DE4886C - Neuerungen an mechanischen Keimapparaten mit Jalousieen - Google Patents
Neuerungen an mechanischen Keimapparaten mit JalousieenInfo
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Description
1878.
Klasse 6.
JOHANN SAMUEL BÖTTGER in NIEDERRABENSTEIN bei CHEMNITZ. Neuerungen an mechanischen Keimapparaten mit Jalousien.
Zusatz-Patent zu No. 3468 vom 3. August 1877.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 17. März 1878 ab.·
Längste Dauer: 1. Juni 1890.
Der mechanische Keimapparat, welcher auf beiliegender Zeichnung in einer Vorder- und
Seitenansicht, sowie mit Weglassung des Füllwagens in der Oberansicht dargestellt ist, hat
den Zweck, den auf den Malztennen stattfindenden Keimprocefs, welcher durch Handarbeit bei
bedeutender Aufmerksamkeit geführt werden mufs, auf mechanische Weise auszuführen.
Der Apparat besteht aus einem länglich viereckigen, von allen Seiten offenen Gestelle, welches
aus vier gufseisernen Ecksäulen a, Fig. 1 und 2, und aus zwei oder mehreren, von der
Gröfse des Apparates abhängigen Mittelsäulen b gebildet und auf einer gemeinschaftlichen eisernen
Fundamentplatte montirt ist. Dieses Gestell dient zur Aufnahme der Jalousien c, auf
welche die geweichte Gerste gebracht wird, um hier den Keimprocefs durchzumachen. Die mit
d und e bezeichneten "Vorder- und Hinterseiten
des Apparates sind aus gufseisernen Platten gebildet, welche gleichzeitig als Lager für die
Jalousien dienen. Die Seitentheile des Apparates sind von Schwarzblech angefertigt.
Die Jalousien selbst bestehen aus kürzeren oder längeren (von der Gröfse des Apparates
abhängigen) Blechstreifen, welche, um die nöthige Tragfähigkeit zu erlangen, auf einer aus
Fagoneisen hergestellten Rippe festgenietet sind.
Eine genaue Darstellung der Jalousien befindet sich auf der Zeichnung, Fig. 4. Die Verlängerungen
der Rippe bilden die Lagerzapfen, um welche sich die Jalousien drehen.
An den vorderen Lagerzapfen ist eine Kurbel mit Finger angebracht. Sämmtliche Kurbeln
haben genau ein und dieselbe Stellung und sind die in jeder Etage liegenden, durch eine
gemeinschaftliche, aus Flacheisen hergestellte Zugstange / verbunden. Diese Anordnung ermöglicht
es, sämmtliche Jalousien einer Etage vollständig gleichmäfsig umzuschlagen. Das Umschlagen selbst geschieht mittelst einer Handkurbel
g, Fig. 3, welche auf eine am' Apparat befindliche gufseiserne Kurbel mit viereckigem
Zapfen, mit dem gleichzeitig die gemeinschaftliche Zugstange verbunden ist, gesteckt wird.
Indem man nun die Handkurbel nach unten bewegt, gelangen die Jalousien in die aus der
Zeichnung ersichtliche Stellung und das Keimgut wird auf die nächste Etage vertheilt. Das
Umschlagen oder Umkippen der Jalousie geschieht abwechselnd einmal nach rechts, das
andere mal nach links, auf welche Weise die Handarbeit mit der Schaufel auf der Tenne
ziemlich genau nachgeahmt wird. Die Stellung der Jalousien nach rechts und nach links umgeschlagen,
sowie im geschlossenen Zustand mit Keimgut gefüllt, ist aus der Zeichnung, Fig. 1
und 2, ersichtlich. Die gufseisernen Lagerplatten sind der Deutlichkeit wegen weggelassen worden.
Die Füllung des Apparates mit geweichter Gerste geschieht mittelst eines eisernen FuIl7
Wagens h, welcher auf zwei Schienen durch Vorgelege und Kette ohne Ende über den Apparat
hinüber und zurück bewegt werden kann. Der Wagen selbst ist so construirt, dafs derselbe
genau das für eine Etage bestimmte Keimgut aufnimmt.
Die Behandlung des Apparates geschieht auf folgende Weise: Der Füllwagen wird mit geweichter
Gerste bis an den Rand gefüllt und dann über den Apparat hinüber und wieder zurück gefahren, wobei er sich entleert und
das Keimgut auf die oberste erste Etage gleichmäfsig vertheilt. Hierauf wird diese Etage
nach rechts umgeschlagen, wodurch das Keimgut auf die zweite Etage gelangt. Dieses Umschlagen
wird dann noch genau zweimal wiederholt, so dafs das Keimgut auf die vierte Etage
gelangt. Alsdann wird der Wagen von neuem gefüllt und in derselben Weise, wie erwähnt, die
dritte Etage gefüllt, ebenso die zweite und erste Etage. Nachdem die Füllung der ersten
vier Etagen beendet ist, bleibt der Apparat ca. 4 Stunden unberührt stehen. Nach Ablauf
dieser Zeit beginnt das Umkippen der Etagen von neuem in der Weise, dafs das auf der
vierten Etage sich befindende Keimgut auf die fünfte, das der dritten auf die vierte, das der
zweiten auf die dritte und das der ersten auf die zweite Etage zu liegen kommt. Nach jedesmaligem
Umkippen bleibt der Apparat ca. 4 Stunden in Ruhe. Sind nach viermaligem
Umkippen des Apparates die oberen vier Etagen leer geworden, so wird mit dem Füllen des
Apparates auf die oben beschriebene Weise wieder begonnen. Hat das Keimgut sämmtliche
Etagen passirt, so wird es in den unter dem Apparate befindlichen Raum entleert und
von hier mittelst Kübels oder Malzwagens nach dem Schwefelboden gebracht, wo es so lange
liegen bleibt, bis es auf die Darre kommt.
