DE3734744A1 - Dichtungssystem - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft ein gasdichtes, verspanntes Dichtungssystem
für unparallele Dichtungsflächen zweier in einem Abstand
gegenüberliegender, relativbewegter Bauteile mit einem aus
mindestens zwei gegeneinander verschiebbaren Ringteilen bestehenden
ringförmigen Dichtungssatz.
Derartige Dichtungssysteme werden angewendet für die fluiddichte
Sicherung von Schnittstellen in Apparten, an denen Innen- oder
Außendruck von Flüssigkeiten oder Gasen wirkt und ein gewisses
Spiel der Bauteilachsen in axialer und/oder radialer Richtung durch
Fertigungs-, Montagetoleranzen oder Betriebsbelastungen zu erwarten
ist.
Aus der DE-OS 29 23 600 ist ein Dichtungssystem dieser Gattung
bekannt. Fig. 4 zeigt eine Dichtung zwischen einem Gehäuse und
einem Wellenabsatz aus zwei axial wirkenden Kunststoffringen mit
dazwischen angeordneten Metallringen, die eine im Querschnitt
trapezförmige Lücke zwischen sich bilden. In dieser Lücke ist eine
aus zwei übereinanderliegenden, geteilten Ringen aus Metall
gebildeter und durch eine äußere Ringfeder gehaltene Dichtung
eingelegt. Durch die Ringfeder ist das Dichtungssystem elastisch
und vermag geringfügige Fluchtungsfehler zwischen Gehäusebohrung
und Welle sowie Reibverschleiß an den Flanken der Metallringe
auszugleichen.
Größere Disparallelitäten zwischen den Bauteilachsen als einige
1/10 mm können nicht ausgeglichen werden, da die Metallringe nicht
elastisch genug sind, um von einer Kreisform abweichende Dichtspalte
gasdicht schließen zu können.
Aus der DE-OS 29 32 825 ist ein anderes gattungsgemäßes
Dichtungssystem bekannt mit zwei oder drei gegeneinander
abdichtenden Kunststoffringen kreisförmigen Querschnittes.
Allerdings ist eine Axialverschiebung der abzudichtenden Bauteile
Gehäuse/Welle nicht vorgesehen, und die Dichtspaltüberbrückung
hängt allein von der Dicke und Kompressibilität der Kunststoffringe
ab und ist entsprechend begrenzt.
Von daher liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein
gattungsgemäßes Dichtungssystem zu schaffen, das größere
Achsfluchtungstoleranzen, eine Achsverschiebung in radialer und
axialer Richtung zuläßt, dabei aber gasdicht bleibt und technisch
einfach zu fertigen und zu montieren ist.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch die in Anspruch 1
genannten Merkmale.
Vorteilhafte Weiterbildungen des allgemeinen Erfindungsgedankens
sind in den Unteransprüchen erfaßt.
Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, daß kombiniert
wirkende Dichtungen für mehrere Freiheitsgrade zweier
gegenüberliegender Bauteile material- und konstruktionsbedingte
Grenzen haben.
Daher werden zwei verschiedene Dichtungselemente vorgeschlagen, von
denen die eine gegen axiale Verschiebung und die andere gegen
radiale Verschiebung der Bauteilachsen unempfindlich sind.
In dem neuen Dichtungssystem ergeben die zwei gleichzeitig wirkenden
Dichtungspaarungen, die durch definierbare Kraft gegeneinader
gedrückt werden, eine kombinierte Wirkung.
Mit der Zerlegung der kombinierten Dichtfunktion in zwei
voneinander unabhängige Dichtungspaarungen kann die
Auslegungsgrenze für Relativbewegungen an der abzudichtenden
Bauteile-Schnittstelle wesentlich vergrößert werden und auch sich
überlagernde Toleranzen, resultierend aus Achsbiegung,
Rotationsexzentrizitäten und Achsverschiebung, ausgeglichen werden.
Wenn beispielsweise eine rotatorische Relativbewegung zwischen den
Bauteilen entsteht, ist eine Dichtung einem Reibverschleiß
ausgesetzt. Durch erfindungsgemäße Aufteilung der axialen
Dichtfunktion auf zwei Dichtpaarungen kann die Standzeit verdoppelt
werden bei gleichzeitiger exakter Zentrierung der Dichtungen auf
den beiden Bauteilen. Eine identische Ausführung der Dichtungen
erleichtert die Ersatzteilhaltung und vermeidet Einbaufehler.
