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Siemens & Halske Aktiengesellschaft, Berlin und München Leitungswähler
mit Steuerschalter haben den Vorteil, daß die beim Auf- und Abbau der Verbindungen
erforderlichen Schaltvorgänge klar und übersichtlich ohne verwickelte Abhängigkeiten
der einzelnen Stromkreise gesteuert werden. Jedoch bedeutet der Steuerschaltereinen
erheblichen Aufwand. Man hat daher auch schon steuerschalterlose Leitungswähler
entwickelt. Dabei ist es gelungen, selbst für Leitungswähler, welche die Herstellung
hoch- und niederwertiger Verbindungen gestatten, sogenannte Ortsfernleitungswähler,
die Schaltmittel derartig vielseitig auszunutzen, daß man mit einem Relaissatz von
sechs Relais auskommt. Es ließ sich aber bei solchen Leitungswählern nicht vermeiden,
daß gewisse, an einen guten Fernsprechverkehr zu stellende Bedingungen nicht in
genügendem Maß eingehalten wurden. So ist in bekannten steuerschalterlosen Leitungswählern
auf die Symmetrie der Sprechadern, die im Interesse einer möglichst geringen Gesprächsdämpfung
und einer möglichst großen 1Jbersprechdämpfung gefordert werden muß, nicht ausreichend
Rücksicht genommen. Bei dieser bekannten Schaltung wird während des Gesprächs eines
der beiden Speisebrückenrelais des Leitungswählers in Reihe mit Widerständen über
eine Sprechader örtlich erregt gehalten, wobei in diesem Stromkreis auch eine Symmetriedrossel
liegt. Diese erhöht den induktiven Widerstand gegenüber Sprechströmen im Speisestromkreis
des Gerufenen, der ohne die Drossel infolge der über den Ortsstromkreis kurzgeschlossenen
Wicklung des Speisebrückenrelais stark
verringert -wäre. Zur Symmetrierung
ist an der anderen Sprechader eine Relaiswicklung mit entsprechendem induktiven
Widerstand oder eine weitere Drossel nötig.
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Die Erfindung will nun im Leitungswähler mit einer einzigen Drossel
auskommen, trotzdem aber die vor-- geschriebene Symmetrie der Sprechkreise einhalten.
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Sie erreicht dies dadurch, daß zwei in Reihe geschaltete Wicklungen
einer Drosselspule mit geerdetem Mittelpunkt symmetrisch in Brücke zu den Sprechadern
liegen, während eine weitere Wicklung dieser Drossel. nach dem Melden des gerufenen
Teilnehmers in Reihe mit einer Wicklung eines Speisebrückenrelais in einem von den
Sprechadern freien Haltekreis eingeschaltet wird.
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An Hand der in der Figur gezeigten Schaltung eines Ortsfernleitungswählers
OFLW sei ein Ausführungsbeispiel der Erfindung beschrieben. In den nachfelgend angeführten
Stromkreisen ist mit dem Pluszeichen der positive geerdete Pol, mit dem Minuszeichen
der negative Pol der Amtsbatterie bezeichnet.
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Wird der Leitungswähler bei der Herstellung einer Verbindung von der
vorgeordneten Verbindungseinrichtung, z. B. einem ersten Gruppenwähler, belegt;
so spricht über die ankommende c-Ader das Belegungsrelais C an. Relais C bereitet
in der üblichen Weise die Einstellstromkreise und den Prüfstromkreis vor. Die der
vorletzten Ziffer der Teilnehmernummer entsprechende Nummernstromstoßreihe, .vom
vorgeordneten Gruppenwähler als Erdimpulse auf der a-Ader gegeben,. werden von dem
Stromstoßempfangsrelais A aufgenommen und über Kontakt i a auf den Hubmagneten H
des Leitungswählers übertragen. Die -Leitungswählerarme werden auf die der Zahl
der Stromstöße entsprechende Dekade geheben. Beim ersten Stromstoß wird am Kontakt
2 a der Kurzschluß für die Wicklung I des Verzögerungsrelais V geöffnet. Relais
V spricht an: +, 13 P, i2 y, Wellenkontakt iiw, V I, ioc, Wi 5, -.
