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Reißschiene Das übliche Arbeitsbesteck des Technikers besteht im allgemeinen
aus Reißschiene, Maßstab, Winkel von 4.5, 3o bzw. 6o° sowie Zirkel.
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Mit der vorliegenden Erfindung soll die Aufgabe gelöst werden, durch
neuartige und vorteilhafte Ausbildung der Reißschiene dem Techniker das Zeichnen
wesentlich zu erleichtern und insbesondere die Verwendung der 3o°- bzw. 6o°-Winkel,
des Maßstabes und gegebenenfalls auch des Zirkels entbehrlich zu machen.
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Es ist an sich bekannt, Reißschienen aus durch= sichtigem Werkstoff
herzustellen, bei denen auf der rechtwinkligen, nach unten vorstehenden Anschlagleiste
für die Reißbrettkante zusätzlich ein nach oben vorstehender Anschlag angeordnet
ist, dessen Anlegekante mit der Führungskante der rechtwinkligen Anschlagleiste
unter anderem auch einen Winkel von i5° einschließen kann. Hierbei ist jedoch der
Anschlag der Reißschiene verstellbar, was den Nachteil hat, daß man mit diesen verstellbaren
Anschlägen im praktischen Betrieb für viele Zwecke nicht genau genug arbeiten kann.
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Um diesen Nachteil zu vermeiden, wird in der deutschen Patentschrift
632 172 vorgeschlagen, mit dem Kopfstück der Reißschiene eine dünne Anschlagleiste
lösbar zu verbinden, die auf der dem Reißbrett zugekehrten Seite eine oder mehrere
schräge Anschlagflächen besitzt. Derartige Reißschienen
haben sich
jedoch bei der Handhabung nicht sehr bewährt und in der Praxis keine Verbreitung
gefunden. Denn bei diesen dünnen Anschlagleisten besteht immer die Gefahr, daß beim
Verschieben des Kopfstücks an der Seitenkante des Reißbrettes die dünne Anschlagleiste
sich etwas nach oben verschiebt und dadurch die Reißschiene ruckartig eine neue
Lage einnimmt und in der Zeichnung eine falsche Linie entsteht oder die Zeichnung
bei dem Ruck durch Tuschkleckse verpatzt wird.
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Die vorliegende Erfindung gibt einen anderen Weg zur Lösung dieses
Problems an. Erfindungsgemäß wird bei einer Reißschiene, welche eine übliche rechtwinklige
nach unten vorstehende Anschlagleiste für die Reißbrettkante besitzt, zusätzlich
auf dieser ein nach oben vorstehender fester Anschlag angebracht, dessen Anlegekanten
miteinander einen Winkel von i5o°, hingegen mit der Führungskante der rechtwinkligen
Anschlagleiste jeweils einen Winkel von 15° einschließen. Hierbei kann in überaus
einfacher Weise durch einfaches Umdrehen der Reißschiene ein Anschlag benutzt werden,
der die Reißschiene in eine gegen die vorhergehende Lage um 15' veränderte
Lage bringt. Es besteht keine Notwendigkeit, diesen Anschlag so dünn zu machen,
wie die Anschlagleiste bei der durch die deutsche Patentschrift 633 r72 bekanntgewordenen
Anordnung, so daß bei der Handhabung der Reißschiene eine wesentlich höhere Sicherheit
gegeben ist.
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Zweckmäßiger-weise liegt die Schnittlinie der beiden Anlegekanten
des i5o°-Anschlagwinkels praktisch in der Ebene der Anschlagfläche der rechtwinkligen
Anschlagleiste.
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Auf der Längskante und vorzugsweise auch auf der rechten Seitenkante
sind in an sich bekannter Weise Skalenteilungen angebracht, und zwar gemäß einer
Weiterbildung der Erfindung sowohl Millimeter- bzw. Zollteilung als auch Oktameterteilung.
In manchen Fällen ist es günstig, statt der Oktameterteilung oder auch zusätzlich
zur Oktameterteilung eine weitere Maßeinteilung anzuordnen, welche die Zahlenwerte
der im Maschinenbau verwendeten Normenmaßreihe enthält, also z. B. io, 12,5, 16,
20, 25, 31,5, 40, 5o, 63, 80, Zoo.
