Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf die Mikrostruk
turtechnik und insbesondere auf elektromechanische Bauele
mente.
Elektromechanische Bauelemente sind Bauelemente, die einen
mechanischen Effekt elektrisch erfassen bzw. elektrisch be
wirken. Beispiele für elektromechanische Bauelemente sind
Sensoren für lineare Beschleunigungen, Drehratensensoren,
Kraftsensoren, Drucksensoren, aber auch Mikroventile oder
Mikropumpen.
Beschleunigungssensoren beispielsweise, d. h. Sensoren zur
Erfassung einer linearen Beschleunigung, oder Drehratensen
soren zum Erfassen einer Winkelbeschleunigung, haben übli
cherweise eine bewegliche Masse, die über mindestens einen
Federbalken mit einem festen Rahmen verbunden ist. Wenn ein
Beschleunigungssensor einer Beschleunigung ausgesetzt wird,
verformt sich der Federbalken elastisch, und die Masse wird
ausgelenkt. Diese Auslenkung kann dann unter Verwendung
einer Vielzahl von bekannten Verfahren, wie z. B. kapazitiv,
induktiv, optisch etc., erfaßt werden.
Dagegen haben Mikroventile üblicherweise eine bewegliche,
elastische Struktur, die bei Anlegung eines geeigneten elek
trischen Signals einen Durchflußweg für ein Fluid verklei
nert oder vergrößert, d. h. die als mechanischen Effekt eine
Durchflußbegrenzung bewirkt.
Umgekehrt haben Mikropumpen üblicherweise eine Membran, die
elastisch ist bzw. elastisch aufgehängt ist, um ein Volumen
zu verändern. Eine Mikropumpe wird darüber hinaus auch Ven
tile aufweisen, um mit der Volumenänderung eine definierte
Fluidbeförderung zu erreichen. Der mechanische Effekt bei
Mikropumpen besteht somit in dem Transport bzw. der Dosie
rung eines Fluids.
Drucksensoren oder Kraftsensoren können ebenfalls eine
elastisch verformbare Membran aufweisen, die bei Vorliegen
eines bestimmten Drucks um einen bestimmten Grad elastisch
verformt, d. h. "ausgelenkt", wird, wobei diese Auslenkung
dann wieder wie beim Beschleunigungssensor auf verschiedene
Arten und Weisen erfaßt werden kann, um ein elektrisches
Signal zu erhalten, das den anliegenden Druck anzeigt. Sämt
liche genannten elektromechanischen Bauelemente umfassen ei
nen aktiven Teil, der durch den äußeren mechanischen Effekt
elastisch verformt wird, bzw. dessen elastische Verformung
zu dem mechanischen Effekt führt.
Solche elektromechanischen Bauelemente können eine inte
grierte Einrichtung zum Umwandeln des mechanischen Effekts
in einen elektrischen Effekt bzw. zum Umwandeln eines elek
trischen Effekts in einen mechanischen Effekt aufweisen.
Lediglich beispielhaft sei hier die bekannte Elektroden
struktur, z. B. in Form von Fingern oder einer Membran,
erwähnt, die eine erste Gruppe von Elektroden aufweist, die
mit einem beweglichen Teil verbunden ist, und die eine
zweite Elektrodengruppe aufweist, die mit einem festen Teil
verbunden ist, bezüglich dessen sich der bewegliche Teil
bewegt. Die beiden Elektrodengruppen sind ineinandergreifend
angeordnet, derart, daß eine relative Auslenkung des beweg
lichen Teils zum festen Teil eine Veränderung der Abstände
zwischen den Elektroden ergibt, die zu einer veränderten Ka
pazität der Fingeranordnung führt. Diese veränderte Kapazi
tät ist z. B. eine Funktion der auf den beweglichen Teil
wirkenden Beschleunigung. Im Falle eines Drucksensors kann
der mechanische Effekt beispielsweise durch Abstandsänderung
zwischen zwei flächigen Elektroden im Sinne eines Platten
kondensators bewirkt werden. Diese Kapazitätsänderung kann
unter Verwendung einer Wechselspannung gemessen werden.
Solche elektromechanischen Bauelemente werden üblicherweise
in miniaturisierter Form aus Siliziummaterial unter Verwen
dung der bei der Waferprozessierung bewährten Silizium
technologie hergestellt. Die Siliziumtechnologie ermöglicht
eine Massenproduktion, die dazu geführt hat, daß beispiels
weise kapazitive Beschleunigungssensoren, die unter Verwen
dung der Siliziumtechnologie hergestellt worden sind, eine
weite Verwendung erfahren haben, insbesondere im Bereich der
Automobiltechnik, wobei hier besonders Beschleunigungssenso
ren für Airbag-Systeme genannt seien.
Bei solchen Siliziumsensoren ist die träge Masse an dünnen
Federn aufgehängt und mit Elektrodenstrukturen versehen, die
zusammen mit feststehenden ähnlichen Elektrodenstrukturen
einen Kondensator bilden, dessen Kapazität sich bei Be
schleunigung ändert, wodurch die Beschleunigung elektronisch
detektiert werden kann. Siliziumbeschleunigungssensoren wer
den beispielsweise in Polysilizium-Oberflächenmikromechanik
von der Firma Bosch in Reutlingen hergestellt. Bei dieser
Technologie wird ein Wafer mit Sensorchips hergestellt und
anschließend mit einem ebenfalls mit Techniken der Silizi
um-Mikromechanik geeignet vorgefertigten Deckel-Wafer unter
anderem mit dem anodischen Bondverfahren verbunden, so daß
die empfindlichen mikromechanisch strukturierten Silizium-
Sensorstrukturen geschützt sind. Anschließend wird der Ver
bund-Wafer mit den verschlossenen Sensorchips vereinzelt.
