DE3239710T1 - Peptide mit nerven-regenerierenden eigenschaften - Google Patents
Peptide mit nerven-regenerierenden eigenschaftenInfo
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Description
e Schreibung
Die Erfindung betrifft die Verwendung bestimmter Peptide als Mittel zur Förderung der Axon-Rege-
nerierung. ;
ι
ι
ι
Verletzungen der Nervenfasern führen im allgemeinen zu einer Degerierierung des Nervenabschnitts, die sich
weit über die!Verletzungsstelle hinaus erstrecken kann. Diese sogenannte Waller-Degeneration kann letzten
Endes zu einer vollständigen Desensibilisierung des Zielorgans führen. Die Substanzen, die von Axonen
(bzw. Neuriten) transportiert werden, die in dem Perikaryon gebildet worden sind, sammeln sich an der
Stelle der Verletzung des Nervs an, wo sie zu einer Schwellung führen.
Nach einer Verzögerung von ungefähr 3 Tagen treten neue Verzweigungen an der Stelle der Nerven-
/2
Schädigung oder der Schwellung auf. Diese Zweige wachsen mit einer Geschwindigkeit von ungefähr 3
bis 4 mm am Tag und machen Gebrauch von noch intakten Grundschichten des Gewebes des degenerierten
Nervs, bis eine vollständige Vfiederhezustellung
des degenerierten Nervensystems erreicht wird.
Überraschenderweise hat es sich nun gezeigt, daß bei Verabreichung bestimmter Peptide.die kein Bestandteil
oder Fragment von Proteinen oder Peptiden sind die im Körper vorkommen, dieser natürliche Prozeß
der Axon-Regenerierung wesentlich stimuliert und beschleunigt werden kann, so daß eine vollständige
Wiederherstellung des geschädigten Nervensystems innerhalb einer wesentlich kürzeren Zeit möglich
ist.
Diese Peptide können angegeben werden durch die allgemeine Formel I:
A-B-L-Phe (oder L-AIa)-D-Lys-L-Phe-Z-OH, I
in der
A eine der folgenden Gruppen bedeutet:
H-L-Met, H-L-Met(O), H-L-Met(O2),
Desamino-Met, Desamino-Met(O) oder Desamino-Met-
(O2),
B eines der folgenden Dipeptidfragmente bedeutet: Glu-His oder Ala-Ala, wobei ein Aminosäurerest
dieses Dipeptidfragments in der D-Form vorliegen kann, und
Z entweder nicht vorhanden ist, oder den Aminosäurerest GIy bedeutet, oder das Peptidfragment (10-16)
ACTH, wobei die Aminosäure L-Lys gegebenenfalls er setzt sein kann durch D-Lys in 11-Stellung des
35" .(.10-.16)-ACTH Fragments,
sowie deren funktioneile Derivate.
/3
- y- M
Funktionelle Derivate in diesem Falle bedeuten: a) C-terminale aliphatische Ester (1-6 C-Atome),
wie den Methyl-, Ethyl-, Propyl-, Isopropyl-, Butyl- oder Iso-butyl-ester,
b) C-terminale Amide oder mono-methyl- oder dimethyl-·
substituierte Amide,
c) pharmakolögisch verträgliche Säureadditionssalze
und
d) Metallkomplexe, die erhalten werden durch Zu-
sammenbringen des betreffenden Peptids mit einem schwerlöslichen Salz, Hydroxid oder Oxid eines
Metalls vorzugsweise von Zink.
Die zuletzt genannten Peptid-Metall-Komplexe führen zu einer langsamen Freisetzung des Peptids aus dem
Komplex im Körper, so daß eine verlängerte Aktivität des Peptids erreicht wird.
Die oben erwähnten Peptide der Formel I und ihre funktionellen Derivate sind als psychopharmakologische
Peptide und insbesondere als Peptide bekannt, die das Ausloschen des erworbenen (Vermeidungs-)
Verhaltens verzögern. Diese Peptide sind angegeben in den US-PS I3 842 064, k 110 322 und 4 104 371.
I
Wie oben kurz angegeben, stimulieren die erwähnten Peptide die Regenerierung von Nerven, die durch
eine Verletzung beschädigt sind, so daß diese Peptide ausgezeichnet geeignet sind, zur Verabreichung
an Patienten, die durch Verletzungen und die dadurch verursachte Degenerierung eines spezifischen
Abschnitts des Nervensystems nicht oder nur teilweise Gebrauch machen können von den sensormotorischen
oder Muskelfunktionen, die von dem " beschädigten Nervensystem "bedient" werden.
