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Die
vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Vorrichtung
zur Störungserfassung
im Antriebssystem einer numerisch gesteuerten Werkzeugmaschine nach
dem Oberbegriff des Anspruchs 1 bzw. 11.
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Bei
der industriellen Nutzung von Werkzeugmaschinen ist es besonders
wichtig, daß diese
möglichst
störungsfrei
mit geringem Überwachungs-
und Wartungsbedarf laufen. Etwaige Defekte an der Maschine und/oder
Störfälle während der
Bearbeitung führen
zu ungewünschten
Stillstandszeiten, und gar zu aufwendigen und kostenintensiven Reparaturen, verbunden
mit dem wirtschaftlichen Ausfall durch den Stillstand der Werkzeugmaschine.
Ein Störungsfall
besonderer Art in diesem Zusammenhang ist die unerwünschte Kollision
zwischen den bewegten Maschinenteilen der Werkzeugmaschine, z.B.
dem Werkzeug oder dem Arbeitstisch, und dem zu bearbeitenden Werkstück sowie
in dessen Umgebung befindlichen Maschinenteilen, wie Spannmittel
zur Befestigung des Werkstückes
am Arbeitstisch, Teile des Arbeitstisches selbst oder des Maschinengestells, Mittel
zur Stromzufuhr in der Arbeitszone, Spülmittel, Rauch- und Staubabsaugmittel,
vorstehende Teile der zu bearbei tenden oder bereits bearbeiteten Werkstücke auf
einer Palette, vor allem auch Ausfallstücke, etc.. Besonders kritisch
und einschränkend für die Bewegungsfreiheit
des Werkzeuges sind die genannten Spannmittel. Je nach Größe und Anzahl der
in der Arbeitszone aufgespannten Werkstücke sind unterschiedlich geformte
und unterschiedlich viele Spannmittel dort angeordnet, die für das Bedienungspersonal
nicht alle vollständig
einsehbar sind und daher durch fehlerhafte Bedienung im manuellen Betrieb
oder fehlerhafte Programmierung im Automatikbetrieb Kollisionen
entstehen können.
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Aus
dem Stand der Technik sind zwar diverse Verfahren zum Schutz vor
derartigen Störfällen, insbesondere
Kollisionsschutzverfahren, bekannt. Eine befriedigende Lösung in
puncto Praxistauglichkeit, Kosten/Nutzen-Verhältnis und Langzeitverhalten
bieten sie jedoch nicht.
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Zu
den bekannten Kollisionsschutzverfahren gehören sogenannte vorbeugende
oder präventive Verfahren,
bei welchen die Werkzeugmaschine mit Kollisionsdetektoren zur Erkennung
einer etwaigen Gefahrensituation ausgestattet sind, welche mit der Maschinensteuerung
in Verbindung stehen und bei Bedarf die Vorschubbewegung der Werkzeugelektrode
gestoppt wird. Ein Beispiel für
ein derartiges Verfahren ist in der
US 5 118 914 A beschrieben, wonach ein am
Werkzeugkopf der Maschine angeordneter Drucksensor im Kollisionsfall
bei Überschreiten
eines vorgegebenen Schwellendruckes eine Unterbrechung der Relativbewegung
zwischen dem Maschinenkopf und dem Hindernis auslöst. Eine
vergleichbare Kollisionserkennung mit Hilfe eines am Arbeitskopf
angeordneten kapazitiven Sensors ist aus der JP 2-076627 A bekannt.
In die Kategorie der präventiven
Kollisionsschutzsysteme gehören
auch Abtastsysteme im Arbeitsraum einer Werkzeugmaschine, die auf
dem Prinzip der Strahlenreflektion basieren, sowie bildverarbeitende
Systeme. Diese präventiven Verfahren
haben jedoch den Nachteil, daß sie
aufgrund der erforderlichen zusätzlichen Sensoren
relativ teuer und bezüglich
des Langzeitverhaltens wegen der Verschmutzung oder des Verschleißes der Sensoren
ungünstig
sind.
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Andererseits
sind auch sogenannte reaktive Störungsschutzverfahren
bekannt, also jene Verfahren, bei denen ein Störfall, z.B. eine Kollisionssituation,
erst auftritt und dann sogleich eine Unterbrechung der Vorschubbewegung über die
Steuerung der Maschinen eingeleitet wird. Bei einem bekannten Verfahren
dieser Kategorie auf dem Gebiet von Funkenerosionsmaschinen wird
der, der Bearbeitungselektrode zugeführte Antriebsstrom während der
Bearbeitung überwacht
und nach Auftreten eines starken Anstieges des Antriebsstromes,
was auf eine Kollision hinweist, eine Unterbrechung der Achsbewegungen
eingeleitet.
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Aus
DE 196 00 538 A1 ist
ein weiteres Kollisionsschutzverfahren im Zusammenhang mit der funkenerosiven
Werkstücksbearbeitung
bekannt, bei welchem der Maschinenbediener vor der Bearbeitung in
der Steuerung sogenannte verbotene und erlaubte Zonen festlegt,
so daß die
Steuerung nur Vorschubbewegungen in den erlaubten Zonen zuläßt, in denen
angenommen wir, daß keine
Kollisionen auftreten. Zwar ist dieses Verfahren relativ kostengünstig, es
verlangt vom Maschinenbediener jedoch ein hohes Maß an Fertigkeit
und Überblick,
um die erlaubten Zonen korrekt zu programmieren. Dies ist jedoch
bei komplexem Bearbeitungen, insbesondere von mehreren Werkstücken nicht
immer mit absoluter Korrektheit möglich.
