DE19843123A1 - Elektrische Bremse mit Haltebremsfunktion - Google Patents
Elektrische Bremse mit HaltebremsfunktionInfo
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Abstract
Eine elektrische Bremse mit Haltefunktion, insbesondere für eine elektromechanische Bremse in Kraftfahrzeugen, wird beschrieben. Die Bremse enthält einen elektrischen Motor mit einer Haltebremsfunktion. Zur Generierung der Haltebremsfunktion ist ein elektrischer Motor mit ausgeprägten Stator- (1, 2, 3) und Rotorpolen (A, B) vorgesehen. Der Motor (10) wird mit einem definierten Haltestrom derart beaufschlagt, daß dadurch die Pole (1, 2, 3, A, B) des Motors (10) in eine Rastposition verbracht und dort gehalten werden oder in einer Rastposition gehalten werden. Vorteilhafterweise wird nach Aktivierung der Haltebremsfunktion und nach Erreichen einer Rastposition der dem Motor zum Bremsen zugeführte Strom ganz wesentlich vermindert. Die elektrische Bremse kann gegebenenfalls mit einer Spindel und einem Getriebe auf eine Bremszange wirken, wobei der elektrische Motor die Spindel antreibt bzw. bremst.
Description
Die Erfindung geht aus von einer elektrischen Bremse, insbesondere
einer elektromechanischen Bremse für Kraftfahrzeuge, wobei die
Bremse durch einen elektrischen Motor realisiert ist und mit einer
Haltebremsfunktion ausgestattet ist, der im Oberbegriff des
Anspruchs 1 definierten Gattung.
Bekannt ist eine elektrische Bremse, insbesondere eine
elektromechanische Bremse für Kraftfahrzeuge, die durch einen
elektrischen Motor realisiert ist und mit einer Haltebremsfunktion
ausgestattet ist. Diese Haltebremsfunktion wird bei bekannten
elektromechanischen Bremsen, bei denen der Elektromotor
gegebenenfalls über eine Spindel und ein Getriebe, die Bremszange
zuspannt, dadurch realisiert, daß eine separate Haltebremse an den
Motor angebaut ist. Diese hält den Rotor fest und damit die
Spindel, auf die der Elektromotor wirkt. Bei Gleichstrommotoren,
wie sie heute hauptsächlich für elektromechanische Bremsen
eingesetzt werden, wird die Haltebremse durch eine
Reibschlußbremse realisiert, die über eine Elektromagnetkupplung
gesteuert wird und auf die Rotorwelle wirkt. Wenn das Motormoment
gehalten werden soll, wird die Kupplung geschlossen und der Rotor
wird über die Reibungskraft der Bremsbeläge festgehalten.
Ein besonderes Problem bei den bekannten elektromechanischen
Bremsen besteht darin, daß der Elektromotor thermisch überlastet
wird, wenn der Rotor des Motors in einer Position festgehalten
werden soll und dabei ein großer Strom fließt. Dies ist
insbesondere dann der Fall, wenn die Bremse längere Zeit betätigt
wird, indem beispielsweise der Fahrer eines Kraftfahrzeuges mit
seinem Fuß auf der Bremse stehen bleibt. Um diese Gefahr der
elektrischen und thermischen Überlastung zu verhindern, wird die
genannte separate Haltebremse an den Motor angebaut. Wird der
Rotor dieses Motors durch die mechanische Bremse angehalten, kann
der Motorstrom abgeschaltet werden. Vor dem Weiterdrehen des
Motors wird die Haltebremse gelöst und der Motor kann wieder
bestromt werden. In dem vorstehend genannten Beispiel, in welchem
die Haltebremse durch eine elektromagnetisch betätigte
Reibschlußbremse verwirklicht wird, kann nach der Aktivierung der
Haltebremse der Motor stromlos gemacht werden. Wenn sich der Motor
wieder drehen soll, wird der Reibschluß über die Kupplung gelöst
und der Rotor freigegeben. Dadurch kann in einer Überlappungszeit
der Zustand auftreten, daß der Elektromotor bestromt wird, während
die Haltebremse noch geschlossen ist. Dies führt zu einem erhöhten
Verschleiß der Reibbeläge. In der Regelung führt dies zu einem
Dynamikverlust und zu unerwünschten Totzeiten, wenn dieser
Überlappungszustand regelungstechnisch verhindert werden soll.
Die erfindungsgemäße elektrische Bremse mit den kennzeichnenden
Merkmalen des Anspruchs 1 hat demgegenüber den Vorteil, eine
thermische Entlastung des Motors ohne eine zusätzliche Haltebremse
zur Verfügung zu stellen. Es gibt keine Totzeiten für die Regelung
während des Ansteuerns und des Lösens der Haltebremsfunktion.
