DE202009010476U1 - Reithalfter mit Ringen zum Einhängen von Zügeln und Hilfszügeln, die über eine Umlenkrolle laufen - Google Patents
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Abstract
Reithalfter mit mindestens einem Ring zum Einhängen von Zügeln und Hilfszügeln jeglicher Art, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens ein Ring, insbesondere mittig vorne und/oder hinten, an dem Reithalfter befestigt ist.
Description
- Im Pferdesport werden üblicherweise Zügel und Hilfszügel benutzt, die über das Gebiss auf das Pferdemaul einwirken.
- Dadurch entsteht das Problem, dass ein enormer Druck auf das Pferdemaul, im Besonderen auf den Unterkiefer und die Laden ausgeübt wird. Gleiten die Hilfszügel durch den Trensenring (z. B. beim Dreiecks-, Laufferschen- oder Schlaufzügel), entsteht zusätzlich ein hoher Reibungswiderstand, der auf das Maul wirkt. Viele Pferde reagieren darauf negativ, weil die natürliche Nickbewegung des Kopfes und Halses beeinträchtigt wird. Sie verhalten sich im Rücken und die natürlichen Bewegungen des Pferdes kommen nicht zur vollen Entfaltung. Das Ausbalancieren des Pferdes wird stark eingeschränkt.
- Dieses Problem wird mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
- Mit der Erfindung kann erreicht werden, dass der Druck der Hilfszügel gänzlich vom Pferdemaul weggenommen wird. Erfindungsgemäß ist es, dass in, insbesondere ein englisches oder kombiniertes, Reithalfter mindestens ein Ring, vorzugsweise auf jeder Seite ein Ring, befestigt ist. In einer bevorzugten Ausführungsform können Umlenkrollen oder Ausbindezügel direkt in den mindestens einen Ring eingehängt werden.
- Ebenso kann es möglich sein, die normalen Zügel oder eine Longe dort zu befestigen. Bevorzugt ist es, wenn der Ring aus witterungsbeständigem Metall ist. Das Reithalfter kann in eine normale Reittrense eingeschnallt werden. In einer besonders bevorzugten Ausführungsform können die Hilfs- bzw. Ausbindezügel über die Umlenkrollen laufen. Dadurch kann der Reibungswiderstand erheblich reduziert werden. Die natürliche Nickbewegung des Pferdes kann dabei zugelassen werden. Vorzugsweise wird der verbleibende Druck über das, insbesondere extra verstärkt gepolsterte, Reithalfter auf das Nasenbein des Pferdes übertragen, welches weniger empfindlich ist als das Maul. Vorteilhaft könnte sein, wenn das Reithalfter breiter ausgestaltet ist als ein gewöhnliches Reithalfter, weil sich der Druck so besser verteilt.
- Erfindungsgemäß kann der Ausbindezügel (Ausbinder) auf mehrere Weisen verschnallt werden. So kann die Verschnallung als Ausbinde-, Laufferscher- und Dreieckszügel ausgestaltet sein. Bevorzugt kann der Ausbindezügel aus einem, insbesondere in der Länge verstellbaren, Seil bestehen, und durch eine Umlenkrolle geführt werden. Denkbar ist auch eine Kombination von Leder und Seil und/oder ein entsprechend rundes Leder- oder Kunststoffteil, welches durch die Umlenkrollen gleiten kann.
- Durch einen doppelten Zügel, insbesondere nach Anspruch 3, kann erreicht werden, dass je nach Längeneinstellung des im Gebiss befestigten Zügels der Grad der Belastung des Pferdemauls verringert werden kann. Bei dieser Variante kann ein Hilfszügel, insbesondere ein Martingal, durch einen oberen Zügel gleiten. Der obere Zügel kann in den Ring des Reithalfters eingeschnallt werden. Dadurch kann erreicht werden, dass die Wirkung des Hilfszügels, insbesondere des Martingals, nicht auf das empfindliche Maul ausgeübt wird. Je länger der untere Zügel geschnallt wird, desto geringer kann die Einwirkung auf das Maul sein und so größer kann die Einwirkung über den weniger empfindlichen Nasenbereich sein.
