Fig. 9 mit den Kasten 302 angedeutet. Eine mögliche Ausführung ist z.B. in EP-360 149 bzw. in DE-OS-3 702 265 gezeigt.
In Fig. 9 sind auch für jede Ringspinnmaschine der Stufe 320 ein Bedienungsautomat pro Spinnstellenreihe zur Bedienung der Spinnstellen und eine Aufsteckungsbedienung für die Vorgarn¬ zufuhr vorgesehen. Die Funktion "Spinnstellenpedienung" ist mit den Kasten 322, 324 (ein Kasten pro Spinnstellenreihe) und die Funktion "Vorgarnzufuhr" mit den Kasten 326 angedeu¬ tet. Eine mögliche Ausführung ist z.B. in EP-41 99 68 oder PCT Patentanmeldung Nr. PCT/CH/91/00225 vom 02.11.1991 ge¬ zeigt.
Das VorgarntransportSystem 310 ist auch mit einer eigenen Steuerung versehen, die hier nicht näher erläutert werden soll. Das System 310 umfasst eine Einheit zum Reinigen von Vorgarnspulen, bevor sie an die Flyerstufe 300 zurückgegeben werden. In Fig. 9 ist die Funktion "Vorgarnspulenreiniger" durch den Kasten 312 angedeutet. Eine mögliche Ausführung dieses Anlageteiles ist in EP-43 12 68 (und zum Teil in EP-39 24 82) gezeigt.
Die Ringspinnmaschinen der Stufe 320 und Spulmaschinen der Stufe 330 bilden zusammen einen "Maschinenverbund", wodurch der Transport der Kopse an die Spulmaschinen gewährleistet ist. Die Steuerung dieses Verbundes erfolgt von der Spulma¬ schine aus.
Ein Netz 350 ist vorgesehen, wodurch alle Maschinen der Stu¬ fen 300, 320, 330 und das System 310 für den Signalaustausch (Datenübermittlung) mit einem Prozessleitrechner 340 verbun¬ den sind. Der Rechner 340 bedient direkt ein Alarmsystem 342 und eine Bedienung 344 z.B. in einer Leitstelle bzw. in einem Meisterbüro.
Eine sehr wichtige Funktion des Umspulens von Ringspinngarn ist die sogenannte Garnreinigung, die mit dem Kasten 360 an¬ gedeutet ist. Der Garnreiniger ist über dem Netz 350 mit dem Prozessleitrechner 340 verbunden. Durch diese Vorrichtung werden Garndefekte eliminiert und gleichzeitig Informationen (Daten) gewonnen, die Rückschlüsse auf die vorangehenden Verfahrensstufen ermöglichen. Die Garnreinigungsfunktion wird an der Spulmaschine ausgeübt.
Die Figuren 10 und 11 zeigen etwas detailliertere aber noch schematische Darstellungen einer Ringspinnmaschine 321 (Fig. 10) der Stufe 320 und einer Spulmaschine 331 (Fig. 11) der Stufe 330.
Die Steuerung der Maschine 321 ist schematisch mit 323 und die Steuerung der Maschine 331 mit 333 angedeutet. Für jede Maschine 321, 331 ist eine einzige Arbeitsposition 330 (Fig. 10), 380 (Fig. 11) schematisch angedeutet. Im Fall der Ringspinnmaschine 321 umfasst die Arbeitsstelle 370 eine Aufhängung (nicht gezeigt) in der Aufsteckung (nicht gezeigt) für eine Flyerspule 371, welche Vorgarn 372 an ein Streckwerk 373 liefert. Die aus dem Streckwerk 373 austretenden Fasern werden zu einem Garn 374 gesponnen, das auf einer Hülse 375 zu einem Kops 376 aufgewickelt wird. Die Hülse 375 ist von einer Spindel (nicht gezeigt) getragen, die durch einen, dieser Spindel zugeordneten Antriebsmotor 373 (Einzelspin¬ delantrieb) in Rotation um die eigene Längsachse versetzt wird.
Die Arbeitsstelle 380 der Spulmaschine umfasst eine Zufuhr (nicht gezeigt) für einzelne Kopsträger 381 (z.B. sogenannte "Peg-Trays" ) , die je einen Kops 382 tragen. Das Garn 383 des Kopses wird abgewickelt und über einen Spielsser 384 an eine Fadenchangierung 385 geliefert. Ein Spulenhalter (nicht ge¬ zeigt) trägt eine Hülse (nicht gezeigt) als Kern einer Pak- kung 386, die durch die Rotation der Hülse um die eigene (waagrechte) Achse bei einer von der Changierung erzeugten axialen Bewegung des Fadens gebildet wird.
Es wird angenommen, jede Arbeitsstelle 370, 380 sei mit einer eigenen Sensorik versehen. Im Fall der Ringspinnmaschine be¬ steht dies aus einem einfachen Sensor 378 pro Spinnstelle, um festzustellen, ob die Spinnstellen (der Spindelmotoren 377) in Betrieb ist oder nicht. Die Spulstelle 380 kann mit einem entsprechenden Sensor 387 versehen werden. Die Spulstelle 380 ist aber zusätzlich mit einem Garnprüfgerät 361 versehen, welches ein Element des Garnreinigers 360 (Fig. 9) bildet. Das Garnprüfgerät umfasst einen Garnsensor (nicht separat angedeutet), der vorbestimmte Qualitätsparameter des Garnes
überwacht und entsprechende Signale (Daten) an eine Datener¬ fassungseinheit 362 der Maschine 331 liefert, welche die Da¬ ten für alle Spulstellen dieser Maschine zusa menfasst. Die Dateneinheit 362 stellt ein weiteres Element des Garnreini¬ gers 360 dar. Ueber Leitungen 351, 352 und 353 des Netzes 350 (Fig. 9) sind die Steuerungen 323, 333 und die Dateneinheit 362 mit dem Leitrechner 340 (Fig. 9) verbunden. Die Daten¬ einheit 362 tauscht auch Signale mit der Steuerung 333 der Spulmaschine aus. Die Bedienungsautomaten können auch mit Sensoren versehen werden, z.B. wie in unserem US- Patent 4 944 033 gezeigt ist.
Nach einem Aspekt dieser Erfindung ist die Anlage derart ge¬ bildet, dass der Rechner 340 den direkten Zugang zu den "Rohdaten" der Sensorik 378, 387, 361 hat, obwohl die ein¬ zelnen Steuerungen 323, 333, 362 in der Abwesenheit eines Steuerungbefehls vom Leitrechner 340 unabhängig von diesem Rechner (teil-autonom) anhand der Ausgangssignale der Senso¬ rik 378, 387, 361 arbeiten. Das heisst, die Rohdaten der Sensorik werden nicht durch die Steuerungen 323, 333 und 362 zu "Berichten" zusammengefasst, die das Informationsgehalt der Sensoriksignale durch "Konzentration" reduzieren und die an den Leitrechner weitergeleitet werden. Stattdessen werden sie (mindestens auf Anfrage des Leitrechners 340) als in¬ haltlich unveränderte Qualitäts- bzw. ZustandsSignale an den Leitrechner weitergegeben. "Rohdaten" (im Sinne der Steue¬ rung) sind grundsätzlich "Istwerte" der Sensorik oder daraus hergeleitete Signale, jedenfalls von der Sensorik stammende Daten.
Jede Maschine 321, 331 ist auch mit einer "Bedienungsober¬ fläche" 325 bzw. 335 versehen, die mit der jeweiligen Steue¬ rung 323 bzw. 333 verbunden ist und Mensch-Maschine (oder sogar Robot-Maschine) Kommunikation ermöglicht. Die "Bedie¬ nungsoberfläche" kann auch als "Bedienungsfeld", oder
"Bedienungstableau" oder "Bedienungskonsol" bezeichnet wer¬ den. Ein Beispiel einer solchen Bedienungsoberfläche ist in DE-OS-37 34 277 gezeigt, allerdings nicht für eine Rings¬ pinnmaschine, sondern für eine Strecke. Das Prinzip ist für alle solchen Bedienungsmittel gleich. Weitere Beispiele sind im Artikel "Neue Mikrocomputer für die Textilindustrie" von F. Hösel in Melliand Textilberichte vom September 1991 (ITMA Ausgabe) zu finden. Die heutige Bedienungsoberfiäche der G5/2 Ringspinnmaschine der Firma Maschinenfabrik RIETER AG ist in "Textile World", April 1991, Seite 44 ff gezeigt worden, wo¬ bei die Weiterentwicklung solcher Geräte auch zu erwarten ist
Nach der Erfindung gemäss der PCT Patentanmeldung Nr. WO/91/16481 ist die Anlage derart programmiert und ausgelegt, dass der Leitrechner 340 Bedienungsunterstützung über die Bedienungsoberfläche 325 bzw. 335 der jeweiligen Maschine leisten kann, d.h. der Leitrechner kann Steuerbefehle über dem Netz 350 senden und die Maschinensteuerungen können der¬ artige Steuerbefehle empfangen und befolgen, sodass der Zu¬ stand der Bedienungsoberfläche vom Leitrechner 340 über der jeweiligen Steuerung bestimmt wird.