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Im
Zusammenhang mit der Lageregelung eines Positionierantriebes einer
numerisch gesteuerten Werkzeugmaschine ist aus der
DE 34 26 863 A1 die Kombination
von direkten und indirekten Positionsmeßsystemen bekannt. Dabei ist
ein erstes direktes Längenmeßsystem
an dem durch einen Antriebsmotor zu bewegenden Maschinenteil angeordnet
und zusätzlich
ein mechanisch mit dem Antriebsmotor gekuppel tes indirektes Lagemeßsystem
vorgesehen. Die Meßwerte
der beiden Positionsmeßsysteme
werden zu verschiedenen Verbesserungen im Rahmen einer Lageregelung
verwendet, z.B. exakter Genauhalt durch eine Unterlagerung der indirekten
Messung mit höherer
Auflösung
und Erhöhung
der Regelgenauigkeit im Rahmen einer Interpolation. Für die Anwendung
in Richtung einer Störungserfassung gibt
es jedoch keinerlei Hinweise.
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Ferner
ist aus
DE 37 41 973
C2 (nächstliegender
Stand der Technik) ein Verfahren nach dem Oberbegriff des unabhängigen Anspruches
1 bekannt. Etwaige Störzustände werden
im bekannten Verfahren anhand des Verlaufes der Strom- bzw. Lastaufnahme
festgestellt. Die Strom- oder Lastaufnahme der Antriebe einer Werkzeugmaschine
unterliegt naturgemäß einer
gewissen Schwankung, z.B. beim Beschleunigen oder Bremsen des Vorschubes. Dies
ist eine normale Einflußgröße für Strom-
bzw. Lastschwankungen, die aber keinen Störzustand im eigentlichen Sinne
bedeutet, dennoch aber die Stromaufnahme beeinflußt. Daher
wird im bekannten Verfahren zusätzlich
vorgeschlagen, die Toleranzwerte für Schwankungen der Stromaufnahme
unter Berücksichtigung
weiterer prozeßrelevanter
Parameter, wie Geschwindigkeit und Beschleunigung, zum Bilden eines
dem jeweiligen Prozeßzustand
angepaßten
Sollwertbereiches festzulegen. In diesem Zusammenhang verwendet
das bekannte Verfahren als weiteren Parameter die Differenz aus
den Meßergebnissen
eines direkten sowie eines indirekten Positionsmeßsystems.
Dabei geht der Differenzwert der Positionsmeßergebnisse lediglich bei der
Sollwertbildung der zulässigen
Stromaufnahmewerte als Sekundärparameter
ein.
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Bei
einem aus
EP 0 462
539 B1 bekannten Störfallverfahren
für ein
Antriebssystem einer Werkzeugmaschine wird ein Differenzwert D zwischen
einem Positions-Sollwert ("position
command signal P
r") und einem Positions-Istwert ("position detection feedback
signal P
F") eines Servomotors als Kriterium für die Ermittlung
eines Störfalles
des Servomotors einer Werkzeugmaschine verwendet wird. Das bekannte
Störfallverfahren
beruht auf dem Vergleich eines gemessenen Istwertes, der über einen
am Servomotor angeordneten Positionsencoder erfaßt wird, mit einem vorgegebenen
Sollwert. Dieser Vergleichswert ist der sog. Regelfehler des Servomotors,
der laufend überwacht
und bei Überschreiten
eines Schwellwertes einen Störfall
anzeigt.
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Die
vorliegende Erfindung zielt darauf ab, einen einfachen und dennoch
wirkungsvollen Schutz gegen Störfälle, insbesondere
gegen Kollisionen, im Antriebssystem einer Werkzeugmaschine zu schaffen.
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Dieses
Ziel erreicht die Erfindung durch die Gegenstände der unabhängigen Ansprüche 1 bzw. 11.
Weitere Aspekte der
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Erfindung
ergeben sich aus den abhängigen Ansprüchen, der
nachfolgenden Beschreibung und der Zeichnung.
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Danach
schafft die Erfindung ein Verfahren zur Störungserfassung im Antriebssystem
einer numerisch gesteuerten Werkzeugmaschine, bei welcher mindestens
ein Antriebsmotor zur Positionierung eines zu bewegenden Maschinenteils,
welches z. B. ein Werkstück
und/oder ein Werkzeug der Werkzeugmaschine bewegt, wie etwa ein
Vorschubschlitten oder ein X/Y-Kreuzschlitten, über ein oder mehrere Übertragungselemente
gekoppelt ist, wobei: (a) die Position des bewegten Maschinenteils
direkt am Maschinenteil und zusätzlich
indirekt an mindesten einem weiteren Ort der Übertragungskette gemessen wird;
(b) die direkten und indirekten Positionsmeßwerte miteinander verglichen
werden, und (c) anhand des Vergleichswertes der Positionsmeßwerte (nachfolgend "Meßwertevergleichswert") unter Berücksichtigung
der aktuellen Betriebsbedingungen, z.B. Bearbeitungsgeschwindigkeit
und Beschleunigung/Verzögerung,
ggf. bewegte Massen, maschinenspezifische Prozeßkräfte, etc., ein Störungsfall ermittelt
wird. Eine direkte Positionsmessung bedeutet hier eine Messung am
oder in unmittelbarer Nähe des
bewegten Maschinenteil/s. Eine entsprechende Vorrichtung zur Störungserfassung
im Antriebssystem umfaßt
ein direktes Meßsystem,
welches dem durch den Antriebsmotor zu bewegenden Maschinenteil
zugeordnet ist, zum Messen der aktuellen Position des zu bewegenden
Maschinenteils, ein indirektes Meßsystem zum indirekten Ermitteln
der Position des bewegten Maschinenteils an mindestens einem weiteren
Ort der Übertragungskette
und eine Steuerungseinheit zum Vergleichen der ermittelten Positionsmeßwerte und
zum Feststellen eines Störungsfalles
anhand des Meßwertevergleichswertes, wenn
dieser ein vorgegebenes Kriterium erfüllt.
