DE4117398A1 - Verfahren und einrichtung zum vernichten von vollstaendig eingesandetem kampfmittel - Google Patents
Verfahren und einrichtung zum vernichten von vollstaendig eingesandetem kampfmittelInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren bzw. eine Einrichtung gemäß
dem Oberbegriff des Anspruches 1 bzw. des Anspruches 2.
Im militärischen Alltag ist es bekannt, auf dem Grund direkt oberhalb
eines beispielsweise magnetisch georteten, vollständig eingesandeten
großvolumigen Kampfmittels wie etwa eines Bomben-Blindgängers oder
einer Mine ein Gestell auf das Erdreich zu setzen, das eine Hohlladung
in gewissem Abstand zum Grund haltert. Eine hinreichend groß ausge
legte Hohlladung dringt nach der Zündung dann mit dem Hohlladungs
strahl einige Dezimeter tief in das Erdreich ein und führt zur Deto
nation des Kampfmittels, wenn in dessen Einsandungs-Tiefe noch hin
reichend energiereiche Strahlbestandteile die Sprengmittel-Hülle
durchschlagen, um die Sprengstoff-Füllung zur Detonation zu bringen.
Ob dieser angestrebte Effekt der Kampfmittel-Vernichtung jedoch tat
sächlich erreicht wird, hängt stark von der Lagertiefe des Kampf
mittels und der Konsistenz des darüber befindlichen Materials ab. Auf
jeden Fall ist eine recht große Vernichtungs-Ladung erforderlich, die
aufgrund der Splitterwirkung bei ihrer Zündung eine ganz erhebliche
Umweltgefährdung erbringt; und am Grunde eines Gewässers ist dieses
Vorgehen schon deshalb nicht realisierbar, weil einerseits die genaue
Positionierung der Vernichtungsladung auf dem Grund zu aufwendig wäre
und andererseits die Energie des Hohlladungsstrahles beim Durchqueren
des Wassers und Eindringen in den Gewässer-Grund so stark reduziert
würde, daß nicht mit hinreichender Wahrscheinlichkeit eine Detonation
des Kampfmittel-Sprengstoffes ausgelöst wird.
Auch der etwa auf Flughäfen geübte Beschuß eines Kampfmittels mit
einer kleinkalibrigen Kanone von einem gepanzerten Fahrzeug aus ist
einerseits apparativ sehr aufwendig und andererseits gegen vollständig
eingesandete Kampfmittel, zumal unter dem Grunde eines Gewässers
nicht einsetzbar. Denn einerseits ist aus einer solchen Kanone kein
gezielter Beschuß gegen das nicht sichtbare Kampfmittel möglich, und
außerdem würde das aus einer solchen Kanone abgefeuerte Geschoß sich
nicht richtungsstabil weiterbewegen, wenn es aus Luft in ein dichteres
Medium wie Wasser oder gar Sand übertritt, so daß das Kampfmittel auch
dann nicht getroffen würde, wenn es aufgrund bekannter Lage genau ein
visiert werden könnte. Schließlich mag der Beschuß mit einer Kleinka
librigen Rohrmunition zwar zur Zerstörung des Kampfmittel-Mantels und
damit dazu führen, daß das Kampfmittel nicht mehr einsatzbereit ist;
geometrisch würde es dabei aber erhalten bleiben und bei der nächsten
Ortung zumindest eine erhebliche Irritation auslösen, da durch die La
ge-Ortung allein nicht feststellbar ist, ob das Kampfmittel noch in
takt ist.
Zur Vernichtung von Seegrund-Minen ist es bekannt, mittels fernge
steuerter Unterwasser-Drohnen großvolumige Vernichtungsladungen mög
lichst dicht neben der aufgespürten Grundmine abzulegen und, nach Ab
setzen der Drohne in sichere Entfernung, ferngesteuert zu zünden. Der
apparative und handhabungstechnische Aufwand dafür ist bar
außerordentlich groß und die tatsächliche Vernichtungswirkung relativ
ungewiß wegen nicht gezielt einsetzbarer Energie der lediglich neben
dem Kampfmittel abgelegten Vernichtungsladung.
