DE4118123A1 - Verfahren und einrichtung zur behandlung einer radioaktiven abfalloesung - Google Patents
Verfahren und einrichtung zur behandlung einer radioaktiven abfalloesungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung einer ra
dioaktiven, insbesondere einer hochradioaktiven, Abfallösung.
Sie betrifft auch eine geeignete Einrichtung dazu.
In bestimmten kerntechnischen Anlagen lagern oder fallen flüs
sige, hochradioaktive Abfälle an. Diese Abfälle müssen zur ge
ordneten Beseitigung in ein glasartiges Produkt übergeführt
werden. Vielfach ist am Entstehungsort solcher Abfälle keine
Verglasungsanlage verfügbar. Es ist also entweder der Bau
einer Anlage vor Ort notwendig oder der Abfall muß zu einer
geeigneten Verglasungsanlage transportiert werden. Für den
Transport hochradioaktiver Flüssigkeiten sind hohe Sicherheits
anforderungen an die Behälter und Transporteinrichtungen zu
erfüllen. Der Bau vieler Verglasungsanlagen führt zu unver
hältnismäßig hohen Kosten.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren
und eine Einrichtung anzugeben, die es gestatten, die flüssi
gen, hochradioaktiven Abfälle in eine Form überzuführen, die
einen problemlosen Transport zu einer Verglasungsanlage und
die dortige Verarbeitung zu einem endlagerungsfähigen Produkt
ermöglicht.
Die Aufgabe, ein geeignetes Verfahren anzugeben, wird gemäß
der Erfindung dadurch gelöst, daß die Abfallösung an ihrem
Entstehungsort kalziniert wird.
Das dabei anfallende Kalzinat wird dann zur Weiterbearbeitung
abtransportiert.
Damit wird der Vorteil erzielt, daß ein festes Produkt zur
Verfügung gestellt wird, das mit üblichen Maßnahmen transpor
tiert werden kann. Solche üblichen Maßnahmen sind vom Trans
port fester radioaktiver Stoffe, beispielsweise vom Transport
von abgebrannten Brennelementen oder Mischoxid (MOX)-Pulvern,
bekannt. Die thermische und mechanische Stabilität des Produk
tes, sowie seine Strahlenbeständigkeit macht einen genehmi
gungsfähigen Transport möglich. Darüber hinaus ist die chemi
sche Zusammensetzung des zu transportierenden Produktes der
art, daß später eine Verglasung in einer Verglasungsanlage
problemlos durchgeführt werden kann.
Falls die zu beseitigende Abfallösung eine salpetersaure, radio
aktive Abfallösung ist, wird diese an ihrem Entstehungsort zu
nächst denitriert. Das Denitrieren und das anschließende Kalzi
nieren kann in einem Verfahrensschritt oder in zwei getrennten
Verfahrensschritten erfolgen. Anfallendes Kalzinat wird zur
Weiterbearbeitung abtransportiert. Die Abfallösung kann vor
dem Kalzinieren getrocknet, z. B. teilweise eingedampft, werden.
Die Denitrierung kann thermisch, z. B. in einem Drehrohrkalzi
nator, oder chemisch, z. B. durch Zugabe von Formaldehyd, er
folgen. Für den Kalzinierungsprozeß steht dann ein denitrier
tes Produkt zur Verfügung.
Die Denitrierung dient der Volumenreduzierung und der Erzielung
chemisch stabiler Verbindungen, die im wesentlichen Oxide sind.
Die Abfallösung wird beispielsweise in einem Drehrohrkalzinator
oder in einem Walzentrockner kalziniert. Der Drehrohrkalzinator
kann dabei sowohl zum Denitrieren als auch zum Kalzinieren die
nen. Es können auch zum Denitrieren und zum Kalzinieren geeig
nete andere Apparaturen eingesetzt werden.
Vor oder nach dem Kalzinieren kann der Abfallösung oder dem
aus ihr gewonnenen Kalzinat ein mineralisches Additiv zugege
ben werden. Das mineralische Additiv wird dabei z. B. so aus
gewählt, daß es ein für einen Verglasungsprozeß notwendiger
Zuschlagsstoff ist.
