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Die
Erfindung betrifft die Verwendung von Apamin zur Herstellung einer
pharmazeutischen Zusammensetzung oder eines Medikamentes zur Behandlung
von Tinnitus.
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Zwei
Hauptzelltypen sind bei der Weiterleitung von Geräuschen beteiligt.
Die inneren Haarzellen, welche als Überträger auf das zentrale Nervensystem
(CNS) agieren, und die äußeren Haarzellen, welche
als elektromechanische Verstärker
für Geräusche auf
der Basis eines lautsprecherartigen Mechanismus agieren. Die äußeren Haarzellen
(OHC) empfangen eine synaptische Eingabe von der übergeordneten
Olive, welche die cochlear afferente Aktivität durch Inhibition des schnellen
spannungsabhängigen
Verstärkungsmechanismus,
der durch diese Sensorzellen bereitgestellt wird, kontrolliert (Guinan, J.
1996. Dallos, P., Popper, N. und Fay, R. eds. New York-Springer,
435 – 502).
Diese schnelle synaptische Inhibition wird generell durch eine hyperpolarisierende
Chloridweiterleitung durch unterschiedliche Rezeptoren, aktiviert
durch von der Presynapse ausgeschüttete Transmitter, vermittelt
(Alger, B. E. 1991. Ann. NY Acad. Sci. 627, 249 – 263; Betz, H., Kuhse, J.,
Schmieden, V., Laube, B., Kirsch, J. and Harvey, R. J. 1999. Ann.
NY Acad. Sci. 868, 667 – 676).
Wie diese synaptische Inhibition in OHCs funktioniert, ist noch
unklar. Was man weiß ist,
dass neuronale Acetylcholin (nAChR) Rezeptoren in OHCs die prosynaptische
Zelle mit Kalzium (Ca2+) versorgen, welches eine
inhibitorische Hyperpolarisation durch Öffnung eines Kalzium (Ca2+)-aktivierten Kaliums (SK) Kanals initiiert
(Oliver, D., Klöcker,
N., Schluck, J., Baukrowith, T., Ruppersberg, J. P. und Fakler,
B. 2000. Neuron 26, 595 – 601).
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Schäden des
inneren Ohres treten beispielsweise bei traumatischen, hypoxischen
und toxischen Einflüssen
auf. Der Hauptgrund für
diese Schäden sind
Lärm, plötzliche
Gehörverluste
(Gehörsturz)
und Medikamente wie beispielsweise Antibiotika und Cytostatika.
Krankheiten oder Störungen,
in welchen subjektiver Lärm
im Ohr, ein sogenannter Tinnitus, auftreten, sind weit verbreitet.
Es wird geschätzt, dass
in Deutschland allein ungefähr
6 Millionen Menschen an Tinnitus leiden. In ungefähr 800.000
Fällen ist
der Tinnitus so ausgeprägt,
dass diese Patienten aufgrund der Tatsache, dass der Patient ernsthaft durch
quälende
Ohrgeräusche
behindert wird, eine intensive Behandlung durch einen Therapeuten
benötigen.
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Im
Falle von Tinnitus sind verschiedene medizinische Therapien darauf
angewandt worden. Diese umfassen, in Ergänzung zu der Verwendung von Anästhetika,
die Anwendung von lidocainartigen Antirhythmika oder Antikonvulsiva,
oder einer Infusionstherapie. Allerdings führten Behandlungen dieser Art in
den meisten Fällen
zu unbefriedigenden Ergebnissen.
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In
dem europäischen
Patent 0 759 295 wurde gezeigt, dass Adamantan-Derivate erfolgreich zur Behandlung
von Tinnitus eingesetzt werden können, die
mit einem sogenannten positiven Recruitment und/oder einer Reduktion
oder einem Wegfall von otoakustischen Emissionen verbunden ist.
Jedoch war der molekulare Mechanismus wie Adamantan-Derivate wirken noch
unbekannt, obwohl es Anzeichen gab, dass auf den äußeren Haarzellen
vorhandene Rezeptoren beteiligt sind. In der Publikation von Oliver
et al. (Oliver, D. et al., 2000, siehe oben) wurde gezeigt, dass
die Hyperpolarisation von OHC Zellen durch SK2 Kanäle vermittelt
wird und dass dies schnell stattfindet, was einen möglichen
Mechanismus für
die Erzeugung von schnellen inhibitorischen synaptischen Transmissionen
erklärt.