Die einzelnen Sensor-Chips werden dann zusammen mit einem
Elektronik-Chip in ein geeignetes Gehäuse unter Verwendung
von Standardverfahren der Mikroelektroniktechnologie aufge
baut, um das fertige Sensorsystem zu erhalten. Die Sensorsy
steme können anschließend wie rein elektronische Bauelemente
weiterverarbeitet werden.
Vorteile dieser Siliziumbeschleunigungssensoren sind die
kleine Baugröße des Sensors und damit des Chips, die Her
stellbarkeit im Batch-Verfahren sowie die hohe Langzeitsta
bilität und Genauigkeit aufgrund der günstigen Eigenschaften
des verwendeten Siliziummaterials.
Nachteilig an solchen Systemen ist die Tatsache, daß solche
Sensoren aufgrund ihrer sehr kleinen Abmessungen bei den
Sensorstrukturen, wenn beispielsweise an Elektrodenstruktu
ren als Fingergruppen gedacht wird, und aufgrund des soge
nannten Sticking-Effekts praktisch hermetisch dicht gegen
Partikel und Feuchtigkeit geschützt werden müssen. Weiterhin
ist nachteilig, daß der gesamte Herstellungsprozeß trotz der
Batch-Fertigung und der Aufbautechnik der Elektroniktechno
logie immer noch sehr teuer ist, da neben dem Elektronik-
Chip auch zwei Silizium-Wafer mit mikromechanischen Verfah
ren hergestellt, verbunden und vereinzelt werden müssen.
Obwohl sich die Siliziumtechnologie sehr stark durchgesetzt
hat, was zu günstigeren Preisen für die gesamten Reinraum
anlagen und bereits zu einem hohen Automatisierungsgrad ge
führt hat, muß dennoch angemerkt werden, daß zur Waferpro
zessierung ein kompletter Reinraum sowie entsprechend ge
schultes Personal benötigt werden. Entscheidender Kosten
faktor ist somit nicht das Material selbst, sondern der Auf
wand bei der Herstellung, der im wesentlichen durch die be
nötigten Anlagen und die aufzuwendenden Personalkosten be
stimmt ist.
Die DE 44 02 119 A1 offenbart eine Mikromembranpumpe, wobei
die Membran aus Titan und die Ventile aus Polyimid
hergestellt sind. Alternativ kann die Membran aus Polyimid
bestehen, auf dem eine Heizwendel aufgebracht ist.
Das US-Patent Nr. 5,836,750 offenbart eine elektrostatisch
betriebene Mesopumpe mit einer Mehrzahl von Elementarzellen.
Eine Pumpmembran kann aus metallbeschichteten Polymeren, aus
Metall oder aus einem leitfähigen flexiblen elastischen
Polymer hergestellt werden.
Die DE 197 20 482 A1 offenbart eine Mikromembranpumpe mit
einer Membran aus PC oder PFA. Ein Piezoaktor kann auf einem
Messingblech angebracht sein, welches wiederum auf der
Pumpmembran aufgebracht ist.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung besteht darin, preis
günstigere elektromechanische Bauelemente und Verfahren zum
Herstellen derselben zu schaffen, die dennoch mechanische
und elektrische Eigenschaften haben, die mit denen von Sili
zium-Bauelementen vergleichbar sind.
Diese Aufgabe wird durch ein elektromechanisches Bauelement
gemäß Patentanspruch 1 sowie durch ein Verfahren zur Her
stellung eines elektromechanischen Bauelements gemäß Patent
anspruch 21 gelöst.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde,
daß zur Herstellung wirklich preisgünstiger elektromechani
scher Bauelemente von der etablierten Siliziumtechnologie
weggerückt werden muß. Erfindungsgemäß wird als Ausgangsma
terial ein Polymerwerkstoff verwendet, der beispielsweise
unter Verwendung der ebenfalls gut etablierten Spritzguß
technik und/oder Prägetechnik in nahezu beliebige Formen und
Strukturen verarbeitet werden kann. Polymermaterialien sind
im allgemeinen ebenfalls sehr preisgünstig. Der entschei
dende Vorteil liegt jedoch in der Herstellungstechnik. Die
maschinellen Anlagen zur Durchführung der Polymerverarbei
tung sind wesentlich weniger aufwendig und damit wesentlich
preisgünstiger als die entsprechenden maschinellen Anlagen
für die Silizium-Technologie. Polymermaterialien haben eben
falls je nach Zusammensetzung elastische Eigenschaften, die
dazu verwendet werden können, um Federbalken mit definierten
Auslenkungseigenschaften herzustellen.
Problematisch an Polymermaterialien ist jedoch, daß solche
Kunststoffe Fließeigenschaften haben, die zu bedeutenden
Problemen bezüglich der Langzeitstabilität führen, wenn
keine Vorkehrungen getroffen werden. Erfindungsgemäß wird
dieses Problem dadurch gelöst, daß mechanisch aktive Teile
des Polymerkörpers, den das elektromechanische Bauelement
aufweist, mit einer Metallschicht versehen werden. Dadurch
ensteht ein Kunststoff-Metall-Verbundsystem, das ähnlich
gute Eigenschaften erreichen kann, wie ein Bauteil, das
vollständig aus Metall oder Silizium ist. Dies ist darauf
zurückzuführen, daß die äußeren Metalloberflächen die mecha
nischen Parameter, wie beispielsweise die Steifigkeit bzw.
das Flächenträgheitsmoment, stärker beeinflussen als der
Kunststoffkern. Als Metallschicht selbst kann beispielsweise
Gold verwendet werden. Zur weiteren Kostenreduktion kann
jedoch auch eine Metallschicht aus Nickel, Kupfer etc. ein
gesetzt werden. Mechanisch aktive Teile sind bei dem be
schriebenen Beschleunigungssensor die Federbalken, über die
die seismische Masse an dem festen Rahmen aufgehängt ist. Im
Falle von elektromechanischen Bauelementen, die Membranen
aufweisen, umfaßt der mechanisch aktive Teil auch die Mem
bran, die elastisch verformbar ist und ohne Metallschicht
aufgrund der Fließeigenschaften des Kunststoffmaterials eine
zu geringe Langzeitstabilität hätte.
