DE19848162C1 - Einrichtung zur Befestigung an der Außenwand eines metallurgischen Gefäßes und zugehöriges metallourgisches Gefäß - Google Patents
Einrichtung zur Befestigung an der Außenwand eines metallurgischen Gefäßes und zugehöriges metallourgisches GefäßInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Befestigung an der Außenwand eines metallurgischen Gefäßes, insbesondere eine Einrichtung zur Zuführung eines Behandlungsgases in eine metallurgische Schmelze, sowie ein zugehöriges metallurgisches Gefäß.
Description
Die Erfindung betrifft eine Einrichtung zur Befestigung an der Außenwand eines
metallurgischen Gefäßes, und insbesondere eine Einrichtung zur Zuführung
eines Behandlungsgases in eine metallurgische Schmelze. Außerdem betrifft
die Erfindung ein mit dieser Einrichtung ausgestattetes metallurgisches Gefäß.
Derartige Gasspüleinrichtungen sind in vielfältiger Form seit Jahrzehnten Stand
der Technik Radex-Rundschau 1992, Heft 4, S. 217-226. Sie bestehen üblicherweise aus einem keramischen, feuerfesten
Gasspülelement, häufig in Kegelstumpfform, dem über eine zugehörige
Gasanschlußleitung das Behandlungsgas zugeführt wird. Das Gas durchströmt
das Gasspülelement durch offene Poren des Gasspülelementes (sogenannte
ungerichtete Porosität), durch Kanäle im Gasspülelement (sogenannte
gerichtete Porosität) und/oder durch Fugen, welche beispielsweise zwischen
einem keramischen Teil des Gasspülelementes und einer metallischen
Ummantelung ausgebildet werden (sogenannte Fugen- oder Schlitzspüler).
Die Gaszufuhr erfolgt über eine stationäre Gasquelle, welche im Abstand vom
metallurgischen Gefäß angeordnet ist.
Derartige metallurgische Gefäße, zum Beispiel Stahlgießpfannen oder
Zwischengefäße (tundish), dienen als Transportmittel sowie zur Behandlung
von flüssigem Stahl. Am sogenannten Behandlungsstand wird das in der
Pfanne integrierte Spülsystem an die externe Gasquelle angedockt und
gespeist. Nach Beendigung der Spülbehandlung, meist mit einem Inertgas wie
Argon, wird die Gasquelle einschließlich der Gaszuführleitung zum Spülelement
abgekoppelt (getrennt) und die Pfanne zur weiteren Stahlbehandlung an einen
anderen Ort transportiert.
Während dieser Zeit steht entsprechend kein Gas (Gasdruck) am Spülelement
(Spülsystem) an. Dabei besteht die Gefahr, daß Metallschmelze aufgrund des
ferrostatischen Drucks in die Poren, Kanäle oder Schlitze des Spülelementes
eindringt, also das Spülelement mit Stahl infiltriert wird.
Eine solche Stahlinfiltration hat verschiedene Nachteile: Sie erhöht den Verschleiß
des Feuerfestmaterials. Es besteht die Gefahr, daß die Metallschmelze im
Spülelement erstarrt (einfriert) und die Poren, Schlitze oder Kanäle verschließt. Im
schlimmsten Fall kommt es sogar zu einem Durchbruch der Metallschmelze im
Bereich des Spülelementes.
In allen Fällen wird die Funktionstüchtigkeit des Spülele
mentes zumindest verringert, wenn nicht verhindert. Es ist
zwar versucht worden, durch ein sogenanntes "Freibrennen"
die offene Porosität des Spülelementes nach einer Infil
tration wieder herzustellen; dieses Verfahren führt jedoch,
sofern es überhaupt erfolgreich ist, in jedem Fall zu einem
erheblichen Verschleiß und zu einer reduzierten Haltbarkeit
des Spülers.
Aufgabe der Erfindung ist es, eine Möglichkeit aufzuzeigen,
auch während des Transportes eines metallurgischen Gefäßes
eine Fluidversorgung aufrechtzuerhalten.
Insoweit könnte zunächst daran gedacht werden, die Gasver
sorgung, beispielsweise in Form einer Gasflasche, als
mobile Einheit auszuführen und mit dem Schmelzgefäß zu
transportieren. Eine solche Maßnahme ist jedoch relativ
aufwendig und mit Sicherheitsrisiken verbunden
(Explosionsgefahr).
Erfindungsgemäß wird vorstehende Aufgabe durch eine
Einrichtung mit den Merkmalen der Ansprüche 1 oder 2
gelöst. Dabei wird die Einrichtung an der Außenwand eines
metallurgischen Gefäßes befestigt und unter Ausnutzung der
von der Außenwand des metallurgischen Gefäßes abgegebenen
Wärme in-situ ein Fluid, zum Beispiel ein Behandlungsgas
für eine Gasspüleinrichtung
erzeugt und/oder transportiert, welches entsprechend zu jeder beliebigen Zeit,
also auch während des Transportes des metallurgischen Schmelzgefäßes, zum
Beispiel eine kontinuierliche Gaszufuhr zu dem keramischen Gasspülelement
ermöglicht oder als Kühlmedium genutzt werden kann.
