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Die
vorliegende Erfindung stellt eine Methode zur Vorbeugung einer geburtsbedingten
Hypokalzämie
bei Tieren bereit. Insbesondere stellt sie eine Zusammensetzung
bereit, die Tieren während der
Trockenperiode verabreicht werden kann, um eine Hypokalzämie und
Milchfieber zu verhindern.
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Geburtsbedingte
Hypokalzämie
ist eine Stoffwechselerkrankung von laktierenden Tieren wie Milchkühen. Sie
tritt als subklinische Hypokalzämie um
den Zeitpunkt des Kalbens und in frühen Laktationsphasen auf. In
ernsten Fällen
erkranken laktierende Tiere an Milchfieber (Gebärparese). Der Laktationszeitraum
einer Milchkuh erstreckt sich über
nahezu 10 Monate des Jahres, welcher direkt nach dem Kalben beginnt.
Während
der zwei Monate, die direkt vor einem Kalben liegen, ist die Laktation
von Milchkühen
auf ihrem Minimum und die Milchkühe
werden normalerweise während
dieser „Trockenperiode" nicht gemolken.
Das Kalben an sich induziert die Milchproduktion bei der Milchkuh
und die Milchproduktion erreicht einen Höhenpunkt vier bis sechs Wochen
nach dem Kalben.
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Während der
Trockenperiode hat die Milchkuh einen niedrigen Bedarf an Kalzium
und ist daher in der Lage, ausreichende Mengen Kalziums über den
Verdauungstrakt mittels einfacher passiver Diffusion aufzunehmen.
Während
der Laktationsperiode ist der Bedarf an Kalzium hoch, wodurch die
Kuh in eine negative Kalziumbilanz gerät, was wiederum dazu führt, dass
Vitamin D-abhängige,
komplexe Mechanismen aktiviert werden. So ist die laktierende Kuh
in der Lage, die Verwertung der in der Futterration vorhandenen
Kalziummenge zu erhöhen,
indem die Absorption im Verdauungstrakt erhöht wird und indem Kalzium aus
dem Skelettsystem über
das Blut resorbiert wird. Durch diese aktiven Mechanismen ist die
laktierende Kuh in der Lage, bis zu 80 % ihres Kalziumbedarfes während der
Laktationsperiode zu decken (Klooster, 1976). Durch diese leistungsstarken
natürlichen
Abwehrmechanismen sind laktierende Tiere in der Lage, eine auftretende
Hypokalzämie zu
verhindern, ungeachtet der über
die Nahrung aufgenommenen Kalziummenge.
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Allerdings
sind diese natürlichen
Abwehrmechanismen während
der Trockenperiode deaktiviert, da der Bedarf an Kalzium gering
ist. Nach dem Kalben und mit Beginn der Laktation besteht ein sofortiger
Bedarf an hohen Mengen Kalzium, der über die Blutzirkulation zu
den Milchdrüsen
für die
Milchproduktion zugeführt
werden muss. Die den Kalziumspiegel regulierenden Mechanismen sind
nicht darauf vorbereitet, diesen plötzlichen Bedarf an Kalzium in
den ertragoptimierten Milchkühen
bereit zu stellen und es muss daher mit eine Hypokalzämie und
Milchfieber gerechnet werden. Symptome des Milchfiebers, wie ein
Absinken der Körpertemperatur,
manifestieren sich normalerweise innerhalb eines Tages vor und vier
Tagen nach dem Kalben.
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Erhebliche
Forschungsanstrengungen wurden durchgeführt, um Methoden zum Verhindern oder
zur Behandlung von Milchfieber zu entwickeln. Es konnte beobachtet
werden, dass das Risiko für Milchfieber
reduziert ist, wenn die Säure-Base-Bilanz der
Milchkuh durch ansäuernde
Futterzugaben verändert
wurde (Dishington, 1982). Ein Verfahren, welches auf diesem Prinzip
aufbaut, wird momentan großflächig in
den USA eingesetzt. Jedoch ist das Ansäuern von Milchkühen unnatürlich, da
der Urin von Wiederkäuern
normalerweise alkalisch ist. Es wurde weiterhin auch schon von Überdosierung
berichtet.
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Ein
anderer Ansatz, um Milchfieber vorzubeugen, ist das per-orale Tränken mit
Kalziumchlorid um den Zeitpunkt des Kalbens (Jørgensen, 1990). Die Wirkung
dieser Methode wird der einfache Kalziumdiffusion über die
Wand des Vormagens und durch die Wand des Dünndarms zugeschrieben. Es gibt
jedoch mehrere Nachteile, die mit dieser Methode assoziiert sind.
Die Milchkühe
müssen
einzeln behandelt und dosiert werden, was die oben erwähnten Probleme
mit sich bringt. Darüber
hinaus muss der genaue Kalbungszeitpunkt der Kuh bekannt sein, da es
empfohlen wird, ein erstes Tränken
wenige Stunden vor dem Kalben durchzuführen.
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Die
Injektion von großen
Mengen synthetischer Vitamin-D-Präparate wurde auch als Vorbeugung
und/oder Behandlung für
Milchfieber vorgeschlagen. Obwohl es belegt ist, dass diese Methode wirksam
ist, ist sie in vielen Ländern
nicht erlaubt. Ein weiterer Vorschlag, um Milchfieber zu verhindern,
betrifft ein kontinuierliches Melken, so dass die kalziumregulierenden
Mechanismen konstant aktiv sind. Diese Methode ist jedoch nur anwendbar
bei einzelnen Kühen,
von denen bekannt ist oder erwartet werden kann, dass sie Milchfieber
entwickeln, ist aber nicht praktikabel in Bezug auf eine Herde.