In Erkenntnis dieser Gegebenheiten liegt der Erfindung die Aufgabe zu
grunde, ein Verfahren und eine Einrichtung gattungsgemäßer Art anzuge
ben, die ohne großen apparativen Aufwand zur sicheren Vernichtung auch
- selbst unter Wasser - vollständig eingesandeter großvolumiger Kampf
mittel einsetzbar sind.
Diese Aufgabe ist erfindungsgemäß im wesentlichen dadurch gelöst, daß
bei den jeweiligen Gattungsmerkmalen auch die Kennzeichnungsmerkmale
der Ansprüche 1 bzw. 2 realisiert werden.
Nach dieser Lösung wird die vergleichsweise sehr kleine Wirkmasse ei
nes schlanken Hohlladungs-Projektils, das aus einer billigen Frontla
der-Kartusche abgeschossen werden kann, in direkter Wirkrichtung un
mittelbar an der Kampfmittel-Mantelfläche ausgelöst, nachdem es das
umgebende Medium - einschließlich einer Sandschicht - mit stabiler
Ballistik aufgrund vollkavitierender Projektil-Geometrie durchdrungen
hat. Die verbleibende große Auftreffenergie auf das Kampfmittel führt
zum sicheren Ansprechen eines billigen da einfachen Aufschlagzünders.
Die ohnehin kleinen und infolge der kleinen Wirkmasse auch nicht hoch
energetischen Splitter, die beim Zünden des Vernichtungs-Projektils
entstehen, stellen eine allenfalls geringe Umweltgefährdung dar, die
durch die umgebende Sandmasse auch noch wirksam gedämpft ist. Deshalb
kann der Träger der richtbaren Projektil-Abschußkartusche in der
einmal erreichten Schußposition verbleiben, um erforderlichenfalls
noch ein zweites Projektil für zuverlässige Vernichtung des
Kampfmittels nachzufeuern, das nachgeladen oder in einem parallelen
Abschußrohr bereitgehalten wird.
Zwar ist es aus der DE-PS 36 26 434 bekannt, großvolumige Seegrund
minen durch Miniatur-Hohlladungsgefechtsköpfe außer Funktion zu set
zen, die über die am Grund geortete Mine ausgestreut werden und deren
Verdämmung durchbrechen sowie Krater in den Sprengstoff einbrennen,
ohne diesen gleich zur Detonation zu bringen. Aufgrund der niedrigen
Auftreffgeschwindigkeit sind diese Gefechtsköpfe aber mit einer recht
aufwendigen Zündeinrichtung auszustatten, und gegen vollständig
eingesandete Minen sind derartige bloß ins Wasser ausgestreute Minia
tur-Gefechtsköpfe wirkungslos.
Aus der DE-AS 23 60 226 schließlich ist es bekannt, daß als Zünder für
eine ummantelte Sprengladung eine verschwenkbar auf deren Mantelfläche
montierte Hohlladung einsetzbar ist. Eine solche konstruktive Anbrin
gung einer Hohlladung ist jedoch nicht möglich, wenn vollständig ein
gesandete Gefechtsmittel zerstört werden sollen.
Zusätzliche Alternativen und Weiterbildungen sowie weitere Merkmale
und Vorteile der Erfindung ergeben sich aus den weiteren Ansprüchen
und, auch unter Berücksichtigung der Darlegungen in der Zusammenfas
sung, aus nachstehender Beschreibung eines in der Zeichnung unter Be
schränkung auf das Wesentliche stark abstrahiert skizzierten Einsatz- und
Funktionsbeispiels für die erfindungsgemäße Lösung. Die einzige
Figur der Zeichnung zeigt in Aufriß-Darstellung einen Kartuschen-Trä
ger, von dem aus eine eingesandete Mine mit einem Projektil voll-ka
vitierender Geometrie und mit Aufschlagzünder für seine Hohlladung be
schossen wird.