Durch die Befestigung der Einrichtung an der Außenwand (welche
definitionsgemäß auch den Boden eines metallurgischen Schmelzgefäßes
umfaßt) wird gemeinsam mit dem metallurgischen Schmelzgefäß eine
Transporteinheit gebildet. Auf diese Weise entfallen Transportprobleme ebenso
wie elektrische oder pneumatische Anschlußleitungen von einer externen Station
zum Gefäß.
Konkret läßt sich der vorgenannte Erfindungsgedanke in zwei alternativen
Ausführungsformen realisieren:
In einer ersten Variante umfaßt die Einrichtung ein Aggregat, welches unter
Ausnutzung von, von der Außenwand des metallurgischen Gefäßes
abgegebener Wärme, diese Wärme durch thermoelektrische Effekte in Strom
umwandelt, eine, unter Verwendung dieses Stromes arbeitende
Druckeinrichtung sowie mindestens eine, von der Druckeinrichtung zum
metallurgischen Gefäß führende Fluidleitung, über die ein Fluid von der
Druckeinrichtung in oder gegen das metallurgische Gefäß geführt wird.
Die genannten thermoelektrischen Effekte können beispielsweise auf dem
sogenannten "Seebeck-Effekt" beruhen, wonach eine Spannung auftritt, wenn in
einem Stromkreis, der aus zwei verschiedenen Metallen, Legierungen oder
Halbleitern besteht, die beiden Kontaktstellen, meist Lötstellen, eine
unterschiedliche Temperatur aufweisen. Dabei kann die eine Kontaktstelle
beispielsweise unmittelbar von der (heißen) Außenwand des metallurgischen
Gefäßes gebildet werden, während die andere Kontaktstelle einen separaten
elektrischen Leiter benachbart zur Außenwand des metallurgischen Gefäßes
umfaßt. Schließt man den Stromkreis, so fließt ein elektrischer Strom.
Dieser, in-situ gebildete Strom kann nun zum Betrieb einer Druckeinrichtung,
beispielsweise einer Pumpe oder eines Gebläses, verwendet werden. Mit der
Druckeinrichtung kann zum Beispiel ein Behandlungsgas, welches
beispielsweise in einem Vorratsgefäß als Bestandteil der Einrichtung mitgeführt
wird, über eine Gasleitung zu einem keramischen Gasspülelement geführt
werden, welches im Boden oder in der Wand des Schmelzgefäßes angeordnet
ist. Die weitere Funktion dieser Gasspüleinrichtung entspricht dem Stand der
Technik, das heißt, das Gas durchströmt das Gasspülelement insbesondere
über Poren, Kanäle oder Schlitze.
Bei dieser Ausführungsform kann praktisch jedes beliebige Behandlungsgas
eingesetzt werden, beispielsweise Argon. Auch reine Luft oder Wasser für
Kühlzwecke kann auf diese Weise kontinuierlich appliziert werden.
Aufgrund der thermoelektrischen Umwandlung der Prozeßwärme in elektrische
Energie entfallen elektrische Anschlußleitungen für die Druckeinrichtung. Durch
die Konfektionierung der Einrichtung direkt am metallurgischen Schmelzgefäß
ergeben sich keine Transportprobleme mehr.
Gleichwohl können zum Beispiel keramische Spülelemente kontinuierlich, auch
während des Transportes des metallurgischen Schmelzgefäßes, mit Gas oder
Gas-/Feststoff-Gemischen beaufschlagt werden und so die Gefahr einer
Metallschmelzeinfiltration in das Spülsystem verringern beziehungsweise
vermeiden.
Nach einer zweiten Variante besteht die Einrichtung aus einem Aggregat, in dem
unter Anwendung von von der Außenwand des metallurgischen Gefäßes
abgegebener Wärme ein flüssiges oder festes Medium durch thermochemische
Effekte in ein Gas umgewandelt wird oder Gas freisetzt sowie mindestens einer,
von dem Aggregat in oder gegen das metallurgische Gefäß führenden
Gasleitung. Die Gasleitung kann dabei zu mindestens einem im metallurgischen
Gefäß angeordneten Gasspülelement führen und dieses mit Behandlungsgas für
die Metallschmelze versorgen.
Die bei der ersten Ausführungsform genutzte Thermoelektrizität wird bei der
zweiten Ausführungsform durch thermochemische Effekte ersetzt. Diese
thermochemischen Effekte können unterschiedlicher Natur sein.
In einfachsten Fall wird eine Flüssigkeit, wie Wasser, durch die Abwärme des
metallurgischen Schmelzgefäßes erhitzt und sukzessive zu Wasserdampf
umgesetzt, der als Behandlungsgas zum Beispiel einem Spülsystem
(Gasspülelement) zugeführt wird.