Insbesondere kann das auf Patienten zutreffen nach Operationen, Verkehrsunfällen oder die an Erfrierun-
/4
gen leiden.
Nerven werden jedoch nicht nur durch mechanische Verletzungen beschädigt, sondern andere Ursachen
wie Alkoholsucht, Vergiftung, Arzneimittelüberdosierung usw. können zu einer Schädigung des
Nervengewebes führen. Die erfindungsgemäßen Peptide können auch in diesen Fällen angewandt werden.
Im Rahmen der Erfindung sind besonders geeignete Peptide solche, der Formel I in der
A H-L-Met, H-L-Met(O) oder H-L-Met(O2) und besonders
H-L-Met(O) und H-L-Met(02)^bedeutet, .
B eines der folgenden Dipeptidfragmente ist: L-Glu-L-His, L-Glu-D-His oder L-Ala-L-Ala und
Z nicht vorhanden ist oder das Peptidfragment mit der Sequenz 10-16 ACTH bedeutet, wobei die Aminosäure
Lys in 11-Stellung gegebenenfalls in D-Form vorliegen kann.
sowie die funktioneilen Derivate davon.
sowie die funktioneilen Derivate davon.
Besonders bevorzugt ist das Peptid H-L-Met(O2)-L-Glu-L-His-L-Phe-D-Lys-L-Phe-OH
oder ein funktionelles Derivat davon und im Falle der s.c. Verabreichung der Zinkkomplex davon.
Ein besonderer Vorteil der erfindung sgemäßen Peptide
liegt darin, daß sie oral eingenommen werden können. Im allgemeinen können die meisten (längerkettigen)
Peptide nur durch Injektion (Suppositorien) oder intranasal (in Form eines Nasensprays) verabreicht
werden. Die Dosis, in der die Peptide für diese neuen Anwendungen verabreicht werden können,
variiert zwischen 0,1^jund 10 mg pro kg Körperge- " wicht und Tag.
/5
Die betreffenden Peptide wurden in Tierversuchen untersucht. Bei weiblichen Albino-Wistar-Ratten
(130-150 g Körpergewicht) wurde der rechte Ischiasnerv durch Aufspalten des darüberliegenden Muskels
freigelegt. Das freigelegte Nervenbündel wurde dann 30 s lang mit einer hämostatischen Zange 6 mm
distal vom Hüftgelenk (sciatic notch) gequetscht und anschließend! die Wunde verschlossen und vernäht.
Unmittelbar nachj dieser Operation (die unter Narkose, Hypnorm, 0,08 ml pro mg Körpergewicht durchgeführt
Avurde) wurde . den Ratten subkutan das zu untersuchende
Peptid oder Placebo injiziert und zwar alle 48 Stunden. Bei Vergleichsti^ren wurde eine Scheinoperation vorgenommen,
bei der der Ischiasnerv freigelegt aber
nicht beschädigt mit Placebo (Trä
wurde, und die anschließend subkutan ger) behandelt wurden. Diese sub
kutanen Injektionen wurden in die Hautfalte des Nackens verabreicht. I
. ... , j
Die vollständige j Wiederherstellung der Schädigung und die damit verbundene Nervenregenerierung wurden
gemessen mit Hilfe eines Tests der sensormotorischen Funktion des rechten Beins der Ratte durch
Vergleich mit dem linken.
Während dieses Versuchs wurde unmittelbar vor der nächsten Injektion die Sohle des Fußes alle 48
Stünden einem heißen Luftstrom von 47°C maximal 3s lang ausgesetzt. Die Ergebnisse des Versuchs
wurden erhalten durch Bestimmung,ob die Ratte den rechten Fuß innerhalb der 3 s zurückzog (ja oder
nein Kriterium). Während dieser Zeit wurde der linke Fuß in jedem Falle weggezogen (im allgemeinen
innherhalb von 1-1,5 s)
/6
Ferner wurden hisciologische Schnitte des Schienbeinnervs
in verschiedenen Abständen von der Schädigung des Nervs und zu verschiedenen Zeiten nach
der Schädigung vorgenommen. Die neugebildeten myelinisierten Axone in dem regenerierten Nerven
wurden durch Färbung sichtbar gemacht und ihre Zahl bestimmt.
