DE4340050A1 - Mittel zur Regeneration von ökologisch toten Böden im niederen und hohen pH-Bereich - Google Patents
Mittel zur Regeneration von ökologisch toten Böden im niederen und hohen pH-BereichInfo
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- E21C41/00—Methods of underground or surface mining; Layouts therefor
- E21C41/32—Reclamation of surface-mined areas
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- C—CHEMISTRY; METALLURGY
- C05—FERTILISERS; MANUFACTURE THEREOF
- C05D—INORGANIC FERTILISERS NOT COVERED BY SUBCLASSES C05B, C05C; FERTILISERS PRODUCING CARBON DIOXIDE
- C05D9/00—Other inorganic fertilisers
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- C—CHEMISTRY; METALLURGY
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Description
Die Erfindung betrifft ein Mittel zur Regeneration von
ökologisch toten Böden im niederen und hohen pH-Bereich.
Die Böden von im Tagebau ausgebaggerten Kuhlen im erschöpf
ten Braunkohlenrevier besitzen extrem niedrige pH-Werte bis
3 und darunter, während die Halden aus Asche der daraus
gewonnenen Braunkohle außerordentlich hohe pH-Werte bis 12
und mehr aufweisen.
In Europa, insbesondere in Deutschland und in der Tschechei
gibt es unzählige Hektar Braunkohlenabbaugebiete, die heute
als zerkarstete Landschaft dahinkümmern. Diese Areale müssen
mit der Zeit regeneriert werden.
Infolge ihrer extremen pH-Werte ist jedoch die Begrünung,
also die Ansiedlung einer neuen Pflanzendecke problematisch
und kostspielig.
Bei Bodenstabilisierungs- und -begrünungsarbeiten, insbeson
dere beim Autobahnbau werden bereits mit großen Erfolg Mit
tel eingesetzt, die das Wachstum von ausgesäten oder sich
wild ansiedelnden Pflanzen fördern.
Es ist bekannt, daß in der Struktur und beim Wachstum
verschiedener Pflanzen Kieselsäure eine große Rolle spielt.
Kieselsäureverbindungen spalten intermolekulär Wasser ab,
wobei die negativen Einflüsse der ungünstigen pH-Werte
gepuffert und für das Pflanzenwachstum unschädlich gemacht
werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Mittel zur
Regeneration von Böden bereitzustellen, das die Begrünung
von ökologisch toten Böden im niedrigen und hohen pH-Wert-
Bereich erleichtert.
Diese Aufgabe wird durch das Mittel nach Anspruch 1 gelöst.
Das erfindungsgemäße Mittel umfaßt neben Kieselsäuresand ein
Tonmineral, das als Wasserspeicher dient, und ein organi
sches Kolloid für die Komplexierung und Bindung der einzel
nen Bestandteile. Die vorteilhafte Wirkung von Kieselsäure
auf das Wachstum von Pflanzen, die die Gegenwart von Wasser
benötigt, läßt sich mit dem erfindungsgemäßen Mittel optimal
erreichen, da das benötigte Wasser vom Tonmineral bereitge
halten wird. Dabei wird das Puffervermögen des Mittels durch
das beigefügte organische Kolloid weiter erhöht. Zusätzlich
stellt das erfindungsgemäße Mittel einen Stabilisator dar,
der aufgrund seiner stabilisierenden Eigenschaften den Boden
vor Wind- und Wassererosion schützt.
Besonders bevorzugte Ausgestaltungen des erfindungsgemäßen
Mittels sowie dessen vorteilhafte Verwendung sind in den
Unteransprüchen beschrieben.
Vorteilhafterweise enthält das erfindungsgemäße Mittel ein
organisches Kolloid polyuronider Struktur, insbesondere ein
Kohlenstoff-6-Kolloid polyuronider Struktur, wobei das Kol
loid ein Polysaccharid oder Polyuronsäure sein kann.
Die Alkalimetallsalze der Zuckersäuren sind in Wasser
kolloidal löslich, alle anderen Salze, ausgenommen Magne
sium-, Eisen-O- und Ammonium-Salze sind wasserunlöslich.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn als Tonmineral ein Ben
tonit, insbesondere ein Aktiv-Bentonit, also eine spezielle
Form des Montmorillonits eingesetzt wird, das ein sehr ra
sches Quellvermögen besitzt. Durch die Aktivierung kann die
Quellzeit von einem Tag oder mehr, wie sie beim Bentonit
vorliegt, auf Mintiten reduziert werden.
