DE2440383A1 - Verfahren zur herstellung hilfsstofffreier tabletten - Google Patents
Verfahren zur herstellung hilfsstofffreier tablettenInfo
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Description
BOEHRINGER MANNHEIM GMBH - ' 1803
Verfahren zur Herstellung hilfsstoffreier Tabletten
Die Verarbeitung von pulverigen oder granulierten Stoffen zu Tabletten und Dragees bildet eine einfache, preiswerte Methode
zur Dosierung dieser Substanzen. Durch das Verpressen wird
gleichseitig eine Kontaktierung bewirkt, die Transport, Lagerung und Applikation in vielen Fällen erleichtert. Eine Schwierigkeit
bei der Herstellung von Tabletten liegt darin, daß nur wenige Substanzen direkt zu Tabletten verpreßt werden können
(vgl. Gstirner, Grundstoffe und Verfahren der Arzneibereitung, 1960, Seiten 3 - 4). Dies beruht darauf, daß den meisten Stoffen
entweder die nötige Gleitfähigkeit fehlt, um die Preßlinge glatt
auszustoßen, oder daß die Substanzen unter den angewendeten Preßdrucken nur ungenügend miteinander verbunden werden. Eine
besonders häufig vorkommende und störende Eigenschaft der meisten Substanzen ist ihr Verkleben mit der Tablettenform
bzw. den Druckstempeln, die beim Öffnen der Tablettenform zum
teilweisen oder vollständigen Zerreißen der gerade hergestellten Tablette führen. Um diese ungünstigen Eigenschaften zu
kompensieren, werden bei der Herstellung von üblichen Tabletten Hilfsstoffe wie Gleitmittel, Bindemittel und Formentrennmittel
in mehr oder weniger großen Anteilen zugesetzt.
Bei einigen Applikationsformen ist jedoch ein Zusatz von Tablettierhilfsmitteln
nicht erwünscht oder nicht möglich. Zum Beispiel rufen bei Brausetabletten die üblichen Hilfsstoffe aufgrund
ihrer geringeren Wasserlöslichkeit mehr oder weniger starke
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Trübungen hervor. Bei Lutschtabletten wirkt dagegen häufig der Eigengeschmack der Tablettierhilfsmittel störend. Weitere
Nachteile können in der Veränderung der Lösungsgeschwindigkeit der Tablette, in der Beeinflussung der Stabilität der
Inhaltsstoffe sowie in der Vergrößerung der Gesamtmasse der
Tablette liegen. Für Arzneimittel und diätetische Nahrungsmittel kommt hinzu, daß der Zusatz von Hilfsstoffen deklarationspflichtig
ist und der auf Reinheit achtende Verbraucher auch unschädliche Zusatzstoffe möglichst vermeidet. Es sind
deshalb schon verschiedene Versuche unternommen worden, die herkömmlichen Tablettierverfahren so abzuwandeln, daß Tabletten
auch ohne den Zusatz von Hilfsstoffen hergestellt werden können.
Es ist bekannt, daß die Tabletten weniger an der Tablettenform und an dem Preßstempel haften, wenn die Tabletten unter sehr
hohen Drucken gepreßt werden. Nachteilig bei diesem Verfahren ist, daß die tablettierten Stoffe unter den hohen
Drucken zu sintern beginnen, so daß die Porosität der Tablette aufgehoben wird und sehr harte, schwer lösliche Tabletten entstehen,
die zusätzlich auch noch zum "deckein" neigen.
Bei einem besonderen Verfahren werden die Preßflächen der Stempel mit einer Kunststoffschicht überzogen, um die Adhäsionskräfte zu
verringern und dadurch ein Verkleben zu verhindern. Durch die insbesondere zum Pressen von Lutschtabletten erforderlichen hohen
Preßdrucke werden diese Kunststofflächen jedoch relativ rasch deformiert und durch die Schmirgelwirkung der tablettierten Stoffe
abgeschliffen. Die dadurch hervorgerufene Ungenauigkeit der Tablettengröße sowie der notwendige häufige Wechsel der Preßwerkzeuge
stehen einer breiten technischen Verwendung entgegen.
