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HINTERGRUND
DER ERFINDUNG
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(1) Gebiet der Erfindung
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Diese
Erfindung betrifft im Allgemeinen attenuierte Mikroben und insbesondere
Mikroben mit einer attenuierenden chromosomalen Mutation, umfassend
einen rekombinanten Transkriptionsfaktor, zur Verwendung als Vakzine
und Zufuhrvehikel für
Gene und Genprodukte und davon abgeleitete Verfahren.
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(2) Beschreibung des Standes
der Technik
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Die
Verwendung von Vakzinen hat sich als erfolgreicher Ansatz zur Bekämpfung infektiöser Erkrankungen
erwiesen. Von den verschiedenen Arten von Vakzinen haben sich die
lebenden attenuierten Mikroorganismen bestens bewährt und
stellen die aussichtsreichsten Kandidaten für zukünftige orale Vakzine und Zufuhrsysteme
für heterologe
Antigene dar (für
einen Review-Artikel siehe Bumann of al., FEMS Immunol. Med. Microbiol.
27: 357–364,
1999d; Liljeqvist et al., J. Biotechnol. 73: 1–33, 1999).
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Idealerweise
müssen
lebende attenuierte Vakzine ein Gleichgewicht zwischen Attenuierung
und Immunogenität
erreichen, um eine Immunantwort ohne Erzeugen einer Krankheitssymptomatologie
oder anderer Nebeneffekte auszulösen
(Curtiss in New Generation Vaccines, Voodrow and Levine, Eds., Marcel
Dekker, Inc., New York, 1990, S. 161–168; Dorner et al., Ann. Med.
31: 51–60,
1999). Strategien zur Erzeugung von attenuierten Stämmen umfassen üblicherweise
die Mutagenese von biosynthetischen Genen, Regulatorgenen und/oder
die Virulenz nach sich ziehenden Genen (Dogget und Brown in Mucosal
Vaccines, Kiyono et al., Eds., Academic Press, San Diego, 1996,
S. 106–118).
Die ausgelösten
mutagenen Veränderungen
umfassen Geninsertionen, -deletionen, Basenaustausche, Inversionen,
Translokationen, Duplikationen und dgl. Diese mutagenen Veränderungen
können
jedoch auch andere Folgen nach sich ziehen als die vollständige Aufhebung der
Funktion des beschädigten
Gens. Eine Punktmutation kann beispielsweise ein aberrierendes Protein
hervorrufen, das teilweise funktionsfähig ist. Ferner können Insertionen
Fusionsproteine mit unvorhersehbaren und manchmal schädlichen
Wirkungen für
die Mikrobe hervorrufen. Eine Mutagenese kann auch zu Veränderungen
nicht nur des Zielgens, sondern auch von benachbarten Genen führen. Beispielsweise
wurde das mutierte galE-Derivat Ty21a von S. typhi Ty2 durch chemische
Mutagenese, welche Mutationen in Genen zusätzlich zu dem gaIE-Gen erzeugte,
hergestellt. Diese Mutationen führten
zu einer Hyperattenuierung der Mikrobe und zu einer geringeren Vakzinwirksamkeit
für den
Ty21a-Stamm (Forrest, in C.R.C. Press, Inc., 1994, S. 59-90). Ein weiteres
Beispiel für
die Unvorhersehbarkeit einer Mutagenese wurde für die Transposon-induzierte
Deletionsmutation des crp-Gens berichtet. In einigen Fällen wurde
eine Attenuierung erzeugt, welche durch das Wild-Typ crp-Gen nicht
komplementiert werden konnte, um die Wild-Typ-Virulenz wiederherzustellen.
Solche Deletionsmutationen dehnten sich bis in benachbarte Gene
aus, wodurch die Fähigkeit
der Salmonella, verborgene Gewebe zu besiedeln, verringert wurde,
während
die Fähigkeit,
Darm-assoziiertes Lymphgewebe zu besiedeln, nicht beeinträchtigt wurde
(siehe U.S. Patent Nr. 5,387,744).
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Ein
Ansatz, die Unvorhersehbarkeit einer Mutagenese zu verringern, betrifft
die Entwicklung von Verfahren, die definierte Deletionen verursachen
(siehe beispielsweise Ling et al., Anal. Biochem. 254: 157–178, 1997;
U.S. Patent Nr. 6,024,961, Beispiele 2 und 3). Dennoch können definierte
Deletionen, wie beispielsweise andere Deletionsmutationen, möglicherweise
unerwünschte
Veränderungen
in der Funktion des beschädigten Gens
hervorrufen. Beispielsweise kann eine definierte Deletionsmutation
ein aberrierendes Proteinprodukt erzeugen, das aufgrund eines durch
die Deletion verursachten Frameshifts entweder trunkiert ist oder
eine abnormale C-terminate Aminosäuresequenz aufweist. Ferner
könnte
die vollständige
Deletion der codierenden Sequenz eines Gens, wobei der Promotor
intakt bleibt, möglicherweise
zu einer Kompensation der Bakterienzelle durch eine Steigerung der
RNA-Polymerasererkennung des Promotors und der Transkription des
benachbarten Gens führen.
Wird das benachbarte Gen in entgegengesetzter Richtung transkribiert,
dann würde die
synthetisierte mRNA eine Antisense-mRNA darstellen, die die normale
Expression des benachbarten Gens stören oder verhindern würde. Die
Erzeugung eines aberrierenden Proteinprodukts oder entweder die Überexpression
oder die Inhibierung eines zu der Deletion benachbarten Genes kann
die Attenuierung oder Immunogenität verändern.
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Weitere
Probleme können
entstehen, wenn ein Promotor von einer Insertionssequenz umfasst
wird. Dies kann beispielsweise vorkommen, wenn die insertierte Sequenz
ein heterologes Reportergen oder einige andere Gene enthält, die
unabhängig
von der Expression des mutierten Gens exprimiert werden sollen (siehe beispielsweise
Sousa et al., Microbiol. 143: 2071–2078, 1997; Vagner et al.,
Microbiol. 144: 3097–3104,
1998). In einigen Fällen
kann der insertierte Promotor möglicherweise
eine Expression von benachbarten Genen verursachen, was unvorhersehbare
Auswirkungen auf die Attenuierung und die Immunogenität der Mikrobe
haben könnte.
Es besteht demzufolge ein anhaltendes Bedürfnis für neue Ansätze zur Erzeugung von Vakzinstämmen, welche
einzelne Auswirkungen auf spezifische Zielgene und als Ergebnis
davon vorhersehbare Auswirkungen auf die Attenuierung und die Immunogenität der Mikrobe
haben.
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In
den letzten Jahren hat es sich abgezeichnet, dass die Transkriptionstermination
eine wichtige Rolle bei der Regulation der Genexpression spielt
(für einen
Review-Artikel siehe
Henkin, Current Opin. Microbiol. 3: 1490–153, 2000; Henkin, Ann. Rev.
Genet. 30: 35–57,
1996). Eine Transkriptionstermination tritt auf, wenn die RNA-Polymerase auf ein
Terminationssignal trifft. Sie stoppt das Anfügen von Nukleotiden an die
neu synthetisierte RNA, trennt das DNA-RNA-Hybrid auf, setzt das
neu synthetisierte Transkript frei und dissoziiert von dem DNA-Template
(für einen
Review-Artikel siehe
Mooney et al., J. Bacteriol. 180: 3265–3275, 1998; Henkin, supra;
Weisberg et al., J. Bacteriol. 181: 359–367, 1999). Bakterien verwenden
mindestens drei Arten von Terminationssignalen: (1) intrinsische
Terminatoren oder Rhounabhängige
Terminatoren, die aus einem G-C-reichen Stem-Loop-Anteil gefolgt
von einer Reihe von U-Nukleotiden bestehen (für einen Review-Artikel siehe Record
et al., in Escherichia coli and Salmonella: Cellular and Molecular
Biology, 2nd Ed., Neidhardt et al., Eds., ASM Press, Washington,
D.C., 792–821,
1996), (2) Rho-abhängige Terminatoren,
die über
eine Bindungsstelle für
das Rho-Protein auf dem naszierenden Transkript fungieren (für einen
Review-Artikel siehe Richardson, J. Biol. Chem. 271: 1251–1254, 1996)
und (3) persistente RNA-DNA-Hybridterminatoren, bei denen die Paarung
der naszierenden RNA und des Templates unmittelbar stromaufwärts des
Transkriptionselongationskomplexes zu einer Dissoziation eines Komplexes,
der 3'-proximale U-reiche
RNA enthält,
führt (Tomizawa
et al., Cell 51: 623–630,
1987). Obwohl bekannt ist, dass Transkriptionsterminatoren die Genexpression regulieren
und einige Insertionskassetten Transkriptionsterminatoren in bakterielle
Chromosomen eingegliedert haben, wurden Transkriptionsterminatoren
zuvor noch nie verwendet, um attenuierte Mikroben für eine Verwendung
als Vakzinpräparate
zu erzeugen.
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Eine
Forschungsgruppe berichtet von einer natürlich vorkommenden Insertion
von Transkriptionsterminatoren in Yersinia pestis, die die Expression
eines funktionellen inv-Genprodukts verhindern (Simonet et al.,
Infect. Immun. 64: 375–379,
1996; Odaert et al., J. Bacteriol. 180: 178–181). Obwohl andere Yersinia
Spezies durch Invasin in eukaryotische Zellen eindringen, ist Yersinia
pestis, welcher der ursächliche
Erreger für Pest
ist, aufgrund der mehrfachen Insertion eines Transkriptionsterminators
in das inv-Gen dazu nicht fähig. Die
Wild-Typ Mikrobe eignet sich jedoch nicht als attenuierter Vakzinstamm,
da Yersinia pestis selbst bei Abwesenheit eines funktionsfähigen inv-Genprodukts höchst ansteckend
ist.
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Andere
Gruppen berichteten von der Verwendung von Transkriptionsterminatoren
als Teil einer chromosomalen Insertionskassette. Reeves et al. (J.
Bacteriol. 181: 7098-7106,
1999) untersuchten beispielsweise die Transkriptionsorganisation
des Erythromycin-Biosynthese-Genclusters ery von S. erythraea durch
insertionelle Inaktivierung von Erythromycin-Biosynthese-Genen unter
Verwendung von Mutanten, die an bestimmten Stellen einen rrn-Terminator
enthielten. Diese Gruppe konstruierte jedoch weder Vakzinstämme noch
wiesen die von dieser Gruppe hergestellten Mikroben attenuierende
Mutationen, umfassend einen Transkriptionsterminator, auf.
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Reeve
et al. (Microbiol. 145: 1307–1316,
1999) berichteten von der Entwicklung von Kassetten, die einen Antibiotikaresistenzmarker
zusammen mit dem tac-Promotor und dem trpA-Terminator enthielten,
zur Überwachung
der Transkriptionsaktivität
vor unterschiedlichen genetischen Hintergründen in Wurzelknöllchen-Bakterien.
Diese Gruppe offenbart oder suggeriert jedoch weder die Verwendung
der Kassette zur Erzeugung einer attenuierenden Mutation in einer
Mikrobe noch die Verwendung dieser Kassette zur Herstellung eines
Vakzinstammes.
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Curtiss
et al. (WO1996/US/09774) beschreiben die Herstellung von Mikroben
mit einem von Umweltbedingungen abhängigen Lebensfähigkeitssystem.
Die offenbarten mutierten Organismen wiesen eine Deletion in dem
chromosomalen asd-Gen und eine Insertion einer Kassette, die Promotoren
und Transkriptionsterminatoren enthielt, an dieser Genstelle auf.
Die letztendlich hergestellten Mikroben enthielten auch ein Plasmid mit
einem asd-Gen (siehe beispielsweise WO1996/US/09774, 4, 8, 11 und 13).
Dieses asd-Gen in dem Plasmid ersetzte das deletierte chromosomale
asd-Gen, sodass die Mikroben durch die Mutation des chromosomalen
asd-Gens nicht attenuiert waren. Diese Veröffentlichung offenbart oder
suggeriert demnach weder die Konstruktion einer attenuierenden chromosomalen
asd-Genmutation, enthaltend einen Transkriptionsterminator, noch
die Verwendung von Transkriptionsterminatoren im Allgemeinen als
Attenuierungsstrategie zur Herstellung von Vakzinstämmen.
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Frühere Arbeiten
mit Transkriptionsterminatoren beschreiben demzufolge nicht die
Verwendung von Transkriptionsterminatoren zur Herstellung von attenuierten
Mikroben oder als Teil einer Attenuierungsstrategie zur Herstellung
neuer Vakzinpräparate.
Ungeachtet der Verwendung von Transkriptionsterminatoren bei der
Untersuchung der Struktur und Funktion von Genen besteht demzufolge
ein anhaltendes Bedürfnis
für neue
Ansätze
betreffend attenuierende Mikroben und die Herstellung von Vakzinen
auf eine Art und Weise, die sowohl die Immunogenität der Mikrobe
attenuiert als auch aufrechterhält.
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KURZE BESCHREIBUNG
DER ERFINDUNG
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Die
Erfinder haben vorliegend herausgefunden, dass Transkriptionsterminatoren
in einem neuen Ansatz zur Attenuierung von Bakterien in bakterielle
Gene insertiert werden können.
Die in das Gen oder die Genstelle insertierte Transkriptionsterminatorsequenz
erzeugt eine Transkriptionstermination, sodass die codierende Sequenz
des Gens nicht vollständig
transkribiert wird und ein funktionelles Genprodukt nicht exprimiert wird.
Eine solche Insertion in einem Operon kann die Transkription und
Expression von Genen stromabwärts der
Insertion verhindern. Der Ansatz kann bei der Konstruktion von attenuierten
Mikroben, die als Vakzine und als Träger-Mikroben zur Expression
eines gewünschten
Genproduktes verwendet werden können,
angewendet werden.
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Eine
Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung betrifft demzufolge eine Zusammensetzung,
umfassend eine Mikrobe mit einer attenuierenden Mutation, die eine
Sequenz, umfassend einen in ein chromosomales Gen oder eine chromosomale
Genstelle insertierten Transkriptionsterminator, umfasst. Die Bezeichnung „Genstelle" bedeutet, dass in
Fällen,
in denen ein Zielgen teilweise oder vollständig deletiert wurde, ein Transkriptionsterminator
an der chromosomalen Stelle insertiert wird, die von dem Gen belegt
wäre, wenn
es nicht deletiert worden wäre.
Die Zusammensetzung liegt als pharmazeutisch verträgliche Zubereitung
vor. Die den insertierten Transkriptionsterminatorumfassende Sequenz
kann in einigen Fällen
auch einen rekombinanten Promotor enthalten. Der Promotor kann zur
Expression eines rekombinanten Gens vorliegen, das auch von der
Insertionssequenz umfasst ist. Die Expression des rekombinanten
Gens ist demzufolge unabhängig
von dem Promotor des Gens, in welches der Promotor, das rekombinante
Gen und der Transkriptionsterminator insertiert wurden. In diesen
Fällen
dient der Transkriptionsterminator dazu, dass der insertierte Promotor
die Expression von zu dem mutierten Gen benachbarten Genen nicht
verändert.
Alternativ dazu kann der Transkriptionsterminator ohne die Insertion
eines rekombinanten Promotors insertiert werden.
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Beliebige
Gene können
das Ziel einer Insertion der Transkriptionsterminatorsequenz zur
Attenuierung der Mikrobe sein. Insbesondere können solche Gene biosynthetische
Gene, Regulatorgene und/oder die Virulenz nach sich ziehende Gene
sein.
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In
einem besonders bevorzugten Aspekt dieser Ausführungsform enthält die Mikrobe
ferner ein rekombinantes Gen, das für ein zu exprimierendes, gewünschtes
Genprodukt eines Pathogens, wie eines Virus, eines Bakteriums, eines
Protozoon, eines Parasiten oder eines Pilzes, codiert. Das rekombinante
Gen kann auch für
ein Produkt codieren, das zur Suppression, Modulation oder Verstärkung einer
Immunantwort in einem Individuum fähig ist. Überdies kann das rekombinante
Gen für
ein Autoantigen, wie ein gametspezifisches Antigen, oder ein Allergen
eines Individuums codieren.
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In
einer weiteren Ausführungsform
betrifft die vorliegende Erfindung ein Vakzin. Das Vakzin umfasst eine
Mikrobe mit einer attenuierenden Insertion, umfassend einen in ein
chromosomales Gen insertierten rekombinanten Transkriptionsterminator,
in einer pharmazeutisch verträglichen
Zubereitung. In einem Aspekt dieser Ausführungsform kann die Vakzinmikrobe
ferner ein rekombinantes Gen enthalten, das für ein zu exprimierendes, gewünschtes
Genprodukt, umfassend ein Epitop eines Pathogens, wie eines Virus,
eines Bakteriums, eines Protozoon, eines Parasiten oder eines Pilzes,
codiert. Das rekombinante Gen kann auch für ein Autoantigen, wie ein
gametspezifisches Antigen, oder ein Allergen eines Individuums codieren.
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Eine
weitere Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung betrifft ein Verfahren zur Immunisierung
eines Individuums gegen ein Pathogen. Das Verfahren umfasst die
Verabreichung einer Zusammensetzung, umfassend ein Derivat einer
pathogenen Mikrobe, an das Individuum. Die Bezeichnung „Derivat" bedeutet, dass die
pathogene Mikrobe durch die Insertion eines rekombinanten Transkriptionsterminators
in ein chromosomales Gen verändert
wurde, um die Pathogenität
zu attenuieren. In einem Aspekt dieser Ausführungsform kann die Mikrobe
ferner ein für
ein Epitop des Pathogens codierendes rekombinantes Gen umfassen.
Das Pathogen kann ein Virus, ein Bakterium, ein Protozoon, ein Parasit
oder ein Pilz sein.
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In
einer anderen Ausführungsform
betrifft die vorliegende Erfindung ein Verfahren zur Herstellung
einer Träger-Mikrobe
zur Verabreichung eines gewünschten
Genprodukts an ein Individuum. Das Verfahren umfasst das Erzeugen
eines attenuierten Derivats einer pathogenen Mikrobe mit einem rekombinanten,
für das gewünschte Genprodukt
codierenden Gen und einer attenuierenden Mutation, umfassend einen
in ein chromosomales Gen insertierten Transkriptionsterminator.