Die Aktivierung des Bentonit, das in seiner chemischen
Zusammensetzung ein Aluminiumsilikat ist, welches auch als
Bestandteil der Kieselsäure vorliegt, und eine bestimmte
Gitterform aufweist, erfolgt dadurch, daß Calzium, das nor
male Austauschion des Bentonit, durch Natrium ersetzt oder
mittels Natrium zurückgedrängt wird.
Die Körnung des aus Kieselsäure entstandenen Montmorillonit
bzw. Bentonit ist äußerst fein, also fast vollständig kol
loidal mit Porenvolumina von 2,5 bis 15 ml/g und spezifi
schen Oberflächen von etwa 50 bis 500 m2/g, was ein enormes
Puffervermögen mit sich bringt, insbesondere in Kombination
mit den erfindungsgemäß verwendeten organischen Kolloiden.
Als Kieselsäuresand wird vorteilhafterweise Trockenbimssand
verwendet, der mit 55% eine gute Quelle für Kieselsäure
bildet.
Besonders vorteilhaft ist es, wenn die Korngröße des Kiesel
säuresandes und des trockenen organischen Kolloids kleiner
als 2 mm ist.
Obwohl die einzelnen Bestandteile des Mittels in verschiede
nen Mengenverhältnissen miteinander gemischt werden können,
um den entsprechenden Erfordernissen gerecht zu werden, hat
sich die in Anspruch 9 angegebene Mischung als besonders
vorteilhaft erwiesen.
Vorteilhafterweise werden die einzelnen trockenen Bestand
teile entsprechend Anspruch 10 mit Wasser vermischt. Dieses
Vermischen wird zweckmäßig erst an der Arbeitsstelle durch
geführt. Dabei weist das als wäßrige Mischung ausgebrachte
Mittel bevorzugterweise einen pH-Wert von 10 oder mehr auf.
Dies führt zu einer schnellen Verwitterung bzw. einem
schnellen Zerfall der Kieselsäure. Dabei wird Aluminiumsili
kat, aus dem die Kieselsäure zu ca. 22% besteht, freige
setzt und fällt als Alkalimetall-Bentonit aus.
Beim Ausstreuen des trockenen Mittels sorgt der niedrige pH-
Wert von unter 3 für die Verwitterung bzw. den Zerfall.
Das Alkalimetall-Bentonit geht eine Verbindung mit den
organischen Kolloiden polyuronider Struktur, z. B. mit einem
Polyuronsäure-Kolloid, ein, die durch Coulomb′sche und Van
der-Waal′sche Kräfte aufrechterhalten wird. Der Alkalime
tall-Bentonit/Polyuronsäure-Komplex ruft ein hohes Puffer
vermögen im Boden hervor, wodurch pflanzenschädliche Ein
flüsse aufgefangen und von den Pflanzen ferngehalten werden.
In einem Alkalimetall-Milieu oder einem Säure-Milieu zer
fällt das Aluminiumsilikat und nimmt ein Ion mit hohem pH-
Wert als Austauschion an. Bentonit ist ein hervorragender
Ionenaustauscher mit einem Austauschvermögen im Bereich von
150-180 val./100 g. Das Bentonit geht mit dem organischen
Kolloid eine Verbindung ein, die durch Coulomb′sche und Van
der-Waal′sche Kräfte aufrechterhalten wird, wobei das Katio
nenaustauschvermögen (KAK) mit der Steigerung des Disper
sionsfaktors immer höher wird. Es wurden Ionenaustauschver
mögen von mehr als 100 000 val./100 g erzielt.
Das erfindungsgemäße Mittel kann trocken auf den zu behan
delnden Boden ausgebracht werden, und anschließend durch
Berieselung oder durch nachfolgende Niederschläge mit Feuch
tigkeit versorgt werden. Hierdurch wird die Behandlung der
Böden wesentlich vereinfacht, insbesondere wenn dem Mittel
Saatgut und/oder Düngemittel beigesetzt sind.