Es ist weiterhin versucht worden, die Bewegung des Unterstempels auszunutzen, um die Matrizenwände mit einem flüssigen Gleitmittel
wie Paraffin oder Silikonöl zu schmieren. Die Ober- und Unterstempelflächen
können bei diesem Verfahren jedoch nicht mitge-
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schmiert werden, so daß trotz des erforderlichen hohen technischen
Aufwandes die Tablettierung nach diesem Verfahren große Schwierigkeiten bereitet.
Überraschenderweise ist es nun gelungen, ein Verfahren zu finden, mit dem hilfsstoffreie Tabletten auf konventionellen
Tablettiermaschinen ohne Schwierigkeit hergestellt werden können, wobei auch die oben geschilderten Nachteile vermieden
werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren zur Herstellung von Tabletten
aus Tablettenmassen, die zum Verkleben mit der Tablettenform neigen, ist dadurch gekennzeichnet, daß in der Preßform abwechselnd
die reine Tablettenmasse und eine Hilfsstoffmasse, die gut tablettierbare Substanzen, Gleit- und Formtrennmittel
enthält, verpreßt werden.
Überraschenderweise bleibt vom Ver'pressen der Hilfsstoffe eine
dünne Schicht Gleitmittel in der Form zurück, die aber ausreicht, um im anschließenden Preßgang die rückstände- und bruchfreie
Ablösung der gewünschten Tablette von der Form zu sichern. Die aus der Hilfsmasse hergestellten Tabletten können selbstverständlich
wieder zerkleinert und in den Prozeß zurückgeführt werden.
In einer besonders vorteilhaften Ausgestaltung wird für das Verfahren eine Rundläüferpresse verwendet, die paarige Preßstationen
besitzt, so daß jeweils der einen Station die Hilfsmasse und der anderen Station die Tablettenmasse kontinuierlich
zugeführt werden.
Als gut tablettierbare.Substanzen für die Hilfsmasse kommen
z.B. Natrium- und Kaliumchlorid, Lactose, Calciumphosphate,
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Cellulose, Stärke etc. in Frage. Obwohl diese Stoffe nur in Spuren in die gewünschten Tabletten gelangen, wird man aus
Gründen der Sicherheit giftige oder reaktionsfähige Stoffe
vermeiden.
Als Gleitmittel können übliche Stoffe wie Talkum oder Natriumbenzoat
in Mengen von 5 - 20 %, vorzugsweise in Mengen von
8-10 %,' verwendet werden. Als Formentrennmittel haben sich Stearinsäure und Stearate in Mengen von 1 - 10 %, vorzugsweise
2 - 4 %, bewährt. Sehr gut haftende Formentrennmittel, wie Paraffin oder Siliconöle, können bereits in Mengen von 0,5 2
% die erfindungsgemäße Wirkung hervorrufen.
Die bei dem Verfahren verwendeten Drucke sind relativ unkritisch und bewegen sich im Rahmen der für übliche Tablettierungen
bekannten Grenzen. Die Menge der Tablettierhilfsmittel in der Hilfsstofftablette kann jedoch noch weiter herabgesetzt werden,
wenn der Preßdruck auf der mit diesen Stoffen gefüllten Station geringer als üblich ist.
Gemäß dieser Erfindung können damit erstmals Tabletten aus Stoffen hergestellt werden, die zum Haften am Preßwerkzeug neigen,
ohne daß Trenn- oder Gleitmittel zugesetzt werden. Selbstverständlich
können diese Tabletten sonstige erwünschte Hilfsstoffe enthalten. Beispielsweise seien die Löslichkeit und den Geschmack
verbessernde Zusätze wie Zucker, Säuren und Aromastoffe, oder den Zerfall der Tablette fördernde Stoffe , Tenside, Puffersubstanzen
oder Füllstoffe^ wie Stärke und Cellulose, genannt. Durch den niederen Preßdruck, der bei dem erfindungsgemäßen Verfahren
angewendet werden kann, ist besonders die Herstellung von weichen Brause- und Sublxngualtabletten vorteilhaft durchführbar
.