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Die
WO-A-9603504 beschreibt isolierte Nukleinsäuren, die eine alpha9 Nikotinacetylcholin-Rezeptor-Untereinheit
kodieren, die isolierte Rezep tor-Protein-Untereinheit und den rekombinant
erzeugten alpha9 Nikotinacetylcholin-Rezeptor. Es wird vorgeschlagen,
dass der alpha9 Rezeptor die cholinerge Komponente des cochlear
efferenten Systems ist. Die Behandlung von Tinnitus wird jedoch
in diesem Dokument nicht erwähnt.
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In
Cell, Vol. 79, 1994, Seiten 705 – 715 wird die Isolation und
funktionale Charakterisierung des alpha9 Rezeptors, der ein ungewöhnliches
gemischtes nikotin-muskarin pharmakologisches Profil zeigt, diskutiert.
Es wird weiter vorgeschlagen, dass der alpha9 Rezeptor möglicherweise
in der cholinergen efferenten Innervation der cochleären Haarzellen
beteiligt ist. Wiederum gibt es keine Erwähnung einer Behandlung von
Tinnitus.
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Die
Aufgabe der Erfindung ist es, neue Targets zu finden oder neue Substanzklassen,
welche Apamin oder ein Apamin kodierendes Polynucleotid sind, zur
Behandlung von Tinnitus zugänglich
zu machen durch eine genaue Aufklärung des molekularen Mechanismus,
der bei der Signalübertragung
der OHCs, welche ein Grund für
den Tinnitus Pathomechanismus sein kann, beteiligt ist. Diese Aufgabe wird
gelöst
durch den Gegenstand des Anspruchs 1. Der Wortlaut dieses Anspruchs
wird durch Verweis zum Inhalt der Beschreibung gemacht.
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Es
wurde gefunden, dass neuronale Acetylcholin-Rezeptoren des inneren
Ohres alpha9- und alpha10-Untereinheiten umfassen. Daher gibt es
einen alpha9/alpha10 heteromeren Acetylcholin-Rezeptor. Über solche
Acetylcholin-Rezeptoren findet die Hyperpolarisation von äußeren Haarzellen (OHCs)
statt und wird durch SK2-Kanäle
vermittelt. Der Acetylcholin-Rezeptor kann effizient durch Memantin
(3,5-Dimethyl-1-adamantan-amin)
und andere Substanzen blockiert werden und damit tritt eine Inaktivierung
der OHCs ein. Weiterhin wurde gefunden, dass dieser ionotrope Acetylcholin-Rezeptor funktional
mit einem Kalziumaktivierten Kaliumkanal verbunden ist. Die Blockierung
dieses Kanals kann ebenso zu einer Inaktivierung der OHCs führen. Diese
neuen Er gebnisse machen es möglich,
den Acetylcholin-Rezeptor und/oder den SK-Kanal als ein neues Target
zur Behandlung von Tinnitus zu verwenden. Dementsprechend können neue
Substanzklassen verwendet werden, um den Acetylcholin-Rezeptor und/oder
den Kalzium-aktivierten Kaliumkanal zu blockieren.
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Der
mögliche
Pathomechanismus von Tinnitus kann durch diese Ergebnisse auch erklärt werden.
Die OHC können
physiologisch oder pathologisch den psychischen Eindruck eines Geräusches generieren,
durch mechanische Bewegungen, welche an die inneren Haarzellen übermittelt
werden und durch diese an das CNS propagiert werden. Solche Bewegungen
werden verursacht durch Membranpotentialwechsel, verursacht entweder
durch Geräusche
oder durch die efferente Synapse in dem OHC. Diese Synapse verursacht
Membranpotentialwechsel, welche nicht in Verbindung mit einem realen
Geräusch
stehen, sondern durch das CNS als pathologisches Geräusch (Tinnitus)
aufgefasst werden. Da nAChR und der Kalzium-aktivierte Kaliumkanal
in diese Signalübertragung
der Synapse involviert sind, könnte
jeder wirksame Inhibitor der Signalübertragung Tinnitus unterdrücken.
