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Hintergrund der Erfindung
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Durch
Einführung
eines Übungsgerätes für Zunge
und Mundim Jahre 2003 wurde es möglich, bestimmte
Funktionen des Mundsystems durch Messung des so genannten interokklusalen
Druckes, d.h. des Gas- bzw. Flüssifeitsdruckes
im Raum um die Zahnreihen herum zu objektivieren und gezielt zu trainieren.
Das Manöver
zur Erzielung einer therapeutisch erwünschten Zungenlage am Gaumen
wurde als Zungenrepositionsmanöver
bezeichnet und basiert auf der Bildung eines negativen Druckes im Bereich
des Kauschlauches. Hierzu wurde von Ch. Engelke ein Übungsgerät für Zunge
und Mund entwickelt und beschrieben (
Dt. Gebrauchsmuster 203 10 769.4 ).
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Die
Theorie der Funktionen des Mund-Gesicht-Rachen-Systems (Orofaziales
System) wurde inzwischen weiter entwickelt und in ein Modell überführt (7), das insbesondere bei der Behandlung des
Schnarchens klinisch praktisch angewendet werden kann. Die Strukturen
des Mundes werden dabei in 8 Funktionskomponenten (7b)
und 4 Funktionsräume
(7c, d) unterteilt.
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Nach
dem Funktionsmodell (
7) ist es ersichtlich,
dass die miteinander in Verbindung stehenden Funktionsräume (
7c,
d) im Mund zur Beurteilung und Beeinflussung des Systemzustandes
herangezogen werden können,
d. h. insbesondere zur diagnostischen Aussage, ob sich der Mundraum
in einem stabilen, d. h. geschlossenen Zustand als hydraulisches
physikalisches System mit negativem Innendruck befindet (
7d)
oder in einem instabilen Zustand als potentiell offenes aerodynamisches
System (
7c). In
7c. sind
alle Funktionsräume
miteinander kommunizierend, es liegt atmosphärischer Druck vor. In der
7d hingegen
ist die Bildung eines geschlossenen Systems der Funktionsräume (Kauschlauch
einschließlich subpalatinaler
Raum) dargestellt. Im geschlossenen Zustand ist durch die Anlagerung
des Gaumensegels an die Zunge und der Zunge an den harten Gaumen der
Luftweg stabilisiert. Um diesen Zustand gezielt einzunehmen und
zu üben
wurden bisher die im
Dt. Gebrauchsmuster
203 10 769.4 niedergelegten Vorrichtungen verwendet. Bei
kritischer Würdigung
stellt sich allerdings heraus, dass die dort beschriebene Vorrichtungen
ungelöste
Probleme aufwiesen:
- 1.) Der Anschluß für die Druckmessung
erfolgte bisher im Bereich der Mundöffnung. Dies hatte zur Folge,
dass das Gerät
im Bereich des Ansatzes der Anschlüsse hermetisch abschließen mußte, wodurch
Form und Volumen des Gerätes
sowie dessen Herstellung erschwert wurden ohne dass wesentliche
Vorteile ersichtlich wären.
Die bisher erforderliche relativ starke Wanddicke und die unerwünschte Öffnung der
Lippen durch Anschlüsse bzw.
Verbindungen führten
zur Verminderung des Tragekomforts und bedurften der konstruktiven Verbesserung
und Vereinfachung.
- 2.) Es besteht Bedarf für
die sichere Verankerung des Gerätes
zur Unterstützung
und Sicherung des Mundschlusses während der Nacht, eine einfache ungesicherte
Lage im Mundvorhof zieht häufig
ein nächtliches
Verlieren nach sich und beeinträchtigt die
Funktion. Dabei muß gleichzeitig
auf Sicherheitsaspekte beim Tragen geachtet werden (leichte Entfernbarkeit).