Bei einem besonders bevorzugten Ausführungsbeispiel besteht
das elektromechanische Bauelement aus einem Zwei-Komponen
ten-Polymerkörper, der einen ersten Teil aus einem ersten
Polymermaterial aufweist, das naßchemisch metallisierbar
ist, und der einen zweiten Teil aus einem zweiten Polymerma
terial aufweist, das naßchemisch nicht metallisierbar ist.
So ist es möglich, durch ein Zwei-Schuß-Spritzgußverfahren
die nötigen Metallisierungen zu definieren, d. h. die Me
tallisierung der mechanisch aktiven Teile zur Verbesserung
der mechanischen Stabilität derselben, jedoch auch die Me
tallisierungen, die zur Umsetzung des mechanischen Effekts
in ein elektrisches Signal nötig sind, wie z. B. Finger
strukturen, Kondensatorplatten, aber auch die erforderlichen
Leiterbahnen des elektromechanischen Bauelements zu einem
internen elektronischen Schaltkreis, der hybrid in den Poly
merkörper eingesetzt wird bzw. auf dem Polymerkörper befe
stigt wird, oder zu einem äußeren Stecker.
Der wesentliche Vorteil des erfindungsgemäßen Verfahrens ist
die außerordentliche Kostenreduktion gegenüber Silizium-
Technologie hergestellten elektromechanischen Bauelementen.
Die minimalen Strukturgrößen, die derzeit durch die Kunst
stoffverarbeitung erreicht werden können, liegen zumindest
heute noch deutlich über denen der Silizium-Mikromechanik.
Dadurch werden vor allem die Abmessungen der Federn und die
Abstände zwischen Kondensatorelektroden beeinträchtigt. Um
das elektrische Rauschen des Sensorsystems zu minimieren,
muß eine Mindestkapazität erreicht werden, was bei der Sili
ziumtechnologie über sehr geringe Elektrodenabstände er
reicht werden muß. Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren muß
dies jedoch nicht über eine immer weitere Miniaturisierung
mit ihren entsprechenden Problemen erkauft werden, sondern
durch eine Erhöhung der Baugrößen, da wesentlich kostengün
stigere Werkstoffe als Silizium zum Einsatz kommen, und da
das bevorzugte Spritzgießverfahren keine wesentlichen Begrenzungen
für die Höhe von beispielsweise schwingenden Mas
sen aufweist, was jedoch bei der Verwendung von Polysilizium
sehr wohl der Fall ist.
Andererseits hat die Ur- bzw. Abformtechnik mit polymeren
Werkstoffen bekanntermaßen auch das Potential, um auch
Strukturen im Mikrometerbereich herstellen zu können. Dazu
wird es bevorzugt, das Spritzgießverfahren mit einem Spritz
prägeverfahren zu kombinieren, oder auch mit dem bekannten
Heißprägeverfahren.
Die größere Bauform und Baugröße des erfindungsgemäßen elek
tromechanischen Bauelements bringt den Vorteil mit sich, daß
die Empfindlichkeit für Partikel und Verunreinigungen nicht
so groß ist. Darüber hinaus kann zur Erhöhung der Robustheit
die gesamte metallisierte Oberfläche mit einer dichten dün
nen Goldschicht überzogen werden, um auch die Feuchte- und
Umweltempfindlichkeit des Sensorsystems zu verbessern, so
daß die Anforderungen an eine Verkapselung deutlich geringer
werden als bei Silizium-Bauelementen.
Vorzugsweise wird als Verfahren zum Bilden der Metallschich
ten das Verfahren der außenstromlosen chemischen Metallisie
rung eingesetzt. Dieses Verfahren kann günstigerweise mit
dem Verfahren der galvanischen Verstärkung der Metallschich
ten kombiniert werden, wodurch durch Steuern der Metalldicke
beim galvanischen Verstärken sowohl der Elektrodenabstand
für Elektrodenstrukturen als auch die Eigenfrequenz des Sen
sorelements genau gesteuert und für den bestimmten Anwen
dungsbereich optimiert werden können. Das erfindungsgemäße
Verfahren liefert auch das Potential, die Masse der bewegli
chen trägen Struktur am Beispiel des Beschleunigungssensors
bzw. die Masse und auch das Elastizitätsmodul einer Membran
im Falle von Mikroventilen bzw. Mikropumpen durch Steuern
der Menge des Metalls, das aufgewachsen wird, sehr genau
festzulegen. Weiterhin besteht die Möglichkeit, die seismi
sche Masse bei Inertialsensoren durch das Umspritzen eines
eingelegten Metallkörpers zu erhöhen.
Schließlich wird die gesamte Palette der Kunststoffspritz
gußtechnik, beispielsweise die Verwendung von Ausrichtungs
stiften/Löchern, von Schnappverbindungen zum unlösbaren Ver
binden oder von angespritzten Dichtungen und/oder extern
eingesetzten Dichtungen eröffnet, die im Vergleich zur Sili
ziumtechnologie extrem preisgünstig sind und nahezu den
gleichen Effekt erreichen können.
Schließlich umfaßt der Herstellungsprozeß im Vergleich zur
Siliziumtechnologie eine geringe Anzahl von Schritten, wo
durch der Ausschuß während der Produktion und damit auch die
Kosten gering gehalten werden können.
