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Klaviertastenmechanik Die Erfindung betrifft eine Klaviertastenmechanik,
bei welcher die Vertikalbewegung der Taste über ein Hebelglied und eine daran angelenkte,schräg
nach oben weisende, mit ihrem oberen Ende gegen eine um eine feste Achse schwenkbare
Hammernuß drückende Stoßzunge auf den Hammer übertragen wird, und bei welcher ein
Fänger zum Anfangen des von der Klaviersaite zurückfedernden Hammers vorgesehen
ist.
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Klaviertastenmechaniken werden seit vielen Jahren nach einem ganz
bestimmten, verhältnismäßig aufwendigen System gebaut. Sie dienen dazu, die Bewegung
von der Klaviertaste auf den jeweiligen Hammer zu übertragen, der gegen die Klaviersaite
schlägt, jedoch sofort zurückfedert und bei heruntergedrückter Taste im Abstand
von der Klaviersaite stehen bleibt, damit diese frei ausschwingen kann.
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Bei den bekannten Klaviertastenmechaniken wirkt jede Taste mit einem
Stößel von unten her auf ein Hebeglied in Form eines drehbar gelagerten horizontalen
Balkens ein, an dessen einem Hebelarm ein Dämpferlöffel zur Betätigung des ebenfalls
an der Klaviersaite angreifenden Dämpfers angebracht ist, während derjenige Hebelarm,
auf den von unten her die Klaviertaste einwirkt, die Stoßzunge trägt. Die Stoßzunge
ist eine schräg nach oben weisende, an ihrem unteren Ende L-förmig umgebogene Stange,
die gelenkig am Hebeglied angebracht ist. Bei einer Verschwenkung des Hebegliedes
infolge der Tastenbewegung drückt das Hebeglied von unten her gegen die Kurvenfläche
einer Hammernuß, an der der Hammer mit einem Hammerstiel befestigt ist. Der Hammer
wird also durch die schräg von unten gegen die Hammernuß drückende Stoßzunge gegen
die Klaviersaite geschleudert.
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Zum Abfangen des zurückfedernden Hammers ist ein Fänger 9 vorgesehen,
der mit einem starren Fängerdraht an dem genannten Hebeglied befestigt ist und mit
einem Gegenfänger 22 an der Hammernuß zusammenwirkt. Der Gegenfänger 22 ist außerdem
mit einer als Bändchen bezeichneten Drahtfeder versehen, die in einem gabelförmigen,
am Hebeglied befestigten Bändchendraht 12 abgestützt ist.
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Man erkennt, daß die bekannte Klaviermechanik verhältnismäßig aufwendig
ist und zahlreiche Drähte und Federn besitzt, die sich im Laufe der Zeit verbiegen
oder verstellen können. Außerdem ist der Abfangmechanismus für den von der Klaviersaite
zurückgeworfenen Hammer sehr kompliziert und überträgt die Hammerkraft auf die Taste
so, daß der Klavierspieler das Abfangen des Hammers an der Tastatur spüren kann.
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Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, die genannte Klaviertastenmechanik
zu vereinfachen und so zu verbessern, daß ihre Störanfälligkeit vermindert wird.
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Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der Fänger
an der Hammernuß befestigt ist und bei niedergedrückter Taste an dem gewölbten,
als Gegenfänger wirkenden Rücken der Stoßzunge anliegt.
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Während der Fänger normalerweise mit einer besonderen Drahtkonstruktion
an dem Hebeglied befestigt ist und auf einen an der Hammernuß angebrachten Gegenfänger
in Abhängigkeit von der Tastenstellung einwirkt, schlägt die Erfindung vor, den
Fänger an der Hammernuß zu befestigen und ihn auf den Rücken der Stoßzunge einwirken
zu lassen. Diese Lösung ist deshalb ungewöhnlich, weil die Hammernuß, die abgefangen
werden soll, selbst mit einem Fänger ausgestattet ist. Als Gegenfänger wirkt die
gebogene Fläche der Stoßzunge, die den Fänger entsprechend ihres Neigungswinkels
sanft abbremst. Das Abfangen des zurückfedernden Hammers geschieht also langsam
und keineswegs schlagartig.
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Die erfindungsgemäße Klaviertastenmechanik bietet außerdem Vorteil
einer beträchtlichen Herstellungsersparnis den wesentlichen Vorzug, daß der Rückprall
des Hammers sich nicht, wie bei bekannten Klaviermechaniken, über den Fänger auf
das Hebeglied und somit auf die Taste auswirkt, sondern gewissermaßen durch beidseitige
Einwirkung auf die Stoßzunge kompensiert wird. Der Tastenanschlag ist daher außerordentlich
angenehm. Der an der Ilammernuß angebrachte Fänger drückt beim Loslassen der Taste
die Kante der Stoßzunge gewissermaßen unter den nocken der Ijammernuß. IIierdurch
wird eine sehr gute
Repetition erzielt, weil stets dafür gesorgt
ist, daß zu Beginn eines jeden Anschlags Stoß zunge und Hammernuß sich in ihrer
richtiger Ausgangsposition und gegenseitigen Zuordnung befinden.