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Gemäß der Erfindung
ist die Substanz, welche mindestens teilweise mindestens einen wie
oben definierten Kalzium-aktivierten Kaliumkanal blockiert, ist
Apamin. Die Substanz kann auch ein Apamin kodierendes Polynucleotid
sein.
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Materialien
und Methoden
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Patch-clamp Aufzeichnungen
auf äußeren Haarzellen
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Die
apikale Windung des Corti-Organs wurde aus Cochlea von drei bis
sechs Wochen alten Wistar-Ratten wie vorher beschrieben dissektiert
(Oliver et al., 1999, J Physiol (Lond) 519, 791 – 800; Oliver et al., 2000,
Neuron 26, 595 – 601).
Die Präparation wurde
in einer Lösung
vorgenommen enthaltend (in mM) 144 NaCl, 5,8 KCl, 0,1 CaCl2, 2,1 MgCl2, 10 HEPES,
0,7 Na2HPO4, 5,6
Glucose, eingestellt auf pH 7,3 mit NaOH. Zur Aufzeichnung wurden
OHCs zwischen einer halben und einer Windung vom Apex der Cochlea
angeordnet, ausgewählt.
Falls notwendig, wurden umgebende Zellen mit leichtem Zug einer Reinigungspipette
vorsichtig entfernt, wobei mechanische Störungen der efferenten Nervenenden
vermieden wurden.
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Patch-clamp
Aufzeichnungen mit ganzen Zellen wurden mit einem Axopatch 200B
Amplifier (Axon Instruments, Foster City, CA) bei Raumtemperatur
(22 – 25 °C) durchgeführt. Elektroden
wurden aus Quarzglas gezogen, hatten einen Widerstand von 2 bis
3 MΩ und
wurden mit intrazellularer Lösung gefüllt (in
mM): 135 KCl, 3,5 MgCl2, 0,1 CaCl2, 5 EGTA, 5 HEPES, 2,5 Na2ATP.
Der pH der Lösung
wurde auf pH 7,3 mit KOH eingestellt. Das Membranpotential wurde
für das
Elektroden-Kreuzungspotential
(–4 mV)
korrigiert. Der Ganzzellen-Serienwiderstand reichte von 4 bis 9
MΩ und
wurde nicht kompensiert. Ströme
wurden bei 1 kHz gefiltert und bei 5 kHz abgetastet.
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Die
Proben wurden kontinuierlich mit extrazellularer Lösung übergossen
(in mM: 144 NaCl, 5,8 KCl, 2 CaCl2, 0,9
MgCl2, 10 HEPES, 0,7 Na2HPO4, 5,6 Glukose, pH eingestellt auf 7,3 mit
NaOH). Die Chemikalien wurden ebenso wie depolarisierende Lösungen durch
eine Glasskapillare (Durchmesser ungefähr 80 μm) nahe an das Corti-Organ positioniert eingesetzt.
Für die
depolarisierende externe Lösung wurde
KCl durch eine gleiche Menge an NaCl ersetzt, um in [K+]ex von 47 mM zu resultieren. Strychnin, Apamin
und Acetylcholin wurden aus wässrigen
Vorratslösungen
zu der extrazellulären
Lösung
hinzugefügt. Um
den großen
OHC gebundenen K+ Strom, Ik,n zu blocken,
wurde 10 μM
Linopirdin (RBI) oder 1-5 μM XE991
(erhalten von Du-Pont) zu dem Standard extrazellularen Medium aus
den Vorratslösungen
hergestellt mit DMSO (Endkonzentration < 0,1%) hinzugefügt (Housely and Ashmore, 1992,
J Physiol (Lond) 448, 73 – 98;
Marcotti and Kros, 1999, J Physiol (Lond) 520, 653 – 660).
XE991 ist ein M-Stromblocker (Wang et al., 1998, Science 282, 1890 – 1893), der
Ik,n bei submikromolaren Konzentration in
einer schwach reversiblen Art inhibiert.