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Ramberg
et al. (1970) haben beobachtet, dass Milchfieber kontrolliert werden
und/oder verhindert werden kann durch die Gabe einer niedrigen Kalziummenge
zum Futter von Milchkühen
in den Wochen, die direkt vor einem Kalben liegen. Durch das Füttern einer
niedrigen Kalziummenge bleibt die Kuh in einer negativen Kalziumbilanz,
wodurch die natürlichen
kalziumregulierenden Mechanismen aktiviert werden. Leider gibt es
zahlreiche Probleme in Verbindung mit diesem Verfahren. Zum Beispiel
beinhalten viele der für
Rinder geeigneten Futterstoffe wie Luzerne und andere Leguminosen
einen zu hohen Kalziumgehalt, um eine Kuh in der Trockenphase in
eine negative Kalziumbilanz zu bringen. Weiterhin zeigt dieses Verfahren
tatsächliche
Probleme, wenn man mit großen
Herden arbeitet. Um das zuerst genannte Problem zu lösen, offenbart
US 3,908,020 eine vollständige, kalziumlimitierte
Futterration. Dieses Verfahren beinhaltet jedoch den Kauf von ziemlich
teurem Futter, welches unter den Bedingungen für kommerzielle Milchkuhhaltung
nicht praktikabel ist, wenn der Bauer seine selber gezogene Feldfrüchte zum Füttern verwendet.
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Unter
Berücksichtigung
des vorweg gesagten, ist es offensichtlich, dass die derzeit eingesetzten
Verfahren zum Verhindern von Hypokalzämie zahlreiche Probleme in
der modernen Farmhaltung verursachen. Es ist daher eine wichtige
Aufgabe der vorliegenden Erfindung, neue Zusammensetzungen und Verfahren
bereitzustellen, um eine Hypokalzämie in laktierenden Tieren
zu verhindern. Das offenbarte Verfahren hat den Vorteil, dass es
auf den leistungsstarken natürlichen
kalziumregulierenden Mechanismus von Tieren aufbaut und gleichzeitig
unter wirtschaftlichen Bedingungen für die Milchkuhhaltung anwendbar
ist.
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Dementsprechend
ist es ein vorrangiges Ziel der vorliegenden Erfindung, ein neues
Verfahren bereitzustellen, um einer Hypokalzämie in laktierenden Tieren
vorzubeugen und eine Zusammensetzung bereitzustellen, die in einem
solchen Verfahren verwendbar ist.
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Daher
betrifft die Erfindung zum einen ein Verfahren zur Vorbeugung von
Hypokalzämie
in einem laktierenden Tier, welches die Verabreichung einer effektiven
Mengen einer Verbindung an das Tier während wenigstens einem Teil
der Trockenperiode umfasst, wobei die Verbindung die Absorption
von Kalzium aus dem Trinkwasser und/oder aus der Futterration des
besagten Tieres reduziert Es wird außerdem eine Zusammensetzung
zum Verhindern einer Hypokalzämie
in einem laktierenden Tier bereitgestellt, die einen Stoff enthält, der
die Absorption von Kalzium aus dem Trinkwasser und/oder aus der Futterration
des Tieres reduziert.
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Die
vorliegende Erfindung betrifft weiterhin die Verwendung der oben
genannten Zusammensetzung zum Verhindern von Hypokalzämie in einem laktierenden
Tier, wobei die Verwendung die Verabreichung einer effektiven Menge
der Substanz an das Tier während
wenigstens einem Teil der Trockenperiode umfasst, wobei die Substanz
die Absorption von Kalzium aus dem Trinkwasser und/oder aus der
Futterration des Tieres reduziert.
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Unter
noch einem weiterem Gesichtspunkt betrifft die Erfindung ein Verfahren
zur Verwendung der oben erwähnten
Zusammensetzung zur Verhinderung von Hypokalzämie in einem laktierenden Tier, wobei
das Verfahren die Verabreichung einer effektiven Menge der Substanz
an das Tier während
wenigstens einem Teil dem Trockenperiode umfasst, wobei die Substanz
die Absorption von Kalzium aus dem Trinkwasser und/oder aus der
Futterration des Tieres gemäß der erwähnten Methode
reduziert.
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Gemäß noch eines
weiteren Gesichtspunktes betrifft die Erfindung die Verwendung einer
kalziumbindenden Substanz oder einer Zusammensetzung zur Herstellung
eines Medikamentes zu Verhinderung von Hypokalzämie in einem laktierenden Tier.
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Es
ist ein wesentliches Merkmal der Methode zur Verhinderung von Hypokalzämie in laktierenden Tieren,
die hier bereitgestellt wird, dass die biologische Wirkung der in
diesem Verfahren verwendeten Substanz in der Lage ist, die natürlichen
kalziumregulierenden Abwehrmechanismen des Tieres zu stimulieren
oder auszulösen.
Durch diese Fähigkeit, den
Kalziumstoffwechsel vor dem Beginn der Laktation zu stimulieren,
bereitet die verwendete Substanz das Tier gut vor, um jeglicher
Bedrohung durch eine geburtsbedingte Hypokalzämie zu widerstehen.
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Die
Methode entsprechend der vorliegenden Erfindung umfasst daher die
Verabreichung einer effektiven Menge einer Substanz an ein Tier
während wenigstens
einem Teil der Trockenperiode, wobei die Verbindung die Absorption
von Kalzium aus dem Trinkwasser und/oder aus der Futterration des
besagten Tieres reduziert. Der Ausdruck „laktierendes Tier", wie er hierin verwendet
wird, beschreibt die Klasse der Säugetiere aus dem Tierreich
wie z. B. Kuh, Schwein, Pferd, Katze, Schaf, Ziege, Büffel, Kamel,
Affe oder Mensch. Dementsprechend betrifft der Begriff „Futterration" sowohl „Essen" wie auch „Futter", welches vor dem
Beginn der Laktation des besagten Tieres gegeben wird.