Fig. 12 zeigt eine mögliche Variante der Architektur für eine Prozess-Steuerung nach Fig. 9 bis 11. Fig. 12 zeigt nochmals den Leitrechner 340 und das Netzwerk 350 zusammen mit einem Rechner 390 einer Maschinensteuerung der Anlage (z.B. des Vorgarntransportsystems 310, das zur Erläuterung der Infor¬ matik einer "Maschine" gleichgesetzt werden kann) . Jeder Rechner 340, 390 hat ihm zugeordnete Speicher 343, 345 bzw. 391 und Treiber 347, 349 bzw. 393, 394, 395, 396.
Die Treiber 349 bzw. 394 bestimmen die notwendigen Schnitt¬ stellen für die Kommunikation der Rechner 340, 390 mit ihren jeweiligen Bedienungsoberflächen, hier als Anzeige, Bedienung und Drucker angedeutet. Der Treiber 347 bestimmt die
Schnittstelle zwischen dem Leitrechner 340 und dem Netzwerk 350 und der Treiber 393 die Schnittstelle zwischen dem Netz¬ werk 350 und der Maschinensteuerung 390.
Der Treiber 395 bestimmt die Schnittstellen zwischen der Ma¬ schinensteuerung 390 und den dadurch gesteuerten Antriebe (z.B. im Fall der Ringspinnmaschine, Fig. 10, den Spindelan¬ triebsmotoren 377). Der Treiber 396 bestimmt die Schnitt¬ stelle zwischen der Maschinensteuerung 390 den ihr zugeord¬ neten Sensorik (z.B. im Fall der Ringspinnmaschine, Fig. 10, den Sensoren 378).
Fig. 13 zeigt nun eine erste Modifikation dieser Architektur. Dem Leitrechner 340 ist nun ein zusätzlicher Treiber 348 zu¬ geordnet, welcher die Schnittstelle zwischen dem Rechner 340 und einem weiteren Netzwerk 355 bestimmt. Die dem Rechner zugeordneten Maschinen (nicht gezeigt) sind nun entweder dem Netzwerk 350 oder dem Netzwerk 355 angehängt. Die Trei¬ ber/Netzwerke Kombinationen 347/350 bzw. 348/355 unterschei¬ den sich darin, dass sie mit unterschiedlichen Maschinen¬ steuerungen kompatibel sind - die Maschinen müssen in Abhän¬ gigkeit von ihren Steuerungstypen mit dem einen oder anderen Netzwerk 350 bzw. 355 verbunden werden.
Nur zwei Treiber 347, 348 sind in Fig. 13 gezeigt worden - es können aber offensichtlich noch weitere Netzwerke, jeweils über einen eigenen Treiber, mit dem Leitrechner verbunden werden. Die Verdoppelung bzw. Vervielfachung der Anzahl Netzwerke kann nicht nur zur Ueberwindung von Kompatibili¬ tätsproblemen angewendet werden. Wenn z.B. die Anlage so gross ist, dass Kapazitätsprobleme in Zusammenhang mit einem einzigen Netzwerk 350 entstehen, können solche Probleme durch die Anwendung eines zweiten Netzwerkes vermindert (wenn nicht vollständig gelöst) werden, (vgl. die Bemerkungen in der
Einleitung bezüglich der Uebertragungskapazitäten von den heutigen Schnittstellen) .
Fig. 14 zeigt eine weitere Modifikation der Anordnung nach Fig. 12, wobei in diesem Fall ein einziges Netzwerk 350 (ge¬ zeigt) oder eine Mehrzahl von Netzwerken (nicht gezeigt) zur Anwendung kommen können. Elemente in Fig. 14, die mit Ele¬ menten in Fig. 12 identisch sind, tragen in beiden Figuren die gleichen Bezugszeichen.
Fig. 14 zeigt einen weiteren Treiber 410, der als Schnitt¬ stelle zwischen dem Netzwerk 350 und der Steuerung einer weiteren Maschine 400 dient. Diese Maschine 400 ist mit der¬ jenigen Maschine verkettet, die durch den Rechner 390 ge¬ steuert wird, z.B. wenn die letztgenannte Maschine eine Mischmaschine ist, kann die Maschine 400 ein Ballenöffner oder eine Kardenspeisung sein. Dem Treiber 396 ist auch ein zusätzlicher Sensor 397 angehängt, welcher nicht in der "ei¬ genen" Maschine, sondern in der nächsten Maschine 400 der "Kette" vorgesehen ist und der Zustand dieser Maschine 400 der "eigenen" Maschinensteuerung (dem Rechner 390) mitteilt. Es kann offensichtlich mehrere solche zusätzliche Sensoren in den anderen oder in verschiedenen anderen Maschinen der Kette vorgesehen werden.
Durch solche "Spionsensoren" ist jede teilautonome Steuerung in der Lage, die ihr vom Rechner 340 gegebenen Befehle grob auf Widersprüche zu überprüfen. Noch wichtiger, die teilau¬ tonome Steuerung bleibt auch dann funktionsfähig, wenn das Netzwerk 350 bzw. der Leitrechner 340 ein Defekt aufweist. Die Effizienz der Anlage wird sicher dadurch reduziert; sie bleibt aber trotzdem in (nicht optimalen) Betrieb.
Fig. 15 zeigt schematisch verschiedene Begriffe und Zustände, die für den verbreiteten Einsatz von Prozessleitsystemen
standardisiert werden sollten. Diese Zustände sollten auf jeden Fall bei der Festlegung der notwendigen Sensorik be¬ rücksichtigt werden. Das Diagramm A/B deutet auf einen Bal¬ lenöffner, C auf eine Karde, E auf eine Kämmaschine und RU auf eine Rotorspinnmaschine.
Es wird nachfolgend die Anwendung eines Prozessleitsystems nach dieser Erfindung in Zusammenhang mit dem Ringspinnen als Beispiel noch näher beschrieben. Die Maschine selbst wird vorerst behandelt.
Die Ringspinnmaschine (und ihre Hilfsgeräte)
Die Ringspinnmaschine dient in dieser Anmeldung als Beispiel einer "Längsteilmaschine" . Andere Längsteilmaschinen sind Flyer, die Spinnmaschinen für die neuen Spinnverfahren (Ro¬ torspinnmaschinen, Düsenspinnmaschinen), Spulmaschinen, Zwirnmaschinen (z.B. Doppeldrahtzwirnmaschinen) und Falsch¬ drahttexturiermaschinen zur Verarbeitung von Endlosfilamen- ten.
Die allgemeinen Prinzipien einer modernen Ringspinnanlage sind im Artikel "Die automatisierte Ringspinnmaschine" von F. Dinkelmann enthalten, das am Reutlinger Spinnerei Kollo¬ quium 2/3 Dezember 1986 vorgetragen wurde.
Die Maschine nach Fig. 16 umfasst ein doppelseitiges Gestell 210 mit zwei Spinnstellenreihen 212 bzw. 214, die spiegel¬ bildlich zu einer Mittelebenen ME der Maschine angeordnet sind. In einer modernen Maschine enthält jede solche Spinn¬ stellenreihe 212, 214 zwischen 500 und 600 dicht aneinander¬ gereihte Spinnstellen. Jede Spinnstelle umfasst ein Streck¬ werk 216, Fadenführungselemente 218 und eine kopsbildende Einheit 220. Die Einheit 220 enthält einzelne
Arbeitselemente, wie z.B. Spindel, Ring und Läufer, die aber für diese Erfindung keine Rolle spielen und nicht einzeln gezeigt sind. Diese Elemente sind dem Fachmann bekannt und sind z.B. aus EP-A 382943 ersichtlich. Für jede Spinnstel¬ lenreihe 212 bzw. 214 ist ein Doffautomat 222, 224 vorgese¬ hen, welcher alle Spinnstellen der ihm zugeordneten Spinn¬ stellenreihe gleichzeitig bedient. Dieser Automat wird hier auch nicht näher beschrieben, wobei Einzelheiten aus EP-A 303877 gefunden werden können.
Jede Spinnstellenreihe 212 bzw. 214 ist auch mindestens einem Bedienungsgerät 226 bzw. 228 zugeordnet, welches der jewei¬ ligen Reihe entlang fahrbar ist und Bedienungsoperationen an den einzelnen Spinnstellen ausführen kann. Einzelheiten eines solchen Bedienungsgerätes sind z.B. aus EP-A 388938 zu ent¬ nehmen.
Das Gestell 210 trägt ein Gatter 230, das aus senkrechten Stangen 232 und Querträgern 234 gebildet ist. Schienen 236 sind an den äusseren Enden der Querträger 234 montiert und erstrecken sich in Längsrichtung der Maschine. Jede Schiene 236 dient als eine Führungsbahn für einen Trolleyzug 238, der neue Spulen 240 an das Gatter 230 heranführt. Einzelheiten eines solchen Trolleyzuges sind aus EP-43 12 68 zu entnehmen.
Das Gatter 230 umfasst auch Träger 242 für Vorlagespulen 244, 246, welche die einzelnen Spinnstellen mit Vorgarn beliefern. Die Träger 242 sind als Querschienen gezeichnet, wobei aber diese Anordnung für diese Erfindung ohne Bedeutung ist. Im Beispiel nach Fig. 16 sind die Vorlagespulen für jede Spinn¬ stellenreihe 212 bzw. 214 in zwei Reihen angeordnet, und zwar in einer inneren Reihe 244 in der Nähe der Mittelebene ME und einer äusseren Reihe 246, welche von der Mittelebene ME ent¬ fernt ist.
