DE4226973A1 - Meßverfahren zur kalibrierten Blutvolumenbestimmung in menschlichen Extremitäten - Google Patents
Meßverfahren zur kalibrierten Blutvolumenbestimmung in menschlichen ExtremitätenInfo
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Description
Tendentiell lassen sich Blutvolumenverschiebungen in menschlichen
Extremitäten, verursacht durch aktive Bewegung, den Lagewechsel
oder die arterielle Blutdruckpulsation, seit vielen Jahren mit
photoplethysmographischen Verfahren durch Messung der Änderung
der Lichtreflexion oder der Lichttransmission (im weiteren kurz
PPG-Signal) im Gewebe nachweisen.
Dabei wird bei allen bekannten photoplethysmographischen Meßein
richtungen das PPG-Signal entweder in nicht vergleichbaren Ein
heiten (z. B. Skalenteilen oder Volt nach der lehre von DE 31 00
610) oder bezogen auf einen Startwert in Prozent der optischen
Reflexions- oder Transmissionsänderungen (DE 36 09 075, P 42 12
498) angegeben.
Da jedoch der Zusammenhang zwischen dem Blutvolumen im Gewebe und
dem PPG-Signal nicht linear ist und zusätzlich von Mensch zu
Mensch bzw. auch von Hautgebiet zu Hautgebiet variieren kann,
bedarf es eines speziellen Kalibrierverfahrens, um photoplethys
mographisch die Blutvolumenänderungen bestimmen zu können.
Die erfindungsgemäße Lösung dieser Aufgabe ist mit ihren Weiter
bildungen in den Patentansprüchen gekennzeichnet.
Die Erfindung wird nachstehend ohne Beschränkung des allgemeinen
Erfindungsgedankens anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezug
nahme auf die Zeichnung exemplarisch beschrieben, auf die im
übrigen bezüglich der Offenbarung aller im Text nicht näher
erläuterten Einzelheiten ausdrücklich verwiesen wird. Es zeigen:
Fig. 1 Zusammenhang zwischen der Reflexionsänderung der Haut und
der Blutvolumenänderung (optische Hautübertragungsfunkti
on) für drei verschiedene Hauttypen.
Fig. 2 Das Prinzip des erfindungsgemäßen 2-Punkt-Kalibrierverfah
rens, dargestellt für drei verschiedene Hautübertragungs
funktionen.
Fig. 3 Ein Ausführungsbeispiel der Meßanordnung bei der Durchfüh
rung der Kalibrierung.
Fig. 4 Die Auswirkung der Kalibrierung; dargestellt am Beispiel
des Muskelpumpen-Tests für die Venendiagnostik.
Fig. 5 Die Auswirkung der Kalibrierung, dargestellt am Beispiel
der Umrechnung des Reflexionspulses in einen Blutvolumen
puls im Rahmen der arteriellen Gefäßdiagnostik.
Die Fig. 1 zeigt typische optische Übertragungsfunktionen für
drei verschiedene Hauttypen. Der Zusammenhang zwischen der Haut
reflexion (oder Hauttransmission) und dem Blutvolumen in der Haut
ist nichtlinear. Es lädt sich nachweisen, daß die Übertragungs
funktionen zwar stets den gleichen charakteristischen Verlauf
haben (etwa eine Wurzelfunktion), jedoch einen unterschiedlichen
Startwert und unterschiedliche Steilheit besitzen.
Dies führt zwangsläufig dazu, daß die gleiche Blutvolumenänderung
ΔV in den drei unterschiedlichen Hautgebieten als drei unter
schiedliche Reflexionssignal-Änderungen ΔR1, ΔR2 und ΔR3 regi
striert wird. Dieses Problem aller Photoplethysmographen nach dem
Stande der Technik wird - wie in Fig. 2 anschaulich dargestellt -
erfindungsgemäß wie folgt gelöst.
Nach der Befestigung des photoplethysmographischen Sensors wird
zunächst der erste, für alle möglichen Hautübertragungsfunktionen
gemeinsame Kalibrierpunkt (A), z. B. nach der lehre von DE 36 09
075, eingestellt. Hiermit wird das Startblutvolumen zu 1 bzw. 100
Blutvolumenprozent gesetzt. Auch das PPG-Signal wird in diesen
Ruhezustand zu 1 bzw. 0 PPG-Prozent gesetzt. Nun erfolgt die
Bestimmung des zweiten Kalibrierpunktes. Dabei wird der PPG-
Sensor so stark auf die Haut gepreßt, bis eine maximale Reflexi
onszunahme bei Blutvolumen 0 im Meßgebiet unter dem Sensor er
zielt ist. Man erkennt aus Fig. 2, daß bei diesem Preßtest für
verschiedene Hautübertragungsfunktionen (F1), (F2) und (F3)
verschiedene Kalibrierpunkte (B), (C), oder (D) ermittelt werden.