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Die
vorliegende Erfindung betrifft in einer weiteren Ausführungsform
ein Verfahren zur Verabreichung eines gewünschten Genprodukts an ein
Individuum. Das Verfahren umfasst das Verabreichen einer Zusammensetzung,
umfassend eine Mikrobe mit einer attenuierenden Mutation, umfassend
einen in ein chromosomales Gen insertierten rekombinanten Transkriptionsterminator,
an ein Individuum. Die Mikrobe kann ferner ein für das gewünschte Genprodukt codierendes
rekombinantes Gen umfassen. Das für das rekombinante Gen codierende
Genprodukt kann von einem Pathogen, wie einem Virus, einem Bakterium,
einem Protozoon, einem Parasiten oder einem Pilz, stammen. Das rekombinante
Gen kann auch für
ein Produkt codieren, das zur Suppression, Modulation oder Verstärkung einer
Immunantwort in dem Individuum fähig
ist. Überdies
kann das rekombinante Gen für
ein Autoantigen, wie ein gametspezifisches Antigen, oder ein Allergen
eines Individuums codieren.
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In
jeder der obigen Ausführungsformen
kann der Transkriptionsterminator ein Rhoabhängiger oder vorzugsweise ein
Rho-unabhängiger
Terminator sein, was rrnB 5s rRNA T1T2, trpA, T4 Gen 32, T4 iplll
Gen oder rrfG 5S rRNA umfasst, jedoch nicht darauf beschränkt ist.
Die Gene, in die der Transkriptionsterminator insertiert werden
kann, um die Mikrobe zu attenuieren, umfassen ein pab-Gen, ein pur-Gen,
ein aro-Gen, asd, ein
dap-Gen, nadA, pncB, galE, pmi, fur, rpsL, ompR, htrA, hemA, cdt,
cya, crp, phoP, phoQ, rfc, poxR oder galU, sind jedoch nicht darauf
beschränkt.
Attenuierte Mikroben sind vorzugsweise enteropathogene Mikrobenspezies,
umfassend Salmonella, Shigella, Escherichia oder Hybride davon,
sind jedoch nicht darauf beschränkt.
Zudem kann die Insertion des Transkriptionsterminators in einem
Gen erfolgen, das eine definierte Deletion aufweist, die die gesamte
oder einen Teil des codierenden Bereichs dieses Gens, die Promotorregion dieses
Gens oder sowohl den codierenden Bereich als auch die Promotorregion
dieses Gens umfasst. Besondere Beispiele von erfindungsgemäßen Mikroben
sind MGN-1362, X8298 und X8429.
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Von
den vielen Vorteilen, die mithilfe der vorliegenden Erfindung erzielt
werden können,
sind die Bereitstellung von Mikroben mit einer einzelnen attenuierenden
Mutation, welche eine vorhersehbare Attenuierung und Immunogenität der Mikrobe
hervorruft, die Bereitstellung von Mikroben mit attenuierenden Mutationen
in Zielgenen, in welchen die Mutationen die benachbarten Gene nicht
beeinflussen, wodurch unerwartete Nebeneffekte ausgehend von der
Mutation vermieden werden, die Bereitstellung von Vakzinzusammensetzungen,
Zufuhrvehikeln und Verfahren zur nutzbringenden Verabreichung dieser
Zusammensetzungen und Zufuhrvehikel zur Immunisierung oder zur Verabreichung
eines gewünschten
Genprodukts, und die Bereitstellung von Verfahren zur Herstellung
von attenuierten Mikroben zu nennen.
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KURZE BESCHREIBUNG
DER ZEICHNUNGEN
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1 veranschaulicht
die Sequenz der folgenden Transkriptionsterminatoren: (A)
E. coli rrnB 5S rRNA T1 T2 (SEQ ID NO: 1) zusammen mit der RNA-Stem-Loop-Struktur
von rrnB T1, umfassend die Nukleotide 160–218 (SEQ ID NO: 2), einer
zweiten RNA-Stem-Loop-Struktur
zwischen rrnB T1 und rrnB T2, umfassend die Nukleotide 238–273 (SEQ
ID NO: 3) und der RNA-Stem-Loop-Struktur von rrnB T2, umfassend
die Nukleotide 332–377
(SEQ ID NO: 4); (B) trpA TT (SEQ ID NO: 5) zusammen
mit den RNA-Stem-Loop-Strukturen jeder der entsprechenden komplementären einzelsträngigen Sequenzen
(SEQ ID NO: 6 und SEQ ID NO: 7); (C) T4 Gen
32 TT (SEQ ID NO: 8) zusammen mit den RNA-Stem-Loop-Strukturen jeder
der komplementären
einzelsträngigen
Sequenzen, umfassend die Nukleotide 11–54 (SEQ ID NO: 9 und SEQ ID
NO: 10); (D) T4 iplll Gen TT (SEQ ID NO:
11) zusammen mit den RNA-Stem-Loop-Strukturen jeder der komplementären einzelsträngigen Sequenzen,
umfassend die Nukleotide 13–69
(SEQ ID NO: 12 und SEQ ID NO: 13); und (E) E.coli
rrfG 5S rRNA TT (SEQ ID NO: 14) zusammen mit den RNA-Stem-Loop-Strukturen jeder
der komplementären
einzelsträngigen
Sequenzen, umfassend die Nukleotide 1–45 (SEQ ID NO: 15 und SEQ
ID NO: 16).
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2 veranschaulicht
pMEG-443.
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3 veranschaulicht
pMEG-105.
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4 veranschaulicht
pMEG-096.
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5 veranschaulicht
pMEG-611.
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6 veranschaulicht
die Konstruktion von ΔphoPQ23.
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7 veranschaulicht
pMEG-685.
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8 veranschaulicht
pMEG-549.
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9 veranschaulicht
pMEG-375.
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10 veranschaulicht
pMEG-550.
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11 veranschaulicht
die Insertion des trpA-Terminators in die ΔphoP24-Deletion, die eine Sequenz, umfassend
die Nukleotide 0–40,
die sich 5' zu der
codierenden Sequenz des phoP-Gens befindet (TCGACGAACTTAAATAATGCCTGCCTCACCCT
CTTTTCTTA, SEQ ID NO: 17), eine Sequenz, umfassend die dazu komplementären Nukleotide
20–40
(GATCTAAGAAAAGAGGGTGAGGCAGG, SEQ ID NO: 18), eine Sequenz, umfassend
den trpA-Transkriptionsterminator (GATCGCGGCCGCCCGC CTAATGAGCGGGCTTTTTTTGCC,
SEQ ID NO: 19 und AATTGGCAAAAAAAG CCCGCTCATTAGGCGGGCGGCCGC, SEQ
ID NO: 20) und einen Teil der phoQcodierenden Sequenz (AATTCATGAATAAA,
SEQ ID NO: 21 und den dazu komplementären Bereich TTTATTCATG, SEQ
ID NO: 22) zusammen mit den ersten drei codierten Aminosäuren des
phoQ-Gens, aufweist.
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12 veranschaulicht
pMEG-359.
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13 veranschaulicht
pMEG-368.
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14 veranschaulicht
die Wachstumskurven der S. typhimurium SL1344 Wild-Typ und X8297, X8298, X8299 und X3339 Mutantenstämme.
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15 veranschaulicht
die Wachstumskurven der S. typhimurium SL1344 Wild-Typ und X8430, X8432 und X3339 Mutantenstämme.
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16 veranschaulicht
die Wachstumskurven der S. typhimurium UK-1 Wild-Typ und X8087297, X8429, X8431 und X3761 Mutantenstämme.
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17 veranschaulicht
die Ausbreitung in den Peyer'schen
Plaques an den Tagen 3 und 7 durch S. typhimurium SL1344 Wild-Typ
und X3339, X8297, X8298 und X8299 Mutantenstämme.
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18 veranschaulicht
pMEG-063.
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AUSFÜHRLICHE
BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
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Diese
Erfindung basiert auf der Feststellung, dass Transkriptionsterminatoren
im Rahmen einer Attenuierungsstrategie in ein bakterielles Gen insertiert
werden können,
wobei die Strategie nicht nur die Virulenz der Bakterien attenuiert,
sondern auch dazu dient, die Wirkungen der attenuierenden Mutation
auf das Zielgen oder -operon der Bakterien einzuschränken. Dieser
neue Ansatz verhindert nicht nur die häufig unvorhersehbaren Auswirkungen
anderer Attenuierungsstrategien auf benachbarte Gene, welche die
Immunogenität
der Bakterien abschwächen
können
oder sich auf andere Weise schädlich
auf die Bakterien auswirken können, sondern
ermöglicht
auch eine ausgewogene Auswirkung auf die gesamten Gene eines Operons.
Dies ist darauf zurückzuführen, dass
die attenuierende und/oder einschränkende Auswirkung funktionell
auf der Transkriptionsebene auftritt und nicht unmittelbar, wie
andere Attenuierungsstrategien, von der Veränderung der codierenden Sequenz
abhängt.
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Die
Transkriptionstermination reguliert die Genexpression auf der Transkriptionsebene,
indem der RNA-Polymerase signalisiert wird, das Anfügen von
Nukleotiden an das neu synthetisierte Transkript zu stoppen, welches
dann freigesetzt wird und nachfolgend von der DNA dissoziiert. Die
Bezeichnung "Transkriptionsterminator", wie sie hierin
verwendet wird, kann definiert werden als eine Stelle entlang der
DNA-Matrize, an der die Freisetzungsrate eines RNA-Transkripts größer ist,
als die Anfügungsrate
des nächsten
Nukleotids. In Bakterien werden mindestens drei Typen von Terminationssignalen
verwendet: (1) intrinsische Terminatoren oder Rho-unabhängige Terminatoren,
(2) Rho-abhängige
Terminatoren und (3) persistente RNA-DNA-Hybridterminatoren (Mooney
et al., 1998, supra). Solche Transkriptionsterminatoren sind vom
Umfang der vorliegenden Erfindung eingeschlossen. Die Bezeichnung „Transkriptionsterminator" umfasst gemäß vorliegender
Erfindung auch jede eine Transkriptionstermination auslösende Sequenz,
egal ob die Sequenz normalerweise in den Wild-Typ Mikroben auftritt
oder nicht, solange diese Sequenzen die Funktion aufweisen, die
RNA-Polymeraseaktivität
zum Stillstand zu bringen und die Freisetzung eines naszierenden
RNA-Transkripts zu verursachen.
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Intrinsische
Transkriptionsterminatoren sind durch eine etwa 20 bp lange G-C-reiche
Sequenz, die eine Stem-Loop- oder Hairpin-Struktur bildet, gekennzeichnet.
Diese wird unmittelbar von einem Poly-U-Bereich von wenigstens 3
und üblicherweise
etwa 7 bis 9 U-Resten in Richtung des 3'-Endes der terminierten RNA gefolgt
(für einen
Review-Artikel siehe Richardson et al., in Escherichia coli and
Salmonella Cellular and Molecular Biology, Band 1, 2. Ed., Neidhardt
et al., Eds., ASM Press, Washington, D.C., 1996, S. 822–848). Eine
Vielzahl von intrinsischen, Rho-unabhängigen Transkriptionsterminatoren
wurde bislang identifiziert (siehe beispielsweise Carafa et al.,
J. Mol. Biol. 216: 835–858,
1990; Brendel et al, J. Biomol. Struct. Dynam. 3: 705-723, 1986).
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Eine
Rho-abhängige
Transkriptionstermination erfolgt aufgrund des Bindens des Rho-Proteins an die Rho-Stelle
(„Rho
utilization site")
auf dem naszierenden Transkript. Rho-abhängige Terminatoren bestehen aus
zwei getrennten sich überlappenden
Sequenzen, welche zusammen etwa 150 bis 200 bp der DNA überspannen
(Richardson et al., supra). Eine Sequenz bildet die Transkriptionsinitiationsregion,
während
die andere Sequenz stromaufwärts
davon liegt und als Rho-Stelle bezeichnet wird. Die Rho-Stelle scheint
die Bindungsstelle für
das Rho-Protein zu sein (Id.; Richardson, Biochim. Biophys. Acta
1048: 127–138,
1990). Bislang wurde eine Vielzahl von Rho-abhängigen Transkriptionsterminatoren
identifiziert (siehe beispielsweise Brendel et al., supra; Zalatan
et al., J. Biol. Chem. 268: 17051–17056, 1993).
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Bevorzugte
Transkriptionsterminatoren sind intrinsische, Rho-unabhängige Terminatoren,
umfassend rrnB 5s rRNA T1T2, trpA, T4 Gen 32, T4 iplll Gen und rrfG
5S rRNA.
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In
einigen Fällen
kann es vorteilhaft sein, mehr als einen Transkriptionsterminator
zu verwenden. Da ein Transkriptionsterminator lediglich vorzugsweise
zu einer Freisetzung des RNA-Transkripts anstelle des Anfügens des
nächsten
Nukleotids führt,
werden einige Transkriptionsterminatoren als schwache Transkriptionsterminatoren
bezeichnet, da die RNA-Polymerase über die Transkriptionsterminationsstelle
hinweg lesen kann. Bei der Verwendung solcher Transkriptionsterminatoren
kann es vorteilhaft sein, mehr als einen solchen Terminator hintereinander
in die Insertionskassette einzubauen. In anderen Fällen kann
es manchmal auch vorteilhaft sein, wenn wenigstens ein Transkriptionsterminator
an jedem Ende einer Insertionskassette vorliegt, da die Transkription
manchmal von einer bestimmten Promotorstelle ausgehend in jede Richtung
erfolgen kann.
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Die
Bezeichnung "Gen", wie hierin verwendet,
bezeichnet die vollständige
(in Bezug auf ihre Länge) Nukleinsäuresequenz,
was die codierende Sequenz, die wiederum jede beliebige Leitsequenz
umfassen kann, und jede beliebige, mit dem Gen assoziierte Regulatorsequenz
umfasst. Transkriptionsterminatoren und Kassetten umfassend Transkriptionsterminatoren
können
an jeder Stelle eines Zielgens insertiert werden.
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In
einigen Fällen
kann es vorteilhaft sein, wenn der Transkriptionsterminator in einer
Kassette enthalten ist, die einen codierenden Bereich, wie für einen
Reporter und einen Promotor, enthält. Die Promotorinsertion kann
jedoch eventuell zu einer Transkription der dem 3'-Ende des Zielgens
benachbarten Sequenz führen, was
unvorhersehbare Auswirkungen auf die Mikrobe haben kann. In solchen
Fällen
kann die Kassette einen Transkriptionsterminator beinhalten, wodurch
verhindert wird, dass der Promotor die Expression von Genen auf
der 3'-Seite der
Insertionsstelle auslöst.
Solche Insertionskassetten können
beispielsweise ein für
ein gewünschtes
Genprodukt codierendes heterologes Gen enthalten. Häufig ist
es vorteilhaft, dass Fremdantigene durch Sequenzen in Plasmidvektoren,
die in hohen Kopiezahlen vorliegen können, codiert werden, sodass eine
große
Menge des Fremdantigens exprimiert wird und eine größere Immunantwort
in dem geimpften Individuum ausgelöst wird. Dennoch ist es manchmal
bevorzugt, ein ein Fremdantigen codierendes Gen in das bakterielles
Chromosom zu insertieren. Einige Fremdantigene repräsentieren
beispielsweise Anhängsel,
wie Fimbrien, die als Adhäsine
dienen und einem Pathogen ermöglichen,
sich an einen bestimmten Rezeptor oder an einen bestimmten Zelltyp
innerhalb eines Tierwirtes anzulagern. Die Immunantworten gegen
solche Fimbrien-Adhäsine
sind wirksam, wenn die Antikörper
gegen das Fimbrien-Adhäsin die
Fähigkeit
eines dieses Fimbrien-Adhäsin
aufweisenden Mikroorganismus zur Anlagerung an einen Rezeptor auf
einer gegebenen Zielzelle blockieren können. So dient die Schutzimmunität gegen
Adhäsine
als eine sehr wichtige Schutzmaßnahme,
wodurch die Fähigkeit
der Pathogene, sich an einen Tierwirt anzulagern, in ihn einzudringen
und/oder sich in ihm auszubreiten, zerstört wird. Fimbrien-Adhäsine sind
jedoch komplexe Strukturen und das Einbringen von Genen, welche
für dieselben
codieren, in Vektoren mit hoher Kopienzahl führt üblicherweise zur Toxizität und zur
Unfähigkeit
des rekombinanten Vakzinstammes, gut zu wachsen oder sogar sich
in dem Tierwirt auszubreiten. Vielmehr sind solche Vakzinkonstrukte
in Bezug auf die Induzierung der gewünschten Immunantwort folglich
nicht immunogen. Im Gegensatz dazu tritt eine ausgeprägte Immunantwort
jedoch häufig
auf, da Fimbrien-Adhäsine
hoch immunogen sind, wenn sie durch in dem Chromosom gelegene, codierende
Sequenzen erzeugt werden.
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In
anderen Fällen
kann das heterologe Gen für
ein Genprodukt codieren, das zur Regulation anderer Gene innerhalb
der Mikrobe dient. Solch ein Konstrukt wurde durch Curtiss et al.
(WO1996/US/09774) zur Verwendung für die Herstellung von Mikroben
mit einem von Umweltbedingungen abhängigen Lebensfähigkeitssystem
offenbart. Die offenbarten mutierten Mikroorganismen wurden mit
einer Deletion in dem chromosomalen asd-Gen und einer Insertionssequenz
im Bereich des chromosomalen asd-Gens hergestellt. Die insertierte Sequenz
enthielt die codierende Sequenz für Regulatorgene, die als Aktivatoren
oder Repressoren anderer Gene dienten, welche die Synthese von essenziellen
Genprodukten oder letalen Genprodukten, die durch ein innerhalb
der Mikrobe vorliegendes Plasmid codiert werden, steuern. In solchen
von Umweltbedingungen abhängigen Lebensfähigkeitssystemen überlebt
der Stamm unter toleranten Bedingungen durch Expression von essenziellen
Genen und Nichtexpression von letalen Genen. Unter nicht toleranten
Bedingungen erfolgt das Einstellen der Expression von essenziellen
Genen und/oder das Anschalten der Expression von letalen Genen.
