-
Fassadenplatte
-
Fassadenplatten sind in verschiedener Ausführung bekannt. Als Werkstoffe
finden hierbei Kunststoffe, Metalle und Asbestzement verbreiteten Einsatz. Derartige
Platten werden in unterschiedlicher Grösse und mit unterschiedlicher Oberflächengestaltung
eingesetzt, wobei letztere oft materialbedingt ist.
-
Bei Fassadenplatten aus Stahl- und Aluminiumblechen wird zur Erhöhung
der Steifigkeit eine Profilierung, meist in Form von Rippen vorgesehen, um in einer
.Vorzugsrichtung besondere Steifigkeiten zu erhalten. Wegen dieser Profilierung
können die aus solchen Platten herstellbaren Fassaden nicht immer den im Einzelfall
bestehenden Wünschen an das Aussehen der fassade Rechnung tragen.
-
i'assadUnplatten aus Kunststoff können kontinuierlich im Extrudiervertahren
hergestellt werden. Eine andere Fertigungsmöglichkeit bietet das Tiefziehen von
Plattenmaterial in kassettenartig geformte Elemente. Die extrudierten Eunststoffprofile
haben
eine äusserlich erkennbare Linienstruktur, bedingt durch die Vertiefungen oder Aussteifungen
bei ein-bzw. zweiwandigen Profilen. Bei den tiefgezogenen Fassadenplatten tritt
die gleiche oder ähnliche Form mit rechteckiger Fläche an der Fassade in der Waagerechten
und Senkrechten als Wiederholung auf. Demnach wird auch bei der Verwendung derartiger
Platten das Aussehen der Fassade durch Phssnahmen bestimmt, die mit den mechanischen
Eigenschaften des verwendeten Werkstoffes und dessen Verarbeitungstechniken vorgegeben
sind. Dies kann im Einzelfall dazu führen, eine Fassade aus Kunststoffplatten abzulehnen.
Hierfür können auch die Nachteile mit bestimmend sein, die sich aus der begrenzten
Feuerfestigkeit und der hohen Wärmeausdehnung der Kunststoffplatten ergeben.
-
Den Fassadenplatten aus Asbestzement haftet der thngel an, dass sie
ein verhältnismässig grosses Gewicht besitzen und verhältnismässig bruchanfällig
sind, so dass die Montage nur mittels vorgegebener Bohrungen oder zusätzlicher Bohrungen
möglich ist.
-
Wegen dieser Nachteile ist der Einsatz solcher Platten für die Herstellung
von vorgehängten bzw. hinterlüfteten Fassaden problematisch. Dabei spielt auch die
verhältnismässig geringe Widerstandsfähigkeit von Asbestzementplatten gegenüber
Stossbeanspruchungen eine Rolle.
-
Bei dem Einsatz der vorerwähnten Fassadenplatten entstehen an der
Fassade zwischen den einzelnen Platten Fugen, die in irgendeiner Form überbrückt
bzw. ausgefüllt werden müssen. Hieraus ergibt sich eine optische Wirkung, welche
aufgrund besonderer (z.B. architektonischer) Umstände in manchen Fällen nicht hingenommen
werden kann. Es ist zwar bekannt, auf Asbestzementplatten eine Putzschicht aufzubringen.
Der Einsatz solcher Platten als Putzträger ist jedoch sehr begrenzt, weil nicht
alle üblichen Putzmaterialien mit ausreichender Festigkeit auf der Oberfläche von
Asbestzementplatten haften.
-
Plan kennt auch Fassadenplatten mit einem Träger aus geschäumtem Polystyrol,
der auf der aussenliegenden Seite mit einem Haftmörtel unter Einlage eines Glasfasergitternetzes
überzogen ist. Auf dem Haftmörtel ist im allgemeinen eine kunststoffgebundene Deckschicht
aufgebracht. Der Nachteil dieser Konstruktion besteht vor allem darin, dass nur
lange abgelagertes geschäumtes Polystyrol verwendet werden kann und dass in der
Putz schicht bei starker Sonneneinstrahlung ein erheblicher Wärmestau mit Risseanfälligkeit
für den Putz entsteht. Eine hinterlüftete Fassade ist mit solchen Platten nicht
hergestellt worden.