Für jede Hautübertragungsfunktion, die z. B. von der individuel
len Gefäßdichte abhängig ist, werden somit 2 charakteristische
Kalibrierpunkte ermittelt. Damit läßt sich die Steilheit der
Funktion im Start-Arbeitspunkt (A) errechnen. Dies ist wiederum
die Voraussetzung für die angestrebte Umrechnung des PPG-Signals
in das Blutvolumensignal.
Fig. 3 zeigt eine mögliche Meßanordnung bei der Durchführung der
Kalibrierung. Der PPG-Sensor (S) ist in diesem Fall an der Spitze
des Fingers (FI) befestigt und über eine Leitung (L1) an den
Blutvolumenmonitor (M) angeschlossen. Die vorzugsweise mikropro
zessorgesteuerte Elektronik des Monitors (M) sorgt nun im ersten
Kalibrierschritt für die Einstellung des Arbeitspunktes (A). Wird
nun das Ruheblutvolumen identifiziert (und vorzugsweise zu 100%
gesetzt), erfolgt automatisch (z. B. mit einer über den Sensor
gelegten und über Leitung (L2) gesteuerten Luftmanschette) oder
manuell das Anpressen des Sensors an die Haut mit einer steigen
den Kraft (K) so lange, bis das PPG-Signal einen maximal mögli
chen, konstanten Wert erreicht. Dieser Wert entspricht der maxi
mal möglichen Blutvolumenreduktion auf 0% und wird im Monitor
(M) elektronisch gespeichert und zur weiteren Verarbeitung des
PPG-Signals während der nun nachfolgenden eigentlichen Messung
herangezogen. Es ist naheliegend, daß
- - nach jedem Meßortwechsel eine erneute Kalibrierung vorgenommen werden muß und
- - die beschriebene Kalibrierung nur an der Stelle des menschli chen Körpers möglich ist, wo sich das Blut vollständig aus dem Meßareal unter dem PPG-Sensor anpressen läßt, also vorzugsweise an dem über dem Knochen liegenden Hautbezirk (Finger, Zehen, Fersengegend u. a.).
Fig. 4 zeigt nun, welche Bedeutung die Erfindung in der Venen
diagnostik z. B. bei der Quantifizierung des PPG-Signals während
eines Muskelpumpen-Tests hat. Im Rahmen dieses Tests führt der
Patient 8 Beinübungen in 16 Sekunden durch. Durch die sog. Mus
kelpumpe wird dabei das venöse Blut herzwärts abgepumpt, die Haut
wird heller, daß PPG-Signal steigt um 6%. In der nun folgenden
Ruhephase füllt sich das Bein in To = 30 Sekunden (die venöse
Auffüllzeit) wieder mit Blut auf. Auf Grund der vorher durchge
führten Kalibrierung wird für diesen Hautbezirk die maximale
Reflexion von 24% (als zweiter Kalibrierpunkt) ermittelt und
somit auch die Tangente (T) der Hautübertragungsfunktion (F).
Daraus läßt sich schließlich die Blutvolumenkinetik während des
Muskelpumpen-Tests ermitteln. Bei dieser Übung sank das Blutvolu
men um 41%. Zum ersten Mal steht somit für die Venendiagnostik
ein Bewertungsparameter der Muskelpumpen-Leistung zur Verfügung,
der von Mensch zu Mensch und von Hautareal zu Hautareal ver
gleichbar ist.
Fig. 5 zeigt die Quantifizierung der Blutvolumenpulsation im
Rahmen der arteriellen Diagnostik. Gemessen wird hier in einem
anderen Hautbezirk an der großen Zehe, Rmax betrug unter dem
Preßmanöver 17%.
Aus der nach dem Stand der Technik lediglich möglichen Reflexi onsänderung ΔR = 2% lädt sich die Blutvolumenpulsamplitude von 23% ermitteln. Außerdem läßt sich zum ersten Mal auch die Form des Blutvolumenpulses durch computerunterstützte Entzerrung dar stellen.
Aus der nach dem Stand der Technik lediglich möglichen Reflexi onsänderung ΔR = 2% lädt sich die Blutvolumenpulsamplitude von 23% ermitteln. Außerdem läßt sich zum ersten Mal auch die Form des Blutvolumenpulses durch computerunterstützte Entzerrung dar stellen.
Damit schafft die Erfindung ein nichtinvasives, zeit- und kosten
sparendes Screening-Meßverfahren, das sowohl physiologische als
auch pathophysiologische Blutvolumenverschiebungen in den Extre
mitäten erstmals exakt erfassen und belegen kann und aufwendige
und risikoreiche Invasiv-Meßmethoden einsparen hilft.