Als Ergebnis davon stirbt der Stamm in der nicht toleranten Umgebung,
wie beispielsweise außerhalb
des Wirtstieres in ausgeschiedenem Kot. Solche Mikroben weisen demzufolge
ein von Umweltbedingungen abhängiges
Lebensfähigkeitssystem
auf. Die in das chromosomale asd-Gen insertierte Sequenz enthielt
Promotoren, die unidirektional oder bidirektional sein konnten,
als auch Transkriptionsterminatoren (siehe beispielsweise WO1996/US/09774, 4, 8, 11 und 13).
Für bidirektionale
Promotoren ist es auch vorteilhaft, Transkriptionsterminatoren auf
beiden Seiten der insertierten Promotorsequenz, welche mit einem
codierenden Bereich verknüpft
ist, einzubringen, um einer Transkription in beide Richtungen außerhalb
der Grenzen des Inserts vorzubeugen. Dies verhindert eine Transkription
auf beiden Seiten des Promotors.
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In
einigen Fällen
kann es vorteilhaft sein, wenn ein Transkriptionsterminator in einer
Insertionskassette, die eine Reportergensequenz enthält, welche
mit einer Promotorsequenz verknüpft
ist, enthalten ist. Eine solche Verwendung eines Reportergeninserts
im Bereich eines deletierten Gens kann eine einfache Unterscheidung
zwischen den Vakzinstämmen
und dem Wild-Typ Pathogen ermöglichen.
Beispielsweise kann das xylE-Reportergen in ein mutiertes chromosomales
Gen insertiert werden, um die Komplementierung spezieller mutationsbedingter
Veränderungen
zu bestimmen und die Existenz sowohl des auf einem Plasmid mit geringer Kopienzahl
vorliegenden Wild-Typ Allels als auch des in dem Chromosom vorliegenden
mutierten Allels zu bestätigen.
Kolonien von Bakterien, die das xylE-Gen exprimieren, werden gelb,
wenn sie mit einer Catechin-Lösung
besprüht
werden. Die Expression einer xylE-Kassette ohne einen Promotor kann
in Abhängigkeit
von der Art, auf welche das spezielle Gen, in das die xylE-Kassette
insertiert wurde, infolge von Stimuli der Umgebung reguliert wird,
variieren. Die Einbeziehung eines starken Promotors in die Kassette
führt zu
einer konstitutiven Expression des xylE-Gens. Aufgrund der Stärke des
insertierten Promotors kann die RNA-Transkription jedoch möglicherweise
bis über
die Insertion hinaus reichen. Um dies zu verhindern, kann ein Transkriptionsterminator
nach dem C-terminalen codierenden Bereich des Reportergens insertiert
werden. So macht die Insertion einer Kassette, enthaltend einen
Promotor in einem chromosomalen Gen, in diesem Fall auch die weitere
Insertion eines Transkriptionsterminators erforderlich.
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Es
kann manchmal auch vorteilhaft sein, codierende Sequenzen, welche
Regulatorsequenzen, die entweder als Aktivatoren oder Repressoren
der Genexpression dienen, exprimieren können, in den Bereich einer
Deletionsmutation zu insertieren, um die Eigenschaften der anderen
Gene innerhalb der Zelle auf eine vorteilhafte Weise zu beeinflussen.
Ein Transkriptionsterminator kann vorteilhafterweise in solche Insertionssequenzen
eingebaut werden, um sicherzustellen, dass weder die deletierte
noch die insertierte Sequenz die Expression benachbarter Gene beeinflusst.
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In
anderen Fällen
kann die Einbeziehung eines Transkriptionsterminators in eine Insertionssequenz zur
Regulation einer stromabwärts
gelegenen Genexpression in einem Operon dienen. Dies stellt einen
einmaligen Ansatz dar, um die Expression eines oder mehrerer Gene
stromabwärts
der Insertionsstelle zu verhindern und in den Fällen, in denen das stromabwärts gelegene
Gen oder die stromabwärts
gelegenen Gene für
Genprodukte, die in die Biosynthese oder die Virulenz verwickelt
sind, oder für
Regulatorgenprodukte codieren, attenuieren solche Insertionen die
Mikrobe, ohne die codierende Sequenz des stromabwärts gelegenen
Genprodukts zu verändern.
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In
einer Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung sind die Bakterienstämme attenuierte Derivate eines
pathogenen Stammes. Mit der Bezeichnung "Derivat" oder "abgeleiteter Stamm" wird ein Stamm bezeichnet, der in Bezug
auf seine Elternform, von der er abstammt, genetisch modifiziert
wurde. Mit der Bezeichnung "pathogen" wird eine Mikrobe
bezeichnet, die eine Erkrankung verursachen oder eine normale physiologische
Funktion beeinträchtigen
kann. Ein Verweis auf die Bezeichnung "Attenuierung" bedeutet, dass ein bestimmter Mikrobenstamm
nicht die gesamte Folge der Symptome des Krankheitszustands, welche üblicherweise
mit dem virulenten pathogenen Gegenstück verbunden sind, auslösen kann.
Demzufolge umfasst der Begriff "Attenuierung" einen Zustand verminderter
Virulenz oder verminderter Fähigkeit,
die Krankheitssymptome zu entwickeln, und die attenuierten Mikroorganismen
haben nicht jegliche Fähigkeit
notwendigerweise vollständig
verloren, die normalen physiologischen Funktionen des Wirts zu beeinträchtigen.
Ferner ist eine attenuierte Mikrobe nicht notwendigerweise vollständig unfähig, jemals
wieder als Pathogen zu wirken, jedoch ist die verwendete spezielle
Mikrobe im Hinblick auf ein bestimmtes zu behandelndes Individuum
attenuiert.
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Die
Bakterienstämme
der vorliegenden Erfindung sind aufgrund des Vorhandenseins einer
attenuierenden insertionellen Mutation, umfassend einen Transkriptionsterminator,
in einem oder mehreren Genen, welche die Mikroorganismen attenuiert,
attenuiert. In einer Ausführungsform
weisen die Stämme
wenigstens zwei attenuierende Mutationen, von denen wenigstens eine
einen Transkriptionsterminator umfasst, auf. Jede der Mutationen
führt zu
einer Attenuierung der Mikroorganismen und in Kombination miteinander
erhöhen
sie die Wahrscheinlichkeit, dass die Mikroorganismen nicht zur Wild-Typ
Virulenz zurückkehren,
erheblich. Attenuierende Mutationen können in Biosynthesegenen, Regulatorgenen
und/oder in die Virulenz nach sich ziehenden Genen vorliegen (siehe
Doggett und Brown, in Mucosal Vaccines, Kiyono et al., Eds., Academic
Press, San Diego, 1996, S. 105–118).
Beispiele von Mutationen umfassen eine Mutation in einem pab-Gen,
einem pur-Gen, einem aro-Gen, asd, einem dap-Gen, nadA, pncB, galE,
pmi, fur, rpsL, ompR, htrA, hemA, cdt, cya, crp, phoP, phoQ, rfc,
poxR, galU und Kombinationen derselben, sind jedoch nicht darauf
beschränkt.
Der Fachmann wird leicht verstehen, dass jede geeignete Genmutation
im Rahmen der vorliegenden Erfindung verwendet werden kann, solange
die Mutation des Gens zu einer Attenuierung der Mikroorganismen
führt.
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Die
Transkriptionsterminatorinsertion kann durch zusätzliche mutagene Veränderungen
in dem Zielgen begleitet sein. Demzufolge kann eine Transkriptionsterminatorinsertion
in einem Gen, in dem ein oder mehrere Basenpaarveränderungen
durchgeführt
wurden, oder einem Gen, das einer Deletion, einem Frameshift oder
dgl. ausgesetzt ist, erfolgen. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform
ist in dem Gen eine definierte Deletion erfolgt, die eine Deletion
des codierenden Bereichs, eine Deletion des Regulatorbereichs für dieses
Gen oder eine Deletion des gesamten Gens, umfassend die Regulatorbereiche,
sein kann. In solchen Fällen,
in denen das Gen vollständig
deletiert wurde, wird der Transkriptionsterminator an der Stelle
des Gens insertiert, an der das Gen normalerweise vorliegen würde.
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Definierte
Deletionen sind spezifische Deletionen in Genen, die unter Verwendung
von im Stand der Technik bekannten Verfahren erzeugt werden können. Diese
Verfahren umfassen das anfängliche
Auswählen eines
Gens, in dem die Deletion erzeugt werden soll. Gemäß einem
Ansatz kann das Gen aus einer kommerziell erhältlichen oder erzeugten Genbank
unter Verwendung von im Stand der Technik bekannten Verfahren ausgewählt sein
(Sambrook et al., Molecular Cloning: A Laboratory Manual, 2. Ed.,
1989, Cold Spring Harbor Press, Cold Spring Harbor, N.Y.). Die das
Gen enthaltenden Klone werden durch Komplementierung eines Stranges,
der eine Mutation in demselben Gen enthält, aus der Genbank isoliert.
Ist die DNA-Sequenz des Gens bekannt, können andererseits ausgewählte Primer
für die
Polymerasekettenreaktion (PCR) verwendet werden , um das Gens häufig mit
einigen flankierenden Sequenzbereichen aus einer Bakterienprobe
oder aus einer Probe aufgereinigter genomischer DNA zu amplifizieren
und das PCR-Produkt kann in einen Klonierungsvektor insertiert werden.
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Eine
spezifische Deletion in dem ausgewählten Gen kann durch zwei allgemeine
Verfahren erzeugt werden. Das erste Verfahren erzeugt eine Mutation
in einem Gen, das aus einer Population von Klonen aus einer genomischen
DNA-Bank isoliert wurde, unter Verwendung von Restriktionsenzymen,
und das zweite Verfahren erzeugt die Mutation in einem Gen bekannter
Sequenz unter Verwendung von PCR.
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Bei
dem ersten Verfahren wird die Position des Gens auf einem Vektor
unter Verwendung einer Transposonmarkierung identifiziert und eine
Restriktionskarte der rekombinanten DNA in dem Vektor wird erzeugt. Die
aus der Transposonmarkierung erhaltene Information ermöglicht,
dass ein vollständiges
Gen oder ein Teil eines Gens unter Verwendung von bekannten Restriktionsschnittstellen
aus dem Vektor ausgeschnitten wird.
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Das
zweite Verfahren, welches auf der PCR-Technologie basiert, kann
verwendet werden, wenn die DNA-Sequenz des Gens bekannt ist. Gemäß diesem
Verfahren amplifizieren divergente PCR-Primer die stromaufwärts und
stromabwärts
gelegenen, ein bestimmtes aus dem Gen zu deletierendes DNA-Segment flankierenden
Bereiche und erzeugen ein PCR-Produkt, welches aus dem Klonierungsvektor
und flankierenden stromaufwärts
und stromabwärts
gelegenen Nukleotidsequenzen besteht (Innes et al., Eds., PCR Protocols,
1990, Academic Press, New York). Bei einer Variante dieses Verfahrens
werden PCR-Produkte erzeugt, die Bereiche des Gens oder flankierende
Sequenzen darstellen und in einem Klonierungsvektor miteinander verbunden
werden.
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Die
das mutierte Gen enthaltende DNA kann durch Transformation mittels
chemischer Mittel oder Elektroporation, durch rekombinante Phageninfektion
oder durch Konjugation in den bakteriellen Wirt eingebracht werden.
In bevorzugten Ausführungsformen
wird das mutierte Gen in die Chromosomen der Bakterien eingebracht,
was durch eine Vielzahl im Stand der Technik bekannter Verfahren
erfolgen kann, wie beispielsweise Verfahren, die temperaturempfindliche
Replikons verwenden (Hamilton of al., J. Bacteriol. 171: 4617–4622, 1989),
Verfahren, die eine lineare Transformation von recBC-Mutanten verwenden
(Jasin et al., J. Bacteriol. 159: 783–886, 1984) oder Verfahren,
die Wirt-restriktierte Replikons, bekannt als Suizidvektoren, verwenden
(Miller et al., J. Bacteriol. 170: 2575–2584, 1988). Das jeweilige
verwendete Verfahren wird mit einem geeigneten Gegenselektionsverfahren,
wie beispielsweise einer Fusarsäureresistenz
oder Sucroseresistenz gekoppelt, das von einem nachfolgenden Screenen
nach Klonen, die das mutierte Allel enthalten, basierend auf phenotypischen
Merkmalen, oder dem Verwenden eines PCR-, Nukleinsäurehybridisierungs-
oder immunologischen Verfahrens gefolgt ist.
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Die
mutierten attenuierten Mikroben der vorliegenden Erfindung können in
der Form von Vakzinen verwendet werden, um rekombinante Antigene
an Wirbeltierwirte zu liefern. Es ist damit offensichtlich, dass
die vorliegende Erfindung eine breite Anwendbarkeit in Bezug auf
die Entwicklung von wirksamen, rekombinanten Vakzinen gegenüber Bakterien-,
Pilz-, Parasiten- oder Virenkrankheitserregern, bei denen eine lokale
Immunität
wichtig ist und eine erste Verteidigungslinie darstellt, besitzt.
Einige Beispiele sind rekombinante Vakzine zur Bekämpfung von
durch Yersinia pestis verursachte Beulenpest, durch Neisseria gonorrhea
verursachte Gonorrhö,
durch Treponema palladium verursachte Syphilis und durch Chlamydia
trachomatis verursachte Geschlechtskrankheiten als auch Augeninfektionen.
Die Spezies von Streptococcus der Gruppe A als auch der Gruppe B,
wie beispielsweise diejenigen Spezies, die Halsschmerzen oder Herzkrankheiten
verursachen, Neisseria meningitides, Mycoplasma pneumoniae, Haemophilus
influenzae, Bordetella pertussis, Mycobacterium tuberculosis, Mycobacterium
leprae, Streptococcus pneumoniae, Brucella abortus, Vibrio cholerae,
Sphigella species, Legionella pneumophila, Borrelia burgdorferi,
Rickettsia species, Pseudomonas aeruginosa und pathogene E. coli
Stämme,
wie APEC, ETEC, EPEC, UTEC, EHEC und EIEC, sind zusätzliche
Beispiele von erfindungsgemäßen Mikroben,
aus denen Gene erhalten werden können.
Rekombinante antivirale Vakzine, wie beispielsweise diejenigen,
die gegen Influenza-Viren
erzeugt wurden, sind auch von der vorliegenden Erfindung umfasst.
Rekombinante antivirale Vakzine können auch gegen Viren, umfassend
RNA-Viren, wie Picornaviridae, Caliciviridae, Togaviridae, Flaviviridae,
Coronaviridae, Rhabdoviridae, Filoviridae, Paramyxoviridae, Orthomyxoviridae,
Bunyaviridae, Arenaviridae, Reoviridae oder Retroviridae, oder DNA-Viren,
wie Hepadnaviridae, Paroviridae, Papovaviridae, Adenoviridae, Herpesviridae
oder Poxviridae, erzeugt werden. Rekombinante Vakzine, um gegen
Infektionen durch pathogene Pilze, Protozoen oder Parasiten zu schützen, sind
auch von dieser Erfindung umfasst.
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Demzufolge
kann die vorliegende Erfindung in einer Anzahl von Ausführungsformen
als Vakzin zur Immunisierung eines Menschen, umfassend ein attenuiertes
Lebendderivat einer pathogenen Mikrobe, beschrieben werden, wobei
das Derivat eine Transkriptionsterminatorinsertion in einem Zielgen
enthält,
um die Expression dieses Gens abzuschwächen oder aufzuheben und die
Mikrobe zu attenuieren, als auch die Expression von Sequenzen stromabwärts des
Zielgens zu verhindern. Die attenuierte Mikrobe ist auch zur Expression
eines rekombinanten, von einem Organismus abgeleiteten Gens fähig, das
ein Pathogen für
einen Menschen oder ein Tier darstellt oder ein Allergen bei einem
Menschen oder einem Tier erzeugt. In Ausführungsformen, in denen die
immunogene Komponente des Vakzins ein Allergen des Wirts ist, kann
solch ein Vakzin in einer speziell für die Desensibilisierung eines allergischen
Wirts entwickelten Expositionstherapie verwendet werden. In anderen
Ausführungsformen
exprimierte das rekombinante Gen ein gametspezifisches Antigen,
das eine Immunantwort auslösen
kann, welche dem immunisierten Individuum eine fruchtbarkeitshemmende
Wirkung verleiht (siehe U.S. Patent Nr. 5,656,488).
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Die
erfindungsgemäßen attenuierten
Mikroben können
zusätzlich
als Vektoren für
die Synthese verschiedener Wirtsproteine verwendet werden. Da die
erfindungsgemäßen nichtvirulenten
Mikroben nach der Einbringung in den Wirt eine Vielzahl von immunokompetenten
Strukturen durchdringen können,
wie das Darm-assoziierte Lymphgewebe (GALT), die Mesenteriallymphdrüsen und
die Milz, können
solche Mikroben für
eine Vielzahl immunoregulatorischer Produkte verwendet werden. Demzufolge
können
ein oder mehrere für
immunoregulatorische Proteine oder Peptide codierende Gene rekombinant
in die attenuierte Mikrobe eingebracht werden, sodass die Mikroben,
wenn sie sich in dem entsprechenden immunokompetenten Gewebe niederlassen,
zur Expression des rekombinanten Produkts fähig sind, um die Immunantwort
in dem Wirt zu unterdrücken,
zu steigern oder zu modifizieren. Beispiele von immunoregulatorischen
Molekülen
umfassen Kolonien-stimulierende Faktoren (Makrophagen, Granulocyten
oder gemischt), Makrophagenchemotoxin, Makrophageninhibitionsfaktor,
Leukozyteninhibitionsfaktor, Lymphotoxine, blastogener Faktor, Interferon,
Interleukine, Tumornekrosefaktor, Cytokine und Lymphokine, sind
jedoch nicht darauf beschränkt.
