DE34651C - Verfahren und Apparate zum Telegraphiren mittelst Induktions-Ströme - Google Patents
Verfahren und Apparate zum Telegraphiren mittelst Induktions-StrömeInfo
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und die dazu nöthigen Apparate, mittelst
Inductions-Ströme zu telegraphiren, und zwar werden die Inductionsströme nicht durch die
bekannten Inductionsspulen oder durch elektrische Maschinen irgend welcher Art erzeugt,
sondern die Erzeugung t geschieht durch eine
besondere Anordnung 'von Inductionsspulen zwischen permanenten Magneten und einem
Elektromagneten, wodurch starke und hochwirksame Inductionsströme erzielt werden.
Diesen Strömen entsprechend sind auch die Empfangsapparate construirt.
Auf beiliegender Zeichnung stellt Fig. 1 den Stromerzeugungsapparat in perspectivischer Ansicht,
Fig. 2 und 3 von. der Seite bezw. von vorn gesehen dar, während Fig. 4 und 5 in
Seiten- und Oberansicht den Empfangsapparat, Fig. 6 ein Schema des Stromlaufes und Fig. 7
einen Stromumkehrungsschlüssel zeigen.
In den Fig. 1, 2 und 3 sind zwei permanente Stahlmagnete A und A' in Hufeisenform
auf einer Grundplatte B angeordnet. Dieselben werden einestheils durch eine Platte b aus Holz
oder anderem nichtmagnetischen Material, anderentheils durch Zugstangeny und Querstegej^'
in der richtigen Entfernung von einander gehalten. Jeder. Pol dieser Stahlmagnete, die
sich mit ihren ungleichnamigen Polen gegenüber stehen, ist mit einer Verlängerung α aus
weichem Eisen versehen, so dafs die Verlängerungen in einer Linie liegen und zwischen
sich ein stark magnetisches Feld bilden. Jede Polverlängerung α ist von einer Spule C mit
feinem Draht, der etwa die Stärke des Morse-Relaisdrahtes hat, umgeben. Die Spulendrähte
jedes Magneten, sind mit ihren inneren Enden und die beiden Paare mit ihren entsprechenden
äufseren Drahtenden durch den Drahte verbunden,
so dafs die Spule an dem einen Südpole mit ihrem Aufsendrahtende, mit dem Aufsenende
der Spule an dem anderen Südpole verbunden ist. Die äufseren Enden der anderen
beiden Spulen sind an Erde E bezw. an die Linie L gelegt. Die Spulen sind alle gleich
grofs und durch die beschriebene Verbindung fliefsen die in den Spulen gleichzeitig erzeugten
Inductionsströme alle nach einer Richtung.
Ein Elektromagnet D mit dickem Draht ist mit seinem hinteren Verbindungsstück d an der
Platte b befestigt und die vorderen Polenden/, die etwas abgeflacht sind, reichen bis zwischen
die Polstücke α der Stahlmagnete hinein, wobei die Berührung mit diesen Polstücken α durch
dünne zwischengelegte Plättchen g von Isolirmaterial, z. B. Hartgummi, Holz, Papier u.'dergl.,
verhütet wird.
Ein Ende der Drahtbewickelung des Elektro-" magneten ist mit einer Klemme jp, das andere
mit der Klemme p' verbunden. Die Klemmep steht mit dem einen Pol einer kleinen Batterie X
in Verbindung, deren änderer Pol mit dem Ambos oder dem Stromschliefsungscontact eines
gewöhnlichen Tasters i£ verbunden ist, welcher
seinerseits wieder an die andere Klemmep' für
den Elektromagneten D angeschlossen ist.
Läfst man nun durch die Windungen des Elektromagneten einen Strom hindurchgehen,
so wird sowohl bei der Stromschliefsung als bei dem Oeffnen des Stromes ein Inductionsstrom
in den vier Spulen C erzeugt, der an Stärke den auf die bekannte Weise erzeugten
Strömen bedeutend überlegen ist. 'Diese Ströme werden noch verstärkt, wenn man nicht Stromschliefsungen
und Unterbrechungen in dem ■ Elektromagneten herstellt, sondern Stromumkehrungen
anwendet.
