DE2161555C3 - Verfahren und Vorrichtung zur Gewinnung von Meßwerten für die Bestimmung von Spinodalen und kritischen Punkten oder Kurven beim Phasenübergang - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zur Gewinnung von Meßwerten für die Bestimmung von Spinodalen und kritischen Punkten oder Kurven beim PhasenübergangInfo
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Description
Unter den verschiedenen Verfahren zur Charakterisierung von chemischen Verbindungen befindet sich
auch das Verfahren der Messung des Wolkigkeitspunktes von in Lösungsmitteln gelosten chemischen Verbindungen
bei verschiedenen Konzentrationsgraden. Diese Messungen werder bis /um Eintritt einer Trübung unter
langsamer Erniedrigung oder Erhöhung der Temperatur der Lösungen durchgeführt, abhängig davon, ob ein
positiver oder negativer Löslichkeitskoeffizient vorliegt. Der Eintritt der Trübung liegt bei oder im Bereich
der Temperatur, bei welcher die Lösung von einem stabilen in einen metastabilen Zustand übergeht. Die
Nähe des beobachteten Wolkigkeitspunkies zur tatsächlichen binodalen Temperatur, bei der dieser
Übergang eintriit, im folgenden als Tme, bezeichnet, wird
bei jeder beliebigen Konzentration durch die Geschwindigkeit der Temperaturänderung beeinflußt. Bei einem
vorgegebenen System bilden die Wolkickeitspunkte eine kontinuierliche Kurve, zum Beispiel bei Auftragung
der Wolkigkeitspunkte gejenübei der Konzentration im Falle eines binären Lösungssystems.
Die Werte des Wolkigkeitspu.nktes und von Jastimmen
in der Theorie nur dann überein, wenn die Geschwindigkeit der Erhitzung (oder der Abkühlung)
unendlich klein ist. In der Praxis wird der Wolkigkeitspunkt in der Regel als mit Tme, übereinstimmend
betrachtet, vorausgesetzt, daß lediglich die Messung unter hinreichend langsamer Temperaturänderung
ausgeführt wurde. Wenn die Abkühlungs-(oder Lrhitzungs-)Geschwindigkeit
gesteigert wird, kann erwartet werden, daß der beobachtete Wolkigkeitspunkt kurz
unterhalb oder oberhalb Tnic, liegt, bis eine hinreichend
schnelle Abkühlungs-(oder Erhitzungs-)Geschwindigkeit erreicht wird.' <
der der Wolkigkeitspunkt mit dem Punkt übereinstimmt, bei dem die Lösung vom
metastabilen in den instabilen Zustand übergeht. Die Grenze zwischen metastabilen und instabilen Zuständen
ist als spinodale Temperatur bekannt und wird im folgenden durch Tunsl bezeichnet. Wird eine Lösung
durch hinreichend schnelle Temperaturänderungen auf eine Temperatur gebracht, die auf der spinodalen Kurve
liegt, ohne wesentliche vorherige Phasentrennung, dann zeigt sie die sogenannte spinodale Umwandlung, die
eine sehr schnelle Phasentrennung ist.
Messungen von Phasendiagrammen von Lösungen sind bekanntlich unter mindestens zwei Gesichtspunkten
von Nutzen. Erstens dienen solche Messungen zur Kennzeichnung der gelösten Substanzen, z. B. in bezug
auf deren Reinheit, oder, im Falle von Hoehpolymeren
in bezug auf deren Gewichtsmittel des Molekulargewichts und Polydispersitätsgrad. Zweitens kann durch
Anpassung gemessener Punkte, von Linien oder Oberflächen der Phasendiagramme von Lösungen an
die aufgrund der Annahme einer bestimmten parametrischen Form der Funktion der freien Lösungsenthalpie
berechneten Werte solcher geometrischen Orte diese Annahme geprüft werden. Läuft diese Prüfung positiv
aus, so können dann die Parameter der besagten Funktion durch Optimierung der Anpassung bestimmt
werden.
Für die praktisch bevorzugten geometrischen Orte sind Abtragungen der binodaien Tem· -ratur als
Funktion der Konzentration, d. h. da Gren._ /.wischen
stabilen und metastabilen Zustanden cii. typisches
Beispiel. Die kritischen Punk··.- d: „uf diesen
geometrischen Orten liegen, wer-.·· auch oft angegeben.