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Für die Störungserfassung
werden also lediglich zwei oder mehrere Messungen der Position des
bewegten Maschinen teils an unterschiedlichen Orten der Übertragungskette
zwischen Antriebsmotor und Maschinenteil durchgeführt. Der
resultierende Meßwertevergleichswert
ist ein hochsensibler Indikator dafür, ob im Antriebsmotor selbst,
der dazwischenliegenden Übertragungs-
und Vorschubmechanik und/oder am bewegten Maschinenteil selbst,
ein Störungsfall
aufgetreten ist oder von außen
im Antriebssystem eine Störung
induziert wurde. Störfälle im Antriebssystem
können
durch einen mechanischen Defekt z.B. in der Vorschubmechanik, elektronische
Probleme, z.B. im Antriebsmotor, oder durch Verschleißerscheinigungen
in der Übertragungskette,
wie etwa durch Reibung, Erwärmung
oder Verformung induzierte Spiele, verursacht werden. Eine von außen induzierte
Störung
im Antriebssystem wird häufig
durch eine Kollision des bewegten Maschinenteils mit einem Hindernis
im Arbeitsraum der Werkzeugmaschine verursacht.
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All
diese Störungsphänomene haben
eine Verschiebung bzw. Abweichung der tatsächlichen (absoluten) Position
des bewegten Maschinenteils, welcher erfindungsgemäß direkt
oder in unmittelbarer Nähe
des Maschinenteils, welches das Werkstück oder das Werkzeug bewegt,
ermittelt wird, gegenüber
der an einem oder mehreren Orten der Übertragungskette indirekt erfaßten und
in Kenntnis des Übertragungsverhaltens
abgeleiteten Maschinenteilposition zur Folge. Erfüllt die
Abweichung zwischen direkter und indirekt ermittelter Position ein
je nach Situation vorgegebenes Kriterium, so stellt die Antriebs-
bzw. Achssteuerung der Werkzeugmaschine einen bestimmten Störfall fest
und leitet sofort die jeweils geeigneten Gegenmaßnahmen ein, unterbricht z.
B. die Achsbewegung im Falle einer Kollision.
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Wie
vorstehend erwähnt,
kann die Position des bewegten Maschinenteils auch an mehreren Orten
der Übertragungskette
indirekt ermittelt, so daß als
Störungskriterium
auch ein dynamischer Störungsverlauf
entlang der Übertragungskette
des Antriebssystems der Werkzeugmaschine erkannt werden kann, und
zwar bereits vor Auftreten des eigentlichen Störfalls.
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Bei
einem vereinfachten aber bevorzugten Ausführungsbeispiel wird die indirekte
Messung der Position des zu bewegenden Maschinenteils unmittelbar
am Antriebsmotor durchgeführt.
Bevorzugt wird hierfür
ein der Rotorwelle des Antriebsmotors zugeordneter Drehwinkelsensor,
beispielsweise ein optischer, induktiver oder kapazitiver Winkeldrehgeber
oder ein Resolver, verwendet. Das zweite direkte Meßsystem
zur Erfassung der absoluten Maschinenteilposition ist bevorzugt
ein dem zu bewegenden Maschinenteil, z.B. einem Werkzeugkopf oder
einem X/Y-Kreuztisch,
zugeordnetes Linearmeßsystem,
besonders bevorzugt ein optisches Längenmeßsystem, beispielsweise ein
Phasengitter-Längenmeßsystem, oder
ein induktives oder kapazitives Linearmeßsystem hoher Meßgenauigkeit.
Somit werden bei der erfindungsgemäßen Störungserfassung die Vorteile dieser
beiden Meßsystem
ausgenützt,
nämlich
die ausgezeichnete Dynamik des indirekten rotatorischen Meßsystems
am Antriebsmotor einerseits und die hohe Positionsgenauigkeit beispielsweise
eines optischen Längenmeß systems
zur direkten Positionsmessung des bewegten Maschinenteils anderseits.
Dazu kommt noch der Vorteil, daß ein
großer Teil
der heute als Antriebsmotoren eingesetzten Servomotoren ohnehin über einen
integrierten Drehwinkelsensor verfügen, der üblicherweise zur Lageregelung
im Antriebssystem von Werkzeugmaschinen verwendet wird. Nutzt man
beide erfindungsgemäßen Meßsysteme
zur Verbesserung der Lageregelung, wie es beispielsweise in der
DE 34 26 863 A1 offenbart
ist, so erzielt man zusätzlich
zu einer effektiven Störungsermittlung
eine hervorragende Bearbeitungspräzision. Dies gilt vor allem
für Werkzeugmaschinen,
insbesondere Funkenerosionsmaschinen, mit hohen Genauigkeitsanforderungen,
die erfindungsgemäß vor Störungsausfällen geschützt sind.
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Außerdem ist
auch die Sensibilität
für die
Erfassung etwaiger Störfälle im Antriebssystem
selbstverständlich
dann am größten, wenn
die Position des Maschinenteils am Anfang der Übertragungskette, d. h. direkt
am Antriebsmotor, und zugleich am Ende der Übertragungskette, d.h. am Maschinenteil
selbst, gemessen wird. Irgendeine Störung innerhalb der Übertragungskette
oder von außen
an der Übertragungskette
angreifend bewirkt dann eine Verschiebung der tatsächlichen
Maschinenteil-Position gegenüber
der z. B. mit dem Drehwinkelsensor eines Servomotors erfaßten Position.
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In
dem vorstehenden Ausführungsbeispiel wird
das direkte Meßsystem
zur Überwachung
einer translatorischen Bewegungung eines Maschinenteils verwendet.
