DE20112654U1 - Kontrafagott - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft ein neuartiges Kontrafagott, das durch die eingesetzten Materialien und den Aufbau gegenüber einem herkömmlichen Kontrafagott eine bessere Tonqualität und Dynamik aufweist.
Ein Kontrafagott ist ein großes Fagott in der tieferen Oktave des gewöhnlichen Fagotts liegend und seit ca. 1620
20. bekannt. Das deutsche Modell, das in der Heckeischen Ausführung am verbreitetsten ist, weist einen eng mensurierten Korpus in vierfacher Führung, ein metallenes Schallstück und ein besonders enges S-Rohr auf. Modernere Kontrafagotte weisen auch fünffache Führung auf. Das französische Kontrafagott ist in der Regel ohne eigentliches Schallstück ausgestattet.
Versuche haben gezeigt, dass durch die Verwendung der Kombination von relativ großen Metallkorpusteilen und Teilen aus .Holz keine optimale Tonqualität erzielbar ist. Ferner wurde.festgestellt, dass der eng mensurierte Korpus der bekannten Kontrafagotte die Dynamik des Klangbildes beieinträchtigen kann und dass die Klappenmechanik und die Tastenanordnungen bei Kontrafagotten, die besonders lang ausgebildet sind, nicht effektiv angeordnet und nicht leicht bedienbar sind.
Ausgehend vom dargestellten Stand der Technik,liegt der Erfindung die Aufgabe zugrunde, ein Kontrafagott zu konzipieren, das sich durch einen großen Dynamikbereich und eine hohe Tonqualität auszeichnet und geeignet ist, mindestens vier Oktaven, vom tiefsten Sub-Kontra-A beginnend, zu überstreichen.
Die Aufgabe löst die Erfindung durch Ausbildung eines Kontrafagotts gemäß der im Anspruch 1 angegebenen Lehre.
Vorteilhafte Ausgestaltungsformen und Weiterbildungen der erfinderischen Lehre sind in den Unteransprüchen im einzelnen selbsterklärend angegeben. Die im Rahmen der Erfindung durchgeführten Untersuchungen und Modellaufbauten zeigen, dass mit einem Kontrafagott nach der Erfindung eine Tonqualität, Lautstärke und Dynamik des Klangbildes erzielt werden kann, wie sie bei herkömmlichen Ausführungen nicht erzielbar sind. Dies fördert die Bedeutung eines Kontrafagottes als Einzelinstrument in einem Orchester.
Gemäß der Lehre der Erfindung bestehen alle Korpussegmentteile des Instrumentes aus Holz, vorzugsweise aus Bergahorn. Andere für Fagotte und andere Holzinstrumente geeignete Hölzer können aber ebenfalls verwendet werden. Lediglich der S-Bogen bzw. das S-Rohr besteht aus Metall, gegebenenfalls auch die Verbindungsringe zwischen den Segmenten. Während herkömmliche Kontrafagotte eine fünffache Führung aufweisen, ist nach der Erfindung eine sechsfache Führung vorgesehen, die zum einen eine kürzere Auslegung des Instruments und zum anderen den Einsatz einer platzsparenderen und effektiveren Klappenmechanik ermöglicht. Zur Verbesserung der Tonqualität trägt darüber hinaus der weiter mensurierte Korpus bei. Unter Mensur wird dabei bekanntlich das Verhältnis zwischen dem inneren Durchmesser und der Länge der Führungen bzw. Röhre verstanden. Die Mensur ist von größter Wichtigkeit für die harmonische Teilung der Luftsäule und für die
Klangfarbe. Sie lässt sich nach der Cavaille-Coll's-Formel l=—-2D bestimmen.