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In vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung liegt die Stoßzunge mit
einer Kante an einer im wesentlichen S-förmig gebogenen Fläche der Hammernuß, die
nach unten durch eine im wesentlichen vertikale, als Anlage für die Stoßzunge dienende
Filzpackung begrenzt ist, an und liegt im Ruhezustand in dem Knick zwischen der
Filzpackung und der S-förmig gebogenen Fläche. Die Stoßzunge hat nach der Erfindung
eine gegenüber den bekannten Einrichtungen vergleichbarer Art erweiterte Funktion.
Sie dient nicht nur der Kraftübertragung zur Betätigung des Hammers, sondern nimmt
in gewissem Umfang auch die Fangkraft beim Zurückfedern des Hammers auf. Diese Fangkraft
wird im wesentlichen auf das Lager der Stoßzunge abgeleitet und nur zu einem ganz
geringen Teil über das Hebeglied auf die Taste zurückübertragen. Der Fänger sorgt
außerdem dafür, daß die Kante der Stoßzunge in der Ruhelage stets die richtige Ausgangsposition
einnimmt.
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Die Erfindung wird im folgenden unter Bezugnahme auf die Figuren an
einem bevorzugten Ausführungsbeispiel näher erläutert.
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Fig. 1 zeigt schematisch in Seitenansicht den Aufbau der Klaviertastenmechanik
in der Ruhestellung, d.h. bei nicht gedrückter Taste,und Fig. 2 zeigt schematisch
die Stellung der einzelnen Elemente bei gedrückt gehaltener Taste nach dem Zurtickfeder
des Hammers von der Klaviersaite.
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In den Figuren ist der Tastenbalken 1 erkennbar, der an seinem rechten
Ende durch Niederdrücken der Taste betätigt wird und dann um das Auflager herum
verschwenkt wird, so daß das Balkenende 3 angehoben wird. Am Balkenende 3 ist ein
längenverstellbarer Stößel 4 befestigt, der senkrecht nach oben ragt und auch als
"Pilote" bezeichnet wird. Dieser Stößel wirkt von unten her auf einen Arm des Hebegliedes
5 ein. Das Hebeglied 5 besteht aus einem zweiarmigen Hebel, dessen einer Arm mit
einem Sattelpolster 6 unterlegt ist, auf das der Stößel 4 einwirkt und dessen anderer
Arm den nach oben ragenden Dämpferlöffel 7 aus Metall trägt. Das Hebeglied 5 ist
an dem quer durch das Klavier hindurchgehenden Mechanikbalken 8 befestigt, indem
es an der mit dem Mechanikbalken 8 fest verbundenen Hebegliedkaspel 9 angelenkt
ist.
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In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, daß zum besseren Verständnis
alle in der Zeichnung schraffiert dargestellten Teile fest sind und als Halterungen
bzw.
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Abstützungen dienen, während die übrigen Teile verschwenkbar, verstellbar
oder in irgendeiner anderen Form bewegbar sind.
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An dem ersten Arm des Hebegliedes 5 ist ferner die Stoßzungenkapsel
10 befestigt, an der die Stoßzunge 11 gelenkig angebracht ist. Die Stoßzunge 11
besitzt längliche Form und ragt schräg nach oben, wo sie mit ihrer Kante 12 gegen
die Hammernuß 13 drückt. Am oberen Ende ist sie verdickt ausgebildet und trägt an
ihrem der Klaviersaite 15 abgewandten Rücken 14 ein Lederpolster. An ihrem unteren
Ende ist sie L-förmig ausgeblldets wobei von unten her auf den Ansatz 16 die am
Hebeglied 5 abgestützte Druckfeder 17
einwirkt, die dafür sorgt,
daß die Kante 12 in Richtung auf die Hammernuß 13 gedrückt wird. Ferner ist eine
als Anschlag dienende verstellbare Auslösepuppe 18 vorgesehen, die die Bewegung
des Ansatzes 16 nach oben hin begrenzt und an einer durchgehenden Auslösepuppenleiste
19 befestigt ist. Die Auslösepuppenleiste 19 ist mit Gabelschrauben 20 am Mechanikbalken
1 befestigt.
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Am Mechanikbalken 1 ist ferner eine Hammernußkapsel 21 angebracht,
um deren Gelenkbolzen 22 herum die Hammernuß 13 verschwenkbar ist. Die Hammernuß
13 besitzt eine S-förmig gebogene Fläche 23, die an ihrem unteren Ende durch die
als Anlage für die Stoßzunge 11 dienende Filzpackung 24 begrenzt ist.