Selbstverständlich
kann das erfindungsgemäße direkte
Meßsystem
gleichsam zum Überwachen
von Rotationsachsen einer Werkzeugmaschine eingesetzt werden. In
diesem Fall erfolgt die direkte Messung vorzugsweise auch mit einem
Drehwinkelsensor, z. B. einem einer Rotationsachse zugeordneten
optischen, induktiven oder kapazitiven Winkeldrehgeber.
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Bevorzugt
wird als Meßwertevergleichswert der
Differenzwert der direkten und indirekten Positionsmeßwerte als
Kriterium für
die Erkennung eines Störungsfalles
verwendet. Der Differenzwert stellt eine vorrichtungsmäßig einfach
zu ermittelnde und zugleich zuverlässige und sensible Größe bezüglich einer
unerwünschten
Störung
im Antriebssystem der. Gegenüber
der einleitend genannten Stromüberwachung
im Zusammenhang mit einem bekannten Kollisionsschutzverfahren ist
der Positionsdifferenzwert deutlich sensibler gegenüber einer
Störung
im Antriebssystem. Aufgrund der ausgezeichneten Dynamik z.B. von
Drehgeber-Meßsystemen
kann die Steuerung bei einem Auftreten einer Meßwertdifferenz oder einer Veränderung
der Meßwertdifferenz sofort
reagieren und entsprechend geeignete Gegenmaßnahmen einleiten.
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Bevorzugt
wird der ermittelte Positionsdifferenzwert aus direkter und indirekter
Messung mit einem oder mehreren vorgegebenen Schwellwerten, welche
unter Berücksichtigung
der aktuellen Betriebsbedingungen, insbesondere Massenkräfte beim
Beschleunigen/Verzögern
des bewegten Teils, Prozeßkräfte der
Werkstückbearbeitung
und/oder Reibungskräfte
im Antriebssystem ausgebildet sind, verglichen und bei Erreichen
bzw. Überschreiten
der Schwellwerte automatisch die jeweils geeigneten Maßnahmen
eingeleitet werden, wie etwa Unterbrechen und ggf. Umkehr der Vorschubbewegung,
Reduzieren der Prozeßparameter,
wie Strom, Spannung, Spüldruck,
etc. Im Falle einer Vorschubumkehr kann das Antriebssystem kurzzeitig
bevorzugt auch stark belastet werden, um möglichst schnell in einen kollisionsfreien
Zustand zu gelangen. Erfindungsgemäß ist bevorzugt auch eine qualitative
Beurteilung eines Kollisionsfalles vorgesehen, indem das Ausmaß eines
möglichen
Kollisionsschadens unter Berücksichtigung
der Kollisionsrichtung, der Kollisionsgeschwindigkeit und/oder der
sogenannten Kollisionstiefe quantifiziert wird. Die Werte für die Kollisionsrichtung
und Kollisionsgeschwindigkeit können unmittelbar
aus der Antriebssteuerung entnommen werden; und die Kollisionstiefe,
nämliche
derjenige Weg des bewegten Maschinenteils vom Anfang der Kollision
bis zum Stillstand oder Umkehrpunkt wird bevorzugt unmittelbar mit
dem erfindungsgemäßen direkten
Meßsystem
ermittelt.
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Die
Schwellenwerte zur Festlegung eines Störungsfalles können z.B.
für jeden
spezifischen Maschinentyp statistisch festgelegt und in der Antriebssteuerung
der Maschine abgelegt werden. Bevorzugt werden Schwellenwerte aber
durch eine Kalibrierprozedur ermittelt, indem an einer bestimmten Werkzeugmaschine
Standard-Störfallsituationen durchfahren
bzw. simuliert und die jeweilige Abweichung zwischen dem direkten
und indirekten Positionsmeßwert
festgehalten wird. Dieser Kalibriervorgang berücksichtigt dann neben den rein
dynamischen Störungseffekten
zusätzlich
z.B. durch Fertigungstoleranzen und Reibungseffekte im Antriebssystem
induzierte Fehler. Besonders vorteilhaft sieht die Steuerung der
Werkzeugmaschine in zeitlichen Abständen eine Wiederholung einer
derartigen Kalibrierprozedur vor.
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Bei
einem besonders bevorzugten Ausführungsbeispiels
wird anhand des Differenzwertes der direkten und indirekten Positionsmeßwerte unter
Berücksichtigung
der aktuellen Betriebsbedingungen eine Kollisionserfassung durchgeführt. Im
Falle einer Kollision zwischen dem bewegten Maschinenteil und einem
Hindernis im Arbeitsraum der Werkzeugmaschine, z.B. einem Spannmittel
oder einen vorstehenden Abschnitt des zu bearbeitenden Werkstückes, wird
der durch das direkte Meßsystem
ermittelte absolute Meßwert
des bewegten Maschinenteils hinter dem z.B. am Antriebsmotor indirekt
ermittelten Meßwert "zurückbleiben". Ein abrupter Anstieg
des Differenzwertes zwischen dem direkt ermittelten und indirekt
ermittelten Positionsmeßwert
deutet auf eine Kollisionssituation hin. Dies wird mit einem hochdynamischen
indirekten Meßsystem
z.B. an der Rotorwelle des Antriebsmotors oder an einer rotierenden Welle
in der Übertragungskette
nach dem Antriebsmotor ohne Verzögerung
erfaßt
und eine entsprechendes Signal an die Antriebssteuerung der Vorschubbewegung übersandt.
