GR 97 G 3135
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Beschreibung
Einrichtung zum Prüfen einer Schweißnaht am Außenmantel eines Reaktordruckbehälters
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Die Erfindung bezieht sich auf eine Einrichtung zum Prüfen einer Schweißnaht am Außenmantel eines Reaktordruckbehälters.
Die Schweißnähte am Außenmantel eines nuklearen Reaktordruckbehälters
müssen in regelmäßigen Abständen mit Methoden der zerstörungsfreien Werkstoffprüfung auf Fehler untersucht werden.
Bei den zu prüfenden Schweißnähten handelt es sich beispielsweise um Längs- und Rundschweißnähte, mit denen die
einzelnen Schüsse des Reaktordruckbehälters verbunden sind, oder um Stutzenschweißnähte, mit denen in den Reaktordruckbehälter
mündende Anschlußstutzen am Reaktordruckbehälter festgeschweißt sind. Diese Schweißnähte sind schwer zugänglich,
da der Raum zwischen dem Reaktordruckbehälter und den ihn umgebenden
thermischen Schild begrenzt ist und außerdem von einer Vielzahl von in den Reaktordruckbehälter mündenden Stutzen
durchsetzt. Dies erfordert den Einsatz fernbedienter Manipulatoren, die in ihrer Konstruktion an die jeweilige Prüfaufgabe
angepaßt sind.
So ist beispielsweise aus der europäischen Offenlegungsschrift
0 301 317 ein Prüf- oder Wartungsgerät für einen Reaktordruckbehälter bekannt, bei dem ein Schlitten mit einem
Prüfsystemträger auf einem in den Spalt zwischen dem thermischen
Schild und den Reaktordruckbehälter eingebrachten vertikalen Mast verfahrbar ist. Der bekannte Manipulator ist jedoch
nur für den Einsatz im zylindrischen Teil des Reaktordruckbehälters geeignet. Darüber hinaus können mit dem bekannten
Manipulator die Rundschweißnähte um in den Reaktordruckbehälter mündende Stutzen nicht geprüft werden.
Aus der deutschen Offenlegungsschrift 39 16 061 ist ein Manipulator
bekannt, der speziell für die Prüfung der. Schweiß-
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nähte im Deckel des Reaktordruckbehälters geeignet ist. Dieser Manipulator umfaßt einen bogenförmigen Teleskoparm, der
an seinem freien Ende ein Prüfsystem trägt und entlang einer auf dem Deckelflansch angeordneten Schiene in Umfangsrichtung
verfahren werden kann. Dieser bekannte Manipulator ist nur für die Prüfung von Schweißnähten im Deckel des Reaktordruckbehälters
geeignet.
Desweiteren ist aus der deutschen Offenlegungsschrift 40 17
600 ein Handhabungsgerät bekannt, das zur Prüfung von Stutzenschweißnähten vorgesehen ist und einen in Umfangsrichtung
eines Stutzens verfahrbaren Wagen enthält, der einen scherenförmigen Ausleger hat, der in einem Scheitelgelenk einen
Prüfkopf trägt.
Aus der deutschen Auslegeschrift 26 20 715 ist eine Prüfeinrichtung
zur Wiederholungsprüfung an Kernreaktordruckbehältern bekannt, die insbesondere zum Einsatz im Bereich der Bodenkalotte
des Reaktordruckbehälters eines Siedewasserreaktors geeignet ist. Dort wird zwischen die Stutzen für die
Steuerstabantriebe eine Führungsschiene angebracht, auf der ein Wagen ferngesteuert verfahrbar ist. Dieser Wagen trägt
einen als Kniehebel ausgebildeten Ausleger der zwei Basisgelenke umfaßt, die gegensinnig verschiebbar sind, so daß der
Ausleger seitlich zwischen die Stutzen eingefahren werden kann.
Die im Stand der Technik bekannten Manipulatoren sind somit für die jeweilige Prüfaufgabe optimiert, so daß für eine umfassende
Prüfung aller Schweißnähte eine Vielzahl unterschiedlicher Manipulatoren zum Einsatz gelangen müssen. Die
hierzu erforderlichen Rüstzeiten erhöhen den Zeitaufwand für die Prüfung und damit auch die Dosisbelastung für das mit der
Installation der Manipulatoren und für die Durchführung der Prüfung beschäftigte Personal.