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Elektrophysiologie
von heterolog exprimierten Kanälen
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Die
in vitro mRNA Synthese und die Oozyten Injektionen wurden durchgeführt wie
früher
beschrieben (Fakler et al., 1995, Cell 80, 149 – 154; Oliver et al., 2000,
siehe oben). Die Elektrophysiologie von Oozyten war ebenfalls wie
früher
beschrieben (Oliver et al., 2000, siehe oben). Im Detail, AChR Untereinheiten
und SK2 Kanäle
wurden heterolog in Xenopus Oocyten exprimiert. Oocyten wurden chirurgisch
von erwachsenen Frauen entnommen und von Hand dissektiert. 4 – 5 Tage
vor den elektrophysiologischen Aufzeichnungen wurden Dumont Stufe
VI Oocyten mit ungefähr
50 ng RNA injiziert. Für
Coexpressions-Experimente wurde die Gesamtmenge an RNA konstant
gehalten und die unterschiedlichen RNAs wurden in gleichen Konzentrationen
coinjiziert. Zwei-Elektroden Spannungsklammer Messungen wurden mit
einem TurboTec 01C Amplifier durchgeführt (npi, Tamm, Deutschland),
unter Verwendung von Mikroelektroden von 0,1 bis 0,5 MΩ, gefüllt mit
3 M KCl. Extrazellulares Medium war CaNFR, enthaltend (in mM): 120
KCl, 2,5 KCl, 2 CaCl
2, 10 HEPES, pH eingestellt
auf 7,3 mit NaOH. Für
Experimente in Abwesenheit von extrazellulärem Ca
2+ war
die extrazellulare Lösung
MgNFR (in mM): 120 KCl, 2,5 KCl, 2 MgCl
2,
10 HEPES, pH eingestellt auf 7,3 mit NaOH. ACh wurde aus einer Vorratslösung hinzugefügt und durch
ein Applikationssystem angewendet, das einen Lösungsaustausch mit einer Zeitkonstanten
von ca. 1 s. zuließ.
Ströme
wurden bei 100 Hz gefiltert und bei einer Frequenz von 1 kHz abgetastet.
Dosis-Inhibitions Beziehungen, die aus den elektrophysiologischen
Experimenten erhalten wurden, wurden an die empirische Hill-Gleichung
angepasst,
worin I
norm der
normalisierte Strom ist, c ist die Blocker-Konzentration, IC
50 ist die halbinhibierende Konzentration,
und n
H ist der Hill-Koeffizient.
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Die
Datenanalyse und Anpassung wurde mit IgorPro (Wavemetrics, Lake
Oswego, OR) auf einem Macintosh PowerPC durchgeführt. Falls nicht anders angegeben,
sind die Daten als Mittelwerte ± Standardabweichung dargestellt.
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Molekular-Biologie
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Die
kodierende Region des Ratten α10
Gens (GeneBank Accession No. AF196344) wurde aus Rattenhirn cDNA
mittels PCR amplifiziert unter Verwendung von 5'- und 3'-Adapter-Primern, enthaltend geeignete
Restriktionsstellen (GAGACCCGGGAGCTCCACC, ATGGGGACAAGGAG CCACTACC
und GAGTCTAGATTACAGGGCTTGCACCAGTACAATG). Die amplifizierten Fragmente
wurden subkloniert in den Xenopus Oocyten Expressionsvektor pGEM-HE
Stränge
(Geschenk von Dr. J. Tytgat), resultierend in pGEM-HE Stränge nAChR α10, durch Sequenzierung
verifiziert. Gekappte mRNAs für α9, α10 und SK2
wurden in vitro synthetisiert unter Verwendung des mMESSAGE mMACHINE
kit (Ambion, Austin, TX).