In Reaktion darauf wird die Vorschubbewegung des bewegten Maschinenteils
sofort unterbrochen und ggf. in Umkehrrichtung auf der vor der Kollision
durchlaufenden Bahn zurückgefahren,
um während
der Rückzugsbewegung etwaige
weitere Kollisionen zu vermeiden. Damit kann die Antriebssteuerung
der Werkzeugmaschine besonders schnell in Kollisionsfällen reagieren,
nämlich
die Relativbewegung zwischen dem Hindernis und dem bewegten Maschinenteil
stoppen. Zwar tritt eine Kollision auf, zumindest deutet sich eine
Kollision an; somit gehört
dieses Verfahren im Prinzip auch zur Kategorie der eingangs genannten
reaktiven Verfahren. Aufgrund des Elastizität des Antriebsstranges zwischen
dem Antriebsmotor und dem bewegten Maschinenteil kommt es dennoch
zu keiner Beschädigung
des Maschinenteils oder zu keinen nennenswerten, zumindest aber
nur geringfügigen,
Folgeschäden.
Bei Unterbrechung der Vorschubbewegung im Kollisionsfall nimmt die
elastische Deformation des Antriebsstranges die Kollisionsenergie
nach Art einer "Knautschzone" auf. Durch entsprechende Steuerung
des Antriebsmotors kann erreicht werden, daß diese aufgenommen Energie
am anderen Ende des Antriebsstranges sanft abgegeben wird. Aufgrund
seiner reaktiven Natur ist das erfindungsgemäße Kollisionsschutzverfahren
besonders für
Werkzeugmaschinen mit niedrige Vorschubgeschwindigkeiten geeignet.
Als Beispiel seien Funkenerosionsmaschinen genannt, bei welchen
die maximalen Bearbeitungsgeschwindigkeiten in der Regel im Bereich von
einigen 10 mm/min liegen.
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Aber
auch bei Funkenerosionsmaschinen oder dergleichen können Positioniergeschwindigkeiten
von einigen Metern pro Minute verwendet werden. Bei derartigen High-Speed-Werkzeugmaschinen
ist es daher vorteilhaft, das erfindungsgemäße Kollisionsschutzverfahren
mit einem präventiven
Kollisionsschutzverfahren der eingangs genannten Art zu kombinieren.
Dabei wird primär
der Bearbeitungsvorgang mit Hilfe eines aktiven Kollisionsschutzsystems
auf etwaige Kollision hin überwacht
und bei Auftreten eines Kollisionsrisikos eine Abschaltung oder Umkehrung
der Vorschubbewegung durchgeführt. Erst
wenn das primäre
Verfahren ausfällt
oder versagt, wird als sekundäres
Verfahren der erfindungsgemäße Kollisionsschutz
aktiviert.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform
verfügt
die Werkzeugmaschine über
einen induktiven oder optischen Näherungssensor, der als primäres Kollisionsschutzsystem
dient. Falls dieser ausfällt oder
aus anderen Gründen,
z.B. "toter Winkel", nicht funktioniert
und dennoch eine Kollision eintritt, wird als sekundäres Verfahren
die oben beschriebene Kollisionsschutzerkennung aktiviert. In einer
alternativen bevorzugten Ausführungsform
ist das aktive Schutzsystem ein bildverarbeitendes System, welches
Größe und Position
der im Arbeitsraum der Werkzeugmaschine befindlichen Elemente, z.B. Werkstücke, Spannmittel,
etc., erkennt und die Fahrwege der Achssteuerungen entsprechend
einschränkt.
Wenn dieses primäre
System versagt, wird dann ein sekundärer Kollisionsschutz gemäß der vorliegenden
Erfindung aktiviert.
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Weitere
Vorteile und Merkmale der vorliegenden Erfindung ergeben sich aus
der nachfolgenden Beschreibung bevorzugter Ausführungsbeispiele in Verbindung
mit der beigefügten
schematischen Zeichnung. In der Zeichnung zeigen:
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1 eine
schematische Darstellung des X/Y/Z-Achsantriebssystems einer Senkerosionsmaschine
mit den erfindungsgemäßen Meßsystemen; und
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2 eine
Detailansicht eines Ausführungsbeispiels
für einen
der X-, Y- oder Z-Antriebssysteme in 1.
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Im
nachfolgenden wird das erfindungsgemäße Verfahren und die entsprechende
Vorrichtung zur Störungserkennung
im Zusammenhang mit einem Antriebs- bzw. Achsantriebssystem einer
Senkerosionsmaschine beschrieben. Dies ist jedoch nicht einschränkend zu
verstehen, da die Erfindung einen breiten Anwendungsbereich für alle Arten
von Werkzeugmaschinen hat, wie etwa Fräs-, Bohr-, Spanmaschinen, etc.,
hat, bei denen vergleichbare Störfälle im oder
am Achsantriebssystem der Maschine auftreten können.
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Im
Blockschema der 1 sind die wesentlichen Bestandteile
eines X/Y/Z-Antriebssystems einer Senkerosionsmaschine angegeben.
Die übrigen Bestandteile
der Senkerosionsmaschine, wie Maschinengestell, Spülsystem,
Werkzeugtisch, etc., sind nicht dargestellt, da sie für das Verständnis der Erfindung
keine Rolle spielen und außerdem
von an sich bekannter Bauart sind. Für jede der drei Hauptachsen
in X-, Y- und Z-Richtung ist ein eigenes Antriebssystem vorgesehen.
Für die
Z-Achse zur Steuerung der Vorschubbewegung einer Senkelektrode 10 in
Z-Richtung besteht das Antriebssystem aus einem Servomotor 12,
z. B. ein Wechselstrom-Asynchronmotor, der ausgangsseitig über einen
Keil- oder Zahnriemen 14 mit einer aus mehreren Übertragungsgliedern
bestehenden Vorschubmechanik 16 zur Wandlung der Drehbewegung
des Servomotors 12 in eine lineare Bewegung gekoppelt ist.