Die Stärke dieser Ströme hängt von der Stärke der permanenten Magnete, dann von
der Feinheit des Drahtes auf den Spulen C und drittens von der Kraft der verwendeten
Batterie ab. Je stärker der Magnet und je feiner der Draht, desto gröfser ist die Intensität
der Ströme. Ein einfaches Chromelement ist im Stande, Ströme zu erzeugen, die mehr
als 40 000 Ohm Widerstand zu überwinden vermögen.
Bei Verwendung von Stromumkehrungen im Elektromagneten ist ein entsprechendes Empfangsinstrument
nöthig. Ein solches ist in den Fig. 4 und 5 dargestellt. Ein permanenter Stahlmagnet M in Hufeisenform ist mit einem
Schenkel auf der Grundplatte m befestigt. An dem vorderen Ende des anderen Schenkels ist
das Verbindungsstück zweier Kerne eines Elektromagneten O mit den beiden Spulen q q' angebracht.
Infolge dessen sind die Kerne stetig magnetisirt. Vor den Polen des Elektromagneten
schwingt ein Anker R an einer verticalen Stange S, die unten bei t und oben in einem
Arm V der Säule T gelagert ist. -An dem einen Ende des Ankers R ist eine justirbare
Contactschraube u in einem Säulchen TJ angeordnet. Die Säule T steht durch einen Draht,
Fig. 5, mit einer Klemme ρ 3, die Säule U mit
der Klemme ρ 2 in Verbindung. An diese
Klemmen ρ2p 3 schliefsen sich die Drähte einer
Localbatterie X1 und ein Klopfer 5', Fig. 6.
Die beiden Drähte der Elektromagnetbewickelung stehen mit den Klemmen p*p& in Verbindung,
von denen p5 an die Linie L angeschlossen
ist, ρ 4 zu einem kleinen Umschalter J
führt, dessen einer KnopfJ1 an Erde gelegt ist, während der andere j2 erst nach Passirung
der Spulen C des Aufgabeapparates zur Erde E führt.
Der Anker R des Relais besteht aus weichem Eisen und ist daher völlig indifferent. Der
Anker liegt ziemlich dicht vor den Polen des Elektromagneten; er wird mit einem Ende an
einem der Pole anliegen, so lange kein Strom durch die Elektromagnetwickelung hindurchgeht.
Die Apparate der Aufgabe- und der Empfangsstation, No. ι und No. 2, Fig. 6, sind
dieselben; jede Station erhält einen Stromerzeugungs- und einen Stromempfangsapparat,
einen Taster und eine damit verbundene Localbatterie, sowie ein Relais mit Localbatterie und
Umschalter. Nach dem Schema 'Fig. 6 werden die Relais beider Stationen durch den Liniendraht
L mit einander verbunden. Wenn die Linie nicht in Thätigkeit ist, werden die Umschalter
J so gestellt, dafs die Verbindung mit dem Knopf jl vorhanden ist, wodurch die
Relais an Erde gelegt sind und die Spulen des Stromerzeugungsapparates von der Linienleitung
ausgeschlossen sind. Will nun Station 1 nach Station 2 eine Depesche senden, so wird
der Umschalter J in Station 1 auf den Knopf;2 gestellt und der Stromerzeuger dadurch in die
Linie eingeschaltet. Durch Operiren mit dem Taster K in Station 1 kann ein Anrufsignal
an das Relais der Station 2 abgegeben werden. Nachdem dies geschehen, wird der Stromerzeuger
wieder aus der Linie ausgeschaltet (obgleich dies nicht unbedingt nöthig ist) und
die Antwort der angerufenen Station abgewartet. Nachdem diese eingetroffen, wird der Stromerzeuger
wieder eingeschaltet und nun durch den Taster K die Depesche etwa nach dem
Morse-System abtelegraphirt. Wenn ein gewöhnlicher
Taster K verwendet wird, so wird bei jedem Niederdrücken desselben der Strom
der Batterie X geschlossen, die Spulen des Elektromagneten D werden in den Stromkreis
eingeschaltet und die Eisenkerne werden magnetisirt. Dadurch wird ein Inductionsstrom
in den Spulen C erzeugt, welcher durch den Liniendraht zur Erde wieder zurückkommt.
