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Steuerruder mit Kupplung zwischen Ruder und Ruderschaft. Es ist bei
größeren Schiffen vielfach aus Herstellungs- und Montagerücksichten erforderlich
und daher allgemein bekannt und üblich, den in den Schiffskörper hineinragenden
und in ihm gelagerten Ruderschaft nicht aus einem Stück mit dem geschmiedeten oder
gegossenen Teile des Ruders, wie Ruderpfosten, Ruderrahmen, herzustellen, sondern
ihn mit diesem durch eine feste Kupplung, bestehend aus wagerechten oder senkrechten,
miteinander verschraubten Flanschen, zu verbinden. Diese Konstruktion ist dann ohne
wesentlichen Nachteil mcglich, wenn das Ruder mehrere in Ösen des Hinterstevens
gelagerte Fingerlinge besitzt, so daß es an diesen Stellen durch den Hintersteven
wirksam gestützt und das Auftreten grcßerer Biegungsmomente auf Grund des Ruderdruckes
im Schaft und in der Kupplung verhindert wird. Letztere hat daher im wesentlichen
nur das Ruderdrehmoment zu übertragen.
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:'achteilig kann diese Konstruktion jedoch in den Fällen werden, in
denen die Ruderform nicht eine solche mehrfache Stützung des Ruders am Hintersteven,
sondern nur eine einzige Stützung an der Unterkante des Ruders zuläßt. Dies ist
beispielsweise bei Rudern der Fall, welche vor der Achse über die ganze Höhe eine
Balancefläche aufweisen, und auch bei dem Flettner-Ruder, welches sich bei Rückwärtsfahrt
ganz um seine Achse herum dreht. Ein solches Ruder muß zweckm2ßigerweise mcglichst
dicht oberhalb der Kupplung eine Lagerung erhalten, und da in der Regel mit Rücksicht
auf gute Zugänglichkeit und Bedienbarkeit der Ruderquadrant oder sonstige Ruderantriebsorgane
nicht unmittelbar oberhalb der Eintrittsstelle des Schaftes in den Schiffskörper,
sondern oberhalb eines höher gelegenen Decks anzuordnen sind, so wird noch eine
weitere Lagerung in diesem Deck erforderlich. Es ergeben sich somit im ganzen drei
Lagerungen des Ruders bzw. des Ruderschaftes, und hierdurch ist bei einer festen
Kupplung ein statisch unbestimmtes System bedingt. Dies ist aus dem Grunde ungünstig,
weil die unterste Lagerstelle die Defoimationen des Hinterstevens und der Hacke
mitmacht und diese Deformationen einerseits sicher nicht unbedeutend sind, anderseits
aber
ihre Größe rechnerisch kaum mit ausreichender Genauigkeit festzustellen
und daher sehr unsicher ist. Dadurch wird aber auch die Biegungsbeanspruchung des
Schaftes eine unsichere Größe. Da sie aber andererseits insbesondere im Bereich
der zweiten Lagerung zweifellos ein beträchtliches -Maß erreicht, .o stellt das
Moment der Unsicherheit bei einem so vitalen Teile des Schiffes einen erheblichen
Nachteil dar.
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Dieser Nachteil wird gemäß der Erfindung dadurch beseitigt, daß die
Kupplung zwischen Ruderschaft und Ruder als Gelenkkupplung ausgebildet ist, derart,
daß sie senkrecht zur Ebene des Ruderblattes kein Biegungsmoment aufzunehmen und
zu übertragen vermag. Der Ruderdruck, der bekanntlich im wesentlichen senkrecht
zum Ruderblatt wirkt, ruft dann in Höhe der Kupplung, also am unteren Ende des Ruderschaftes,
lediglich einen Auflagedruck, kein Einspannungsmoment hervor, und die Beanspruchungen
im Ruderschaft sowohl wie im Ruderblatt sind nunmehr durchweg einer genauen Berechnung
zugänglich.