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Der Erfindung liegt nun die Aufgabe zugrunde, eine Einrichtung zum Prüfen der am Außenmantel des Reaktordruckbehälters
befindlichen Schweißnähte anzugeben, die für die Prüfung einer Vielzahl unterschiedlicher Schweißnähte geeignet ist.
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Die genannte Aufgabe wird gemäß der Erfindung gelöst mit den Merkmalen des Schutzanspruches 1. Die Einrichtung zum Prüfen
einer Schweißnaht am Außenmantel eines Reaktordruckbehälters enthält einen auf einer außerhalb des Reaktordruckbehälters
ortsfest angeordneten Schiene aufgleisbaren und entlang dieser Schiene verfahrbaren Wagen, einem auf ihm um zwei zueinander
senkrechte Achsen schwenkbar gelagertes erstes Glied, an dem an seinem freien Ende ein zweites Glied um zwei zueinander
senkrechte Achsen schwenkbar gelagert ist, das an seinem freien Ende ein Prüfsystem trägt. Durch die Verwendung
eines zweigliedrigen Auslegers, dessen Glieder jeweils zwei rotatorische Freiheitsgrade aufweisen, können nahezu alle am
Außenmantel eines Reaktordruckbehälters befindlichen Schweißnähte geprüft werden.
Vorzugsweise umfaßt das zweite Glied zwei schwenkbar miteinander verbundene Teilglieder. Dadurch kann das Prüfsystem
auch auf schräg zur Schiene verlaufende Flächen flächig aufgesetzt werden.
Zur weiteren Erläuterung der Erfindung wird auf das Ausführungsbeispiel
der Zeichnung verwiesen, in deren
FIG 1 eine Einrichtung gemäß der Erfindung in einer Seitenansieht
schematisch veranschaulicht ist.
FIG 2 veranschaulicht die Arbeitsweise der Einrichtung anhand deren Darstellung in zwei unterschiedlichen Arbeitspositionen
im Bereich einer Stutzenschweißnaht und in FIG 3 ist die Einrichtung in Arbeitsposition in einem Stutzen
in einer Draufsicht parallel zum Außenmantel des Reaktordruckbehälters dargestellt.
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Gemäß FIG 1 ist außerhalb eines Reaktordruckbehälters 2 zwischen seinem Außenmantel 4 und einer ihn umgebenden thermischen
Isolierung 6 eine Schiene 8 angeordnet, die im wesentlichen senkrecht und parallel zum Außenmantel 4 verläuft.
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Die Schiene 8 ist zur Aufnahme eines Wagens 10 vorgesehen, der entlang dieser Schiene 8 in Richtung ihrer Längsachse L
verfahrbar ist und einen mehrgliedrigen Ausleger 12 trägt.
Die Schiene 8 kann stationär an der thermischen Isolierung 6
fixiert sein, d. h. sie ist Bestandteil der Anlage und verbleibt auch nach erfolgter Prüfung im Spalt zwischen thermischer
Isolierung 6 und Reaktordruckbehälter 2. In diesem Falle sind eine Vielzahl von Schienen 8 vorgesehen, die den
Reaktordruckbehälter 2 angepaßt an die beispielsweise durch Stutzen gegebenen geometrischen Bedingungen in vorgegebenen
Abständen um den Reaktordruckbehälter 2 verteilt. Die Reichweite des Auslegers 10 ist den gegebenen Verhältnissen derart
angepaßt, daß alle Schweißnähte am Außenmantel 4 - im Arbeitsbeispiel der FIG zwei Rundschweißnähte 14 - erfaßt werden
können.
Anstelle einer Vielzahl von ortsfest installierten Schienen kann auch eine einzige Schiene 8 vorgesehen sein, die in Umfangsrichtung
des Reaktordruckbehälters 2 in unterschiedliche Positionen umgesetzt werden kann.
