DE3126001C2 - - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft das im Anspruch 1 angegebene Verfahren zur selektiven Züch
tung von Pflanzenzellen, die sich durch
mindestens eine spezielle Eigenschaft auszeichnen, aus gezüchteten
Pflanzenzellen, die aus
einer höheren Pflanze induziert wurden.
Die Gegenstände der Ansprüche 2 bis 5 betreffen
Ausgestaltungen dieses Verfahrens.
Zur selektiven Züchtung von Pflanzenzellen, die sich durch
mindestenes eine spezielle Eigenschaft auszeichnen, aus ge
züchteten Pflanzenzellen bzw. Pflanzenzellenkulturen be
dient man sich gemäß der Literaturstelle "Plant Cell Tissue
Culture", Seite 50, Herausgeber: Harada und Komamine,
Rikogaku-sha, Tokio, Japan, einer Plattenkulturmethode.
Hierbei wird die Plattenkulturmethode, die zur Reindar
stellung von Mikroorganismen bei der Mikroorganismenzüch
tung dient, auf die Pflanzenzellenzüchtung übertragen. Bei
diesem Züchtungsverfahren wird ein gezüchtetes Pflanzen
zellenaggregat zum Suspendieren von Zellenkulturen in
einem flüssigen Medium geschüttelt, worauf die erhaltene
Zellensuspension mit Hilfe eines Filters eines Porendurch
messers von 200 µm oder darunter filtriert wird. Hierbei
erhält man ein Filtrat mit Zellenaggregaten (Zellenzahl:
etwa 1 bis 6) einer gegebenen Größe. Danach wird das er
haltene Filtrat in einem gelösten Agarmedium dispergiert.
Die erhaltene Dispersion wird auf einer Petrischale ausge
strichen und anschließend inkubiert. Das geschilderte Ver
fahren ist nicht besonders gut geeignet, da die eingebet
teten Zellen im Falle einer zu niedrigen Zellenkonzentra
tion sich weder teilen noch wachsen und bestimmte Arten
von Pflanzenzellenkulturen ungeachtet der Zellenkonzentra
tion überhaupt nicht wachsen. Allgemein gesagt, kann in
einigen Fällen die Wechselwirkung zwischen verschiedenen
Zellenarten zur Ausbildung einer speziellen Eigenschaft
(bei ihnen) führen. Selbst wenn bei der beschriebenen
Plattenkulturmethode Zellen mit der (bei ihnen) entwickel
ten speziellen Eigenschaft gewachsen sind, zeigen diese
Zellen die betreffende spezielle Eigenschaft nach ihrer
Vermehrung nicht (mehr) immer.
Der Erfindung lag somit die Aufgabe zugrunde, unter Vermei
dung der geschilderten Nachteile des bekannten Züchtungsver
fahrens für Pflanzenzellenkulturen ein auf die selektive
Züchtung sämtlicher Arten von Pflanzenzellenkulturen an
wendbares Verfahren zur Züchtung von Pflanzenzellen zu ent
wickeln, nach welchem eine selektive Züchtung von Zellen
ungeachtet der Zellenkonzentration und unter Berücksichti
gung der Wechselwirkung zwischen (einzelnen) Zellen möglich
ist.