Ein Beispiel einer derartigen Vorschub- und Übertragungsmechanik 16 wird
im Zusammenhang mit 2 später näher erläutert. Am vorderen freien Ende
der Vorschubmechanik 16 wird die Senkelektrode 10 gehalten,
mit welcher ein auf einem nicht dargestellten Arbeitstisch eingespanntes
Werkstück 20 senkerodiert wird.
Die Antriebssysteme für
die X- und Y-Achsen sind ähnlich
aufgebaut. Es sind auch hier für
jede Achse ein Servomotor 22 bzw. 24 vorgesehen,
die jeweils über
Keil- oder Zahnriemen 23 bzw. 25 mit einer X-Vorschubmechanik 26 bzw.
einer Y-Vorschubmechanik 27 gekoppelt. Die X- und Y-Vorschubmechaniken 26, 27 sind
in 1 nur schematisch angedeutet. Sie sind in der
Praxis bevorzugt miteinander in Serie gekoppelt und bestehen meistens
aus einem kartesischen X/Y-Kreuztisch mit kreuzgekoppelten X- und
Y-Bewegungsschlitten. Über
diesen X/Y- Kreuztisch
wird das Werkstück 20 in
der X/Y-Ebene relativ zur Senkelektrode 10 bewegt.
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Jedes
der X/Y/Z-Antriebssysteme verfügt über eine
eigene Achssteuerungseinheit, nämlich eine
Achssteuerungseinheit 28 für den X-Antrieb, eine Achssteuerungseinheit 29 für den Y-Antrieb
und eine Achssteuerungseinheit 30 für den Z-Antrieb, welche die
zum senkerosiven Bearbeiten des Werkstückes 20 notwendige,
die Senkkontur bestimmende Vorschubbewegung der Senkelektrode 10 und ggf.
eine Relativbewegung in X/Y-Ebene zwischen der Senkelektrode 10 und
dem Werkstück 20 steuern.
Hierzu geben die X-, Y- und Z-Achssteuerungseinheiten 28, 29, 30 die
entsprechenden Positionssignale an die Servomotoren 12, 22, 24 aus.
Die Positionsdaten zur Erzeugung der X-, Y- und Z-Stellsignale erhalten
die jeweiligen Achssteuerungseinheiten 28, 29, 30 aus
einer zentralen CNC-Steuerungseinheit 60 der
Senkerosionsmaschine. In der CNC-Steuerungseinheit 60 werden
die programmierten oder z. B. aus einem übergeordneten Rechner erhaltenen Bahn- und Konturdaten
bevorzugt einer Feininterpolation und ggf. einer Bahnkorrekturprozedur
unterworfen und dann in Form von Positionssignalen Xpos Ypos und Zpos an die
jeweiligen X-, Y- und Z-Achssteuerungseinheiten 28, 29, 30 ausgegeben.
Die CNC-Steuerungseinheit 60 der Senkerosionsmaschine steht
im Übrigen
mit einer Generator- und Prozeßsteuerungseinheit 61 in
Verbindung, welche die aktuellen Bearbeitungsbedingungen, wie Bearbeitungsstrom,
Bearbeitungsspannung, Impulspausenzeiten, Spülung, etc., steuert. Aus diesen
Größen gewinnt
die CNC-Steuerungseinheit 60 die
aktuellen Bahngeschwindigkeits- und
Vorschubgeschwindigkeitsdaten, welche als Geschwindigkeitssignale
VX, VY und VZ an die jeweiligen Achssteuerungseinheiten 28, 29 und 30 zur
Lage- und Geschwindigkeitsregelung weitergegeben werden.
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Erfindungsgemäß werden
durch Messung einer durch ein Antriebssystem eingestellten Position an
verschiedenen, mindestens aber zwei, Orten einer mechanischen Übertragungskette
des Antriebssystems Störungsfälle erfaßt und geeignete
Gegenmaßnahmen
eingeleitet. Wie aus 1 ersichtlich ist, sind für das Z-Antriebssystem
zur Bestimmung der Z-Position der Senkelektrode 10, oder
besser der Position eines die Senkelektrode 10 tragenden Schlittens
(vgl. 2) der Z-Vorschubmechanik 16, zwei Meßsysteme
vorgesehen. Zur Positionsmessung ist einmal parallel zur Vorschubmechanik 16,
d. h. parallel zum Weg des zu verfahrenden Schlittens, ein Linearmeßsystem 70 angeordnet,
welches die absolute Position der Z-Vorschubmechanik 16 direkt mißt und ein
Positionsmeßsignal
Zpos1 an die Z-Achssteuerungseinheit 30 übermittelt.