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Um
die α10
und α9 Transkripte
zu detektieren, wurde die PCR unter Verwendung von revers transkribierter
RNA, isoliert aus anderen OHCs, durchgeführt, enthaltend einige Deiters-Zellen
oder unterstützenden
Zellen (Deiters und Hensen's-Zellen)
als Templat. Die Zellen wurden von Corti-Organen aus Ratten mit
Saug-Glasmikropipetten (Durchmesser 10 μm) gesammelt. RNA wurde von
ca. 100 Zellen einer jeden Fraktion unter Verwendung des Qiagen
RNeasy Kit (Qiagen, Hilden, Deutschland) gemäß den Vorschriften des Herstellers
hergestellt. Die Oligonukleotide, die als Primer in den PCR- Reaktionen
verwendet wurden, wurden so ausgewählt, um ein Intron im menschlichen α9 und α10 Gen zu
umfassen, um die Unterscheidung zwischen Produkten, die von cDNA
und Produkten, die von kontaminierender genomischer DNA stammen,
zu ermöglichen.
α9 sense:
CGTCCTCATATCGTTCCTCGCTCCG,
α9
antisense: TGGTAAGGGCTGTGGAGGCAGTGA;
α10 sense: GCAGCCTACGTGTGCAACCTCCTGC,
α10 antisense:
AGGTGTCCCAGCAGGAGAACCCGAG.
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Für jede PCR-Reaktion
wurde RNA entsprechend zu ca. 3 Zellen als Templat verwendet.
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Figurenbeschreibungen
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1:
(A) Modell für
die inhibitorische synaptische Transmission bei äußeren Haarzellen (OCHs) wie
aus Experimenten mit isolierten Zellen erhalten. (B) Inhibitorische
postsynaptische Ströme (IPSCs)
wurden durch Strychnin und Apamin inhibiert.
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2:
(A) ACh (100 μM)
induzierte Eingangsströme
in Oocyten kodierend für α9 aber nicht in
Oocyten kodierend für α10. (B) Detektion
von α9 und α10 mRNA in
OHCs durch RT-PCR. (C) Gleiches Experiment wie in (A), aber zur
Coexpression von beiden Untereinheiten. (D) Stromamplituden der
Experimente in (A) und (C) summiert für Oocyten injiziert mit für eine nicht
leitende SK2 Kanal Mutante (Kontrolle), α9, α10, und α9/α10 kodierende RNA.
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3:
(A) Durch Aktivierung von α9/α10 nAChRs
erzielte Ströme
sind abhängig
von externem Ca2+. (B) Ströme aus homomerem α9 und heteromerem α9/α10 nAChRs
aufgezeichnet durch Anwendung von 100 μM ACh in nominell Ca2+-freier externer Lösung. (C) Stromamplituden von
Oocyten α9
und α9/α10 darstellend,
aufgenommen wie in 3B.
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4:
Anwendung von 100 μM
ACh für
die angegebene Zeit an einen Oocyten coexprimierend α9, α10 und SK2.
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5:
Block von alpha9/alpha10 SK2 Stromerwiderungen auf Acetylcholin
in Xenopus Oocyten durch Strychnin.
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Experiment 1
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In 1A wird ein Modell gezeigt, wie die inhibitorische
Transmission bei OHCs stattfindet. Ca2+, welches
in die Postsynapse über
den Transmitter aktivierten nAChR eindringt, öffnet SK-Kanäle und ergibt
hyperpolarisierende K+ Ströme (Art,
J. J., Fettiplace, R. und Fuchs, P. A. 1984, J. Physiol. (Lond.) 356,
525 – 550;
Yuhas, W. A: and Fuchs, P. A. 1999. J. Comp. Physiol. 18, 455 – 462).
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In 1B wurden
postsynaptische Ströme von
OHCs in Spannungsklammer-Experimenten aufgenommen, wobei die Zellen
bei –64mV
gehalten wurden und die gesamte Corti-Präparation mit hohem extrazellularen
K+ (150 mM) übergossen wurde, um die Presynapse
zu depolarisieren. Anwendung von hoch K+ und
Toxinen wie durch horizontale Balken angegeben: Strom und Zeitskala
wie angegeben.
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In Übereinstimmung
mit dem Modell dargestellt in 1A wurden
die postsynaptischen Ströme durch
Anwendung von entweder dem Acetylcholin-Blocker Strychnin (Elgoyhen,
A. B., Johnson, D. S., Boutler, J., Vetter, D. E. and Heinemann,
S. 1994. Cell 79, 705 – 715)
oder dem SK-Kanal-Blocker
Apamin (komplette Inhibition bei 100 nM und 10 nM, 1B)
inhibiert.