Die Forderungen nach hoher Standfestigkeit, geringer Reibung,
Gasdichtigkeit und Wirtschaftlichkeit wird in an sich bekannter
Weise nur von einer Dichtungspaarung Metall/Kunststoff
gewährleistet.
Versuche haben gezeigt, daß insbesondere der Kunststoff
Polytetrafluorethylen geeignet ist, da er geringe Haftung,
Langlebigkeit und hohe Temperaturbeständigkeit aufweist. Ähnlich
geeignet wäre eine Dichtung aus Gußpolyamid, jedoch bei geringerer
Dauerbelastbarkeit unter höheren Temperaturen.
Die radiale Abdichtung soll erfindungsgemäß eine planparallele
Ringdichtung, die in weiten Grenzen - entsprechend der Ringbreite -
eine parallele Achsverschiebung zuläßt, übernehmen.
Hohe Zuverlässigkeit über Betriebszeiten von mehreren Jahren
bedingen standfeste Werkstoffe. Daher soll das Dichtungssystem aus
stählernen Grundelementen bestehen, in die lediglich die
verschleißenden Dichtungsteile erneuerbar eingeklebt werden können.
So ist auch eine einfache Reparatur möglich.
Der für eine Dichtwirkung notwendige Anpreßdruck zwischen den
Dichtflächen soll erfindungsgemäß durch einen gewichtsbelasteten
Seilzug aufgebracht werden. Damit wird eine stets gleichbleibende
Preßkraft über einen nahezu beliebig langen Verschiebeweg
garantiert. Die meisten bekannten Dichtungssysteme sind abhängig von
der Dauerelastizität der verwendeten Werkstoffe und ermüden daher
schneller.
Der Einfachheit halber wird die Anpreßkraft über ein vorzugsweise
nicht rotierendes Bauteil auf die Dichtung übertragen.
Eine gute Selbstzentrierung der axialen Dichtungen auf den beiden
gegenüberliegenden Bauteilen wird dadurch erreicht, daß die
Bauteile gewölbte Oberflächen. d.h. Dichtflächen aufweisen, die
zudem feinstbearbeitet sein sollten. Dabei können sowohl konkave
Oberflächen für innerhalb der Bauteilabmessungen liegende
Dichtungen als auch konvexe Oberflächen für von außen wirkende
Dichtringe vorgesehen werden.
Anhand einer schematischen Zeichnung soll ein Ausführungsbeispiel
der Erfindung näher erläutert werden.
Bei einer Müllpyrolyseanlage fließt ein Füllgut in Richtung A durch
ein Rohr 1 mit 400 mm Durchmesser von einem nicht dargestellten
Einfülltrichter mit der Hauptachse B zu einem ebenfalls nicht
dargestellten Reaktorbehälter mit der Achse C. Flansch 2 ist
elastisch durch in Bohrung 3 einsetzbare Schrauben mit dem
stillstehenden Einfülltrichter verbunden. Flansch 19 ist über eine
Schraubverbindung 20 mit dem rotierenden, 5 m durchmessenden
Reaktorbehälter verbunden. Ein Ringsystem mit 600 mm
Innendurchmesser und 700 mm Außendurchmesser, bestehend aus den
baugleichen axialen Dichtungen 11 bzw. 15 sowie der radialen
Dichtung 13, eingeklebt in die Ringkörper 10 bzw. 14, dichtet den
Spalt 16 zwischen den Flanschen 2 bzw. 19 auf deren balligen
Oberflächen 8 bzw. 18 gasdicht ab. Das Ringsystem wird durch einen
an Absatz 4 des Flansches 2 angelaschten und über Rolle 6
umgelenkten, mit Gewicht 7 belasteten Seilzug 5 mit stets
konstanter Kraft zwischen den Flanschen 2 und 19 zusammengepreßt.
Überdeutlich ist ein montagebedingter Fluchtfehler F als
Winkelabweichung zwischen den Apparateachsen B und C dargestellt.
Derartige Differenzen können auch beispielsweise in der
entgegengesetzten Richtung durch Biegung nach Beladung des
Reaktorbehälters entstehen.
Der Ringkörper 14 ist über die eingeklebte Dichtung 13 aus Teflon®
nur reibschlüssig über die geschliffene Dichtfläche 12 mit dem
Ringkörper 10 verbunden.
