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Elektrisch angetriebenes Fahrrad In der früheren Literatur tauchen
Vorschläge für elektrisch angetriebene Krafträder mit Batterie auf. Solche Vorschläge
haben aber keine praktische Bedeutung erlangt, offenbar weil ein Kraftrad einen
verhältnismäßig starken Antrieb erfordert, dieser wieder eine größere Batterie verlangt,
die ihrerseits die :Masse des Kraftrades stark vergrößert. Es wird dadurch schwerfällig
und verlangt beispielsweise bei Bergfahrt eine dem Batteriegewicht entsprechend
größere Antriebskraft. Erst bei Kraftwagen, bei denen die Traglast keine so große
Rolle spielt und stabil gelagert werden kann, kann auch eine größere Batterie in
Kauf genommen werden. Es sind deshalb Elektrokraftwagen z. B. für Stadtfahrten in
größerem Umfang in Gebrauch.
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Es ist auch vorgeschlagen worden, ein Fahrrad in der Art elektrisch
zu betreiben, daß man wie bei Oberleitungsomnibussen den Strom Fahrdrähten entnimmt.
Das Fahrrad braucht dann nur den Antriebsmotor mit Getriebe zu tragen und bleibt
dadurch handlich.
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Die Erfindung geht von der Erkenntnis aus, daß ein Fahrrad durchschnittlich
nur wenig Antriebskraft erfordert, denn ein Mensch kann auf die Dauer nur etwa
50 W leisten. Nur vorübergehend kann diese Leistung nennenswert erhöht werden.
Auf ebener Strecke ist der Kraftbedarf des Fahrrades infolge seiner leichten Bauart
wesentlich kleiner. Er liegt beispielsweise in der Größenordnung von etwa 20 W.
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Weiterhin geht die Erfindung von der Erkenntnis aus, daß im großen
Durchschnitt die ununterbrochene Benutzungsdauer eines Fahrrades nur Bruchteile
einer Stunde beträgt, weil das Fahrrad in der überwiegenden Zahl der Fälle für Fahrten
von und zur
Arbeitsstelle, Fahrten zum Einkauf, zur Ablieferung
o. dgl. benutzt wird und die zurückzulegenden Strecken selten mehr als io km betragen.
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Des weiteren fußt die Erfindung auf der Überlegung, daß sich
bei der großen Zahl der Fahrräder die Einrichtung von Ladestellen für Batterien
an den Arbeitsstätten, den Häuserblocks, Miethäusern lohnt, ebenso die Errichtung
von Tankstellen zum Auswechseln oder Nachladen von Batterien. Erfindungsgemäß erhält
deshalb das Fahrrad außer dem Elektromotor eine Batterie, etwa von der Größe einer
Motorradbatterie, die beim Motorrad nur für Zündung und Beleuchtung verwendet wird
und eine Kapazität von etwa io Ah aufweist. Das Gewicht dieser Batterie kann das
Fahrrad leicht tragen, ohne an Handlichkipit zu verlieren, und eine solche Batterie
ist ohne weiteres in der Lage, die durchschnittlich für Radfahrten benötigte mechanische
Arbeit in Form von Ladungsenergie zu speichern. Der Batterie gibt man eine Spannung
von etwa 12 V, also von jener Größe, daß beim Schalten und Kommutieren praktisch
keine Lichtbögen auftreten können.
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Es empfiehlt sich für den Fahrradantrieb einen Motor mit möglichst
hohem Wirkungsgrad, beispielsweise 6o bis 70 °/o zu verwenden, weil dadurch erheblich
an Kapazität und damit an Gewicht und Aufwand für die Batterie gespart werden kann.
Der Motor, der durchschnittlich etwa 30 W und nur kurzzeitig höhere Leistungen,
beispielsweise ioo W aufzubringen hat, kann leicht und klein gebaut werden. Für
die Erzielung eines guten Wirkungsgrades kann auch ein höherer Aufwand in Kauf genommen
werden, da er mit Batterie immer noch wesentlich billiger ausfällt als ein kleiner
Verbrennungsmotor, seine Betriebskosten wesentlich niedriger sind als beim Verbrennungsmotor
und seine Lebensdauer wesentlich höher als bei diesen ist. Daß auch im übrigen der
Elektromotor dem kleinen Verbrennungsmotor überlegen ist, liegt auf der Hand. Er
verursacht wesentlich weniger Geräusch, ist viel einfacher zu steuern und benötigt
weniger Platz, so daß man also auch größere Freizügigkeit hinsichtlich der Unterbringung
des Motors am Fahrrad hat. Er kann als Vorder- oder Hinterradantrieb eingebaut werden,
kann mittels Reibrad oder mittels Seilscheibe und Riemen das Rad antreiben.
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Die Batterie wird man am besten dort anordnen, wo sie räumlich und
gewichtsmäßig am wenigsten stört, also beispielsweise am Gepäckträger oder im Rahmen.
Der Schalter für den Motor wird am besten an der Lenkstange angebracht. Die Batterie
ist leicht abnehmbar angeordnet oder mit einer Steckvorrichtung versehen, so daß
sie bequem an eine Ladestelle angeschlossen werden kann.
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Gegebenenfalls kann man am Fahrrad auch noch einen Gleichrichter und
einen Kleintransformator anbringen, wenn man besonderen Wert darauf legt, die Batterie
durch einfachen Anschluß an einer Netzsteckdose für Wechselspannung zu laden.
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Unter Umständen kann man das Fahrrad auch mit Trockenbatterien betreiben,
die jeweils nach Erschöpfung weggeworfen werden können. Werden solche Batterien
in :lassen hergestellt, dann läßt sich ihr Kaufpreis so niedrig halten, daß der
elektrische Fahrradantrieb mit dem Antrieb durch einen kleinen Verbrennungsmotor
konkurrenzfähig ist.
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Bei Talfahrten kann der '.Motor auch auf Nutzbremsung geschaltet und
dadurch für das Nachladen der Batterie herangezogen werden. Ein besonderer Vorteil
der Erfindung liegt noch darin, daß der Antrieb praktisch keine Reparaturen erfordert
und von der Batterie abgesehen, fast keiner Wartung bedarf.