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Experiment 2:
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α9 und α10 nAChR
Untereinheiten werden in OHCs exprimiert und zu funktionalen Kanälen coassembliert.
In (A) ACh (100 μM)
induzierte Einwärts-Ströme in Oocyten,
injiziert mit RNA kodierend für α9 (niedrige
Spuren), aber nicht in Oocyten, injiziert mit RNA kodierend für α10 (höhere Spuren). Haltepotential
war –80
mV. Schnelle Spitzen nach unten in den Kurven sind Artefakte durch
das Umschalten zwischen Lösungen.
(B) Detektion von α10 und α9 mRNA in
OHCs durch RT-PCR. Fragmente der erwarteten Länge wurden für α9 und α10 aus OHCs
(Spur 1, 2) amplifiziert, aber nicht von den umgebenden Zellen (Spur
3, Daten für α9 nicht gezeigt). Kontrollen
waren OHC-RNA ohne zugefügtes
RT (Spur 4) und Wasser (Spur 5) als Templat für die PCR. (C) Gleiches Experiment
wie in (A), aber zur Coexpression von beiden Untereinheiten. Die
unterschiedliche Stromskalierung beachten. Die Aufzeichnungen aus
(A) (α9)
wurden zum Vergleich hinzugefügt.
(D) Stromamplituden für
Experimente wie in (A) und (C) summiert für Oocyten injiziert mit RNA
kodierend für
eine nicht leitende SK2-Kanal-Mutante
(Kontrolle), α9, α10 und α9/α10 (Werte
sind Mittelwerte + Standardfehler von 5, 13 bzw. 18 Oocyten).
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Es
ist gezeigt worden, dass die nAChR der äußeren Haarzellen die α9-Untereinheit aufweisen durch
eine Vielzahl von Methoden einschließlich in-situ Hybridisation
(Elgohyen et al., 1994, siehe oben; Morley et al., 1998, Brain Res
Mol Brain Res 53, 78-87), Einzelzell RT-PCR (Glowatzki und Fuchs.,
1995, Science 288, 2366-2368), transgene Expression von grün fluoreszierendem
Protein kontrolliert durch den α9
Promotor (Zuo et al., 1999, Proc Natl. Acad Sci 96, 14100-14105)
und Inaktivierung des α9-Gens
(Vetter et al., 1999, Neuron 23, 93-103). Homomere α9-Rezeptoren
ergaben bedeutend geringere Ströme,
wenn sie heterolog in Xenopus Oocyten exprimiert wurden (Elgoyhen
et al., 1994, siehe oben), die die Möglichkeit erhöhten, dass
eine zusätzliche
Untereinheit benötigt
wird, um den vollständig
funktionierenden OHC-Rezeptor zu ergeben. Jedenfalls fehlt es den
OHCs an jeglichen weiteren der bekannten nAChR Subtypen (Morley
et al., 1998, siehe oben). Eine Gene- Bank Suche ergab eine neue Untereinheit
der nAChR Familie (GeneBank Accession No. AF196344), bestimmt als α10.
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Daher
wurde um zu testen, ob die Inhibition der komplexen IPSCs aus der
Blockierung des Ca2+ Eintritts über den
nAChR resultierten, und um zu testen, ob α10 eine mögliche Untereinheit für den OHC Rezeptor
ist, OHC nAChR, heterolog in Xenopus Oocyten exprimiert, getestet.
Jedoch ergaben die Anwendungen von 100 μM ACh zu Oocyten, injiziert
mit α9 spezifischer
RNA, sehr geringe Ströme
(9,3 + 5,0 nA bei –80
mV; 2A), in Übereinstimmung mit früheren Berichten
(Elogyhen et al., 1994, siehe oben; Katz et al., 2000, Hear Res
141, 117 – 128).