Relais V hält sich während einer Stromstoßreihe. Ist die Stromstoßreihe zu Ende,
so kommt Relais V zum Abfall. Nach Abfall des Relais V wird Relais U eingeschaltet:
+, Kopfkontakt 14h, 15 v, 16 c, U I; Wellenkontakt 17 w, H, --. Der Hubmagnet
H spricht in diesem Stromkreis nicht an. Relais U bereitet den Stromkreis für den
Drehmagneten D vor. Die Stromstöße der letzten Nummernstromstoßreihe, welche nunmehr
eintreffen, werden wiederum von Relais A aufgenommen und auf den Drehmagneten
D übertragen: +, ia, 18u, igp, D, -. Beim ersten Stromstoß spricht wiederum
das Verzögerungsrelais V über seine Wicklung I an, diesmal jedoch nach Öffnung des
Wellenkontakts iiw über den geschlossenen Kontakt 2ou. Beim ersten Drehschritt des
Wählers legen die Wellenkontakte um. Relais U wird nach Öffnung des Wellenkonfakts
17 w über seine Wicklung II gehalten: +, 2i e, 22u, 23v, UH- . =.-Die Wählerarme
werden durch die letzte Stroiristoßreihe in der gewählten Dekade auf die gewünschte
Teilnehmeranschlußleitung eingedreht:--Nach Beendigung der Stromstoßreihe kommen
nacheinander die Relais V und U zum Abfall. Während der Abfallzeit des Relais U
ist folgender Prüfstromkreis geschlossen +, 21 c, 22 u, 24v, P I P
II, c-Arm des Leitungswählers, - (im Vorwähler). Ist der gewünschte Teilnehmer besetzt,
so kann das Prüfrelais P nicht ansprechen. Der anrufende Teilnehmer erhält vom Leitungswähler
her Besetztzeichen über die Wicklung IV der Drosselspule Dr: +, Besetztwechselstrom,
Wellenkontakt 40w, 25a, DY IV, 26u, i2 y, 13A +. Der
Besetztwechselstrom wird von der Wicklung IV der Drossel Dr induktiv auf die symmetrisch
in Brücke zu den Sprechadern liegenden Wicklungen I und II der Drosselspule übertragen,
von welchen aus das Besetztzeichen nach rückwärts über die Sprechadern zum anrufenden
Teilnehmer gelangt.
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Ist der gewünschte Teilnehmer frei, so spricht das Prüfrelais P an.
Dieses schaltet in der üblichen Weise die beiden Sprechadern durch, sperrt die belegte
Leitung gegen anderweitige Belegung; es schaltet ferner den Drehmagneten D aus,
gleichzeitig während der Abfallzeit des Relais U den sogenannten ersten Ruf einschaltend.
Für den letzteren Schaltvorgang wird das nunmehr als Rufanschalterelais dienende
Relais V erregt: +, Drossel D 5, i. Rufkontakt, 27u, V 1I, g y, Dr IIIx 7 c, 3 p,
D, -. Der Drehmagnet D spricht in diesem Stromkreis nicht an. Relais V legt über
seinen Kontakt 2gv die Rufstromquelle RQ an die a-Ader an. Der Rufstrom verläuft
wie folgt: -, RQ, 29v, 30A a-Arm, Teilnehmerschleife, b-Arm, 31A 32v, YI, +. Nach
Abfall des Relais U spricht das Relais V, Wicklung II, über den Kontakt 28u nur
mehr alle 5 Sekunden an und überträgt im 5-Sekunden-Rhythmus Rufstrom zu dem gewählten
Teilnehmer. Der Stromkreis des Relais V verläuft wie folgt: Drossel Ds (im Leitungswählersignalsatz),
5-Sekundenkontakt, 28 u, V 1I, g y, Dr 11I, 7 c, 3 P, D, -. Über den
Kondensator C f ist dem 5-Sekunden-Stromkreis des Relais V zwecks Übertragung
des Freizeichens eine Wechselstromquelle QF von etwa 45o Hz überlagert. Dieser Wechselstrom
wird induktiv von der Wicklung III der Drossel Dr auf die beiden, in Brücke zu den
Sprechadern liegenden Wicklungen I und II der Drossel Dr übertragen. Von diesen
gelangt der Freizeichenwechselstrom über die Sprechadern nach rückwärts zum anrufenden
Teilnehmer.
