Die vorliegende Erfindung betrifft ein Verfahren zur autostereoskopischen Bilderzeugung
und Bildwiedergabe gemäß dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
An Vorschlägen für autostereoskopische Verfahren mangelt es nicht, die hier jedoch nicht
alle gewürdigt werden können. Eine systematische Darstellung von Verfahren der 3D-
Darstellung findet sich in Takanori Okoshi, Three Dimensional Imaging Techniques, Aca
demic Press, 1976.
Autostereoskopische Verfahren nach dem Stand der Technik haben in der einen oder an
deren Weise Nachteile, die deren praktische Umsetzung für die meisten Anwendungen
nicht zuläßt:
Collender (Robert B. Collander, 3-D Television, Movies, and Computer Graphics without
Glasses, IEEE Trans. Consumer Electronics, Vol. CE-32(1), Feb. 1986) hat als einer der
Ersten das Time-Multiplexing von Perspektiven vorgeschlagen. Sein System arbeitet im
Projektionsmode und verwendet einen speziellen Projektionsschirm mit einer integrierten
Fresnellinse. Unterhalb des Schirms befinden sich ein oder mehrere Projektoren, die rela
tiv zum Schirm eine Rotationsbewegung ausführen. Die mechanische Ausführung und die
speziellen Eigenschaften des Projektionsschirms beschränken den möglichen Einsatz ei
nes solchen Systems.
Das U.S. Patent 4367486 und das Europäische Patent EP 0316465 A1 beschreiben ein
Verfahren, in dem das Multiplexen von Perspektiven durch eine spezielle Anordnung von
Lichtquellen und eines sich davor befindlichen Lichtmodulators realisiert wird. Das System
zeichnet sich insbesondere durch sein kompaktes Design aus. Jedoch haben die heute
verfügbaren Lichtmodulatoren nicht die benötigte Bandbreite für die Darstellung einer grö
ßeren Anzahl von Perspektiven.
Meacham hat in G. B. Kirby Meacham, Autostereoscopic displays - past and future, SPIE
Vol. 624, Advances in Display Technology VI, 1986, eine Weiterentwicklung des Collender
Verfahrens vorgenommen, das ebenfalls ein kompaktes Design erlaubt. In seinem System
muß die Perspektivinformation durch Dunkelbereiche getrennt werden, was effektiv die
Bildauflösung einschränkt und auch das Design verkompliziert.
In der WO 95/14353 A1 wird ein Verfahren beschrieben, das demjenigen nach der US-
4367468 sehr ähnlich ist. Jedoch wird das Design so umgestaltet, daß der Gebrauch des
Lichtmodulators zur Perspektivenbildmodulation umgangen wird. Dies wird durch ein kom
pliziertes System von optischen Komponenten erreicht.
Eine weitere Reihe von Vorschlägen ist gemacht worden, um das klassische Parallax-
Barrier-Verfahren zu verbessern (siehe auch vorstehend Takanori Okoshi, Three-
Dimensional Imaging Techniques, Academic Press, 1976). Auch das in der US 5629797 A
beschriebene Verfahren zielt darauf ab. Insbesondere versucht es durch Verwendung von
zwei orthogonalen Filtern (durch Polarisation oder Farbstreifen realisiert) das "Überspre
chen" von unterschiedlichen Perspektiven zu vermindern und damit den Beobachtungsbe
reich zu vergrößern. Es ist vor allem in Verbindung mit einem Linsenraster vorteilhaft. Die
Verbesserung wird durch eine Herabsetzung der Bildauflösung erreicht. Allerdings wird
dadurch die Einschränkung in der Beobachtungsposition nur graduell verbessert, so daß
sich dennoch ein stark eingeschränkter Beobachtungsraum ergibt. Für die cinematogra
phische Anwendung wird in der US 5629797 A vorgeschlagen, ein LCD so mit dem Streifen
filter zu kombinieren, daß alternierend horizontale Bildstreifen zweier herkömmlicher Par
allax-Barrier-Darstellungen gezeigt werden.
Die Verfahren nach den Dokumenten DE 195 00 699 A1, DE 195 00 315 C1 und DE 197 28 526 A1
sind ebenfalls Abwandlungen des Parallax-Barrier Verfahrens, allerdings wird
hier eine veränderliche Maske/Filter verwendet, um unterschiedliche Perspektivenparalla
xen zu ermöglichen. Dabei ist die Position der Maske mit der Beobachtungsposition des
Betrachters gekoppelt. Diese muß daher von einem Sensorsystem (sog. Head- oder Eye
Tracking) erfaßt werden. Dieses Head-Tracking ist aber prinzipiell nur für einen Betrachter
möglich.