Bis vor kurzem glaubte r ;... daß die sogenannten
Spinodalen, nämlich die Grenzen zwischen metastabilen und instabilen Zuständen, prinzipiell nicht meßbar
wären. Koningsveid (Advances in CO1 oid and
Intel face Science. Bd. 2. S. 178 [1%8]) hat das noch
ausdrücklich festgestellt. In noch jüngerer Zeit war es Schölte (Internationales IUPAC-Symposium über
Makromoleküle. Leiden, Conference Abstracts. S. 223 [1970]) zwar möglich, Spinodale mittels einer neuen
Methode zu messen, die auf kritischer Lichtstreuung nach Debye beruht. Solche Messungen sind jedoch
zeitraubend und basieren notwendigerweise auf weitreichender Extrapolation aus dem Stabilitätsbereich der
Lösung, da diese langsamen Messungen sonst durch einsetzende Phasenentmischung verhindert werden. Die
schnelle Bestimmung von Spinodalen, die auf nicht so weitreichender Extrapolation von Messungen sowohl
an metastabilen als auch stabilen Lösungen beruht, ist
eine wichtige Aufgabe, besonders deshalb, weil die Spinodalen sich leichter für theoretische Studien
auswerten iassen, als die Binodaien.
Diese Aufgabe wird durch das im Anspruch 1
angegebene Verfahren gelöst.
Kleine Mengen einer Lösung werden schnellen Temperaturpulsen in einem Huid-System unterworfen,
während eine passende physikalische Variable, /.. B. d;e
Intensität der Lichtstreuung, vermessen wird, aus welcher die Spinodalen durch Extrapolation bestimmt
werden können. Diese Extrapolationen sind jetzt weniger weitreichend und also auch zuverlässiger, da
die Anwendung schneller Temperaturpulse es ermöglicht, die Messungen bis über die Spinodalen hinweg
noch ein Stück in das metastabile Gebiet ohne Störung durch eine einsetzende Phasenentmischung zu verfolgen.
Der kritische Punkt einer Lösung ist als der Pjnkt
definiert, in dem sich die Kurve für T„KI und die
spinodale Kurve TU„H, berühren. Für ein binäres System
gibt es jeweils nur einen kritischen Punkt, während bei
'· ternären Systemen die kritischen Punkte Kurven bilden,
Iff- wenn man sie in Abhängigkeit von der Temperatur und
:§L der Zusammensetzung des lernären Systems aufträgt.
ff· jeder kritische Punkt eines Systems liegt z'so auf der
H Grenze zwischen stabilem und instabilem Zustand, ohne
Ij; daß dazwischen ein metastabiler Zustand vorliegt.
Definition der Spinodalen nach G i b b s
. jfjtl Nach Willard Gib'js (Collected Works, Vol. 1,
JUip. 132, Dover Publications Reprint, 1961), ist die
Spinodale gegeben durch
für eine beliebige Anzahl von Komponenten; Φ, und Φ,
sind die unabhängigen Variablen der Zusammensetz ing und AG ist die freie Mischungsenthalpie.
Spinodale Umwandlung
Die Intensität des von einer Lösung gestreuten Lichtes wird bestimmt durch Inhomogenitäten des
Brechungsindex. Die sogenannte »kritische Streuung« wird auf Schwankungen sowohl der Dichte als auch der
is Konzentration zurückgeführt. Die Theorie dieser
Schwankungen und ihre Ausweitung auf Lösungen von polydispersen Polymeren zeigt, daß eine bestimmte
Beziehung zwischen der Intensi'ät des gestreuten Lichtes und der zweiten Ableitung der treien Mischungsenthalpie
(Gibbssche fn:ie Energie) mit Bezug auf die Konzentration der poI)<Pr'en Komponenten
besteht. Im einzelnen zeigt die Theorie, daß im Bereich der Spinodalen die Intensität des gestreuten Lichtes
sehr hohe Werte erreicht.
Im folgenden soll vereinfachend mit dem Begriff
»Teilch ·η« ein Zustand in der Lösung bezeichnet werden, der Licht streut unabhängig davon, ob diese
.Streuung a) an einer wirklichen Phasengrenze oder b) durch Konzentratiorisschvvankungen hervorgerufen
wird Die beiden Falle Iuhren im wesentlichen zu
Teilchen, die sich sowohl in der Teilchengrößenveriei
lung als auch in ihrer Natur und folglich in ihrem Sireiiverhaiten unterscheiden. Beim langsamen Abkuh
len oder Erhitzen einer Losung in Richtung zum Wolkigkeitspunkt (der nicht i'ahe bei einem kritischen
Punkt liegt) sind die Schwankungen und durch sie bedingte Lichtstreuung im allgemeinen ziemlich
schwach. Wenn der Wolkigkeitspunkt übepschritten
wird, entstehen Teilchen mit definierten Phasengrenzen.
uiid die Streuintensiiät wächst. Beim schnellen Abkühlen
oder Erhii/en einer Losung wird jedoch ein sehr kräftiges kritisches Streuverhalte-n beobachtet, das auf
metastabile Teilchen zurückzuführen \-.\. die durch
Schwankungen erzeugt werden, welche ihrerseits unterhalb des Wolkigkeitspunktes beobachtet werden
und ansteigen, wenn nvan sich der Spinodalen nähert.