In der Regel wird der dabei entstehende Dampfdruck ausreichen, den Dampf dem
Spülelement zuzuleiten und durch das Spülelement zu führen. Soweit notwendig,
kann die auf thermochemischer Basis arbeitende Gasspüleinrichtung jedoch mit
einer thermoelektrisch arbeitenden Gasspüleinrichtung gemäß der ersten
Ausführungsvariante kombiniert werden, um den dabei gebildeten Strom zum
Betrieb einer Pumpe oder eines Gebläses für das Gas zu nutzen oder auch, um
den Strom zur Erwärmung einer Flüssigkeit oder eines Feststoffs in vorgenanntem
Sinne zu nutzen. Diese Variante kann auch alleine genutzt werden.
Eine andere Möglichkeit der thermochemischen Umsetzung stellt die
Feststoff/Gas-Umwandlung dar. In diesem Fall umfaßt die Gasspüleinrichtung
ein Feststoffreservoir, welches aufgrund der Wärmezufuhr (über die Außenwand
des metallurgischen Gefäßes) ein Gas freisetzt, welches als Behandlungsgas
auf die zuvor beschriebene Art und Weise genutzt werden kann. Beispielsweise
kann ein CO2 freisetzender Feststoff, wie z. B. MgCO3 oder CaCO3 eingesetzt
werden.
Es ist selbstverständlich, daß beide vorgenannten Einrichtungen durch
zusätzliche Regelungs-/Steuerungseinrichtungen sowohl hinsichtlich der
thermoelektrischen/thermochemischen Prozesse als auch hinsichtich der Fluid
zufuhr ergänzt werden können. In diesen Fällen kann die Einrichtung
sogenannte thermoelektrische Generatoren zur Stromerzeugung (Energie-
Direktumwandlung) umfassen.
Der Vorteil einer erfindungsgemäßen Einrichtung liegt in der Möglichkeit einer
kontinuierlichen Fluidzufuhr, beispielsweise eines kontinuierlichen Spülens
beliebiger Spülsysteme und damit der Verringerung der Infiltrationsgefahr.
Gleichzeitig wird dabei eine höhere Standzeit beziehungsweise Haltbarkeit der
keramischen Spülsysteme erreicht. Reparaturmaßnahmen durch voreilenden
Verschleiß werden ebenfalls reduziert oder entfallen.
Die Einrichtung kann mit beliebigen Arten metallurgischer Schmelzgefäße
kombiniert werden. Die Einrichtung kann direkt oder mittelbar (zum Beispiel in
einer Art Korb) am Gefäß befestigt werden.
Um eine möglichst gute Ausnutzung der Wärme des metallurgischen Gefäßes zu
erreichen, sieht die Erfindung ein Gefäß vor, das in dem Abschnitt, an dem die
genannte Einrichtung angeordnet ist, aus einem hoch wärmeleitenden Material
besteht. Dies schließt nicht nur den meist metallischen Außenmantel des
Gefäßes ein, sondern auch das innenseitig konfektionierte feuerfeste
keramische Material (die Auskleidung des Gefäßes), das zu diesem Zweck
beispielsweise aus einem MgO-C-Werkstoff bestehen kann. In diesem Sinne
kann es vorteilhaft sein, die Auskleidung im Bereich der Einrichtung ohne die
sonst übliche äußere (dem Metallmantel benachbarte) Isolierschicht auszubilden.
Claims (3)
1. Einrichtung zur Befestigung an einer Außenwand eines metallurgischen
Gefäßes mit folgenden Merkmalen:
- a) einem Aggregat, welches unter Ausnutzung von von der Außenwand des metallurgischen Gefäßes abgegebener Wärme diese Wärme durch thermoelektrische Effekte in Strom umwandelt,
- b) einer unter Verwendung dieses Stromes arbeitenden Druckeinrichtung, sowie
- c) mindestens einer von der Druckeinrichtung zum metallurgischen Gefäß führenden Fluidleitung, über die ein Fluid von der Druckeinrichtung in oder gegen das metallurgische Gefäß geführt wird.
2. Einrichtung zur Befestigung an einer Außenwand eines metallurgischen
Gefäßes mit folgenden Merkmalen:
- a) einem Aggregat, in dem unter Ausnutzung von von der Außenwand des metallurgischen Gefäßes abgegebener Wärme ein flüssiges oder festes Medium durch thermochemische Effekte in ein Fluid umgewandelt wird oder ein Fluid freisetzt, sowie
- b) mindestens einer von dem Aggregat in oder gegen das metallurgische Gefäß führenden Fluidleitung.
3. Metallurgisches Gefäß mit einer feuerfesten keramischen Auskleidung
und einer am äußeren Mantel des Gefäßes angeordneten Einrichtung
nach mindestens einem der Ansprüche 1 oder 2, das in dem Abschnitt, an
dem die Einrichtung angeordnet ist, aus einem hoch wärmeleitenden
Material besteht.
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| Radex-Rundschau 1992, H.4, S.217-226 * |
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