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Ein
vorteilhaftes Merkmal des Verfahrens gemäß der Erfindung ist es, dass
der genaue Zeitpunkt der Niederkunft des Tieres nicht bekannt sein
muss, da die Substanz dem Tier zu jedem Zeitpunkt während der
Trockenperiode, also wenigstens etwa ein bis vier Wochen vor der
zu erwartenden Niederkunft, einschließlich wenigstens zwei bis drei
Wochen vor der zu erwartenden Niederkunft gegeben werden kann.
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Damit
die Substanz im Verdauungstrakt des Tieres vorliegt, wird sie oral
verabreicht. Die Substanz kann mit dem Futter oder dem Wasser oder
alleine verabreicht werden, sofern der Zeitraum zwischen der Verabreichung
der Substanz und der Aufnahme von Kalzium enthaltendem Futter und/oder Wasser
nicht zu lang ist. Es ist unter diesem Gesichtspunkt wichtig, dass
eine ausreichende Menge der Substanz im Verdauungstrakt gleichzeitig
mit frei ionisiertem Kalzium vorliegt, welches sonst zur Absorption
zur Verfügung
stände.
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Die
verabreichte Menge muss ausreichend sein, um eine vorbeugende Wirkung
zu erzielen. Es ist daher bevorzugt, dass die Substanz in einer
Menge von wenigstens zehn g pro Tier und pro Tag in Abhängigkeit
vom Körpergewicht
des Tieres verabreicht wird. Weiter bevorzugt ist es, dass wenigstens
50 g der Substanz pro Tag und pro Tier verabreicht werden. Mit Bezug
auf Zeolithe und EDTA-Verbindungen ist es insbesondere bevorzugt,
dass wenigstens 100g pro Tag und pro Tier verabreicht werden. Normalerweise
werden bis zu 1.000 g pro Tag und pro Tier verabreicht.
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In
den derzeit bevorzugten Ausführungsbeispielen
umfasst das Verfahren gemäß der Erfindung die
Verabreichung einer effektiven Menge einer kalziumbindenden Verbindung
an das Tier während
wenigstens einem Teil der Trockenperiode. Es ist mit dem Ausdruck „kalziumbindende
Verbindung" verstanden,
dass Verbindungen, welche in der Lage sind, freies (ionisiertes)
Kalzium in wässriger
Lösung zu
binden, gemeint sind.
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Kalziumbindende
Verbindungen, die für
das oben beschriebene Verfahren geeignet sind, können alle Verbindungen sein,
die in der Lage sind, freies Kalzium im Verdauungstrakt des Tieres
zu binden, so dass das freie Kalzium nicht durch das Tier absorbiert werden
kann. Dadurch wird der natürliche
kalziumregulierende Abwehrmechanismus des Tieres ausgelöst. Solche
Verbindungen schließen
Verbindungen ein, die entweder verdaut werden können, wenn sie in einer ungeschützten Form
gegeben werden oder im Pansen unverdaulich sind und aus der Gruppe ausgewählt sind,
die aus Oxalsäure,
Natriumoxalat, Phytinsäure,
einem Phytat, einem Tonmineral einschließlich Zeolith, Natriumdiethylenessigsäure, Ethylendiaminotetraessigsäure (EDTA)
und deren Natriumsalze Na2EDTA und Na4EDTA, Trinatriumnitrilotriacetat-Monohydrat,
Trinatriumnitriloacetat, Pentanatriumdiethylentriaminpentaacetat,
Trinatrium N-Hydroxyethylethylendiamintriacetat,
Zitronensäure,
einem Zitrat, einem Polyphosphat, einem Tripolyphosphat, einem Orthophosphat
und einem Zellulosephosphat sowie kalziumfreien Abwandlungen einer
dieser Verbindungen besteht.
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In
einem bevorzugten Ausführungsbeispiel wird
die kalziumbindende Substanz aus einer Gruppe ausgewählt, die
aus Tonmineralien einschließlich Zeolith,
Ethylendiamintetraessigsäure
(EDTA) und deren Natriumsalze Na2EDTA und
Na4EDTA, einem Polyphosphat, einem Tripolyphosphat,
einem Orthophosphat und einem Zellulosesulfat sowie einem kalziumfreien
Derivat einer solchen Verbindung besteht.
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In
einem weiter bevorzugten Ausführungsbeispiel
wird die kalziumbindende Verbindung aus einer Gruppe ausgewählt, die
aus Tonmineral einschließlich
Zeolith und einer kalziumfreien Abwandlung dieser Verbindungen besteht.
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In
einem derzeit bevorzugten Ausführungsbeispiel
umfasst das Verfahren der Erfindung die Verabreichung einer effektiven
Menge einer Substanz an ein Tier während wenigstens einem Teil
der Trockenperiode, wobei die Substanz eine kompetitive Wirkung
auf die Absorption des Kalziums aus dem Trinkwasser und/oder aus
der Futterration des besagten Tieres über die Wand des Verdauungstraktes
hat. Es ist in Erwägung
zu ziehen, dass solche Substanzen mit dem Kalzium aus der Futterration
des trockenen Tieres kompetitieren, indem sie von den kalziumabsorbierenden
Mechanismen bevorzugt werden. Beispiele für solche Substanzen sind Verbindungen einschließlich Zinkoxyd,
ZnCl2 und ZnSo4.