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Die
erfindungsgemäßen attenuierten
Mikroben sind auch dazu gedacht, pharmakologisch wirksame Produkte,
welche verschiedene physiologische Funktionen (d.h. Wachstumsrate,
Blutdruck, etc.) stimulieren oder unterdrücken können, zu liefern oder zu erzeugen.
In solchen Mikroben codiert das rekombinante Gen diese pharmakologisch
wirksamen Produkte.
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Das
rekombinante Gen der erfindungsgemäßen Mikroben kann in ein "im Gleichgewicht
befindliches letales" System
eingebracht werden, das selektiv für Mikroorganismen ist, die
das rekombinante Gen enthalten und zur Expression des rekombinanten
Gens fähig
sind, wobei das Überleben
der Mikroorganismen an die Gegenwart des rekombinanten Gens geknüpft ist. "Im Gleichgewicht
befindliche letale" Mutanten
dieser Art sind durch das Fehlen eines funktionierenden nativen
chromosomalen Gens, welches für
ein Enzym codiert, das für
das Überleben
der Zellen wesentlich ist, vorzugsweise ein Enzym, das einen Schritt
in der Diaminopimelinsäure
(DAP)-Biosynthese katalysiert, und mehr bevorzugt ein Gen, das für die Beta-Aspartatsemialdehyddehydrogenase
(Asd) codiert, gekennzeichnet. Die Enzyme des DAP-Signalwegs und
Asd sind für
die Zellwandsynthese erforderlich. Die Mutanten enthalten auch ein
erstes rekombinantes Gen, das das nicht funktionierende chromosomale
Gen ersetzen kann und dieses erste rekombinante Gen ist strukturell
mit einem zweiten rekombinanten Gen, das für das gewünschte Produkt codiert, verbunden.
Der Verlust der Komplementierung rekombinanter Gene veranlasst die
Zelle, durch Lyse zu sterben, wenn sich die Zellen in einer Umgebung
befinden, in der DAP fehlt. Diese Strategie ist besonders nützlich,
da DAP in Eukaryoten nicht synthetisiert wird und daher in immunisiertem
Wirtsgewebe nicht vorliegt. Verfahren zur Herstellung dieser Arten
von "im Gleichgewicht
befindlichen letalen" Mikroben
sind in dem U.S. Patent Nr. 5,672,345 beschrieben.
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Mit
der Bezeichnung "immunogenes
Mittel" wird ein
Mittel bezeichnet, das verwendet wird, um das Immunsystem eines
Individuums zu stimulieren, sodass ein oder mehrere Funktionen des
Immunsystems verstärkt
werden und gegen das Immunogene Mittel gerichtet werden. Immunogene
Mittel umfassen Vakzine. Immunogene Mittel können bei der Herstellung von
Antikörpern,
sowohl isolierten polyklonalen Antikörpern als auch monoklonalen
Antikörpern,
unter Verwendung von im Stand der Technik bekannten Verfahren verwendet werden.
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Mit
der Bezeichnung "Antigen" oder "Immunogen" wird ein Molekül bezeichnet,
das ein oder mehrere Epitope enthält, die ein Wirtsimmunsystem
stimulieren können,
um eine für
das Antigen spezifische sekretorische, humorale und/oder zelluläre Immunantwort
auszulösen.
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Ein
Epitop kann eine Stelle auf einem Antigen sein, an welche ein Antikörper, der
für diese
Stelle spezifisch ist, bindet. Ein Epitop kann drei Aminosäuren in
einer räumlichen
Konformation, die einzigartig für
das Epitop ist, umfassen. Im Allgemeinen besteht ein Epitop aus
wenigstens 5 Aminosäuren
und besonders bevorzugt wenigstens 8 bis 10 Aminosäuren. Die
Bezeichnung "Epitop" ist mit der hierin
verwendeten Bezeichnung "antigene
Determinante" austauschbar.
Die Bezeichnung "Epitop" umfasst auch T-Helferzellepitope,
bei denen eine antigene Determinante durch Assoziation mit Haupt-Histokompatibilitäts-Komplex-Klasse
II-Molekülen
von T-Helferzellen
erkannt wird. Ferner umfasst die Bezeichnung „Epitop" jedes Antigen, jedes Epitop oder jede
antigene Determinante, welche(s), wenn sie (es) durch ein MHC-Klasse
I-Molekül
auf der Oberfläche einer
Antigen-präsentierenden
Zelle präsentiert
wird, durch cytotoxische T-Zellen erkannt wird. Ein cytotoxisches
T-Zellepitop kann
eine Aminosäuresequenz
von etwa 6 bis etwa 11 Aminosäuren
und vorzugsweise eine Sequenz von 8 oder 9 Aminosäuren umfassen.
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Die
Bezeichnung "Vakzin" bezeichnet ein Mittel,
das verwendet wird, um das Immunsystem eines Individuums zu stimulieren,
sodass Schutz gegen ein Antigen, das nicht als Selbst-Antigen durch
das Immunsystem erkannt wird, erzeugt wird. Die Bezeichnung "Immunisierung" betrifft den Vorgang
des Induzierens einer fortwährend
hohen Konzentration eines Antikörpers
und/oder einer fortwährend
zellulären
Immunantwort, bei der T-Lymphozyten entweder das Pathogen in einem
Individuum töten
und/oder andere Zellen (z.B. Phagozyten) in dem Individuum aktivieren,
um dies zu tun, wobei das Individuum einem Pathogen oder Antigen ausgesetzt
wurde, gegenüber
welchem der Organismus bereits früher ausgesetzt war. Obwohl
die Bezeichnung "Immunsystem" die Antworten einzelliger
Organismen auf die Gegenwart von Fremdkörpern umfassen kann, bezieht
sich die Bezeichnung in der vorliegenden Anmeldung auf anatomische
Merkmale und Mechanismen, durch welche ein Individuum Antikörper gegen
antigenes Material, welches in die Zellen des Individuums oder in
die extrazelluläre
Flüssigkeit
des Individuums eindringt, erzeugt und umfasst auch zelluläre Immunantworten.
Im Falle einer Antikörperproduktion
können
die so produzierten Antikörper
zu jeder immunologischen Klasse gehören, wie beispielsweise Immunoglobuline
A, D, E, G oder M. Von besonderem Interesse sind Vakzine, die die
Produktion von Immunoglobulin A (IgA) stimulieren, da dies das von
dem sekretorischen System von Warmblütern produzierte Hauptimmunoglobulin
ist, obwohl erfindungsgemäße Vakzine
nicht auf solche begrenzt sind, welche die IgA-Produktion stimulieren. Vakzine der
hier beschriebenen Art erzeugen beispielsweise zusätzlich zu
der IgA-Bildung einen großen
Bereich anderer Immunantworten, wie beispielsweise zelluläre und humorale
Immunität.
Immunantworten auf Antigene sind gut untersucht und es wurde viel
darüber
berichtet. Ein Überblick über die
Immunologie befindet sich in Elgert, Klaus D., Immunology, Wiley
Liss, Inc., (1996), Stites et al., Basic & Clinical Immunology, 7. Ed., Appleton & Lange, (1991),
auf deren Gesamtinhalt hierin Bezug genommen wird.
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Ein
ein erfindungsgemäßes Vakzin
oder eine erfindungsgemäße Träger-Mikrobe
erhaltendes Individuum umfasst Wirbeltiere, wie Fische, Amphibien,
Reptilien, Vögel
und Säugetiere.
Alle Wirbeltiere weisen ein funktionierendes Immunsystem auf und
reagieren auf Antigene durch die Produktion von Antikörpern, sodass alle
Wirbeltiere zu einer Antwort auf die Vakzine fähig sind. Besonders bevorzugte
Individuen sind Säugetiere, wie
Menschen, Hunde, Katzen, Schweine, Kühe und dgl. Fische und Vögel werden üblicherweise
auch kommerziell gezüchtet
und die Zusammensetzungen und Verfahren dieser Erfindung können auch
vorteilhafterweise bei Fischen und Vögeln angewendet werden.
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Die
Bezeichnung "Mikroben", wie hierin verwendet,
umfasst Bakterien, Protozoen und einzellige Pilze. Die Bezeichnung "Parasit", wie hierin verwendet,
umfasst sowohl Endoparasiten als auch Ectoparasiten, was Protozoen,
wie die Spezies von Plasmodium und Toxoplasma, die Spezies von Entamoeba,
Leishmania und Trypanosoma, und Würmer, wie Trematoden, Cestoden
und Nematoden, als auch Milben, Zecken und Flöhe einschließt. Die
Bezeichnung "Viren", wie hierin verwendet,
kann RNA-Viren, wie Picornaviridae, Caliciviridae, Togaviridae,
Flaviviridae, Coronaviridae, Rhabdoviridae, Filoviridae, Paramyxoviridae,
Orthomyxoviridae, Bunyaviridae, Arenaviridae, Reoviridae und Retroviridae,
und DNA-Viren, wie Hepadnaviridae, Paroviridae, Papovaviridae, Adenoviridae,
Herpesviridae und Poxviridae, umfassen.
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Die
Bezeichnung „rekombinantes
Gen" soll genetisches
Material umfassen, das von einem ersten Organismus in einen zweiten
Organismus transferiert wird, welcher durch Reproduktion Abkömmlinge
erzeugt, die das gleiche genetische Material enthalten. Im Allgemeinen
findet der Austausch von genetischem Material zwischen dem ersten
Organismus und dem zweiten Organismus in der Natur nicht statt.
Die Bezeichnung "rekombinantes
Gen", wie hierin
verwendet, bezeichnet durch menschliches Eingreifen in eine Mikrobe
inkorporiertes genetisches Material.
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Die
Bezeichnung "Gen", wie hierin verwendet,
bezeichnet in ihrer breitesten Bedeutung jede vererbbare biologische
Einheit. Es ist jedoch nicht erforderlich, dass das rekombinante
Gen ein vollständiges
Gen ist, das in dem elterlichen Organismus vorliegt, wo es zur Produktion
oder Regulierung der Produktion eines Makromoleküls, wie beispielsweise eines
funktionsfähigen
Polypeptids, fähig
ist. Das rekombinante Gen kann demzufolge für ein vollständiges antigenes
Produkt oder ein Teil davon codieren. Ferner kann das rekombinante
Gen auch DNA-Sequenzen, die als Promotoren, Enhancer oder Terminatoren
dienen, und DNA-Sequenzen, die für
Repressoren oder Aktivatoren codieren, welche die Expression eines
rekombinanten Gens, das für
ein vollständiges
Antigen oder ein Teil davon codiert, regulieren, umfassen. Ein rekombinantes
Gen kann auch Genfusionen umfassen, die für Polypeptidfusionsprodukte
codieren. Das codierte Genprodukt kann demzufolge eines sein, das
genau in dieser Form in dem elterlichen Organismus nicht vorliegt.
Beispielsweise kann ein funktionelles Gen, das für ein Polypeptidantigen mit
100 Aminosäureresten
codiert, teilweise in eine Träger-Mikrobe
transferiert werden, sodass ein Peptid umfassend lediglich 75 oder
sogar nur 10 Aminosäurereste
durch die zellulären
Mechanismen der Wirtszelle erzeugt wird. Dient dieses Genprodukt
jedoch als Antigen, um Antikörper
gegen ein ähnliches
in dem elterlichen Organismus vorliegendes Antigen zu erzeugen, oder
als T-Zellepitop, welches durch T-Helferzellen erkannt wird, so
wird das Gen vom Umfang der in der vorliegenden Erfindung definierten
Bezeichnung "Gen" umfasst. Ist andererseits
die Aminosäuresequenz
eines bestimmten Antigens oder Fragments davon bekannt, ist es möglich, das
DNA-Fragment oder
Analog davon durch automatisierte Gensynthesizer oder dgl. chemische
zu synthetisieren und diese DNA-Sequenz in den entsprechenden Expressionsvektor
einzubringen. Dies kann vorteilhaft sein, wenn Codons verwendet
werden sollen, die bevorzugte Codons im Hinblick auf eine starke
Expression in Salmonella darstellen. Ferner umfasst ist auch ein
langer DNA-Abschnitt, der für
mehrere Genprodukte codiert, von denen eines oder alle antigen sind.
Solch ein langer DNA-Abschnitt kann beispielsweise für 5 bis
15 der für
die Synthese von Fimbrien-Antigenen
(Fimbriae) notwendigen Proteine codieren, welche die Adhäsion von Pathogenen
an Wirtszellen vermitteln (Baumler et al., supra). Die Induktion
einer Immunantwort gegen Fimbriae kann Schutz gegen das Pathogen
vermitteln. Demzufolge ist ein hierin definiertes und beanspruchtes
Gen jede vererbbare zur Erzeugung eines Antigens fähige Einheit.
Das Gen kann von chromosomalem, von Plasmid- oder viralem Ursprung
sein. Es ist selbstverständlich,
dass die Bezeichnung "Gen", wie hierin verwendet,
DNA-Moleküle
ohne Introns, wie beispielsweise im Falle von cDNA-Molekülen, umfasst,
solange die DNA-Sequenz das gewünschte
Genprodukt codiert.
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Damit
das Gen wirksam eine Immunantwort auslösen kann, muss es exprimiert
werden. Die Bezeichnung "Expression
eines Gens" bedeutet,
dass die in der Struktur des Gens (der Sequenz aus DNA-Basen) innewohnende
Information durch die biochemischen Mechanismen der Zelle, in der
das Gen vorliegt, in ein physikalisches Produkt in der Form eines
RNA-Moleküls,
Polypeptids oder eines anderen biologischen Moleküls umgewandelt
wird. Das so erzeugte biologische Molekül wird als Genprodukt bezeichnet.
Die Bezeichnung "Genprodukt", wie hierin verwendet,
bezeichnet jedes biologische Produkt oder Produkte, welche als Ergebnis der
unter der Kontrolle eines Gens auftretenden biochemischen Reaktionen
erzeugt werden. Das Genprodukt kann beispielsweise ein RNA-Molekül, ein Peptid
oder ein unter der Kontrolle eines Enzyms oder eines anderen Moleküls, das
das anfängliche
Produkt des Gens ist, d.h. eines metabolischen Produkts, erzeugtes
Produkt sein. Ein Gen kann beispielsweise zunächst die Synthese eines RNA-Moleküls kontrollieren,
das durch Ribozyme in ein Enzym translatiert wird, welches die Bildung
von Glycanen in der Umgebung außerhalb
der ursprünglichen
Zelle, in der das Gen vorgefunden wurde, kontrolliert. Das RNA-Molekül, das Enzym
und das Glycan sind Genprodukte gemäß der Definition der vorliegenden
Erfindung. All diese als auch viele andere Arten von Genprodukten,
wie Glycoproteine, Glycolipide oder Polysaccharide, können, wenn
sie in das Immunsystem eines Individuums eingebracht werden, als
Antigene wirken. Proteingenprodukte, umfassend Glycoproteine und
Lipoproteine, sind im Hinblick auf die Verwendung als Antigene in
Vakzinen bevorzugte Genprodukte.
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Damit
ein Vakzin eine zelluläre
Immunität
erzeugen oder Antikörper
produzieren kann, muss das antigene Material freigesetzt und/oder
auf eine Art und Weise präsentiert werden,
die die Induktion einer zellulären
Immunität
und/oder die Induktion des Antikörper-produzierenden
Mechanismus in dem geimpften Individuum auslöst. Daher muss die Träger-Mikrobe
mit dem Genprodukt in das Individuum eingebracht werden. Um die
bevorzugte Antwort des Darm-assoziierten Lymphgewebes (GALT) oder
des Bronchien-assoziierten Lymphgewebes (BALT) zu stimulieren, ist
es bevorzugt, dass das Einbringen der Mikrobe oder des Genprodukts
direkt in den Darm oder die Bronchien erfolgt, wie beispielsweise
durch orale Verabreichung, durch Magenintubation oder durch intranasale
Verabreichung mittels Aerosolen, obwohl andere Verfahren zur Verabreichung
des Vakzins, wie intravenöse,
intraperitoneale, intramuskuläre
und subkutane Injektion oder intramammäre oder intrapeniale oder vaginale
oder rektale Verabreichung, möglich
sind.
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Die
avirulente Mikrobe kann als Träger-Mikrobe,
beispielsweise für
ein Antigen, verwendet werden und wenn die Träger-Mikrobe in dem Individuum
vorliegt, muss das Antigen für
das Immunsystem des Individuums verfügbar gemacht werden. Dies kann
erreicht werden, indem die Träger-Mikrobe
stirbt, sodass die Antigenmoleküle
freigelassen werden. Natürlich
ist die Verwendung von "undichten" avirulenten Mutanten,
welche den Inhalt des Periplasmas ohne Lyse freisetzen, ebenfalls
möglich.
Alternativ dazu kann ein Gen ausgewählt werden, das die Produktion
eines Antigens kontrolliert, welches durch die Träger-Zelle
vor dem Absterben der Zelle in der Umgebung außerhalb der Zelle verfügbar gemacht
wird. Auf diese Art und Weise ist es möglich, eine lebensfähige Mikrobe
zu verwenden, die in dem geimpften Individuum, beispielsweise in
dessen Peyer'schen Plaques
oder einen anderen GALT, fortbesteht und weiter Antigen produziert,
wodurch die Antikörperbildung und/oder
eine zelluläre
Immunantwort kontinuierlich induziert wird. Ein bevorzugtes Genprodukt
ist unter diesen Bedingungen ein Produkt, das durch die Zellmembran
der avirulenten Träger-Mikrobe in die externe
Umgebung transferiert wird, oder ein Produkt, das an die externe
Membran angelagert oder in diese eingebettet wird, sodass das vollständige oder
ein Teil des Genprodukts der Umgebung ausgesetzt ist. Typische Vertreter dieser
letzten Art von Genprodukten sind Antigene, die üblicherweise auf der Oberfläche von
Organismen, gegen welche ein Schutz gewünscht wird, vorgefunden werden.
Werden diese Antigene auf eine herkömmliche Art und Weise zu der
bakteriellen Zelloberfläche
transportiert, wird die Antikörperbildung
gegen diese Antigene verstärkt.
