DE9618C - Neuerungen an Apparaten zur Leimgewinnung - Google Patents
Neuerungen an Apparaten zur LeimgewinnungInfo
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Description
1879.
Klasse 22.
ABRAHAM ZWILLINGER in WIEN. Neuerungen an Apparaten zur Leimgewinnung.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 19. April 1879 ab.
Durch den Apparat zur Gallerteerzeugung bei einer den Siedepunkt des Wassers nicht erreichenden
Temperatur wird die Ausbeute an trockenem Leim aus Knochen oder Leimleder der Quantität und Qualität nach eine bessere,
als dies bei allen bisher angewendeten Methoden der Fall ist. Das Charakteristische der
Methode liegt in dem Umstände, dafs in keinem Stadium des Fabrikationsprocesses directer
Dampf mit der Gallerte in Berührung gebracht wird, wie dies bisher allgemein der Fall war,
sondern dafs behufs Dämpfung der Knochen comprimirte Luft dnrch die mit kochendem
Wasser bedeckte Knochenmasse getrieben und dadurch die sich bildende Gelatinemasse in
Wallung versetzt wird.
, Die Zeichnung zeigt einen Gallerteerzeugungsapparat
mit zwei Dämpfern, einem Dampfcylinder mit dem Compressor (statt des Dampfcylinders
kann der Compressor auch mittelst Riemscheibe von der Haupt-Transmissionswelle betrieben werden) und die nöthigen Verbindungsrohre
und Hähne und Ventile. Die beiden Dämpfer haben beispielsweise einen solchen Rauminhalt, dafs in jedem 1800 kg Knochen
auf einmal verarbeitet werden können.
Wenn die Dämpfer auf 3/4 ihrer Höhe, also
1800 kg Knochen in jedem Dämpfer, gefüllt worden sind und das kalte Wasser die Dämpfer
fast gefüllt hat, wird der Zuflufshahn «, n2 vom
kalten Wasser zugedreht und das sämmtliche Wasser vom Dämpfer unten abgelassen, bis es
klar abläuft, was ein Zeichen ist, dafs die Knochen gut gewaschen sind. Sobald kein Wasser
mehr unten abfliefst, wird Dampf in einen der Dämpfer A1 auf die Knochen gelassen; der
untere Hahnjy1 bleibt noch immer offen, das
Wasser, welches in den Knochen ist, wird durch den Dampf verdrängt. Sobald der Dampf unten
am Dämpfer reichlich auszuströmen beginnt, fliefst das Wasser weifslich mit etwas aufgelöster
schmutziger Gallerte ab.
Der untere Hahn yt wird dann zugedreht
und der Dampf aus dem Dampfkessel so lange in den Dämpfer A1 gelassen, bis die Spannung
im Dämpfer am Manometer 2.3 Atmosphären zeigt. Sobald dieser Druck erreicht ist, wird
der Dampfzuströmungshahn O1 abgesperrt, und
der Druck von 2.3 Atmosphären mufs ununterbrochen gleichmäfsig stark 1 '/2 Stunden lang
unterhalten werden. Nach dieser Zeit wird der Dampf aus dem Dämpfer A1 in A% durch das
Steigrohr α gelassen. Wenn die Spannung in A1 und A1 gleich stark ist, wird der Hahn X1
in α zugemacht, der Lufthahn e, im Dämpfer A1
geöffnet und der Dampf aus A1 ganz ausgelassen. Nun wird in A2 aus dem Dampfkessel
Dampf zugelassen, bis die Spannung in A1 ebenfalls 2.3 Atmosphären erreicht hat.
Diese Dampfspannung mufs ununterbrochen ι'/2 Stunden erhalten werden, wie es beim
Dämpfer A1 der Fall gewesen ist. Es ist besonders zu beachten, dafs jede '/4 oder
'/2 Stunde die Gallerte, welche sich durch den Dampf gebildet hat, aus dem Dämpfer durch
den unteren Hahn y, y2 abgelassen werden mufs;
der betreffende Hahn darf nur sehr wenig geöffnet werden, und wenn der Dampf aus dem
Dämpfer auszuströmen beginnt, so ist alle Gallerte aus dem Dämpfer abgeflossen, und
der Hahn y\ oder jc2 mufs wieder geschlossen
werden. Die Dampfspannung im Dämpfer ist etwas gefallen, es mufs daher neuerdings
aus dem Dampfkessel frischer Dampf in den Dämpfer zugelassen werden, damit die Spannung
2.3 Atmosphären habe. Diese Operation wird während der 1 '/2 - stündigen Dämpfung
drei- bis sechsmal ausgeführt.
Während in A2 die Knochen gedämpft werden,
wird das Wasser im Reservoir R zum Sieden gebracht. Sobald das Wasser 100 ° C.
erreicht hat, wird die Maceration der Knochen in A1 vorgenommen.