Da· Auftreten einer spinodalen Umwandlung kann deshalb im Prinzip durch Messungen aufgezeigt werden
die auf Änderungen m der Natur und der Größenverteilung
der Teilchen ansprechen, zum Beispie! durch Messen Jer Lichtstreuung oder der Trübung.
Die Erfindung betrifft deshalb ein Verfahren zur Messung des /ustandes einer Lösung durch Slreulichtiiie-!)suug.
bei dei J-.c Siiiwici igkeiien emci uusicr iicnu
5S schnellen Teniperaturänderung mit hinreichender genauen
Meßgenauigkeit vereinbart werden können.
Neben dem Vorteil, den das erfindungsgemäße Verfahren bei der Beobachtung von Phasentrennungen
in Lösungen bietet, ist es besonders vorteilhaft, daß man schnelle Messungen von spinodalen und kritischen
Punkten nunmehr auch an Lösungen von Polymeren durchführen kam. Dies ist von besonderem Interesse
wegen der engen Beziehung zwischen der Spinodalen eines Polymer-Lösungsmittel-Systems und dem durchschnittlichen
Molekulargewicht mu/des Polymers sowie
zwischen dem kritischen Punkt eines Polymer-Lösungsmittel-Systems und dem z-Wert my. des Molekulargewichts
des Polymers. Die genauen Zusammenhänge für
ein realistisches Modell wurden von m. Gordon. R.
K ο η i η g s'v e I d und H. A. G. C h e r m ί η im »Macromolecules«,
Vol. 2, page 207 (1969), beschrieben. Dementsprechend können folgende Beziehungen festgehalten
werden:
Spinodale
Kritischer Zustand
wobei
m,
-π-
(I)
Φ ist der Volumenanleil. g ein halbempirischer Wechselwirkungsparameter und m» und m/ die Gewichts-
und Ketteniängenmiltelwerte.
Neben dem vorstehend angegebenen Verfahren bezieh: sich die Erfindung auch noch auf eine
Vorrichtung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Die Erfindung ist im folgenden anhand der Beschreibung mehrerer bevorzugter Ausführungsbeispielc sowie
der schematischen Zeichnung näher erläutert. Hierbei zeigt
Fig. 1 den experimentell bestimmten Verlauf von Lichtintensitäten, erzeugt durch eine Anzahl von
Temperalurpuisen in einer Lösung von Polystyrol in Cyclohexan.
Γ i g. 2 ein Exlrapolationsverfahrcn zur Bestimmung
der spinodalen Temperatur.
F i g. 3 ein Blockschaltbild eines Zweibadsystems.
F i g. 4 ein Blockschaltbild eines Einbadsystems.
F i g. 5 einen Längsschnitt durch einen Meßtcil.
F i g. 6 einen Querschnitt durch einen weiteren Meßteil (ähnlich dem der F i g. 5).
Fig.7 den Verlauf der Lichttntensitätcn bei der
experimentellen Bestimmung des Wolkigkeitspunktes,
F i g. 8 Ergebnisse von Experimenten zur Bestimmung von Spinodal- und Wolkigkcitspunkikurven für eine
Anzahl von Lösungen eines Polystyrols in C>clohcxan
und
Fig.9 die experimentell gewonnenen Spinodalkurven
von zwei Polystyrolproben mit unterschiedlichem Molekulargewicht.
Es wurde gefunden, daß der Bereich /wischen Tmc,
und Tumi durch eine Serie von thermischen Pulsen
überdeckt v/erden kann, die zur Erfassung des Streulichlverhaltens in diesem Bereich herangezogen
werden können. Ein Verfahren zur Erzeugung der thermischen Pulse und zur Durchführung der entsprechenden
Messungen wird im folgenden beschrieben.