In dem Artikel "Dreidimensional ohne Brille" von R. Börner, in Funkschau 2/1987, S. 36 bis
39, wird über Linsenrasterverfahren zur autostereoskopischen Darstellung berichtet. Auch
hier handelt es sich um ein klassisches Verfahren, in Bezug auf das man sich beim Hein
rich Hertz Institut seit mindestens 15 Jahren mit beträchtlichem Aufwand um Verbesserungen
bemüht. Die inhärenten Schwierigkeiten dieses Verfahren werden in dem Artikel
selbst beschrieben und es ist zweifelhaft, ob sich jemals Linsenraster mit einer für autoste
reoskopische Darstellungen ausreichenden Qualität erzeugen lassen.
Bei stereoskopischen Verfahren, bei denen spezielle Brillen verwendet werden, wird seit
langem (siehe z. B. den Artikel von G. Domanski, "Dreidimensionales Fernsehen", in der
Funkschau 25-26, 1981, S. 62) das Anaglyphen-Verfahren mit Rot/Grün-Filtern, das Pola
risationsverfahren und das Lichttor(engl. "Shutter")-Verfahren eingesetzt. Diese Techniken
erforderten bisher jedoch immer, daß der Betrachter eine entsprechende Rot/Grün-, Pola
risations- oder Shutter-Brille trägt.
In dem Artikel "Konstruktion von Zwischenansichten für Multi-Viewpoint-3DTV-Systeme"
von B. Kost in Fernseh- und Kino-Technik, 42. Jahrgang, Nr. 2/1988, S. 67 bis 73, wird die
Erzeugung von perspektivischen Ansichten aus einer geringen Zahl von Bildaufnahmen
beschrieben.
Ein weiteres Verfahren, das den Anforderungen an ein perfektes autostereoskopisches
Display sehr nahe kommt, ist in der DE 41 23 895 A1 beschrieben. Es beruht auf der Ver
wendung eines optischen Verschlusses, im Folgenden "Apertur" genannt (praktisch wird
meistens eine Schlitzapertur verwendet), die in einem geeigneten Abstand vor einem Mo
nitor bewegt wird. Der Monitor ist derart modifiziert, daß er mit einer höheren Bildwieder
gaberate arbeitet, als es für die normale Bild- und Fersehwiedergabe erforderlich ist. Bei
der Bewegung der Apertur kann es sich um eine echte mechanische Bewegung handeln
oder um die Pseudobewegung einer elektro-optisch kontrollierbaren Apertur. Für prakti
sche Systeme werden wahrscheinlich nur elektro-optische Verschlüsse (im folgenden als
"Shutter" bezeichnet) in Frage kommen, für die es eine Reihe von verschiedenen Tech
nologien gibt. Gegenwärtig sind ferroelektrische Flüssigkristalle im Hinblick auf Schaltzei
ten und verfügbare Größe die geeignetsten Shutter. Durch Herabsetzung der Bildwieder
holraten, wie es durch die Verwendung des erfindungsgemäßen Verfahrens ermöglicht
wird, kommen auch andere Flüssigkristalle in Frage, z. B. die Doppel-PI Zelle. Außerdem
eignen sich auch elektro-optische Kristalle, z. B. KTP, zur Verwendung als Shutter. Diese
Kristalle können heute mit Seitenlängen von 50 cm in sehr kurzer Zeit gezüchtet werden.
Unabhängig von der praktischen Realisierung des Shutters werden synchron mit der
Aperturbewegung auf dem Monitor Perspektivdarstellungen gezeigt, die von den geome
trischen Zentren der Aperturpositionen, z. B. mittels einer Kamera, aufgenommen wurden.
Bewegt sich die Apertur schnell genug über die Bildschirmfläche, so wird die Bewegung
von einem Betrachter nicht mehr aufgelöst und die Perspektivdarstellungen verschmelzen
zu einer dreidimensionalen Wahrnehmung. Wir bezeichnen dieses Verfahren im Folgen
den als das Einfach-Apertur Verfahren, da immer nur eine einzelne Apertur zu jedem Zeit
punkt geöffnet ist.
Insbesondere ist das Einfach-Apertur Verfahren durch folgende Eigenschaften ausge
zeichnet:
- - Es gibt keine Beschränkung durch Beobachtungszonen, wie man sie bei fast allen an
deren autostereoskopischen Verfahren findet. Der Beobachter kann sich völlig frei
seitlich und/oder vor- und zurück bewegen, ohne den autostereoskopischen Eindruck
zu verlieren. Nur in extremen Beobachtungspositionen, die aber praktisch völlig irrele
vant sind, z. B. bei sehr großen oder kleinen Beobachtungsabständen oder in extre
men Seitenpositionen, kann es zu Qualitätseinbußen kommen. Die beschriebene Ei
genschaft impliziert bereits, daß es auch für eine beliebige Anzahl von Beobachtern
keine Einschränkung gibt: jeder Betrachter nimmt die dargestellte 3D-Szene aus der
für seine Position richtigen Perspektive wahr!
- - Der oder die Beobachter benötigen keine Sehhilfen (wie Polarisations- oder Shutter
brillen) oder irgendwelche anderen, oft als lästig empfundenen Hilfsmittel (z. B. für sog.
Headtracking), sondern sie sind völlig frei und unbehindert.