Zu diesem Zwecke werden 1200 1 kochendes
Wasser aus dem Reservoir in den Dämpfer A1 gelassen. Dann wird der Hahn W1 abgesperrt,
der Compressor B in Thätigkeit gesetzt, die Hähne C1 C1 geöffnet, damit die
comprimirte Luft in den Dämpfer unten durch das Sieb. .J1 einströmt und das siedend heifse
Wasser '/2 Stunde bei 3 Atmosphären Druck
in Wallung erhalten wird; nach dieser Zeit werden die beiden Hähne c, C2 geschlossen und
der Hahn Zt1 geöffnet, die comprimirte Luft
wird wieder von oben nach unten durch y2 Stunde bei 3 Atmosphären gedrückt; sollte
die Spannung im Dämpfer steigen, so mufs der Lufthahn ex etwas geöffnet werden, damit die
Spannung stets gleichmäfsig erhalten werden kann.
.S-1Ui5
Während dieser Operation sind die Knochen in A1 fertig gedämpft,\ und der Dampf wird
aus dem Dämpfer A2 durch den Lufthahn ausgelassen.
Dann wird die Gallerte von A1 nach A2 durch das Steigrohr a, indem man den
Wechsel X1 öffnet, gedrückt, was in 3 Minuten geschehen ist. Wenn nun die Gallerte in A2
ist, werden die Wechsel X1 Ji1 und der Lufthahn
e2 geschlossen, dagegen wieder die Wechsel d, d2 im Rohre d geöffnet, damit die comprimirte
Luft aus dem Compressor unten in den Dämpfer A2 durch das Sieb s2 strömen
kann und die Gallerte % Stunde bei 3 Atmosphären in starker Wallung erhalten wird. Nach
dieser Zeit werden die beiden Wechsel d, d2
geschlossen und der Wechsel Ji2 geöffnet, damit
wieder von oben nach unten die comprimirte Luft die Knochen und die Gallerte durch
'/2 Stunde bei 3 Atmosphären drücken kann.
Während die Knochen in A2 macerirt werden,
werden die Knochen in A1 einer zweiten
Dämpfung von 1 '/2 Stunden mit einem Dampfdruck
von 2 .3 Atmosphären unterworfen; die während dieser Zeit sich bildende Gallerte wird
jede '/2 Stunde, wie oben angegeben, aus dem
Dämpfer in die Bottiche unter dem Vacuum oder ins Montejus abgelassen und vom Montejus
in die Bottiche mittelst comprimirter Luft, nicht aber mittelst Dampf gedruckt. Die Gallerte in
A2 hat jetzt 22 bis 23 pCt. Diese Gallerte
wird, nachdem der Dampf aus A1 ganz ausgelassen
ist, mittelst der comprimirten Luft von A2 nach A1 zur dritten Extraction durch das
Steigrohr b auf bekannte Weise gedrückt und wieder '/2 Stunde von unten mit 3 Atmosphären
und dann '/2 Stunde von oben mit 3 Atmosphären
Druck macerirt. Nach dieser Zeit hat die Gallerte im Dämpfer 26 bis 27 pCt. bei 750C. Diese Gallerte kommt sofort ins Vacuum
und wird daselbst sammt der aus dem Dampfe gewonnenen Gallerte zusammen auf
40 bis 45 pCt. concentrirt.
Während dieser Zeit werden die Knochen in A2 einer zweiten Dämpfung von ι '/2 Stunden
mit einem Dampfdruck von 2.3 Atmosphären unterworfen; im Wasserreservoir werden indessen
1000 1 Wasser zum Sieden = ioo° C. gebracht. Das Dämpfen geschieht immer auf
diese Weise, dafs die im Dämpfer gebildete Gallerte jede '/, oder '/2 Stunde, wie vorher
angegeben wurde, abgelassen werden mufs.
Nach '/2 Stunde wird der Dampf aus A2 abgelassen,
und das kochende Wasser (1000 1) wird in den Dämpfer A2 gelassen, !/2 Stunde
mit 3 Atmosphären Druck von unten mit comprimirter Luft gewallt, dann wieder '/2 Stunde
mittelst 3 Atmosphären Spannung von oben gedrückt. Während dieser Zeit werden die
Knochen in A1 wieder einer dritten Dämpfung mit 2.3 Atmosphären Spannung 1 Stunde gedämpft,
die sich bildende Gallerte jede i/i Stunde
abgelassen; nach 1 Stunde Dämpfung wird der Dampf ganz ausgelassen und die Gallerte von
A2 aus der zweiten Dämpfung nach A1 auf die
zum dritten male gedämpften Knochen durch das Steigrohr b mittelst comprimirter Luft gedrückt
und daselbst '/2 Stunde von unten, '/2 Stunde von oben auf bekannte Weise macerirt;
die Gallerte, welche 18 bis 19 pCt. hat, kommt ins Vacuum zum Concentriren auf 45 pCt.
Während dieser Zeit werden die Knochen in A2 zum dritten mal 1 Stunde mit 2.3 Atmosphären
Dampfspannung gedrückt, die sich bildende Gallerte jede '/4 Stunde abgelassen.