- Durch die Kombination von Doppellonge und Umlenkrolle mit Reithalfter, insbesondere nach Anspruch 4, kann erreicht werden, dass sich der Druck im Normalfall auf den Nasenrücken verteilt. Insbesondere bei einem möglichen Wegstürmen des Pferdes kann das Seil über die Umlenkrolle auf das Pferdemaul einwirken und gewährleistet so dem Longenführer eine sichere Kontrolle über das Pferd. Beim normalen Longieren kann die Doppellonge so, vorzugsweise ausschließlich, auf den Nasenbereich einwirken. Pferde, die erst mit der Doppellonge vertraut gemacht werden, neigen zu heftigen Reaktionen und stürmen gerne davon. Hier kann es vorteilhaft sein, eine zusätzliche Einwirkungsmöglichkeit über das Maul zu haben, um ein Verletzungsrisiko für Pferd und Longenführer zu minimieren. In diesem Fall kann das Seil, welches über die Umlenkrolle die Verbindung zum Pferdemaul herstellt, greifen. Reckt das Pferd den Kopf hoch, um sich frei zu machen, so kann das Seil aufs Maul einwirken. Somit kann das Pferd besser kontrolliert werden.
- Die Kombination von Zügel und Hilfszügel mit einem, insbesondere erfindungsgemäßen, Reithalfter ermöglicht eine neue komplexe pferdeschonende Ausbildung und Reitweise durch Schonung des empfindlichen Pferdemauls. Dieses System könnte beim Longieren wie auch beim Reiten vorteilhaft eingesetzt werden.
- Das Reithalfter und/oder das System eignen sich für die Ausbildung von jungen Pferden, die behutsam an den Umgang mit dem Gebiss herangeführt werden sollen. Viele Pferde wehren sich zunächst heftig dagegen und reagieren auf unterschiedliche Weise negativ (z. B. Zungenfehler, aufs Gebiss legen, Sturheit, Überempfindlichkeit). Mit dem erfindungsgemäßen System könnten solche Probleme vermieden werden; bereits beim Anlongieren wie auch beim ersten Reiten kann so der Druck aufs Maul vorteilhaft verringert werden.
- Als nächstes kann sich das neue System auch bei der weiteren Ausbildung und zu Korrekturzwecken anbieten. Über das Longieren wie auch beim Reiten mit dem Hilfszügel kann es ermöglicht werden, dass das Pferd zwanglos in gewünschter Selbsthaltung geht, sein Gleichgewicht findet und/oder den Rücken aufwölbt. Es kann möglich sein, so den Muskelaufbau zu stärken. Vorteilhaft kann sich das Pferd in der Mitarbeit williger zeigen. Besonders „maulige” Pferde könnten durch das erfindungsgemäße System wieder sensibler für Reiterhilfen gemacht werden. Die Taktsicherheit könnte verbessert werden.
- Weiterhin könnte das System vorteilhaft für Lehrpferde in Reitschulbetrieben eingesetzt werden.
- Reitanfänger reiten üblicherweise auf Pferden, die mit Hilfszügeln ausgebunden werden, die auf das Pferdemaul wirken. Die neue Ausbindemöglichkeit über den Nasenbereich würde ermöglichen, dass Pferde sensibler auf die reiterlichen Zügelhilfen reagieren könnten. Dadurch wiederum könnte der Reiter lernen, gefühlvoller auf das Pferd einzuwirken. Die Sensibilität der Pferde könnte dadurch wesentlich besser erhalten werden.
- In einer alternativen Ausgestaltung kann das System bestehen aus mindestens einem, insbesondere erfindungsgemäßen, Reithalfter, und mindestens zwei Zügeln, die vor der Reiterhand zu einem Zügel zusammengefügt werden, wobei je mindestens ein Zügel die Verbindung zwischen Gebiss bzw. Reithalfter mit Ringen und Reiterhand herstellt, so dass die Aufteilung der Kraftübertragung auf das Pferdemaul und das Nasenbein variiert werden kann, indem die Länge des einen Zügels, vorzugsweise desjenigen Zügels, der zum Gebiss führt, verstellt werden kann.
- Das erfindungsgemäße Reithalfter und/oder das erfindungsgemäße System wäre spartenübergreifend für viele Bereiche des Pferdesports anwendbar. Neben der klassischen Ausbildung könnten auch der Westernsport, die Barockreiter, der Rennsport und der Fahrsport davon profitieren. Ebenso sinnvoll wäre ein medizinisch-therapeutischer Einsatz, z. B. als Ergänzung zur Osteopathie oder Chiropraktik im Hinblick auf den zwanglosen Muskelaufbau.