Eine bevorzugte Ausführung
des Linearmeßsystems 70 ist
in 2 detaillierter dargestellt. Zusätzlich ist
mit der Rotorwelle des Servomotors 12 ein indirektes rotatorisches
Meßsystem 80 gekoppelt,
das ein induktiver Resolver, ein Inkremental-Encoder oder jede andere Art
von dynamischen und hochauflösenden
Drehwinkelsensor sein kann. Mit einem derartigen Drehwinkelsensor 80 wird
die Z-Position des Schlittens der Z-Vorschubmechanik 16 und
damit die Z-Position
der Senkelektrode 10 indirekt ermittelt, indem die jeweilige
Rotorlage des Servomotors 12 gemessen und unter Berücksichtigung
des Übertragungsverhaltens des
Zahnriemens 14 und der Übertragungs-
und Vorschubmechanik 16, z. B. der Steigung eines Spindeltriebes,
auf die entsprechende Z-Position der Z-Vorschubmechanik 16 geschlossen
wird. Aus dem Drehwinkelsensor 80 erhält demnach die Z-Achssteuerungseinheit 30 ebenfalls
ein Z-Positionsmeßsignal Zpos2
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Die
Meßauflösung des
indirekten Meßsystems
80 ist
bevorzugt um ein Vielfaches größer als diejenige
des direkten Linearmeßsystems
70,
so daß das
indirekte Meßsystem
80 für die Lageregelung
der Z-Vorschubbewegung bestens geeignet ist. Es sind aber auch Fälle denkbar,
bei welchen die Lageregelung nur mit dem direkten Linearmeßsystem
70 oder zur
Verbesserung der Regelgenauigkeit durch Kombina tion der Meßsysteme
70 und
80,
durchgeführt wird,
so wie beispielsweise in der
DE 34 26 863 A1 vorgeschlagen. Bei einer
Lageregelung mit dem Linearmeßsystem
70 schließt der Regelkreis
die gesamte Übertragungskette
ein, so daß etwaige Übertragungsfehler
der Mechanik vom Längenmeßsystem
70 erkannt
und von der Regelelektronik ausgeregelt werden. Für die Lage-
und Geschwindigkeitsregelung des Z-Vorschubes umfaßt die Z-Achssteuerungseinheit
30 einen
PID-Positions- und Geschwindigkeitsregler
31, in welchen
die Positionsmeßsignale
Z
pos2 sowie entsprechende Geschwindigkeitssignale
v
Z für
eine dynamische Regelung aus dem Drehwinkelsensor
80 und
die Positionsmeßsignale
Z
pos1 aus dem Linearmeßsystem
70 zur Verbesserung
der Regelgenauigkeit zurück
geführt
werden. Dem PID-Regler
31 ist ein PID-Stromregler
32 und
ein Verstärker
33 zur Übertragung
der Steuerungssignale an den Servomotor
12 nachgeschaltet. Über eine Stromrückführungsschleife
in den PID-Stromregler
32 erfolgt
außerdem
eine Zustandsreglung.
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Die
X- und Y-Achssteuerungseinheiten 28, 29 sind ähnlich wie
die Z-Achssteuerungseinheit 30 aufgebaut. Ebenso verfügen die
Servomotoren 22 und 24 über Drehwinkelsensoren 81, 82 zur
indirekten Messung der Position der zu bewegenden Maschinenteile,
d. h. des X-Tisches bzw. des Y-Tisches. Diese
Positionsmessung wird zur dynamischen Lageregelung verwendet. Eine
zusätzliche
direkte Positionsmessung ist im X- und Y-Antriebssystem jedoch nicht
vorgesehen.
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Das
vorliegende erfindungsgemäße Ausführungsbeispiel
nutzt die Kombination von direkter und indirekter Messung der eingestellten
Z-Position anhand des Linearmeßsystems 70 (am
Ende der Übertragungskette)
und des Drehwinkelsensors 80 (am Anfang der Übertragungskette)
zur Erfassung von möglichen
Störfällen im
Z-Antriebssystem der Senkerosionsmaschine.
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Etwaige
Störfälle innerhalb
der Übertragungskette
von Servomotor 12 zum Schlitten der Vorschubmechanik 16 oder
von außen
induzierte Störfälle am Z-Vorschub
bewirken eine Verschiebung der absoluten Position Zpos1 der
Z-Vorschubmechanik 16 gegenüber der
mit dem Drehwinkelsensor 80 indirekt erfaßten Position
Zpos2, d. h. in der Regel wird der direkte
Meßwert
Zpos1 hinter dem indirekten Meßwert Zpos2 "zurückbleiben". Eine Differenz
zwischen den Positionsmeßwerten
Zpos2 – Zpos1 = Δ wird
als Kriterium für
das Auftreten einer Fehlfunktion oder eines Störfalles im Z-Antriebssystem
verwendet. Beispielsweise können
im Laufe der Zeit mechanische Defekte oder Spiele, Losen oder Elastizitäten durch
Abnutzung oder Materialermüdung
in der Übertragungs- und
Vorschubmechanik 16 oder elektrische Defekte am Servomotor 12 auftreten.
Ein nicht ordnungsgemäßer Betrieb
des Z-Antriebssystems wird häufig aber
auch durch eine Kollision zwischen der Senkelektrode 10 und
dem Werkstück 20 oder
einem anderen Hindernis im Arbeitsraum der Senkerosionsmaschine
hervorgerufen werden. Beim Auftreten einer Kollision nimmt der Positionsdifferenzwert Δ im Augenblick
der Kollision rapide zu. Dieser Differenzwert wird durch eine in
der Z-Achssteuerungseinheit 30 vorgesehene
Rechnereinheit 35 laufend ermittelt und mit in der Rechnereinheit 35 abgelegten
Schwellenwerten Δthres verglichen. Erreicht bzw. überschreitet der
ermittelte Differenzwert Δ einen
vorgegebenen Schwellenwert oder überschreitet
die ermittelte Differenzwertsteigung eine vorgegebene Schwellwertzunahme,
erzeugt die Z-Achssteuerungseinheit 30 ein Unterbrechungssignal
für den
Servomotor 12, so daß die
Z-Vorschubbewegung
sofort gestoppt und in bestimmten Fällen aufgrund eines weiteren
Steuerungssignals aus der Rechnereinheit 35 auf der Verschiebungsbahn
vor der Kollision in einen kollisionsfreien Zustand zurückgefahren
wird.