Die Querträger 234 tragen auch auf jeder Maschinenseite eine Schienenanordnung 248 bzw. 250, welche als Führungsbahn für einen jeweiligen fahrbaren Roboter 252 bzw. 254 dient. Der Roboter 252 bzw. 254 läuft daher zwischen der äusseren Vor¬ lagespulenreihe 246 und den vom Trolleyzug 238 getragenen neuen Spulen 240 und oberhalb des jeweiligen Bedienungsge¬ rätes 226 bzw. 228. Der Roboter 252 ist zur Bedienung der beiden Vorlagespulenreihen des Gatters ausgelegt, wie in un¬ serer PCT Patentanmeldung Nr. PCT/CH/91/00225 erklärt wurde. Dieser Roboter ist für das Luntenhandling derart ausgelegt, dass nach einem Spulenwechsel im Gatter die Lunte der neuen Spule durch den Roboter ins Streckwerk eingefädelt wird.
Transporteinrichtungen
Fig. 17 zeigt ein Beispiel für das Layout des Spinnsaals ei¬ ner Ringspinnanlage, die durch einen Roboter nach PCT- Patentanmeldung Nr. PCT/CH/91/00225 bedient wird. Das Dia¬ gramm der Fig. 17 soll insbesondere zur Erklärung der Belie¬ ferung der Spinnmaschinen mit zu verarbeitendem Vorlagemate¬ rial dienen. Ein Flyer 500 liefert über ein Schienennetz 302 (mit Pufferstrecken 504) für Trolleys (nicht gezeigt) Spulen an vier Ringspinnmaschinen 504,506,508 und 510. Mit AK bzw. EK ist für jede Maschine der Antriebskopf bzw. der Endkopf (vom Antriebskopf entfernt) angedeutet. Ueber Weichenstellen 512 kann ein Trolley auf einer beliebigen Maschinenseite ge¬ führt werden. Jeder Maschine ist dementsprechend ein U-förmi- ger Abschnitt des Netzes zugeteilt. Die Transporteinrichtung ist von einem Zentralrechner 514 des Transportsystems ge¬ steuert. Ein Beispiel für den Aufbau eines Transportnetzes zwischen Flyern und Ringspinnmaschinen ist in der europä¬ ischen Patentanmeldung Nr. 43 12 68 zu finden.
Es ist auch ein Schienennetz 516 für den Spulenwechsel- bzw. Luntenhandling-Roboter 518 vorgesehen, der dem Roboter 252,254 nach Fig. 16 entspricht. Das Netz 516 umfasst für jede Maschine einen jeweiligen U-förmigen Abschnitt, der aber dem entsprechenden U-förmigen Abschnitt des Transportnetzes 502 entgegengerichtet ist. Ueber Verbindungsstücke 520 kann der Roboter 518 von einer Maschine zu einer anderen geführt werden.
Spulenwechseloperationen werden vorzugsweise nach einer vor¬ bestimmten "Wechselstrategie" ausgeführt, wovon ein Beispiel in PCT Patentanmeldung Nr. PCT/CH/91/00225 beschrieben ist. Nach dieser Strategie werden die Wechseloperationen abwech¬ selnd auf der einen bzw. der anderen Seite der Maschine durchgeführt, um die Arbeitsbelastung der Bedienungsgeräte 226,228 (Fig. 16) zu verringern. Es ist nämlich notwendig, beim Neueinfädeln des Streckwerkes jedesmal eine Spulenwech- seloperation mit einer Fadenbruchbehebung zu koordinieren, so dass beim Spulenwechsel das Bedienungsgerät 226 bzw. 228 stets bei den betroffenen Spinnstellen vorhanden sein sollte. Dies bedeutet natürlich, dass das Bedienungsgerät zur Bedie¬ nung von anderen Spinnstellen nicht zur Verfügung steht, ob¬ wohl allenfalls andere Störungen (die eine Fadenbruchbehebung erfordern) an diesen anderen Spinnstellen vorkommen.
Die bevorzugte Maschinenanordnung umfasst daher mindestens zwei Bedienungsgeräte (Fig. 16), die je einer Maschinenseite zugeordnet sind. Während ein Bedienungsgerät daher zur Mit¬ arbeit bei einer Spulenwechseloperation auf der einen Ma¬ schinenseite abgeordnet werden kann, ist das Bedienungsgerät auf der anderen Maschinenseite freigestellt, die Spinnstellen zu bedienen, die keine Spulenwechseloperation erfordern.
Die Anforderung (in der Form eines Signals) zum Heranführen eines voll beladenen Trolleyzuges aus der
Transporteinrichtung an eine bestimmte Ringspinnmaschine wird vorzugsweise von dieser Maschine selbst (zum Beispiel gemäss EP-392482) erzeugt. Das Positionieren dieses Trolleyzuges gegenüber der Ringspinnmaschine hängt aber dann von der Ge¬ samtanordnung ab. Es könnte' zum Beispiel vorgesehen werden, dass eine gesamte Maschinenseite jedesmal mit Trolleyzügen besetzt wird, wonach Spulenwechseloperationen durch den Ro¬ boter durchgeführt werden. Die Informationen bezüglich der Gatterstellen, welche aus diesen Trolleys zu besetzen sind, sollten in der Ringspinnmaschine bzw. im Roboter (eher als in der ZentralSteuerung 514 der Transporteinrichtung) vorhanden sein.
Im wahrscheinlicheren Fall, dass der Trolleyzug kürzer als die Gesamtlänge der Maschine ist, und, dass die Spulenwech¬ seloperationen gruppenweise erfolgen, muss jeder Trolleyzug in einer geeigneten Position gegenüber der Ringspinnmaschine gestellt und verriegelt werden. In diesem Fall ist vorzugs¬ weise eine Schnittstelle zwischen der Steuerung 514 der Transporteinrichtung und der Steuerung der Ringspinnmaschine zu definieren, so dass die Bewegungen des Trolleyzuges ab dieser Schnittstelle von der Ringspinnmaschinensteuerung übernommen werden (z.B. nach EP 392482). Die geeigneten Po¬ sitionsinformationen können entweder vom Roboter an die Ringspinnmaschine abgegeben werden oder sie können in der Ringspinnmaschinensteuerung vorhanden sein und an den Roboter übertragen werden.
Das Auslösen einer Spulenwechseloperation kann von der Ringspinnmaschine entweder nach Zeit oder (vorzugsweise) gemäss der abgelieferten Luntenmenge (d.h. in Abhängigkeit von der Maschinengeschwindigkeit) gerechnet werden.
Ob die Anordnung nach Fig. 17 (mit einer Verbindung für den Roboter zwischen zwei oder mehr, (in Fig. 17 vier), Maschinen
möglich ist oder nicht, hängt von der Spulenwechselhäufigkeit ab, was wiederum von der Garnnummer abhängig ist. Falls die Verbindung möglich ist, sollte der Uebergang von einer Ma¬ schine zu einer anderen durch die ZentralSteuerung 514 der Transporteinrichtung in Abhängigkeit von der Belieferung der Maschinen mit Trolleys koordiniert werden.
Eine Spinnmaschine braucht aber eine Transporteinrichtung nicht nur für die Zufuhr des Vorlagematerials sondern auch zum Weiterbefördern des Produktes der Spinnmaschine selbst. Die meisten modernen Ringspinnmaschinen sind heute mit zwei Transportbändern nach Fig. 18 ausgerüstet. Jeder Spindelreihe ist ein eigenes mit Zapfen versehenes Band zugeordnet. Die Leerhülsen werden auf je einen Zapfen durch die Bewegung des Bandes in der Längsrichtung der Maschine dem Doffautomat und dadurch den Spinnstellen zugeführt - die gleichen oder ande¬ ren am Band befestigten Zapfen dienen der Abfuhr der vollen Kopse, nachdem sie durch den Doffautomat den Spindeln abge¬ nommen werden. Beispiele solcher Systeme sind in US 3791123; CH 653378 und EP 366048 zu finden. Neuere Systeme, die auf der Basis des sogenannten Peg Trays beruhen, sind z.B. aus der europäischen Patentanameldung Nr. 45 03 79 zu entnehmen.
Die Spinnmaschinen nach neueren Verfahren brauchen andere Transporteinrichtungen, z.B. zum Befördern von Kannen an die bzw. zum Weiterbefördern von Kreuzspulen von der Rotorspinn¬ maschine. Beispiele solcher Systeme sind in DE 4015938.8 vom 18.05.1990 (Kannenzufuhr) bzw. DOS 4011298 unα DOS 4112073 (Kreuzspulentransportsystem) zu finden.