Bevorzugte Ausführungsbeispiele der vorliegenden Erfindung
werden nachfolgend bezugnehmend auf die beiliegenden Zeich
nungen detailliert erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Draufsicht des elektromechani
schen Bauelements gemäß der vorliegenden Erfindung;
Fig. 2 eine schematische Seitenansicht des elektromechani
schen Bauelements mit Gehäuseboden und Gehäuse
deckel gemäß einem bevorzugten Ausführungsbeispiel
der vorliegenden Erfindung;
Fig. 3 eine Seitenansicht des elektromechanischen Bauele
ments in Kombination mit einem SMD-Bauelement zur
elektrischen Ansteuerung und/oder Auswertung;
Fig. 4 eine Seitenansicht des elektromechanischen Bauele
ments mit Federkontakten zur Kontaktierung eines
elektronischen Schaltkreises;
Fig. 5 eine Seitenansicht des elektromechanischen Bauele
ments mit einer Feder und Kontakthügeln zur Kontak
tierung eines elektronischen Schaltkreises; und
Fig. 6 eine Seitenansicht des elektromechanischen Bauele
ments mit Kleber-Kontakthügeln zur Kontaktierung
eines elektronischen Schaltkreises.
Fig. 1 zeigt ein elektromechanisches Bauelement, das allge
mein mit dem Bezugszeichen 10 gekennzeichnet ist. Das elek
tromechanische Bauelement 10 weist einen Polymerkörper 12
auf, der einen mechanisch aktiven Teil hat, der die beiden
Federbalken 14a, 14b sowie eine seismische Masse 14c auf
weist. Das elektromechanische Bauelement 10, das in Fig. 1
gezeigt ist, ist ein Sensor zur Messung einer mechanischen
Beschleunigung. Beispielhaft wurde bei dem in Fig. 1 gezeig
ten Beschleunigungssensor das kapazitive Erfassungsprinzip
eingesetzt, das eine Elektrodenstruktur mit einer ersten
Elektrodengruppe 16a, die an einem feststehenden Rahmen 18
angebracht sind, sowie eine zweite Elektrodengruppe 16b
umfaßt, die Finger aufweist, die an der seismischen Masse
14c befestigt sind. Das elektromechanische Bauelement 10,
das in Fig. 1 als Beschleunigungssensor dargestellt ist,
umfaßt ferner irgendeinen elektronischen Schaltkreis (Chip)
20 sowie einen Anschlußstecker 22, der ebenfalls ein Teil
des Polymerkörpers 12 ist, d. h. der Anschlußstecker 22 und
der feste Rahmen sowie der mechanisch aktive Teil sind alle
aus Polymermaterial gebildet. Zur Ansteuerung bzw. Auslesung
der Elektrodenstruktur 16a, 16b umfaßt das elektromechani
sche Bauelement ferner Leiterbahnen 24a bis 24c, die sowohl
die bewegliche Masse als auch die beiden ersten Elektroden
gruppen 16a der Fingerstrukturen über Bonddrähte 26 mit dem
Chip bzw. mit entsprechenden Anschlußflächen des Chips ver
binden. Darüber hinaus umfaßt das elektromechanische Bauele
ment 10 weitere Leiterbahnen 28a bis 28d, die einerseits
ebenfalls über Bonddrähte mit dem Chip 20 verbunden sind,
und die andererseits in breitere Enden übergehen, um mit dem
Polymerkörper 12 einen Anschlußstecker, der beim in Fig. 1
gezeigten Ausführungsbeispiel vier Kontakte hat, zu bilden.
Wenn das elektromechanische Bauelement 10 einer linearen Be
schleunigung unterzogen wird, so wird die seismische (träge)
Masse 14c bezüglich des festen Rahmens 18 ausgelenkt, was zu
einer elastischen Verformung der Federbalken 14a, 14b führt.
Die Verschiebung der Masse 14c führt zu einer veränderten
Kapazität, die unter Verwendung der ersten und zweiten Fin
gergruppen 16a, 16b erfaßt werden kann und in dem IC 20 be
reits "an Ort und Stelle" verarbeitet werden kann, um über
den Steckerbereich 22 ausgegeben zu werden.
Wie es bereits erwähnt worden ist, würde die Langzeitstabi
lität eines solchen elektromechanischen Bauelements nicht
besonders groß sein, da Polymermaterialien üblicherweise ein
Fließverhalten über der Zeit haben. Anders ausgedrückt führt
eine ständige Verformung der beiden Federbalken 14a, 14b mit
der Zeit dazu, daß neben der elastischen Verformung auch
eine plastische Verformung auftritt, wodurch der Sensor mit
der Zeit Empfindlichkeit verlieren und schließlich unbrauch
bar werden würde. Erfindungsgemäß wird dieses Problem da
durch gelöst, daß eine Metallschicht 30 vorgesehen wird, die
den mechanisch aktiven Teil zur mechanischen Stabilisierung
desselben zumindest teilweise bedeckt. Bei dem in Fig. 1
gezeigten Ausführungsbeispiel umfaßt der mechanisch aktive
Teil zum einen die Federn 14a, 14b als auch die seismische
Masse 14c. Zur erfindungsgemäßen Stabilisierung, um eine
gute Langzeitstabilität zu erreichen und somit überhaupt den
Einsatz von Polymermaterialien für solche elektromechani
schen Bauelemente zu ermöglichen, werden die Federbalken mit
der Metallschicht versehen. Es ist jedoch nicht unbedingt
erforderlich, aus mechanischen Stabilisierungsgründen auch
die seismische Masse 14c zu metallisieren. Dies wird jedoch
im vorliegenden Fall aufgrund des kapazitiven Erfassungs
prinzips getan. Wenn kein kapazitives Erfassungsprinzip,
sondern irgendein anderes Erfassungsprinzip verwendet wird,
das keine Kontaktierung der beweglichen Masse 14c erfordert,
so müßten lediglich die Federbalken 14a, 14b metallisiert
werden, um ihre mechanischen Eigenschaften entscheidend zu
verbessern.
Ein weiterer Vorteil der vorliegenden Erfindung besteht
darin, daß die metallischen Schichten zur Stabilisierung,
die vorzugsweise so ausgeführt werden, daß sie die Balken
nicht nur teilweise, sondern vollständig umgeben, auch
gleichzeitig zur Leitung von elektrischen Signalen dienen
können. Hiermit wird auch die Resonanzfrequenz des Systems
erhöht, was beispielsweise bei Beschleunigungssensoren
wichtig ist.