- Einige Ausführungsbeispiele der Erfindung werden anhand der
1 bis6 erläutert. - Es zeigen:
-
1 Reithalfter mit eingehängter Umlenkrolle und durchlaufendem Seil -
2 Reithalfter mit Ausbindezügel über Umlenkrolle laufend, als Dreieckszügel eingeschnallt -
3 Reithalfter mit Ausbindezügel über Umlenkrolle laufend, als Laufferscher Zügel eingeschnallt. -
4 Reithalfter mit Ausbindezügel über Umlenkrolle laufend, als Ausbinder eingeschnallt. -
5 Doppelter Zügel, bei dem ein Zügel in das Reithalfter und der andere Zügel in das Gebiss eingesetzt werden. -
6 Doppellonge, die in das Reithalfter mit Ring eingehängt wird. Das Seil läuft über die Umlenkrolle, die ins Gebiss eingehängt wird. Das Seil ist an einem Ende mit der Doppellonge verbunden und wird am anderen Ende am Longiergurt oder Sattel befestigt. - In den
1 bis4 sind das Reithalfter7 (1 ) mit Ring1 , die eingehängte Umlenkrolle2 , sowie das dadurch laufende Seil3 dargestellt. - In
5 läuft je ein Zügel4 zum Ring1 des Reithalfters7 und zum Gebiss5 der Trense. In6 läuft die Doppellonge6 zum Ring1 des Reithalfters7 , das Seil3 ist an der Doppellonge6 befestigt und läuft durch die Umlenkrolle2 , die ins Gebiss5 eingehängt wird.
Claims (10)
- Reithalfter mit mindestens einem Ring zum Einhängen von Zügeln und Hilfszügeln jeglicher Art, dadurch gekennzeichnet, dass der mindestens ein Ring, insbesondere mittig vorne und/oder hinten, an dem Reithalfter befestigt ist.
- Reithalfter nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass zwei seitliche Ringe (
1 ) an das Reithalfter (7 ) befestigt sind. - Reithalfter nach einem der vorhergehenden Ansprüche dadurch gekennzeichnet, dass mindestens eine Umlenkrolle, die so angepasst ist/sind, dass durch diese Ausbinder oder Hilfszügel durchlaufen können, in den mindestens einen Ring, vorzugsweise in die zwei seitlichen Ringe, und/oder in mindestens ein Verbindungsstück eingehängt werden und/oder befestigbar sind.
- Reithalfter nach einem der vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass je ein Zügel im Gebiss und in dem mindestens einem Ring des Reithalfters befestigbar sind und vor der Reiterhand zu einem Zügel zusammengefügt werden.
- Reithalfter nach einem der vorhergehenden Ansprüchen, dadurch gekennzeichnet, dass ein Seil, über eine Umlenkrolle laufend, welche ins Gebiss eingehängt wird, mit einer Doppellonge zusammenläuft, welche in das Reithalfter mit Ringen eingeschnallt wird.
- System bestehend aus mindestens einem Reithalfter, insbesondere nach einem der vorhergehenden Ansprüche, und mindestens einer Umlenkrolle, vorzugsweise zwei Umlenkrollen, und einem Seil, vorzugsweise Zügel, insbesondere Ausbinder oder Hilfszügel, dass durch die Umlenkrollen durchläuft.
- System nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, dass das Seil eine Verbindung zwischen dem Reithalfter und einem Longiergurt und/oder Sattel herstellt.
- System nach Anspruch 6 oder 7, dadurch gekennzeichnet, dass das Seil eine Verbindung zwischen dem Reithalfter und dem Longiergurt und/oder Sattel herstellt, so dass eine Kraftübertragung auf den Kopf, insbesondere im Bereich des Nasenbeins und vorzugsweise nicht über das Pferdemaul, stattfindet.
- System nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet, dass das Seil eine Verbindung zwischen einer Doppellonge, dem Maul des Pferdes und dem Longiergurt und/oder Sattel herstellt.
- System nach einem der Ansprüche 6 bis 8, dadurch gekennzeichnet dass mindestens zwei der Seile, insbesondere Zügel, vor der Reiterhand zu einem Hauptzügel zusammengefügt werden, wobei je mindestens eines der Seile, insbesondere Zügel, eine Verbindung zwischen Gebiss bzw. Reithalfter mit Ringen und Reiterhand herstellt, so dass die Kraftübertragung auf das Pferdemaul und das Nasenbein des Pferdes variiert werden kann, indem die Länge des mindestens einen Seils, insbesondere einen Zügels, vorzugsweise desjenigen Zügels, der zum Gebiss führt, verstellt werden kann.
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