Die Aktorik der (Ring-1 Spinnmaschine
Die Aktorik der Maschine umfasst sowohl die ein- wie auch die angebauten Elemente und Aggregate. Die Aktorik für die
eingebauten Elemente umfasst mindestens Antriebe für die Spindeln, die Streckwerke und Ringbank. Ein modern konzi¬ piertes System (Einzelantrieb) zum Antreiben der Spindeln, Ringbank und Streckwerke einer Ringspinnmaschine ist in EP 349831 und 392255 gezeigt, wonach für jede Spindel und auch für einzelne Streckwerkreihen je ein eigener Antriebsmotor vorgesehen ist. Das heute noch am meisten gebrauchte An¬ triebssystem (Zentralantrieb) für die Ringspinnmaschine umfasst einen Hauptmotor im Antriebskopf der Maschine und Uebertragungsmittel (z.B. Längswellen, Riemen bzw. Zahnrä¬ der), um die Antriebskräfte vom Hauptmotor auf die Antriebs¬ elemente zu übertragen.
In einer Maschine nach Fig. 16 muss auf jeden Fall je ein Zusatzmotor für die DoffVorrichtungen 222,224 vorgesehen werden. Die Aktorik für die eingebauten Elemente umfasst auch die Antriebe der Transporteinrichtungen für Kopse (z.B. nach DOS 3610838) oder für Leerhülsen in der Aufsteckung (z.B. nach WO 90/12133) .
Die angebauten Hilfsaggregate umfassen natürlich sowohl die Roboter 226,228 und 252,254 als auch Transporttrolleys 238, die vorläufig an der Maschine positioniert sind. Weitere Beispiele solcher Aggregate sind Reinigungsroboter, Bläser oder andere fahrbare Automaten z.B. für den Läuferwechsel.
Einige dieser Aggregate haben eigene Antriebe (fahrbare Be¬ dienungsautomaten) . Andere haben möglicherweise keinen ei¬ genen Antrieb sondern sind von einem der Maschine an- bzw. eingebauten Antrieb abhängig (siehe z.B. den Trolleyantrieb gemäss Fig. 16 bis 18 von WO 90/12133) bzw. einem Antrieb nach der europäischen Patentanmeldung Nr. 42 11 77. Die An¬ triebe dieser Hilfsaggregate sind auch als die Aktorik der Spinnmaschine zu betrachten, sofern sie von der Maschinen¬ steuerung beeinflussbar sind.
Wichtige Aktorikelemente sind diejenigen, welche zum "Still¬ legen" einer Spinnstelle dienen, wobei "Stillegen" hier "als effektiv produzierende Spinnstelle stillegen" zu verstehen ist. In den meisten Fällen werden nämlich beim Stillegen ei¬ ner einzelnen Spinnstelle nicht alle Arbeitselemente dieser Spinnstelle zum Stillstand gebracht, sondern das Spinnen wird in dieser Spinnstelle unterbrochen. Dies kann zum Beispiel durch Abbrechen der Materialzufuhr und/oder durch das ab¬ sichtliche Erzeugen eines Fadenbruches geschehen.
In einer weitgehend automatisierten Maschine (z.B. der Ro¬ torspinnmaschine) kann dies problemlos von einer zentralen Maschinensteuerung aus durch die eine oder die andere Mög¬ lichkeit bewerkstelligt werden. Es kann z.B. der Antrieb an die Speisewalze unterbrochen werden, um die Materialzufuhr an die Auflösewalze bzw. den Rotor der Spinnstelle zu unterbin¬ den. Es kann aber auch ein sogenannter Qualitätsschnitt in der Qualitätsüberwachung der Spinnstelle bzw. Spulstelle durchgeführt werden, um den Fadenlauf zu unterbrechen. In der Rotorspinnmaschine oder Düsenspinnmaschine kann ein solcher "Schnitt" durch die absichtliche Unterbrechung des Zufuhrma¬ terials verursacht werden.
In der heutigen konventionellen Ringspinnmaschine sind solche Möglichkeiten nicht vorhanden, da die Aktorik der einzelnen Spinnstellen nicht unter der direkten Kontrolle der zentralen Maschinensteuerung steht. In solchen Maschinen kann aber die Stillegung einer Spinnstelle durch ein fahrbares Hilfsaggre¬ gat bewerkstelligt werden, z.B. nach dem System der europä¬ ischen Patentanmeldungen Nrn. 388938, 394671 und 419828 d.h. durch die Betätigung einer Luntenklemme, um die Materialzu¬ fuhr zu unterbinden.
Die Ausnützung einer Luntenklemme zum Unterbrechen der Mate¬ rialzufuhr wird bei allen Maschinentypen wichtig sein, wo das
Vorlagematerial über ein Streckwerk an die Spinnelemente ge¬ liefert wird, weil normalerweise das Abstellen einer ein¬ zelnen Position eines Streckwerks unmöglich ist. Den Lunten¬ klemme der einzelnen Spinnstellen können natürlich auch je eine BetätigungsVorrichtung zugeordnet werden. Diese sind dann auch von einer zentralen Maschinensteuerung aus betä¬ tigbar. Beispiele solcher Luntenklemmen sind in EP 322636 und EP 353575 zu finden.
Die Steuerung der Spinnmaschine und ihre Hilfsaggregate
Die heute konventionelle Ringspinnmaschine (mit Zentralan¬ trieb) hat normalerweise eine zentrale Mikroprozessorsteue¬ rung, die geeignete Steuersignale für das Zentralantriebssy¬ stem (normalerweise durch Ansteuerung von Frequenzumrichter) erzeugt. Ein Einzelantriebssystem kann z.B. eine "verteilte" Steuerung nach EPO 389849 umfassen. Neuartige Spinnmaschinen (Rotor- bzw. Luftspinnmaschinen) sind auf jeden Fall mit verteilten Steuerungen versehen - siehe z.B. EP 295406 oder den Artikel "Mikroelektronik - heutige und zukünftige Ein¬ satzgebiete in Spinnereibetrieben" in Melliand Textilberichte 6/1985, Seite 401 bis 407, wobei die verteilten Steuerungen sinnvollerweise eine zentrale koordinierende Maschinensteue¬ rungszentrale umfassen. Dies gilt auch für Spulmaschinen z.B. nach dem Artikel "Der Beitrag elektronisch gesteuerter Tex¬ tilmaschinen zur betrieblichen Informationstechnik" von Dr. T. Rüge (Reutlinger Spinnerei Kolloquium 2/3 Dezember 1987.
Die fahrbaren Hilfsaggregate haben je eine eigene autonome Steuerung - siehe z.B. EP 295406, EP 394671 oder EP 394708 (Obj. 2083). Obwohl diese Steuerungen autonom arbeiten, ist jede der Maschinensteuerung hierarchisch unterstellt. Bei einem bevorstehenden DoffVorgang z.B. werden die Roboter 226,228 durch die koordinierende Maschinensteuerung aus den
Arbeitsbereichen der Doffautomaten 222,224 wegbefohlen (z.B. gemäss DOS 2455495).
Die Steuerung 514 der Fig. 17 ist ebenfalls als eine "Ma¬ schinensteuerung" zu betrachten, d.h. die Transporteinrich¬ tung, welche zwei Verarbeitungsstufen verbindet, kann orga¬ nisatorisch als eine '"Maschine" betrachtet werden. Dies gilt nicht, wenn die betreffende Einrichtung in einer Maschine eingebaut bzw. einer Maschinensteuerung hierarchisch unter¬ stellt ist.
Die Sensorik der heutigen (Ring-) Spinnmaschine
Im Vergleich zu den Maschinen für die neuen Spinnverfahren (z.B. Rotor-bzw. Düsenspinnmaschinen) ist die Sensorik der heutigen Ringspinnmaschine ausgesprochen dürftig. Die Rotor¬ spinnmaschine z.B. ist schon lang mit einer Sensorik verse¬ hen, welche sowohl den Zustand der einzelnen Spinnstelle als auch die Qualität des darin hergestellten Garnes wiedergibt (siehe EP 156153 und den darin erwähnten Stand der Technik. Für eine moderne Ueberwachung - siehe ITB Garnherstellung 1/91, Seite 23 bis 32.4). Aehnliche Systeme sind auch für die Filamentverarbeitung in der Falschdralltexturiermaschine entwickelt worden - siehe z.B. DOS 3005746. Die Spulmaschine, welche die Kopse der Ringspinnmaschine zu Kreuzspulen verar¬ beitet, ist heute bereits mit einer hochgezüchteten Sensorik versehen - siehe z.B. DOS 3928831, EP 365901, EP 415222 und US 4984749.
Es sind Vorschläge bekannt, wonach die Ringspinnmaschine ebenfalls mit einem hochentwickelten internen Kommunikati¬ onssystem und einer entsprechenden Sensorik zu versehen wäre - siehe z.B. EP 322698 und EP 389849 (= DOS 3910181). Solche Vorschläge erfordern (für ihre Realisierung) die Ueberarbei- tung der gesamten Ringspinnmaschine, was wegen der damit
verbundenen Kosten - und den entsprechenden Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit des Verfahrens - nicht schlagartig sondern nur schrittweise vor sich gehen kann.