Ein geeignetes Additiv ist beispielsweise Wasserglas in einer
speziellen mit dem Verglasungsprozeß verträglichen Zusammen
setzung. Die Zusammensetzung hängt von der Art des vorgesehe
nen Verglasungsprozesses ab. Der mineralische Zuschlag ermög
licht die Bindung der beim Kalzinieren im allgemeinen staub
förmig anfallenden Partikel sowie deren weitere Kompaktierung
in Form von Pellets oder Granulat. Hierdurch wird eine weitere
Verbesserung der Transportsicherheit und der Handhabungsmög
lichkeit des Produktes erzielt.
Die Aufgabe, eine geeignete Einrichtung zur Behandlung einer
radioaktiven Abfallösung anzugeben, wird gemäß der Erfindung
dadurch gelöst, daß einem Übergabebehälter oder einer Beschickungs
vorrichtung ein Drehrohrkalzinator oder ein Walzentrock
ner nachgeschaltet ist, der eine Zuleitung für die Abfallösung,
eine Ableitung für Kalzinat und eine Gasableitung auf
weist. Das Kalzinat kann abtransportiert werden. Das durch die
Gasableitung strömende Gas muß einer Gasreinigung unterzogen
werden. Dazu sind übliche Gasreinigungsanlagen einsetzbar.
Mit einer solchen Einrichtung kann eine radioaktive Abfallösung
vorteilhafterweise so behandelt werden, daß problemlos
zu transportierende und in einer Verglasungsanlage zu verar
beitende Produkte entstehen.
Beispielsweise ist mit der Zuleitung für die Abfallösung und/oder
mit der Ableitung für das Kalzinat eine Zuleitung für ein
mineralisches Additiv verbunden. Das mineralische Additiv dient
der weiteren Verfestigung der Abfallösung und dient darüber
hinaus beim späteren Verglasungsprozeß als notwendiger Bestand
teil.
In einem Drehrohrkalzinator oder in einem Walzentrockner er
folgt eine Kalzinierung. Dort kann aber auch eine Denitrierung
durchgeführt werden.
Zur Denitrierung kann jedoch der Übergabebehälter oder die
Beschickungsvorrichtung auch mit einem Denitrator verbunden
sein, der eine Zuleitung für einen das Denitrieren bewirkenden
Stoff, eine Ableitung für die denitrierte Abfallösung und eine
Gasableitung aufweist. Die Ableitung für die denitrierte Ab
fallösung ist dann mit dem Drehrohrkalzinator oder mit dem
Walzentrockner zur Durchführung des Kalzinierens verbunden.
Dabei wird ein Kalzinat gebildet. Ein geeigneter Stoff zum
chemischen Denitrieren ist Formaldehyd.
Der geschilderten Einrichtung kann eine Granuliereinrichtung
oder eine Pelletiereinrichtung nachgeschaltet sein, in denen
das Kalzinat in eine transportfähige Form gebracht wird.
Mit dem Verfahren und mit der Einrichtung nach der Erfindung
wird der Vorteil erzielt, daß aus einer radioaktiven Abfallösung
ein Zwischenprodukt hergestellt wird, das einerseits in
fester Form vorliegt und daher gefahrlos zu transportieren
ist, und andererseits den Aufbau vieler dezentraler Vergla
sungsanlagen erübrigt.
Die Erfindung wird anhand der Zeichnung näher erläutert:
Fig. 1 zeigt den Ablauf des Verfahrens zur Behandlung einer
radioaktiven Abfallösung;
Fig. 2 zeigt eine Variante einer Einrichtung zur Behandlung
einer radioaktiven Abfallösung mit einem Drehrohr
kalzinator;
Fig. 3 zeigt eine andere Variante mit einem Denitrator und
einem Walzentrockner.
