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Verfahren zur Herstellung von Kautschukgegenständen aus Kautschukmilch
Die vorliegende Erfindung betrifft eineweitere Ausgestaltung des Verfahrens des
Hauptpatents 554 $2o. -Nach dem Verfahren dieses Patents werden poröse Kautschulcgegenstände
erhalten durch Gießen von Gips-Kautschukmilch-Mischungen, die durch einen ausreichend
hohen Wassergehalt, d. h. einen solchen, der die Menge des durch den Gips chemisch
zu bindenden Wassers übersteigt, und durch stabilisierende Zusätze vor vorzeitiger
Koagulation geschützt sind. Weitere Versuche haben gezeigt, daß derartige Mischungen
sich vorzüglich zum Auftragen durch Aufspritzen eignen. In dieser Ausführungsform
erweist sich das Verfahren als besonders zweckmäßig zum Herstellen oder zum Überziehen
von Gegenständen mit unebenen Oberflächen, z. B. zum Auskleiden von Gefäßen oder
zur Herstellung oder Überkleidung von ebenen ausgedehnten Objekten, z. B. zur Herstellung
von Fußbodenbelag; Straßenbelag, Matten u. dgl.
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Es ist bekannt, Kautschukmassen herzustellen aus Kautschukmilch unter
Zusatz von Zement, Asbestine, Gips und ähnlichen `wasserentziehenden Mitteln in
solcher Menge, daß das Wasser der Kautschukmilch gebunden wird, so daß eine dicke
Masse entsteht, die unter Druck in Formen gepreßt oder als Paste auf betonierten
Böden; ähnlich Asphalt, aufgestrichen werden und durch Beschweren mit heißen Eisenplatten
vulkanisiert werden kann.
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Es ist ferner bekannt, Kautschukmilch mit Konservierungsmitteln, indifferenten
Füllstoffen und Wasser zu verrühren und die so erhaltene Mischung entweder als Tauchbad
zu benutzen oder sie mit Zement in einer Mischmaschine zu einem steifen Brei zu
verarbeiten, der dann zu Ziegeln, Blöcken u. dgl. geformt werden kann.
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Die zuerst erwähnte Arbeitsweise beruht auf dem Gedanken, daß die
wasserbindenden Mittel durch Wasserentziehung den Kautschuk aus der Kautschukmilch
abscheiden, d. h. ausflocken, und zur Koagulation bringen. Es wird daher nach dieser
Methode der Kautschukmilch mindestens so viel von den wasserentziehenden Mitteln
(Zement, Asbest, Gips u. dgl.) zugefügt, wie nötig ist, um das Wasser völlig zu
binden.
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Nach der zweiten Methode wird mit größeren Wassermengen nur dann gearbeitet,
wenn indifferente Füllstoffe, wie z. B. Ton, verwendet werden, während mit Zuschlägen
von Zement nur in so wasserarmen Systemen gearbeitet wird, daß die Massen unmittelbar
formbar sind.
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Bei den bekannten Verfahren wird demnach bei Verwendung von wasserbindenden
Stoffen
dem System nie mehr Wasser zugeführt, als diese Stoffe zu
binden, vermögen, während erfindungsgemäß die Wassermengen größer sind als die zu
bindenden, wodurch erreicht wird, daß die Mischungen sich spritzen lassen. Ferner
führt das erste der erwähnten bekannten Verfahren nach der Vulkanisation, das zweite
ohne solche zu festen, dichten, spezifisch schweren und unporösen, vollkommen in
sich geschlossenen, wasserundurchlässigen Kautschüktnischungen. Im Gegensatz hierzu
wird nach dem vorliegenden Verfahren ein kautschukhaltiges Endprodukt erhalten,
das sehr fein porös und infolgedessen hoch elastisch ` und spezifisch leicht ist.
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Es ist auch bereits bekannt, glycerinhaltige Kautschukmilch z. B.
auf in Bewegung gehaltene Betonmasse zu spritzen und auf diese Weise mit ihr zu
vermischen. Das Verspritzen von Kautschukmilch, die mit wasserentziehenden Stoffen
gemischt ist, wurde aber bei diesem Verfahren vermieden.