Auch, die Verpressung von reiner Fruktose ist uns nach dem Verfahren
erstmals gelungen. Fruktose ist als gut wasserlösliche,
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hygroskopische Substanz bisher nicht ohne den Zusatz von Hilfsstoffen
tablettierbar gewesen. Erfindungsgemäß ist es jedoch möglich, körnige oder agglomerierte Fruktose ohne Zusätze zu Tabletten
zu verpressen. Für größere Tabletten,, oder wenn der Preßdruck nicht mehr ausreicht, um das Granulat genügend zu zermahlen,
empfiehlt es sich, ein Feingranulat oder gepulverte Fruktose in einer Menge von 10 - 30 % zuzusetzen,, um ohne Überbeanspruchung
der Tablettenmaschine eine ausreichende Tablettenhärte zu erzeugen. Die bindemittelfreien Fruktose-Granulate gemäß DBP 1 909
lassen sich jedoch auch ohne einen solchen Zusatz verpressen und sind besonders bevorzugt.
Im folgenden sei die Erfindung anhand einiger Beispiele für die Zusammensetzung der Hilfsstoffmasse und einiger von uns durchgeführten
Tablettierungen von klebenden Wirkstoffen aufgezeigt.
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Rezepturen für Hilfsstoffmassen:
9,0 kg Lactose, kristallin, werden mit 800 g Talkum und 200 g Magnesiumstearat gleichmäßig vermischt.
8,0 kg Lactose, kristallin, 500 g mikrokristalline Cellulose, 1,0 kg Talkum und 500 g Magnesiumstearat werden gleichmäßig
vermischt.
4,5 kg Lactose und 4,5 kg Maisstärke werden mit einem Stärkekleister,
dem 100 g Siliconemulsion zugemischt worden sind, granuliert. Dem getrockneten und gesiebten Granulat werden
900 g Talkum zugemischt.
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Beispiel 4
100 g Paraffin werden in einem geeigneten Lösungsmittel gelöst und auf 1,5 kg Talkum aufgezogen, getrocknet und gesiebt.
Dieses paraffinierte Talkum wird mit 8,4 kg sprühgetrockneter
Lactose gleichmäßig vermischt. .
8,5 kg Lactose, kristallin, 1,0 kg makrokristalline Cellulose und 500 g Stearinsäure werden gleichmäßig vermischt.
9,5 kg Lactose, kristallin, werden mit 500 g Magnesxumstearat gleichmäßig vermischt. - ι
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2U0383
Rezepturen für wirkstoffhaltige Tablettenmassen:
Beispiel 7
5,0 kg Ascorbinsäure, 12,5 kg Natriumhydrogencarbonat und 7,5 kg
wasserfreie Zitronensäure werden nach üblichen Verfahren granuliert.
Auf der einen Hälfte der Tablettenmaschine werden 500 mg Ascorbinsäure-Brausetabletten
von 22 mm Durchmesser und 2,5 g Gewicht und auf der zweiten Hälfte eine Placebo-Tablettenmasse der Beispiele
1 oder 2 verpreßt.
3,0 kg Acetylsalicylsaure, gepulvert, werden mit einem Stärkekleister
aus 150 g Maisstärke granuliert, getrocknet und gesiebt. Dem Granulat werden 600 g mikrokristalline Cellulose zugemischt.
Auf der einen Hälfte der Tablettenmaschine werden 300 mg Acetylsalicylsäure-Tabletten
von 11 mm Durchmesser und 375 mg Gewicht und auf der zweiten Hälfte eine Placebo-Tablettenmasse des Beispiels
5 verpreßt. Die wxrkstoffhaltigen Tabletten können so
weich verpreßt werden, daß die Tabletten in Wasser oder in der Mundhöhle sehr rasch zerfallen.