-
Mit der vorliegenden Erfindung soll nun eine Fassadenplatte zur Verfügung
gestellt werden, welche die in den Anwendungsmöglichkeiten der bekannten Fassadenplatten
in verschiedener Hinsicht bestehende Lücken ausfüllt und die insbesondere die Voraussetzung
dafür schafft, die Möglichkeiten und Vorteile zu nutzen, welche die Verwendung von
Putzmaterialien auf anorganischer (mineralischer) und organischer (Kunststoff-)
Basis für die Fassadenaussenschicht mit sich bringt. Hierbei steht die Vielfalt
der Gestaltungsmöglichkeiten, einschliesslich der fugenlosen Ausbildung der Fassadenoberfläche,
mit im Vordergrund.
-
Als wichtige Nebenaufgabe ist dabei die Schaffung einer Fassadenplatte
anzusehen, mit der sich eine vorgehängte (hinterlüftete) Fassade mit einer Putzaussenlage
herstellen lässt. Bislang wurde bei einer geputzten Fassade das Putzmaterial immer
direkt auf die Aussenwände des Bauwerkes bzw. auf die gegen die Bauwerkswände anliegende
Verkleidung aufgebracht. Es war also nicht möglich, bei einer geputzten Bassade
die bekannten bauphysikalischen und wohnhygienischen Vorteile einer hinterlüSteten
Fassade zur Geltung zu bringen.
-
Mit der Erfindung wird nun eine Fassadenplatte vorgeschlagen, die
eine vorzugsweise zement- oder magnesitgebundene Leichtbauplatte aus Holzwolle umfasst,
die zur Erhöhung der Stoss- und
Zugfestigkeit, insbesondere der
Biegezugfestigkeit, mindestens auf einer Seite, vorzugsweise jedoch beidseits, mit
einer Faserbewehrung versehen ist. Bei einer vorzugsweisen Ausführungsform ist auf
einer Seite der Platte eine Putz- oder Farbschicht auf die l?aserbewehrung aufgebracht.
-
Die vorteilhaften Eigenschaften der zementgebundenen, vorzugsweise
magnesitgebundenen Leichtbauplatten aus Holzwolle sind bekannt. Sie besitzen ein
geringes Gewicht und lassen sich -im Gegensatz zu spröden Asbestzementplatten -
nage;ln. Die erfindungsgemässe Fassadenplatte ist deshalb leicht montierbar.
-
Wegen der Nagelbarkeit des tEterials braucht für eine auf der Bauwerks
wand zur Befestigung der Platten angebrachte Lattung nicht unbedingt eine genaue
Teilung eingehalten zu werden, wie dies bei der Verwendung der schweren Asbestzementplatten
mit vorher angebrachten Bohrungen für die Aufnahme der Befestigungsmittel notwendig
ist.
-
Holzwolle-Leichtbauplatten (solche Platten sind unter der geschützten
Warenbezeichnung Heraklith auf dem Markt) mit geringer Stärke und entsprechend geringem
Gewicht wären allerdings von Haus aus als selbsttragende Fassadenplatten nicht geeignet,
vor allem nicht für den Einsatz bei vorgehängten bzw. hinterlüfteten Fassaden, bei
denen die Platten nicht vollflächig auf einer Unterlage aufliegen. Hierfür sind
die Festigkeitseigenschaften solcher Platten, insbesondere die Zug- und Stossfestigkeit
unzureichend. Durch den erfindungsgemäss vorgeschlagenen Verbund der Holzwolle-Leichtbauplatten
mit einer Faserbewehrung werden jedoch die Eigenschaften so verändert bzw. fortentwickelt,
dass die Platten auch als Fassadenelemente eingesetzt werden können.
-
Die durch den Verbund Holzwolle-Leichtbauplatte/Faserbewehrung erzielbaren
Eigenschaften kommen insbesondere dann zur Geltung, wenn die Platte als Putzträger
eingesetzt wird, sei es dass die Putzschicht fabrikmässig oder erst an Ort und Stelle,
also an der Baustelle, aufgebracht wird. In jedem Falle wird die
einer
lediglich aus Putzmaterial bestehenden Platte bzw. Lage anhaftende Sprödigkeit überwunden.
-
Die erfindungsgemässe Kombination aus faserbewehrter Leichtbauplatte
mit Putzaussenlage bringt eine solche Stossfestigkeit, dass bei normalen äusseren
Einwirkungen keine Schäden an der Fassade auftreten, insbesondere kein Absplittern
von Plattenteilen stattfindet. Die Verformungskräfte werden von der Faserbewehrung
aufgenommen. Wegen der verbesserten Festigkeitseigenschaften, wozu auch eine erhöhte
Biegezugfestigkeit (Bruchfestigkeit) gehört, lassen sich die erfindungsgemässen,
bereits fabrikmässig mit einer Putzschicht versehenen Fassadenplatten ohne Bruchgefahr
transportieren.