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Die erfindungsgemäße Arbeitsweise wird ari den folgenden Beispielen
erläutert. Beispiele 1. 13,2 kg des unter dem Namen Revertex bekannten, etwa 75ojoigen
Kautschukmilchkonzentrates, 0,4 kg Zn O, 0,3 kg S, o, o7 kg des unter dem Namen
Vulkazit 774 bekannten Beschleunigers Cyclohexyläthylamin, 0,03 kg des unter dem
Namen Vulkazit Thiuram bekannten Beschleunigers Tetramethylthiuramdisulfid, 0,15
kg des unter dem Handelsnamen Litholorange RN Teig von der I. G. Farbenindustrie
A.-G. vertriebenen Farbstoffes werden in einer Farbmühle innig vermischt und diese
Mischung mit einer Anteigung von 12 kg Estrichgips mit 41 einer 501oigen Caseinlösung
vermengt. Die so gebildete, beim Stehen von selbst vulkanisierende Mischung kann
unter Verwendung von Spritzdüsen von z. B. 6 mm. Weite aufgetragen werden und eignet
sich z. B. als Fußbodenbelag.
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2. 13,2 kg des im Beispiel z genannten Kautschukmilchkonzentrats
Revertex, 0,4 kg Zn O; 0,3 kg S, 0,07 kg des im Beispiel i genannten Beschleunigers
Cyclohexyläthylamindithiocarbamat, 0,o31ig des im Beispiel i genannten Beschleunigers
Tetramethylthiuramdisulfid, o;15 kg des von der I. G. Farbenindustrie A.-G. unter
dem Namen Indanthrenblau GGSL in den Handel gebrachten Farbstoffes werden in der
Farbmühle vermengt und mit einer Anteigung von 2o kg Estrichgips mit 6,61 511oiger
Caseinlösung innig vermischt und die Mischung dann mit 2,51 Benzol verrührt.
Auch diese Mischung vulkanisiert bei Zimmertemperatur im Laufe der Zeit. Sie wird
zweckmäßig mit einer Düse von z. B. 12 mm Weite aufgetragen.
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3. Eine weitere brauchbare selbstvulkanisierende Mischung errä:lt
man auf folgende Weise: 13;2 kg des im Beispiel i genannten Kautschukmilchkonzentrats
Revertex, o,4kg S, o,5 kg Zn 0, 0,07 kg des im Beispiel i genannten Beschleunigers
Cyclohexyläthylamindithiocarbamat, 0,03 kg des im Beispiel i genannten Beschleunigers
Tetramethylthiuramdisulfid werden vermahlen und mit einer Mischung von
30 kg Alabastergips mit 40 kg iooloiger Caseinlösung vermengt, worauf man
noch weitere 5 kg einer 5o/oigen Caseinlösung zufügt.
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4. 13,2 kg des im Beispiel i genannten Kautschukmilchkonzentrats Revertex,
o,5 kg Zn 0, o,2 kg S, 0,05 kg des unter dem Handelsnamen Vulkazit CT bekannten
Beschleunigers, o,o5 kg des unter dem Handelsnamen Vulkazit 774 bekannten Beschleunigers
Cyclohexyläthylamindithiocarbamat, 0,5 kg Paraffinemulsion, o,2 kg des als Permanentrot
(Teig) bekannten Farbstoffs werden in der Farbmühle gemischt, dann mit einer Anteigung
von 14k- Estrichgips, 5,41 einer 6ojoigen Lösung des unter dem Namen »Igepon« bekannten
sulfonierten Fettsäurederivates verrührt. Die Mischung wird dann auf eine Unterlage;
z. B. Jute oder eine Glasplatte, gespritzt, einen Tag lang bei Zimmertemperatur
getrocknet und dann, gegebenenfalls nach Loslösung von der Unterlage - vorteilhaft
in einem schwachen Luftstrom -, 2 Stunden lang bei 9o° vulkanisiert.