Gegenstand der Erfindung ist somit ein Verfahren zur selek
tiven Züchtung von Pflanzenzellen, die sich durch min
destens eine spezielle Eigenschaft auszeichnen, aus ge
züchteten Pflanzenzellen, die aus einer höheren Pflanze
induziert wurden, welches dadurch gekennzeichnet ist, daß
man
- (a) ein gezüchtetes Pflanzenzellenaggregat in Segmente einer nominalen Größe von 2 bis 10 mm unterteilt,
- (b) die erhaltenen Segmente in einem statischen Kultur gefäß zu den entsprechenden Zellenaggregaten wachsen und sich vermehren läßt und
- (c) aus den erhaltenen Zellenaggregaten diejenigen Zellen aggregate auswählt, die sich durch mindestens eine der (gewünschten) speziellen Eigenschaften auszeichnen,
wobei aus den erhaltenen Zellenaggregaten ein einzelnes
Zellenaggregat, bei dem die betreffende speziellen Eigen
schaft am deutlichsten ausgeprägt ist, selektiert wird,
andererseits kann man eine Mehrzahl von Zellenaggregaten,
die sich durch eine spezielle Eigenschaft auszeichnen,
selektieren, indem man die Häufigkeitsverteilung der
Zellenaggregate mit unterschiedlichen numerischen Werten
des Indikators für die spezielle Eigenschaft aufstellt,
einen Mittelwert und eine Standardabweichung ( σ ) er
mittelt und dann diejenigen Zellenaggregate, die einen
Indikatorwert (X i) zwischen dem maximalen Wert (X max)
und dem nicht mehr als dreifachen Wert der Standard
abweichung, vorzugsweise dem nicht mehr als einfachen
Wert der Standardabweichung vom maximalen Wert, auf
nimmt. Der genannte Indikatorwert ergibt sich aus der
Gleichung:
X max ≧ X i ≧ X max - 3 σ.
Unter der Definition "Segmente einer nominalen Größe von
2 bis 10 mm" sind Segmente in Form dreidimensionaler Ge
bilde, die sowohl regelmäßig als auch unregelmäßig sein
können, z. B. Würfel, Kugeln, Säulen, Prismen und ähnliche
Formen einer nominalen oder maximalen Größe von 2 bis 10 mm,
zu verstehen.
Das selektive Züchtungsverfahren gemäß der Erfindung ist
wirksamer als sämtliche bekannten Verfahren, da die Ver
fahrensmaßnahmen einfacher sind und die Dauer der selekti
ven Züchtung kürzer ist. Darüber hinaus kann es auf die
verschiedensten Pflanzenzellenkulturen unterschiedlicher
phytochemischer Eigenschaften angewandt werden. Es eignet
sich auch zur selektiven Züchtung von Pflanzenzellenkultu
ren mit mehreren speziellen Eigenschaften.
Die Erfindung wird anhand des in der Zeichnung schematisch
dargestellten und auf das später folgende Beispiel 2 Bezug
nehmenden Selektionsschemas für Selektionsmaßnahmen bei ge
züchteten Euphorbia millii-Zellenaggregaten beschrieben.
Im Rahmen des erfindungsgemäßen Verfahrens verwendbare
Pflanzenzellenkulturen erhält man entweder durch nach übli
chen Verfahren durchgeführtes Induzieren von Kallus aus
einem beliebigen Organ oder Gewebe, z. B. Wurzeln, Stengeln,
Blättern, Blüten, Pollen und Wachstumspunkten oder deren
Zellen, und anschließende sterile Züchtung des betreffen
den Kallus oder durch Beimpfen eines Pflanzenkörpers mit
dem Bakterium "Agrobacterium tumefaciens" zur Induzierung
von Tumorgewebe und anschließende sterile Züchtung der be
treffenden Gewebemasse.
Unter den Ausdruck "spezielle Eigenschaft" fallen physiolo
gische, biochemische und/oder morphologische Eigenschaften.
Physiologische Eigenschaften sind beispielsweise verschiedene
Arten von Widerstandsfähigkeit, z. B. Widerstandsfähigkeit
gegenüber hohen oder tiefen Temperaturen, Salzbeständigkeit,
Säure- und/oder Alkalienbeständigkeit und dergleichen, oder
fehlende Erfordernisse für (bestimmte) Nährstoffe, wie
Vitamine, Aminosäuren oder Auxine. Biologische Eigenschaf
ten sind beispielsweise die Eigenschaft der Produktion von
primären oder sekundären Metaboliten oder die Eigenschaft
zur Umwandlung organischer Verbindungen in den Pflanzen
körper. Unter morphologische Eigenschaften fällt bei
spielsweise die Aggregationseigenschaft.