- 3.) In der im GM
203 10 769.4 beschriebenen Vorrichtung war eine elektronische
Datenübertragungsanlage
vorgesehen, die in einen Verschlußstopfen für das Lippenschild integriert
ist. Aufgrund weitergehender Überlegungen
hat sich diese Version als wenig hilfreich herausgestellt, da sie
im Bereich der Lippen gelegen ist und somit die Lippenfunktion selbst
stört.
Es besteht deshalb Bedarf für
eine elektronische Variante des Gerätes auf der Basis einer drahtlosen
Datenfernübertragung,
bei der die Komponenten in einer funktionsneutralen Region angeordnet
sind, statt den normalen Lippenschluß zu stören.
- 4.) Die Form des Übungsgerätes sollte
aufgrund konstruktiver Änderungen
besser an die anatomischen Gegebenheiten angepasst werden.
- 5.) Durch genormte Steckverindungen soll der Anschluß an Medizingeräte unterstützt werden
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Beschreibung der Erfindung
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In
der 1 ist das Mundfunktionsübungsgerät (MFG) in der Ansicht von
anterior dargestellt: Es handelt sich um eine aus elastischem bioverträglichem
Material hergestellte schildartige Vorrichtung zum Tragen im gesamten
Mundvorhof (1), nicht nur im Lippenbereich. Der anteriore
Abschnitt (2) ist im Vergleich zum posterioren Abschnitt
vertikal höher konstruiert,
es sind Aussparungen für
die Lippenbändchen
vorgesehen, das MFG hat eine dem Zahnbogen nachempfundene Krümmung, es
kann in mehreren Konfektionsgrößen hergestellt
werden. In seinen seitlichen Abschnitten (3) sind Perforationen
(5, 6, 7) vorgesehen, durch die die Verbindung
zum interokklusalen Raum mit dem Ziel des Anschlußes von medizinischen
Geräten
oder Halteelemente (wie z. B. Fäden,
Drähte,
Gummizüge)
sowie zur Befestigung an einer Zahnschiene geführt werden können. Diese Perforationen
können
wenn erforderlich mit geeigneten Stopfen verschlossen werden oder
als Halteelemente für
Funktionsmodule dienen. Die Verbindung von Meß- und Therapiegeräten mit
dem interokklusalen Raum im Seitenzahnbereich hat im Vergleich zum Anschluß im Bereich
der Front den Vorteil, dass die Verbindung in einem geschlossenen
Funktionsraum und nicht in der offenen Zone der Mundhöhle erfolgt. Unter
der Funktion wird in der posterioren Region ein hermetischer Abschluß natürlicherweise
durch Anlagerung der Wangenweichteile gewährleistet. Demgegenüber wirkt
der anteriore Abschnitt des MFG im Sinne einer Verstärkung des
Mundschlusses (funktionelle Verlängerung
der Lippe). Zur Einlagerung von Gummihalteelementen, die zu einer
Zahnschiene geführt
werden, kann eine Aussparung an der Aussenseite des MFG vorgesehen
sein (10).
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Die 2 und 3 führen die
Konstruktionsmerkmale des Gerätes
weiter aus: Der Querschnitt im anterioren Bereich (8) ist
vorzugsweise konvex und die Dicke geringer als im posterioren Bereich
(9). Auf diese Weise wird eine optimale Anlagerung an den
Frontzahnbereich gewährleistet,
ohne dass dort eine nennenswerte elastische Deformierung des MFG
erforderlich wäre.
Im posterioren Bereich sind vorzugsweise die Perforationen angeordnet
(11, 12), die für den Anschluß von Messgeräten und
Halteelementen erforderlich sind. Erforderlichenfalls können seitlich
an die posterioren Abschnitte verschiedene Module im funktionsarmen
Wangenraum durch Einstecken angekoppelt werden.
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Die
Verankerung des MFG im Mund erfolgt über die Verbindungen zu einer
konventionellen Zahnschiene (13). Die Zahnschiene wird
individuell gefertigt und kann das elastische MFG in situ halten, wobei
die elastische reversible Anlagerung des MFG unter der Funktion
mit gleichzeitiger Anlagerung der Wangenweichteile an seine Außenseite
erfolgt.