Weiterhin gibt es keine Überlappung von Motorbestromung und dem
Festhalten des Elektromotors durch die Haltebremse. Die Sicherheit
wird durch Einsparung von Bauteilen erhöht, die mechanische
Antriebskonstruktion ist vereinfacht, es tritt eine Verringerung
der Aktuatormasse und eine Verkleinerung des Bauvolumens ein.
Bei der elektrischen Bremse gemäß der Erfindung wird dazu
prinzipiell zur Generierung der Haltebremsfunktion ein
elektrischer Motor mit ausgeprägten Stator- und Rotorpolen
vorgesehen, und der elektrische Motor wird mit einem definierten
Haltestrom derart beaufschlagt, daß dadurch die Pole des Motors in
eine Rastposition verbracht und dort gehalten werden oder in einer
Rastposition gehalten werden.
Durch die in den weiteren Ansprüchen niedergelegten Maßnahmen
sind vorteilhafte Weiterbildungen und Verbesserungen der im
Anspruch 1 angegebenen elektrischen Bremse möglich.
Entsprechend einer besonders zweckmäßigen Weiterbildung der
Erfindung wird, bei Aktivierung der Haltebremsfunktion und nach
dem Erreichen einer Rastposition, danach der dem Motor zum Bremsen
zugeführte Strom, d. h. der Brems- bzw. Motorstrom, ganz wesentlich
vermindert. Damit ist auf jeden Fall sichergestellt, daß der Motor
bei aktivierter Haltebremsfunktion thermisch nicht überlastet
wird. In vorteilhafter Ausgestaltung dieser Weiterbildung der
Erfindung ist vorgesehen, daß der Haltestrom wesentlich kleiner
als der eingeregelte Maximalstrom ist, und zwar insbesondere
weniger als 10% desselben.
Entsprechend einer vorteilhaften Ausgestaltung der
erfindungsgemäßen Bremse ist vorgesehen, daß als elektrischer
Motor ein Reluktanzmotor oder ein elektronisch kommutierter
Gleichstrommotor vorgesehen ist.
In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung der Erfindung ist
vorgesehen, daß die elektrische Bremse über eine Spindel, und
gegebenenfalls ein Getriebe auf eine Bremszange wirkt, wobei der
elektrische Motor auf die Spindel arbeitet.
Das der Erfindung zugrunde liegende Problem wird in einem
vorteilhaften Verfahren zum Betreiben einer elektrischen Bremse,
die einen Bremsmotor mit Haltebremsfunktion besitzt, dadurch
gelöst, daß bei längerem Anstehen des Bremsstromes die
Haltefunktion eingeschaltet wird und der elektrische Motor mit
einem definierten Haltestrom derart beaufschlagt wird, daß dadurch
die Pole des Motors in eine Rastposition verbracht und dort
gehalten werden, oder in einer Rastposition gehalten werden.
In weiterer vorteilhafter Ausgestaltung dieses Verfahrens ist
vorgesehen, daß, bei Aktivierung der Haltebremsfunktion und nach
Erreichen einer Rastposition, danach der dem Motor zum Bremsen
zugeführte Strom, d. h. der Bremsstrom bzw. der Motorstrom, ganz
wesentlich vermindert wird, insbesondere auf den Haltestrom.
Die erfindungsgemäß gestaltete Bremse und das erfindungsgemäße
Verfahren wird zweckmäßig verwendet bei einer Anordnung, bei der
die Bremse an solchen Spindeln, Achsen oder Rädern eingesetzt ist,
auf die keine Feststell- oder Handbremse wirkend vorgesehen sind.
Dies ist in einem solchen Betriebsfall von besonderer Bedeutung,
bei dem auch mit der Haltebremse die Feststellbremse, allgemein
bekannt als Handbremse, realisiert wird, da in einem solchen Fall
nicht auf eine separate Haltebremse verzichtet werden kann,
brauchen diese jedoch nur an denjenigen Rädern vorgesehen werden,
auf welche die Feststellbremse bzw. die Handbremse wirkt,
beispielsweise nur an den Hinterrädern. Die anderen Räder brauchen
dann keine mechanische Haltebremse, wie dies im Stand der Technik
der Fall ist.
Die Erfindung ist anhand eines in der Zeichnung dargestellten
Ausführungsbeispieles in der nachfolgenden Beschreibung näher
erläutert. Die einzige Figur zeigt schematisch in einem
Schnittbild einen Reluktanzmotor mit Rotor- und Statorpolen sowie
der an den Statorpolen angebrachten Wicklungen.