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Bei einer bevorzugten Ausführungsform ist die Oktameterteilung im
Maßstab i : ioö aufgetragen, und an den zugehörigen Teilstrichen sind einige der
nachstehenden Zahlenwerte angegeben: 625, 1250, 1875, 2500, 3125, 3750, 4375 5ooo,
5625, 625o, 6875 7500, 8125, 8750, 9375 Es ist zweckmäßig, auf der
Reißschiene in an sich bekannter Weise parallel zur Vorderkante an der unteren Fläche
verlaufende Linien anzuordnen, von denen die erste nur 21/2 mm von der Vorderkante
entfernt ist, hingegen die Abstände zwischen den benachbarten parallelen Linien
jeweils i mm betragen. Vorteilhafterweise wird die Reißschiene in an sich bekannter
Weise mit Kreisausschnitten versehen, deren Durchmesser um i mm größer ist als die
Durchmesser von drei oder mehreren der üblichen folgenden Normenzahlen: io, 12,5,
16, 20, 25, 31.5, 40. Hierbei ist es günstig, wenn die Durchmesser der Kreisausschnitte
von links nach rechts zu größer werden.
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Im nachstehenden werden weitere Einzelheiten der Erfindung in Verbindung
mit den Ausführungsbeispiele darstellenden Figuren erläutert. Hierbei werden verschiedene
einzeln an sich bekannte Maßnahmen zusätzlich angewendet, um hierdurch den vorstehend
beschriebenen Erfindungsgegenstand noch weiter zu vervollkommnen. Es zeigt Fig.
i .schematisch die Gestalt der Reißschiene, Fig.2 das rechte Ende der Reißschiene
mit Strichteilung, Zahlenwerten usw., Fig. 2a die Abschrägung der Reißschiene an
der Vorderkante, Fig. 3 Einzelheiten der Anschlagleiste in Draufsicht, Fig. 4 Einzelheiten
der Anschlagleiste im Querschnitt, Fig. 5 die Handhabung der Reißschiene zum Zeichnen
von Kreisbogen.
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Einander entsprechende Teile sind in allen Figuren mit den gleichen
Bezugszeichen versehen. Die in der Fig. i schematisch dargestellte Reißschiene besteht
aus der eigentlichen Schiene i, die z. B. aus durchsichtigem Werkstoff, Celluloid
od. dgl. hergestellt ist, sowie aus der hierzu rechtwinklig verlaufenden Anschlagleiste
2, die üblicherweise aus Holz gefertigt ist. Die Schiene hat oberhalb der üblichen
rechtwinklig angeschlagenen Anschlagleiste zusätzlich zwei von der Schienenmitte
3 nach beiden Enden zu im Winkel von 15' verlaufende Anschlagkanten 4 und 5, die
gestatten, daß auf der umgedrehten Schiene Winkel von 15 und 75° sowie mit einem
45°-Dreiecle solche von 6o und 3ö° zur Waagerechten verlaufend gezeichnet werden
können. Das sind alle geraden Teilungen von 9o°. außer 9°, eine Teilung, die kaum
genutzt wird. Die obere waagerechte Schienenkante 6 ist nach vorn abgeschrägt wie
bei üblichen Maßstäben (s. Fig. 2 a) , was den Vorteil hat, daß man hierzu auch
mit Minenstiften zeichnen kann, die nur Minendicken von 1,2 bis 1,3 mm haben und
nicht angespitzt zu werden brauchen.
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Innerhalb der Länder, die der metrischen Maßkonvention angehören,
werden die Winkel nicht, wie bei Maßstäben üblich, mit Zentimeterzahlen versehen,
sondern mit Millimeterzahlen, da die meisten Techniker und auch neuerdings die Architekten
Millimetermaße in ihre Zeichnungen einschreiben, da auch die DIN-Normen in der Regel
M'illimeterbemaßung aufweisen. Damit aber die Zahlen hierbei nicht zu groß werden,
sind die Dekaden stark herausgehoben und gelten als Vorzahlen. Die Dezimeterzahl
12 im Beispiel der Fig. 2 zeigt die Gesamtlänge der Reißschiene vom Ansatzpunkt
bis dahin von i2oo mm.