Bei dem zu vernichtenden Kampfmittel 11 handelt es sich um einen re
lativ großvolumigen, im wesentlichen zylindrischen Körper mit einem
Metallmantel 12 von recht geringer Wandstärke im Verhältnis zum Kampf
mittel-Durchmesser 13, der im wesentlichen mit Sprengstoff 14 gefüllt
ist. Das Kampfmittel 11, etwa eine Seegrundmine, liegt vollständig in
Sand 15 vergraben, eingesandet in einer Tiefe unter dem Grund 16, die
mindestens in der Größenordnung des Zylinder-Durchmessers 13 liegen
und sogar einige Meter betragen kann. Beim Medium 17 über dem Grund 16
kann es sich um Wasser, aber auch um Luft handeln; so daß es sich beim
Grund 16 um einen Gewässergrund oder um den Boden an Luft handeln
kann. Die örtliche Position des eingesandeten Kampfmittels 11 längs
des Grundes 16 ist mittels einer beispielsweise magnetischen Ortungs
einrichtung (in der Zeichnung nicht berücksichtigt) lokalisierbar, die
in oder über dem Medium 17 oberhalb des Grundes 16 arbeitet.
Wenn das zu vernichtende Kampfmittel 11 lokalisiert ist, wird ein Trä
ger 18 für eine einfache, beispielsweise als Frontlader ausgebildete,
Kartusche 19 etwas seitlich neben die Position des Kampfmittels 11 ma
növriert und die mit einem Projektil 20 geladene Kartusche 19 mittels
einer Schwenk-Richteinrichtung 21 räumlich so ausgerichtet, daß nach
den trigonometrischen Gesetzmäßigkeiten die lineare Projektil-Schuß
bahn 22 das zuvor geortete Kampfmittel 11 möglichst mittig trifft. Die
Spitzen- und Hüllengeometrie des Vernichtungs-Projektils 20, 20′ ist
in als solcher bekannter Weise derart ausgelegt, daß sich jedenfalls
bei rascher Bewegung durch Wasser eine medienfreie Kavitationshülle
direkt hinter der Projektil-Spitze 23 einstellt; vgl. US-PS 34 34 425,
Fig. 5, jedoch mit viel kleinerem Durchmesser der umlaufenden
Stirnkante im Verhältnis zum größten Projektil-Durchmesser, so daß
sich eine diesem eng benachbarten Phasengrenze von der Kavitationshül
le zum Wasser einstellt. Dadurch findet keine Berührung des umgebenden
Mediums (Wasser) mit der zylindrischen Mantelfläche des Projektils
hinter seiner Spitze 23 statt, so daß das Projektil 20, 20′ sich, ge
gebenenfalls heckseitig die Kavitationshülle seitlich touchierend um
eine Auslenkung rückgängig zu machen, richtungsstabil durch das Umge
bungs-Medium 17 längs der Schußbahn 22 bewegt. Diese strömungsdynami
schen Verhältnisse bleiben auch dann bestehen, wenn ein Übergang der
Schußbahn 22 und damit des Projektils 20, 20′ in ein gegenüber Luft
noch dichteres Medium als Wasser wie insbesondere in Sand 15 erfolgt:
Auch hierin bewirkt die auf Kavitationserzeugung ausgelegte Geometrie
der Projektil-Spitze 23 die Verdrängung des Umgebungsmaterials, so daß
eine spitzkegelige bis zylindrische medienfreie Zone sich längs des
Projektils 20, 20′ um seine Wandung erstreckt und dadurch auch im Sand
15 eine praktisch richtungsstabile Fortbewegung des Projektils 20, 20′
gewährleistet bleibt.
Deshalb trifft das einmal mittels der schwenk-richtbaren Kartusche 19
bezüglich der vorher detektierten Lage des zu vernichtenden Kampfmit
tels 11 in korrekter Richtung abgeschossene Projektil 20, 20′ mit ho
her Auftreffgeschwindigkeit auch noch ein recht tief eingesandetes
Kampfmittel 11. Die hohe Auftreffgeschwindigkeit garantiert ein siche
res Ansprechen eines Aufschlagzünders 24, der als Heckzünder
ausgestaltet sein kann, vorzugsweise aber in der Projektil-Spitze 23
angeordnet ist. Der Zünder 24 initiiert die Gefechtsladung 25 hinter
einer (spitzkegeligen) Hohlladungs-Einlage 26, die in bekannter Weise
zu einem extrem hochenergetischen Hohlladungs-Strahl 27 umgeformt
wird. Diese durchdringt mühelos den Kampfmittel-Mantel 12 unabhängig
davon, ob er schon durch die kinetischen Energie des aufprallenden
Projektils 20′ beschädigt wurde, und dringt tief in den Kampfmittel-
Sprengstoff 14 hinein, der dadurch relativ großvolumig angezündet und
so zur Detonation gebracht wird.