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Wie
bereits oben dargestellt ist es von beachtlicher wirtschaftlicher
Bedeutung, ein Verfahren zur Verhinderung von Hypokalzämie in laktierenden Tieren
bereitzustellen, das unter kommerziellen Bedingungen der Tierhaltung
einsetzbar ist. In einem höchst
zweckmäßigen Ausführungsbeispiel
des Verfahrens gemäß der Erfindung
ist die in dem Verfahren eingesetzte Substanz in einer Zusammensetzung enthalten,
die in Form einer Vormischung, einer Flüssigkeit oder eines Pulvers
vorliegt. Es ist einleuchtend, dass eine solche Zusammensetzung
dem trockenen Tier leicht oral verabreicht werden kann, z. B. in
einem speziellen Ausführungsbeispiel,
in welchem sie zu dem Trinkwasser und/oder der Futterration des trockenen
Tieres zugegeben wird.
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Gemäß einem
weiteren Gesichtspunkt der Erfindung wird eine Zusammensetzung bereitgestellt,
die in dem oben erwähnten
Verfahren zur Verhinderung von Hypokalzämie in einem laktierenden Tier
eingesetzt wird. Die Zusammensetzung umfasst eine für die per
orale Verabreichung geeignete Form einer Verbindung welche die Absorption
des Kalziums aus dem Trinkwasser und/oder aus der Futterration des
besagten Tieres reduziert.
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In
einem vorteilhaften Ausführungsbeispiel der
Zusammensetzung gemäß der Erfindung
ist die Verbindung eine der oben erwähnten kalziumbindenden Verbindungen.
Es ist selbstverständlich,
dass die Möglichkeit
besteht, eine Mischung aus zwei oder mehr kalziumbindenden Verbindungen
in derselben Zusammensetzung zu haben.
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In
einem geeigneten Ausführungsbeispiel der
Zusammensetzung gemäß der Erfindung
hat die Verbindung eine kompetitive Wirkung auf die Absorption des
Kalziums aus dem Trinkwasser und/oder aus der Futterration des trockenen
Tieres. Typische Beispiele für
solche Verbindungen sind Zinkverbindungen wie z. B. Zinkoxyd, ZnCl2 oder ZnSo4.
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Um
einen Abbau der Verbindung zu verhindern, bevor sie den geeigneten
Wirkort im Verdauungstrakt erreicht hat, kann die Verbindung gemäß der Erfindung
in einer verkapselten Form eingesetzt werden. Die Verbindungen,
die in der oben erwähnten
Zusammensetzung verwendet werden, können in jedes geeignete Verkapselungsmaterial
verkapselt werden. Gemäß einem
speziellen Ausführungsbeispiel
der Erfindung ist eine zur Einkapselung geeignete Substanz eine
Substanz, die aus der Gruppe ausgewählt ist, welche aus einem Fett,
einem nicht-Kalziumderivat eines Fettes wie einer Seife und einem
Stearat, ein Protein, ein Polysaccharid, eine Zellulose und ein
Derivat einer dieser Verbindungen, einem Gummi, einem Glykol und
Gelatine besteht.
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In
einem interessanten Ausführungsbeispiel umfasst
die Zusammensetzung gemäß der Erfindung eine
Verbindung, die in ein kalziumfreies Membranmaterial verkapselt
ist, welches bei Körpertemperatur des
laktierenden Tieres fest ist und einen pH von über 4 hat, welches sich bei
denselben Bedingungen und einem pH von unter 4,0 auflöst. Es ist
zu bemerken, dass eine in ein solches Membranmaterial verkapselte
Verbindung durch den Pansen eines Wiederkäuers transportiert werden kann,
ohne sich aufzulösen
und daher nicht aufgelöst
wird, bevor sie nach der Passage der Vormägen des Wiederkäuers den
Verdauungstrakt erreicht.
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Insbesondere
in Bezug auf Zinkverbindungen werden verkapselte Verbindungen bevorzugt.
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In
einem höchst
nützlichen
Ausführungsbeispiel
der Erfindung liegt die Zusammensetzung als eine Vormischung, eine
Flüssigkeit,
ein Pulver oder in Form von Granulaten, Pellets, Dragees, Tabletten, Pillen
oder Kapseln vor. Eine in dieser Form bereitgestellte Zusammensetzung
ist vorteilhaft für
den Anwender, denn sie kann leicht an das trockene Tier verabreicht
werden. In einem speziellen Ausführungsbeispiel
ist die Zusammensetzung zu dem Trinkwasser und/oder der Futterration
des laktierenden Tieres zugefügt
oder beigemischt. Es ist offensichtlich, dass eine solche Zusammensetzung
besonders geeignet ist, wenn Bauern ihre selber angebauten Feldfrüchte als
Futter verwenden.
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In
dienlichen Ausführungsbeispielen
der Zusammensetzung gemäß der Erfindung
umfasst die Zusammensetzung die eben erwähnten Verbindungen und wenigstens
einen weiteren Inhaltsstoff wie ein Vitamin, ein Mineral und einen
Träger.
Ein dienliches Beispiel für
einen solchen Träger
ist z. B. Kleie. Weitere Inhaltsstoffe können ausgewählt werden aus einem Zucker,
einem Stabilisator und einem einfärbenden Mittel. Zusätzlich ist
die Zusammensetzung kalziumfrei und nicht ansäuernd, mit anderen Worten,
die Zusammensetzung verursacht keine biologische Ansäuerung des
Urins des Tieres.
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Gemäß einem
weiteren Gesichtspunkt betrifft die Erfindung die Verwendung einer
Zusammensetzung gemäß der Erfindung,
enthaltend die Verabreichung einer direktiven Menge einer Verbindung
an ein Tier während
wenigstens einem Teil der Trockenperiode, wobei die Verbindung die
Absorption von Kalzium aus dem Trinkwasser und/oder aus der Futterration
des Tieres reduziert.
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Gemäß einem
weiteren Gesichtspunkt betrifft die Erfindung die Verwendung einer
Zusammensetzung gemäß der vorliegenden
Erfindung zur Verhinderung von Hypokalzämie in einem laktierenden Tier.