Der Fluchfehler F führt daher zu einer Verschiebung der
Dichtungspaarung 17 zwischen der geschliffenen Oberfläche 18 des
Flansches 19 und der Dichtung 15 aus Teflon® im stählernen
Ringkörper 14.
Dadurch wird dieser Ringkörper 14 relativ zu Ringkörper 10 um das
Differenzmaß D radial verschoben, ohne daß die Dichtwirkung zwischen
der Dichtfläche 12 und der dazu planparallelen Dichtung 13 nachläßt.
Die balligen Oberflächen 18 bzw. 8 der Flansche 19 bzw. 2 bewirken
durch die Verspannung über Seilzug 5, daß die Dichtungspaarungen 17
bzw. 9 zu den Dichtungen 15 bzw. 11 erhalten bleiben und das
Ringsystem stets senkrecht zwischen den Flanschen 19 bzw. 2
zentriert wird.
Eine durch Abrieb der Dichtungen 15 bzw. 11 oder durch Wärmedehnung
verursachte Axialverschiebung der Flansche 19 oder 2 gleicht der
Seilzug 5 aus. Wenn der Abrieb ein definiertes Maß erreicht hat,
können die Dichtungen 15 und 11 gegenseitig gewechselt oder
ausgetauscht werden.
Durch diese Anordnung von getrennten axial und radial wirkenden
Dichtelementen kann jede auftretende Relativbewegung zwischen den
Flanschen 19 und 2 sowie eine Winkeldifferenz oder ein
Parallelversatz der Achsen B und C ausgeglichen werden, ohne daß
die Dichtfunktion leidet.
Alle Teile des Ringsystems bestehen aus einfachen Drehteilen; das
Dichtungssystem kann über Jahre wartungsfrei betrieben werden.
Claims (8)
1. Gasdichtes, verspanntes Dichtungssystem für unparallele
Dichtungsflächen zweier in einem Abstand gegenüberliegender
relativbewegter Bauteile mit einem aus mindestens zwei
gegeneinander verschiebbaren Ringteilen bestehenden
ringförmigen Dichtungssatz, gekennzeichnet durch mindestens je
eine radial wirkende und eine axial wirkende Dichtungspaarung
(12 bzw. 9, 17) und mindestens ein mit definierter Kraft axial
verschiebbares Bauteil (2).
2. Dichtungssystem nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch zwei
axiale und eine radiale Dichtungspaarung (9, 17 bzw. 12).
3. Dichtungssystem nach Anspruch 1 oder 2, gekennzeichnet durch
eine Dichtungspaarung (9, 12, 17) Metall/Kunststoff.
4. Dichtungssystem nach den Ansprüchen 1 bis 3, gekennzeichnet
durch eine planparallele radiale Ringflächendichtung (13)
zwischen den Ringteilen.
5. Dichtungssystem nach den Ansprüchen 1 bis 3, gekennzeichnet
durch auf stählerne Ringkörper (10, 14) geklebte Dichtungen
(11, 13, 15) aus Kunststoff.
6. Dichtungssystem nach den Ansprüchen 1-5, gekennzeichnet
durch eine Dichtung (11, 13, 15) aus Polytetrafluorethylen.
7. Dichtungssystem nach den Ansprüchen 1 bis 6, gekennzeichnet
durch Axialverschiebbarkeit eines Bauteiles (2, 19),
vorzugsweise eines nicht rotierenden Bauteiles, durch einen
gewichtsbelasteten Seilzug (5).
8. Dichtungssystem nach den Ansprüchen 1 bis 7, gekennzeichnet
durch eine gewölbte Oberfläche (8, 18) mindestens eines
Bauteiles (2, 19).
Priority Applications (1)
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| DE19873734744 DE3734744A1 (de) | 1987-10-09 | 1987-10-09 | Dichtungssystem |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE19873734744 DE3734744A1 (de) | 1987-10-09 | 1987-10-09 | Dichtungssystem |
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| DE3734744A1 true DE3734744A1 (de) | 1989-04-27 |
| DE3734744C2 DE3734744C2 (de) | 1990-02-08 |
Family
ID=6338292
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
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Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE3734744A1 (de) |
Citations (7)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
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-
1987
- 1987-10-09 DE DE19873734744 patent/DE3734744A1/de active Granted
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Also Published As
| Publication number | Publication date |
|---|---|
| DE3734744C2 (de) | 1990-02-08 |
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