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Verfahren zum Bleichen von Textilfasern und Geweben, insbesondere
Leinen, mit Ozon Es sind bereits mehrfach Vorschläge gemacht worden, um die für
die Bleichung und Reinigung von Textilfasern übliche Rasenbleiche durch eine Ozonbehandlung
zu ersetzen. . Ein bekannter Vorschlag in dieser Richtung besagt, daß man die mit
Ozon zu bleichenden Textilfasern in einer besonderen Apparatur mit oder ohne gleichzeitige
Anwendung chemisch wirkender Strahlen unter dauernder Bewegung des Bleichgutes behandeln
solle. Es ist auch von anderer Seite bereits vorgeschlagen worden, die zu behandelnden
Textilfasern oder Gewebe vor der Ozonbehandlung anzufeuchten, insbesondere mit einer
chemisch wirksamen Flüssigkeit, vorzugsweise einer Säure. Auch ist es bekannt, bei
der Ozonbehandlung eine genaue Dosierung der Konzentration des zugeführten Ozons
vorzunehmen. Für die Zuführung des Ozons hat man in dem Behandlungskasten bei bekannten
Einrichtungen eine Anzahl von Durchtrittsöffnungen vorgesehen, während zur Abführung
meist ein schornsteinartiger Aufsatz benutzt wurde. Zur Führung des zu behandelnden
Gutes hat man im allgemeinen Walzen benutzt, die frei drehbar angeordnet waren und
über die das zu behandelnde Gewebe abwechselnd von oben nach unten und von unten
nach oben hinweggezogen wurde. Schließlich ist auch die Anwendung eines Wasserabschlusses
an der Eintrittsstelle in den Behandlungskasten bereits vorgeschlagen worden.
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Da aus der Literatur bekannt ist, daß die Bleichwirkung von Ozon in
verdünntem Zustande nur sehr gering ist, so war man bei den bekannten Verfahren
bestrebt, verhältnismäßig hohe Ozonkonzentrationen anzuwenden, die wiederum den
Nachteil mit sich brachten, daß nur bei ganz sorgfältiger Überwachung der Ozonkonzentration
unter Anwendung besonderer Sicherheitsmaßnahmen ein die Haltbarkeit der Textilfasern,
insbesondere des Leinens, schädigender Angriff vielleicht vermieden werden konnte.
Keines der bekannten Verfahren hat sich in der Technik so bewährt, daß es ständig
in Gebrauch genommen wurde.
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Die Erfindung betrifft ein neues Verfahren zur Behandlung von Textilfasern
und Geweben, insbesondere Leinen, mit Ozon, das nach den umfangreichen Versuchen
als Ersatz für die Rasenbleiche vorzüglich geeignet ist. Gemäß der Erfindung wird
für die Erzielung einer Bleichwirkung bzw. für die Aufschließung zu Bleichzwecken
der Feuchtigkeitszustand des zu behandelnden, in an sich bekannter Weise ständig'
bewegten, angefeuchteten Gutes während der ganzen Dauer der Behandlung mit Ozon
möglichst gleichmäßig aufrechterhalten und eine verhältnismäßig sehr geringe Ozonkonzentration,
die für Leinen bis zu höchstens 2gpro Kubikmeter Luftbeträgt,angewendet. Die möglichst
gleichmäßige Aufrechterhaltung des Feuchtigkeitszustandes des Gutes während der
Behandlung mit Ozon läßt sich beispielsweise dadurch erreichen, daß man mit Wasserdampf
gemischte
ozonisierte Luft in den Behandlungskasten einführt und den Wasserdampfgehalt des
Gasgemisches entsprechend sorgfältig dosiert. Zur Durchführung des neuen Verfahrens
ordnet man zweckmäßig eine größere Anzahl von Eintrittsöffnungen für das Ozonluftgemisch
auf der einen Seitenwand des Kastens und entsprechende Austrittsöffnungen auf der
gegenüberliegenden Seitenwand des Kastens derart an, daß das Ozonluftgemisch seitlich
durch die einzelnen Stoffbahnen möglichst gleichmäßig hindurchstreichen kann und
damit eine besonders gleichmäßige Behandlung eintritt. Es empfiehlt sich,, nicht
alle Führungswalzen frei drehbar anzuordnen, sondern einige der Führungswalzen mit
einer gemeinsamen Antriebsvorrichtung zu verbinden, um dadurch ein Verziehen des
zu behandelnden Gutes während der Behandlung mit Sicherheit zu vermeiden. Die Einstellung
des Gutes auf den geeignetsten Feuchtigkeitsgrad kann am besten dadurch erfolgen,
daß innerhalb des Behandlungsraumes vor der ersten Führungswalze eine Abquetschvorrichtung
für das naß eingebrachte Gut angeordnet ist, die entsprechend eingestellt wird.