Der Wagen 10 trägt ein erstes Glied 16, das um zueinander
senkrechte Achsen Al und Fl schwenkbar auf dem Wagen 10 gelagert
ist. Dabei verläuft die Achse Al senkrecht zur Längsachse L und senkrecht zum Außenmantel 6 des Reaktordruckbehälters
2. Am freien Ende des ersten Glieds 16 ist ebenfalls schwenkbar um zwei zueinander senkrechte Achsen A2 und F2 ein
zweites Glied 18 gelagert, das an seinem freien Ende 20 ein nicht näher dargestelltes Prüfsystem, beispielsweise ein Ultraschallprüfkopf
oder ein Wirbelstromprüfkopf, trägt. Die
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Achse A2 verläuft in Ausgangsposition des Auslegers 12 parallel zur Achse Al.
In der FIG ist außerdem zu erkennen, daß das zweite Glied 18 zwei in einem Schwenkgelenk miteinander verbundene Teilglieder
18a und 18b umfaßt. Das das Prüfsystem tragende Teilglied
18b ist dabei gegenüber dem Teilglied 18a um eine parallel zur Achse F2 verlaufende Achse F3 schwenkbar. Das Glied 18b
ist vorzugsweise federnd in diesem Schwenkgelenk gelagert, so daß ein Anstellen und flächiges Aufsetzen des Prüfsystemes
auch an eine schräg zur Längsachse Al verlaufende Fläche gewährleistet
ist.
Anhand der in FIG 2 dargestellten drei Arbeitspositionen der
erfindungsgemäßen Einrichtung ist veranschaulicht, wie durch eine Bewegung des Wagens 10 in Längsrichtung Al der Schiene
und eine damit koordinierte Schwenkbewegung des ersten Gliedes 16 um die Achse Al sowie des zweiten Gliedes 18 um die
Achse A2 eine annähernd kreisförmige Schweißnaht 22 in einem Winkelbereich &bgr; befahren werden kann, der größer als 180°
ist. Die kreisförmige Schweißnaht 22 gehört beispielsweise zu einem in den Reaktordruckbehälter 2 mündenden Stutzen 24. Da
der befahrbare Winkelbereich &bgr; größer als 180° ist können auch Bereiche erfaßt werden, die von der Schiene 8a aus gesehen
hinter dem Stutzen 24 liegen. Dies wird unterstützt durch die Schwenkbewegung des zweiten Gliedes 18 um die Achse A2.
Der gesamte Umfang der kreisförmigen Schweißnaht 22 läßt sich dann erfassen, wenn der Wagen 10 von der Schiene 8a auf die
benachbarte parallel dazu verlaufende Schiene 8b umgesetzt
30- wird. Da der Winkelbereich &bgr; größer als 180° ist, ist ein
Überlapp der von beiden Schienen 8a und 8b aus erreichbaren Prüfzonen sichergestellt.
In FIG 3 ist die Einrichtung in einer Draufsicht von oben in Arbeitsposition an einem der in den Reaktordruckbehälter 2
mündenden und entlang der Schweißnaht 22 festgeschweißten Stutzen 24 dargestellt. In dieser FIG ist zu erkennen, daß
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die Schwenkbewegung um die Achsen Fl und F2 die durch die
Krümmung des Reaktordruckbehälters 2 bewirkten Höhenabstand h ausgleichen, wenn das erste und zweite Glied 16 bzw. 18 durch
Schwenkbewegung um die Achsen Al und A2 aus der Achse Al
seitlich ausgeschwenkt sind.
Die dargestellten Ausführungsbeispiele zeigen die Einrichtung in Arbeitsposition am zylindrischen, vertikalen Teil des Außenmantels
4. Dieselbe Einrichtung kann jedoch auch zur Prüfung der Schweißnähte außerhalb des zylindrischen Teils, beispielsweise
im Bereich des Deckelflansches oder im Bereich des Bodenflansches eingesetzt werden. Hierzu sind lediglich
der Krümmung des Außenmantels 4, beispielsweise der Krümmung der Bodenkalotte, angepaßte fest oder demontierbar installierte
Schienen notwendig, auf die der Wagen 10 aufgegleist werden kann.