Prinzipiell könnte der Polymerkörper 12 aus nur einem Poly
mermaterial bestehen, wobei die Strukturierung der kapaziti
ven Erfassungselektroden und auch der Federbalken beispiels
weise unter Verwendung eines Ein-Schuß-Spritzgußverfahrens
durchgeführt werden würde, um danach unter Verwendung einer
Schattenmaske die in Fig. 1 gezeigte Metallisierungsstruk
tur, d. h. die Metallschichten auf dem mechanisch aktiven
Teil zur Stabilisierung und die weiteren Metallschichten, um
die Leiterbahnen zu bilden, beispielsweise durch Aufdampfen
herzustellen.
Es wird jedoch bevorzugt, ein Zwei-Schuß-Spritzgußverfahren
einzusetzen, bei dem in einem ersten Schuß die Bereiche, die
später metallisiert werden sollen, unter Verwendung eines
naßchemisch metallisierbaren Polymermaterials hergestellt
werden, um dann in einem zweiten Schuß um das Ergebnis des
ersten Schusses herum den festen Rahmen zu spritzen. Diese
Zwei-Komponenten-Spritzgußtechnologie hat den Vorteil, daß
sich die Strukturierung der Metallisierung gewissermaßen von
selbst ergibt, wenn das Ergebnis des zweiten Schusses naß
chemisch metallisiert wird, da nur auf den Oberflächen, die
aus dem ersten Polymerwerkstoff bestehen, der metallisierbar
ist, eine Metallschicht gebildet wird, während auf den an
deren Oberflächen, die aus dem zweiten Polymermaterial be
stehen, das nicht naßchemisch metallisierbar ist, keine
Metallablagerung stattfindet.
Der metallisierte Teil des Polymerkörpers haftet an dem
nicht-metallisierten Teil per se aufgrund des Spritzgußver
fahrens. Um jedoch die Verbindungen zu verbessern, da ja
unter Umständen zumindest im Bereich der Federn mechanische
Kräfte wirken, werden vorzugsweise formschlüssige Veran
kerungen 32 vorgesehen, die dazu führen, daß die beiden
Polymerteile aus den unterschiedlichen Polymermaterialien
nicht nur aneinander haften, sondern auch formschlüssig
mechanisch miteinander verbunden sind. Hierzu bieten sich
beliebig gestaltete Verankerungsstrukturen an, die mit dem
Herstellungsverfahren in zumindest zwei Stufen kompatibel
sind.
Wie es in Fig. 1 gezeigt ist, muß der IC 20 nicht als ge
häuster Chip vorliegen, sondern derselbe kann auch als
Nackt-Chip mit entsprechenden Anschlußflächen vorgesehen
sein, die über die Bonddrähte 26 kontaktierbar sind.
Im nachfolgenden wird näher auf das bevorzugte Herstellungs
verfahren unter Verwendung der zwei verschiedenen Polymer
materialien für die beiden Spritzguß-Schüsse eingegangen.
Die Federn 14a, 14b, die seismische Masse 14c, die Elektro
den 16a, 16b sowie die Leiterbahnbereiche 24a bis 24c einer
seits als auch die Leiterbahnbereiche 28a bis 28d anderer
seits, die sich in den Steckerbereich 22 erstrecken, werden
mit dem ersten Schuß aus einem geeigneten metallisierbaren
ersten Polymerwerkstoff, beispielsweise aus Pd-dotiertem LCP
(LCP = Liquid Crystal Polymer, z. B. Vectra E 820 i der Fir
ma Hoechst) oder Polyamid (PA) 66 hergestellt. Dagegen wer
den der restliche Teil des festen Rahmens, die Isolations
gebiete und weitere Merkmale, wie z. B. Schnappverbinder,
auf die bezugnehmend auf Fig. 2 eingegangen wird, mit dem
zweiten Schuß aus dem zweiten Polymerwerkstoff hergestellt,
der in dem dann einzusetzenden Metallisierungsprozeß kein
Metall annimmt. Ein solcher Werkstoff ist beispielsweise
undotiertes LCP oder PA 66 etc. Für die Werkzeuggestaltung
kann es jedoch unter Umständen auch vorteilhaft sein, die
Reihenfolge beim Spritzgießprozeß umzukehren, d. h. zunächst
die nicht zu metallisierenden Strukturen zu spritzen und
dann die zu metallisierenden Strukturen.
Die Zwei-Komponenten-Spritzlinge werden anschließend in
einer naßchemischen Prozeßfolge so behandelt, daß sich an
der Oberfläche des ersten Polymerwerkstoffs eine Metall
schicht autokatalythisch abscheidet. Die wichtigsten Ar
beitsschritte bestehen dabei aus der Reinigung der Spritz
linge, der Temperung der Spritzlinge und der Sensibilisie
rung der Oberfläche derselben durch eine Oberflächenreak
tion, wie z. B. ein Anätzen der Oberfläche oder Aufquellen
und Bekeimen der Oberfläche mit Pd-Keimen.
Anschließend werden die Spritzlinge im autokatalythischen
Bad mit Metall beschichtet. Als Schichten kommen Kupfer oder
Nickel als Startschicht, Leiterschicht und Schicht zur me
chanischen Stabilisierung sowie Gold als löt- und drahtbond
bare Oberflächenschutzschicht in Frage. Typische Metall
schichtdicken liegen hierbei in der Größenordnung von 30 µm,
wobei jedoch Schichtspannungen bzw. die Schichthaftung auf
dem Polymerwerkstoff und insbesondere natürlich die Abschei
dedauer die Dicke begrenzen.
Daher wird es bevorzugt, die Schichtdicke vor der Vergoldung
durch eine galvanische Schicht, z. B. Nickel, zu verstärken.
Während sich außenstromlos abgeschiedene Metallschichten
durch eine sehr hohe Konformität der Schichten auszeichnen,
neigen galvanische Schichten bei feinen Strukturdetails zu
stark inhomogenen Schichtdicken, die sich negativ auf die
Geometrie der Bauelemente, insbesondere aber auf die Abstän
de zwischen den Elektroden oder auf die Federn und ihre
elastischen Eigenschaften auswirken können.