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Dazu kommen dann in einer zweiten bzw./und dritten Maßreihe Maßzahlen,
die der genormten Maßordnung des jeweiligen Landes entsprechen; z. B. in Amerika
die 4-Zoll-Reihe, in Deutschland die Oktameterreihe, die der einfacheren Ablesung
zuliebe im Maßstab i : ioo aufgetragen ist, also z. B.
(625) 1250,
(1875) 2500, (3125)- 3750 (4375) 5000, (5625) 625o, (6875) 7500, (8125) 8750,
(9375) io ooo mm = i Dekade. Nach jeder Dekade beginnt dann die Reihe von neuem,
diesmal mit o625 beginnend, weil- die Dekadenzahl als Vorzahl gilt. So ist z. B.
das Maß o625 nach der Dekadenzahl 2 im Maßstab i : roo das Maß 2o 625 mm.
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Um aber auch ohne besonderen Maßstab Höhenmaße gleich von der Schiene
ablesen zu können, ist am Ende der Schiene, wie aus Fig.2 deutlich ersichtlich,
ein senkrechter Maßstab mit Millimeter-und Oktameterzahlen, letztere wiederum im
Maßstab i : ioo, aufgetragen.
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Damit man aber auch mitten im Feld der Schiene senkrechte Maße im
Rahmen der Schienenbreite ablesen kann, kehrt diese vorstehend beschriebene senkrechte
Teilung bei Schienen aus durchsichtigem Werkstoff in gewissen Abständen wieder und
zwar an der Unterfläche der Reißschiene.
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Die vorstehende senkrechte Maßeinteilung beginnt dabei 1/2 mm vor
der eigentlichen Schienenkante in der Mitte des Striches, der 1/2 mm vor der Kante
liegt.
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Zur Kenntlichmachung dieser Tatsache bildet den Abschluß der Schiene
ein Halbkreis von 9 mm Durchmesser, der einen daran gezogenen Halbkreis von io mm
ermöglicht.
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Um überall an der Schiene kleinere Maßeinheiten bis io mm für Schrifthöhen
u. dgl. abgreifen zu können, sind auf diese Tief-, entlang der ganzen Reißschiene
aus durchsichtigem VVerkstoff an der Unterseite Linien im Abstand von 3 bzw. i mm
entlang gezogen, von denen die erste Linie 1/2 mm vor der Vorderkante der Schiene
gedacht werden muß, weil dort die Mitte des Striches liegt, der an der Oberkante
.gezogen wird.
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Damit der Zirkel für genormte und daher zu bevorzugende Kreise entbehrlich
wird, sind in an sich bekannter Weise in der Schiene kreisförmige Löcher angebracht,
deren Durchmesser aus den vorgeschilderten Gründen ?,X 1/2 mm = i mm größer
sind als die zu zeichnenden Kreise.
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Um der Schiene durch diese Kreisausschnitte so wenig wie möglich von
ihrer statischen Festigkeit zu nehmen, werden die Kreisausschnitte vom Ende der
Schiene nach der Mitte zu immer kleiner bei gleichem Abstand von der Unterkante,
was in Fig. i angedeutet ist.
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Weitere größere Kreishalbmesser bzw. Kreisteile sind an den Ecken
bzw. in der Mitte der Handleiste geformt, deren Radius diesmal 1/2 mm kleiner ist
als der daran gezeichnete gewünschte Kreis oder Kreisabschnitt (s. Fig. i und 3).
Die Außenkante der Anschlagleiste ist zum bequemen Ziehen der Linien nach außen
abgeschrägt, wie aus Fig.4 deutlich zu ersehen ist.
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Um größere Kreise ebenso wie mit einem Stangenzirkel auch mit der
Schiene ohne Zirkel ziehen zu können, ist ein Loch 7 zum Durchstechen einer festen
Stecknadel vorgesehen, um deren Drehpunkt alle Kreise entsprechend den Maßen auf
der Schiene durch Bleistiftdruck auf die Maßmarke- gezogen werden können. Die Mitte
des Loches 7 liegt io mm von der Handleisteninnenkante nach links.
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Schließlich trägt die Schiene an einem markierungsfreien Punkt der
Handleiste einen vorstehenden Druckknopf 8, auf den .ein Radiergummi (gestrichelt
angedeutet) mit Drucköse leicht aufgedrückt bzw. abgenommen werden kann.