In der nächsten Zukunft wird die Ringspinnmaschine wohl des¬ wegen kein internes KommunikationsSystem erhalten. Informa¬ tionen über die Zustände der einzelnen Spinnstellen werden deswegen nicht aus einzelnen Sensoren an den jeweiligen Spinnstellen sondern durch fahrbare Ueberwachungsgeräte ge¬ sammelt werden müssen. Solche Geräte sind schon lange bekannt (z.B. aus DOS 2731019) - eine neuere Variante, wonach die Ueberwachung in einem Fadenbruchbehebungsautomat integriert wird, ist in EP 394671 (= DOS 3909746) gezeigt worden. Weitere Sensoren der Ringspinnmaschine, welche für die Be¬ schickung der Aufsteckung wichtig sind, kann man beispiels¬ weise aus WO 90/12133 entnehmen. Weitere Sensoren sind für den Betrieb der Kops- bzw. Leerhülsen-Transporteinrichtung notwendig, wobei solche Sensoren heute bekannt sind und des¬ wegen hier nicht im Detail beschrieben werden, (siehe aber z.B. DE-Patentschrift 3344473).
Es ist zu bemerken, dass die Sensorik der Spinnmaschine an¬ gebaut statt eingebaut werden kann. Ein Beispiel eines solchen Systems ist im Artikel "Ueberwachung der Qualität von OE-Rotorgarnen" in ITB Garnherstellung 1/91, Seite 23 bis 32 zu finden.
Gleichgültig ob die Spinnmaschine mit einer an- oder einge¬ bauter Sensorik versehen ist, wird sie mit mindestens ge¬ wissen Sensorikelementen ausgerüstet werden, die ihre Aus¬ gangssignale an die Maschinensteuerung liefern. Diese "maschineneigenen" Signale ergeben ein Abbild des "Zustandes" der Maschine. Sie beantworten unter anderem Fragen, die für die "Sicherheit" wichtig sind, z.B.
steht bzw. bewegt sich ein fahrbares Gerät momentan in einem Bereich, wo eine Kollision mit einem anderen Ma¬ schinenteil (z.B. einem eingebauten Doffautomat) entste¬ hen könnte?
werden physikalische Grenzwerte überschritten, die zu einem Schaden führen können (z.B. Drehzahl, Lagertempe¬ raturen, Stromwerte) ? - siehe z.B. DOS 4015483.
steht eine Person bzw. ein Hindernis in der Fahrbahn ei¬ nes bewegbaren Teiles?
ist in der Maschine eine Operation gestartet worden, die nicht sofort abgebrochen werden darf?
Die entsprechenden Sensoren können als die Sicherheitssenso- rik der entsprechenden Maschine bezeichnet werden. Die Sen¬ soren dürfen dabei auf einer Nachbarmaschine oder einem Transportsystem installiert sein. Wichtig ist, dass die Sen¬ sorensignale an die zutreffende Maschinensteuerung geleitet werden.
Die Steuerung der Gesamtanlage
Der in Fig. 17 abgebildeter Spinnsaal stellt nur einen Teil der Gesamtanlage dar. Eine gesamte Spinnerei ist z.B. in DOS 3924779 gezeigt. Andere Beispiele sind in den folgenden Artikeln zu finden:
1. "Ueberwachung der Qualität von OE-Rotorgarnen" in ITB Garnherstellung 1/91, Seite 23 bis 32.
2. "Vergleich von Anforderungsprofil und Realität für eine automatisierte Spinnerei" in Textilpraxis International vom Oktober 1990 (ab Seite 1013).
Die Steuerung der Gesamtanlage ist derart ausgelegt, dass die Verarbeitungsstufen "verkettet" sind. Sofern der Transport zwischen den Verarbeitungsstufen automatisiert ist, können Signale von einer "Quelle" (liefernde Maschine) und einer "Senke" (zu beliefernde Maschine) von der Steuerung des Transportsystems zu einem "Fahrauftrag" verarbeitet werden, welcher sodann an eine Transporteinheit erteilt wird, (vor¬ ausgesetzt natürlich, dass eine freie beladene Transportein¬ heit bereitsteht) . Wo gewisse Operationen noch nicht automa¬ tisiert sind, ist der Einsatz einer Bedienungsperson erfor¬ derlich.
Bevor eine Maschine eine Handlung über die Aktorik auslöst, wird zuerst im von der Sicherheitssensorik erzeugten Abbild des Maschinenzustandes kontrolliert, ob diese Handlung ohne Gefahr und Schaden durchgeführt werden kann.
Die Verkettung der Verarbeitungsstufen einer Spinnereianlage mit oder ohne Bedienungseingriffe ist heute weitgehend auf der "Maschinenebene" gelöst - Beispiele sind dem schon er¬ wähnten Stand der Technik zu entnehmen. Die Verkettung der Anlage durch eine konventionelle oder noch weiterentwickelte Kombination von Aktorik/Sensorik/Steuerungen auf Maschinen¬ ebene (d.h. ohne den Prozessleitrechner) wird vorzugsweise beibehalten, damit ohne Prozessleitrechner oder bei Ausfall des Prozessleitrechners die Anlage, wenn auch mit reduzierter Leistung, betrieben werden kann.
Der Prozessleitrechner
Den einzelnen Maschinensteuerungen, welche zu einem autonomen Betrieb der Anlage völlig ausreichen, wird nach dieser Er¬ findung ein Prozessleitrechner überlagert, um eine Prozess- leitebene zu bilden. Fig. 19 zeigt eine entsprechende
Ausführung, welche als Modifikation der Anlage nach Fig. 14 ausgeführt ist.
Fig. 19 zeigt schematisch die Verbindung des Prozessleit¬ rechners mit einzelnen Maschinen. Die dadurch veranschau¬ lichten Prinzipien gelten aber auch für die Verbindung mit weiteren bzw. mit allen Maschinen der Gesamtanlage. Fig. 19 zeigt schematisch eine mögliche Variante der Architektur für eine Prozess-Steuerung mit dem Leitrechner 340, dem Netzwerk 350, dem Rechner 390 und dem Rechner 410, die vorher im Zu¬ sammenhand mit Fig. 14 beschrieben wurden. Jeder Rechner 340,390 hat nach wie vor die ihm zugeordneten Speicher 343,345 bzw. 391 und Treiber 347,349 (Fig.14) bzw. 393,394, (Fig.14) 395,396 (Fig.14), wobei in Fig. 19 gewisse Elemente nicht mehr gezeigt sind, da sie aus Fig. 14 ersichtlich sind. Diese Prozess-Steuerung kann für die Gesamtanlage oder nur für einen Teil davon (z.B. für den Spinnsaal nach Fig. 9 bzw. 17 vorgesehen werden.
Zusätzliche Treiber 412 bzw. 416 bestimmen die notwendigen Schnittstellen für die Kommunikation zwischen zwei Zusatz¬ rechnern 414 bzw. 418 und dem Netzwerk 350. Beide Zusatz¬ rechner 414,418 sind mit Treibern (nicht gezeigt) versehen, welche die Schnittstellen zwischen dem jeweiligen Rechner 414,418 und Anzeige und Bedienungselemente, wovon nur die mit dem Rechner 414 verbundene Anzeige 420 und Bedienung 422 ge¬ zeigt sind.
Der Rechner 418 steuert eine Klimaanlage, welche den Saal klimatisiert, worin sich die durch die Rechner 390 und 410 gesteuerten Maschinen (unter anderem) befinden. Diese Anlage hat natürlich mit den Prozessabläufen an und für sich nichts unmittelbar zu tun, beeinflusst aber massgebend die Umgebung, worin diese Abläufe abgewickelt werden müssen und dement¬ sprechend die erzielten Resultate dieser Abläufe. Die Klima-
anläge ist mit einer Sensorik versehen, die in Fig. 19 sche¬ matisch durch einen Sensor 424 vertreten wird.
Der Rechner 414 steuert ein Datenerfassungssystem, welches der durch den Rechner 390 gesteuerten Maschine angebaut ist. Das Datenerfassungssystem umfasst eine Sensorik die in Fig. 19 durch die Sensoren 426 und 428 vertreten ist. Die Sensorik des Erfassungssystems gewinnt Messdaten über Zustände in der vom Rechner 390 gesteuerten Maschine, liefert aber die ent¬ sprechenden Ausgangssignale (Rohdaten) nicht an den Rechner 390, sondern an den Rechner 414. Dieser kann (muss aber nicht) eine Verbindung 430 mit dem Rechner 390 aufweisen, die nachfolgend näher erläutert wird, liefert aber die gewonnenen Rohdaten trotzdem über das Netzwerk 350 an den Rechner 340.
Der Prozessleitrechner 340 kann nun Steuerbefehle über das Netzwerk 350 an den Rechner 390 und/oder an den Rechner 414 senden. Wenn solche Steuerbefehle vom Rechner 414 empfangen werden und das Datenerfassungssystem betreffen, ist keine Kommunikation über die Verbindung 430 notwendig. Wenn solche Befehle aber die Aktorik der Maschine selbst betreffen, müs¬ sen sie über die Verbindung 430 an die Maschinensteuerung 390 weitergeleitet werden, falls sie vom Rechner 414 empfangen werden. Diese Anordnung ist nicht wünschenswert, da der Prozessleitrechner 340 vorzugsweise direkt mit dem Rechner 390 kommuniziert. Die Anordnung ist aber nicht aus der Er¬ findung ausgeschlossen und könnte sich als notwendig erwei¬ sen, falls die "Mitarbeit" des Datenerfassungssystems not¬ wendig ist, um die aus seinen Daten gewonnenen Resultate in Steuerbefehle für die Maschine umzuwandeln. Dies könnte z.B. der Fall sein, wo das Datenerfassungssystem (vielleicht als eine Nachrüstung) von einem Lieferant zur Verfügung gestellt wird, der die Maschine selbst nicht liefert, oder dort, wo auch ein autonomer Betrieb des Systemteils 390 - 414
vorkommt, z.B. beim Spuler (390) und Garnreiniger (414) für die Mitteilung "Garn geschnitten" .
