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Verfahren zur Schnellgerbung von Fellen und Häuten Es ist bekannt,
daß in den durch Kaltextraktion von pflanzlichen Gerbmitteln hergestellten Auszügen
die Gerbstoffe andere Eigenschaften besitzen als in den Auszügen, die durch Auslaugung
des glichen Materials mit warmem oder heißem Wasser gewonnen werden. Die kalt extrahierten
Gerbstoffauszüge gerben schneller durch und verursachen kein Zusammenziehen des
Narbens.
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Bei der Auslaugung der Gerbmittel mit heißem Wasser, teilweise noch
unter erhöhtem Druck, wie sie üblicherweise in den Extraktfabriken und Extraktionsanlagen
der Lederindustrie durchgeführt wird, erleidet der Gerbstoff Veränderungen, die
sich hauptsächlich in der Adstringens und dem Dispersitätsgrad der Gerbstoffauszüge
auswirken. Die heiß gewonnenen Gerbstoffauszüge gerben deshalb langsamer durch.
Bei Anwendung zu starker Brühen, besonders im Anfangsstadium der Gerbung, erfolgt
Zusammenziehen des Narbens und sogar Totgerbung der Haut. In kalt extrahierten Gerbbrühen
treten diese Nachteile nicht auf.
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Es hat sich nun überraschenderweise gezeigt, daß die Erhitzung einer
kalt extrahierten Brühe nach der Auslaugung zum Zweck der Konzentration auf die
Beschaffenheit des Gerbstoffes keineswegs die gleiche Wirkung ausübt wie eine Erhitzung
während der Auslaugung selbst. Kalt extrahierte, gegebenenfalls unter Zusatz von
Sterilisierungsmitteln
hergestellte Gerbstoffauszüge, die auf eine
beliebige Stärke eingedampft werden, behalten die Eigenschaften der ursprünglich
bei der Kaltextraktion erhaltenen Brühen trotz der nachträglichen starken Erwärmung
bei. Hautblößen, die in solche Brühen gebracht werden, sind je nach Blößenstärke
und Gerbstoffart in 2 bis .4 Wochen vollständig durchgegerbt, ohne daß ein Zusammenziehen
des N arbens oder eine Totgerbung eintritt. Dabei können die Blößen., gegebenenfalls
nach einem ganz kurzen Abfärben in einer schwachen Gerbbrühe, ohne weiteres in einer
nach obigem Verfahren hergestellten starken Brühe, beispielsweise von 7° De, innerhalb
der genannten Zeit fertiggegerbt werden.
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Durch Einengen kalt extrahierter Brühen lassen sich Gerbextrakte von
beliebiger Stärke herstellen, welche genau die gleichen vorteilhaften Berberischen
Eigenschaften aufweisen wie die durch Kaltextraktion gewonnenen dünnen Anfangsbrühen.
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So war es z. B. bisher nur möglich, durch kalte Extraktion von Fichtenrinde
in den üblichen Extraktionseinrichtungen Brühen von höchstens 3" Be zu erzielen.
Nach der Erfindung können diese dünnen Brühen zu jeder gewünschten Stärke eingedampft
werden. Die so hergestellten starken Auszüge weisen die gleichen guten Berberischen
Eigenschaften wie die unmittelbar durch kalte Extraktion gewonnenen Brühen auf,
gerben aber infolge ihrer Konzentration viel schneller durch und geben trotzdem
ein hellfarbiges, hochwertiges Leder.
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Der durch die kalte Extraktion nicht erfaßte Restgerbstoff kann in
jedem Fall durch eine kurze heiße Auslaugung für sich gewonnen «-erden.
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Es ist vorgeschlagen worden, bei der Extraktion von Mangroven die
Mitextraktion von Farbstoffen, Schleimstoffen und Gummistoffen zu verringern durch
Ausführung der Extraktion in der Kälte, wobei mitgeteilt wird, daß die durch Eindampfen
erhaltenen Trockenprodukte infolge der geringeren Menge der Schleimstoffe weniger
die Eigenschaft des Klebens zeigen als Trockenprodukte, erhalten aus Heißextraktionen,
bei denen eine größere Menge von Schleimstoffen, Gummistoffen und Farbstoffen in
den Extrakt gelangt.
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Aus dieser Mitteilung ließ sich die Erfindung nicht entnehmen, die
sich auf solche Gerbmittel bezieht, aus denen schnell gerbende Extrakte hergestellt
werden können. Dies ist bei Mangroven nicht der Fall. Bei anderen pflanzlichen Gerbmitteln,
wie z. B. Fichtenrinde, Mimosarinde usw., liegt gar nicht das Problem vor, die Extraktion
färbender Stoffe bzw. Schleim- und Gummistoffe zu verhindern.
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Es ist ferner der Vorschlag bekanntgeworden, bei der Erhaltung von
Extrakten aus Gerbmaterial die Nichtgerbstoffe aus dem Gerbextrakt fernzuhalten
durch Dialysieren des Gerbmaterials, z. B. Tannenrinde, mit kaltem Wasser v or Durchführung
der Heißextraktion zur Herstellung des Gerbextraktes. Der Vorschlag beruht auf der
Erkenntnis, daß die Nichtgerbstoffe leichter durch die Zellstoffmembran diffundieren
als die Gerbstoffe und also durch Behandeln bei verhältnismäßig niedriger Temperatur
während verhältnismäßig kurzer Zeit eine Behandlungsflüssigkeit gewonnen werden
kann, die lediglich die Nichtgerbstoffe oder den größten Teil derselben enthält
und frei ist von Gerbstoffen bzw. diese nur in sehr geringer Menge enthält. Das
so vorbehandelte Gerbstoffmaterial soll dann bei der Heißextraktion Gerbstoffextrakte
liefern, die frei sind von Nichtgerbstoffen oder diese nur in geringem Maße enthalten.
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Die Erfindung hingegen geht völlig andere Wege. Sie vermeidet die
Anwendung von Wärme bei der Extraktion und führt die Kaltextraktion unter Bedingungen
durch, bei denen die Gerbstoffe in den Extrakt gehen, d. h. bei vergleichsweise
längerer Behandlungsdauer. Erst der Gerbstoff enthaltende Extrakt, der auch bei
Nichtgerbstoffe enthaltendem Ausgangsmaterial diese enthält, wird dann. einer Wärmebehandlung
zur Einengung unterworfen, wobei, wie gefunden wurde. die Wärme sich nicht schädlich
auswirkt.
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Eine solche Einengung bzw. Eindampfung ist auch für die durch Dialyse
in der Kälte gewonnene Fraktion vorgeschlagen worden, die zur Vorgerbung, zur Vergärung
und zur Herstellung organischer Säuren Verwendung finden soll; jedoch handelt es
sich ja nicht um die Einengung eines Gerbstoffextraktes, sondern gerade um eine
Lösung, die die Nichtgerbstoffe enthält, und also nicht um eine Unterteilung des
Verfahrens der Herstellung eines Schnellgerbextraktes in eine erste Stufe zur Herstellung
eines Gerbstoffextraktes ohne Anwendung von Wärme bei der Extraktion und eine zweite
Stufe, nämlich der Eindampfung nach Herstellung des Gerbstoffextraktes zur Erhaltung
der gewünschten Konzentration.