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Die
Verwendung von Pathogenen, um Antigene aus anderen Pathogenen dem
GALT oder BALT zuzuführen,
wäre unangebracht,
wenn sie nicht dem Zweck dienen würde, solche Pathogene avirulent
zu machen, während
ihre Fähigkeit,
sich in diesen Geweben auszubreiten, beibehalten wird.
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Der
Organismus, aus welchem das rekombinante Gen stammt, kann jedes
Pathogen oder ein Organismus, der ein Allergen oder ein anderes
Antigen produziert, gegen das ein Mensch oder ein Tier, wie ein Hund
oder eine Katze, anfällig
ist, sein. Allergene sind Substanzen, welche eine allergische Reaktion,
gegenüber der das Individuum geimpft werden kann, hervorrufen.
Viele verschiedene Materialien können
Allergene darstellen, wie Tierhautschuppen und Pollen, und die allergene
Reaktion der Individuen wird abhängig
von dem speziellen Allergen variieren. Es ist möglich, in einem Individuum,
das üblicherweise
eine allergische Antwort zeigt, eine Toleranz gegenüber dem
Allergen zu erzeugen. Die Verfahren zur Erzeugung einer Toleranz sind
gut bekannt und umfassen üblicherweise
das Verabreichen des Allergens an das Individuum in zunehmenden
Dosen. Eine weitere Erörterung
der Erzeugung einer Toleranz ist in dem zuvor zitierten Lehrbuch
von Barrett enthalten. Schließlich
kann das Wirtsindividuum selbst als Quelle für das genetische Material dienen, wenn
immunoregulatorische Gene oder Gene für andere pharmakologisch wirksame
Substanzen durch die Vektoren exprimiert werden.
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Die
Verabreichung eines Lebendvakzins vom oben beschriebenen Typ an
ein Individuum kann durch jedes bekannte Verfahren oder durch Standardverfahren
erfolgen. Diese umfassen die orale Aufnahme, die Magenintubation
oder die Brocho-Nasal-Okular-Zerstäubung. All
diese Verfahren ermöglichen,
dass das Lebendvakzin die GALT- oder BALT-Zellen leicht erreichen
kann und eine Antikörperbildung
und Zell-vermittelte Immunität
induzieren kann und sind die bevorzugten Verabreichungsmethoden.
Andere Verabreichungsmethoden, wie beispielsweise die intravenöse Injektion,
die es der Träger-Mikrobe
ermöglichen,
das Blutsystem des Individuums zu erreichen, sind auch akzeptabel.
In anderen Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung, die später beschrieben werden, ist
die intravenöse,
intramuskuläre
oder intramammäre
Injektion auch akzeptabel.
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Jede
herkömmlich
verwendete rekombinante DNA-Technik kann zur Herstellung der erfindungsgemäßen attenuierten
Mikroben, die zur Expression eines rekombinanten Gens fähig sind,
verwendet werden. Nach der Ligation in ein Plasmid, einen Phagen- oder Cosmidvektor
können
die so erzeugten rekombinanten Moleküle durch verschiedene Mittel,
wie Konjugation oder Transformation (Aufnahme nackter DNA aus der
externen Umgebung, die durch die Gegenwart verschiedener chemischer
Agenzien, wie Calciumionen, artifiziell induziert werden kann),
was Elektroporation einschließt,
in eine Wirtszelle transferiert werden. Andere Verfahren, wie die
Transduktion, sind auch geeignet, bei denen die rekombinante DNA
in einem Phagen, wie in transduzierenden Phagen- oder Cosmidvektoren,
verpackt vorliegt. Liegt die rekombinante DNA einmal in der Träger-Zelle
vor, kann sie als separates autonomes Replikon vorliegen oder kann
in das Wirtszellchromosom insertiert werden und zusammen mit dem
Chromosom während
der Zellteilung reproduziert werden.
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Wurde
das genetische Material transferiert, werden die das transferierte
genetische Material enthaltenden Mikroben ausgewählt.
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Die
benötigte
Impfdosis wird in Abhängigkeit
von der Antigenität
des Genprodukts variieren und muss nur eine Menge darstellen, die
ausreichend ist, um eine Immunantwort zu induzieren. Mithilfe von
Routineexperimenten kann die benötigte
Menge leicht ermittelt werden. Mehrere Dosen werden erforderlichenfalls
benötigt,
um das gewünschte
Ausmaß des
Schutzes zu erzeugen.
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Der
pharmazeutische Träger
oder Arzneimittelträger,
in dem das Vakzin suspendiert oder aufgelöst vorliegt, kann jedes Lösungsmittel
oder jeder Feststoff oder jedes Einbettmaterial sein, wie beispielsweise
ein Lösungsmittel,
Feststoff oder Einbettmaterial geeignet zur Herstellung einer lyophilisierten
Form des Vakzins. Der Träger
ist nicht toxisch für
das geimpfte Individuum und ist kompatibel mit dem Mikroorganismus
oder dem antigenen Genprodukt. Geeignete pharmazeutische Träger sind
im Stand der Technik bekannt und umfassen beispielsweise flüssige Träger, wie
normale Kochsalzlösung
und andere nicht-toxische Salze bei oder nahe der physiologischen
Konzentration, und feste Träger,
wie Talk oder Sucrose.
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Gelatinekapseln
können
als Träger
für lyophilisierte
Vakzine dienen. Zusatzstoffe können
zugegeben werden, um die Antigenität zu erhöhen, falls dies gewünscht ist.
Erfolgt die Verabreichung über
die Bronchien, so liegt das Vakzin vorzugsweise in der Form eines
Aerosols vor. Geeignete pharmazeutische Träger- und Zusatzstoffe und die
Herstellung von Verabreichungsformen sind beispielsweise in Remington's Pharmaceutical Sciences,
17. Edition (Gennaro, Ed., Mack Publishing Co., Easton, Pa., 1985)
beschrieben.
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Eine
Immunisierung eines Individuums mit einem von einem Pathogen stammenden
Genprodukt kann auch in Verbindung mit einer Vorimmunisierung mit
dem avirulenten Derivat eines pathogenen Mikroorganismus, der als
Träger
dient, um das durch ein rekombinantes Gen eines Pathogens vorgegebene
Genprodukt zu exprimieren, erfolgen. Solch eine parenterale Immunisierung
kann als Wiederholungsimpfung dienen, um die Expression der sekretorischen
Immunantwort zu verstärken,
wenn das sekretorische Immunsystem bereits einmal durch Immunisierung
mit der das aus dem Pathogen stammende Genprodukt exprimierenden
Träger-Mikrobe,
um die Lymphzellen des GALT oder BALT zu stimulieren, gegen das
aus dem Pathogen stammende Genprodukt sensibilisiert wurde. Die
verstärkte
Antwort ist als zweite, Wiederholungsimpfungs- oder anamnestische
Antwort bekannt und führt
zu einem verlängerten
Immunschutz des Wirts. Wiederholungsimpfungen können mit vorteilhaften Ergebnissen
mehrere Male wiederholt werden.
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Industrielle
Anwendbarkeit
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Die
erfindungsgemäßen Mikroben
enthalten attenuierende Mutationen, umfassend eine Insertion wenigstens
eines Transkriptionsterminators in ein chromosomales Gen. Die attenuierten
Mikroben können
als Vakzine und/oder als Zufuhrvehikel für ein gewünschtes Genprodukt verwendet
werden. Die Mikroben können demzufolge
als attenuierte Lebendvakzine dienen, die eine Immunantwort und
eine Schutzantwort in einem Individuum, an das sie verabreicht werden,
auslösen
können.
Vakzinstämme
können
auch so konstruiert werden, dass sie ein rekombinantes Gen eines
Pathogens, um ein Individuum gegen das Pathogen zu immunisieren,
oder eines Allergens, um es zur Desensibilisierung eines Individuums
zu verwenden, enthalten und exprimieren.
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Die
erfindungsgemäße attenuierte
Mikrobe kann zusätzlich
als Vektor zur Synthese verschiedener Wirtsproteine, wie immunoregulatorischer
Substanzen, oder zur Zufuhr und Erzeugung pharmakologisch aktiver
Produkte, welche verschiedene physiologische Funktionen (d.h. Wachstumsrate,
Blutdruck etc.) stimulieren oder unterdrücken können, dienen. Überdies
können
die erfindungsgemäßen attenuierten
Mikroben zur kommerziellen Herstellung von rekombinanten Proteinen
verwendet werden.
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Bevorzugte
Ausführungsformen
der vorliegenden Erfindung sind in den folgenden Beispielen beschrieben.
Andere Ausführungsformen,
welche vom Umfang der Ansprüche
umfasst sind, werden dem Fachmann anhand der Beschreibung oder aufgrund
der Durchführung
der hierin offenbarten Erfindung deutlich werden. Die Beschreibung
als auch die Beispiele sollen nur als beispielhaft und im Rahmen
der in den den Beispielen folgenden Ansprüchen definierten Erfindung
liegend betrachtet werden.
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Die
in den nachfolgenden Untersuchungen verwendeten Stämme und
Plasmide sind in den Tabellen 1A und 1B aufgelistet.
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TABELLE
1 A.
Bakterienstämme
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BEISPIEL 1
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Dieses
Beispiel beschreibt die Erzeugung von definierten Mutanten und die
Insertion einer Kassette, enthaltend einen Transkriptionsterminator,
in eine deletierte Genstelle. Diese Studien zeigen die Wichtigkeit des
Einbringens eines Transkriptionsterminators in eine insertierte
Sequenz, um Auswirkungen der Insertion auf benachbarte Gene zu verhindern.
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Erzeugung
einer definierten Deletion in dem asd-Gen
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Der
Ansatz zur Verwendung definierter Deletionen wurde durch unsere
Beobachtungen in Komplementationsstudien veranlasst, die zeigten,
dass eine Transposon-erzeugte Mutation manchmal in Gene außerhalb
des Zielgens reichen und so die für die Immunogenität wichtigen
Eigenschaften beeinflussen kann.
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Um
definierte Deletionen in dem asd-Gen zu erzeugen, wurde das S. typhimurium
asd-Gen kloniert und sequenziert. Die so erhaltene 1735 bp lange
Sequenz enthielt 313 Basenpaare einer stromaufwärts gelegenen 5'-Sequenz, eine codierende Sequenz
mit 1104 Basenpaaren, die für
ein 368 Aminosäure
langes Protein codiert, gefolgt von einem 3 bp langen Stoppcodon
und einer 315 bp langen stromabwärts
gelegenen 3'-Sequenz.
Unter Verwendung von inverser PCR, um die Basenpaare 287 bis 1421
der Sequenz zu deletieren und eine Bg/ll-Stelle zu insertieren,
wurde ein Suizidvektor pMEG-443 (2) konstruiert,
der im Allelaustausch für
die ΔasdA16-Mutation verwendet
wurde. Dieser Suizidvektor kann in attenuierte Salmonella Vakzinstämme entweder
durch Elektroporation oder durch Konjugationstransfer aus dem Donorstamm
MGN-617, der ein integriertes incP-Replikon enthält, das den Konjugationstransfer
des Suizidvektors unterstützt,
eingebracht werden. MGN-617 weist auch einen in das Chromosom integrierten
Lambda-Prophagen auf, der die pir-Funktion festlegt, die für die vegetative
Replikation von Plasmiden mit dem R6K-Replikationsstartpunkt notwendig ist.
Wird pMEG-443 durch Konjugationstransfer oder durch Elektroporation
in einen Salmonella Stamm transferiert, kann sich das Plasmid aufgrund
der Abwesenheit des pir-Genprodukts nicht replizieren. Durch Selektion
nach einer gleichzeitigen Resistenz gegenüber Ampicillin (Amp') und Chloramphenicol
(Camr), deren Resistenzen durch das bla
(amp)-Gen bzw. das cat-Gen auf pMEG-443 codiert werden, kann jedoch
ein einzelner Crossovervorgang basierend auf der Verwendung der
Sequenzhomologie der das deletierte asd-Gen flankierenden Bereiche
nachgewiesen werden, der es ermöglicht,
dass der Suizidvektor mit dem bakteriellen Chromosom assoziiert
und in das bakterielle Chromosom rekombiniert. Einzelne Ampr Camr-Kolonien können gepickt
und aufgereinigt werden und kleine Kulturen können aufgezogen werden, um
dann auf Agarmedium, das 5 % Sucrose und besonders wichtig DAP,
jedoch kein Ampicillin und Chloramphenicol enthält, ausplattiert zu werden.
Das sacB-Gen auf dem Suizidvektor codiert für eine Levansucrase, die Sucrose
hydrolysiert, was unter Bedingungen niedriger Osmolarität zur Toxizität und zum
bakteriellen Zelltod führt.
Demzufolge können Bakterienzellen
aufgrund des Verlustes des Plasmidvektors überleben, wenn ein zweiter
Crossovervorgang auftritt, der den Suizidvektor aus dem Chromosom
ausschneidet. In einigen Fällen
tritt der Crossovervorgang bezogen auf die Stelle des ersten Crossovervorgangs
auf der anderen Seite der asd-Deletion auf, was zu einem Allelaustausch
führt,
sodass die definierte Deletionsmutation ΔasdA16 das Wild-Typ asd-Gen
in dem Chromosom ersetzt. Dieser Vorgang kann mit vielen verschiedenen
Salmonella Stämmen
mit unterschiedlichen Serotypen durchgeführt werden, um die ΔasdA16-Mutation
mit ihrer 1135 bp langen Deletion, die die vollständige codierende
Sequenz des strukturellen asd-Gens eliminiert und durch eine Bg/ll-Erkennungssequenz ersetzt,
einzubringen. Solch eine Selektion führte zu dem S. typhimurium
UK-1 Stamm MGN-023, der von seinem Elternstamm X3761
abgeleitet ist. Wurden viele Asd+-Plasmide
in MGN-023 eingebracht, zeigten die Asd+-Rekombinanten die
gleiche Wachstumsrate, die gleiche Fähigkeit, sich im murinen Darmtrakt
und inneren Lymphgewebe auszubreiten, und eine Pathogenität, was durch
LD50-Bestimmung bestimmt wurde, wie der elterliche
Wild-Typ Asd+-Stamm X3761.
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Verwendung
von Transkriptionsterminatoren in Insertionen in die deletierte
chromosomale asd-Genstelle
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Für die Entwicklung
einer Strategie zur Regulation der Überlebensfähigkeit von Mikroben wurden asd-Deletionsmutanten
mit einer temperaturempfindlichen Insertionskassette, die Gene enthält, welche
Gene, die das Überleben
der Mikrobe regulieren, regulieren, konstruiert. Die das Überleben
der Mikrobe regulierenden Gene lagen auf einem Plasmid vor, das
ein komplementierendes asd-Gen enthielt. Um die Auswirkungen der
Insertionskassette einzuschränken,
wurden jedoch auch Transkriptionsterminatoren in die Kassette eingebracht.
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Das
asd-Gen in dem Einschlussvektor pMEG-105 (3) ersetzt
ein deletiertes chromosomales Gen. Die Expression des asd-Plasmidgens
macht von dem linken λ-Promotor (PL) Gebrauch, der nur dann funktionsfähig ist,
wenn im Cytoplasma kein λ cl-Repressorprotein
vorliegt. Der Vektor wurde so konstruiert, dass er auch die P22-Phagenlysegene lys-13
und lys-19 enthielt, die unter der Kontrolle des rechten P22-Promotors (PR) exprimiert werden. Um die Expression dieser
letalen Gene zu verhindern, war es notwendig, dass die bakteriellen
Zellen große
Mengen des P22 c2-Genprodukts,
welches der Repressor für
PR ist, produzieren. ΔasdA17-Mutanten mit einer Insertionskassette
in dem deletierten asd-Gen, bei denen die Insertionskassette entweder
das λ cl-Repressorprotein
oder das c1857-Genprodukt enthielt und exprimierte, wurden konstruiert. Der λ cl-Repressor
blockierte die Expression des durch das Plasmid codierten asd-Gens.
Diese Blockierwirkung war temperaturempfindlich, sodass das Produkt
bei in der Umgebung vorliegenden Umgebungstemperaturen die asd-Genexpression
auf dem pMEG-105-Plasmid abschaltete und bei den Körpertemperaturen
eines immunisierten Tierwirts, welche das c1857-Genprodukt thermisch
inaktivieren, die asd-Genexpression jedoch erlaubte. Das ΔasdA17-Deletions/Insertions-Konstrukt
verursachte auch eine Expression des P22 c2-Gens in dem Tierkörper unter
Bedingungen, bei denen das c1857-Genprodukt thermisch inaktiviert
war, sodass das P22 C2-Protein synthetisiert wurde, um aufgrund
der Repression des P22 PR durch den C2-Repressor
die Expression der pMEG-105 codierten lys13- und lys19-Gene zu unterdrücken. Das
c1857 λPRP22c2-Konstrukt wurde auch mit den rrnBT1T2-Transkriptionsterminatoren
(1) am C-terminalen Ende des c1857-Genprodukts
konstruiert, um eine Transkription über das Ende der asd-Deletion
hinaus auszuschließen.
Dieses Fragment wurde in und anstelle der Deletion in das asd-Gen
insertiert und in einem Suizidvektor platziert, um pMEG-096 (4)
zu erzeugen. pMEG-096 kann entweder durch Elektroporation oder durch
Konjugation in den Suizidvektordonor MGN-617 eingebracht werden.
Da pMEG-096 die Tetracyclinresistenzdeterminante enthält, kann
der erste Rekombinationsvorgang zur Insertion des Suizidvektors
in das Chromosom eines empfangenden Salmonella Stammes durch Selektion
auf eine Tetracyclinresistenz hin erreicht werden. Eine Tetracyclinresistenz,
wie oben erwähnt,
legt die Empfindlichkeit gegenüber
Fusarsäure
fest und kann dann durch Selektion von Fusarsäure-resistenten Isolaten für einen
zweiten Crossovervorgang selektionieren.