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Als
Alternative zu Halteelementen, die durch Perforationen geführt sind,
können
(elastische) Gewebe (17) in das MFG integriert sein, die
eine Verbindung (z. B. Verklebung) zu einer Zahnschiene (13) erlauben.
Im einfachsten Fall wird die Verbindung zur Zahnschiene (13) über Gummiringe
(16) hergestellt, die über
nach dorsal und ventral offene Haken (14) an der Zahnschiene
(13) befestigt werden. Diese Befestigung des MFG an der
Zahnschiene erfolgt in der Regel symmetrisch in den funktionsarmen
seitlichen Räumen „Wangentaschen.
Durch die Auswahl der Gummis kann gesteuert werden, wie leicht es
im Notfall durch Fingerzug aus dem Mund zu entfernen ist.
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In
der 3 ist eine elektronische Variante des MFG dargestellt.
Hier sorgt ein mit dem MFG seitlich kraft- und formschlüssig reversibel
verbindbares, d. h. i. d. R. einsteckbares oder einschraubbares telemetrisches
Modul dafür,
dass der Druck im interokklusalen Raum gemessen und an ein außerhalb der
Mundhöhle
befindliches Gerät übertragen
werden kann. Das Modul hat einen offenen Zugang zum interokklusalen
Raum, der gleichzeitig als Steckverbindung dienen kann (24).
Die Steckverbindung kann so gestaltet werden, dass ein Lösen während der Funktion
ausgeschlossen ist. Das telemetrische Modul besteht mindestens aus
den folgenden Komponenten: Energiequelle (z. B. induktiv aufladbar)
mit Sender (Datenfernübertragungsgerät, 21)
einem Druckaufnehmer (22) und einem Mikroprozessor (23) mit
Datenspeicher. Hierdurch wird eine kontinuierliche Messung der Druckverhältnisse
im interokklusalen Raum gewährleistet,
die für
diagnostische und therapeutische Zwecke nutzbar ist.
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Die 4 zeigt
eine Vorrichtung, mit der der Druck im interokklusalen Raum auf
einfache Weise an ein Anzeigegerät
außerhalb
des Mundes übermittelt
werden kann, ohne eine Zahnschiene, eine Mundvorhofplatte oder ein
Mundstück
zu verwenden. Diese einfache Form des MFG besteht aus einer oder
mehreren Pelotten (25), die mit einem reversiblen bioverträglichen
Haftmittel gefüllt
an die Zahnreihe (19) geklebt werden. Dazwischen befindet
sich ein offener Raum, in den eine Schlauchverbindung (27) mündet, die
mit einem Messgerät
außerhalb
der Mundhöhle
oder mit jedem beliebigen medizinischen Gerät (z. B. Infusionssystem) verbunden
werden kann. Insofern kann das Gerät auch zur kontinuierlichen
Mundbefeuchtung in der Intensivmedizin verwendet werden.
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In
der 5 sind Verbindung des MFG zu Therapiegeräten vorgestellt,
die medizinische Norm-Verbindung (Luer-Loc oder Rekord) aufweisen.
Die medizinischen Norm-Verbindungen
(28) können
entweder direkt in einen Abschnitt des MFG (2, 3)
integriert sein oder aber an einer Schlauchverbindung (26)
angebracht sein. Sie erlauben einen sicheren Anschluß an verschiedenste
medizinische Geräte
(Infusomaten, Druckmessysteme, Spritzen etc.).
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6 zeigt
die Möglichkeit
verschiedener Steckverbindungen. Im distalen Abschnitt kann durch eine
schräg
geführte
Perforation die Einsteckrichtung der Schlauchverbindung günstig gestaltet
werden, dabei kann der Stecker (29) nach vestibulär konvex flach
gestaltet sein, damit beim Erzeugen von Unterdruck keine Druckstellen
entstehen. Für
andere therapeutische Zwecke, bei denen eine mechanische Koppelung
von MFG und Therapiesystem analog zur Membrantrichterplatate sinnvoll
ist, kann eine Steckverbindung (30) aus härterem Material
mit einer tellerartigen Retention (32) in den elastischen
Grundkörper
des MFG eingelassen sein, so dass eine sichere Verankerung resultiert.