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Des
Weiteren wird ein Verfahren zur Verwendung einer Zusammensetzung
gemäß der Erfindung bereitgestellt,
um eine Hypokalzämie
in einem laktierenden Tier zu verhindern, wobei das Verfahren den Schritt
der Verabreichung einer effektiven Menge einer Verbindung an das
Tier während
wenigstens einem Teil der Trockenperiode umfasst, wobei die Verbindung
die Absorption von Kalzium aus dem Trinkwasser und/oder aus der
Futterration des Tieres entsprechend dem Verfahren der vorliegenden
Erfindung reduziert.
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Zusätzlich betrifft
die vorliegende Erfindung die Verwendung einer kalziumbindenden
Verbindung oder einer Zusammensetzung gemäß der Erfindung zur Herstellung
eines Medikaments zur Verhinderung von Hypokalzämie in einem laktierenden Tier.
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Die
Erfindung wird nachfolgend mit Beispielen und Zeichnungen, die jedoch
nicht limitierend sind, näher
beschrieben.
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Hierbei zeigt
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1 die
Antwort aus drei Kühen
(Nr. 169, 170 und 168) auf wiederholte kurzzeitige Phasen von Hypokalzämie, die
durch Testinfusionen mit EDTA induziert wurden. Die anderen drei
Kühe (Nr.
172, 175 und 176) wurden täglich
mit anionischen Salzen vor der EDTA-Testgabe behandelt. CAL = ionisiertes
Kalzium im Blut;
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2 zeigt
die Blut-Kalziummenge in Abhängigkeit
der oralen Verabreichung von Zinkoxyd an laktierende sowie nicht
laktierende Kühe.
Insgesamt wurden vier Behandlungen über den Zeitraum einer Woche
verabreicht. Die Pfeile deuten den Zeitpunkt der Behandlung an;
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3 zeigt
die Kalziumkonzentration im Blut von laktierenden Kühen, denen
4 Dosen Zinkoxyd über
den Zeitintervall einer Woche verabreicht wurden, sowie von nicht
laktierenden, unbehandelten Kühen.
Die Pfeile deuten den Zeitpunkt der Behandlung an;
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4 zeigt
die Antwort der Kalziumwerte im Blut von 2 laktierenden Kühen auf
die 4 Dosen Zinkoxyd, dargestellt durch das Ausmaß der Abnahme der
Kalziumkonzentration im Blut;
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5 zeigt
die Blut-Kalziumwerte von 5 Milchkühen in der späten Phase
der Laktation. Die Kurven zeigen die Antwort in Form einer Unterdrückung der
täglichen
Abnahme der Blut-Kalziumwerte während
der Verabreichung von 2 mal 500 g eines synthetischen Zeolith A
(Natriumaluminiumsilikat) pro Tag. Die Kurven zeigen weiterhin eine
späte Antwort
in Form eines „Überschießens" bei 24 Stunden nach
der letzten Verabreichung und davor; und
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6 zeigt
die Blut-Kalziumwerte von 4 nicht trächtigen, trockenen Kühen: Bei
2 handelt es sich um unbehandelte Kontrollen, 2 wurden einmal täglich mit
2 kg Zeolith A (Natriumaluminiumsilikat) am Tag 8, 9, 10 und 11
behandelt.
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7 zeigt die Serum-Kalziumwerte von A) 7
unbehandelten Kühen
und B) 7 mit Natriumaluminiumsilicat Typ A Zellolit behandelten
Kühen.
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Beispiel 1
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Wiederholte
EDTA-Infusionen in nicht laktierenden (trockenen) Kühen.
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1.1 Einführung
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Es
ist bekannt, dass Hypokalzämie
experimentell durch langsame intravenöse Infusion von EDTA induziert
werden kann. Eine solche induzierte Hypokalzämie wird aus verschiedensten
Gründen, die
bei Jorgensen et al. (1999) besprochen sind, vorgenommen.
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1.2 Material und Methoden
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Um
die Induktion einer Hypokalzämie
durch intravenöse
Infusion von EDTA in Kühen
zu untersuchen, wurden in dieser Studie sechs nicht laktierende (trockene)
Kühe verwendet.
Drei dieser Kühe
wurden nicht behandelt (Kuh Nr. 168, 169 und 170), die anderen drei
Kühe (Kuh
Nr. 172, 175 und 176) wurden zunächst
mit täglichen
Gaben von anionischen Salzen (Wang und Beede, 1992) vorbehandelt.
Diese Vorbehandlung ist bekannt dafür, dass sie ein Milchfieber
wirksam verhindert. In den zuletzt genannten Kühe waren die Pansen fistuliert,
um eine exakte tägliche
Dosierung der anionischen Salze zu erleichtern.
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Alle
Kühe wurden
getestet, ob eine Resistenz gegen eine Hypokalzämie, die durch die EDTA-Infusionstechnik
induziert wurde, vorliegt. Insgesamt wurden acht EDTA-Tests pro
Kuh gemäß der standardisierten
Methode von Melau et al. (1998) in 10-Tages-Intervallen durchgeführt. Mit
den standardisierten Tests wurden EDTA-Infusionen vorgenommen, bis
die Kuh unfreiwillig zu Boden ging aufgrund einer Muskelschwäche, die
durch die induzierte Hypokalzämie
verursacht wurde. Es wurde der Zeitraum aufgezeichnet, von dem Zeitpunkt
des Niedergehens bis die Kuh wieder normale Kalziumkonzentrationen
im Blut zeigte, wobei normale Kalziumkonzentrationen im Blut definiert
sind als ein Wert von über
1 mmol pro Liter ionisiertem Kalzium im Blut. Dieser Zeitraum wird
als Repräsentation
der Kalziummobilisationsrate der Kuh betrachtet und stellt daher
auch die Fähigkeit
der Kuh, einer Hypokalzämie zu
widerstehen, dar. Die Infusionszeiträume variierten zwischen den
einzelnen Kühen,
bewegten sich aber normalerweise in einem Bereich von 2 bis 4 Stunden.