Wie bereits angedeutet, besteht die Erfindung in einer selek
tiven Züchtung von Pflanzenzellen im Rahmen der noch im
einzelnen zu beschreibenden Stufen (a), (b) und (c). Diese
Stufen werden nunmehr näher erläutert:
In dieser Stufe wird ein auf einem festen Medium gewachsenes
Pflanzenzellenkulturaggregat in Segmente einer gewünschten
sichtbaren Größe unterteilt, um die Größe der Segmente
gleichmäßig zu gestalten. Dies erfolgt zur Eliminierung
des Einflusses der Größe des Explantats auf das Wachstum
der Pflanzenzellen u. dgl. sowie zur Erleichterung des
Wachstums und der Vermehrung der Segmente in der zweiten
Stufe (b) und der Selektion der Zellenaggregate in der
dritten Stufe (c). In der folgenden Verfahrensstufe kann
man Segmente von Zellenaggregaten einer nominalen Größe
von 2 bis 10 mm gut, solche einer nominalen Größe von
2 bis 5 mm besonders gut wachsen lassen. Segmente einer
nominalen Größe von unter 2 mm eignen sich nicht, da sich
Einzelzellen solcher Segmente nicht aktiv teilen und die
Wachstumsgeschwindigkeit in der nächsten Stufe zu gering
ist, was dazu führt, daß der Selektionsgrad sinkt. Anderer
seits eignen sich auch Segmente einer nominalen Größe von
über 10 mm nicht besonders, da die verminderte Anzahl der
Segmente eine Verunreinigung mit Zellen, bei denen die
jeweils (gewünschte) spezielle Eigenschaft nicht so deut
lich ausgeprägt ist, zur Folge hat. Auch hier sinkt somit
der Selektionsgrad. In letzterem Falle sinkt, da die Zellen
aggregate großdimensioniert sind, auch der Wirkungsgrad des
Verfahrens selbst.
Ein Zellenaggregat läßt sich nach beliebigen üblichen Ver
fahren zur künstlichen Teilung lebender Materialien zu Seg
menten einer nominalen Größe innerhalb des angegebenen Be
reichs, beispielsweise von 2 bis 10 mm, unterteilen. Um die
Segmentgröße möglichst gleichmäßig zu machen, wird das Zel
lenaggregat vorzugsweise mit Hilfe eines scharfkantigen
Werkzeugs, z. B. eines Skalpells oder einer Rasierklinge, ge
teilt.
In dieser Stufe werden die in Stufe (a) erhaltenen Segmente
in einem statischen Kulturgefäß gezüchtet. Als Kulturgefäß
eignet sich jedes üblicherweise zur Zellenzüchtung verwend
bare Kulturgefäß. Bevorzugt wird jedoch ein durchsichtiges
flaches Gefäß, beispielsweise eine Petrischale oder eine
Mikrotitrationsplatte, da es bei Verwendung eines solchen
Gefäßes einfach ist, die Segmente zu numerieren und zu
züchten, die wachsenden Segmente derart in konstantem Ab
stand voneinander zu halten, daß sie sich nicht mit einem
anderen Segment mischen, und die Selektion in der nächsten
Stufe (c) wirksam durchzuführen.
Im Rahmen des Verfahrens gemäß der Erfindung kann als Kul
turmedium ein anorganisches synthetisches Medium, z. B.
White′sches Basalmedium, Murashige′- und Skoog′sches Basal
medium oder Linsmaier′- und Skoog′sches Basalmedium, jeweils
ergänzt durch eine Spur organischer Verbindungen, z. B. Vi
tamine, Kohlenstofflieferanten, wie Rohrzucker und Glukose,
Phytohormone, wie Auxin und Cytokinin, und natürliche
Extrakte, z. B. Malzextrakt und Kokosnußmilch, und erforder
lichenfalls durch sonstige Zusätze, verwendet werden. Die
Züchtungsbedingungen, z. B. Temperatur der Kultur, Licht
einwirkung und Dauer der Züchtung (in d) lassen sich den
jeweiligen Gegebenheiten anpassen. Die Übertragung der Seg
mente der Zellenaggregate auf Agarmedium erfolgt im Hin
blick auf eine möglichst einfache Handhabung und die Wirk
samkeit auf das Zellenwachstum vorzugsweise durch bloßes
Auftragen der Segmente auf die Oberfläche des Agarmediums.