Die Röhrenlänge bzw. die Länge der Führungen beträgt zweckmäßiger die Länge der einfachen Schallwelle abzüglich dem doppelten Röhrendurchmesser an der dicksten Stelle. Unter weit mensuriert, jedoch im niedrigen Bereich angesiedelt, wird bezogen auf die erfinderische Ausgestaltung verstanden, dass der Röhrendurchmesser an der dicksten Stelle im Verhältnis zur Gesamtlänge des Blasinstrumentes bedeutend ist.
Es hat sich ferner gezeigt, dass durch Drehung der Füh-■ - rung bzw. Röhre mit dem Schallstück, auch Becher genannt, bzw.- durch relative Verdrehung des Schallstücks gegenüber der Führung nach vorne drei Vorteile gegeben sind. Die Noten lassen sich von dem Kontrafagottisten wesentlich problemloser vom Notenblatt ablesen, die Kopplungen zu den tiefsten Klappen können einfacher und sicherer ausge-.20 legt werden und die tiefen Töne haben durch die gewählte Anordnung, wie Sie im Anspruch 2 angegeben ist, eine Abstrahlrichtung. Durch den mit der Erfindung realisierten größeren dynamischen Bereich behauptet, sich ein Kontrafagott nach der Erfindung bei einem kraftvollen durchsetzungsfähigen Forte auch in großen Orchestern, ohne ein schmiegsames Piano zu verlieren.
Unter Beachtung der vorherigen Darlegungen zur Mensur haben sich die Dxmensionierungsbereiche, die in den Ansprüchen 6, 7, 8 und 13 im einzelnen angegeben sind, sowie die angegebenen Aufbauten als besonders vorteilhaft erwiesen.
Das neue Fagott ist gemäß einer weiteren Ausgestaltung der Erfindung segmentiert ausgeführt, wobei die einzelnen Segmente über eine neuartige Spann-Verbindung so fest miteinander gekoppelt sind, dass keine Dichtungsmateria-
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lien und Dichtungen zusätzlich notwendig sind. Durch die Einführung einer sechsten Führung konnte zudem eine höhere Effektivität der Mechanik erzielt werden. Die· Klappen können mit Schub- und Zugstangen exakt und ohne Spiel geführt werden. Eine besonders vorteilhafte Lagerung ist in der DE 201 03 863 Ul beschreiben.
Die bauliche Anordnung und die zur Anwendung kommende Mensur ermöglichen darüber hinaus den Tonbereich des neuen Kontrafagotts gegenüber herkömmlichen Ausführungen wesentlich zu erweitern. So kann ein Tonbereich über mindestens vier Oktaven überstrichen werden.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand der in den Zeichnungen dargestellten schematischen Ausführungsbeispielen ergänzend erläutert.
In den Zeichnungen zeigen:
FIG 1 eine Frontansicht eines Kontrafagotts,
FIG 1 eine Frontansicht eines Kontrafagotts,
FIG 2 eine perspektivische Ansicht eines Kontrafagotts und
FIG 3 ein Schnitt quer durch ein Kontrafagott mit Doppel- und Einzelführungen, etwa in Stiefelmitte.
Figur 1 zeigt in einer Frontansicht ein Kontrafagott gemäß der Erfindung. Dieses Fagott besteht aus sechs Führungen 1, 2, 3, 4, 5 und 6. Die erste Führung 1 weist obenseitig eine Eintrittsöffnung auf, in die das Anschlussstück eines S-Bogens 8 bekannter Art eingesetzt ist, der am freien Ende ein eingesetztes, nicht dargestelltes Mundstück aufweist.· Die Führung 1 ist durch ein Bogenstück 9 mit der aus Figur 2 ersichtlichen Führung 2 unten verbunden. Die Führung 2 ist obenseitig über ein Bogenstück 10 mit der dritten Führung 3 verbunden. Die dritte Führung 3 ist durch ein unteres Bogenstück 11 mit
der Führung 4 (Figur 1) verbunden. Obenseitig ist die Führung 4 über ein Bogenstück 12 mit der Führung 5 verbunden. Diese Führung ist in zwei Segmente unterteilt, nämlich 5a und 5b, die fest miteinander verbunden sind. Schlussendlich ist ein Bogenstück 13 vorgesehen, das die Führung 5 mit der Führung 6 verbindet. Diese nach oben sich erstreckende Führung 6 weist ebenfalls Segmentabschnitte 6a und 6b auf, was aus fertigungstechnischen Gründen vorteilhaft aber nicht zwingend notwendig ist.