- - Das Verfahren ist von den Komponenten her überaus einfach aufgebaut: es benötigt
einen "normalen" Monitor mit einer modifizierten, höheren Bildwiederholrate als sonst
üblich und eine bewegliche Apertur, die sich in einem geeigneten Abstand vor diesem
Monitor befindet. Die Apertur kann mechanisch oder nicht-mechanisch realisiert wer
den. Dazu kommt natürlich die elektronische Steuerung, die für das Funktionieren un
abdingbar ist. Es wird keine weitere Optik benötigt und es sind keine besonderen Ju
stierungen, z. B. für den Abstand zwischen Monitor und Apertur, erforderlich.
Obwohl das Verfahren durch seine Simplizität besticht, gibt es auch hier einige Nachteile,
die für eine kommerzielle Anwendung zumindest hinderlich sind:
- 1. Zum einen erfordert die in Ref. 7 beschriebene Konstruktion ein großes Volumen. Im
besten Fall, bei geeigneter Faltung des Lichtweges, benötigt man in etwa die Di
mensionen eines großen CRT-Monitors.
- 2. Es besteht eine Kopplung zwischen der Breite der Einfach-Apertur und der Anzahl
der Perspektiven, die dazu führt, daß das Verfahren für eine sehr geringe Perspek
tivenanzahl, insbesondere also für den stereoskopischen Grenzfall, nicht geeignet
ist.
- 3. Das Verfahren ist mit recht hohen Lichtverlusten behaftet, so daß ein sehr heller
Bildschirm erforderlich ist.
- 4. Die erforderliche Bilddatenrate ist sehr hoch und läßt sich nur mit wenigen derzeit
verfügbaren Displaytechniken realisieren.
- 5. Bei Verwendung von Perspektivdarstellungen, wie sie bei anderen autostereosko
pischen Verfahren gebräuchlich sind (siehe z. B. "Collender", a. a. O.), ergeben sich
geometrische Verzerrungen, die beim Betrachten von Szenen störend in Erschei
nung treten können.
Insbesondere Punkt 3) und 4) erschweren die praktische Realisierung des Systems. Die
erforderliche Bildwiederholrate ergibt sich aus der Multiplikation der Standardbildrate für
eine flimmerfreie Darstellung (typisch 50-70 Hz) und der Anzahl der benötigten perspekti
vischen Ansichten (typisch eine Ansicht pro Grad Raumwinkel). Für große Blickwinkelbe
reiche von typisch 90-180 Grad, wie sie das in der DE 41 23 895 A1 beschriebene Sy
stem ermöglicht, kommt man daher auf Bildwiederholraten von mehreren tausend Hertz.
Darüber hinaus wird die Bildhelligkeit umkehrt proportional zur Anzahl der Perspektiven
herabgesetzt. So eindrucksvoll der Blickwinkelbereich eines solchen Systems auch ist, in
der Praxis ist er meistens irrelevant, da man vor einem Arbeitsplatzrechner oder einem
Videobildschirm meistens nur einen relativ begrenzten Bewegungsspielraum nutzt, z. B.
durch leichte Kopf- und Körperbewegungen sowie geringfügige Abstandsveränderungen
zum Bildschirm. Außerdem kann durch elektronische Manipulation ein 3D-Objekt beliebig
gedreht und von allen Seiten betrachtet werden.
Der vorliegenden Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zur autostereosko
pischen Bilderzeugung und Bildwiedergabe zu schaffen, das die vorstehend angegebenen
Nachteile nach dem Stand der Technik vermeidet. Diese Aufgabe wird durch die Merk
male des Anspruchs 1 gelöst. Vorteilhafte Ausgestaltungen des Verfahrens ergeben sich
aus den Unteransprüchen.
Die hier beschriebene Erfindung, in allen ihren verschiedenen Ausführungsformen, macht
sich diese Einsicht zu Nutze und vermeidet durch das erfindungsgemäße Verfahren die
Nachteile der DE 41 23 895 A1 beschriebenen Verfahrens. Neben den Verbesserungen
von Bildwiederholrate und Bildhelligkeit lassen sich auch wesentlich kompaktere Ausfüh
rungsformen, bis hin zum Flachbildmonitor, erzielen. Einige Ausführungsformen sind so
wohl für sehr kleine (bis hin zum stereoskopischen Grenzfall) als auch für große Perspek
tivenzahlen geeignet, so daß sie sich adaptiv für verschiedene Applikationen einsetzen
lassen. Durch die korrekte Erzeugung und Prozessierung der Perspektivbilder, läßt sich
eine verzerrungsfreie Darstellung erzielen. Diese geometrische Verarbeitung der Perspek
tivbilder kann auch bei dem in der DE 41 23 895 A1 beschriebenen Verfahren zum Vorteil
angewandt werden.