Zum Zweck einer Selektion von Zellenaggregaten, die sich
durch eine spezielle Eigenschaft auszeichnen, kann der
Grad des Zellenwachstums als Hinweis darauf dienen, wenn
die spezielle Eigenschaft eine bestimmte Widerstandsfähig
keit, ein fehlendes Verlangen nach der Zufuhr bestimmter
Stoffe und ein Aggregationsverhalten ist. Wenn die spezielle
Eigenschaft in der Bildung eines Metaboliten oder in der
Umwandlung einer organischen Verbindung in dem Pflanzen
körper ist, kann die Konzentration des Metaboliten oder
die Konzentration der organischen Verbindung als Hinweis
oder Anzeichen für die betreffende spezielle Eigenschaft
herangezogen werden. Bei der Selektion von Zellenaggrega
ten, die sich durch eine spezielle Eigenschaft auszeichnen,
mit Hilfe des Wachstumsgrades als Indikator für die be
treffende Eigenschaft kann man die Selektion der Zellen
aggregate visuell bewerten. Vorzugsweise erfolgt jedoch
die Bewertung auf der Basis des Waschstumsindex während der
Kulturdauer, da der Wachstumsindex als numerischer Wert
darstellbar ist. Bei der Selektion von Zellenaggregaten,
die sich durch eine spezielle Eigenschaft auszeichnen, auf
grund der Konzentration einer Verbindung als Indikator für
die betreffende Eigenschaft kann die Selektion der Zellen
aggregate - falls möglich (z. B. wenn die Zellen ein natür
liches Pigment, z. B. ein Anthocyanin, Carotenoid oder
Naphthochinon enthalten - ebenfalls visuell bewertet oder
überwacht werden. Vorzugsweise erfolgt jedoch hier
die Bewertung dadurch, daß man die Selektion auf einer
Ermittlung der Konzentration der betreffenden Verbindung
in den vermehrten Zellenaggregaten durchführt, da die Kon
zentration als numerischer Wert wiedergegeben werden kann.
Die Selektion der Zellenaggregate erfolgt nach der in
Anspruch 1 beschriebenen Weise.
Gemäß einer bevorzugten Ausführungsform des erfindungsgemäßen
Verfahren werden die in Stufe c selektierten Zellen
aggregate wiederholt unterteilt, gezüchtet und selektiert,
d. h. die Verfahrensstufen (a), (b), und (c) können beliebig
oft wiederholt werden. Hierbei erhält man stabile Zellen
stämme, bei denen jeweils mindestens eine spezielle Eigen
schaft besonders deutlich ausgeprägt ist.
Zur Herstellung von Zellenaggregaten im großtechnischen
Maßstab können die selektierten Zellenaggregate in ent
sprechender Weise wie Mikroorganismen, beispielsweise in
einer statischen oder flüssigen Kultur gezüchtet und
vermehrt werden.
Die folgenden Beispiele sollen die Erfindung näher veran
schaulichen.
Junge Triebe von Euphorbia tirucalli werden gründlich mit
Wasser gewaschen und in etwa 5 cm lange Stücke zerschnitten.