Dadurch, daß man nicht nur in an sich bekannter Weise die Eintrittsstelle des Gutes
in den Behandlungsraum, sondern auch die Austrittsstelle aus demselben mit einem
Wasserverschluß nach außen abdichtet, wird eine besonders zweckmäßige Ausführungsform
der Erfindung geschaffen. Diese Anordnung ist deshalb besonders angebracht, weil
durch die eigenartige Zuführung und Ableitung des Ozonluftstromes an den Seitenwänden
des Behandlungskastens der Ozongehalt an der Eintrittsstelle des Bleichgutes ebenso
groß ist wie an der Austrittsstelle, wie übrigens auch an allen übrigen Stellen
des Behandlungsraumes. Im Interesse möglichst gleichmäßiger Einwirkung des in dem
Gasgemenge enthaltenen Ozons ist der Weg durch den Behandlungskasten hindurch ein
sehr kurzer, im Gegensatz zu den früher in der Literatur behandelten längen Behandlungskanälen.
Allerdings wird dabei naturgemäß das Ozon bis zum Austritt nicht voll ausgenutzt,
was aber bei der geringen zur Anwendung kommenden Ozonkonzentration wirtschaftlich
ohne Bedeutung ist.
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Auf den Zeichnungen ist ein Ausführungsbeispiel für eine zur Durchführung
des neuen Verfahrens geeignete Einrichtung veranschaulicht. Abb. i zeigt eine Ansicht
des Raumes, in -dem das Leinen ozonisiert wird, von oben, Abb. 2 einen Schnitt nach
der Linie A-B der Abb. i und Abb. 3 eine Vorderansicht mit schematischer Darstellung
der Gesamtanlage. Das in einem Ozonapparat a in bekannter Weise aus Luft mit Hilfe
stiller elektrischer Entladungen erzeugte Ozon wird durch eine Rohrleitung b mittels
eines Gebläses c abgesaugt und durch eine Leitung d in einen Behälter e eingeführt,
in dem die ozonisierte Luft angefeuchtet wird. Diese Anfeuchtung hat den Zweck,
den Feuchtigkeitsgehalt des Leinens während der ganzen Behandlungsdauer gleichmäßig
zu halten. Von dem Behälter e gelangt die ozonisierte Luft über ein Röhrensystem
f in den Behandlungsraum g, in dem sie auf das zu behandelnde Gut einwirkt. Ein
Röhrensystem h, das ähnlich wie f ausgebildet sein kann, leitet die
Luft dann wieder aus dem Behandlungsraum gab in einen Lufttrockner i, von wo aus
die Luft durch eine Leitung k dann wiederum dem Ozonapparat a
zugeführt wird.
Die dargestellte Anordnung sieht die Durchführung des Ozonisierungsprozesses,in
einem geschlossenen Kreislaufgang vor. Es ist aber auch möglich, die durch den Behandlungsraum
g hindurchgegangene Luft entweichen zu lassen und dem Ozonapparat a ständig neue
Luft zuzuführen.
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In dem Behandlungsraumg sind oben Walzen z und unten Walzen 2 angeordnet,
die dazu dienen, das. zu behandelnde Gut während der Dauer der Ozoneinwirkung in
ständiger Bewegung zu halten. An den Stellen, wo das Bleichgut in den Behandlungsraum
eintritt und wieder aus ihm austritt, sind Wasserverschlüsse 3 und 3' mit Abquetschvorrichtungen
q. und q.' angeordnet. Außerhalb des Kastens befindet sich an der Eintritts- und
an der Austrittsseite je ein Ablagerungskasten 5 und 5'.