Das der Erfindung zugrunde liegende Prinzip wird anhand des
dargestellten Schnittbildes eines Reluktanzmotors 10 dargestellt.
Dieser Reluktanzmotor 10 weist einen Stator 20 und einen Rotor 30
auf. Der Stator 20 seinerseits enthält drei Polpaare 1, 2 und 3,
bei denen sich jeweils die zu einem Polpaar gehörenden Pole 180°
gegenüberstehen. Diese Pole sind mit Spulen 4, 5 und 6 versehen.
Bei der Spule 1 ist die Wicklung 4 mit Stromflußrichtung
eingezeichnet, um darzustellen, daß dann, wenn in dieser in der
Fig. 1 dargestellten Stellung, diese Spule 4 um das Polpaar 1
herum bestromt wird, ein Anzugsmoment M entsprechend dem
dargestellten Pfeil entsteht. Dieses Anzugsmoment M versetzt den
Rotor 30 in eine Rechtsdrehung. Der Rotor 30 ist im dargestellten
Beispiel mit zwei Polpaaren A und B versehen, die sich ebenfalls
um 180° versetzt gegenüberstehen. Durch fortlaufende Versorgung
der Spulen 3 und 2 mit Strom wird auf diese Weise ein Drehfeld
erzeugt, mit dem der Rotor 30 rechts herum in Richtung der Pfeile
M gedreht wird.
Wird der Motor 10, wie in der gezeichneten Darstellung der Fig.
1, allein in der Spule 2 bestromt, dann entsteht eine Kraft F, die
auf das Polpaar B wirkt. In diesem Fall wird kein Drehmoment
erzeugt und der Rotor 30 bleibt in dieser Lage stehen. Mit einem
verhältnismäßig kleinen Haltestrom in der Spule 2 wird der Rotor
30 in dieser Position gegen Verdrehung geschützt gehalten. Diese
Position kann man auch eine ausgerichtete oder "aligned position"
nennen und sie entspricht der Haltefunktion bei einem
Gleichstrommotor, wenn die Haltebremse geschlossen ist. Der dem
Motor als Bremsstrom zugeführte Motorstrom wird nunmehr nach
Erreichen einer Rastposition stark reduziert, solange das
Rastmoment im Sinne der Haltebremsfunktion erwünscht ist.
Die Erfindung nutzt also in vorteilhafter Weise eine Eigenschaft
des Motors, die an und für sich für den drehenden Motor störend
ist, hier aber in eine nutzbringende Funktion umgewandelt und als
solche ausgenutzt wird.
Die Größe des einzustellenden Haltestromes hängt vom aktuellen
Motormoment, von der gegebenenfalls vorgesehenen Spindel und dem
gegebenenfalls vorgesehenen Getriebe und allgemein von der
Hysterese im Antrieb ab. Versuche und Abschätzungen haben jedoch
gezeigt, daß er kleiner als 10% des eingeregelten Maximalstroms
sein kann, um eine wirkungsvolle Haltebremsfunktion zu
gewährleisten. Eine derart bedeutende Reduzierung der
Verlustleistung führt damit zu der gewünschten thermischen
Entlastung des Motors. Man kann somit auf eine mechanische oder
elektromechanische separat angebrachte Haltebremse verzichten.
Falls der Motor 10 in einer nicht dargestellten Zwischenposition
steht, wenn also kein Statorpol A oder B mit einem der Polpaare 1,
2 oder 3 ausgerichtet ist, und die Haltebremsfunktion aktiviert
wird, wird der Rotor 30 in die nächstliegende ausgerichtete
Position gefahren. Diese geringfügige Positionsänderung ergibt
zwar eine Verstellung der auf die Bremse wirkenden Kraft, die aber
aufgrund ihrer Geringfügigkeit und in dem speziellen
Betriebszustand, tolerierbar ist. So ergibt sich beispielsweise
bei einer Zangenkennlinie von 15 kN/mm eine Kraftänderung von 125
N bei einem Winkel von 30° und einer Spindel von 2 mm sowie einem
Getriebe von 20.
Der in Fig. 1 dargestellte Motor hat zwölf stabile Positionen und
kann damit alle 30° elektrisch arretiert werden. Die Anzahl der
Stellungen hängt von der Anzahl der Pole des Rotors 30 und des
Stators 20 ab.