Die Gesamtzeit, die eine Kuh einer Hypokalzämie während einem Test ausgesetzt
war, mit anderen Worten, während
der Infusion und während
der Erholungsphase, war im Bereich von 4 bis 8 Stunden.
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1.3 Ergebnisse
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Aus 1 ist
klar ersichtlich, dass sich der Zeitraum, den es bedurfte, um wieder
normale Blut-Kalziumkonzentrationen zu erlangen, in den drei unbehandelten
Kontrollkühen
nach 3 Infusionen deutlich verbesserte. Dies stellte sich durch
reduzierte Erholungszeiträume
dar. Ein Abfallen der Kurven der einzelnen Kühe deutet daher auf eine erhöhte Resistenz
gegen eine Hypokalzämie
hin. Im Vergleich werden auch die Ergebnisse der anderen drei in
derselben An und Weise getesteten Kühe dargestellt, die in dem
selben Experiment, jedoch nach einer 10tägigen Behandlung mit täglichen
Aniongaben vor dem EDTA-Test, teilnahmen. Wie zu erwarten, ist die
Erholungszeit für
diese Kühe
aufgrund der Behandlung vor der Testphase bereits bei dem ersten EDTA-Test
relativ kurz.
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1.4 Diskussion
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Hypokalzämische Schübe von wenigen Stunden
Dauer, die dreimal in einem Zehntagesinterval induziert wurden,
führen
zu einer verkürzten
Erholungsphase bei nachfolgenden ähnlichen Stimulierungen. Die
Wirkung war in derselben Größenordnung
wie jene, die nach täglichen
Anionzugaben aufgezeichnet wurde und von welcher bekannt ist, dass sie
Milchfieber verhindert.
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Beispiel 2
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Wiederholte Verabreichung
von Zinkoxyd an Kühe
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2.1 Einleitung
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Der
einzige bis heute bekannte Weg, eine Hypokalzämie über den oralen Weg (über den
Mund) zu induzieren, wurde als ein unerwünschter Nebeneffekt der Verabreichung
von Zink in der Form von Zinkoxyd an Rinder und kleine Wiederkäuer festgehalten
(Smith et. al. 1984). Eine derartige Behandlung wird gegen Gesichtsekzeme
bei Schafen und Rindern angewandt. Eine mögliche beeinträchtigende
Wirkung von wiederholten Stimulierungen gegenüber einer Resistenz gegen eine
Hypokalzämie
wurde in dieser Studie, die laktierende sowie nicht laktierende
(trockene) Kühe
einschloss, untersucht.
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2.2 Material und Methoden
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Sechs
Milchkühe
wurden in dieser Untersuchung einbezogen: zwei laktierende Kühe und zwei trockene
Kühe wurden über das
Maul mit Zinkoxyd in einer Menge von 120 mg pro kg Körpergewicht
behandelt. Zwei weitere laktierende Kühe wurden als unbehandelte
Kontrollen verwendet. Die behandelten Kühe erhielten in einem Zeitraum
von einer Woche vier Gaben von Zinkoxyd. Es wurde venöses Blut entnommen
und das Serum bei –37° C bis zu
einer späteren
Bestimmung des Gesamtkalziumgehalts aufbewahrt. Zu diesem Zweck
wurden Blutproben von allen sechs Kühen täglich eine Stunde nach der Morgenfütterung
entnommen. Zusätzliche
Proben wurden 5, 11, 23 und 35 Stunden nach der Zinkoxydgabe entnommen.
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2.3 Ergebnisse
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2 zeigt
die Antwort in der Kalziumkonzentration im Serum der laktierenden
Kühe sowie
der nicht laktierenden Kühe,
die mit der gleichen Menge Zinkoxyd pro kg Körpergewicht behandelt wurden. Es
wird offensichtlich, dass die am deutlichsten ausfallende Antwort
in den laktierenden Kühen,
gefolgt von den trockenen Kühen,
erreicht wurde. In den laktierenden Kühen dauerte die entstandene
Hypokalzämie
etwa 24 Stunden mit einem minimalen Wert von 1,4 bis 1,6 mmol pro
Liter, der nahezu 24 Stunden nach der Verabreichung auftrat. Diese
minimalen Werte waren niedriger als die niedrigsten akzeptablen
Werte von 2,17 mmol pro Liter einer normalen Kalziumkonzentration
im Serum (Ronol et. al. 1995). In 2 wird die
Antwort der laktierenden Kühe
noch deutlicher mit den Blutwerten der unbehandelten, nicht laktierenden
Kontrollen im Hintergrund gezeigt. 4 zeigt
die Antwort der laktierenden Kühe
auf die Zinkoxyddosen, die sich im Verlauf der Zeit änderten; in
anderen Worten mit der Zahl der Dosen veränderte sich die Kalziumbilanz
der Kühe
weniger und weniger.
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2.4 Diskussion
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Dieses
Experiment zeigte, dass hypokalzämische
Vorfälle
mit einer nahezu 24stündigen
Dauer in Milchkühen
wiederholt durch die orale Gabe von Zinkoxyd in einwöchigen Intervallen
ausgelöst
werden können.
Die Kurven in 4 haben einen nach unten gerichteten
Verlauf. Die Tatsache, dass sie nicht horizontal verlaufen, zeigt,
dass die Resistenz der Kühe
auf die induzierte hypokalzämischen
Anforderungen mit der Anzahl der durch Zinkoxyd induzierten hypokalzämischen
Perioden zunimmt.