Eine Probe einer transparenten Lösung einer Verbindung in einem Lösungsmittel, deren Löslichkeit
beispielsweise mit abnehmender Temperatur abnimmt, wird schnell von einer Temperatur Γι gerade oberhalb
Tmet auf eine Temperatur T2 gerade unterhalb Tmc,
abpekf 'ι. wobei die Lösung für eine gewisse Zeit bei
dc' Ten -eratur T2 gehalten wird: anschließend wird sie
.lu. Tj wieder aufgeheizt. Die Abkühlungs- und
Aii'hi-i/npii«.. /klen werden wiederholt, wobei jedesmal
auf eine Temperatur T2 abgekühlt wird, die geringfügig
niedriger liegt als die des vorangegangenen Schrittes, bis schließlich der Bereich von Tmcibis 7",«,« vollkommen
überdeckt ist. Die Streuung oder Trübung der Lösung, die bei jedem Temperaturpuls hervorgerufen wird, wird
gemessen, zum Beispiel durch Streulichtmessung. Fi g. I
zeigt das Ergebnis einer solchen Messung. Man erhält
die spinodale Temperatur als Ergebnis der Auswertung
der Streulichtmessung in Abhängigkeit von den ίο Temperaturen Ti der aufeinanderfolgenden Schritte.
Zum Beispiel kann der Wert fur Tum, als der Temperaturwert angenommen werden, bei der die
Kurve der Lichtintensität /gegen Ti einen Wendepunkt
durchläuft. Eine genauere Bestimmung der spinodalen Tempera'ur ergibt sich jedoch, wenn man den
reziproken Wert der Intensität gegen die Temperatur aufträgt und zu dem Wer» unendlich große Intensität,
d. h. zur Temperaturachse. extrapoliert (vgl. F i g. 2).
Somit kann man anhand einer Anzahl von spinodalen jo Temperaturen von Lösungen unterschiedlicher Konzentration
einer Verbindung im gleichen Lösungsmittel die spinodale Kurve des Systems Verbindung —Lösungsmittel
erhalten.
Eine Kurve der Wolkigkeitspunkttempcraturen Tmt,
über der Konzentration erhält man unter Verwendung der gleichen Proben, entweder durch hinreichend
langsames Abkühlen auf eine Temperatur, bei der die Trübung eintritt, hinreichend langsam deshalb, um
sicher zu sein, daß die Trübung bei einer Temperatur einsetzt, die genügend nahe bei Tma liegt, oder durch
schnelles Aufheizen bei konstanter Geschwindigkeit einer getrennte Phasen aufweisenden Lösung. Hierbei
erhält man ein Abfallen der Intensität des gestreuten Lichtes, wobei Tmcl als Knick der Intensität /
aufgetragen über T in Erscheinung tritt. An diesem Knickpunkt ändert sich die Ursache für die Lichtstreuung,
und zwar wird dann die Streuung durch Konzentrationsänderungen bewirkt, wogegen vorher
die Streuung an tatsächlichen Teilchen erfolgte. Die durch das Auftragen der Wolkigkeitspunkte über der
Konzentration erhaltene Kurve kann dann zur Bestimmung der kritischen Temperatur der Lösung der
Verbindung in dem jeweiligen Lösungsmittel herangezogen
werden. Die kritische Temperatur der Lösung ist der Berührungspunkt zwischen den Kurven 7"u/m und
Trncr über die Konzentration. Die Spinodale und die
Wolkigkeitspunklkurvc werden somit gemessen, um die
kritische Temperatur einer Lösung zu bestir. <nen.