Aufgrund der Symmetrie der Struktur können bei einem bevor
zugten Herstellungsverfahren der vorliegenden Erfindung die
feststehenden metallisierten Gebiete in Form der Elektroden
16a als Hilfselektroden genutzt werden, um über das Anlegen
eines geeigneten Potentials eine homogenere Abscheidung auf
den Federbalken und auch auf der seismischen Masse zu er
reichen. Dabei scheidet sich auf der Hilfselektrode kein Me
tall ab. Für die galvanische Abscheidung ist eine elektrische
Kontaktierung der Gebiete erforderlich. Beim Anlegen
der Spannung kommt es zu einer anziehenden Kraft auf die
Sensorstruktur, die jedoch aufgrund der Symmetrie der Struk
tur insgesamt kompensiert wird.
Um jedoch sicher zu verhindern, daß sich die erste Elektro
dengruppe 16a und die zweite Elektrodengruppe 16b beim Anle
gen einer elektrischen Spannung dennoch berühren, bzw. für
unsymmetrische Strukturen, bei denen sich die Anziehungs
kräfte nicht aufheben, kann eine Hilfsverbindung 34 aus dem
ersten oder dem zweiten Polymermaterial eingesetzt werden.
Die Hilfsverbindung wird dann, nach Vollendung des Metalli
sierungsprozesses, wenn keine Potentialdifferenz mehr an die
Kammstruktur angelegt wird, entfernt, z. B. durch Ausstan
zen.
Ein weiterer Parameter, der bei dem bevorzugten Ausführungs
beispiel der vorliegenden Erfindung, bei dem der Polymer
körper aus zwei Polymerwerkstoffen besteht, berücksichtigt
werden muß, ist die Verbundfestigkeit zwischen den verschie
denen Polymerwerkstoffen. Wenn zwei LCP-Werkstoffe im Zwei-
Komponenten-Spritzgießverfahren ohne weitere Maßnahmen ver
bunden werden, entsteht eine u. U. zu geringe Haftfestig
keit. Um die Haftfestigkeit zwischen den Gebieten aus unter
schiedlichem Polymermaterial zu verbessern, werden daher die
bereits beschriebenen Verankerungen 32 eingesetzt, die ins
besondere vorteilhafterweise dort plaziert werden, wo die
höchsten mechanischen Belastungen auftreten, also u. a. im
Bereich der Verbindungen der Federn mit dem festen Rahmen.
Nach der Herstellung und Metallisierung des Kunststoff
spritzlings wird das elektromechanische Bauelement mit dem
elektronischen Schaltkreis 20 bestückt. Zur elektrischen
Kontaktierung können verschiedene Maßnahmen eingesetzt wer
den, auf die in den weiteren Figuren im einzelnen einge
gangen wird.
Fig. 2 zeigt eine Seitenansicht des elektromechanischen Bauelements
10, wobei, wie in Fig. 1, Bondverbindungen über
Bonddrähte 26 zum Kontaktieren des Chips 20 verwendet wur
den. Zur Erhöhung der Robustheit wird über den Bereich, in
dem sich der Chip 20 und die Bonddrähte 26 befinden, eine
Vergußmasse 36 aufgebracht. Fig. 2 zeigt ferner die Ausge
staltung der externen Leiterbahnen am Beispiel der Leiter
bahn 28d im Steckerbereich, die so gebildet ist, daß sie
sich um den Steckerbereich 22 herum erstreckt. In Fig. 2 ist
ferner gezeigt, daß das elektromechanische Bauelement unter
Verwendung eines Gehäusebodens 40 und eines Gehäusedeckels
42 eingekapselt wird, um es vor äußeren Einflüssen zu schüt
zen. Zur Verbindung des Polymerkörpers 12 mit sowohl dem
Gehäuseboden 40 als auch dem Gehäusedeckel 42 sind auf dem
Gebiet der Kunststofftechnik bekannte Schnappverbindungen
mit einem entsprechenden ersten Schnapphaken an der einen
Komponente und einem entsprechenden zusammenpassenden
Schnapphaken an der anderen Komponente vorgesehen, die all
gemein durch das Bezugszeichen 44 gekennzeichnet sind. Zur
Ausrichtung der beiden Komponenten sind ferner Ausrichtungs
stifte 46 an sowohl dem Gehäuseboden 40 als auch dem Gehäu
sedeckel 42 vorgesehen, die in entsprechende Ausrichtungs
löcher 48 einführbar sind. Zur Abdichtung des mechanisch
aktiven Teils sind ferner umlaufende Dichtungen sowohl an
dem Gehäusedeckel als auch an dem Gehäuseboden, die mit dem
Bezugszeichen 50 bezeichnet sind, vorgesehen. Diese Dichtun
gen können entweder unter Verwendung von Gummiringen reali
siert werden, oder aber auch durch an Gehäusedeckel und
Gehäuseboden angespritzte Dichtungskanten. Vorzugsweise
bestehen nämlich sowohl Gehäuseboden als auch Gehäusedeckel
ebenfalls aus dem Polymermaterial, und im Falle des Zwei-
Komponenten-Ausführungsbeispiels zumindest teilweise aus dem
Polymermaterial, das metallisierbar ist, um eine Metallisie
rung sowohl an der Außenseite des Gehäusebodens als auch an
der Außenseite des Gehäusedeckels, die mit dem Bezugszeichen
52 gekennzeichnet ist, zu erreichen, um eine elektromagneti
sche Abschirmung sicherzustellen, wodurch sowohl das Rau
schen als auch die Empfindlichkeit des gesamten elektrome
chanischen Bauelements verbessert werden können.