In beiden Fällen zeigte es sich, daß die Verabreichung der Peptide in einer Dosis von 1 bzw. 1OyUg
pro Ratte alle 48 Stunden die Wiederherstellung eines geschädigten bzw. degenerierten Nervensystems
im Vergleich mit einer Placebobehandlung deutlich beschleunigte.
15
Zum Beispiel stimuliert das Peptid
H-L-Met(02)-L-Glu-L-His-Phe-D-Lys-L-Phe-0H,
wenn es subkutan verabreicht wird.
a) gelöst in einer physiologischen Kochsalzlösung oder
b) als Zinkphosphat-Peptid-Suspension (isotonisch
mit physiologischer Kochsalzlösung pH 7 bis 8), die Wiederherstellung der sensormotorischen Funktion
in einer Dosis von 1^ug pro Ratte alle 48 Stunden
im Mittel um 10% und bei einer Dosis von 10 /Ug pro
f'--: 25 Ratte alle 48 Stunden im Mittel um 15%.
Die Erfindung wird durch die folgenden Beispiele näher erläutert.
1.) Eine Suspension zur Injektion besteht,aus
3OyUg H-Met(O2)~Glu-His-Phe-D-Lys-Phe-OH
" 1,5 mg Zink
0,63 mg Na2HPO4.2H2O
3,5 mg NaCl
10 mg Benzylalkohol
/7
-r-
2.) Eine 100 mg Tablette besteht aus
7,5 nag H-Met(02)-Glu-His-Phe-D^Lys-Phe-0H
1 mg Talkum 0,5 mg Magnesium-stearat 2,5 mg Carboxy-methyl-cellulose
20 mg Stärke
68,5 m|g Lactose
3.)
Es wurde eine ähnliche Tablette hergestellt, enthaltend 7,5 mg H-Met(02)-Ala-Ala-Ala-D-Lys-Phe-Gly-D-Lys-Pro-Val-Gly-Lys-Lys-OH
4.) Hartschalige Kapsel, enthaltend
mg H-Met(O2)-Glu-His-Phe-D-L3's-Phe-OH
22,3
153,4 mg Mannit 7,4 mg Providon 1,8 Hg Magnesiumstearat
6238
Claims (5)
1. ■ Peptide der allgemeinen Formel
A-B-L-Phe (oder L-AIa)-D-Lys-L-Phe-Z-OH, in der
A eine der folgenden Gruppen bedeutet: K-L-Met, H-L-Met(O), H-L-Met(02), Desaminö-Met, Desamino-Met(O)
;oder Desamino^-Met(02)
B eines der folgenden Dipeptid-Fragmente ist:
Glu-His oder Ala-Ala, wobei einer der Aminosaurereste
des Dipeptid-Fragmenlts in D-Form vorliegen kann, und
Z entweder nicht vorhanden ist oder den Aminosaurerest
GIy oder das Peptid-Fragment (1O-16)-ACTH bedeutet,
wobei die Aminosäure L-Lys in 11-Stellung des (iO-i6)-ACTH-Fragments gegebenenfalls durch D-Lys
ersetzt sein kann,
und die funktionellen Derivate davon zur Verwendung als Mittel zur Axon-Regenerierung.
2. Pharmazeutisches Mittel mit einer stimulierenden Wirkung auf die Axon-Regenerierung, enthaltend
ein Peptid wie in Anspruch 1 beschrieben zusammen
mit einem oder mehreren üblichen pharmazeutischen
Trägern.
3. Mittel nach Anspruch 1, gekennzeichnet
durch das Vorhandensein des Peptids H-L-Met(02)-L-Glu-L-His-L-Phe-D-Lys-L-Phe-0H oder
eines funktionellen Derivats davon.
/2
_ JlO
4. Verfahren zur Behandlung .von Patienten, die an einem (teilweise) zerstörten Nervensystem
leiden, dadurch gekennzeichnet , daß ein Peptid der allgemeinen Formel I, wie in Anspruch
1 angegeben, oder ein funktionelles Derivat davon an den Patienten in einer Dosis verabreicht
wird, die wirksam ist zur Stimulierung oder Beschleunigung
der Axon-Regenerierung.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß das in Anspruch 3 angegebene
Peptid oder ein funktionelles Derivat davon verabreicht wird.
6238
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