Fig. 1 zeigt den Verfahrensablauf schematisch. Von einem
Lager 1 für radioaktive Lösungen gelangt die Lösung über einen
Übergabebehälter 2 in einen Dosierbehälter 3. Von dort aus
gibt es mindestens zwei Varianten. Nach der ersten Variante
erfolgt in einem Arbeitsschritt das Kalzinieren und das ther
mische Denitrieren 4. Danach erfolgt die Zugabe mineralischer
Additive 5 und anschließend das Granulieren oder Pelletieren
6. Gemäß der gestrichelten Linie kann auch das Granulieren und
Pelletieren 6 unmittelbar auf das Kalzinieren und das thermi
sche Denitrieren 4 folgen. Nach dem Granulieren und Pelletie
ren 6 erfolgt das Portionieren und Bilanzieren 7. Gemäß der
zweiten Variante wird die im Dosierbehälter 3 bereitgehaltene
Lösung zunächst vorverdampft 8 oder getrocknet. Darauf folgt
ein chemisches Denitrieren 9. Anschließend werden mineralische
Additive 10 zugegeben und schließlich erfolgt das Kalzinieren
11. Die Zugabe mineralischer Additive kann auch entfallen.
Falls ein Denitrieren nicht erforderlich ist, kann auch dieser
Schritt wegfallen. Beispielsweise kann nach der gestrichelten
Linie auf das Vorverdampfen 8 sofort das Kalzinieren 11 fol
gen. Anschließend erfolgt wie bei der ersten Variante das Por
tionieren und Bilanzieren 7. Es kann auch bei dieser Variante
ein Granulieren oder Pelletieren vorgesehen sein. Anschließend
wird das gewonnene Kalzinat in Kleinbehälter verpackt 12.
Diese Kleinbehälter werden dekontaminiert 13 und in Endbehäl
ter verpackt 14. Schließlich erfolgt das Beladen 15 von Trans
portbehältern, die von Fahrzeugen abtransportiert werden.
Nach Fig. 2 wird eine radioaktive Abfallösung von ihrem Ent
stehungsort oder aus einem Lagerbehälter in einen Übergabe
behälter 16 eingespeist. Von dort gelangt sie in einen Dreh
rohrkalzinator 17, in dem sie denitriert und kalziniert wird.
Die Einspeisung der Lösung erfolgt über eine Zuleitung 17A und
eine Eintragsvorrichtung 17a. Das trockene Kalzinat gelangt in
eine Austragsvorrichtung 17b, in die über eine Zuleitung 18
mineralische Additive, z. B. Wasserglas, eingespeist werden.
Das mit Additiven vermischte Kalzinat gelangt über eine Ab
leitung 17B und eine Granulier- oder Pelletiervorrichtung 19
in Zwischenbehälter 20, von denen es zum Abtransport in
Endbehälter 20a abgegeben wird. Vom Drehrohrkalzinator 17 geht
auch eine Gasableitung 21 aus, die über einen Gaswäscher 22 zu
einem Kondensator 23 führt. Waschlösungen, die im Gaswäscher
22 benötigt werden, sind in einem Kreislauf über einen Depot
behälter 24 geführt, der zur Abgabe von überschüssiger Wasch
lösung mit dem Übergabebehälter 16 verbunden ist. Der Konden
sator 23 hat eine Gasableitung und eine Flüssigkeitsableitung.
Die Gasableitung steht über eine Abgasreinigungsanlage 25 mit
einem Kamin 26 in Verbindung. Die Flüssigkeitsableitung steht
mit einer Konditionierungsanlage 27 in Verbindung. Mit dieser
ist auch eine Flüssigkeitsableitung der Abgasreinigungsanlage
25 verbunden.