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2,0 kg Polyäthylenglykol 4000 und 250 g Polyoxyathylenstearat
werden unter Schmelzen auf 60 C erwärmt. In die Schmelze werden 500 g eines mikronisierten Nitrofurantoin-Derivats suspendiert.
Die erstarrte Schmelze wird zu 0,5 bis 1,0 mm großen Granulen zerkleinert.
Auf der einen Hälfte der Tablettenmaschine werden 50 mg Nitrofurantoin-Derivat-Tabletten
von 10 mm Durchmesser und 275 mg Gewicht und auf der zweiten Hälfte eine Placebo-Tablettenmasse
des Beispiels 6 verpreßt. Die wirkstoffhaltigen Tabletten werden anschließend dragiert.
1,3 kg Lactose, gepulvert, und 1,3 kg Maisstärke werden mit Stärkekleister wie üblich granuliert. Das getrocknete Granulat
wird mit einer Lösung von 3 g Pfefferminzöl in Alkohol überzogen.
Das getrocknete und gesiebte Granulat wird mit 200 g einer 5%igen Nitroglycerin-Lactose-Verreibung gleichmäßig gemischt.
Auf der einen Hälfte der Tablettenmaschine werden 0,5 mg
Nitroglycerin-Tabletten von 7 mm Durchmesser und 140 mg Gewicht und auf der zweiten Hälfte eine Placebo-Tablettenmasse des
Beispiels 3 verpreßt., Die wirkstoffhaltigen Tabletten werden
so xveich verpreßt, daß sie in der Mundhöhle sehr rasch zerfallen.
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2U0383
Beispiel 11
5,5 kg Sorbit und 1,5 kg Saccharin-Natrium werden zusammen mit einer Lösung aus Alkohol und Wasser granuliert.
Auf der einen Hälfte der Tablettenmaschine werden 15 mg Saccharin-Tabletten von 6 mm Durchmesser und 70 mg Gewicht
und auf der zweiten Hälfte eine Placebo-Tablettenmasse der Beispiele 1 oder 2 verpreßt.
Beispiel 12
7,5 kg Fructose-Granulat (hergestellt nach DBP 1.909.316) mit einer Korngröße von 0, 2 - 0, 5 mm und 2,5 kg Fructose-Granulat
(hergestellt nach DBP 1.909.316) mit einer Korngröße von 0,05 - 0,2 mm werden gemischt.
Auf der einen Hälfte der Tablettenmaschine werden Fructose-Lutschtabletten
von 22 mm Durchmesser und 3,0 g Gewicht und auf der zweiten Hälfte eine Placebo-Tablettenmasse der Beispiele
1, 2 oder 3 verpreßt.
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Claims (6)
1. Verfahren zur Herstellung von hilfsstoffreien Tabletten aus
zum Verkleben neigenden Tablettenmassen, dadurch gekennzeichnet, daß in einer Tablettenform abwechselnd die Tablettenmasse
und eine Hilfsstoffmasse, die eine gut tablettierbare
Substanz, Gleit- und Formtrennmittel enthält, verpreßt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die Gleitmittel in einer Menge von 5 - 20 %, vorzugsweise 8 - 10 %,
enthalten sind.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß die Trennmittel in einer Menge von 0,5 - 10 %, vorzugsweise in einer Menge von 2 - 5 %, enthalten sind.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1-3, dadurch gekennzeichnet,
daß das Verfahren auf einer Rund läuferpresse mit paarigen Füllstationen durchgeführt wird.
5. Verfahren zur Herstellung von hilfsstoffreien Fruktosetabletten,
dadurch gekennzeichnet, daß in einer Tablettenform reine Fruktose abwechselnd mit einer Mischung aus einer gut
tablettierbaren Substanz, 5 - 20 % eines Gleitmittels und 0, 5 - 10 % eines Formtrennmittels tablettiert wird.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß granulierte
Fruktose verwendet wird.
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Priority Applications (5)
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| BHN | Withdrawal |