Fig. 19 zeigt auch einen weiterer Rechner 432, welcher dem Rechner 390 zugeordnet ist. Rechner 432 steuert z.B. ein Be¬ dienungsgerät, welches der vom Rechner 390 gesteuerten Ma¬ schine ständig zugeordnet ist. Der Rechner 432 kann nicht direkt, sondern nur über den Rechner 390 mit dem Prozessleit¬ rechner 340 kommunizieren. Der Rechner 432 erhält Steuerbe¬ fehle vom Rechner 390 und arbeitet sonst als autonome Ein¬ heit. Er steuert eigene Antriebe 434,436 und hat eigene Sen¬ soren 438,440. Der Sensor 438 ist zur Ueberwachung eines Be¬ triebszustandes der autonomen Einheit (des Bedienungsgerätes) vorgesehen - der Sensor 440 hingegen überwacht einen Zustand der vom Rechner 390 gesteuerten Maschine. Die Rohdaten des Sensors 440 werden dementsprechend kontinuierlich oder in¬ termittierend an den Rechner 390 weitergeleitet.
Ein in der Maschine vorgesehenen Sensor 442 könnte zur Ueberwachung eines Zustandes der autonomen Einheit vorgesehen werden. Seine Rohdaten müssten nicht an den Rechner 432 wei¬ tergeleitet werden, würden aber die an ihn gerichteten Steu¬ erbefehle beeinflussen.
Die Verbindung 444 zwischen den Rechnern 390 und 432 muss nicht kontinuierlich bestehen. Eine geeignete Verbindung zwischen der Steuerung einer Ringspinnmaschine und einem dieser Maschinen untergeordneten Ansetzroboters ist in un¬ serer europäischen Patentanmeldung Nr. 394671 gezeigt worden. Der Rechner 432 kann (wie die Rechner 390 und 414) mit ei¬ genen Anzeige- bzw. Bedienungselementen versehen werden, die aber in Fig. 19 nicht gezeigt sind.
Ausnahmezustände (Abkoppeln, Abschalten, Ausfälle) :
Wie in der Einleitung erwähnt wurde, ist es gelegentlich wichtig bzw. erwünscht, eine Maschine vom Prozessleitsystem abzukoppeln. Das ist in Fig. 19 schematisch durch die "Schalter" 446,448 die nicht "frei", sondern nur unter vor¬ gegebenen Umständen betätigt werden können, was schematisch durch die Schlüssel 450 angedeutet ist. Diese Darstellung gilt nur zur Erklärung des Prinzipes - es ist nicht notwen¬ dig, die Verbindung mit dem Netzwerk zu unterbrechen, um die Abkoppelung zu bewirken. Das Abkoppeln wie sie auch immer bewirkt wird, darf nur unter kontrollierten Umständen (durch bestimmte Personen) durchgeführt werden.
Eine vom Prozessleitrechner abgekoppelte Maschine untersteht wieder der vollen Kontrolle der Bedienungspersonals. Es kön¬ nen dann z.B. Wartungsarbeiten oder Versuche (unabhängig vom geleiteten System) durchgeführt werden.
Das Abkoppeln einer Maschine muss
an den Prozessleitrechner gemeldet werden, derart ausgeführt werden, dass die mit der abgekoppelten Maschine verketteten Maschine(n) weiterhin vom Prozess¬ leitrechner geleitet werden können.
Vorzugsweise ist eine "abgekoppelte" Maschine vom Prozess¬ leitsystem nicht gänzlich isoliert - sie meldet weiterhin ihre jeweiligen Zustandsinformationen an dieses System, rea¬ giert aber nicht mehr auf Steuerbefehle ihres jeweiligen Leitrechners. Der "Schalter" funktioniert in einem gewissen Sinn als eine "Diode", welche die Signalübertragung nur in einer Richtung ermöglicht.
In der bevorzugten Ausführung funktioniert die Kommunikation zwischen der Maschinensteuerung und dem Prozessleitrechner auch weiterhin nachdem der "Schalter" betätigt worden ist;
die Maschinensteuerung ist aber derart umgestellt, dass sie Steuerbefehle vom Prozessleitrechner (nach der Betätigung des Schalters) nicht mehr an die Aktorik leitet, sondern nur Steuerbefehle, die über die Steuerungsbedienung eingegeben werden.
Es ist auf jeden Fall wünschenswert, dass die Bedienerunter¬ stützung vom Prozessleitrechner aufrechterhalten wird, auch für eine Maschine, die vom Prozessleitsystem "abgekoppelt" ist. Dies ist natürlich unproblematisch, wenn diese Unter¬ stützung über die Bedieneroberfläche der Maschine geleistet und die Kommunikation zwischen der Maschinensteuerung und dem Prozessleitrechner auch bei Abkoppelung der Maschine vom Prozessleitsystem aufrechterhalten wird. Die Maschinensteue¬ rung kann dann Befehle des Prozessleitrechners an die Bedie¬ nungsoberfläche weiterleiten, die Maschinenaktorik aber bis zur Aufhebung der Abkoppelung von den Befehlen des Leitrech¬ ners abschotten. Insbesondere sollte es dem Prozessleit¬ rechner möglich sein, über die Bedienungsunterstützung anzu¬ zeigen, dass das Wiederankoppeln der abgekoppelten Maschine "erwünscht" ist, z.B. weil die Produktion dieser Maschine zur Erfüllung eines dringenden Produktionsauftrages erforderlich ist.
Es ist auch gelegentlich notwendig, eine Maschine beim Durchführen von Arbeiten daran "abzuschalten" z.B. zum Aus¬ führen gewisser Unterhaltsarbeiten oder beim Sortimentswech¬ sel. Auch in diesen Fällen sollte weiterhin die Bedienungs¬ unterstützung vom Prozessleitrechner möglich sein, auch dann, wenn diese Unterstützung über die Bedienungsoberfläche der Maschine geleistet wird. Es ist dementsprechend vorzugsweise Schaltmittel (z.B. in Verbindung mit der Maschinenεteuerung vorgesehen), um die Aktorik (bzw. vorbestimmte Elemente da¬ von) abzuschalten, ohne die Kommunikation zwischen dem
Prozessleitrechner und der Bedienungsoberfläche (oder anderem Unterstützungsmittel) abzubrechen.
Es können daher Mittel vorgesehen werden, um eine abgekop¬ pelte Maschine auf verschiedene Weise weiter zu betreiben z.B. im "Normalbetrieb" (aber ohne die Funktion des Prozess¬ leitrechners) oder im "Servicebetrieb". Es könnten sogar verschiedene "Schlüssel" vorgesehen werden, um die Maschine in dem einen oder dem anderen Betriebszustand einzustellen.
In allen diesen Fällen werden die Zustände der Maschine vor¬ zugsweise weiterhin an den Prozessleitrechner gemeldet.
Zustandsabbild / Sicherheitszustände:
Sowohl jede Maschinensteuerung wie auch der Prozessleitrech¬ ner speichert ein Abbild der jeweiligen gesteuerten Anlage¬ teil ab. Der Prozessleitrechner hat aber viel mehr Daten zu bearbeiten, als eine von ihm gesteuerte Maschinensteuerung. Da die Verarbeitung (Auslegung) dieser Informationen eine ge¬ wisse Zeit in Anspruch nimmt, kann nicht davon ausgegangen werden, dass ein Steuerbefehl des Prozessleitrechners den momentanen Zustand der gesteuerten Maschine adequat be¬ rücksichtigt. Dies ist besonders in Zusammenhang mit dem Si¬ cherheitszustand der Maschine wichtig. Die "Verantwortung" für die Sicherheit ist daher auf die Maschinensteuerungsebene gesetzt.
Die Sicherheit hängt im wesentlichen von Bewegungen der Ma¬ schinenteile ab. Diese Bewegungen bestimmen geometrisch de¬ finierbare "Felder" bzw. (dreidimensionale) "Räume" . Es ist daher möglich, einer bestimmten Steuerung die Verantwortung für ein vorgegebenes Sicherheitsfeld bzw. Sicherheitsraumes zuzuordnen. Dieses Prinzip wird nachfolgend anhand der Fig.
20 näher erklärt, wobei zweidimensionale Felder als Beispiele dargestellt werden.
Fig. 20A zeigt das einfachste Beispiel - das "Sicherheits¬ feld" 550 einer Maschine 552 umhüllt die Maschine mit einem vorgegebenen Abstand, welcher die maximalen Ausdehnungen von bewegbaren Maschinenteilen (z.B. Dofferbalken 222,224, Fig.16) berücksichtigt. Innerhalb dieses Sicherheitsfeldes können alle bewegbaren, der Maschinensteuerung untergeord¬ neten Elemente sich bewegen (z.B. auch Bedienungsroboter).