Der Führung 6 schließt sich das Schallstück 7 an, das becherförmig ausgeführt ist. Die einzelnen Segmente sind miteinander durch neuartige Spannverbinder verbunden. Sie können aber auch in klassischer Form miteinander verbunden sein. Gemäß der Erfindung sind nun alle Teile einschließlich der Bogenstücke 9, 10, 11, 12 und des Schallstückes 8 bis auf das S-Rohr 8 aus Holz gefertigt. Die Rohrdurchmesser nehmen von der Eintrittsöffnung der Führung 1 bis zum Fußansatz des Schallstückes 8 stetig zu. Der Einfachheit halber ist die Klappenmechanik nicht eingezeichnet. Ebenso ist auf die Darstellung einer Doppelbohrungsausführung der Führungen verzichtet worden.
In Figur 3 ist eine Variante im Schnitt gezeichnet dargestellt. Die Variante besteht darin, dass die Führungen 1 und 3 in ein gemeinsames Segment eingebracht sind, und zwar durch Einbringung entsprechender Doppelbohrungen. Dies gilt gleichermaßen auch für die Führungen 2 und 4. Die Führungen 5 und 6 sind■entsprechend ihrer baulichen Anordnung und Zuordnung zu den übrigen Bohrungen abgesetzt gezeichnet. Die Bogenstücke sind durch Pfeilrichtungen zwischen den Bohrungsmittelpunkten symbolisch eingezeichnet.
Claims (20)
1. Kontrafagott mit einem niedrigen weitmensurierten, segmentierten Korpus, mit mindestens sechsfacher Führung (1, 2, 3, 4, 5, 6), einem Schallstück (7) und mindestens fünf Bogenstücken (9, 10, 11, 12, 13) aus Holz und einem an sich bekannten S-Rohr (8) aus Metall.
2. Kontrafagott nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Führung (6) mit dem Schallstück (7) gegenüber den anderen Führungen (1, 2, 3, 4, 5) nach vorne verlegt ist.
3. Kontrafagott nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, dass die Schallaustrittsmündung des Schallstückes (7) im Bereich des am höchsten vorgesehenen Bogenstückes (12) endet.
4. Kontrafagott nach Anspruch 3, dadurch gekennzeichnet, dass das Schallstück (7) einen asymmetrischen Becher mit schräger Schallaustrittsöffnung aufweist, deren höchster Randabschnitt sich in der Nähe des höchsten Bogenstückes (12) befindet.
5. Kontrafagott nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass zwei Führungen aus in einem Korpussegment eingebrachte Doppelbohrungen gebildet sind (Führungen 1 und 3; Führungen 2 und 4).
6. Kontrafagott nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Wandstärke der Führungen mit einfacher Bohrung ca. 6 bis ca. 8 mm, vorzugsweise ca. 7 mm, beträgt, dass die äußeren Wände des Korpussegmentes mit zwei Führungen, die durch Doppelbohrungen gebildet sind, ca. 6 bis ca. 8 mm stark sind und dass die Wandstärke zwischen den Bohrungen ca. 6 bis ca. 15 mm beträgt.
7. Kontrafagott nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Durchmesser der Bohrungen der einzelnen Führungen (1, 2, 3, 4, 5, 6) und der verbindenden Bogenstücke (9, 10, 11, 12, 13) von der Eintrittsöffnung des S-Rohres (8) in der ersten Führung (1) bis zum Fußausgang des Schallstückes (7) kontinuierlich zunehmen, vorzugsweise von einer Eintrittsöffnung mit einem Durchmesser von ca. 9, 5 bis ca. 12, 5 mm, bis zu einem Durchmesser des Fußausgangs des Schallstückes von ca. 72 mm bis ca. 78 mm.