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Das Ozon wird in einer Konzentration von untere gproKubikm.eterLuft,
nach denVersuchen zweckmäßig nur- o,2 bis 0,4 g, mittels des Röhrensystems f an
mehreren Stellen in den Behandlungsraum eingeführt. Der Austritt erfolgt an der
entgegengesetzten Seite wiederum an mehreren Stellen durch das Röhrensystem h. Durch
den Eintritt an der einen und den Austritt an der anderen Seite entsteht in dem
Behandlungsraum g eine ununterbrochene Luftbewegung. Das .zu behandelnde Leinen
wird nach Abb. 2 aus dem Ablagerungskasten 5 über Leitwalzen 6 in nicht näher dargestellter
Weise in den mit Wasser gefüllten Behälter 3 geführt, der zugleich als Wasserabschluß
für den Behandlungsraum g dient. Aus dem Wasserabschluß 3 gelangt das während des
Durchganges sehr naß gewordene Leinen durch die Abquetschvorrichtung q., die sich
innerhalb des Behandlungsraumes g befindet. Die Abquetsch-Yorrichtung wird- so eingestellt,
daß das nasse Leinen durch sie auf den geeignetsten Feuchtigkeitsgrad abgequetscht
wird, der durch einen Probeversuch für jede Stoffart ein für allemal. festgelegt
werden kann. Von der Abquetsch-"vorrichtung q. aus geht das Leinen dann abwechselnd
über obere Walzen i und untere Walzen 2, deren Zahl und Abstand von der Zeit abhängig
ist, während der -das Bleichgut der Ozonwirkung in dem abgeschlossenen Behandlungsraum
g ausgesetzt werden soll. Die Mehrzahl
der Walzen wird am besten
frei drehbar gelagert. Um eine gleichmäßige Fortbewegung des Leinens in dem Behandlungsraum
g zu erreichen und ein Dehnen zu verhüten, wird eine gewisse Anzahl der Walzen mit
ein und derselben Antriebsvorrichtung in nicht näher dargestellter Weise verbunden.
Man kann z. B. die erste Walze, die vierte Walze, die siebente Walze und die zehnte
Walze der oberen Walzenreihe mit der Antriebsvorrichtung kuppeln. Nach dem Passieren
der letzten Walze der oberen Reihe gelangt das Leinen durch den Wasserabschluß 3'
und die Abquetschvorrichtung q.' über die Leitwalzen 6' zu dem Ablagerungskasten
5'.
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Die gleichmäßige Einwirkung des Ozonluftgemisches von der angegebenen,
am besten während der ganzen Behandlungsdauer gleichmäßig innezuhaltenden Ozonkonzentration
auf das Bleichgut wird einerseits durch die gleichmäßige Bewegung des Leinens in
dem Behandlungsraum g erzielt und andererseits durch die dargestellte Zuführung
und Ableitung des Ozonluftgemisches an mehreren Stellen und so, daß es rechtwinklig
zu der Bewegungsrichtung des Leinens durch den Behandlungsraum g durchgeht. Die
Eintrittsöffnungen und Austrittsöffnungen der Röhrensysteme f und
h sind dabei über die ganze Vorder- und Hinterwand des Behandlungsraumes
g möglichst gleichmäßig verteilt.
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Der Ozonluftstrom wird, wie vorgesehen, zweckmäßig vor seinem Eintritt
in den Behandlungsraum g angefeuchtet und kann nach dem Wiederaustritt getrocknet
und zum Ozonapparat zurückgeleitet werden, so daß er dann durch ein einziges Gebläse
im Kreislauf umgewälzt wird.
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Zur Verkürzung der Behandlungszeit kann man außer der Ozonisierung
und gleichzeitig mit dieser eine Bestrahlung des Bleichgutes mit solchem Licht anwenden,
das möglichst reich an den eine Bleichwirkung ausübenden Strahlen des Sonnenlichtes
ist. Dieses Licht, das z. B. mittels der bekannten Ultraviolettlampen erzeugt werden
kann, wird am besten ebenfalls möglichst gleichmäßig in den Behandlungsraum eingebracht,
z. B. durch an der Oberseite des Behandlungsraumes g angeordnete, nicht dargestellte
Fenster aus solchem Material, das für die in Betracht kommenden Strahlen gut durchlässig
ist, z. B. Quarz.