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Meldet sich der gerufene Teilnehmer durch Abnehmen seines Hörers,
so spricht über die nunmehr für -Gleichstrom geschlossene Teilnehmerschleife das
im Rufstromkreis liegende Speisebrückenrelais Y an. Relais Y unterbricht am Kontakt
g y den Stromkreis des Rufanschaltrelais V. Relais V fällt ab. Nunmehr kann über
den geschlossenen Kontakt 33v und die Teilnehmerschleife in Reihe mit dem Relais
Y auch das Speisebrückenrelais A ansprechen. Relais Y schaltet einerseits
über Kontakte 3 A 4y, Dr II Zählspannung an die b-Ader, andererseits über
die Kontakte 5 y, 6 ä, Dr I Erde an die a-Ader. Die Erde an der a-Ader
dient als Teilnehmermeldekennzeichen am Fernplatz bei Fernverbindungen. Nach Ansprechen
des Relais Y ist für seine Wicklung III folgender örtliche Haltestromkreis geschlossen:
+, Y III, 8y,
Dr III, 7c, 3p, D, -. Der Drehmagnet hat
in diesem Stromkreis wiederum Fehlstrom. Relais Y hält sich auf diese Weise auch
nach Beendigung des Gesprächs, wenn der angerufene Teilnehmer seinen Hörer aufgelegt
und die Teilnehmerschleife unterbrochen hat.
Der induktive Widerstand
der Wicklung III der Drossel Dy im Haltekreis der Wicklung III des Relais Y verhindert
einen KurzschluB dieser Relaiswicklung und vermeidet eine Herabsetzung des Widerstandes
des Speisebrückenrelais Y gegenüber Sprechströmen. Die Folge ist, daB die symmetrische
Belastung der Sprechadern erhalten bleibt. Legt der gerufene Teilnehmer am Ende
eines Gesprächs seinen Hörer auf, so kommt infolge Unterbrechung der Teilnehmerschleife
das Speisebrückenrelais A zum Abfall. Relais Y wird örtlich gehalten. Durch Öffnen
des Kontaktes 6a wird Erde von der a-Ader abgetrennt und dadurch SchluBzeichen im
Fernverkehr zum Fernplatz gegeben.
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Die bei Herstellung einer Fernverbindung im Leitungswähler eintretenden
Schaltvorgänge sind für die Erfindung ohne Bedeutung und werden daher nicht weiter
beschrieben.
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Bei der Auslösung der Verbindung, eingeleitet durch Auflegen des Hörers
an der anrufenden Stelle, wird im Leitungswähler LW die ankommende c-Ader unterbrochen.
Das Belegungsrelais C kommt zum Abfall. Über Kontakte 34c, 35a wird die Sperrwicklung
II des Prüfrelais P kurzgeschlossen. Relais P kommt zum Abfall. Nach Abfall des
Relais P ist folgender Stromkreis für den Drehmagneten D geschlossen: -E-, 14k,
15v, 36c, 37u, igp, D, -. Der Drehmagnet spricht an und dreht die Schaltarme des
Wählers um einen Schritt weiter. Beim Ansprechen des Drehmagneten D wird über Kontakt
38d die Wicklung II des Relais U eingeschaltet. Relais U spricht an
und unterbricht am Kontakt 37u den Stromkreis des Drehmagneten. Der Drehmagnet fällt
ab. Dadurch kommt auch das Relais U wieder zum Abfall. Nach Abfall des Relais P
ist folgender Stromkreis für den Drehmagneten D geschlossen: -E-, 14k, 15v,
36c, 37't, ig p, D, -. Der Drehmagnet spricht an und dreht die Schaltarme
des Wählers um einen Schritt weiter. Beim Ansprechen des Drehmagneten D wird über
Kontakt 38d die Wicklung II des Relais U eingeschaltet. Relais
U
spricht an und unterbricht am Kontakt 372t den Stromkreis des Drehmagneten.
Der Drehmagnet fällt ab. Dadurch kommt auch das Relais U wieder zum Abfall. Nach
dem Abfall von Relais U spricht der Drehmagnet wieder an und schaltet die Schaltarme
um einen weiteren Schritt vorwärts. Auf diese Weise wird der Wähler in Selbstunterbrecherschaltung
schrittweise bis an das Ende der Kontaktbank geschaltet, wo die Wählerarme herunterfallen
und sodann durch Federkraft in die Ruhelage zurückgeführt werden. Der Wähler ist
damit wieder in der Ruhelage angelangt.