DE590908C - Verfahren zur Herstellung eines Scharlachserums - Google Patents
Verfahren zur Herstellung eines ScharlachserumsInfo
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Description
- Verfahren zur Herstellung eines -Scharlachserums Die Scharlachstreptokokken nehmen eine Sonderstellung ein im Vergleich zu anderen Bakterien, z. B. der Diphtherie, des Tetanus, der Dysenterie. Mit diesen letztgenannten Bakterien selbst (Endotoxin) kann man die diesen betreffenden Mikroorganismus charakterisierenden Erscheinungen nicht hervorrufen, dagegen mit Scharlachstreptokokken, ebenso wie mit ihrem Exotoxin.
- Mit Streptokokkusvaccin, welches keine Bouillon enthält, sondern nur abzentrifugierte Streptokoldcenkörper (ohne Toxin), kann Impfscharlach ausgelöst werden.
- Mit Gabritschevskyschem Vaccin, das kein freies Toxin, sondern nur Streptokokkenkörper enthält, kann antitoxische Immunität erzielt werden. (Vgl. Monatsschrift für Kinderheilkunde Bd. 37 Seite 543, Bd. 44 Seite 34I)-Diese Sonderstellung der Streptokokken ist dadurch begründet, daß, obwohl der Hauptteil des Toxins während der Züchtung sich in die Nährbodenflüssigkeit sezerniert, doch ein genügend großer Teil aus dem Dakterienkörper isolierbar ist, dessen Wirkung mit jener des wirklichen Toxins übereinstimmt.
- Diese im Streptokokkenkörper vorhandenen Toxine werden auch durch die Wirkung der spezifischen Bakteriolysine in der dritten Woche der Krankheit frei und verursachen die Spätkomplikation, wenn im ersten Stadium der Krankheit die antitoxische Immunität nicht genug stark, ausgebildet ist. Im anderen Falle werden sie neutralisiert. Manchmal äußert sich die Spätkomplikation (das zweite Kranksein) als ein mit dem Frischscharlach in seinem Aussehen identischer zweiter Scharlach, und so ist auch klinisch die Identität der beiden Gifte erwiesen (vgl. Jahrbuch für Kinderheilkunde . Bd. 77 Seite 335).
- Das Wesen der Erfindung ist, daß bei künstlicher Erzeugung des Scharlachserums man diese Sonderstellung der Streptokokken, daß sie nämlich wirkliches Toxin auch in ihrem Körper enthalten, berücksichtigen muß.
- Die Scharlachbakterien haben im abgetöteten Zustand wirkliche Toxinwirkung, abweichend von den früher erwähnten Bakterien. Nur in lebendem Zustand und ohne Toxin verwendet, können sie gleich die spezifischen Bakteriolysine provozieren.
- Wenn daher lebende und abgetötete Scharlachstreptokokken zusammen angewendet werden, wird der Organismus nach zwei Richtungen hin gleichzeitig in Anspruch genommen, genau so, wie wenn lebende Bakterien mit freiem Toxin zusammen angewendet worden wären. Es werden nämlich die abgetöteten Streptokokken sofort aufgelöst, und das frei gewordene Endotoxin und die lebenden Bakterien wirken gleichzeitig auf den Organismus. Der Toxinreiz drückt den Bakterienreiz zurück. Denn wenn auch der tierische Organismus imstande wäre, nach beiden Richtungen hin gleichzeitig zu reagieren, so wäre er doch dadurch zu stark belastet.
- Wenn nur lebende Streptokokken allein verwendet werden, dann werden die Toxine nur auf Wirkung der spezifischen Bakteriolysine frei, diese äußern ihre Reizwirkung auf den Organismus nur dann, wenn schon die spezifischen Bakteriolysine produziert worden sind, wenn also der Zweck erreicht ist.
- Der kindliche Organismus gestattet nur ein dissoziiertes Zurgeltungkommen der Reize. Trotzdem er zu Anfang der Krankheit dem gemeinsamen Reiz der Toxine und Bakterien gegenübersteht, so neutralisiert er doch in erster Reihe die Toxine in 3 bis 4 Tagen und bildet die antitoxische Immunität aus (bis zum zehnten Tage), und nur nach der dritten Woche befaßt er sich mit der Wirkung der Bakterien, welche also ohne Toxin nur allein ihren spezifischen Reiz ausüben.
- Rekonvaleszensserum (aus der sechsten Woche) von solchen Fällen, in denen die Dissoziation dem Organismus gut gelungen ist, enthält beide Antikörper gegen Scharlachstreptokokken. Bei der Herstellung der bisherigen Heilsera gegen Scharlach ist diese Dissoziation der Reize nicht durchgeführt, und daher haben sie auch keinen genügenden Gehalt an spezifischem Bakteriolysin.
- Beispiel ' Man impft die Tiere mit Streptokokkenfiltrat von steigender Menge bis zu?n Erreichen der antitoxischen Immunität; dann werden sie, nachdem sie so gegen das Eigentoxin der Streptokokken desensibilisiert worden sind, nur mit steigenden Mengen von in physiologischer Kochsalzlösung aufgeschwemmten avirulenten Streptokokken subkutan oder intravenös geimpft, die vorher in Lingelsheimscher Bouillon gezüchtet und abzentrifugiert worden waren. Nach Erlangung eines in 'bezug auf beide Antikomponenten hochwirksamen Serums wird den Tieren das Blut zur Gewinnung von Serum entnommen und dieses mit oder ohne Zusatz von konservierenden Stoffen in Ampullen steril abgefüllt.
Claims (1)
- PATRNTANSPRUCIi: Verfahren zur Herstellung eines Scharlachserums, dadurch gekennzeichnet, daß man Tiere in an sich bekannter Weise zuerst mit Toxinen der Scharlachstreptokokken und dann mit lebenden avirulenten Scharlachstreptokokken behandelt, worauf in üblicher Weise das Serum gewonnen wird.
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