Als Alternative zu der Verbindung des Polymerkörpers mit dem
Gehäusedeckel 42 bzw. mit dem Gehäuseboden 40 unter Verwen
dung der Schnappverbinder 44 kann auch ein geeigneter Kleb
stoff oder ein Schweißverfahren eingesetzt werden. Geeignete
Schweißverfahren sind das Ultraschallschweißen oder das
Laserschweißen, insbesondere mit Diodenlasern. Wie es be
reits erwähnt worden ist, kann zur Vereinfachung des Zusam
menfügeprozesses die Anordnung aus Führungsstiften 46 und
Führungslöchern 48 zur Justierung von Gehäusedeckel 42 und
Gehäuseboden 40 verwendet werden.
Als Alternative zu der Konstruktion des elektromechanischen
Bauelements unter Verwendung des Polymerkörpers, des Gehäu
sebodens 40 und des Gehäusedeckels 42, d. h. zur Konstruk
tion des elektromechanischen Bauelements aus drei Komponen
ten, wird bei einem bevorzugten Ausführungsbeispiel das Sen
sorelement von nur einer Seite aus mit einem Gehäusedeckel
verschlossen, während die andere Seite bereits beim Herstel
lungsprozeß des Polymerkörpers verschlossen wird. In anderen
Worten ausgedrückt wird bei dem Bilden des Polymerkörpers
gleichzeitig auch der Gehäuseboden gebildet, was durch eine
geeignete Gußform ohne weiteres erreicht werden kann.
Der Gehäusedeckel muß jedoch so gestaltet sein, daß er nach
träglich aufgesetzt werden kann, um das elektromechanische
Bauelement mit dem Chip 20 zu bestücken. Wenn jedoch auf
einen bereits in dem elektromechanischen Bauelement einge
brachten Chip verzichtet wird, d. h. wenn die Anschlußflä
chen der Leiterbahnen 24a bis 24c (Fig. 1) bis zum Stecker
bereich 22 "herausgezogen" werden, ist es prinzipiell auch
möglich, das gesamte elektromechanische Bauelement unter
Verwendung einer geeigneten Gußform in einem Zug zu bilden,
da im Falle der Verwendung des naßchemischen Metallisie
rungsverfahrens im katalythischen Bad im Gegensatz zu den
bekannten Siliziumtechnologien die zu metallisierenden Ober
flächen nicht von oben zugänglich sein müssen, da das auto
katalythische Bad in die Hohlräume eintritt und überall dort
zur Metallabscheidung führt, wo als Polymermaterial das Ma
terial vorhanden ist, auf dem Metall unter Verwendung des
naßchemischen Verfahrens aufgebracht werden kann.
Um eine höhere geometrische Genauigkeit der mechanisch akti
ven Teile des Polymerkörpers, d. h. der Federbalken 14a, 14b
und der beweglichen Masse 14c im Falle des Beschleunigungs
sensors, zu schaffen, kann statt des Spritzgußverfahrens
auch ein Spritzprägeverfahren oder ein Heißprägeverfahren
verwendet werden, um die dann erhaltenen Prägeteile zu um
spritzen, um den fertigen Polymerkörper zu bilden, bei dem
nun jedoch der mechanisch aktive Teil und im Falle der Ver
wendung einer kapazitiven Auswertung auch die zweite Elek
trodengruppe, d. h. die an dem Rahmen 18 angebrachten festen
Finger, eine noch genauer definierte geometrische Form ha
ben. Sowohl das Spritzprägeverfahren als auch das Heißpräge
verfahren erlauben eine sehr hohe Strukturfeinheit und be
sonders einen geringen Bauteilverzug, der aufgrund von Aus
richtungseffekten der Polymere auftreten kann, wenn ledig
lich ein Spritzgußverfahren eingesetzt wird.
Um Probleme aufgrund des Stickings bzw. der Adhäsion zwi
schen mechanisch aktivem Teil und Rahmen während der Her
stellung aber auch während des Betriebs zu vermeiden, wird
es bevorzugt, Ausnehmungen am mechanisch aktiven Teil oder
am Rahmen zu formen, um Abstandshalter zu definieren, die
ein Aneinanderhaften des mechanisch aktiven Teils und des
Rahmens bei Bewegung und Berührung verhindern.
In den nachfolgenden Fig. 3 bis 6 werden weitere Möglich
keiten zum Kontaktieren des Chips 20 an dem metallisierten
Polymerkörper 12 beschrieben. Wie es in Fig. 3 gezeigt ist,
muß der Chip 20 nicht unbedingt als sogenannter Nackt-Chip
vorliegen, sondern er kann auch in Form eines SMD-Bauele
ments (SMD = Surface Mount Device), d. h. einem gehäusten
und mit Anschlüssen 60 versehenen Bauelement, vorliegen,
wobei die Anschlüsse 60 auf die Anschlußflächen der Leiter
bahnen 24a bis 24c bzw. 28a bis 28d (Fig. 1) aufgesetzt und
dann entweder leitfähig verklebt oder aber bevorzugterweise
mit den Anschlußflächen verlötet werden. Die Verwendung von
einfach handhabbaren SMD-Bauelementen, die zugleich aufgrund
der Massenproduktion in hohen Stückzahlen mit standardisier
ten Maßen vorliegen, ist aufgrund der im Vergleich zu Sili
ziumsensoren erreichbaren großen Höhe und Breite der elek
tromechanischen Bauelemente aus Polymer möglich. Das elek
tromechanische Bauelement selbst kann außer mit einem
Steckeranschluß zur Kontaktierung auch als SMD-Bauelement
ausgeführt sein.