Danach werden die erhaltenen Stücke der jungen Triebe durch
5-minütiges Eintauchen in eine 70%ige Ethanollösung und
anschließendes 10-minütiges Eintauchen in eine 10%ige
Chlorkalklösung sterilisiert. Die sterilisierten Stücke
werden in einem aseptischen Gefäß in steriles destillier
tes Wasser getaucht und darin gewaschen, um den Ethanol
und Chlorkalk vollständig zu entfernen. Die derart behan
delten Stücke der jungen Triebe werden nun mit einem steri
lisierten Skalpell zu 0,5 bis 1 cm langen Segmenten zer
schnitten. Die hierbei erhaltenen sterilen Segmente werden
steril auf synthetisches Agarmedium gelegt. Das verwendete
synthetische Agarmedium erhält man durch Zusatz von 3% (G/V)
Rohrzucker, 0,2% (G/V) Malzextrakt, 1 ppm 2,4-Dichlor
phenoxyessigsäure, 0,1 ppm Thiaminhydrochlorid, 0,5 ppm
Pyridoxinhydrochlorid, 0,5 ppm Nikotinsäure, 2 ppm Glycin
und 100 ppm Inosit zu Murashige′- und Skoog′schem Basal
medium, Einstellen des pH-Werts der Mischung mittels
0,1 n NaOH auf 6,0, Zusatz von 0,8% (G/V) Agar zu dem Ge
misch und übliches bekanntes Sterilisieren.
Die Segmente der auf das geschilderte synthetische Agar
medium gelegten jungen Triebe werden bei einer Temperatur
von 25°C unter Licht einer Lichtstärke von 2000 Lux ge
züchtet. Nach etwa 1 Woche läßt sich in der Umgebung der
Schnittfläche der Segmente eine gelblich-weiße Kallus
bildung feststellen.
Nachdem der Kallus auf dem festen Medium 6 Monate lang ver
mehrt bzw. verstärkt worden war, wird der vermehrte Kallus
einer nominalen Größe von etwa 1 cm mit Hilfe eines sterilen
Skalpells in 96 Segmente einer nominalen Größe von etwa
2 mm unterteilt. Diese 96 Segmente werden gewogen, von
Nr. 1 bis 96 durchnumeriert und auf drei Petrischalen
eines Durchmessers von jeweils 9 cm mit jeweils 25 ml des
angegebenen, jedoch vitaminfreien synthetischen Agarme
diums (d. h. Murashige′- und Skoog′sches Basalmedium, er
gänzt durch 3% (G/V) Rohrzucker, 0,2% (G/V) Malzextrakt,
1 ppm 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, 2 ppm Glycin, 100 ppm
Inosit und 0,8% (G/V) Agar) transplantiert. Die Segmente
werden auf dem Medium bei einer Temperatur von 28°C unter
Licht einer Lichtstärke von 2000 Lux gezüchtet. Nach 14 Ta
gen werden die verschiedenen Zellenaggregate entnommen und
gewogen, worauf der Wachstumsindex des Zellenaggregats er
rechnet wird. Die erhaltenen Werte für den Wachstumsindex
werden, wie die folgende Tabelle I ausweist, in eine Reihe
gebracht, worauf die Anzahl der Segmente in jeder Reihe ge
zählt und ihr Mittelwert und ihre Standardabweichung er
rechnet werden. Zwei Zellenaggregate zeigen Wachstums
indizes in einem Bereich zwischen dem maximalen Wert und
dem nicht mehr als Einfachen der Standardabweichung vom
maximalen Wert, nämlich das Zellenaggregat Nr. 75 (einer
nominalen Größe von etwa 8 mm) mit einem Wachstumsindex
von 2,98, und das Zellenaggregat Nr. 36 (einer nominalen
Größe von etwa 7 mm) mit einem Wachstumsindex von 2,55.
Nun wird das Zellenaggregat Nr. 75 in 36 Segmente und
das Zellenaggregat Nr. 36 in 28 Segmente unterteilt, wo
rauf diese Segmente in der geschilderten Weise weiterge
züchtet werden. Die Ergebnisse finden sich ebenfalls in
Tabelle I. Die Unterteilung, Züchtung und Selektion werden
weitere dreimal in der geschilderten Weise wiederholt, wo
bei die ebenfalls in Tabelle I aufgeführten Ergebnisse
erhalten werden. Nach insgesamt fünfmal wiederholter Un
terteilung, Züchtung und Selektion beträgt der Mittelwert
des Wachstumsindex 5,42. Der Mittelwert für den Wachstums
index der Vergleichszellenaggregate, die auf dem vitamin
haltigen Medium gezüchtet wurden, liegt zwischen 5,28 und
5,81. Dies zeigt, daß im Rahmen des Verfahrens gemäß
der Erfindung Zellen, die keine Vitamine benötigen und in
gleichem Maße wachsen wie Zellen, die Vitamine benötigen,
erfolgreich gewonnen werden können.