Fig. 20B zeigt eine etwas kompliziertere Variante, wo "En¬ klaven" 554 innerhalb des Sicherheitsfeldes 556 einer Ma¬ schine 558 vorgesehen sind. Solche "Enklaven" stellen die Sicherheitsfeider einer anderen Steuerung bzw. anderer Steuerungen dar z.B. einer bewegbaren, an der Maschine ange¬ bauten Sensorik (siehe beispielsweise den Artikel "Wirt¬ schaftliche Prozessdatenerfassung mit dezentralen Subsy¬ stemen" von H. Howald, in Textil Praxis International vom März 1983, Seite 230 ff), oder einer in der Maschine inte¬ grierten separat gesteuerten Vorrichtung (beispielsweise ei¬ nes Garnreinigers in einer Spulmaschine - siehe z.B. WO 85/01073) .
Fig. 20C zeigt dann eine weitere Komplikation, nämlich wo ein bewegbares Element (z.B. ein Transporttrolley) gelegentlich in das Sicherheitsfeld 560 einer Maschine 562 "eindringen" muss. Die folgenden Möglichkeiten können vorgesehen werden:
1) die "Sicherheitsverantwortung" für den Trolley wird an die Steuerung der Maschine "übertragen", wenn das neue Element in das entsprechende Feld eindringt.
2) die Maschinensteuerung gibt einem Bereich 564 ihres Si¬ cherheitsfeldes 560 für das Eindringen des neuen
Elementes frei, und die Sicherheitsverantworung für die¬ sen Bereich wird somit von der Maschinensteuerung an die Steuerung des bewegbaren Elementes "abgetreten".
Schliesslich zeigt Fig. 20D eine Variante wo einer Maschine 570 ein "veränderbares" Sicherheitsfeld 572 zugeordnet wird, z.B. weil dieses Feld eine bewegbare Ausdehnung 574 entspre¬ chend einem fahrbaren Roboter umfasst. Ein zweites Element (z.B. ein Bläser) hat ein Sicherheitsfeld 576, das normaler¬ weise an das Feld 572 angrenzt, wobei aber eine Ueberlappung zustande kommt, wenn die "Ausdehnung" 574 des Feldes 572 sich in das Feld 576 einzudringen droht. In diesem Fall kann eine "Ausweichpflicht" für das eine oder das andere bewegbare Element vorbestimmt werden.
Die Funktion des Prozessleitrechners bzw. erforderliche Daten
Die Funktionen eines Leitrechners sollten gegenüber den Funktionen eines Datenerfassungssystems abgegrenzt werden, wobei der Leitrechner auch Erfassungsaufgaben erfüllen kann. Die Datenerfassung stellt sich die Aufgabe, einen sinnvollen Ueberblick zu erzeugen. Möglichkeiten sind zum Beispiel im Artikel "Prozessdatenerfassung in der Ringspinnerei - Anwen¬ dung und Weiterverarbeitung der Prozessdaten von USTER RINGDATA am praktischen Beispiel" von W. Schaufelberger auf¬ gezeigt. Der Artikel wurde am Reutlinger Spinnerei Kolloquium vom 2/3 Dezember 1986 vorgetragen.
Die Funktion des Leitrechners im Spinnereibetrieb hängt von der ihm durch den Anwender gestellten Aufgabe ab. Diese Funktion kann z.B. darin bestehen, die grundsätzlich autonom betriebsfähige Anlage anhand einer vorgegebenen Strategie zu optimieren. Eine andere Aufgabe kann darin bestehen, die An¬ lage über längere Perioden ohne Bedienungseingriff betriebs-
21
- 53 -
fähig aufrechtzuerhalten, was sowohl Dispositions- wie auch Instandhaltungsaufgaben beinhaltet.
Um eine garnproduzierende Anlage auf diese Art und Weise zu leiten, braucht der Leitrechner z.B. die folgenden Informa¬ tionen:
- die Betriebszustände der einzelnen Spinnstellen ("in Be¬ trieb" / "stillgelegt" und eventuell der Grund für die Stilllegung) ; diese Informationen dienen der Kalkulation und Ueberwachung der Gesamtproduktion der Anlage während eines gegebenen Zeitintervalls,
die "Qualität" des erzeugten Produktes der einzelnen Spinnstellen, d.h. für jede Spinnstelle Informationen darüber, ob das in dieser Spinnstelle produzierte Garn innerhalb vorgegebener Toleranzwerte liegt oder nicht ,
die verschiedenen Garntypen, die an den einzelnen Spinn¬ stellen produziert werden; dies dient der Hochrechnung und Ueberwachung der Fertigstellung gegebener Lose (Auf¬ träge) .
Es bestehen heutzutage keine Sensoren bzw. Sensorkombinati¬ onen, die imstande sind, den Garntyp einer laufenden Spinn¬ stelle eindeutig festzustellen. Diese Informationen müssen deswegen von der Bedienung eingegeben werden. Solche Ein¬ stellungen werden hier nicht behandelt, siehe aber z.B. un¬ sere schweizerische Patentanmeldung Nr. 1374/91 vom 7. Mai 1991.
Wie schon im vorangehenden Kapitel "Sensorik" angedeutet wurde, sind die Spinnmaschinen der neuen Spinnverf hren (Ro¬ torspinnen, Düsenspinnen) meistens selbst in der Lage, die notwendigen Informationen an den Prozessleitrechner zu
liefern, mindestens in dem Sinn, dass die Informationen in der Maschine selbst vorhanden sind. Die heutige Ringspinnma¬ schine hingegen ist nur über Hilfsaggregate imstande, die notwendigen Informationen zu liefern, wobei auch dann Quali¬ tätsangaben vom Garnreiniger der Spulmaschine bezogen werden müssen (siehe z.B. EP 365901). Unsere schweizerische Patentameldung Nr. 697/91 vom 07.03.1991 zeigt eine Möglich¬ keit, das Zusammenwirken der Bedienungsautomaten der Rings¬ pinnmaschine und des Garnreinigers der Spulmaschine dadurch zu optimieren, dass die Informationsbestände der beiden Ma¬ schinen ausgetauscht werden.
Der Prozessleitrechner hat daher vorzugsweise über sein Kom¬ munikationsnetzwerk bzw. seine Kommunikationsnetzwerke den Zugang zu den ihn wichtigen Rohdaten der Sensorik in der An¬ lage, bzw. in den von ihm gesteuerten Maschinen. Die Rohdaten enthalten die volle Information eines bestimmten (für das Prozessleitsystem wichtigen) Sensors, allenfalls derart auf¬ bereitet, dass FehlInterpretationen vermieden werden. Als Beispiel wird angenommen, der Fadenbruchsensor an einer be¬ stimmten Spinnstelle signalisiert einen Fadenbruch - aus diesem Signal kann nur dann auf einen Fadenbruch geschlossen werden, wenn die Spinnstelle (bzw. die Maschine) "in Betrieb" ist, was durch ein weiteres Signal (bzw. durch weitere Si¬ gnale) in der Signalaufbereitung berücksichtigt werden muss.
Prozessleitsystem / Maschinensteuerung
Die Erfindung beruht auf einer klaren "Aufgabenteilung" zwi¬ schen dem Prozessleitsystem (Prozessleitrechner) und den Ma¬ schinensteuerungen.
Es ist die Aufgabe des Prozessleitsystems, "vorausschauend" (auf der Basis einer ihm vorgegebenen "Strategie") zu "dis¬ ponieren", d.h. das Prozessleitsystem muss Trends bzw.
Tendenzen im Prozessablauf der Gesamtanlage erkennen und die einzelnen Sollwerte im Hinblick auf die Strategie optimieren. Um diese Aufgaben zu erfüllen, braucht das Prozessleitsystem (der Prozessleitrechner) Informationen bezüglich des Be¬ triebszustandes für jede Arbeitsstelle der Anlage. Dies stellt hohe Anforderungen an die Informationsübertragungsfä- higkeiten des Netzwerkes bzw. der Netzwerke zwischen den Ma¬ schinen und dem Rechner. Das Prozessleitsystem muss aber nicht kontinuierlich über den momentanen Stand der Anlage informiert werden, sondern ist gegenüber Verzögerungen in der Datenübertragung unempfindlich, vorausgesetzt dass diese Verzögerungen die Trends noch so frühzeitig erkennen lassen, dass das Prozessleitsystem wenn notwendig korrigierend ein¬ greifen kann.
Demgegenüber ist es nicht Aufgabe des Prozessleitsystems, jede letzte Operation in der Anlage zu steuern. Dies bleibt die Aufgabe der Maschinensteuerungen, die je ein Abbild der momentanen Zustände der von ihnen gesteuerten Elemente und Aggregate gespeichert haben müssen. Der Prozessleitrechner hat ein Abbild der Gesamtanlage gespeichert, das den momen¬ tanen Zustand aller für den Prozessleitrechner relevanten Daten darstellen muss und zum Feststellen von Zustandsände- rungen ausgelegt ist, und zwar mit einer maximalen Verzöge¬ rung, die in Abhängigkeit von der schnellsten zu erwartenden Zustandsänderungen festgelegt wird.
Der Prozessleitrechner hat dementsprechend Zugriff zu den Rohdaten der Sensorik der Anlage, aber keine direkten "Steuerungsbefugnisse". Der Prozessleitrechner gibt Steuer¬ befehle im Sinne von Sollwerten oder von Sollzustandsände- rungen (z.B. "vorzeitig Abspinnen") an die Maschinensteuerung ab, die aber diese Befehle erst nach Verarbeitung durch das eigene Steuerprogramm und unter Berücksichtigung den momentan
abgebildeten Zustandes der von ihr gesteuerten Elemente und Aggregate als Steuerungssignale an die Aktorik weitergibt.