Wird der Taster geöffnet, so durchläuft ein Inductionsstrom in umgekehrter Richtung die
Linie und die Spulen. Es sei nun vorausgesetzt, dafs in den Relais die Spulen O an
dem Nordpol des permanenten Magneten M befestigt sind. Dadurch sind selbstredend auch
die beiden Kerne der Spulen q q' nordmagnetisch.
Hat der ankommende Linienstrom nun eine solche Richtung, dafs die Spule q Nord-
und die Spule q' Südpolarität erhält, so wird
die Spule q verstärkt, die Spule q1 geschwächt,
wenn nicht ganz neutralisirt, so dafs die stärkere Anziehung auf den Anker R bei der Spule q
sich befindet. Indem der Anker sich also an die Spule q anlegt, schliefst er zugleich durch
Anschlag an die Contactschraube u die Localbatterie, und die Klopfer beider Stationen gerathen
in Bewegung. Trotzdem der Inductionsstrom nur von äufserst kurzer Dauer ist, wird der Anker des Relais doch in seiner
Stellung so lange verharren, bis der Taster in Station 1 wieder hochgeht, die Kerne des
Elektromagneten D entmagnetisirt werden und ein Strom in umgekehrter Richtung durch:
Linie und Relais hindurchgeht. Der Anker R wird, da jetzt Spule ql gestärkt, q dagegen
geschwächt wird, von q 1 angezogen, hebt den
Contact bei u auf, die Localströme werden geöffnet und die Klopfer machen Rückwärtsbewegung.
Auf diese Weise können die Punkte und Striche des Morse-Alphabets genau wiedergegeben
werden.
In dem angegebenen Relais ist zum Unterschiede von den bekannten Relais nur ein Pol
des permanenten Magneten benutzt. Der Anker des Relais darf auch nicht magnetisch sein,
weil sonst die angegebene Wirkung nicht statthaben könnte. Das Relais kann auch direct
als Klopfer verwendet werden.
Anstatt den Elektromagneten des Stromerzeugungsapparates abwechselnd zu magnetisiren
und entmagnetisiren, kann man auch den Localstrom für diesen Elektromagneten in seinen
Richtungen jedesmal umkehren; die Wirkung ist dieselbe. Fig. 7 zeigt einen hierfür geeigneten
Taster, dessen Construction ohne weitere Beschreibung verständlich ist.
An dem Wesen der Erfindung wird nichts geändert, wenn statt der zwei Paar Polverlängerungen
an dem Stromerzeuger nur ein Paar oder mehrere Paare angeordnet werden, nur mufs der angegebene Stromlauf innegehalten
werden.
Claims (1)
- Patent-Ansprüche:i. Zur Erzeugung elektrischer Inductionsströme ein telegraphischer Aufgabeapparat, bestehend aus zwei permanenten Magneten A A1 (Fig. ι bis' 3) in entsprechender Entfernung von einander, auf deren einander gegenüberstehenden Polverlängerungen a Spulen C sich befinden, deren Drahtbewickelung und Drahtverbindung derart angeordnet ist, dafs die erzeugten Inductionsströme die Spulen hinter einander durchlaufen, ferner bestehend aus einem Elektromagneten D, dessen Polenden f zwischen die Polverlängerungen α der Magnete AA1 reichen, so dafs bei Unterbrechungen oder bei Umkehrungen eines durch den Elektromagneten D geleiteten Stromes in den Spulen C Inductionsströme entstehen, welche zum Telegraphiren oder für ähnliche Zwecke benutzt werden können.
Ein Empfangsapparat oder Relais für den unter 1. gekennzeichneten Aufgabeapparat, bestehend aus einem permanenten Magneten M (Fig. 4 und 5), auf dessen einem Pol zwei Spulen q q1 befestigt sind, vor deren Kernen ein weicher Eisenanker R dadurch oscillirt, dafs durch die ankommenden Inductionsströme je nach ihrer Richtung eine der beiden Spulen q q1 stärker magnetisirt wird als die andere, und wobei durch die Oscillationen des Ankers R eine Localbatterie mit den entsprechenden Apparaten in Thätigkeit versetzt wird oder der Anker selbst als akustischer Empfänger dient.Hierzu ι Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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|---|---|
| DE34651C true DE34651C (de) |
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Family Applications (1)
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