Gemäß der Erfindung wird ein autostereoskopisches Wiedergabegerät eingesetzt, das
ermöglicht, Bild-, Film- und Fernsehbilder so aufzunehmen und darzustellen, daß ein drei
dimensionaler Eindruck entsteht. Der oder die Betrachter nehmen die dargestellten Ge
genstände und Szenen in derselben Weise visuell wahr, als wenn sich diese Objekte in
der Realität vor ihnen befinden würden. Die entsprechenden Bild-, Film- oder Fernsehbil
der können durch die Aufnahme natürlicher Szenen mittels Kameras erzeugt werden oder
auch vollständig computer-generiert sein. Neben einer speziellen optischen Vorrichtung ist
noch eine Bildprozessierung notwendig, um das für die 3D-Darstellung erforderliche Bild
abzuleiten. Das Verfahren eignet sich für Standbilder genauso wie für bewegte Szenen,
und gewährleistet eine perfekte Grauton- oder Farbwiedergabe. Es bestehen keine prinzi
piellen Beschränkungen für die Größe der Darstellungen.
Das erfindungsgemäße Verfahren erlaubt eine autostereoskopische Bildaufnahme und
Wiedergabe, die durch folgende Punkte gekennzeichnet ist:
- 1. In jeder Beobachterposition innerhalb eines definierten Bereichs nimmt ein Beob
achter die dargestellten Objekte stereoskopisch wahr. Da Stereoskopie zu den
stärksten visuellen Wahrnehmungsfaktoren gehört, haben die Beobachter den Ein
druck ein reales Objekt vor sich wahrzunehmen.
- 2. Mit Ändern der Beobachtungsposition erfolgt auch eine entsprechende Änderung
des wahrgenommenen Objektes, wobei der stereoskopische Eindruck erhalten
bleibt. Man kann also um ein Objekt "herumschauen" und beispielsweise Details
wahrnehmen, die aus der ursprünglichen Beobachtungsposition nicht sichtbar wa
ren. Diese Eigenschaft ist vom Betrachten von Hologrammen bekannt, konnte bis
her aber nicht elektronisch realisiert werden.
Dieses sogenannte "autostereoskopische" Sehen ist der Mensch von seiner natürlichen
Wahrnehmung gewöhnt, da sich die Augenpupillen beim Drehen des Kopfes im allgemei
nen immer leicht bewegen und damit verbundene Änderungen der Beobachtungsposition
(Perspektive) auftreten. Eine rein stereoskopische Bildwiedergabe, wo immer nur diesel
ben zwei Beobachtungsperspektiven gesehen werden (z. B. mit Hilfe einer Polarisation-
oder Shutterbrille), wird bei längerer Betrachtung als unnatürlich empfunden und führt bei
vielen Betrachtern sogar nach einiger Zeit zu Unwohlsein.
Im Weiteren werden zunächst die Figuren erläutert, um dann mit Hilfe der zeichnerischen
Darstellungen die Wirkungsweise des erfindungsgemäßen Verfahrens und seiner Ausfüh
rungsformen zu erläutern.
Fig. 1 zeigt die perspektivische Betrachtung einer dreidimensionalen Szene (bestehend
aus einem Würfel und einer Kegelpyramide) und einer sich vor dieser befindlichen Beob
achtungslinie, mit den markierten Positionen B0 und Bi. Weiterhin ist eine imaginäre Pro
jektionsebene E zu sehen, in der sich die zu den Beobachtungspositionen Bi gehörigen
Perspektiven als Schnittpunkte der Sehstrahlen BiP, d. h. der Verbindungslinien von einem
Szenenpunkt P zur Beobachtungsposition, ergeben. Im Beobachtungspunkt B0 ist ein
linkshändiges Koordinatensystem x, y, z verankert, die positive z-Achse zeigt zum Sze
nenmittelpunkt PM (hier beliebig als Zentrum des Würfels angenommen). Die Projektion
sebene E ist co-planar zur x,y-Ebene und verwendet co-planare Koordinaten xp, yp zur
Festlegung der Perspektiven.
Fig. 2 zeigt die gleiche geometrische Konfiguration wie in Fig. 1 in der Draufsicht.
Fig. 3 zeigt ebenfalls die Draufsicht der geometrische Konfiguration aus Fig. 1. Als Projekti
onsebene mit den Koordinaten x'p, y'p wird hier nicht mehr die Ebene E verwendet, sondern
eine senkrecht zum Sehstrahl BiPM (Beobachtungspunkt - Szenenzentrum) verlaufende
Ebene E'. Dadurch ergeben sich Perspektivdarstellungen wie sie mit einer regulären Ka
mera (schematisch angedeutet) aus der Beobachtungsposition aufgenommen würden (bis
auf die Skalierung).
Fig. 4 ist identisch mit Fig. 3, nur sind die Beobachtungspunkte kreisförmig um den Sze
nenmittelpunkt angeordnet (aus Gründen der Anschauung ist auch die ursprüngliche Be
obachtungslinie eingezeichnet). Analog wie in Fig. 3 wird auch hier als Projektionsebene
(Koordinaten x'p, y'p) eine senkrecht zum Sehstrahl BiPMi (Beobachtungspunkt - Szenen
zentrum) errichtete Ebene E' verwendet. Die Kamerainterpretation der sich ergebenden
Perspektiven ist auch hier genau wie in Fig. 3.