Ein gezüchtetes Euphorbia millii-Zellenaggregat P (einer
nominalen Größe von etwa 12 mm), das auf einem festen Me
dium wachsen gelassen worden war, wird mit Hilfe eines
sterilen Skalpells in 43 Segmente einer nominalen Größe
von etwa 3 mm unterteilt. Diese 43 Segmente werden von
Nr. 1 bis Nr. 43 numeriert und auf eine Petrischale eines
Durchmessers von 9 cm mit 25 ml eines synthetischen Agar
mediums übertragen. Das verwendete synthetische Agarmedium
erhält man durch Zusatz von 2% (G/V) Rohrzucker, 0,2%
Malzextrakt, 10-6M 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, 0,1 ppm
Thiaminhydrochlorid, 0,5 ppm Pyridoxinhydrochlorid,
0,5 ppm Nikotinsäure, 2 ppm Glycin und 100 ppm Inosit zu
Murashige′- und Skoog′schem Basalmedium, Einstellen des
pH-Wertes des Gemischs mit 0,1 n NaOH auf 6,0, Zusatz von
0,8% (G/V) Agar und übliches Sterilisieren des Ganzen.
Die 43 Segmente werden auf dem Medium bei einer Temperatur
von 28°C unter Licht einer Lichtstärke von 3000 Lux ge
züchtet. Nach 10 Tagen werden sämtliche 43 Zellenaggregate
einer nominalen Größe von etwa 5 bis 8 mm, die durch Wachs
tum und Vermehrung aus den Segmenten erhalten wurden,
entnommen und erneut mit Hilfe eines sterilen Skalpells
in Segmente einer nominalen Größe von etwa 3 mm unter
teilt. Hierbei wird jedes Zellenaggregat in etwa 4 bis 7
Segmente unterteilt. Jedes dieser 4 bis 7 Segmente wird
aufgenommen, gewogen und 1 h lang in 5 ml einer 2%igen
methanolischen Salzsäure eingeweicht, worauf die Absorp
tion der methanolischen Lösung bei 530 nm (λ max des
Pigments) gemessen wird. Das Pigmentgewicht und der Pig
mentgehalt der 43 Segmente ergibt sich aus der Eichkurve.
Hierauf werden aufgrund dieser Werte sechs von den ur
sprünglich 43 Zellenaggregaten (aus denen die sechs
Segmente mit dem höchsten Pigmentgehalt herrühren), d. h.
die Zellenaggregate Nr. 6, 18, 30, 36, 40 und 43, ent
sprechend dem in den Zeichnung dargestellten Selektions
schema und der folgenden Tabelle II selektiert. Daraufhin
werden von diesen sechs Zellenaggregaten herrührende
36 Segmente mit Nr. 1 bis Nr. 36 numeriert, in eine Petri
schale eines Durchmessers von 9 cm mit 25 ml desselben
synthetischen Agarmediums, wie es auch für die erste Züch
tung verwendet wurde, übertragen und unter den auch bei
der ersten Züchtung eingehaltenen Bedingungen weiterge
züchtet. Sämtliche 36 Zellenaggregate, die durch Wachstum
und Vermehrung aus den genannten 36 Segmenten erhalten
wurden, werden in der geschilderten Weise in Segmente einer
nominalen Größe von etwa 3 mm unterteilt, worauf in der ge
schilderten Weise der Pigmentgehalt irgendwelcher dieser
Segmente colorimetrisch bestimmt wird. Aufgrund der Pigment
gehaltwerte werden sechs Zellenaggregate von den ursprüng
lich 36 Zellenaggregaten (aus denen die betreffenden sechs
Segmente mit einem hohen Pigmentgehalt herrühren), d. h. die
Zellenaggregate Nr. 5, 8, 10, 16, 26 und 30 selektiert.