Im Wasserreservoir werden wieder idoo 1 Wasser zum Kochen gebracht. Nachdem der
Dampf aus A2 ganz ausgeblasen ist, kommen
die 1000 1 Wasser auf die Knochen in A2, und
es wird wieder 1J2 Stunde mit 2.3 Atmosphären
Dampfspannung zum vierten male auf bekannte Weise aufgeschlossen, der Dampf ausgelassen,
die Gallerte von A2 nach A1 mittelst Compressors
durch das Uebersteigrohr b gedrückt, '/2 Stunde von unten, '/2 Stunde von oben mit
3 Atmosphären Luftspannung comprimirt; die Gallerte in A hat nun 15 bis 16 pCt. bei 750 C.
und wird wieder im Vacuum bis auf 45 pCt. bei 7S0C. abgedämpft.
Schliefslich werden die Knochen in A2 zum
vierten male 1 Stunde mit 2.3 Atmosphären
Dampfspannung gedrückt, die sich während dieser Zeit bildende Gallerte jede '/4 Stunde
abgelassen. Während des Dämpfens kommen im Wasserreservoir 800 1 Wasser zum Kochen.
Nachdem der Dampf aus A2 entwichen ist, kommt das kochende Wasser (800 1) auf die
in A2 zum vierten male gedämpften Knochen; es wird '/2 Stunde von unten mit auf 3 Atmosphären
comprimirter Luft gewallt, dann '/2 Stunde mit 3 Atmosphären von oben comprimirt.
Während dieser Zeit werden die Knochen in A1 y2 Stunde mit 2.3 Atmosphären
Dampf gedrückt; sobald der Dampf aus A1 entwichen ist, wird die Gallerte aus A2 durch
das Uebersteigrohr b mittelst comprimirter Luft nach A1 gedruckt, die Spannung der Luft in A1
auf 3 Atmosphären erhöht, '/2 Stunde von unten gewallt und dann von oben die Gallerte
mittelst comprimirter Luft zum Concentriren auf 45 pCt. ins Vacuum gedrückt. Während
dieser Zeit werden die Knochen zum fünften male in A2 '/2 Stunde mit 2.3 Atmosphären
gedruckt; nach dieser Zeit wird der Dampf ausgelassen, und die Knochen werden nur von
oben mittelst 3 Atmosphären comprimirter Luft gedrückt, bis alle Gallerte aus dem Dämpfer
in die Bottiche unter dem Vacuum oder ins Montejus ausgetrieben ist.
Aus weichen Knochen, welche frisch und rein sind, wird die Ausbeute von 20 pCt. erzielt.
Aus harten und festen Knochen ist die Ausbeute 15 pCt. Leim.
Durch die Anwendung dieses Apparates wird erzielt:
a) dafs alle Knochen in A1 und A2 gleichmäfsig
und vollkommen aufgeschlossen werden, wodurch die Ausbeute an Leim sehr vermehrt
wird;
■ Vn
• b) die gebildete Gallerte kommt wteder mit
indirectem noch mit directem' Dampfeyjno.ch
mit überhitzten Flächen in Berührung, daher ■ sowohl Farbe als Qualität des Leimes schöner
und besser werden. Die Jahreszeit ist ohne Einflufs auf die Leimproduction;
c) der gröfste Theil der Gallerte, meistens mit 20 bis 27 pCt, wird unmittelbar aus den
Dämpfern gewonnen, was bei anderen Methoden nicht erreichbar ist.
Der Luftcompressor B, den ich statt des Dampfes beim Extrahiren und Transiociren der
Gallerte aus den Knochen, anwende, wird am vortheilhaftesten mit directem Dampf betrieben
(es kann aber, wie früher erwähnt, derselbe auch mittelst Riemscheibe betrieben werden),
und für die tägliche Erzeugung von 1500 kg
trockenen Leimes genügt ein Compressor, welcher einen Compressionscylinder von 90 mm
Durchmesser hat, wobei der Dampfcylinder 160 mm Durchmesser und einen Kolbenhub
von 160 mm mit 200' Touren pro Minute hat. :
Der Luftcompressor mufs mit· Mantelkühlung, aber nicht mit Wassereinspritzung versehen sein.
Bei allen Operationen der Gallertegewinnung mittelst comprimirter Luft mufs die Temperatur
in den Dämpfern stets ununterbrochen 85 bis 950 C. haben, daher müssen die Dämpfer mit
schlechten Wärmeleitern umhüllt sein.
Das Concentriren der Gallerte, das Schneiden derselben in Tafeln und das Trocknen der
Leimfolien wird auf gewöhnliche Weise ausgeführt.
Claims (1)
- Patent-Anspruch:Die allgemeine Anordnung des Gallerteerzeugungsapparates mit einem, zwei oder mehreren Dämpfern, deren Verbindung unter einander und mit dem Compressor, wesentlich wie vorstehend beschrieben und aus der beiliegenden Zeichnung zu ersehen ist.Hierzu I Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE9618C true DE9618C (de) |
Family
ID=286964
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT9618D Active DE9618C (de) | Neuerungen an Apparaten zur Leimgewinnung |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE9618C (de) |
-
0
- DE DENDAT9618D patent/DE9618C/de active Active
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