Fig. 5 ist identisch mit Fig. 3 nur wird hier die Kamera in der sogenannten "Scheimflug"-
Konfiguration verwendet. Dabei ist die Filmebene der Kamera um den selben Winkel zur
Kameraachse geneigt, wie die Fensterebene E. Diese geneigte Abbildungsebene der Ka
mera ist bei dieser Geometrie die Projektionsebene E'.
Fig. 6 zeigt ein Blockschaltbild des erfindungsgemäßen Verfahrens: Eine Dateneingangs
stufe übernimmt das Einlesen und Formatieren der unterschiedlichen Datensätze die für
eine 3D-Darstellung verwendet werden können. Eine weitere Funktion dieser Prozessie
rungseinheit ist die optionale geometrische Korrektur der Daten. Die Dateneingangsstufe
überträgt die so prozessierten Bilddaten an das nachfolgende Modul. Dieses nimmt eine
Perspektiven-Verschachtelung nach dem im Text beschriebenen Verfahren vor. Diese
verschachtelten Perspektiven, hier als Bildkomposite bezeichnet, werden direkt zum Bild
schirm übertragen. Beide Module werden von einer Steuereinheit kontrolliert und geben
Statusinformationen an diese zurück, woraus die Steuereinheit ein Synchronisationssignal
ableitet und zum Bildschirm und Shutter sendet. Dieses Signal synchronisiert das Öffnen
der richtigen Shutteraperturen mit den Bildkompositen.
Fig. 7a, b, c zeigen eine Darstellung des Verfahrens 1 für drei gleichzeitig geöffnete Apertu
ren (1, 4, 7 in Fig. 7a oder 3, 6, 9 in Fig. 7b). Die Teilausschnitte der Breite D ergeben sich
durch den Schnitt der Strahlen, die von den hinter den Aperturen gelegenen Projektionszentren
ausgehen, mit der Bildschirmebene. Zu jedem Zeitpunkt sind die Teilausschnitte
der Breite D nebeneinander auf dem Bildschirm angeordnet, die ein Bildkomposit formen.
Für jede Aperturgruppe ergibt sich eine Zone der störungsfreien Wahrnehmung, die fett
eingezeichnet ist. Fig. 7a und 7b zeigen die Wahrnehmungszonen zu zwei unterschiedli
chen Zeitpunkten des Multiplexzyklus. In dem gezeigten Beispiel sind drei Takte notwen
dig, um alle Aperturen einmal zu öffnen. Fig. 7a entspricht dem ersten Zeittakt (Apertur 1,
4, 7 geöffnet), während Fig. 7b den dritten Zeittakt wiedergibt (Apertur 3, 6 und 9 geöffnet).
Fig. 7c zeigt die resultierende Wahrnehmungszone, wie sie sich aus dem Durchschnitt der
Zonen der einzelnen Aperturgruppen ergibt.
Fig. 8 zeigt die "direkte" Erzeugung der Bildkomposite, wie sie sich aus entsprechenden
Kameraaufnahmen gewinnen lassen. Die Kameras sind in den Projektionszentren für die
einzelnen Teilausschnitte im geringen Abstand zur Aperturebene positioniert. Die Apertu
ren vor den Kameras begrenzen das Blickfeld auf ein dahinter liegendes 3D-Objekt, von
dem daher nur Ausschnitte wahrgenommen werden. Die abgebildeten Teilausschnitte
werden dann zu einem Komposit zusammengefügt, wie es der relativen Lage der Teilaus
schnitte entspricht (dabei müssen eventuelle Spiegelungen der Bildaufnahmevorrichtung
berücksichtigt werden), und dann zum Bildschirm übertragen.
Fig. 9 zeigt eine Darstellung des Verfahrens II, bei dem sich die Teilausschnitte der Breite
D hinter einer Aperturebene befinden. Die zu einem Zeitpunkt geöffneten Aperturen (fett
eingezeichnet) haben voneinander den Abstand Sp und die Breite S. Mit dem Durch
schalten aller Aperturgruppen innerhalb eines Zyklus wird die gesamte Shutterapertur
einmal geöffnet. Synchron mit dem Öffnen einer Aperturgruppe werden auf dem Bild
schirm die entsprechenden Teilausschnitte der Breite D wiedergegeben. Nach Konstrukti
on kommen in einem Abstand L vor der Aperturebene auf einer Sehlinie der Breite W die
Beobachtungszonen aller Teilausschnitte zur Deckung.