Dadurch wird das Kampfmittel 11 sicher vernichtet; wobei die darüber
gelegene Schicht des Sandes 15 die Umgebungswirkung einer bei der De
tonation unvermeidlichen Splitterbildung wirksam dämpft. Dadurch ist
der in die Nähe des Detonationsherdes in Abschußposition verbrachte
Kartuschen-Träger 18 gut gegen Beschädigungen geschützt, so daß er aus
einem parallelen Rohr oder nach Nachladen der Kartusche mit einem
neuen Kampfmittel-Vernichtungsprojektil 20 erneut eingesetzt werden
kann. Da jedoch der Träger 18 nicht mit eigenen teueren
Ortungseinrichtungen ausgestattet sein muß, denn er wird ja in eine
Wirkposition nach Maßgabe des anderweitig zuvor lokalisierten
Kampfmittels gesteuert, kann es sich auch um ein Verlustgerät handeln;
d. h., der wirtschaftliche Verlust ist nicht zu groß, wenn aufgrund der
Detonation des Kampfmittels 11 Druckwellen oder Splitterwirkungen
ausgelöst werden, die die weitere Funktionsbereitschaft des
Kartuschen-Trägers 18 ernsthaft beeinträchtigen können.
Wenn es sich beim Medium 17 oberhalb des Grundes 16 um Wasser handelt,
ist der Kartuschen-Träger 18 als fernsteuerbares Fahrzeug in Form
eines Verdrängerschiffes, vorzugsweise eines Tauchbootes ausgelegt.
Wie in der Prinzipskizze der Zeichnung durch Teleskopbeine 28 symbo
lisch vereinfacht berücksichtigt, kann vorgesehen sein, die Abschuß
position nach Verbringung in die Nähe des Fundortes des zu vernichten
den Kampfmittels 11 mechanisch zu fixieren und dann erst die Feinaus
richtung der Projektil-Schußbahn 22 mittels der verschwenkbaren Kar
tusche 19 durchzuführen, um hierfür genügend Operationszeit bei mecha
nisch arretierter Träger-Position verfügbar zu haben. Wenn es sich
beim Medium 17 oberhalb des Sandes 15 um Luft handelt, kann der Kar
tuschen-Träger 18 als unmittelbar auf dem Grund 16 selbstfahrendes
oder geschlepptes Landfahrzeug ausgebildet sein.
Claims (5)
1. Verfahren zum Vernichten von vollständig eingesandeten Kampfmitteln
(11), durch Auslösen einer Sprengstoff-Detonation mittels eines
Hohlladungs-Strahles (27),
dadurch gekennzeichnet,
daß das zuvor geortete Kampfmittel (11) von einem, mit einer richt
baren Kartusche (19) ausgestatteten, Träger (18) aus mit einem
Hohlladungsprojektil (20, 20′) mit Aufschlagzünder (24) beschossen
wird, das eine auch in Sand (15) vollkavitierende Geometrie auf
weist.
2. Einrichtung zum Ausüben des Verfahrens nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein manövrierbarer Träger (18) für eine richtbare Kartusche
(19) für ein vollkavitierendes Hohlladungs-Projektil (20, 20′) mit
einem Aufschlagzünder (24) vorgesehen ist.
3. Einrichtung nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Träger (18) ein Wasser-Verdrängerfahrzeug ist.
4. Einrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Träger (18) in der Abschußposition am Grund (16) fixierbar
ist.
5. Einrichtung nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet,
daß der Träger (18) ein Oberflächen-Land- oder -See-Fahrzeug ist.
Priority Applications (2)
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Applications Claiming Priority (1)
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| DE19914117398 DE4117398A1 (de) | 1991-05-28 | 1991-05-28 | Verfahren und einrichtung zum vernichten von vollstaendig eingesandetem kampfmittel |
Publications (1)
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Family Applications (1)
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Country Status (2)
| Country | Link |
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Also Published As
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Legal Events
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|---|---|---|---|
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Owner name: DIEHL STIFTUNG & CO., 90478 NUERNBERG, DE |
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