Nach Fig. 3 steht ein Übergabebehälter 28 für die radioaktive
Lösung über Vorverdampfer 29 mit einem Denitrator 30 in Ver
bindung. Dieser weist eine Zuleitung 31 für einen Denitrier
stoff, beispielsweise für Formaldehyd, auf. Eine Ableitung 32
des Denitrators 30 führt in einen Mischtank 33. Gasableitungen
der Vorverdampfer 29 und des Denitrators 30 führen über einen
Kondensator 34 in einen Kondensatbehälter 35. Dort werden
Flüssigkeiten zur Weiterbehandlung in einen Tank 43 abgeschie
den. Gase gelangen vom Kondensatbehälter 35 über eine Abgas
reinigungsanlage 36 in einen Kamin 37. Der Mischtank 33 weist
eine Zuleitung 38 für Additive, beispielsweise für Wasserglas,
auf. Vom Mischtank 33 geht eine Zuleitung 39A zu einem Walzen
trockner 39. Dort erfolgt die Kalzinierung. Das dort gebildete
Kalzinat gelangt über eine Ableitung 39B in eine Granulier-
oder Pelletiervorrichtung 40 und von dort in die Zwischen
behälter 41 und in die Endbehälter 41a für den Abtransport.
Vom Walzentrockner 39 geht eine Gasableitung 44 aus, die mit
der Abgasreinigungsanlage 36 und damit mit dem Kamin 37 ver
bunden ist. Der Walzentrockner 39 kann mit einem Kühlkreis
lauf 42 verbunden sein.
Claims (17)
1. Verfahren zur Behandlung einer radioaktiven, insbesondere
einer hochradioaktiven, Abfallösung,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
an ihrem Entstehungsort kalziniert wird (4, 11).
2. Verfahren zur Behandlung einer salpetersauren, radioaktiven
Abfallösung,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
an ihrem Entstehungsort zunächst denitriert (4, 9)
und dann kalziniert wird (4, 11).
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
getrocknet und kalziniert (4, 11) wird.
4. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
thermisch denitriert (4) wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
in einem Drehrohrkalzinator (17) denitriert wird (4).
6. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
chemisch denitriert (9) wird.
7. Verfahren nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
durch Zugabe von Formaldehyd denitriert (9) wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
in einem Drehrohrkalzinator (17) kalziniert (4, 11) wird.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7,
dadurch gekennzeichnet, daß die Abfallösung
in einem Walzentrockner (39) kalziniert (4, 11) wird.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß vor dem Kal
zinieren (11) ein mineralisches Additiv zugegeben wird (10).
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß nach dem Kal
zinieren (4) ein mineralisches Additiv zugegeben wird (5).
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 oder 11,
dadurch gekennzeichnet, daß als mine
ralisches Additiv ein für einen Verglasungsprozeß notwendiger
Zuschlagsstoff zugegeben wird (5, 10).
13. Verfahren nach Anspruch 12,
dadurch gekennzeichnet, daß als Additiv
Wasserglas zugegeben wird (5, 10).
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13,
dadurch gekennzeichnet, daß das nach dem
Kalzinieren (4) verbleibende Kalzinat granuliert oder zu
Pellets verpreßt wird (6).
15. Einrichtung zur Behandlung einer radioaktiven Abfallösung,
dadurch gekennzeichnet, daß einem
Übergabebehälter (16, 28) oder einer Beschickungsvorrichtung
ein Drehrohrkalzinator (17) oder ein Walzentrockner (39)
nachgeschaltet ist, der eine Zuleitung (17A, 39A) für die
Abfallösung, eine Ableitung (17B, 39B) für Kalzinat und eine
Gasableitung (44, 21) aufweist.
16. Einrichtung nach Anspruch 15,
dadurch gekennzeichnet, daß die Zulei
tung (17A, 39A) für die Abfallösung und/oder die Ableitung für
Kalzinat mit einer Zuleitung (38, 18) für ein mineralisches
Additiv in Verbindung stehen.
17. Einrichtung nach einem der Ansprüche 15 oder 16,
dadurch gekennzeichnet, daß der Über
gabebehälter (16, 28) oder die Beschickungsvorrichtung mit
einem Denitrator (30) verbunden sind, der eine Zuleitung (31)
für einen das Denitrieren bewirkenden Stoff, eine Ableitung
(32) für die denitrierte Abfallösung und eine Gasableitung
aufweist und daß die Ableitung (32) für die denitrierte
Abfallösung mit dem Drehrohrkalzinator (17) oder mit dem
Walzentrockner (39) verbunden ist.
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