Eine weitere günstige Variante der Kontaktierung des elek
trischen Schaltkreises, der nun wieder als Nackt-Chip 20
vorliegt, ist in Fig. 4 gezeigt. Bei dieser Variante wird
der Chip 20 nicht durch Löten, Kleben, Bonden und derglei
chen kontaktiert, sondern lediglich durch Federkraft unter
Verwendung metallisierter Federkontakte 62. Bei einem sol
chen Ausführungsbeispiel der vorliegenden Erfindung wird, um
eine einfachere Konstruktion der Federkontakte 62 zu erhal
ten, eine Vertiefung 64 in dem Polymerkörper 12 vorgesehen,
die durch ein entsprechendes Spritzgießwerkzeug ohne weite
res erhalten werden kann. Vorzugsweise wird die Vertiefung
so dimensioniert, daß, wie es in Fig. 4 gezeigt ist, die
Oberfläche des Chips 20 mit der Oberfläche des Polymerkör
pers 12 im wesentlichen bündig ist. Anschließend wird der
Chip in die Vertiefung gelegt und, wenn es nötig ist, leicht
angeheftet, daß er beim Aufsetzen des Deckels 42 nicht ver
rutscht. Wenn der Deckel dann aufgesetzt wird und Deckel und
Polymerkörper 12 zusammengedrückt werden, rasten irgendwann
die Schnappverbinder 44 ein. Die Federkontakte 62 sind so
dimensioniert, daß sie, wenn die Schnappverbindungen 44 ein
schnappen, einen Druck sowohl auf Anschlußflächen 66 des
Chips 20 als auch auf entsprechende Anschlußflächen der zu
kontaktierenden Leiterbahnen, z. B. 24a, 28d, ausüben, der
art, daß eine einfache und vor allem lösbare Kontaktverbin
dung erreicht worden ist. Wie es in Fig. 4 durch die schraf
fierten Bereiche der Federkontakte 62 veranschaulicht ist,
sind die unteren Abschnitte derselben metallisiert, damit
überhaupt erst ein elektrischer Kontakt zwischen Chip und
Leiterbahn auftreten kann. Die metallisierten Federkontakte
62 können genauso wie die metallisierten Bereiche des Poly
merkörpers 12 aus dem Polymermaterial gespritzt werden, das
durch ein naßchemisches Verfahren metallisierbar ist. Im
Falle der Verwendung nur eines einzigen Polymermaterials
können die Federkontakte auch unter Verwendung einer Schat
tenmaske etc. leitend gemacht werden.
Eine weitere Alternative der Chipbefestigung ist in Fig. 5
dargestellt. Hier wird der Chip 20 bezüglich seiner Orien
tierung in Fig. 4 umgedreht, so daß die Anschlußflächen 66
des Nackt-Chips 20 bezugnehmend auf Fig. 5 nach unten ge
richtet sind. Dieselben werden auf Kontakthügel 68 gelegt,
woraufhin der Gehäusedeckel 42, der mit einer Andruckfeder
70 versehen ist, aufgesetzt und in Richtung des Polymerkör
pers 12 gedrückt wird, bis die Schnappverbinder 44 ein
schnappen.
In Fig. 6 ist dagegen eine weitere Möglichkeit des Kontak
tierens des Chips 20 gezeigt, wobei der Chip 20 hier mittels
Kleber-Kontakthügeln 72 angeschlossen wird. Der Kleber, der
die Kleber-Kontakthügel 72 bildet, muß selbstverständlich
ein leitfähiger Kleber sein. Die Kleber-Kontakthügel können
beispielsweise mit der Stempeltechnik, der Dispenstechnik
oder mittels einer Schablonendrucktechnik auf dem Polymer
körper aufgebracht werden.
Der Chip 20 übernimmt bei den erfindungsgemäßen elektro
mechanischen Bauelementen vorzugsweise die bekannten elek
tronischen Funktionen für den Einsatz als Beschleunigungs
sensor, als Drehratensensor, als Mikroventil, als Mikro
pumpe, als Drucksensor als Kraftsensor. Funktionen können
beispielsweise das Kapazitätsauslesen, Temperaturkompensa
tionen und Selbsttestfunktionen sein.
Aus dem vorangegangenen ist ersichtlich, daß durch die geo
metrische Auslegung des aktiven Teils des elektromechanischen
Bauelements, d. h. im Falle von Beschleunigungssenso
ren der Federn und der Masse, durch die Auswahl der Werk
stoffe und durch die Optimierung der Metalldicken ähnliche
Parameter wie bei bekannten Airbag-Sensoren aus Silizium
erreicht werden können. Dies betrifft insbesondere die
Grundkapazität, die Empfindlichkeit als Kapazitätsänderung
mit anliegender Beschleunigung, die Eigenfrequenz und die
Dämpfung. Aufgrund der ähnlichen Eigenschaften der erfin
dungsgemäßen elektromechanischen Bauelemente im Vergleich zu
Siliziumsensoren können sogar elektronische Schaltkreise
verwendet werden, die eigentlich für Silizium vorgesehen
sind, oder zumindest Schaltkreise, die zu den bereits
vorhandenen Schaltkreisen ähnlich sind. Es muß somit auf
elektronischer Seite kein völlig neues Design mehr erfolgen.
Zusammenfassend weist ein erfindungsgemäßes elektromechani
sches Bauelement somit bewegliche Elemente, integrierte Lei
terbahnen und Gebiete mit metallisierten Oberflächen auf,
wobei die elektromechanischen Bauelemente aus polymeren
Werkstoffen vorzugsweise mit Hilfe der Zwei- oder Mehr-Kom
ponenten-Spritzgießtechnik und stromloser chemischer Metal
lisierung hergestellt werden. Die wesentlichen Vorteile
gegenüber elektromechanischen Bauelementen aus Silizium
sind:
- - drastisch reduzierte Kosten durch die einfache Herstell
barkeit;
- - beliebige Formgebung der Polymerkörper zur Realisierung
von Schnappverbindungen, Andruckfedern, Ausrichtungsstif
ten, Führungslöchern, Verankerungen, Dichtungen, . . .;
- - geringere Empfindlichkeit gegenüber Verunreinigungen und
Umgebungsbedingungen aufgrund der beliebig groß einstell
baren Bauelementegröße; und
- - beliebige dreidimensionale Formung statt der für Silizium
bekannten zweidimensionalen Oberflächenbearbeitung.