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Beispiel 3
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Wiederholte Verabreichung
von synthetischen Natriumaluminiumzeolith A an laktierende Kühe
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3.1 Einführung
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So
genannte Kalziumbinder werden weithin in verschiedenen Industrien
eingesetzt, z. B. der Seifen und Detergenz herstellenden Industrie
oder als Wasserweichmacher in Anlagen zur Wasserbehandlung. Zahlreiche
natürliche
Mineralien der Zeolithfamilie wie auch synthetische Zeolithe sind
starke Kationenaustauscher und werden als solche für die Anziehung
von Kalzium in der Form von Ca2+ im Austausch
mit anderen Kationen wie Natrium (Na2+)
eingesetzt. Im nachfolgenden Experiment wurde einer Gruppe von Milchkühen ein
solches Zeolith gegeben und die Kalziumkonzentration in deren Serum überwacht.
Es wurde beabsichtigt, eine direkte Wirkung auf die Kalziumkonzentration
im Serum während
der Nassphase, sowie eine mögliche
verzögernde
Wirkung, die eventuell mit einer Resistenz gegen die Hypokalzämie verbunden
ist, zu untersuchen. In diesem Experiment wurden laktierende Milchkühe als Modell für nicht
laktierende (trockene) Kühe
eingesetzt.
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3.2 Material und Methoden
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Es
wurden fünf
Kühe der
Dänischen
Rotviehrasse in der späten
Laktationsphase eingesetzt. Die Kühe gaben annähernd 20
kg Milch pro Tag und wurden nur einmal täglich, nämlich am Morgen, gemolken.
Nach einer anfänglichen
Nulllinienphase erhielt jede Kuh 0,5 kg des Zeoliths zweimal täglich für zwei aufeinander
folgende Tage über
eine Magensonde. Am dritten Tag wurden die Kühe nur am Morgen behandelt.
Auf diese Art und Weise erhielt jede Kuh eine Gesamtmenge von 2,5
kg. Das eingesetzte Zeolith war ein synthetisches Natriumaluminiumsilicat
(Dedima 100; Degussa-Hüls
AG, Deutschland). Allen Kühen
wurde zweimal täglich
Blut entnommen: um 10 Uhr morgens und um 10 Uhr abends. Das Serum
wurde bei –18° Celsius
aufbewahrt und später die
Gesamtkalziumkonzentration analysiert.
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3.3 Ergebnisse
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5 zeigt
die durchschnittliche Antwort der Kalziumkonzentration im Serum
der fünf
Kühe. Es
ist zu sehen, dass die Grundlinienwerte der Kalziumkonzentration
des Serums vor der Verabreichung täglich um vergleichsweise geringe
Werte am Morgen schwankten und nachfolgend ein Anstieg über den
Tag zu sehen ist. Während
der Verabreichung der Zeolithe wurde eine Unterdrückung in
der Erhöhung
der Serumkalziumwerte über
den Tag im Vergleich zu, vor der Verabreichung, festgestellt. 24 Stunden
nach der letzten Verabreichung und anschließend war die tägliche Schwankungsbreite
wieder voll hergestellt, jedoch bewegte sie sich nun auf einem höheren Niveau
im Vergleich zu der anfangs aufgezeichneten Grundlinie.
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3.4 Diskussion
-
Dies
war die erste Untersuchung mit Dedima 100 in Kühen und es zeigte sich, dass
bei der verabreichten Dosis der Spiegel der Kalziumkonzentration im
Blut während
der Verabreichung unterdrückt
ist und dass die Tiere hierauf mit einem erhöhten Kalziumspiegel nach dem
Zeitraum der Verabreichung reagieren. Das zuletzt genannte Phänomen ist
auch aus anderen Beschreibungen der Hypokalzämie bekannt und von Hove (1987)
als „Überschießen" bezeichnet. Hove
beschrieb es als Antwort auf die Freisetzung eines Nebenschilddrüsenhormones
(PTH), welches ein Teil der direkten Abwehrmechanismen gegen Hypokalzämie eines
Organismuses ist.
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Beispiel 4
-
Wiederholte Verabreichung
von synthetischen Natriumaluminiumzeolith A an trockene Kühe
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4.1 Einführung
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Das
vorliegende Experiment wurde mit trockenen, nicht trächtigen
Kühen als
Modell für
trockene, trächtige
Kühe durchgeführt. Es
wird erwartet, dass nicht trächtige,
trockene Kühe
weniger anfällig für Hypokalzämie sind
als trächtige
trockene Kühe, da
die zuerst benannten einen niedrigeren Kalziumbedarf haben.
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4.2 Material und Methoden
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Vier
nicht trächtige,
trockene Milchkühe
wurden verwendet. Zwei von diesen wurden mit Dedima 100 für vier Tage
mit einer einfachen Dosis von 2 kg pro Tag behandelt; während die
anderen beiden als unbehandelte Kontrollen dienten. Von allen vier
Kühen wurde
täglich
um 10 Uhr, d. h. zwei Stunden nach der Morgenfütterung, venöses Blut
entnommen. Zusätzliche
Blutproben wurden an den Tagen der Verabreichung um 10 Uhr abends
entnommen.
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4.3 Ergebnisse
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Im
Vergleich zu den unbehandelten Kontrollkühen wurde bei den beiden Versuchstieren
eine Abnahme in der Kalziumkonzentration des Blutes im Anschluss
an die experimentelle Behandlung gesehen. Wie es aus 6 zu
ersehen ist, ist diese Abnahme in der Kalziumkonzentration des Blutes
in einer Kuh (die Zeolith-1-Kuh) nur schwach und dauerte nur 1 bis
2 Tage an. Bei der anderen Kuh (die Zeolith-2-Kuh) wurde eine deutlichere
Abnahme in der Kalziumkonzentration des Blutes aufgezeichnet. Diese
war am deutlichsten zwei Tage nach Gabe der ersten Dosis und erreichte
am dritten Tag nach der Verabreichung 1,8 mmol pro Liter. Sie blieb
unternormal bis 3 Tage nachdem die letzte Dosis verabreicht war. Es
wurde eine Verminderung im Appetit der beiden Versuchstiere festgestellt
und in der Zeolith-2-Kuh wurde eine vorübergehende Darmträgheit aufgezeichnet.