Plausibilitätskontrolle
Die Software der Maschinensteuerung muss die vom Leitrechner empfangenen Steuerbefehle auf ihre Plausibilität kontrollie¬ ren. Dies gilt für alle Aspekte der steuerbaren' Abläufe, so dass die Maschinensteuerung eine "Berechtigung" erhalten kann, einen Steuerbefehl "in Frage zu stellen", wenn dieser Befehl mit dem in der Maschinensteuerung abgespeicherten Ab¬ bild des Maschinenzustandes nicht zusammenpasst. Die Software der Maschinensteuerung kann z.B. derart ausgelegt werden, dass sie einen solchen Steuerbefehl erst dann befolgt, wenn er durch eine Eingabe des Personals bestätigt wird oder wenn ein den Eingriff zulassender Maschinenzustand erreicht wird.
Ein Widerspruch zwischen einem Steuerbefehl und dem Sicher¬ heitszustand der Maschine (wie dieser Zustand in den Spei¬ chern der Maschinensteuerung abgebildet wird) , muss auf jeden Fall zu einem Alarm führen, (auch dann wenn der Befehl "be¬ stätigt" wird), weil diese Situation bei allen vorgesehenen Abläufen ausgeschlossen wird. Das "Vorkommen" der Situation deutet dementsprechend auf einen gefährlichen Defekt im Sy¬ stem.
Erzeugen von Steuerbefehlen:
Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Steuerbefehlen
diejenige, die ohne Eingriff des Bedienungspersonals ausgeführt werden können, und diejenige, die nur durch über solche Eingriffe ausgeführt werden können.
Die effektiven Möglichkeiten in einem gegebenen Fall hängen vom Maschinentyp ab und zwar davon, ob die Aktorik der Ma¬ schine automatisch steuerbar ist, oder nicht. In einer mo¬ dernen Ringspinnmaschine wird zumindest die Drehzahl eines Hauptantriebsmotors automatisch steuerbar sein, der Verzug bzw. der Wechsel des Läufertypes hingegen nur in Ausnahme¬ fällen bzw. gar nicht.
Sofern die Maschineneinstellungen automatisch steuerbar sind, kann der Leitrechner diese Einstellungen durch an die Ma¬ schinensteuerung(en) abgegebene Sollwerte beeinflussen und an die Umgebungsänderungen anpassen. Wenn z.B. eine Analyse ergibt, dass die Anzahl Fadenbrüche in der Anfahrphase des Kopsaufbaues die realistisch erwarteten (empirisch über Zeit) ermittelten Werte übersteigt, kann die "Drehzahlkurve" (Fig. 21) der Maschine angepasst werden, um die Anzahl Fadenbrüche in dieser Phase wieder zu senken. Diese Kurve definiert die Sollwerte für die Drehzahl des Hauptantriebmotors (oder der einzelnen Spindelmotoren) über den Kopsaufbau, (siehe z.B. CH 1374/91 - vgl. DOS 4015638).
Wenn hingegen an der Spulmaschine festgestellt wird, dass die Garnhaarigkeit der eingestellten Werte nicht genügt, (Läu¬ ferwechsel angezeigt) oder dass die Garnnummer sogar falsch ist (Verzugsänderung angezeigt), kann der Leitrechner eine Instruktion über das Netzwerk 350 an die betroffene Maschine senden, wobei diese Instruktion auf der Bedienungsoberfläche der Maschine angezeigt werden muss. Falls die Anpassung der Betriebsbedingungen dringend notwendig ist, muss der Leit¬ rechner gleichzeitig ein Warnruf (z.B. nach PCT Patentanmel¬ dung Nr. W091/16481) an das zutreffende Personal senden, um die geeigneteste Person auf die Notwendigkeit/Art der erfor¬ derlichen Neueinstellung aufmerksam zu machen (Alarmsystem) .
Auf keinen Fall kann der Prozessleitrechner direkt in die Arbeitsabläufe des Prozesses eingreifen - dies bleibt den Maschinensteuerungen bewahrt. Der Einfluss des Leitrechners ist ein mittelbarer Einfluss über Sollwerte bzw. Bedienungs¬ unterstützung.
Bidirektionaler Informationsaustausch
Es ist wünschenswert, die Kommunikationskanäle zu und von dem Leitrechner auf eine minimale Anzahl zu begrenzen. Es sind für solche Kanäle strenge Anforderungen an die zu übertra¬ genden Signale zu erfüllen, was vorbestimmte Schnittstellen¬ konfiguration am Netzwerk bzw. der Netzwerke erfordert, (siehe z.B. den Artikel "Datenschnittstellen an Textilma¬ schinen. Zwischenbericht über die Ausschusstätigkeit der VDI-Fachgruppe Textil und Bekleidung" , in Melliand Textilbe¬ richte, 11/1987, Seite 825). Die Erfüllung dieser Anforde¬ rungen findet vorzugsweise durch Signalaufbereitung in der Maschinensteuerung bzw. in einer an der Maschine angebauten Datenstation statt. Die Kommunikation einer Maschinensteue¬ rung mit ihrer Aktorik kann unabhängig von diesen Anforde¬ rungen erreicht werden und zwar (wenn notwendig) auf unter¬ schiedliche Weise für die verschiedenen Aktorikelemente. Durch die in dieser Anmeldung erwähnten Beispiele zeigen wir die Vielfalt der Konfigurationen, die von einem Prozessleit¬ rechner geleitet werden können. In einer Anordnung nach Fig. 19 wäre es daher wünschenswert, wenn möglich, die Kommunika¬ tion mit dem Leitrechner entweder über die Maschinensteuerung oder über den Rechner 414 (aber nicht über beide) abzuwik- keln. Dadurch wird es möglich, die Anzahl Uebertragungsmittel in der Anlage einzuschränken. Für ein Beispiel der heutigen Entwicklungen von Netzwerkstrukturen siehe "PROFIBUS- Systemübersieht für Planer und Anwender" (Dr.G.Klose) in Chemiefasern/Textilindustrie vom September 1991 (Seite 1129 ff).
Die kommunikationsfähige Maschine:
Fig. 22 zeigt schematisch eine Maschine 580 mit einer eigenen Steuerung 582, die Maschinenaktorik 584 steuert und Meldungen (Signale,Daten) von der Maschinensensorik 586 erhält. Diese Steuerung ist in der Form eines Computers mit geeigneten Programmen (Software). Die Maschine ist ausserdem mit einem sogenannten "Kommunikationsboard" 588 versehen, das mit der Steuerung 582 gekoppelt ist und ein Verbindungsmittel auf¬ weist, das zum Koppeln des Boards 588 mit dem Kommunikati¬ onsnetzwerk dienen soll. In Abhängigkeit von der Gestaltung des Netzwerkes kann das Verbindungsmittel z.B. zum Verbinden mit einem Koaxialkabel oder Lichtleiter oder mit einem ver¬ drillten Doppeldraht gebildet werden.
In der bevorzugten Ausführung wird das Netzwerk als ein Bus ausgeführt und wird nach dem sogenannten "Polling-Verfahren" (Time-Sharing) betrieben, wonach die angekoppelten Kommuni¬ kationsboards der Reihe nach abgefragt bzw. mit Daten belie¬ fert werden.
Das Kommunikationsboard 588 umfasst vorzugsweise einen Spei¬ cher, welcher als Pufferspeicher für die gelieferten Daten bzw. die zu sendenden Daten dient. Dieser Pufferspeicher ist vorzugsweise gegenüber dem Normalbetrieb "überdimensioniert" und kann deswegen anfallende Daten über eine vorbestimmte Periode speichern, die länger als das vom System vorgegebene Pollingintervall dauert. Das Kommunikationsboard hat auch die vorerwähnten Treiber (Programme). Das Board stellt Daten aus dem Speicher zu Datenpaketen zusammen, die über das Netzwerk an den Leitrechner gesendet werden kann.
Der Prozessleitrechner und das Netzwerk wird oft (meistens) von einem System-Lieferant geliefert und installiert. Es be¬ stehen dann zwei Möglichkeiten zum Bestimmen der
Schnittstelle zwischen der vom Maschinenhersteller gelie¬ ferten Elemente und dem System. Nach der ersten Möglichkeit liegt die Schnittstelle zwischen dem Kommunikationsboard 588 und der Steuerung 582. Dies kann aber zu Problemen in der Anpassung des Boards an der- Steuerung führen.
Nach der bevorzugten Variante werden das Kommunikationsboard 588 und die Maschinensteuerung durch den Maschinenhersteller aneinander angepasst und zur Verbindung mit dem System vor¬ bereitet. Dazu ist es notwendig, mit dem Systemlieferant ein geeignetes Protokoll (Uebertragungsmodus) und ein gemeinsames "Objektverzeichnis" zu vereinbaren, wobei letzteres Ver¬ zeichnis die Informationserhalte der Signale definiert. Damit sind die Prozessleitrechner und die Maschinensteuerung ge¬ genseitig kommunikationsfähig.