Fig. 10 veranschaulicht die "indirekte" Erzeugung der Bildkomposite am Beispiel des zen
tralen Teilausschnitts. Für ein komplettes Bildkomposit müssen alle anderen Teilaus
schnitte in der gleichen Weise erzeugt und hinzugefügt werden. Anstatt eine Kamera im
Projektionszentrum zu positionieren, können Teilausschnitte auch von einer weiter ent
fernten Sehlinie W mit Hilfe von mehreren Kameraaufnahmen gemacht werden. Dabei
wird die Sehlinie in eine Anzahl von Beobachtungszonen aufgeteilt, im dargestellten Bei
spiel sind dies fünf, die durch die Apertur auf dem Bildschirm in entsprechende Teilaus
schnitt-Segmente abgebildet werden. Hat man eine vom Beobachtungspunkt Bi aufge
nommene Vollperspektive vorliegen, so findet sich dieses Segment an der entsprechen
den Position wieder, so daß sich die Teilausschnitte durch das Aneinanderfügen der ent
sprechenden Segmente der Vollperspektiven erzeugen lassen.
Fig. 11 zeigt ein extremes Ausführungsbeispiel nach Verfahren 2, bei dem jedem Bild
schirmpunkt eine Anordnung von Microaperturen zugeordnet ist, deren Öffnen und Schlie
ßen synchron zur Variation der Perspektivenhelligkeit des Bildschirmpunktes erfolgt.
Fig. 12a zeigt den Intensitätsverlauf eines Bildschirmpunktes über 6 Zeittakte eines Multi
plexzyklus (entsprechend 6 vorhandenen Aperturen), sowie die integrierte Helligkeit der
dritten Apertur über diesem Multiplexzyklus (schraffierte Fläche in Fig. 12b). Der kleinste
auftretende Intensitätswert in Fig. 12a ist Imin. Fig. 12b zeigt die Aperturhelligkeit für die
dritte Apertur gemäß des Einfach-Aperturverfahrens, bei dem die Apertur nur für einen
Zeittakt geöffnet ist. Fig. 12c zeigt eine Aufspaltung der Intensität in den Basisanteil IB und
den Modulationsanteil IM. IB ist ein sechstel des Minimalwertes Imin und wird ständig durch
alle Aperturen durchgelassen, so daß die integrierte Aperturhelligkeit in Fig. 12d (schraf
fierte Fläche) genau der von Fig. 12b entspricht, obwohl der Intensitätsverlauf in Fig. 12c
kleiner ist als der ursprüngliche Verlauf.
Fig. 13a zeigt ähnlich wie in Fig. 12c eine Zerlegung in Basis- und Modulationsanteil, nur
ist die Zerlegung hier spezifisch für jede von zwei Schaltgruppen vorgenommen. Fig. 13b
zeigt, daß auch hier die integrierte Aperturhelligkeit identisch mit der von Fig. 12b ist. Fig.
13c zeigt eine Zerlegung für drei Schaltgruppen. Die in den Intensitätsbalken eingezeich
neten Pfeile verdeutlichen die Polarisationsrichtung mit der die entsprechenden Lichtan
teile kodiert werden. In der selben Weise zeigt Fig. 13d die Aperturhelligkeit für die dritte
Apertur in Abhängigkeit von der Polarisation über den Multiplexzyklus.
Fig. 14 zeigt den Basis- und Modulationsanteil entsprechend ihrer Modulationsrichtung
(Basisanteil in horizontaler und Modulationsanteil in vertikaler Polarisation). Beide Anteile
treten durch eine Vorrichtung von zwei elektro-optischen Modulatoren, hinter denen sich
jeweils ein Polarisator befindet (durchlassend für vertikale Polarisation und sperrend für
horizontale Polarisation). Durch Anlegen einer Spannung an den ersten elektro-optischen
Modulator kann die Eingangspolarisation um 90 Grad gedreht werden, d. h. der Basisanteil
tritt in vertikaler Position und der Modulationsanteil in horizontaler Polarisation aus. Da der
erste Polarisator nur Licht vertikaler Polarisation durchläßt, kann durch Anlegen einer
Spannung am ersten Modulator vom Modulationsanteil zum Basisanteil geschaltet wer
den. Durch Anlegen einer Spannung an den zweiten elektro-optischen Modulator kann das
immer in vertikaler Polarisation eintretende Licht ebenfalls um 90 Grad gedreht werden. In
diesem Fall tritt kein Licht mehr durch den zweiten vertikalen Polarisator und das Element
ist lichtundurchlässig.
Fig. 15 zeigt wie an den Seitenflächen von zwei in geringem Abstand gegenüberliegenden,
geöffneten Aperturelementen (fett eingezeichnet) ein Abblocken des Lichtes auftritt, was
sich visuell wie der Blick durch einen Lattenzaun bemerkbar macht (Fig. 15a). Durch
Transparentschalten von benachbarten Aperturelementen bei einem der beiden Ver
schlüsse wird dieser Lattenzauneffekt unterdrückt, ohne daß eine merkliche Änderung des
Kontrastverhältnisses stattfindet (Fig. 15b).