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Ferner ist an der Hammernuß 13 mit einem Bügel 25 der Fänger 26 befestigt.
Der Bügel 25 überragt das obere Ende der Stoßzunge 11, so daß der Fänger 26 an dem
der Kante 12 gegenüberliegenden Rücken 14 der Stoßzunge 11 zur Anlage kommt. Im
Ruhezustand drückt er die Stoßzunge mit ihrer Kante 12 in den Knick zwischen der
Filzpackung 24 und der Fläche 23, so daß Stoßzunge und Hammernuß nach jeden Anschlag
ihre Ruhelage exakt wieder einnehmen.
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An der Hammernuß 13 ist der nach oben ragende Hammerstiel 27 befestigt,
an dessen Ende der Hammer 28 angebracht ist, der bei Betätigung der Taste gegen
die Klaviersaite 15 schlägt. In der Ruhestellung liegt der Hammerstiel an der mit
Filz abgepolsterten durchgehenden Hammerleiste 29 an.
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Um die Hammernuß 13 in die Ruhelage zu treiben, ist an der durchgehenden
Dämpfungspralleiste 30 eine schräg nach unten weisende Drahtfeder 31 befestigt,
die auf die
Hammernuß in der Weise einwirkt, daß der Hammerstiel
27 gegen die Hammerleiste 29 gedrückt wird.
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Die r Dämpfungspralleiste 30 dient im übrigen als rückwärtiger Anschlag
für den D§mpferdraht 32, der die Verlängerung des Dämpferarmes 33 darstellt, und
an dessen oberem Ende sich die Dämpferpuppe 34 mit dem Dämpferbüschel 35 befindet.
Der Dämpferarm 33 ist ein zweiarmiger Hebelarm, der über die Dämpferkapsel 35 an
dem Mechanikbalken 1 befestigt ist und um seine Achse herum verschwenkt werden kann.
Der Dämpferarm 33 ist vertikal ausgerichtet und wird von dem am Hebeglied 5 angebrachten
Dämpferlöffel 7 bei Anschlagen der Taste 1 nach links verschwenkt. Hierdurch der
obere Hebelarm nach rechts geschwenkt,und der Dämpferpüschel 35 gibt die Klaviersaite
frei. Die Freigabe dauert an, solange die Taste gedrückt ist, d.h. solange das Hebeglied
5 von dem Stößel 4 verschwenkt gehalten ist.
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Beim Betätigen der Taste 1 spielen sich die folgenden Bewegungsvorgänge
ab: durch das Niederdrücken der Taste wird der linke Hebelarm 3 angehoben und das
Hebeglied 5 verschwenkt. Dabei wird sein rechter Hebelarm gehoben, so daß die Stoßzunge
11 mit ihrer Kante 12 gegen die Hammernuß 13 drückt und diese um die Achse 22 herum
verschwenkt. Mit der Hammernuß 13 gelangt der Fänger 26 in die in Fig. 2 dargestellte
Hublage. Durch den biiötzlichen Tastendruck wird der Hammer 28 gegen die Klaviersaite
15 geschleudert und von dieser zurückgeworfen. Er nimmt dann die in Fig. 2 dargestellte
Lage ein, weil er von der immer noch angehobenen Stoßzunge 11, an der sich der Fänger
26 abstützt'daran gehindert wird, in seine Ruhestellung, in der der Hammerstiel
27 an der Hammerleiste
29 anliegt, zurückzukehren. In dieser Hubstellung
ist das Oberteil der Stoßzunge 11 zwischen dem (geraden) Verbindungsstück der S-förmigen
Fläche 23 und dem Fänger 26 eingeklemmt. Wird nun die Taste losgelassen, so schwenkt
der Hammer 28 im Uhrzeigersinn, bis der Hammerstiel 27 an der Hammerleiste 29 zur
Anlage kommt. Auch die aus Hammernuß 13 und Fänger 26 bestehende Einheit dreht sich
im Uhrzeigersinn. Der Fänger 26 übt dabei eine nach unten gerichtete Rückstellkraft
auf die Stoßzunge 11 aus, die somit vom konstruktiven Aufbau der Mechanik her in
ihre Ruhelage zurückgedrückt wird.
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In dem beschriebenen Ausführungsbeispiel ging es lediglich darum,
den Aufbau der Mechanik einer einzelnen Taste zu erläutern. In der Praxis sind zahlreiche
Mechaniken dieser Art entsprechend den Klaviertasten nebeneinander angeordnet, wobei
die benötigten Halterungen, nämlich der Mechanikbalken 8, die Dämpfungsprall-Leiste
30, die Hammerleiste 29 sowie die Auslösepuppenleiste 19 durchgehend sind.