Das Ganze wird in entsprechender Weise noch viermal wie
derholt (vgl. das Selektionsschema und Tabelle II). Nach
der dritten Züchtung werden sechs von 38 Zellenaggregaten
selektiert, nach der vierten Züchtung werden fünf von 32
Zellenaggregaten selektiert, nach der fünften Züchtung
werden fünf von 26 Zellenaggregaten selektiert und nach
der sechsten Züchtung werden fünf von 28 Zellenaggregaten
selektiert.
Aus der Tabelle II geht hervor, daß sich nach sechsmaliger
Wiederholung der Unterteilung, Züchtung und Selektion ein
Zellenaggregat eines Pigmentgehalts von 0,280% isolieren
läßt.
Sämtliche von dem Zellenaggregat Nr. 6 mit dem höchsten
Pigmentgehalt abgeleiteten und nach der sechsten Selektion
erhaltenen Segmente werden in einen 100 ml Erlenmeyer-
kolben mit 50 ml eines einen pH-Wert von 6,0 aufweisenden
flüssigen Mediums in Form von Murashige′- und Skoog′schem
Basalmedium, das durch 2% (G/V) Rohrzucker, 0,2% (G/V)
Malzextrakt, 10-6M 2,4-Dichlorphenoxyessigsäure, 0,1 ppm
Thiaminhydrochlorid, 0,5 ppm Pyridoxinhydrochlorid,
0,5 ppm Nikotinsäure, 2 ppm Glycin und 100 ppm Inosit er
gänzt worden ist, gefüllt und unter den geschilderten Be
dingungen 14 Tage lang gezüchtet. Danach wird das Kultur
gemisch in einen 1 Ltr.-Erlenmeyerkolben mit 500 ml des
beschriebenen flüssigen Mediums überführt, unter den ge
schilderten Züchtungsbedingungen inkubiert und danach
filtriert. Hierbei erhält man 105 g gezüchteter Zellen
aggregate. Die erhaltenen Zellenaggregate werden in üb
licher bekannter Weise lyophilisiert, wobei 4,7 g Trocken
substanz erhalten werden.
Die erhaltene Trockensubstanz wird in einem Mörser ver
rieben, 24 h lang in der Kälte in 2%ige methanolische
Salzsäure getaucht und schließlich filtriert. Der nach
dem Filtrieren erhaltene Extrakt wird durch Verdampfen
des Methanols bei einer Temperatur von 40°C oder darunter
auf etwa 50 ml eingeengt. Das hierbei erhaltene Konzentrat
wird in einen Scheidetrichter überführt, worauf in den
Scheidetrichter 100 ml Äther gegossen werden. Nach gründ
lichem Schütteln des Gemischs im Scheidetrichter wird die
Ätherphase abgegossen. Nach mehrmals wiederholter Äther
wäsche wird das gewaschene Konzentrat unter vermindertem
Druck bei einer Temperatur von 40°C oder weniger zur
Trockene eingedampft. Der hierbei erhaltene Verdampfungs
rückstand wird in einer geringen Menge einer 0,01%igen
methanolischen Salzsäure gelöst. Die erhaltene Lösung wird
durch präparative Dünnschichtchromatographie auf einer
dünnschichtchromatographischen Zelluloseplatte (20 cm ×
20 cm) unter Verwendung eines 5 : 1 : 5-Gemischs aus Salz
säure, Essigsäure und Wasser als Entwickler aufgearbeitet.
Nach der Entwicklung wird ein auf der Platte befindliches
rotes Band abgekratzt und in eine 2%ige methanolische
Salzsäure getaucht. Hierbei erhält man einen ein rotes
Pigment enthaltenden Extrakt. Der erhaltene Extrakt wird
unter vermindertem Druck bei einer Temperatur von 40°C
oder weniger zur Trockene eingedampft, wobei 218 mg eines
dunkelroten Pulvers erhalten werden (4,6%, bezogen auf
das Trockengewicht der Zellenaggregate, 0,208%, bezogen
auf das Frischgewicht der Zellenaggregate).