Gemäß Γ ig. 3 weist eine Vorrichtung wenigstens so eine transparente Kapillarzelle 1 mit solchen Abmessungen
auf. daß sie eine im wesentlichen vernachlässigbare Wärmekapazität im Vergleich mit ihrer Umgebung
aufweist. Diese Kapillarzelle t enthält eine Probe der zu untersuchenden Lösung. Sie ist in ein Flüssigkeilssystem
ss 2 eingesct/i. durch welches ein Lichtstrahl 3 einer Lichtquelle 4 und durch Trübung erzeugtes Streulicht
derart hindurcngeleitct wird, daß die Intensität des
Streulichtes gemessen werden kann. Weiterhin sind in der erfindungsgemäßen Vorrichtung unter jedem
gewünschten Winkel einsetzbare Mittel 5 zur Abtastung und Mittel 6 zum Messen und wahlweise Aufzeichnen
des erwähnten gestreuten Lichtes vorgesehen. Weilerhin ist das Flüssigkeitssystem 2 mit einer Einrichtung zur
vergleichsweise schnellen Temperaturänderung ausge-(15
rüstet. Diese Änderung kann dadurch erzeugt werden, daß man das System mit wenigstens zwei Flüssigkeil
enthaltenden Bädern 7,8 verbindet, bei dem - im lalle
der Messung der Spinodalen — eines (7) bei einer
Temperatur ΤΊ gehalten wird, vorzugsweise unter
Kontrolle einer tliermostat'ischen Steuerung 9 und das
andere (8) bei einer Temperatur T2, wobei diese Temperatur T2 mittels einer thermostatischen Steuerung
10 verändert werden kann. Darüber hinaus ist in dem Flüssigkeitssystem 2 eine Pumpe Hl und eine
Yentilars cdnung 12, 13 vorhanden, die es ermöglichen,
die die Kapillarzelle 1 umgebende Flüssigkeit entweder vom Bad 7 mit der Temperatur 7Ί oder vom Bad 8 mit
der Temperatur Tj zuströmen zu lassen. Ein wiederholles
Schalten der Ventilanordnung 12, 13 bewirkt Temperaturpulse in der Kapillarzelle 1 zwischen der
festen Temperatur 7Ί und der sich langsam ändernden Temperatur T2. Vorzugsweise ist auch eine Einrichtung
14 zur genauen Temperaturbestimmung der Umgebung der Kapillarzelle 1 vorgesehen, die räumlich gesehen
möglichst nahe an der Einrichtung zur Trübungsmessung angeordnet ist. Sofern es gewünscht wird, können
die Temperaturen gleichzeitig in der Aufzeichnungsvorrichtung 6 festgehalten weiden.
Die spinodale Umwandlung kann auch mit Hilfe eines sogenannten Einbadsystems verfolgt werden. Ein
solches System ist schematisch in F i g. 4 dargestellt. Die Vorrichtung weist ein Bad 17 mit einer Wärmeübertragungsflüssigkeit
18 auf, die mittels eines elektrischen Heizers 19 aufgeheizt oder mittels einer Kühleinrichtung
20 gekühlt wird.
D' * Wärmeübertragungsflüssigkeit 18 wird mit Hilfe der Pumpe 21 aus dem Bad 17 kommend an der
Kapillarzelle 1 und dem Zellenheizer 26 vorbei zurück in das Bad 17 gepumpt. Im Bereich der Kapillarzelle 1 sind
wiederum die Lichtquelle 4 zur Ermöglichung der jtreulichtmessungen angeordnet sowie in der Wärmeträgerflüssigkeit
die Temperaturfühler 14. Diese werden herangezogen, um die Temperatur während der
Streulichtmessung mit Hilfe der Mittel 5 zu erfassen. Das Thermometer 14 und Lichtsensor 5 sind mit einem
Bandzeichengerät 23 verbunden.
Der Meßteil der Vorrichtung ist in den F i g. 5 und 6 vergrößert dargestellt. Die Lichtquelle ist wiederum mit
4 bezeichnet. Die Kapillarzelle 1, in der die Proben angeordr sind, ist m t Silikonkautschuk in einer
Zellenhalterung 24 beiestigt, die ihrerseits in den
Wandungen eines Slrömungsrohres 25 angeordnet ist. Der in der Flüssigkeit befindliche Zellenheizer 26 ist mit
einer nicht dargestellten Stromquelle über ein Verbindungselement 27 verbunden. Beim gezeichneten Ausführungsbeispiel
hat der Heizer 26 eine Leistung von •0 Watt. Er ist in einem Abstand von etwa 1 mm von der
Kapillarzellc 1 vorgesehen. Das Thermometer {4 und der l.ichtsensor 5 sind ebenfalls im Bereich der
Kapillarzelle 1 vorgesehen. Letzterer kann jedoch in verschiedenen Stellungen bewegt werden, wenn die
Winkelabhängigkeit des gestreuten Lichtes gemessen werden soll. Die Strömungsrichtung der Wärmeträgerflüssigkeit
ist durch den Pfeil 28 angegeben. Die Kapillarzellc 1 ist im wesentlichen aus einem Material
gefertigt, das das Lösungsmittel der zu untersuchenden Probe und gegen die umgebende Wärmeträgerflüssigkeit
18 beständig ist. In aller Regel kann dieses Material
Glas sein. Die äußeren Abmessungen der Kapillarzelle 1 sind derart gehalten, daß die Zelle im Vergleich mit dem
Volumen des sie umgebenden Bereich? des Flüssigkeitssystems 2 hinsichtlich ihres Volumens vernachlässigbar
ist. Die Kapillarzelle 1 soll jedoch in jedem Fall verhältnismäßig klein sein, um sowohl eine schnelle
Wärmeübertragung als auch die Untersuchung von kleinen Proben zu ermöglichen. Ein bevorzugtes
Ausführungsbeispiel einer aus Glas gefertigten Kapillarzelle 1 weist einen Außcndurchmcsscr von 1,4 mm
und einen Innendurchmesser von 1,0 mm ..''f. Nachdem
ein Ende dieses Glasröhrchens verschlossen wurde, wird eine Probe 5 der zu untersuchenden Lösung eingeführt.