Fig. 16 zeigt die Prozessierungseinheit zur Ausnutzung von Helligkeitskorrelationen zwi
schen Perspektiven. Dabei befinden sich die Perspektivbilder in einem Bildspeicher. Ein
Arithmetikprozessor bestimmt für jedes Pixel die optimale Zerlegung in Schaltgruppen
gemäß des erfindungsgemäßen Verfahrens. Daraus resultieren dann ein Basisanteil und
die Modulationsanteile. Man beachte, daß der Basisanteil per Definition allen Perspektiven
einer Schaltgruppe gemeinsam ist.
Wir beschreiben zuerst die Bedingungen für den geometrisch korrekten Bildaufnahmepro
zeß, der inhärent mit der verzerrungsfreien 3D-Wiedergabe verbunden ist und anhand
dessen sich auch am besten das Prinzip der autostereoskopischen Wiedergabe erklären
läßt. Betrachtet man eine dreidimensionale Szene, so ergeben sich abhängig von der Be
obachtersituation verschiedene perspektivische Ansichten der Szene. Ohne Beschrän
kung der Allgemeinheit betrachten wir hier nur Veränderungen mit horizontaler Parallaxe,
d. h. es sind nur Positionen längs einer horizontalen Beobachtungslinie erlaubt. Der allge
meine Fall beliebiger Beobachtungsveränderungen läßt sich leicht aus dem Fall der horizontalen
Parallaxe ableiten, ist aber in der Praxis wenig relevant, da die Augen eines
menschlichen Betrachters horizontal angeordnet sind.
Ferner gibt es bei jeder Bildwiedergabe praktische Beschränkungen in den Dimensionen,
beispielsweise hat ein Monitor nur eine endliche Ausdehnung. Dies läßt sich am besten
dadurch beschreiben, daß man annimmt, die 3D-Szene werde durch ein Fenster betrach
tet. Fig. 1a zeigt eine perspektivische Ansicht dieser Verhältnisse und Fig. 1b dieselbe Si
tuation in der Draufsicht. Der Mittelpunkt PM der Szene liege beispielsweise im Zentrum
des Würfels. Die Beobachtungspositionen Bi (-N < i < N) befinden sich längs einer horizon
talen Linie, die vor dem Beobachtungsfenster und parallel zu den waagerechten Fenster
kanten verläuft. Wir definieren ein Koordinatensystem im Punkt B0, mit der z-Achse in
Richtung der Verbindungslinie B0PM und der x-Achse entlang der horizontalen Beobach
tungslinie. Die y-Achse ergänzt das Koordinatensystem linkshändig. Bei (xp, yp) der
Schnittpunkt der Verbindungslinie von einem Beobachtungspunkt Bi zu einem beliebigen
Szenenpunkt P mit den Koordinaten (x, y, z) und der Fensterebene. Für eine beliebige,
aber feste, Beobachtungsposition, definiert die Gesamtheit der Schnittpunkte (xp, yp) für
alle Szenenpunkte P die Perspektive Bi. Punkte in der Szene, die von anderen verdeckt
werden, sind dabei nicht sichtbar, jedoch können diese Punkte von einer anderen Position
aus in Erscheinung treten. Aus der Geometrie von Fig. 1.a, b kann die Relation zwischen
den Objektkoordinaten (x, y, z) und den Perspektivkoordinaten (xp, yp) abgeleitet werden. Es
gilt mit den Notationen aus Fig. 1:
Um eine verzerrungsfreie Darstellung der 3D Szene in der Wiedergabe zu gewährleisten,
ist es erforderlich, daß die Perspektivdarstellungen einer Szene nach Gleichung 1 be
stimmt werden. Die bei anderen autostereoskopischen Verfahren verwendeten Perspek
tivbilder kommen dieser Forderung nur approximativ nach. Hier sind insbesondere zwei
Methoden der Perspektivengenerierung zu nennen, die in Fig. 3 und Fig. 4 in der Drauf
sicht gezeigt sind. In Fig. 3 werden die Perspektivdarstellungen, genau wie in Fig. 2, von
einem Punkt gewonnen, der sich auf der horizontalen Beobachtungslinie befindet. Der
Unterschied ist jedoch, das hier die Projektionsebene E' nicht mehr mit der Fensterebene
E zusammenfällt, sondern senkrecht zum Sehstrahl BiPM verläuft. Die Perspektiven, die
durch diese Projektion gewonnen werden, entsprechen der Bildaufnahme durch eine Ka
mera am Ort Bi (in der Näherung der geometrischen Optik). Durch die üblichen Brennwei
ten erfolgt natürlich keine 1 : 1 Abbildung, aber dies macht sich nur als globaler Skalie
rungsfaktor bemerkbar. Aus Fig. 3 entnimmt man den Zusammenhang zwischen den plan
aren Projektionskoordinaten und den räumlichen Szenenkoordinaten x, y, z (Notationen wie
in Fig. 3):
Ähnlich wie in Fig. 3 werden auch die Perspektivdarstellungen in Fig. 4 erzeugt, nur bewegt
sich der Beobachtungspunkt Bi nun auf einer Kreisbahn um den Szenenmittelpunkt PM.