Das erhaltene rote Pigment wird auf einem handelsüblichen
Chromatographierpapier einer Papierchromato
graphie unterworfen. Chromatographiert wird mit dem Lö
sungsmittelsystem: n-Butanol/Essigsäure/Wasser (4 : 1 : 5),
obere Schicht; n-Butanol/Chlorwasserstoffsäure/Wasser
(5 : 1 : 4), obere Schicht; 1% Chlorwasserstoffsäure, und
Essigsäure/Chlorwasserstoffsäure/Wasser (15 : 3 : 82). Danach
werden die Rf-Werte des Pigments ermittelt. Die ermittel
ten Rf-Werte sind mit den entsprechenden Rf-Werten
des authentischen Chrysanthemins, das aus Delaware-Trauben
extrahiert und isoliert worden war, identisch. Es erfolgt
auch eine chemische Strukturbestimmung. Das UV-Spektrum
des erhaltenen roten Pigments entspricht ebenfalls dem UV-
Spektrum des authentischen Chrysanthemins.
Claims (5)
1. Verfahren zur selektiven Züchtung von Pflanzenzellen, die
sich durch mindestens eine spezielle Eigenschaft aus
zeichnen, aus gezüchteten Pflanzenzellen, die aus einer
höheren Pflanze induziert wurden, dadurch gekennzeichnet,
daß man
- (a) ein gezüchtetes Pflanzenzellenaggregat in Segmente einer nominalen Größe von 2 bis 10 mm unterteilt,
- (b) die erhaltenen Segmente in einem statischen Kultur gefäß zu den entsprechenden Zellenaggregaten wachsen und sich vermehren läßt und
- (c) aus den erhaltenen Zellenaggregaten diejenigen Zellen aggregate auswählt, die sich durch mindestens eine der (gewünschten) speziellen Eigenschaften auszeichnen, wobei aus den erhaltenen Zellenaggregaten ein einzelnes Zellenaggregat, bei dem die betreffende spezielle Eigen schaft am deutlichsten ausgeprägt ist, selektiert wird, andererseits kann man eine Mehrzahl von Zellenaggregaten, die sich durch eine spezielle Eigenschaft auszeichnen, selektieren, indem man die Häufigkeitsverteilung der Zellenaggregate mit unterschiedlichen numerischen Werten des Indikators für die spezielle Eigenschaft aufstellt, einen Mittelwert und eine Standardabweichung (σ) er mittelt und dann diejenigen Zellenaggregate, die einen Indikatorwert (X i) zwischen dem maximalen Wert (X max) und dem nicht mehr als dreifachen Wert der Standard abweichung, vorzugsweise dem nicht mehr als einfachen Wert der Standardabweichung vom maximalen Wert, auf nimmt. Der genannte Indikatorwert ergibt sich aus der Gleichung: X max ≧ X i ≧ X max - 3 σ.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man
als höhere Pflanze Euphorbia tirucalli wählt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß man als höhere Pflanze Euphorbia millii wählt.
4. Verfahren nach einem oder mehreren der vorhergehenden
Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß man das ge
züchtete Pflanzenzellenaggregat zu Segmenten einer
nominalen Größe von 2 bis 5 mm unterteilt.
5. Verfahren nach einem oder mehreren der Ansprüche 1
bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß man die Stufen
(a), (b) und (c) zweimal oder mehrmals wiederholt.
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| JP8847180A JPS5716692A (en) | 1980-07-01 | 1980-07-01 | Cultivating method of plant cell |
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| DE3126001A1 DE3126001A1 (de) | 1982-03-11 |
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Country Status (2)
| Country | Link |
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| DE (1) | DE3126001A1 (de) |
Families Citing this family (10)
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-
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Also Published As
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