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Der
Stamm MGN-392 wurde durch Ersetzen des Wild-Typ asd+-Gens
mit dem ΔasdA17::TTc1857λPRP22c2-Konstrukt, bei dem TT den Transkriptionsterminator
rrnBT1T2 bezeichnet (1), konstruiert. Dieser Stamm
benötigt
unbedingt DAP und exprimiert das C2-Repressorprotein aufgrund der
thermischen Inaktivierung des temperaturempfindlichen cl857-Repressors,
wenn er bei hohen Temperaturen wächst,
kann jedoch das c2-Gen nicht exprimieren, wenn er bei niedrigen
Temperaturen unter Bedingungen wächst,
bei denen das c1857-Genprodukt ein funktioneller Repressor ist,
der an λ PR bindet, um eine Transkription des P22 c2-Gens
auszuschließen.
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Ein
anderes Konstrukt wurde durch Insertion des P22 c2-Gens innerhalb
der Δasd-Deletionsmutation hergestellt,
sodass die c2-Genexpression durch ein von der Gegenwart oder Abwesenheit
von Arabinose abhängiges
araCPBAD- Aktivator/Repressor-System
kontrolliert wird. Durch Wachsen eines Stamms mit einem araCPBADc2-Konstrukt in dem Chromosom in Gegenwart
von Arabinose kommt es zur Akkumulation großer Mengen des C2-Proteins,
was zur Repression von letalen Genen, wie lys-13 und lys-19, die
unter der Kontrolle der P22 PR-Promotorsequenz
transkribiert werden, führt.
Da Arabinose in Tiergewebe nicht vorliegt, würde die Synthese des C2-Proteins
nachlassen, wenn der Vakzinstamm in vivo auftritt und eine allmähliche Derepression
von Genen, wie durch das C2-Protein reprimierte letale Gene, würde stattfinden.
Dies würde
einen verzögerten
Tod bedeuten, nachdem der Vakzinstamm in den immunisierten Tierwirt
eingedrungen ist, der aufgrund der Abwesenheit von Arabinose eine
nicht zulässige
Umgebung darstellen würde,
jedoch würde
der Vakzinstamm lange genug überleben,
um das Lymphgewebe zu erreichen und eine Immunantwort auszulösen. Es sollte
erwähnt
werden, dass Arabinose an das araC-Genprodukt bindet, welches dann
als Aktivator der Transkription ausgehend von dem PBAD-Promotor
dient, um die Transkription von C2 zu ermöglichen. In der Abwesenheit
von Arabinose dient das araC-Protein als Repressor, wodurch die
Transkription von dem PBAD-Promotor aus
blockiert wird und C2 nicht synthetisiert wird. In diesem speziellen
Konstrukt wurden Transkriptionsterminatoren auf beiden Seiten der
Insertion innerhalb der definierten asd-Deletion platziert. Der
Suizidvektor pMEG-611 mit der ΔasdA19::TTaraCPBADc2TT-Deletions/Insertions-Mutation ist
in 5 gezeigt. Der Suizidvektor kann in den Suizidvektordonor
MGN-617 elektroporiert oder transformiert werden und dieser Stamm wurde
für einen
Konjugationstransfer mit einem geeigneten empfangenden Stamm, wie
S. typhimurium UK-1 Wild-Typ X3761, verwendet.
In diesem Falle kann die Ampicillin- und Chloramphenicolresistenz
verwendet werden, um einzelne Crossovervorgänge zu selektionieren, die
aufgrund der Verwendung der die Δasd-Mutation flankierenden
Sequenzen für
eine homologe reziprokale Crossoverrekombination dazu führen, dass
der Suizidvektor in das Chromosom integriert wird. Nach der Selektion
auf Ampicillin- und
Chloramphenicol-resistente Isolate hin können kleine Kulturen aufgezogen
werden, die dann auf einem Medium mit 5 % Sucrose und DAP ausplattiert
werden. In einigen Fällen
tritt der zweite Crossover in Bezug auf die Stelle des ersten Crossovervorgangs
auf der gegenüberliegenden
Seite der asd-Deletion auf und führt
zu einem Ersetzen des chromosomalen Wild-Typ asd+-Allels
durch das ΔasdA19::TTaraCPBADc2TT-Konstrukt. Der S. typhimurium UK-1-Stamm MGN-798
wurde auf diese Art und Weise konstruiert.
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Dann
wurden verschiedene Asd+-Vektoren in MGN-023
mit der ΔasdA16-Mutation,
MGN-392 mit der ΔasdA17::TTc1857λPRP22c2-Mutation und MGN-798 mit der ΔasdA19::TTaraCPBADc2TT-Mutation eingebracht. In diesen Untersuchungen
sollte das relative Wachstum der Stämme, ihre relative Fähigkeit,
sich im Lymphgewebe von oral immunisierten Mäusen auszubreiten, und ihre
Fähigkeit,
eine Krankheit auszulösen, bestimmt
werden. Diesbezüglich
hätte man
erwartet, dass die Expression des Wild-Typ asd-Gens auf einem Plasmid
theoretischerweise zur Wiederherstellung der vollständigen Virulenz
gegenüber
einem Stamm führen würde, der
nun unabhängig
von der Gegenwart von DAP wuchs und mehr oder weniger ähnliche
Eigenschaften wie der elterliche S. typhimurium UK-1 Wild-Typ Stamm X3761 zeigte. Als Kontrolle wurde in diesen
Experimenten MGN-392 unter Verwendung von in X3761
vermehrtem Phagen P22 in Asd+ umgewandelt,
wodurch der Stamm MGN-491 erhalten wurde. In diesem ersten Experiment,
das einen ersten Überblick
verschaffen sollte, wurde pMEG-086 (Tabelle 1B) sowohl in MGN-023
als auch in MNG-392 eingebracht. pMEG-098 weist einen pUC-Replikationsstartpunkt
auf und es wurde beobachtet, dass eine Überexpression des asd-Genprodukts
die Virulenz verringern kann. Daher wurde auch pYA810 (Tabelle 1B)
in MGN-392 eingebracht, da pYA810 einen p15A-Replikationsstartpunkt
besitzt, der zu einer geringeren Plasmidkopienzahl führt und
demzufolge eine geringere, jedoch ausreichende Konzentration des
asd-Enzyms erzeugt.
Der Asd+-Einschlussvektor pMEG-105 wurde
auch in MGN-392 eingebracht, der bei 37 °C oder bei Temperaturen darüber herangezogen
wurde (Es ist anzumerken, dass die Gegenwart des Einschlussvektors
pMEG-105 Bakterien abtötet, die
das P22 c2-Gen nicht exprimieren können, sodass die Expression
der Plasmid-codierten lys-1- und lys-19-Gene durch das C2-Protein
unterdrückt
wird). Alle diese Stämme
wuchsen mit mehr oder weniger gleichwertigen Wachstumsraten in Luria-Kulturlösung in
Abwesenheit von exogenem DAP. Wurde DAP zu dem Medium zugegeben
und wurden die Stämme über einen
Zeitraum von 50 Wachstumsgenerationen wiederholt transferiert, waren
alle Isolate, ungefähr
100 Isolate pro Stamm, Asd+, was die stabile
Erhaltung jedes Plasmids bei den verschiedenen genetischen Voraussetzungen
anzeigte.
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Die
Stämme
wurden dann bei 37 °C
in Luria-Kulturlösung
bis zu einer OD600 von 0,8 herangezogen, mit
Ausnahme einer Subkultur der MGN-392 (pMEG-105) Kultur, die zwei
Stunden vor dem Ernten auf 42 °C gebracht
wurde, um sie für
eine orale Immunisierung von Mäusen
zu verwenden. Acht Wochen alte weibliche BALB/c-Mäuse
wurden eine Woche vor dem Beginn der Experimente unter Quarantäne gehalten
und für
etwa 4 Stunden vor der Verabreichung der Vakzindosis, die mithilfe
einer Mikropipette in einem Volumen von 20 μl hinter die Schneidezähne verabreicht
wurde, ohne Nahrungsmittel und Wasser gehalten. 30 Minuten nach
der oralen Immunisierung wurden Futter und Wasser zurückgestellt
und die Mäuse
wurden über
einen Zeitraum von 30 Tagen beobachtet.
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Wie
die Daten in Tabelle 2 zeigen, starben alle Mäuse, die mit MGN-491, der Asd+-Transduktante
von MGN-392, geimpft wurden als auch beide Mäuse, die mit MGN-023, enthaltend pMEG-086,
geimpft wurden. Im Gegensatz dazu erlitt keine der mit den Derivaten
von MGN-392 infizierten Mäuse
eine Infektion, was anzeigt, dass das Asd+-Gen
auf dem Plasmidvektor die Wirkung der ΔasdA17::TTc1857λPRP22c2-Deletions/Insertions-Mutation
nicht ersetzen konnte. Da das Ausmaß der asd-Deletion identisch
zu den ΔasdA16-
und ΔasdA17-Mutationen
ist, muss die erhöhte
Avirulenz des MGN-392-Stammes mit verschiedenen Asd+-Vektorkonstrukten
auf die Auswirkungen der Insertion zurückzuführen sein. Da das P22 c2-Gen
von dem λPR aus in eine Richtung aus dem deletierten
asd-Gen hinaus transkribiert wird, muss davon ausgegangen werden,
dass eine sehr starke Transkription die Expression von benachbart
zu der deletierten asd-Mutation liegenden Genen stört und auf
unbekannte Art und Weise zu der Attenuierung solcher Stränge beiträgt.
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Um
diese Hypothese und dieses Phänomen
genauer zu untersuchen, wurden ausgedehntere Tierexperimente durchgeführt, jedoch
wurde dieses Mal auch von der Verwendung des Stammes MGN-795 mit
der ΔasdA19::TtaraCPBADc2TT-Deletionsinsertion
Gebrauch gemacht. In diesem Fall wurden Transkriptionsterminatoren
am Ende des transkribierten araC-Gens und auch auf der 3'-Seite des transkribierten
c2-Gens platziert, wodurch festgestellt werden sollte, ob dies die
durch die Insertion verursachte Attenuierung eliminieren würde. In
diesen Untersuchungen wurden pYA292 oder pYA810 (Tabelle 1B) verwendet,
die Asd+-Vektoren
mit dem p15A-Replikationsstartpunkt sind. Die Wild-Typ Stränge X3761 hatten eine orale LD50 von
5,8 × 104 (Tabelle 3). Andererseits war MGN-023 in
Abwesenheit eines Asd+-Vektors vollständig avirulent
und hatte eine LD50 von mehr als 6,8 × 108 CFU. In Übereinstimmung mit den Ergebnissen
in Tabelle 3 tötete
MGN-392, ausgestattet mit pYA810, keine Mäuse, selbst wenn es bei sehr
hohen Dosen verabreicht wurde, und hatte demzufolge ein LD50 von mehr als 7,6 × 108 CFU.
Im Gegensatz dazu zeigte MGN-023, egal ob mit dem Asd+-Vektor
pYA292 oder pYA810 ausgestattet, eine LD50,
die nur geringfügig
höher war
als die des elterlichen Wild-Typs,
ein Ergebnis, das analog zu dem Ergebnis des Stranges MGN-795 war,
bei dem die ΔasdA19::TTaraCPBADc2TT-Insertion durch pYA810 ersetzt war.
Anhand dieser Daten ist es daher offensichtlich, dass der Einschluss
von Transkriptionsterminatoren an beiden Enden einer Insertion innerhalb
des asd-Gens die insertierten Sequenzen daran hindert, die Expression
von benachbarten Genen zu stören,
was zu einer Hyperattenuierung des Vakzinstamms führen kann
und damit die Immunogenität
reduzieren kann.
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TABELLE 2
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Mortalität von 8
Wochen alten BALB/c-Mäusen
30 Tage nach oralen Impfungen mit den S. typhimurium UK-1 Stämmen MGN-023
(mit ΔasdA16)
und MGN-392 (mit ΔasdA17::TTc1857
PR c2), enthaltend die Asd+-Vektoren
pYA810 (p15A ori), pMEG-086
(pUC ori) oder den Einschlussvektor pMEG-105 (p15Aori), verglichen
mit dem Asd+-transduzierten Stamm MGN-491
(abgeleitet von MGN-392).
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TABELLE 3
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Mortalität von 8
Wochen alten BALB/c-Mäusen
30 Tage nach einer oralen Impfung mit S. typhimurium UK-1 Wild-Typ X3761 und MGN-023 (ΔasdA16), MGN-392 (ΔasdA17::TTc1857
PR c2) und MGN-795 (ΔasdA19::TTaraCPBADc2TT),
enthaltend einen Asd+-Vektor (pYA292 oder
pYA810) mit dem p15A Replikationsstartpunkt.
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BEISPIEL 2
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Dieses
Beispiel veranschaulicht die Konstruktion von definierten Deletionen
in dem phoP-Gen.
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Einleitung
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Salmonella
Mutanten mit Mutationen in dem regulatorischen phoP-Locus sind attenuiert
und immunogen und stellen eine Schutzimmunität zum Kampf gegen virulente
Salmonella Stämme
bereit (Galan und Curtiss, Microbioal Pathogeneses 6: 433–443, 1989;
Miller et al., Proc. Natl. Acad. Sci 86: 5054–5058, 1989). Diese Mikroben
können
auch als wirksame Antigenzufuhrvektoren verwendet werden, um starke
Immunantworten gegenüber
exprimierten Fremdproteinen auszulösen (Wick et al., Mol. Microbiol.
16: 465–476,
1995). Kier et al. (J. Bacteriol. 138: 155–161, 1979) führten eine
genetische Analyse betreffend die Fähigkeit von S. typhimurium,
eine nicht spezifische saure Phosphatase zu erzeugen, durch und
identifizierten Mutationen in zwei verschiedenen genetischen Loci,
welche die Fähigkeit
von Salmonella, saure Phosphatasen zu erzeugen, ausschalteten. Ein
Gen, das als phoN bezeichnet wurde, wurde mit dem purA-Gen verknüpft und
das andere, das als phoP bezeichnet wurde, wurde in einem unterschiedlichen
Bereich des bakteriellen Chromosoms mit dem purB-Gen verknüpft. Aufgrund
der Möglichkeit,
temperaturempfindliche Allele, welche sich an dem phoN-Locus befinden
und welche eine Temperaturempfindlichkeit der sauren Phosphataseaktivität hervorrufen,
und der Möglichkeit,
direkt mit dem phoP-Locus
verbundene Mutationen, welche die Synthese von nicht spezifischer
saurer Phosphatase konstitutiv machen, zu isolieren, glaubten sie,
dass das phoN-Gen das Strukturgen der nicht spezifischen sauren
Phosphatase darstelle und dass das phoP-Gen eine regulatorische Funktion, welche
die phoN-Expression leitet, festlege.
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1986
berichteten Fields et al. (Proc. Natl. Acad. Sci. 83: 5189–5193) von
der Isolation einer Vielzahl von S. typhimurium Mutanten mit Mutationen,
welche Salmonella anfällig
für das
Abtöten
durch murine Makrophagen machte. 1989 entdeckten Fields et al. (Science
243: 1069–1062),
dass einige ihrer Makrophagen-sensitiven Mutanten Mutationen in
dem phoP-Gen aufwiesen, wodurch die Fähigkeit, nicht spezifische saure Phosphatase
zu bilden, ebenfalls inaktiviert wurde. Obwohl Fields et al. (supra,
1989) von der Avirulenz dieser Mutanten berichteten, fanden sie
keinen Beweis für
ihre Immunogenität
und gingen in der Tat davon aus, dass sie nicht immunogen seien.
Galan und Curtiss (supra) zeigten, dass Mäuse-virulente S. typhimurium
Stämme, welche
die phoQ12-Mutation (zuvor als phoP12-Mutation bezeichnet) aufwiesen
und durch Kier et al. (supra) isoliert und sorgfältig charakterisiert wurden,
vollständig
avirulent waren, wenn sie verwendet wurden, um Mäuse mit hohen Dosen oral zu
infizieren. Galan und Curtiss fanden jedoch im Gegensatz zu Fields
et al., dass diese Mäuse
eine Immunität
aufwiesen, die diesen Mäusen
einen hohen Schutz verlieh, wenn mit dem 10.000-fachen einer letalen
Dosis des elterlichen virulenten Wild-Typ S. typhimurium Stammes
angeregt wurde. Miller et al. (supra) und Groisman et al. (J. Bacteriol.
174: 486–491,
1989) zeigten, dass der phoP-Locus in Wirklichkeit ein Operon, enthaltend
zwei Gene, welche ein Zweikomponentenregulatorsystem bildeten, war. Miller
et al. bezeichneten die Gene als phoP und phoQ. Groisman bezeichnete
sie anfänglich
als phoP und phoZ, nannte phoZ jedoch in Übereinstimmung mit der Wahl
von Miller et al. in einer Fußnote
in seiner 1989 erschienenen Veröffentlichungen
in phoQ um. Eine Karte des phoPQ-Operons mit verknüpften potA-,
pepT- und purB-Genen
ist in der Veröffentlichung
von Miller et al. gezeigt. Das phoQ-Gen ist eine Sensorkinase, welche
auf die Magnesium (Mg2+)-Konzentration und
zu einem geringeren Ausmaß auf
die Calcium (Ca2+)-Konzentration reagiert,
um das phoP-Genprodukt
zu phosphorylieren (Garcia Vescovia et al., J. Biol. Chem. 272: 1440-1443, 1997), das
als DNA-Bindungsregulatorprotein dient, um die Expressionen der
als phoP-aktivierte Gene (pag) bezeichneter Gene zu aktivieren oder
als Repressor für
phoP-reprimierte (prg) Gene zu dienen (Miller et al., 1989, supra;
Miller, Mol. Microbiol. 5: 2073–2078,
1991). Es ist nun bekannt, dass das phoPQ-Zweikomponentenregulatorsystem viele
Eigenschaften von Salmonella beeinflussen kann, was das Eindringen
in den Darmtrakt, die Toleranz gegenüber saurer Belastung, die Resistenz
gegenüber
Polypeptiddefensinen, das Überleben
in Makrophagen, die Struktur und Zusammensetzung der Lipopolysaccharid (LPS)-Komponenten,
das Gesamteindringvermögen
und die Virulenz von Salmonella in Tieren und Menschen einschließt.