Sie erstreckt sich dann über eine Länge von etwa 1,5—2,5 cm in dem Röhrchen. Im Anschluß daran wird
das Röhrchen am oberen Kieriisküs der Probe
verschlossenl Die Halterung 24! weist eine Ausnehmung
auf, so daß ein einfallender LicHtstrahl entlang der
Längsachse der Kapillarzelle 1 geführt werden kann.
Dieser Lichtstrahl kann entweder Laser-Licht oder ein anderes paralleles Licht sein. Ebenfalls kann
Strahlung bestimmter Wellenlänge, wie zum Beispiel Ultraviolett-Strahlung oder Röntgenstrahlen, verwendet
werden, in jedem Fall muß jedoch die Lichtquelle entsprechend dem zu untersuchenden System ausgewählt
werden. Gestreutes Licht gelangt durch die Zellwandungen und wird entweder direkt durch das
lichtempfindliche F'erneut oder den Sensor 5 oder eine
nicht dargestellte Lichtleiter empfangen. Das gestreute Licht kann jedoch auch durch Fenster in der Wandung
des Rohres 25 nach außen gelangen.
Als vorteilhaft hat es sich erwiesen, die Kapillarzelle 1
in einem Flüssigkeitssystem 2 mit kreisförmigem Querschp ' und einem Innendurchmesser im Bereich
der Kapiliarzelle 1 und des einfallenden Lichtstrahles
von etwa 7—8 cm anzuordnen.
Arbeitsweise der Vorrichtung
Die Vorrichtung gemäß Fig.4 kann zum Beispiel in
der im folgenden beschriebenen Weise zur Bestimmung der Spinodalen im Bereich einer oberen kritischen
Temperatur einer Lösung benutzt werden: Die Temperatur der Wärmeträgerflüssigkeit 18 wird so eingestellt,
daß sie oberhalb des Wolkigkeitspunktes der zu untersuchenden Lösung liegt. Der Zellenheizer 26 wird
dann eingeschaltet, wodurch die Temperatur im Bereich der Kapillarzelle 1 auf den Wert Γι ansteigt. Daraufhin
wird die Temperatur der Wärmeträgerflüssigkeit 18 auf eine niedrigere Temperaturhöhe Ti eingestellt, die
näher an der Wolkigkeitspunkt-Temperatur liegt als T,; dann wird der Zellenheizer 26 wieder ausgeschaltet.
Dieses Ausschalten bewirkt, daß die Temperatur der Probe in der Kapillarzeile 1 schnell von der Temperatur
Ti auf die Temperatur T2 abfällt. Hierbei gestreutes
Licht und die vorliegende Temperatur werden vermerk!. Daraufhin wird der Zellenheizer 26 wieder
eingeschaltet. Dies bewirkt ein Ansteigen der Probentemperatur auf die Temperatur Ti- Der nächste
Verfahrensschritt besteht darin, die Temperatur T2 in
der Wärmeträgerflüssigkeit auf eine neue Temperatur T2 einzustellen, die gering unterhalb der vorhergehenden
Temperatur T2 liegt. Dann wird der Zellenheizer 26
ausgeschalt Ή und die Messung wiederholt. Diese Vorgehen werden für eine Anzahl von Temperaturen T2
wiederholt.
Im Gegensatz zu einer Steuerung der Temperatur T2
in diskreten Schritten wird bevorzugt, sie langsam kontinuierlich zu verändern. Dies erbringt eine schnellere
Messung, jedoch muß bedacht werden. d?p. die
Geschwindigkeit der Temperaturänderung hinreichend klein sein muß, so daß die Temperatur während der
Dauer eines Pulses, z.B. fünf Sekunden, praktisch konstant bleibt.