-
Für die Faserbewehrung können Fasergewebe oder Faservliese auf anorganischer
oder organischer Basis eingesetzt werden. Vorzugsweise finden wegen der Beständigkeit
gegen Verrottung und auch mit Rücksicht auf die angestrebte Feuerfestigkeit Glasfasern
Verwendung. Die Fasern können eine Dicke von einigen 1/100 mm besitzen. Mit der
zwischen der Putzschicht und der Leichtbauplatte vorgesehenen Faserbewehrung soll
gleichzeitig ein Eindringen des Putzmaterials in die Struktur der Leichtbauplatte
verhindert werden, damit die gute Wärmedämmung der Holzwolle-Leichtbauplatten erhalten
bleibt, welche zusammen mit der Atmungsaktivität der erfindungsgemässen Platten
diese für den Fassadenbau besonders geeignet macht.
-
Die Faserbewehrung kann vermittels eines geeigneten Klebers (z.B.
Dispersionskleber oder Mehrkomponentenkleber) mit der Holzwolle-Leichtbauplatte,
die eine Stärke von nur 5 bis lOmm besitzen kann, fest verbunden werden. Der Kleber
soll zweckmässig so beschaffen sin, dass die Verbindungsschicht zwischen der Leichtbauplatte
und der Faserbewehrung möglichst dehnungselastisch ist.
-
Plit der vorliegenden Erfindung wird eine Möglichkeit zur Herstellung
von hinterlüfteten Fassaden mit einer Putzaussenschicht geschaffen. Hierfür können
komplett vorgefertigte, also bereits fabrikmässig mit der Putzschicht versehene
Verbundplatten eingesetzt werden. Die Befestigung der Fassadenelemente auf dem Plattenträger,
der beispielsweise in an sich bekannter Weise aus einem Holzlattengerüst besteht,
kann in einfacher Weise vermittels Nägeln erfolgen. Selbstverständlich sind auch
andere Befestigungsmittel wie Schrauben und Steckelemente für diesen Zweck verwendbar.
Diejenigen Stellen, wo die Befestigungsmittel angebracht sind, können durch Betupfen
mit der entsprechenden Putzmasse unsichtbar gemacht werden.
-
Eine andere Möglichkeit zur Herstellung einer hinterlüfteten Fassade
mit Putzaussenlage besteht darin, dass erfindungsgemässe, noch keine Putzschicht
aufweisende Platten montiert und erst hiernach die Putzschicht aufgebracht wird.
Dadurch kann das Entstehen von Fugen verhindert werden. Hierfür erweist es sich
als zweckmässig, die putzseitige Faserbewehrung, die, ebenso wie die auf der anderen
Seite der Leichtbauplatte vorgesehene Bewehrung eine Dicke von nur 0,5 bis 2 mm
aufweisen kann, randseitig über die Leichtbauplatte vorstehen zu lassen, so dass
sich die aneinanderstossenden Fassadenplatten mit dem überstehenden Rand der Bewehrung
überlappen und dadurch die Fugen überdeckt werden. Es genügt, wenn die Faserbewehrung
nur an zwei Seiten jeder Platte übersteht. Der über stand der Bewehrung wird zweckmässig
mit den benachbarten Platten verbunden1 z.B. verklebt.
-
Der besondere Vorzug der erfindungsgemässen Fassadenplatten besteht
in ihrer hohen Stoss- und Zugfestigkeit, insbesondere Biegezugfestigkeit bei geringem
Gewicht, so dass die Platten auch besonders grossformatig, beispielsweise geschosshoch,
hergestellt werden können, was die Montage auf der Baustelle erleichtert bzw. beschleunigt.
-
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel einer erfindungsgemässen
Fassadenplatte im Schnitt dargestellt.
-
Auf beiden Seiten der zementgebundenen Holzwolle-Leichtbauplatte l
ist eine Faserbewehrung 2', 2" in Form eines Gewebes oder eines Vlieses durch Verklebung
aufgebracht. Die Faserbewehrung 2' trägt eine aus Putzmaterial bestehende Lage 3,
die dem gewünschten Aussehen der Fassade en-tsprechend strukturiert sein kann.
-
Leerseite