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4.4 Diskussion
-
Dieses
Experiment zeigt, dass eine Hypokalzämie einer nicht trächtigen,
trockenen Kuh durch die orale Verabreichung eines Zeoliths über 4 Tage induziert
werden kann. Es zeigt außerdem,
dass die individuelle Variationsbreite zwischen solchen Kühen deutlich
sein kann. Der aufgezeichnete Unterschied war vergleichbar mit dem
Unterschied, der in vorangegangenen Studien (Beispiel 2) mit Zinkoxyd
in denselben Kühen
zu sehen war.
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Beispiel 5
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Verhinderung einer Hypokalzämie in kalbenden
Kühen
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5.1 Einführung
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In
einer normalen Milchkuhpopulation durchläuft ein Anteil der Kühe eine
hypokalzämische
Phase in Abhängigkeit
des Kalbens. Die hypokalzämische
Phase tritt in Form von Milchfieber 0 bis 2 Tage nach der Entbindung
in den meisten dieser Kühe
auf und ihre Ernsthaftigkeit erhöht
sich mit zunehmenden Geburten. Es ist insbesondere bekannt, dass
Kühe bei
der dritten Geburt oder darüber
besonders anfällig
für Milchfieber
und subklinische Hypokalzämie sind.
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5.2 Material und Methoden
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Vierzehn
nicht laktierende trächtige
Jersey-Kühe
aus derselben Herde wurden in einer kontrollierten Studie mit aufgeteilter
Herde verwendet. Allen Kühen
wurde die Standardration für
trockene Kühe
der Farm gefüttert.
Zusätzlich
wurden sieben der Kühe
der Erfindung ausgesetzt, indem sie eine Vormischung mit kalziumbindender
Kapazität
(Natriumaluminiumsilicat Typ A Zeolith) in ihrem Futter erhielten.
Die Vormischung wurde von vier Wochen vor der erwarteten Kalbung
bis zur Kalbung gegeben. Alle Kühe
erhielten 250 g Kalziumcarbonat pro Tag in Form einer wässrigen
Suspension, die über
eine Flasche in das Maul einmal täglich beim Kalben und die darauf
folgenden zwei Tage gegeben wurde. Die erste Blutprobe, Nr. 1, wurde
beim Kalben entnommen, während
die Probe 2 und 3 einen bzw. zwei Tage nach dem Kalben gezogen wurden.
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Die
Wirkung der Erfindung, ausgedrückt
als der Unterschied zwischen den Blutprobenergebnissen der Kühe die der
Erfindung ausgesetzt waren und den nicht von der Erfindung betroffenen
Kühe, wurde
statistisch ausgewertet. Die Ergebnisse der ersten zwei Proben von
jeder Kuh wurden eingeschlossen und mittels der statistischen Methode PROC
MIXED für
Messwiederholungen (SAS Institut) analysiert.
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5.3 Ergebnisse
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Die
individuellen Ergebnisse der Kühe
sind in 7 gezeigt. Die Zahlen in Klammer
sind die Geburtenanzahl (Anzahl der Kalbungen) der jeweiligen Kühe. Wie
aus 7A ersichtlich ist, sind die Ergebnisse der verschiedenen
Kontrollkühe
höchst
variabel und insbesonders Kühe
mit höheren
Geburtenzahlen haben Blutkalziumwerte unter dem kritischen Wert
von 2 mmol pro Liter (durchgezogene horizontale Linie) für Hypokalzämie. Die
Kühe Nr.
1057, 1149 und 1187 bekamen Milchfieber, so dass eine tierärztliche
Betreuung und eine Behandlung mit einer Kalziumzusammensetzung über das
Blut notwendig wurde, was wiederum den drastischen Anstieg in den Blutproben
einiger dieser Kühe
erklärt.
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7B zeigt
vergleichbare Ergebnisse von Kühen,
die der Erfindung ausgesetzt waren. Keine dieser Kühe erlitt
Milchfieber und, wie zu sehen ist, sind die Probenergebnisse in
keiner dieser Kühe
unter dem kritischen Wert für
Hypokalzämie
von 2 mmol pro Liter. Milchfieber sowie eine subklinische geburtsbedingte
Hypokalzämie
konnte folglich vollständig
verhindert werden.
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Der
Unterschied zwischen den der Erfindung nicht ausgesetzten Kühen in Fig.
A und den der Erfindung ausgesetzten, ansonsten aber vergleichbaren Kühen in Fig.
B ist offensichtlich und statistisch höchst signifikant (P-Wert < 0,01).
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5.4 Diskussion und Schlussfolgerung
-
Es
kann zusammengefasst werden, dass die Behandlung der Kühe mit dem
Erfindungsgegenstand Milchfieber sowie eine subklinische geburtsbedingte
Hypokalzämie
vollständig
verhindert. Diese Wirkung sollte im Verhältnis zu der Wirksamkeit der meisten
gegenwärtig
eingesetzten vorbeugenden Verfahren gesehen werden, wie der Ansäuerung von trockenen
Kühen durch
eine Anionenzuführ
in deren Futterration, welche darüber hinaus nur partiell wirkt und
eine Wirksamkeit mit einem Maximum von 50 bis 60 % erreicht. Ohne
an die Hypothese der vorliegenden Erfindung gebunden zu sein, kann
ihre Wirksamkeit als überraschend
hoch beschrieben werden.
-
Literaturverzeichnis
-
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milk fever by dietary means. The effect of a concentrate fortified
with mineral salts. Acta vet. scand., 23. 336–343.
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