Die bei einer Messung nach dem vorbeschriebenen Verfahren gewonnenen Werte sind in F i g. 1 wiedcrge-
709 640/192
geben. Der Temperaturverlauf läßt eine geringe Abkühlungsgeschwindigkeit bei diesem Versuch erkennen,
d. h. l°Cpro 10 Minuten. Der Intensitätsverlauf des gestreuten Lichtes zeigt ein Anwachsen dieses durch die
Probe S gesi.euten Lichtes beim Annähern an die Spinodale.
Fig.2 zeigt ein Beispiel zur Bestimmung der
spinodalen Temperatur durch Extrapolation nach unendlichen Intensitätswerten des gestreuten Lichtes,
d. h. nach-j =0. Der reziproke Wert des Intensitätsverlaufs,
also die Spitzenwerte der in Fig. 1 dargestellten Pulse werden über der Temperatur aufgetragen. Eine
diese Werte verbindende Linie schneidet die Temperaturachse bei der spinodalen Temperatur.
Die Vorrichtung gemäß Fig.4 kann ebenso zur
Bestimmung der Wolkigkeitspunkt-Temperatur verwendet werden. Das Ergebnis einer solchen Messung ist
in Fig.7 dargestellt. Der Zellenheizer 26 wird eingeschaltet, um die Probe bei einer Temperaturhöhe
von Ti zu halten, wobei die Temperatur der zirkulierenden Wärmeträgerflüssigkeit auf einen Wert eingestellt
wird, der unterhalb der Wolkigkeitspunkt-Kurve liegt und bei dieser Temperatur gehalten. Der Zellenheizer
26 wird dann ausgeschaltet — die Intensität des gestreuten Lichtes erreicht ein Maximum und fällt dann
auf einen praktisch konstanten Wert D ab. An dieser Stelle wird die Temperatur der umlaufenden Wärmeträgerflüssigkeit
10 mit konstanter Geschwindigkeit angehoben; vgl. Kurve B. Hierdurch fällt die Intensität
des gestreuten Lichtes ab. Die Wolkigkeitspunkt-Temperatur C wird dann entsprechend der gezeichneten
Extrapolation bestimmt.
Beispiele spinodaler Umwandlung
Die Einbadvorrichtung nach Fig,4 wurde zur
Bestimmung der spinodalen Kurve und der Wolkigkeitskurve einer Lösung von Polystyrol (Mn = 154,000,
Mw-166,000, Mz= 181,000) in Cyclohexan verwendet.
F i g. 8 gibt die Ergebnisse einer solchen Untersuchung wieder, die an einer Anzahl von Polystyrol-Cyclohexan-Lösungen
in einem Konzentrationsbereich von 0,004 — 0,150 Gewichtsanteil Polystyrol gemessen wurden. Die
Wolkigkeitskurve B und die Spinodale C haben einen Berührungspunkt A, der mit der kritischen Tempe-atur
der Lösung übereinstimmt. Die kritische Konzentration — 0,100 Gewichtsanteil, die kritische Temperatur,
296,O0K, stimmen gut mit den Werten überein, die nach
der Volumenverhältnismethode ermittelt wurden. Die hierbei gefundenen Werte sind: kritische Konzentralion
=0,102 Gewichtsanteil und kritische Temperatur =296,10K.
Die in Fig.9 wiedergegebenen spinodalen Kurven wurden mit dem Zweibadgerät gefunden. Die Kurve A
ist die spinodale Kurve für eine Polystyrolprobe CMn= 154,000, Mw= 166,000, M*= 181,000) gelöst in
Cyclohexan mit einem Konzentrationsbereich von 0,01 bis 0,15 Gewichtsanteil Polystyrol. Die Kurve B ist die
spinodale Kurve für eine Polystyrolprobe (Mn =490,000,
Mv,=527,000, M2= 593,000) in Cyclohexan gelöst mit
einem Konzentrationsbereich von 0,01 bis 0,15 Gewichtsanteil Polystyrol.