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Konstruktion der definierten
phoP-Deletionen
-
Ein
2.110 bp langes BamHI-Clal-Fragment wurde aus dem S. typhimurium
UK-1 Stamm X3716 PCR-amplifiziert, wobei
das Fragment das gesamte phoPQ-Operon, umfassend die 5'- und 3'-Regulatorsequenzen
enthielt, und wurde in den SC101-Klonierungsvektor
pWKS30 (Tabelle 1B) insertiert, der ebenfalls mit Clal und BamHl
verdaut war. Dieses Plasmid komplementierte den PhoP–-Phenotyp,
wenn es in eine S. typhimurium phoP-Mutante, wie MGN-069 (Tabelle
1) eingebracht wurde, und ermöglichte
dem Stamm, die durch phoN codierte, nicht spezifische saure Phosphatase
zu synthetisieren und andere Eigenschaften eines PhoP+ S.
typhimurium Stamms zu zeigen.
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Viele
der Mutanten mit Mutationen, welche zu dem PhoP–-Phenotyp
führen,
zeigten, egal ob eine Induktion durch chemische Mutagene oder durch
eine insertionelle Transposonmutagenese erfolgte, eine geringe oder
kleine phoQ-Genaktivität,
entweder weil die Mutation in dem phoQ-Gen vorlag oder weil die
Mutation, obwohl sie in dem phoP-Gen vorlag, einen polaren Effekt
auf die Verhinderung der phoQ-Genexpression
hatte. Aus diesem Grund wurde die ΔphoP22-Deletion konstruiert,
die eine definierte Deletionsmutation in dem phoP-Gen darstellt,
welche die Wild-Typ Expression des phoQ-Gens verhindert. Dies wurde
durch Verdau von pMEG-063 DNA (18), welche
das phoPQ-Operon enthielt, mit EcoRV, wodurch 514 Basenpaare innerhalb des
phoP-Gens entfernt werden, was nach der Religation zu pMEG-068 führt, bewerkstelligt.
Die so erzeugte ΔphoP22-Deletion
führte
zu einer 514 bp langen Deletion, wobei eine 47 Aminosäure lange
Sequenz aus dem N-terminalen Bereich von PhoP an eine außerhalb
des Leserahmens liegende 8 Aminosäure lange Sequenz, deren codierende
Sequenz mit fünf
Basenpaaren mit dem N-terminalen Bereich der phoQ-Gensequenz überlappt,
fusioniert ist. Asparaginsäure
an Aminosäureposition
52 innerhalb der PhoP-Sequenz wurde entfernt. Es ist die Asparaginsäure, welche
durch die Sensorkinase, die in dem durch das phoQ-Gen codierten
Protein vorliegt, phosphoryliert wird. Das Konstrukt ist so hergestellt,
dass, wenn sich in dem 3'-Ende
des phoP-Gens eine ribosomale Bindungssequenz befindet, die den
Start des phoQ-Gens vorgibt, die Sequenz in der Deletionsmutation
immer noch erhalten bleibt.
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Die
Konstruktion von ΔphoPQ23,
welche die Konstruktion von definierten phoPQ-Deletionen veranschaulicht, ist in 6 gezeigt.
Um die definierte ΔphoPQ23-Deletionsmutation
zu erzeugen, wurde pMEG-068 an der Restriktionsschnittstelle, welche
bei der Erzeugung der ΔphoP22-Deletion
wieder hergestellt wurde, mit EcoRV und dem Restriktionsenzym Tth111I
verdaut, wodurch ein zusätzliches
1.103 bp langes Fragment, das für
den C-terminalen Bereich des phoP-Gens und für die letzten 90 Aminosäuren des phoQ-Gens
codiert, entfernt wurde. Diese Deletion entfernte insbesondere den
Histidinrest 259, der in dem PhoQ-Protein phosphoryliert wird und
als Phosphatdonor für
die Phosphorylierung des Aspartat 52 in dem phoP-Gen dient. pMEG-210,
enthaltend die ΔphoPQ23-Deletion,
wurde mit Bg/ll und Xbal verdaut und dieses Fragment wurde in die
Suizidvektor pMEG-149 DNA, die ebenfalls mit BamHl und Xbal verdaut
war, ligiert. Dies führte
zu dem Suizidvektor pMEG-212, der in den Suizidvektordonorstamm
MGN-617 elektroporiert wurde. Die Paarung von MGN-617 (pMEG-212)
mit verschiedenen S. typhimurium Stämmen, wie oben beschrieben,
konnte verwendet werden, um anfänglich
einzelne Crossovervorgänge
und dann doppelte Crossovervorgänge
zu isolieren, bei denen die ΔphoPQ23-Mutation
die Wild-Typ phoPQ-Allele
ersetzt hatte, was zu einem Derivat führte, das aufgrund des Verdaus
des in dem Agarmedium vorliegenden chromogenen Substrats BCIP mit
nicht spezifischer saurer Phosphatase keine blaue Farbe zeigte.
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Eine
definierte Deletionsmutation innerhalb des phoQ-Gens wurde auf eine ähnliche
Art und Weise erzeugt. Das Plasmid pMEG-198, das das phoQ-Gen und
flankierende Sequenzen enthielt und durch Subklonierung von pMEG-063
erzeugt wurde, wurde mit Nael und Dral verdaut. Die DNA wurde mit
dem Klenow-Fragment behandelt, um die Lücken aufzufüllen und wurde religiert. Dadurch
wurde eine 716 bp lange Sequenz innerhalb des phoQ-Gens deletiert,
welche die Sequenz enthielt, die das Histidin 259, welches üblicherweise
phosphoryliert wird, enthielt, wodurch pMEG-202 erzeugt wurde. pMEG-202
wurde mit Xbal und Xhol verdaut und das Fragment, welches die ΔphoQ1-Mutation
enthielt, wurde in den Suizidvektor pKNG-101 kloniert, der ebenfalls
mit Xbal und Xhol verdaut war. Der resultierende Suizidvektor wurde
in den Suizidvektordonorstamm MGN-617 elektroporiert. Wie oben beschrieben,
konnte dieser Stamm mit verschiedenen S. typhimurium Stämmen gepaart
werden, wodurch einzelne Crossover durch Streptomycinresistenzen
selektioniert wurden und doppelte Crossover durch Resistenz gegenüber 5 %
Sucrose selektioniert wurden. Der Erfolg des Doppelcrossovervorgangs
wurde wiederum durch Einbau von BCIP in das Agarmedium und Suchen
nach weißen
Kolonien, welche zur Hydrolyse des Phosphatsubstrats nicht fähig waren,
bestätigt.
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Stämme wurden
mit ΔphoP22-, ΔphoQ1- und ΔphoPQ23-Deletionsmutationen
konstruiert. Stämme mit
der ΔphoP22-Mutation
wiesen eine Deletion von etwa 514 Basenpaaren, Stämme mit
der ΔphoPQ23-Deletion
eine Deletion von etwa 1.617 Basenpaaren und Stämme mit der ΔphoQ1-Mutation
eine Deletion von etwa 716 Basenpaaren auf.
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BEISPIEL 3
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Dieses
Beispiel veranschaulicht die Konstruktion von definierten Deletionen
in dem phoPQ-Operon mit einer Insertion einer konstitutiv exprimierten
Reportergenkassette, welche einen Transkriptionsterminator enthielt.
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Sowohl
für in
vitro als auch für
in vivo Untersuchungen zur Bewertung der Komplementierung bestimmter
mutationeller Veränderungen
und zur Verifikation der Existenz des auf dem Plasmid mit geringer
Kopienzahl vorliegenden Wild-Typ Allels als auch des in dem Chromosom
vorliegenden mutierten Allels wurde das xylE-Reportergen in das chromosomale mutierte
Gen insertiert (Kanega et al., Molecular Microbiol. 13: 555–568, 1994).
Kolonien mit Bakterien, die das xylE-Gen exprimierten, färbten sich
innerhalb von fünf
Minuten, nachdem sie mit einer 250 mM Catechol-Lösung
besprüht
wurden, gelb und das Besprühen
war ohne Wirkung auf die Überlebensfähigkeit
der Zellen innerhalb der Kolonie. Wenn wir eine xylE-Strukturgenkassette ohne
einen Promotor verwendeten und wir von der Expression des Promotors,
der für
die Expression des Gens, in welches die xylE-Kassette insertiert
wurde, verwendet wurde, abhängig
waren, konnte die Expression stark als auch nicht existent sein,
was davon abhing, wie das bestimmte Gen, in welches die xylE-Kassette insertiert
wurde, als Antwort auf Umwelteinflüsse reguliert wurde. Daher
wurde das xylE-Gen an den Bakteriophagen T4 Gen 32-Promotor fusioniert,
der eine konstitutive Expression des xylE-Genprodukts unter einer Vielzahl
von Bedingungen ermöglichte.
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Aufgrund
der Stärke
des Gen 32-Promotors konnte die RNA-Transkription unglücklicherweise über die Grenzen
der Insertion hinaus in einen Bereich erfolgen, der abhängig davon,
ob die mRNA einen Sense- oder Antisensestrang darstellte, die Expression
benachbarter Gene positiv oder negativ beeinflusste. Um dieses Problem
zu umgehen, wurde ein starker Transkriptionsterminator nach dem
C-terminalen Bereich des xylE-Gens platziert. 7 veranschaulicht
das Plasmid pMEG-685, von dem aus das den Gen 32-Promotor enthaltende
xylE-Gen mit dem Gen 32-Transkriptionsterminator
unter Verwendung verschiedener Restriktionsenzyme als Kassette kloniert
werden kann und anstelle eines deletierten Segments in jedes Gen
insertiert werden kann.
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Um
einen Suizidvektor mit einer T4 Gen 32-Promotor/xylE/Transkriptionsterminator
(P32xylETT)-Kassette in dem phoQ-Gen herzustellen,
wurden die folgenden Schritte durchgeführt. pMEG-063 (18),
der das phoPQ-Operon enthielt, wurde mit Kpnl verdaut, mit dem Klenow-Fragment
der DNA-Polymerase behandelt, um Blunt-Enden zu erzeugen, und dann
mit Xbal verdaut, um ein 2,4 kb phoPQ-Fragment zu erzeugen, das
in pMEG-197, verdaut mit Dral und Xbal, ligiert werden konnte. pMEG-197
ist ein Asd+-Vektor, der eine Deletion des
trc-Promotors (PTRC) aufweist und durch
Deletion eines Bg/ll-BamHl-Fragments von pMEG-195 und Religation,
um pMEG-197 zu erzeugen, erzeugt wurde. Die Abwesenheit von PTRC erleichtert daher nachfolgende Klonierungsvorgänge, sodass
eine Überexpression
von phoQ-Genprodukten für
die Bakterienzellen nicht toxisch ist. Das resultierende Plasmid
pMEG-198 wurde mit Nael und Dral verdaut, wodurch ein 716 bp Segment
des phoQ-Gens entfernt wurde. Zur gleichen Zeit wurde pMEG-685 mit
EcoRI und HindIll verdaut und das Fragment wurde mit dem Klenow-Fragment
der DNA-Polymerase verdaut, um Blunt-Enden zu erzeugen. Dieses so
erzeugte 2,4 kb Fragment von pMEG-685 wurde dann in den Vektor pMEG-198
ligiert, der mit Nael und Dral verdaut war. Das nach der Ligation
erzeugte, resultierende Plasmid wurde als pMEG-201 bezeichnet. pMEG-201
enthielt nun die T4P32xylETT-Kassette innerhalb
des phoQ-Gens anstelle der deletierten 716 Basenpaare des phoQ-Gens.
pMEG-201 wurde nun mit Xbal und Xhol verdaut, um ein 4,0 kb Fragment zu
erzeugen, das in den mit Xbal-Xhol verdauten Suizidvektor pKNG-101 insertiert wurde,
um das rekombinante Suizidplasmid pMEG-205 zu erzeugen, das in den
Suizidvektordonor MGN-617 eingebracht wurde. Der Stamm MGN-740 konnte
verwendet werden, um den Suizidvektor in geeignete empfangende Salmonella,
wie S. typhimurium UK-1 X3761 oder S. typhimurium
SL1344 X3339, welche anfänglich durch Streptomycinresistenz
für die
einzelnen Crossover selektionieren und dann durch Sucroseresistenz
für den
Verlust des Suizidvektors und die gewünschten doppelten Crossover
selektionieren, zu transferieren. Erfolg in Bezug auf den Allelaustausch
kann durch weiße
Kolonien nachgewiesen werden, wenn auf Agarmedium, das mit einer
Softagarschicht überzogen
ist, die das α-Naphthylphosphat
BCIP-Substrat für
die nicht spezifische saure Phosphatase in einem Acetatpuffer bei
pH 5,5 enthält,
ausplattiert wird, wie bei Kier et al. (1979, supra) beschrieben. Alle
Kolonien, die keine saure Phosphataseaktivität zeigten, zeigten die Expression
von xylE und hydrolysierten Catechol, wodurch ein gelber Farbstoff
erzeugt wurde. Stämme,
wie MGN-748 (Tabelle 1A), der die ΔphoQ2::T4P32xylETT-Insertion
enthielt, waren vollständig
avirulent, wenn sie in Maus untersucht wurden. In Gegenwart eines
Plasmids, wie pMEG-063, hydrolysiert MGN-748 nun BCIP, was die Fähigkeit
zur Synthese von phoN-spezifischer saurer Phosphatase anzeigt, färbte sich
jedoch auch gelb, wenn mit Catechol besprüht wurde, was die wiederhergestellte
Gegenwart der xylE-Insertion innerhalb des deletierten phoQ-Gens
anzeigte. Solche Stämme
zeigten Wild-Typ Virulenz, wenn sie in Maus untersucht wurden, was
anzeigte, dass die Komplementierung wirksam war. Diesbezüglich erzeugte
die Wiedergewinnung von Bakterien aus infizierten Mäusen fünf bis sieben
Tage nach der Infektion Bakterien, die immer noch pMEG-063 enthielten,
die immer noch saure Phosphatase produzierten und die immer noch
das xylE-Gen exprimierten. Demzufolge hatte der Einschluss des Promotor-gesteuerten
xylE-Gens gefolgt von einem Transkriptionsterminator keine nachteiligen
Auswirkungen in Bezug auf die Verhinderung der Komplementierung
des Defekts durch ein Plasmid, das das phoPQ-Operon aufweist, oder
ein anderes Testkonstrukt, das aufgrund der Deletion des phoP-Gens,
wie sie in einem Plasmid, wie pMEG-068, das phoQ exprimiert, dem
jedoch aufgrund der ΔphoP22-Mutation
die phoP-Gensequenz fehlt, vorliegt, nur phoQ exprimiert. Dieses
Experiment bestätigte
auch, dass die ΔphoP22-Deletionsmutation
nicht die normale Expression des stromabwärts gelegenen phoQ-Gens stört.
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BEISPIEL 4
-
Dieses
Beispiel veranschaulicht die Konstruktion der Deletionsmutation ΔphoP1918,
in der der vollständige
codierende Bereich des phoP-Gens zusammen mit dem Promotorbereich
und dem terminalen Nukleotid des 5'-benachbarten Gens deletiert ist, ohne
Insertion eines Transkriptionsterminators im Bereich der deletierten
Genstelle.
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Die
definierte Deletion, die als ΔphoP1918
bezeichnet wird, wurde entwickelt, um das vollständige phoP-Gen und dessen Promotorregulatorsequenzen
zu deletieren. Primer wurden in Bezug auf die veröffentlichte
Sequenz des phoPQ-Gens (Miller et al., 1989, supra) wie folgt entwickelt:
Der Vorwärtsprimer
wurde von dem 5'-Ende
des phoQ-Gens erhalten;
der Rückwärtsprimer
bestand aus stromaufwärts
gelegenen phoP-Sequenzen
oberhalb der –10
und –35
Bereiche; die Enden dieser Primer enthielten die Endonuklease Notl-Erkennungssequenz
(GGCGCGCC) (SEQ ID NO: 23) zur Ligation und Klonierung. Der Vorwärtsprimer
enthielt die Sequenz (5' nach
3') ttggcgcgcc TG
AAT AAA TTT GCT CGC CAT TTT CTG (SEQ ID NO: 24) und der Rückwärtsprimer
enthielt die Sequenz (5' nach
3') ttggcgcgcc TA
AAC CAG ACA AAT AGT CAC CC (SEQ ID NO: 25). Die kleinen Buchstaben
bezeichnen die nicht phoPQ-Sequenzen, was die Notl-Endonukleaseerkennungssequenz
einschließt.
Das Plasmid pEG-5381, das durch Groisman et al. (Proc. Nat. Acad.
Sci. USA 86: 7077–7081,
1989) beschrieben wurde, wurde als Basisplasmid verwendet, um die
phoP1918-Deletion durch inverse Polymerasekettenreaktion (Inverse-PCR)
und unter Verwendung der oben beschriebenen Vorwärts- und Rückwärtsprimer zu erzeugen. Es ist
zu beachten, dass Groisman et al. das phoQ-Gen als phoZ bezeichnet
haben, jedoch der nachfolgenden Verwendung der Q-Bezeichnung in
einer Fußnote
ihrer Veröffentlichung zustimmten.
Das PCR-Produkt wurde mit der Restriktionsendonuklease Notl verdaut,
ligiert und in den E. coli Stamm MGN-026 transformiert. Der resultierende
Stamm MGN-2052 enthielt das Plasmid pMEG-549 (8) mit
der oben beschriebenen phoP1918-Deletion. Das Plasmid pMEG-549 weist
zwei Erkennungsstellen für
die Endonuklease EcoRV auf und ein Verdau von pMEG-549 mit EcoRV
entfernt ein DNA-Fragment mit der ΔphoP1918-Mutation. Dieses EcoRV-DNA-Fragment
wurde in die Pmel-Stelle des Suizidplasmids pMEG- 375 (9) durch
Ligation insertiert, wodurch pMEG-550 (10) erhalten
wurde, das in den E. coli Suizidvektordonorstamm MGN-617 transformiert
wurde. MGN-617 (pMEG-550) war resistent gegenüber Ampicillin und Chloramphenicol
bei 100 μg/ml
bzw. 25 μg/ml.