Ein weiterer Vorteil des erfindungsgemäßen Mittels besteht
darin, daß die Anwesenheit von Silizium, welches aus dem
Zerfall der Kieselsäure stammt, die Keimung des Saatguts,
insbesondere der Gräsersamen begünstigt und das Wachstum
fördert. Dabei dient das Silizium als Gerüstelement der
Pflanzenzellwände, was für die Standfestigkeit aller Gräser
sorgt.
Besonders vorteilhaft ist es, daß die wäßrige Mischung bzw.
das trocken ausgebrachte Mittel nach der Versorgung mit
Feuchtigkeit eine sofortige stabilisierende Wirkung auf den
Boden ausübt, wodurch eine mögliche Erosion beim Aufbringen
des Mittels zum Stillstand gebracht und die Erosion bei Nie
derschlägen weitgehend verhindert wird.
Es wurden Versuche durchgeführt mit einem erfindungsgemäßen
Mittel aus 250 ml Kieselsäuresand, 50 ml organischer Kolloi
de polyuronider Struktur und 100 ml Aktiv-Bentonit gemischt
mit 2 l Wasser. Dieses Mittel wurde im Topfversuch ohne Zu
satz von Dünger (NPK) zum einen auf einen Braunkohlen-Unter
grund mit einem pH-Wert bis 3 und niedriger und zum anderen
auf einen Asche-Untergrund mit einem pH-Wert bis 12 und
darüber in einer dünnen Auflage (ca. 2 l/m2) aufgebracht.
Die verwendete Asche stammte dabei aus einem mit Braunkohle
gefeuerten Kraftwerk.
Bei den für die Versuche ausgewählten Pflanzen handelte es
sich um Gräser, wie sie im Braunkohlenrevier Helmstett und
Rheinbraun im Köln-Aachen-Gebiet verwendet werden. Als kri
tischer Test wurde zusätzlich ein entsprechender Versuch mit
Gartenkresse durchgeführt.
Die Keimung der Gräser- und Kressesamen setzte ohne Verzöge
rung ein. Die Kresse keimte in Stunden, die Gräser in wenigen Tagen.
Sowohl die Kresse als auch die Gräser haben sich zur kräfti
gen Pflanzen entwickelt, die gut angewachsen sind.
Die Gräser befanden sich auch nach dem 16. bis 17. Monat
nach der Aussaat noch im gleichen robusten Zustand.
Die Kresse wies ein kräftiges Aroma auf, was in schlechten
Böden nicht die Regel ist.
Besonders bemerkenswert ist, daß die Kresse auf den norma
lerweise ungeeigneten Böden dank der Behandlung mit dem
erfindungsgemäßen Mittel nicht nur gekeimt, sondern auch
geblüht und Samen gebildet hat. Diese Samen haben, nachdem
sie in das gleiche Substrat gefallen sind, wiederum gekeimt
und neue Pflanzen gebildet.
Die positiven Versuchsergebnisse sowohl auf Böden auf hohem
als auch mit niedrigem pH-Wert zeigen, daß mit dem erfin
dungsgemäßen Mittel eine rationelle Begrünung von ökologisch
toten Böden auf einfache Weise möglich ist. Wird dabei das
erfindungsgemäße Mittel vor dem Ausbringen mit Saatgut und
gegebenenfalls mit Düngemittel vermischt, läßt sich die
Behandlung zur Regeneration von ökologisch toten Böden in
einem einzigen Arbeitsvorgang auf besonders wirtschaftliche
Weise durchführen.
Claims (16)
1. Mittel zur Regeneration von ökologisch toten Böden im
niederen pH-Bereich,
umfassend eine Mischung aus Kieselsäuresand, einem
organischen Kolloid und einem Tonmineral.
2. Mittel nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Mischung ein organisches Kolloid polyuronider
Struktur, insbesondere ein Kohlenstoff-6-Kolloid
polyuronider Struktur enthält.
3. Mittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß das organische Kolloid ein Polysaccharid ist.
4. Mittel nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß als organisches Kolloid ein Polyuronsäure-Konzen
trat verwendet wird.
5. Mittel nach Anspruch 1, 2, 3 oder 4, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Mischung als Tonmineral Montmorillo
nit in Form von Bentonit enthält.
6. Mittel nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß
das Bentonit in Form von Aktiv-Bentonit mit raschem
Quellvermögen vorliegt.
7. Mittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß als Kieselsäuresand
Trockenbimssand verwendet wird.
8. Mittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Korngröße des Kiesel
säuresands und des trockenen organischen Kolloids
kleiner als 2 mm ist.
9. Mittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Mischung 5 Volumen
teile Kieselsäuresand, 1 Volumenteil des organischen
Kolloids und 2 Volumenteile des Tonminerals umfaßt.
10. Mittel nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der Kieselsäuresand, das
organische Kolloid und das Tonmineral mit Wasser
vermischt sind.
11. Mittel nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß
1 Volumenteil der trockenen Bestandteile der Mischung
mit 5 Volumenteilen Wasser vermischt sind.
12. Mittel nach Anspruch 10 oder 11, dadurch gekennzeich
net, daß der pH-Wert der wäßrigen Mischung größer als
10 ist.
13. Verwendung eines Mittels nach einem der Ansprüche 1
bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß auf 1 m2 zu behan
delnden Boden 250 bis 500 ml, vorzugsweise 300 bis 400
ml, insbesondere 330 ml des trockenen Mittels gleich
mäßig verteilt werden.
14. Verwendung eines Mittels nach Anspruch 13, dadurch
gekennzeichnet, daß der behandelte Boden nach dem
Verteilen des Mittels mit Wasser berieselt wird.
15. Verwendung eines Mittels nach einem der Ansprüche 10
bis 11, dadurch gekennzeichnet, daß auf 1 m2 zu behan
delndem Boden 2 l des als wäßrige Mischung vorliegen
den Mittels verteilt werden.
16. Verwendung eines Mittels nach einem der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß gleichzeitig
mit dem Mittel Saatgut und/oder Düngemittel auf den
zu behandelnden Boden ausgebracht wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE4340050A DE4340050A1 (de) | 1992-11-27 | 1993-11-24 | Mittel zur Regeneration von ökologisch toten Böden im niederen und hohen pH-Bereich |
Applications Claiming Priority (2)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE4239885 | 1992-11-27 | ||
| DE4340050A DE4340050A1 (de) | 1992-11-27 | 1993-11-24 | Mittel zur Regeneration von ökologisch toten Böden im niederen und hohen pH-Bereich |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4340050A1 true DE4340050A1 (de) | 1994-06-01 |
Family
ID=6473785
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE4340050A Withdrawn DE4340050A1 (de) | 1992-11-27 | 1993-11-24 | Mittel zur Regeneration von ökologisch toten Böden im niederen und hohen pH-Bereich |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4340050A1 (de) |
Cited By (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE4446122A1 (de) * | 1994-12-22 | 1996-06-27 | Sued Chemie Ag | Verfahren zur Herstellung eines Adsorbens für anionische Verbindungen und dessen Verwendung |
| DE29608680U1 (de) * | 1996-05-14 | 1997-01-09 | Neumann, Richard, 84061 Ergoldsbach | Bodenbelebungsmaterial |
| FR2975693A1 (fr) * | 2011-05-23 | 2012-11-30 | Jean Pierre Jacquinet | Structurants physico-chimiques et regenerateurs biologiques des sols et/ou des supports de culture peu reactifs |
| EP3469908A1 (de) * | 2017-10-16 | 2019-04-17 | Stephan Schmidt KG | Verwendung von tonen als wachstumsförderer im pflanzenbau |
-
1993
- 1993-11-24 DE DE4340050A patent/DE4340050A1/de not_active Withdrawn
Cited By (4)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE4446122A1 (de) * | 1994-12-22 | 1996-06-27 | Sued Chemie Ag | Verfahren zur Herstellung eines Adsorbens für anionische Verbindungen und dessen Verwendung |
| DE29608680U1 (de) * | 1996-05-14 | 1997-01-09 | Neumann, Richard, 84061 Ergoldsbach | Bodenbelebungsmaterial |
| FR2975693A1 (fr) * | 2011-05-23 | 2012-11-30 | Jean Pierre Jacquinet | Structurants physico-chimiques et regenerateurs biologiques des sols et/ou des supports de culture peu reactifs |
| EP3469908A1 (de) * | 2017-10-16 | 2019-04-17 | Stephan Schmidt KG | Verwendung von tonen als wachstumsförderer im pflanzenbau |
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Legal Events
| Date | Code | Title | Description |
|---|---|---|---|
| 8139 | Disposal/non-payment of the annual fee |