Hierzu 7 Blatt Zeichnungen
Claims (8)
1. Verfahren zur Gewinnung von Meßwerten für die Bestimmung der spinodalen und insbesondere
kritischen Punkte beim Phasenübergang einer Lösung durch Messen einer physikalischen Variablen,
die sich für eine in einphasigem, stabilem oder metastabilem Zustand vorliegende Probe in der
Nähe dieser Punkte stark mit der Temperatur ändert, dadurch gekennzeichnet, daß die
Probe (S) einer Anzahl von thermischen Pulsen derart ausgeset/f wird, daß jeder Puls die Tempi, ratur
der Probe (S) relativ schne'l von einer ersten Temperatur (T\), bei der sich die Probe (S) in einem
stabilen einphasigen Zustand befindet, nach einer zweiten Temperatur (Ti) ändert, daß die zweite
Temperatur (Ti) gemessen wird, und daß daran
anschließend eine dritte Temperatur (Ti) eingestellt wird. be. der sich die Probe (S) wieder in einem
stabilen, einphasigen Zustand befindet, wobei wenigstens eine dieser Änderungen von der ersten
Temperatur (T\) zur /weiten Temperatur (T2) bewirkt, daß r'-e Probe (S) durch eine Phasenübergangstemperatur
(Binodale) hindurch geführt wird, und daß die Probe (S)gleichzeitig mit diesen Pulsen
den Messungen der physikalischen Variablen ausgesetzt wird.
2. Verfahren nach Anspruch I, dadurch gekennzeichnet,
daii als physikalische Variable Änderungen in der Größenverteilung von Teilchen oder Inhomogenitäten
verwendet werden.
3. Verfahren nach Anspruui ! oder 2, dadurch
gekennzeichnet, daß die Intensität von gestreuter elektromagnetischer Strahlung als physikalische
Variable verwendet wird.
4. Verfahren nach Anspruch J, dadurch gekennzeichnet,
daß die elektromagnetische Strahlung eine Wellenlänge von 2OC Nanometer bis 1100 Nanometer
aufweist.
5. Verwendung des Verfahrens nach den Ansprüchen 1—4 zur Bestimmung von sich auf die
molekulare Struktur von in Lösung befindlichen Makromolekülen beziehenden statistischen Parametern,
wie mittleres Molekulargewicht oder /Wert des Molekulargewichts, durch Messen des Grades
der Stabilität oder Metastabilität ei.ier Lösung von
Polymeren als Funktion der Temperatur.
6. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 4, gekennzeichnet
durch zwei Flüssigkeitsbäder (7,8) mit unterschiedlichen Temperaturen (T1, Ti) zur Steuerung der
Temperatur in einem rvießteii, der mit tinrichtungen
zur Messung der Temperatur sowie einer physikalischen Variablen versehen ist, dh sich für eine in
einphasigemm stabilem oder metastabilem Zustand vorliegende Probe in der Nähe der spinodalen oder
kritischen Punkte mit der Temperatur stark ändert, wobei der Meßteil über Rohre, Ventile (12, 13) und
eine Pumpe (11) wahlweise mit dem einen (7) oder anderen Bad (8) verbindbar ist, und durch Mittel zur
langsamen Änderung der Temperatur in einem der Flüssigkeitsbäder (7,8).
7. Vorrichtung nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß der Meßteil wenigstens eine Kapillarzelle
(1) mit der Probe (S), eine Quelle (4) zur Bestrahlung der Probe (S) mit elektromagnetischer
Strahlung, eine Einrichtung (5) zum Messen der Intensität der an der Probe gestreuten Strahlung und
eine Temperaturmeßeinrichtung für die Zelle (1) aufweist.
8. Vorrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem der Ansprüche 1 bis 4, gekennzeichnet
durch ein einziges Flüssigkeitsbad (17) mit Heiz- und Kühleinrichtungen (19, 20) zur Steuerung seiner
Temperatur, wobei das Flüssigkeitsbad (17) mit einem Meßteil mit Einrichtungen zur Messung der
Temperatur sowie einer physikalischen Variablen, die sich für eine in einphasigem, stabilem oder
metastabilem Zustand vorliegende Probe in der Nähe der spinoaalen oder kritischen Punkte mit der
Temperatur stark ändert, verbunden ist und ein Heizs>stem (26) in Strömungsrichtung gesehen vor
und im Bereich der Kapillarzelle (1) vorgesehen ist.
Applications Claiming Priority (8)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| GB6017170 | 1970-12-18 | ||
| GB6017170 | 1970-12-18 | ||
| GB275471 | 1971-01-20 | ||
| GB275371 | 1971-01-20 | ||
| GB275471 | 1971-01-20 | ||
| GB275371A GB1377478A (en) | 1970-12-18 | 1971-01-20 | Method and apparatus for determination of spinodal and critical points or loci associated with phase transition |
| GB275571 | 1971-01-20 | ||
| GB275571 | 1971-01-20 |
Publications (3)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE2161555A1 DE2161555A1 (de) | 1972-07-13 |
| DE2161555B2 DE2161555B2 (de) | 1977-02-17 |
| DE2161555C3 true DE2161555C3 (de) | 1977-10-06 |
Family
ID=
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