In dem besonderen Betriebsfall, in welchem mit der Haltebremse
auch die Feststellbremse, allgemein bekannt als Handbremse,
realisiert wird, kann auf eine separate Haltebremse nicht
verzichtet werden. Trotzdem verringert sich der Aufwand um 50%,
denn die Haltebremse braucht nur dort installiert zu werden, wo
die Handbremse wirkt, also beispielsweise nur an den Hinterrädern
eines Kraftfahrzeuges.
Die Vorteile der vorstehend beschriebenen elektrischen Bremse, bei
der neben dem dargestellten Reluktanzmotor auch ein elektronisch
kommutierter Gleichstrommotor verwendet werden kann, liegen in der
Ersparnis einer zusätzlichen Haltebremse und der gleichzeitig
erreichbaren thermischen Entlastung. Die Haltebremsfunktion wird
erreicht durch das Anfahren einer ausgerichteten ("aligned
posititon") mit anschließender Stromreduzierung. Es gibt keine
Totzeiten für die Regelung durch Ansteuern und Lösen einer
separaten Haltebremse. Es gibt keine Überlappung von
Motorbestromung und Festhalten des Motors durch eine separate
Haltebremse. Die Sicherheit wird durch Einsparung von Bauteilen
erhöht, die mechanische Antriebskonstruktion ist vereinfacht, es
ergibt sich eine Verringerung der Aktuatormasse und eine
Verkleinerung des Bauvolumens.
Claims (8)
1. Elektrische Bremse, insbesondere elektromechanische Bremse
für Kraftfahrzeuge, wobei die Bremse durch einen elektrischen
Motor realisiert ist und mit einer Haltebremsfunktion
ausgestattet ist,
dadurch gekennzeichnet, daß
zur Generierung der Haltebremsfunktion ein elektrischer Motor
(10) mit ausgeprägten Stator- (1, 2, 3) und Rotorpolen (A, B)
vorgesehen ist, und der elektrische Motor (10) mit einem
definierten Haltestrom derart beaufschlagt wird, daß dadurch
die Pole (1, 2, 3, A, B) des Motors (10) in eine Rastposition
verbracht und dort gehalten werden oder in einer Rastposition
gehalten werden.
2. Elektrische Bremse nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
daß, bei Aktivierung der Haltebremsfunktion und nach
Erreichen einer Rastposition, danach der dem Motor (10) zum
Bremsen zugeführte Strom ganz wesentlich vermindert wird.
3. Elektrische Bremse nach Anspruch 1 oder 2, dadurch
gekennzeichnet, daß der Haltestrom wesentlich kleiner als der
eingeregelte Maximalstrom ist, insbesondere weniger als 10 W
desselben.
4. Elektrische Bremse nach einem der vorigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß als elektrischer Motor ein Reluktanzmotor
(10) oder ein elektronisch kommutierter Gleichstrommotor
vorgesehen ist.
5. Elektrische Bremse nach einem der vorigen Ansprüche, dadurch
gekennzeichnet, daß sie über eine Spindel, und gegebenenfalls
ein Getriebe auf eine Bremszange wirkt, wobei der elektrische
Motor auf die Spindel arbeitet.
6. Verfahren zum Betreiben einer elektrischen Bremse, die einen
Bremsmotor mit Haltebremsfunktion besitzt, insbesondere einer
elektrischen Bremse gemäß einem der Ansprüche 1 bis 5,
dadurch gekennzeichnet, daß
bei längerem Anstehen des Bremsstromes die Haltefunktion eingeschaltet wird, und
der elektrische Motor mit einem definierten Haltestrom derart beaufschlagt wird, daß dadurch die Pole des Motors in eine Rastposition verbracht und dort gehalten werden oder in einer Rastposition gehalten werden.
bei längerem Anstehen des Bremsstromes die Haltefunktion eingeschaltet wird, und
der elektrische Motor mit einem definierten Haltestrom derart beaufschlagt wird, daß dadurch die Pole des Motors in eine Rastposition verbracht und dort gehalten werden oder in einer Rastposition gehalten werden.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß, bei
Aktivierung der Haltebremsfunktion und nach Erreichen einer
Rastposition, danach der dem Motor zum Bremsen zugeführte
Strom ganz wesentlich vermindert wird, insbesondere auf den
Haltestrom.
8. Anordnung zur Verwendung einer elektrischen Bremse nach einem
der Ansprüche 1 bis 5 oder dem Verfahren zum Betreiben einer
elektrischen Bremse nach Anspruch 6 oder 7,
dadurch gekennzeichnet, daß
sie an solchen Spindeln, Achsen oder Rädern eingesetzt ist,
auf die keine Feststell- oder Handbremse wirkend vorgesehen
sind.
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