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Eine solche Gelenkkupplung ist aber auch bei einem normalen, in mehreren
Ösen des Hinterstevens gelagerten Ruder ohne weiteres anwendbar und bietet auch
hier den Vorteil, daß wegen Fortfall des Biegungsmomentes an Unterkante des Ruderschaftes
die Festigkeitsverhältnisse des durch die mehrfache Lagerung in nicht starren Auflagern
komplizierten Systems schärfer erfaßt und dadurch die Sicherheit der Ruderkonstruktion
vergrößert wird.
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Die Erfindung ist auf der Zeichnung in zwei Ausführungsbeispielen
dargestellt.
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Abb. i zeigt die -Gesamtanordnung eines Ruders, welches unterhalb
der Austrittsstelle des Schaftes aus dem Schiffskörper nur an Unterkante Ruder gestützt
ist. Abb. 2 zeigt in vergrößertem Maßstäbe eine Ausbildung der Gelenkkupplung für
ein solches Ruder und Abb. 3 eine entsprechende Ausbildung für ein Flettner-Ruder.
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In Abb. i stellt a das Ruderblatt, b1 den Ruderschaft, b. den Ruderpfosten,
d. h. den im Bereich des Ruders liegenden Teil des Ruderschaftes, und c die Gelenkkupplung
dar, die die beiden Schaftteile b1 und b. verbindet. An seiner Unterkante ist das
Ruder vermittels eines Zapfens d in der nach hinten vorspringenden Hacke e des Hinterstevens
f gestützt. Der Schaft bi i`,t in den beiden Lagern g und lt
an der Austrittsstelle
aus dem Schiffskörper und in dem unterhalb des Quadranten i gelegenen Deck gelagert.
Im übrigen kann, wie in Abb. i, der Durchtritt des Schaftes b1 durch das Deck mit
einer Stopfbuchse k abgedichtet sein, in welchem Falle ein Ruderkoker 1 vorzusehen
ist, oder es kann auch die Stopfbuchse in Verbindung mit dem unteren Lager g angerodnet
sein.
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Die Gelenkkupplung selbst kann bei:.pielsweise gemäß Abb.2 ausgebildet
sein, wobei beide Teile b1 und b., des Ruder-chaftes mit Augen ynl und na, versehen
sind und der eine Teil, in diesem Falle der untere (b.,), gabelförmig um den anderen
(b1) herumfaßt. Durch die Augen ml und in., ist der Gelenkbolzen ra gesteckt.
Jedoch kann das Gelenk auch in Leliebiger anderer `'eise ausgeführt sein; Bedingung
ist nur, daß der oder einer der Gelenkbolzen in der Ebene des Ruderblattes a liegt
und daß die Kupplung das Ruderdrehmoment zu übertragen vermag.
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Abb. 3 zeigt eine Ausführungsweise der Kupp-,' lung für ein Flettner-Ruder,
bei welchem durch den hohlen Schaft b1, b.2 des Hauptruders in bekannter `'eise
der Schaft o des Hilfsruders hindurchgeht. In diesem Falle kann kein durchlaufender
Gelenkbolzen verwendet werden, sond ern es müssen zwei in gleicher Achsrichtung
liegende Bolzen P vorhanden sein. welche die einander benachbarten Arme der in dicsEm
Falle an den Enden beider Teile b, und b , des Hauptruderschaftes vorgesehenen
Gabeln paarweise gelenkig verbinden. Der Hilfsruc'erschaft o ist ebenfalls mit einem
Gelenk r1 versehen welches in gleicher Höhe wie das Gelenk des Hauptruderschaftes
angeordnet und zweck mäßig als Kardangelenk ausgebildet ist, da sich der Hilfsruderschaft
gegen den Hauptruderschaft verdrehen kann und infolgedessen die Biegungsebene mit
Bezug auf den Hilfsruderschaft veränderlich ist. Oberhalb und unterhalb dieses Gelenkes
sind für den Hilfsruderschaft o Lagerungen v im Hauptruderschaft b1, b" vorgesehen.