Keine Ströme,
die das Hintergrundniveau überschritten, wurden
mit den Homologen der α10
Untereinheit der Ratte beobachtet, einem Mitglied der nAChR Familie, welches
vor kurzem durch Boulter und Kollegen identifiziert wurde (GeneBank
Accession No. AF196344; 2A, D). Wie
in 2B durch RT-PCT an OHCs, isoliert
aus dem Corti-Organ von der Ratte (siehe Methoden), gezeigt, ist α10 mRNA tatsächlich in
diesen Sensorzellen vorhanden, wohingegen es in der umgebenden Zellfraktion,
enthaltend Hensen- und Deiters-Zellen, nicht detektiert worden ist.
In einem Kontrollexperiment mit RNA aus OHCs, die nicht revers transkribiert
war, amplifizierte die PCR ein Fragment von ca. 900 bp (2B, Spur 4), das am wahrscheinlichsten
aus einer Kontamination mit genomischer DNA resultierte, da die
Länge dieses
Fragmentes gut mit der Sequenz übereinstimmt,
wie sie durch die Primer-Paare im menschlichen Genom definiert wird (BAC
aus Chromosom 11; GeneBank Acc #AC060812). Wenn beide, α9 und α10, in Oocyten coexprimiert
wurden, wurden große
innere Ströme mit
Spitzenamplituden von bis zu –35 μA (bei –80 mV)
nach Anwendung von ACh aufgezeichnet (2C, D). Ähnlich
zu α9 vermittelten
Strömen, wurde
der Zeitverlauf hinsichtlich des Stromscheitelwertes durch ein vorübergehendes
Absinken zu einem kleineren Plateau einer variablen Amplitude charakterisiert.
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Der
Anstieg der Stromamplitude von mehr als drei Größenordnungen (verglichen zur
homomeren α9
Expression) zusammen mit der Coexpression von α9 und α10 in OHCs legt nahe, dass die
Heteromultimerisation von beiden Untereinheiten essentiell ist,
um voll funktionale Rezeptorkanäle
zu ergeben. Desweiteren legt die Abwesenheit von jeglichen weiteren
der bekannten nAChR Untereinheiten (Morley et al., 1998, siehe oben)
nahe, dass der OHC nAChR ein Heteromer, zusammengesetzt aus α9 und α10 Untereinheiten,
ist.
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Experiment 3:
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In
(A) sind die durch Aktivierung von α9/α10 nAChRen hervorgerufenen Ströme abhängig von
externen Ca2+. Die Spuren zeigen die nachfolgenden Anwendung
von 100 μM
ACh bei den gleichen Oocyten in CaNFR (Ca2+)
und MgNFR (Mg2+) bei –80 mV. (B) Ströme von homomeren α9 (obere
Spur) und heteromeren α9/α10 nAChRen
(untere Spur), aufgenommen durch Anwendung von 100 μM ACh in
nominell Ca2+-freier externer Lösung (MgNFR, –80 mV). (C)
Stromamplituden von α9
und α9/α10 exprimierenden
Oocyten, aufgenommen, wie in 3B (Mittelwert ± Standardfehler
von 12 bzw. 15 Oocyten).
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Ein
charakteristisches Merkmal von homomeren α9 Kanälen ist ihre außerordentlich
hohe Ca2+ Permeabilität (Jagger et al., 2000, J Physiol
527, 49 – 54;
Katz et al., siehe oben). Diese Ca2+ Permeabilität wird als
essentiell für
die OHC nAChR angesehen, da sie einen Ca2+ Zufluss
erlaubt, der ausreichend hoch ist, die SK-Typ Kalium-Kanäle effektiv
zu aktivieren. Das Oocyten-Expressionssystem ist jedoch charakterisiert
durch ein hohes endogenes Expressionsniveau an Ca2+ aktivierten
Cl– Kanälen (Stühmer und
Parekh, 1995, in Single channel recording 2nd edition
(Neher E. and Sakmann B. eds. 341 – 356. Plenum Press, New York).
Daher führt
das Öffnen von
Ca2+-permeablen Kanälen in einem externen Ca2+-haltigen Medium zu einer Coaktivierung
einer Cl– Leitfähigkeit.