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Der
Stamm MGN-617 (pMEG-550) wurde verwendet, um mit den S. typhimurium
Stämmen X3761 (UK-1) und X3339
(SL1344) (Tabelle 1A) zu konjugieren. Ex-Konjugate wurden auf Luria-Agar mit
Chloramphenicol selektioniert. Einzelne Kolonien wurden auf Ampicillin-
und Chloramphenicolresistenz hin überprüft und die Zellen einiger dieser
Kolonien wurden gepickt und als kleine Kulturen herangezogen, die
auf Luria-Agar (ohne Salz), der 5 % Sucrose enthielt, ausplattiert
und bei 30 °C
inkubiert wurden. Sucrose-resistente Kolonien wurden gesammelt und
sowohl auf Ampicillin- als auch auf Chloramphenicolempfindlichkeiten
hin gescreent. Diese Kolonien wurden ferner auf die Abwesenheit
von saurer Phosphatase (weiße
Kolonien im Gegensatz zu roten Wild-Typ Kolonien) unter Verwendung
des sauren Phosphatase-Overlay-Tests (Kier et al., 1979) hin untersucht.
Einige der weißen
Kolonien, denen saure Phosphataseaktivität fehlte, wurden ferner einer
Serotypisierung für
die Gruppe von Salmonella und einem gleichmäßigen LPS-Profil auf SDS-Gelen
unterzogen. Die ΔphoP1918-Mutationen
in dem Chromosom dieser Salmonella Mutantenstämme wurden durch PCR überprüft. Die
Mutantenstämme
wurden als MGN-2083 bis MGN-2086
bezeichnet (Tabelle 1).
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Die
Sequenz der ΔphoP1918-Mutation
ist wie folgt. Die ersten 70 bp sind identisch zu der Nukleotidsequenz
des von Miller et al. (1989) sequenzierten phoPQ-Bereichs. Die nächsten 8
Basenpaare stellen die Notl-Erkennungssequenz GGCGCGCC (SEQ ID NO:
23) dar, wobei das C an Position 78 eine Basenpaarsubstitution für das A
darstellt, mit dem die codierende Sequenz des pho-Gens in Wild-Typ
S. typhimurium beginnt. Da das Startcodon für Proteine in 91 % der Fälle ATG
und in 8 % der Fälle
GTG und lediglich in 1 % der Fälle TTG
und tatsächlich
nie CTG ist, kann davon ausgegangen werden, dass das phoQ-Genprodukt
in Stämmen mit
der ΔphoP1918-Mutation selten synthetisiert
wird. Es existieren jedoch mehrere innere Methionine, die durch
ATG-Codons an den Positionen 1052, 1067, 1277, 1322, 1382 und 1526
(alle vor dem Histidincodon an Position 1643, welches das phosphorylierte
Histidin kennzeichnet) codiert werden und die möglicherweise zu der Produktion
eines Gentranslationsprodukts führen
können.
-
Obwohl
die vollständige
Deletion des phoP-Gens als auch die Basenpaarsubstitution der ersten
Base des phoQ-Gens zu Stämmen
führen
sollten, die zur Expression des phoP-Genprodukts oder des phoQ-Genprodukts
nicht fähig
sind, entfernt die Deletion auch Sequenzen stromaufwärts des
phoP-Gens, wodurch nicht nur die –35 und –10 Promotorsequenzen entfernt
werden, sondern auch mit einer Störung der Transkriptionstermination
am Ende des purB-Gens, das in die gleiche Richtung wie phoP und
phoQ transkribiert wird, gerechnet werden muss. In einigen Fällen, in
denen nur eine eingeschränkte
Purinkonzentration vorhanden ist, was die Situation in vivo darstellt,
würde das
purB-Gen in einer großen
Menge exprimiert werden. Es ist vorstellbar, dass das Transkript
nach dem purB-Gen weitergeht, was zu einer Transkription über die
Deletion hinaus und in die codierende Sequenz des benachbarten Gens
pep T, welches eine Peptidase codiert, führt. Das pep T-Gen wird jedoch
in die entgegengesetzte Richtung wie purB und phoPQ transkribiert,
sodass jedes Transkript, das über
die Mutation in dem phoPQ-Operon hinausgeht, eine Antisense-RNA
erzeugen würde,
die dann die Expression des pep T-Gens durch Hybridisierung mit
der pep T-mRNA inhibieren und demzufolge dessen Translation blockieren
könnte.
Da nicht bekannt ist, ob diese Peptidase eine wichtige Rolle in
vitro oder in vivo spielt, wäre
ein verbesserter Weg zur Erzeugung einer Mutation, wie beispielsweise
diejenige, die durch die ΔphoP1918-Mutation
erzeugt wird, einen Transkriptionsterminator, wie rrnBT1T2 oder
trpATT (1), welche einer Transkription über den
Mutationsdefekt hinaus vorbeugen würden, in die Deletion zu insertieren.
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BEISPIEL 5
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Dieses
Beispiel veranschaulicht die Konstruktion von Stämmen mit der ΔphoP24-Mutation und einer Insertionssequenz,
enthaltend den trpA-Transkriptionsterminator.
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Die
definierte ΔphoP24-Mutation
wurde so entwickelt, dass sie eine Insertion eines Transkriptionsterminators
enthielt, und wurde in S. typhimurium SL1344 eingebracht, um den
Stamm MGN-1362 zu erzeugen.
-
Die ΔphoP24-Deletion
wurde unter Verwendung von inverser PCR mit den Primern phoP 40–20 und phoP
815–839,
welche auf der von Miller et al. (1989, supra) beschriebenen Sequenz
des phoPQ-Bereichs basieren, erhalten, wodurch der vollständige codierende
Bereich von phoP und 100 bp der DNA stromaufwärts des phoPQ-Klons pEG-5381
(Groisman et al., Proc. Nat. Acad. Sci. USA 86: 7077–8081, 1989)
entfernt wurde. Obwohl diese Deletion den gesamten phoP-codierenden
Bereich entfernt, bleibt der phoQ-codierende Bereich intakt. Dieses
PCR-Produkt wurde dann mit Bg/ll und EcoRI verdaut, um innerhalb
der entwickelten Primer zu schneiden und kompatible Enden für eine Ligation
an die annealten trpA-Transkriptionsterminatoroligos (11)
zu erzeugen. Die beschriebene Ligation führte zu der Herstellung von
pMEG-359 (12). Das 3,1 kb EcoRV-Fragment
von pMEG-359 wurde
dann in die Smal-Stelle des Suizidvektors pMEG-149 einkloniert, wodurch
das ΔphoP24-Suizidplasmid
pMEG-368 (13) erzeugt wurde. Die Deletion
des phoP-Bereichs und die Insertion des trpA-Transkriptionsterminators
wurde dann durch Sequenzanalyse bestätigt. Da pMEG-368 ein mobilisierbarer
Suizidvektor ist, der für
den auswählbaren
Ampicillinresistenzmarker und den auswählbaren Gegenmarker Levansucrose,
was zu einer Empfindlichkeit gegenüber Sucrose führt, codiert, kann
das Plasmid in jeden gewünschten
Stamm eingebracht werden, der für
eine Ampicillinresistenz selektioniert und nachfolgend eine Gegenselektion
für den
Austausch des Wild-Typ phoP-Gens mit der ΔphoP24-Mutation in Gegenwart
von Sucrose ermöglicht.
Der Stamm, der für
die Zufuhr von pMEG-368 verantwortlich war, wurde durch Elektroporation
von pMEG-368 in den Pir+ Asd–-Zufuhrwirt
MGN-617, um MGN-617 (pMEG-368) zu erzeugen, erhalten. Das Suizidkonstrukt
pMEG-368 wurde dann durch Konjugationstransfer in den S. typhimurium
SL1344 Stamm X3339 transferiert und nachfolgend
wurde auf Ampicillin-resistente Isolate hin selektioniert, die ohne
DAP (Diaminopimelinsäure)
wachsen. Einer der Isolate aus diesem Konjugationstransfer, MGN-1361,
weist eine einzelne Integration des ΔphoP24-Deletionsplasmids in das Chromosom auf,
wodurch eine Duplikation des phoP-Bereichs sowohl mit dem Wild-Typ phoP-Gen
als auch mit dem mutierten ΔphoP24- Allel erzeugt wird.
MGN-1361 wurde dann auf Luria-Agar, der 5 % Sucrose enthielt, ausplattiert,
um nach einem Verlust des Ampicillin-resistenten Suizidvektors hin
zu selektionieren. Die durch diese Selektion erhaltenen Isolate
wurden dann für
eine saure Phosphataseaktivität
unter Verwendung des Agar-Overlay-Verfahrens von Kier et al. (J.
Bacteriol. 130: 399–410,
1977) gescreent. Die weißen
Phosphatase-negativen Kolonien wurden dann als ΔphoP24-Phosphatase-minus-Phenotyps
bestätigt
und als MGN-1362 (Tabelle 1A) gelagert.
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Ferner
wurde der Stamm MGN-617 (pMEG-368) verwendet, um die ΔphoP24-Mutation in eine
Vielzahl von S. typhimurium, S. paratyphi A und S. typhi Stämme einzubringen.
In all diesen Fällen
konnten die Stämme
die nicht spezifische saure Phosphatase, die durch das phoN-Gen
codiert wird, nicht exprimieren und durch PCR-Analyse wurde festgestellt, dass sie
etwa 730 Basenpaare DNA weniger aufwiesen als der phoPQ Wild-Typ
Stamm. Dies stellt eine Deletion von 775 bp des phoP-Gens und eine
Insertion von 45 bp für
den trpA-Transkriptionsterminator dar.
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BEISPIEL 6
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Dieses
Beispiel veranschaulicht die Beurteilung der S. typhimurium Mutanten
mit definierten Deletionsmutationen in dem phoPQ-Operon in Bezug
auf ihre phenotypischen Eigenschaften, ihre Wachstumsrate, ihre
Fähigkeit,
sich in Mäusen
auszubreiten, und ihre Avirulenz und Immunogenität in Mäusen.
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Die
oben beschriebenen S. typhimurium SL1344 (X3339)
und UK-1 (X3761) Mutanten mit den definierten
Deletionsmutationen in dem phoPQ-Operon sind in Tabelle 4 aufgelistet.
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TABELLE
4 S.
typhimurium SL1344 (
X3339) und UK-1 (
X3761) Mutanten mit definierten Deletionsmutationen
in dem phoPQ-Operon.
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All
diese Stämme
wurden einer Phenotypcharakterisierung unter Verwendung von API-Teststreifen unterzogen,
auf ihre Empfindlichkeit gegenüber
verschiedenen Antibiotika unter Verwendung von Inhibitionszonen
hin untersucht, indem Antibiotikaimprägnierte Discs auf einem Softagar-Overlay,
das jede der zehn Mutantenstämme
und ihre zwei Elternstämme
enthielt, auf einer Grundlage aus Penassay-Agar platziert wurden. Alle
Stämme
wiesen ein API-Profil ID von 6704552 auf, was eine sehr gute Identifikation
für Salmonella
enterica Serotypen ist. Alle Stämme
waren empfindlich für
alle untersuchten Antibiotika, außer für Rifampin (5 μg Dosis),
mit der Ausnahme der X3339 SL1344-Derivate,
die alle eine Resistenz gegenüber
Streptomycin zeigten, was für
den SL1344-Elternstamm charakteristisch ist (Tabelle 1). Alle Stämme waren
frei beweglich, exprimierten Typ 1-Fimbrien, was durch Hefehämagglutination
angezeigt wurde und durch Mannose inhibierbar war, und wiesen einen
gleichmäßigen LPS-Phenotyp auf. Unter
Verwendung des Softagar-Overlay-Assays für nicht spezifische saure Phosphatase,
der durch Kier et al. (1977, supra) beschrieben wurde, wurde festgestellt, dass
keine der Mutanten die nicht spezifische saure Phosphatase synthetisierte.
Mutierte Derivate der in Tabelle 4 aufgelisteten Stämme, welche
nicht spezifische saure Phosphatase exprimierten, können mit
Häufigkeiten
von 10–7 bis
10–9,
wobei diese Häufigkeiten
durch mutagene Behandlung der Kulturen erhöht werden können, isoliert werden. Die
Expression der sauren Phosphatase hatte keine Auswirkungen auf die
Avirulenz und Immunogenität
der phoP-Mutanten und phoN-Mutanten
wiesen in Bezug auf Mäuse
die Wild-Typ Virulenz auf. Es ist daher offensichtlich, dass diese
phoN-exprimierenden Mutanten eine Mutation aufweisen, welche eine
Transkription des phoN-Gens unabhängig von dem phosphorylierten
phoP-Genprodukt verursacht. Es ist ferner anzumerken, dass diese
in dem ΔphoP-Hintergrund isolierten
phoN-exprimierenden Mutanten alle anderen mit der Mutation in dem
phoPQ-Operon verbundenen Attribute, wie Empfindlichkeit der Stämme gegenüber Abtöten durch
Makrophagen, Empfindlichkeit gegenüber Defensiven, veränderte Empfindlichkeit
gegenüber
Polymyxin und dgl., immer noch zeigen.
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Wie
in den 14 und 15 gezeigt,
wachsen alle S. typhimurium SL1344 Mutanten mit Gendefekten in dem
phoPQ-Operon bei mehr oder weniger denselben Raten wie der elterliche
Wild-Typ SL1344-Stamm X3339. Ähnliche
Ergebnisse wurden für
die Wachstumsraten von S. typhimurium UK-1 Wild-Typ und phoP-Mutantenstämme erhalten,
was aus 16 ersichtlich ist.
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Die
Bewertung der Mutanten in Bezug auf ihre Avirulenz und Immunogenität wurde
unter Verwendung von acht Wochen alten weiblichen BALB/c-Mäusen durchgeführt. Die
Mäuse wurden
gehalten und für
sieben Tage vor ihrer Verwendung in den Experimenten in Quarantäne gehalten.
Die Standardprotokolle umfassten die Entfernung von Wasser und Nahrungsmitteln
vier bis sechs Stunden vor einer oralen Immunisierung oder Anregung.
Die Bakterien wurden in Luria-Kulturlösung bis zu einer späten Log-Phase
bei einer OD600 von etwa 0,8 herangezogen,
durch Zentrifugation sedimentiert, in gepufferter Kochsalzlösung mit
Gelatine in konzentrierter Form resuspendiert, sodass 20 μl Proben,
die die gewünschte
Anzahl von Kolonie-bildenden Einheiten (CFU) enthielten, mit einer
Mikropipette hinter die hinteren Schneidezähne der zu immunisierenden
oder anzuregenden Mäuse
verabreicht werden konnten. Futter und Wasser wurden 30 Minuten
nach der Immunisierung und/oder Anregung zurück getan. Die Mäuse wurden
für dreißig Tage
nach der Immunisierung beobachtet und die Überlebenden wurden angeregt
und dann wiederum für
weitere dreißig
Tage beobachtet. Jede beobachtete todgeweihte Maus wurde eingeschläfert. Die
Ergebnisse für
die S. typhimurium SL1344 Stämme sind
in Tabelle 5 enthalten und die Ergebnisse für fünf S. typhimurium UK-1 Mutanten
sind in Tabelle 6 enthalten.
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TABELLE
5 Nichtvirulenz
und Immunogenität
von S. typhimurium SL1344 Mutanten nach oraler Immunisierung und
oralem Immunitätstest
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TABELLE
6 Nichtvirulenz
und Immunogenität
von S. typhimurium UK-1 Mutanten nach oraler Immunisierung und oralem Immunitätstest
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Da
die Anzahl der Tiere, die pro Gruppe in den Tabellen 5 und 6 verwendet
wurden, klein ist, ist kein statistisch signifikanter Unterschied
zwischen den Stämmen
in Bezug auf die Avirulenz und Immunogenität festzustellen. Dennoch konnte
verschiedentlich beobachtet werden, dass Mäuse, die mit höheren Titern
(109 CFU) des ΔphoQ1 UK-1 Stammes X8088
oral geimpft wurden, manchmal starben und auch dass die Mäuse, welche
die Immunisierung überlebten,
nicht so gut gegenüber
einer Anregung mit dem elterlichen Wild-Typ Stamm geschützt waren,
wie nach einer Immunisierung mit ΔphoP-Mutanten.
Man sollte jedoch nicht überbewerten,
dass die ΔphoQ23-Mutante
SL1344 vollständig
avirulent und hoch immunogen war (Tabelle 5), während der eine Test, der mit
der S. typhimurium UK-1 ΔphoPQ23-Mutante X8089 durchgeführt wurde, enttäuschende
Ergebnisse in Bezug auf eine Schutzimmunogenität ergab. Da andere Experimente
mit rekombinanten Stämmen,
die das ΔphoQ23-Allel
aufwiesen, mit ausgezeichneten Ergebnissen in Bezug auf die Immunogenität durchgeführt wurden,
sind die in Tabelle 6 gezeigten mit X8089
erhaltenen Ergebnisse eher die Ausnahme als die generelle Regel.
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Auf
alle in der Beschreibung zitierten Literaturstellen wird hiermit
Bezug genommen. Die Diskussion der Literaturstellen soll lediglich
die von den Autoren gemachten Aussagen zusammenfassen und es wird
keine Aussage darüber
gemacht, ob irgendeine Literaturstelle Stand der Technik darstellt.
Die Anmelder behalten sich das Recht vor, die Richtigkeit und Relevanz
der zitierten Literaturstellen anzuzweifeln.
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In
Bezug auf das oben Gesagte ist festzuhalten, dass die vorliegende
Erfindung zahlreiche Vorteile aufweist und vorteilhafte Ergebnisse
erzielt.
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Da
die oben beschriebenen Verfahren und Zusammensetzungen variiert
werden können,
ohne vom Umfang der Erfindung abzuweichen, soll der gesamte Inhalt
der obigen Beschreibung und der begleitenden Zeichnungen lediglich
der Veranschaulichung dienen und den Gegenstand der Erfindung nicht
einschränken.
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