Claims (6)
1. Meßverfahren zur kalibrierten Blutvolumenbestimmung in mensch
lichen Extremitäten mit einem photoplethysmographischen Sensor
(S) und einem Blutvolumenmonitor (M), der insbesondere aus einer
Steuer- und Auswerteelektronik mit analogen und digitalen
Schnittstellen, einem Rechner und einem Datenspeicher besteht,
dadurch gekennzeichnet,
daß vor jeder photoplethysmographischen Registrierung eine Si
gnalkalibrierung derart vorgenommen wird, daß das Sensorsignal
unter Ruhebedingungen (keine Blutverdrängung durch Sensorgehäuse
aus dem Meßgebiet) und das Sensorsignal der blutleeren Haut
(maximal mögliche Blutverdrängung aus dem Meßgebiet durch Anpres
sen des Sensors) ermittelt und zur weiteren Signalkorrektur als
zwei Kalibrierpunkte herangezogen werden.
2. Meßverfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Sensorsignal durch die Erfassung der Hautreflexion oder
der Hauttransmission gewonnen wird.
3. Meßverfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß mit Hilfe der beiden Kalibrierpunkte die hautspezifische
Übertragungsfunktion errechnet werden kann.
4. Meßverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Steilheit der hautspezifischen Übertragungsfunktion im
Kalibrierpunkt unter Ruhebedingungen errechnet und zur Berech
nung der Blutvolumenkinetik aus dem PPG-Signal herangezogen wird.
5. Meßverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet,
daß das Anpressen des Sensors zur Ermittlung der maximalen Blut
entleerung durch eine vom Blutvolumenmonitor gesteuerte Luftman
schette vorgenommen wird.
6. Meßverfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die maximale Blutentleerung statt des Anpressens näherungs
weise durch Hochlagerung der Extremität erreicht wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19924226973 DE4226973A1 (de) | 1992-08-14 | 1992-08-14 | Meßverfahren zur kalibrierten Blutvolumenbestimmung in menschlichen Extremitäten |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19924226973 DE4226973A1 (de) | 1992-08-14 | 1992-08-14 | Meßverfahren zur kalibrierten Blutvolumenbestimmung in menschlichen Extremitäten |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE4226973A1 true DE4226973A1 (de) | 1994-02-17 |
Family
ID=6465581
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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| DE19924226973 Withdrawn DE4226973A1 (de) | 1992-08-14 | 1992-08-14 | Meßverfahren zur kalibrierten Blutvolumenbestimmung in menschlichen Extremitäten |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE4226973A1 (de) |
Cited By (6)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| DE10304338A1 (de) * | 2003-02-03 | 2004-08-19 | Soehnle-Waagen Gmbh & Co. Kg | Vorrichtung zur Bestimmung der Lichtreflexion, insbesondere zur Bestimmung der Wiederauffüllzeit der Beinvenen |
| DE102008002741A1 (de) | 2008-06-27 | 2009-12-31 | CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik und Photovoltaik GmbH | Optoelektronische Durchblutungsmessvorrichtung für funktionelle Kreislaufdiagnostik |
| DE102008002742A1 (de) | 2008-06-27 | 2009-12-31 | Audia Akustik Gmbh | Sensoreinheit, insbesondere für nichtinvasives Langzeitmonitoring der Hämodynamik |
| DE102008002747A1 (de) | 2008-06-27 | 2009-12-31 | CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik und Photovoltaik GmbH | Ohrsensor |
| DE102010056478A1 (de) | 2010-12-30 | 2012-08-02 | Vladimir Blazek | Intelligente Beatmungsmaske mit integrierter Vitalparameter-Sensorik |
| DE102011112226A1 (de) | 2011-08-30 | 2013-05-08 | LifeTAix GmbH | Integrierte Multisensor-Vorrichtung zur ortsaufgelösten, artefaktresistenten Überwachung von psychologischen Signalen |
-
1992
- 1992-08-14 DE DE19924226973 patent/DE4226973A1/de not_active Withdrawn
Cited By (9)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
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| DE10304338A1 (de) * | 2003-02-03 | 2004-08-19 | Soehnle-Waagen Gmbh & Co. Kg | Vorrichtung zur Bestimmung der Lichtreflexion, insbesondere zur Bestimmung der Wiederauffüllzeit der Beinvenen |
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| DE102008002747B4 (de) * | 2008-06-27 | 2014-02-13 | CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik und Photovoltaik GmbH | Ohrsensor |
| DE102008002742B4 (de) * | 2008-06-27 | 2015-06-03 | CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik und Photovoltaik GmbH | Sensoreinheit für nichtinvasives Langzeitmonitoring der Hämodynamik |
| DE102008002741B4 (de) | 2008-06-27 | 2019-07-11 | CiS Forschungsinstitut für Mikrosensorik und Photovoltaik GmbH | Optoelektronische Durchblutungsmessvorrichtung für funktionelle Kreislaufdiagnostik |
| DE102010056478A1 (de) | 2010-12-30 | 2012-08-02 | Vladimir Blazek | Intelligente Beatmungsmaske mit integrierter Vitalparameter-Sensorik |
| DE102011112226A1 (de) | 2011-08-30 | 2013-05-08 | LifeTAix GmbH | Integrierte Multisensor-Vorrichtung zur ortsaufgelösten, artefaktresistenten Überwachung von psychologischen Signalen |
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