8. Kontrafagott nach einem der vorhergehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, dass die Gesamtlänge der Führungen (1, 2, 3, 4, 5, 6) einschließlich Schallstück (7) ohne das S-Rohr ca. 4.700 mm bis ca. 5.600 mm beträgt.
9. Kontrafagott nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Führungen (1, 2, 3, 4, 5, 6) und die Bögen (9, 10, 11, 12, 13) bzw. die Korpussegmentabschnitte (6a, 6b, 5a, 5b) der entsprechenden Führungen (5, 6) an ihren Eintritts- und. Austrittsenden wulstförmige angeformte oder an stirnseitig befestigten Ringen vorgesehene Verbindungsringe aufweisen, die aneinandergefügt von einem aufgesetzten Spannring mit U-Profil und mit Schraubverschluss bei gleichzeitigem planparallelen Anliegen der Stirnfläche miteinander verbunden sind.
10. Kontrafagott nach Anspruch 9, dadurch gekennzeichnet, dass der Ring bzw. der wulstförmige Verbindungsring aus Holz oder Metall besteht.
11. Kontrafagott nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, dass der wulstförmige Verbindungsring die äußere Wand eines in den Ring oder den Korpusteil eingebrachte ringförmigen U-Ausnehmung ist, wobei die Innenseite der äußeren Wand in Richtung des Bodens des U's konisch ansteigend verläuft, und dass der u-förmige Spannring einen trapezförmigen, dem Steigungsmaß angepassten inneren Seitenverlauf an den übergreifenden Wänden aufweist und an den Verbindungsenden Ansätze zur Aufnahme einer Spannschraube.
12. Kontrafagott nach Anspruch 9 bis 11, dadurch gekennzeichnet, dass der Ring als separates Teil ausgebildet und stirnseitig auf die Korpussegmente geklebt und/oder geschraubt ist.
13. Kontrafagott nach Anspruch 12, dadurch gekennzeichnet, dass der Ring eine Höhe von ca. 3 mm bis ca. 9 mm aufweist und dass die Höhe des wulstförmigen Verbindungsringes ca. 1,5 mm bis 4,5 mm beträgt.
14. Kontrafagott nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die Klappenmechanik für die Tonlöcher Schub- und Zugstangenkombinationen aufweist.
15. Kontrafagott nach Anspruch 1 oder 13, dadurch gekennzeichnet, dass eine Oktavautomatik mit akustisch genau positionierten Oktavlöchern vorgesehen ist.
16. Kontrafagott nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, dass zusätzlich eine Tonlochreihe und eine Klappenmechanik für Flageolettklappen für Töne, die mindest eine Quarte bis zu einer Oktave höher liegen, vorgesehen sind.
17. Kontrafagott nach Anspruch 14 bis 16, dadurch gekennzeichnet, dass eine Halblochsteuerung zur Steuerung der Tonlöcher für fis, g und as vorgesehen ist.
18. Kontrafagott nach einem der Ansprüche 14 bis 17, dadurch gekennzeichnet, dass der Tonbereich über mindestens vier Oktaven vom tiefsten Sub-Kontra-A bis mindestens zum höchsten a1 reicht.
19. Kontrafagott nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, dass die aus Holz bestehenden Korpussegmente aus dem Holz von Bäumen der Gattung Ahorn, insbesondere aus Holz des Bergahorns, dem Holz der Eibe, u. a. besteht.
20. Kontrafagott nach Anspruch 1 oder 19, dadurch gekennzeichnet, dass das Schallstück (7) und die Bogenstücke (19, 11, 12, 13) aus Holzschalenteilen bestehen, die ineinandergreifende Fügeverzahnungen aufweisen und miteinander verleimt sind.
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