Wenn externes Ca2+ durch Mg2+ ersetzt
wurde, wurden die durch ACh Anwendung auf α9/α10 heteromere Kanäle induzierten Ströme um einen
Faktor von ungefähr
10 reduziert (3A). Daher war ein großer Anteil
des ACh induzierten Stroms, der in CaNFR gemessen wurde, durch die Öffnung von
Ca2+ aktivierten Cl–-Strömen bedingt. Dies
wurde weiter unterstützt
durch das reverse Potential des Stroms in CaNFR von ungefähr –25 mV (Daten
nicht gezeigt), nahe an dem geschätzten Cl–-Gleichgewichtspotential
in Xenopus Oocyten (Stühmer
und Parekh, 1995, siehe oben). Dementsprechend hatten α9/α10 heteromere
Kanäle
eine signifikante Ca2+-Permeabilität, ähnlich zu
dem was von homomeren α9
Rezeptoren bekannt ist. Die Anwendung von ACh in der Abwesenheit
von extrazellulärem
Ca2+ erlaubte die Aufzeichnung von α9/α10 Strömen in Isolation.
Heteromere Kanäle
ergaben Ströme,
die 100 mal größer waren
als Ströme,
die von α9
Kanälen
unter denselben Bedingungen aufgezeichnet wurden, und bestätigten den
großen
Gewinn an Rezeptorleitfähigkeit
durch die Coexpression, die in der Gegenwart von externen Ca2+ beobachtet wurde (3B,
C). In der Abwesenheit von Ca2+ zeigte α9/α10 ebenso
folgerichtige Kinetiken, gekennzeichnet durch langsame Desensibilisierung
auf einer Zeitskala in Sekunden. Desensitivierung wurde mit α9 Kanälen innerhalb
der Grenzen der Geschwindigkeit des Lösungsaustausches nicht beobachtet (3B).
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Experiment 4:
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Anwendung
von 100 μM
ACh für
die angegebene Zeit auf einen α9, α10 und SK2
coexprimierenden Oocyten. Die Spuren zeigen aufeinanderfolgende
Aufzeichnungen desselben Oocyten bei den angegebenen Haltepotentialen.
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In
Haarzellen aktiviert ein Ca2+ Zufluss via nAChRs
die SK2 Kanäle,
um IPSCs hervorzurufen. 4 zeigt, dass diese Aktivierungskaskade
in Xenopus Oocyten durch Coexpression der α9/α10 nAChR mit SK2 Kanälen nachgebildet
werden kann. In Oocyten, die beide Kanalspezies exprimierten, rief die
Anwendung von ACh eine zweiphasige Antwort bei –70 mV hervor. Einem anfänglichen
nach innen gehenden hauptsächlich durch
Chlorid verursachten Strom folgte ein nach außen gehender, durch die Aktivierung
der SK2 Kanäle
verursachter, Strom (4). Mit einer zum größten Teil
aufgehobenen treibenden Cl– Kraft und einer ansteigenden
treibenden Kraft für
K+ bei einem Membranpotential von –30mV induzierte
ACh einen nach außen
gerichteten monophasischen Kaliumstrom, ähnlich zu der Reaktion von
isolierten OHCs auf ACh Anwendung (Blanchet et al., 1996 J Neurosci
16, 2574 – 2584;
Evans, 1996, J Physiol (Lond) 491, 563 – 578).
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Experiment 5:
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Für die weitere
Charakterisierung der Strychninbehandlung der nAChR wurde die mRNA von α9/α10 Untereinheiten
des Acetylcholin Rezeptors in Oocyten von Xenopus laevis injiziert.
Nach Expression dieser Untereinheiten wurden sie durch Behandlung
mit Strychnin in einem Spannungsklammerexperiment untersucht. Die
Zellen wurden bei –30mV
gehalten. Strom- und Zeitskala sind wie angegeben. Wie in 5 gezeigt,
wurden ähnliche
Ergebnisse wie in 1 erhalten. In Übereinstimmung
mit dem oben gezeigten Modell (1) konnten
die Stromantworten am Acetylcholin-Rezeptor reversibel durch Behandlung
mit dem Acetylcholin-Blocker Strychnin geblockt werden. Eine vollständige Hemmung
findet bei 1 μM
statt, und nach einem Auswaschen des Strychnins während drei
Minuten war der Rezeptor wieder funktional aktiv, was eine reversible Blockierung
des Rezeptors anzeigt.