Für den
posterioren Bereich kann die Steckverbindung schräg geführt werden,
im anterioren Bereich rechtwinkelig abragen.
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8 zeigt
Möglichkeiten
der Durchsteckverbindung (33, 34) zum Anschluß (26)
an verschiedene medizinische Geräte.
Die Stecker sind vorzugsweise konisch und weisen einen Knopf auf,
der an der zur Zahnreihe gelegenen Seite des MFG orientiert wird.
Durch Einstecken in den elastischen Grundkörper des MFG durch eine im
Vergleich zum Durchmessers des Steckers kleinerem Lumen und Verwendung
einer elastischen schlauchartigen Verbindung (26) zum medizinischen
Gerät wird
ein angemessen abdichender Effekt erzielt, durch abgewinkelte Form
des Steckers (34) kann im Seitenzahnbereich eine einfache
Verankerung der Verbindung zum medizinischen Gerät erzielt werden.
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Abbildungsverzeichnis
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1 Mundfunktionsübungsgerät in der Ansicht
von anterior
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2 Mundfunktionsübungsgerät in der Ansicht
von okklusal
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3 Mundfunktionsübungsgerät als elektronische
Variante
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4 Mundfunktionsübungsgerät zum Anheften
an die Zahnreihe
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5 Mundfunktionsübungsgerät mit Standard – Luer-Loc
Verbindung
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6 Mundfunktionsübungsgerät-Verbindungselemente
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7a–d Modellhafte
Vorstellung vom Konzept der Systemfunktionsbehandlung
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8 Knopfartige
Durchsteckanschlüsse für Schlauchverbindungen
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- 1
- Mundfunktionsstherapiegerät, Ansicht
von vorn
- 2
- mittlerer
Abschnitt mit Aussparungen für
Lippenbändchen
- 3
- Seitlicher
Abschnitt mit Perforationen
- 4
- Geschlossener
Abschnitt im Bereich der Lippenöffnung
- 5
- Perforation
für Anschluß von Druckmessystemen
- 6
- Perforationen
für Verankerung
- 7
- schräg durch
das Gerät
verlaufende Perforation
- 8
- Querschnitt
im anterioren Bereich
- 9
- Querschnitt
im posterioren Bereich
- 10
- Aussparung
für Halteelement
- 11
- Perforationen
des Gerätes
für Halteelemente
- 12
- Perforationen
für Anschluß von Mess-
und Therapiegeräten
- 13
- Zahnschiene
- 14
- Klammer/Haken
- 16
- Gummizug
- 17
- Gewebe
zum Anheften an Zahnschiene
- 18
- Interokklualer
Raum
- 19
- Zahnreihe
- 20
- Elektronisches
Gerät gekapselt
- 21
- Induktiv
aufladbare Energiequelle
- 22
- Druckaufnehmer
- 23
- Prozessor/Datenspeicher
- 24
- Steckverbindung
mit Zugang zum interokklusalen Raum
- 25
- Pelotte
zum Befestigen an der Zahnreihe
- 26
- Verbindung
zum Therpie/Druckmessgerät
- 27
- offene
Verbindung zum interokklusalen Raum
- 28
- Luer-Loc-Verbindung
- 29
- Funktionell
günstige
Steckverbindung für
Verbindungen zum Interokklusalen Raum
- 30
- Integrierter
Stecker mit Retention zum Anschluß von Therapie- und Meßgeräten
- 31
- Stecker
(hohl) zum Anschluß an
den interokklusalen Raum
- 32
- Retention
(tellerartig) zum Integrieren in das SFT-Gerät
- 33
- Knopfartige
Durchsteckanschlüsse
gerade
- 34
- Knopfartige
Durchsteckanschlüsse
abgewinkelt