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Der
Positionsdifferenzwert Δ liefert
eine sehr zuverlässige
und sensible Größe für das Auftreten
einer Kollision. Aufgrund der hohen Meßgenauigkeit und der guten
Dyna mik des indirekten Meßsystems 80 am
Servomotor 12 kann die Z-Achssteuerung 30 bei
einer Kollisionserfassung ohne Verzögerung reagieren und die Vorschubbewegung
unterbrechen. In der Regel treten dann bei einer Kollision lediglich elastische
Deformationen des Antriebsstranges auf, aber keine ernsthaften Folgeschäden an der
Maschine oder am Werkstück,
so daß die
Senkerosionsmaschine ohne Ausfall sofort weiter betrieben werden kann.
Die in der Rechnereinheit 35 abgelegten Schwellwerte für die Positionsdifferenzwerte Δ können z.
B. aus einer Statistik oder individuell für eine bestimmte Maschine durch
Abfahren von Standard-Kollisionssituationen ermittelt werden. Bei
der letztgenannten Kalibrierprozedur werden neben den rein dynamischen
Störungseffekten
zusätzlich
auch Fertigungstoleranzen und Reibungseffekte in der Z-Übertragungs- und Vorschubmechanik
berücksichtigt.
Für die
Durchführung
von derartigen Kalibrierzyklen, die in zeitlichen Abständen wiederholt
werden können,
sieht die Rechnereinheit 35 der Z-Achssteuerungseinheit 30 entsprechende
Steuerungsmodule vor.
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Bei
der Festlegung der Schwellenwerte oder des Schwellenwertverlaufes
für die
Differenz Δ werden
auch die aktuellen Bearbeitungsbedingungen berücksichtigt, insbesondere die
momentane Geschwindigkeit, Beschleunigung und ggf. die träge Masse
des bewegten Maschinenteils, d. h. hier des Schlittens der Z-Vorschubmechnik 16 samt
der mitgeführten
Senkelektrode 10, die eine Verformung des Z-Vorschubstranges
bewirkende Massenkraft beim Beschleunigen desselben verursachen.
Auch dies führt
zu einer wenn auch geringen Differenz zwischen den Positionmeßwerten
Zpos1 und Zpos2,
ohne daß jedoch
ein Störfall
von der Rechnereinheit 35 angezeigt und irgendwelche besonderen
Maßnahmen am
Antriebssystem ausgelöst
werden sollen.
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Nach
einem weiteren Ausführungsbeispiel der
Erfindung wird das vorstehende Kollisionsschutzverfahren mit einem
präventiven
Kollisionsschutzverfahren kombiniert. Hierzu ist am vorderen Ende
der Z-Vorschubmechanik 16 ein in 1 schematisch dargestellter
induktiver oder kapazitiver Näherungssensor 71 vorgesehen,
der mit der Z-Achssteuerungseinheit 30 verbunden
ist und während
der Bearbeitung den Arbeitsraum laufend auf eine etwaige Kollision
mit Hindernissen im Arbeitsraum überwacht und
bei Unterschreiten eines vorgegebenen Mindestanstandes eine Schnellabschaltung
der Z-Vorschubbewegung bewirkt. Nach einem bevorzugten erfindungsgemäßen Verfahren
wird dieser aktive Kollisionsschutz als Primärschutz eingesetzt, d.h. die
auf der oben beschriebenen Differenzermittlung beruhende Kollisionserfassung
wird nur dann aktiviert, wenn der aktive Kollisionsschutz ausfällt oder
aus irgendwelchen anderen Gründen,
z. B. toter Winkel, nicht funktionieren sollte.
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2 zeigt
eine Detailansicht eines Antriebssystems, wie es in 1 beispielsweise
für die Z-Vorschubbewegung
beschrieben wurde. Einander entsprechende Bauteile tragen daher
die gleichen Bezugszeichen. Gemäß 2 treibt
ein Servomotor 12 über
eine Vorschubspindel 17 das zu bewegende Maschinenteil,
nämlich
einen Schlitten 18 an. Der Schlitten 18 ist auf
Führungsschienen 19 an
einem relativ dazu ruhenden Abschnitt des Maschinengestells in Richtung
des eingezeichneten Doppelpfeiles, z. B. die Z-Hauptachsenrichtung,
verschiebbar. Zur Übertragung
der Drehbewegung des Servomotors 12 in eine lineare Bewegung
des Schlittens 18 ist der Servomotor 12 ausgangsseitig über einen
Zahnriemen 14 mit der Vorschubspindel 17 gekoppelt.
Die Vorschubspindel 17 ist in einem Kugelgewinde 21 mit z.
B. vorgespannten Schrägkugellagern
einseitig fest gelagert.
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Zur
indirekten Positionsmessung ist unmittelbar am Servomotor 2 ein
Drehwinkelsensor 80 vorgesehen, z. B. ein Resolver oder
ein optischer Inkremental-Encoder. Zusätzlich ist parallel zur Vorschubspindel 17,
d. h. parallel zum Verfahrungsweg des Schlittens 18, ein
Linearmeßsystem 70 angeordnet. Dieses
umfaßt
einen länglichen
Maßstab 73,
der mit Maßstabstrichen
oder mit einem aus Beugungsgittern bestehenden Markierungsmuster
versehen ist, und einem Abtaster 72 z. B. in Form eines
Vertikalresonator-Lasers,
der mit dem Schlitten 18 mechanisch verbunden ist. Beim Überfahren
eines jeden Maßstabstriches
wird von dem Längenmeßsystem 70 ein Positionssignal
Zpos1 an die Achssteuerungeinheit der Senkerosionsmaschine übermittelt.
Die indirekte Messung der entsprechenden Position Zpos2 findet
mit dem Drehwinkelsensor 80 am Servomotor 12 statt
. Die Positionsmeßwerte
Zpos1 und Zpos2 werden
erfindungsgemäß zu einer
Störungserfassung
im Antriebssystem, insbesondere zur Kollisionserfassung, genutzt,
wie es vorstehend im Zusammenhang mit 1 beschrieben
ist.