Zur bequemen und leichten Bedienung des Apparates ist an der vorderen Seite ein Fahrstuhl
angebracht, welcher so eingerichtet ist, dafs der den Apparat bedienende Mann sich
selbst auf- und niederlassen kann.
Der Vorzug des vorstehend beschriebenen und auf beiliegender Zeichnung dargestellten
mechanischen Keimapparates besteht nun hauptsächlich darin, dafs die Luft nicht allein von
allen vier Seiten des Apparates, welcher überall offen ist, sondern auch von, unten durch die
nicht dicht schliefsenden Jalousien mit allen Theilen des Keimgutes in steter Berührung
steht und die durch das Keimen frei werdende und den Keimprocefs störende Kohlensäure
fortwährend abgeführt ist.
Es mufs dies hauptsächlich hervorgehoben
werden, da sich hierdurch diese Apparate ganz wesentlich zu ihrem Vortheil von den Keimapparaten
nach dem sogenannten Rinnensystem unterscheiden, in denen weder von den durch
Blechwände geschlossenen Seiten, noch durch die nicht durchlochten Rinnen, in denen das
Keimgut lagert, genügend Luft zugeführt, sowie infolge der mangelhaften Ventilation die beim
Keimen entstehende Kohlensäure beseitigt werden kann. Es nähert sich daher auch der
Keimprocefs in den Jalousieapparaten mehr dem natürlichen Keimen des Samenkornes in der
Erde, welches ebenfalls durch die mannichfachen Poren des Erdbodens mit der atmosphärischen
Luft fortwährend correspondirt. Bei der Mälzerei auf den Malztennen, wie man sie bisher in den
Brauereien hat, ist dies nur in sehr unvollkommener Weise der Fall, da die inneren und
unteren Schichten des Malzhaufens nur von Zeit zu Zeit durch das sogenannte Haufenarbeiten,
bei welchem das Keimgut mittelst Schaufeln gewendet und an die Luft geworfen wird, mit
der letzteren in Berührung kommen. Dadurch wird aber auch jedesmal der Keimprocefs auf
einige Zeit gestört, während durch ,das Abkippen von einer Jalousiehorde zur anderen
keine Unterbrechung stattfindet. Das in dem vorstehend beschriebenen Apparate erzeugte Malz
soll deshalb auch von vorzüglicher Qualität sein, bekommt die vollständigste Auflösung, hat einen
guten aromatischen Geruch, strotzende Frische und ist frei von allem Schimmel; auch an beschädigten
Körnern, und selbst wenn es an heifsen Sommertagen bereitet worden ist. Aufserdem
gewährt die höchst einfache Construction des Apparates den Vortheil, dafs er sich schnell,
leicht und vollständig reinigen läfst, da man zu
allen Theilen desselben leicht gelangen kann. Das Abkippen des Keimgutes von einer Horde
auf die andere ist eine leichte Handarbeit und mit Hülfe dieses Apparates kann eine Person
ebenso viel leisten, als fünf bis sechs Personen bei der Tennenmälzerei.
Claims (2)
1. Die Construction eines mechanischen Keimapparates,
in welchem die Luft von allen Seiten Zutritt zu dem auf Jalousien lagernden
Keimgut hat, wodurch das keimende Korn in steter Berührung mit der zu seinem
Wachsthum unumgänglich nöthigen atmosphärischen Luft bleibt und ferner die sich bildende Kohlensäure fortwährend entweicht.
2. Die Anwendung von Jalousien, welche sich gemeinschaftlich in jeder Etage um einen
Winkel von 90 ° und mehr drehen lassen, auf denen das Keimgut behufs Erzeugung
von Grünmalz lagert.
Hierzu 2 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4886C true DE4886C (de) |
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ID=283513
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT4886D Active DE4886C (de) | Neuerungen an mechanischen Keimapparaten mit Jalousieen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4886C (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE1034724B (de) * | 1953-01-12 | 1958-07-24 | Philipp Queck | Einrichtung zum Ableiten der aus einem mehrzelligen elektrischen Sammler austretenden saeurehaltigen Gase |
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- DE DENDAT4886D patent/DE4886C/de active Active
Cited By (1)
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| DE1034724B (de) * | 1953-01-12 | 1958-07-24 | Philipp Queck | Einrichtung zum Ableiten der aus einem mehrzelligen elektrischen Sammler austretenden saeurehaltigen Gase |
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