Auch hier ist die Projektionsebene E' senkrecht zum Sehstrahl BiPM orientiert und daher
verschieden von der Fensterebene E. Wiederum entnimmt man aus Fig. 4 den Zusam
menhang zwischen den planaren Koordinaten und den Szenenkoordinaten (Notationen
wie in Fig. 4):
Ein Vergleich von Gl. 1, 2 und 3 zeigt, daß die Koordinatentransformationen für kleine
Winkel ungefähr gleich und für die Mittenperspektiven B0 sogar identisch zueinander sind.
Für große Winkel sind die Abweichungen aber nicht immer zu vernachlässigen, so das
Verzerrungen im Bild auftreten, wenn die Perspektivkoordinaten xp, yp nach Gleichung 2
bzw. 3, anstatt nach Gleichung 1, berechnet werden.
Sollen die Perspektiven von einer realen Szene mittels einer Kamera konform mit Glei
chung 1 erzeugt werden, so ist es vorteilhaft die Kamera in der Scheimflug Konfiguration
zu benutzen. Dabei ist die Filmebene der Kamera relativ zur optischen Achse geneigt und
zwar in der gleichen Weise wie die Fensterebene E. Fig. 5 zeigt diesen Fall für die Auf
nahmegeometrie aus Fig. 3. Es läßt sich zeigen, daß in diesem Fall für die Projektionsko
ordinaten gilt:
Damit ist die Projektionskoordinate xp bis auf den Skalierungsfaktor mit der exakten Glei
chung 1 identisch. Die unkorrigierte Koordinate yp kann durch Neigung der Kameraebene
in der orthogonalen Richtung in der gleichen Weise korrigiert werden.
Eine weitere Möglichkeit ist die Verwendung eines 3D-Scanners, mit dem sich direkt die
Raumkoordinaten x, y, z bestimmen lassen, die sich dann einfach durch Einsetzen in Glei
chung 1 in korrekte Perspektivdarstellungen umwandeln lassen. Auch bei den handelsüb
lichen Computerprogrammen zur Erzeugung von Perspektiven sind meistens nur die Ka
meramethoden nach Gleichung 2 und 3 implementiert, jedoch kann ein Zusatzmodul hier
in recht einfacher Weise auch die Transformation nach Gleichung 1 liefern.
Die mit inhärenten 3D-Aufnahmeverfahren, z. B. in der medizinischen Tomographie ge
wonnenen digitalen Datensätze, sind meistens auch in Raumkoordinaten gespeichert
(wobei es sich auch um abstrakte oder virtuelle Räume handeln kann) und können damit
analog zu den oben erwähnten 3D-Scanner Daten behandelt werden.
Liegen hingegen nur normale Perspektivaufnahmen einer Szene vor, so müssen diese
korrigiert werden, um in jedem Fall eine verzerrungsfreie Darstellung zu gewährleisten.
Dabei kann man wie folgt vorgehen:
- a) Zunächst müssen die Korrespondenzpunkte in den Perspektiven identifiziert werden,
die einem Szenenpunkt entsprechen. Dazu gibt es bereits eine Anzahl von Verfahren, die
in der Literatur beschrieben sind.
- b) Mit Hilfe der gefundenen Korrespondenzpunkte können Gleichungen 2 und 3 nach den
Szenenkoordinaten aufgelöst werden.
- c) Im letzten Schritt berechnet man aus den Szenenkoordinaten nach Gleichung 1 die kor
rigierten Perspektiven.
Die Korrektur der Perspektiven kann in Echtzeit oder Offline erfolgen.
Im Folgenden setzen wir voraus, daß die Perspektiven in der korrekten geometrischen
Repräsentation vorliegen. Nehmen wir an, diese Perspektiv- oder Projektionspunkte einer
3D-Szene seien zusammen mit den zugehörigen Lichtintensitäten (und der Farbinformati
on), mit denen die Bildpunkte der Szene strahlen, abgespeichert (analog oder digital). Man
kann nun einem Beobachter mit Hilfe dieser Perspektiven den gleichen visuellen Eindruck
vermitteln wie dem Betrachter der realen Szene, wenn man es erreicht, die zu einer Beob
achtungsposition zugehörige Perspektive nur von eben dieser einen Position aus sichtbar
werden zu lassen und von keiner anderen. Bei Stereohologrammen löst man diese Anfor
derung, indem man die Perspektiven in Hologrammstreifen kodiert, die dann, entspre
chend der Perspektivenabfolge, aneinander gesetzt werden. Schaut ein Betrachter durch
einen einzelnen Hologrammstreifen, so sieht er die kodierte Perspektivansicht in einer
Ebene hinter dem Hologramm rekonstruiert. Bewegt man sich längs der Hologrammstrei
fen, so ergibt sich genau die Perspektivenabfolge wie in der natürlichen Betrachtung. Die
Hologrammstreifen sind dabei so schmal, das die beiden Augen eines Beobachters einen
Szenenpunkt immer nur durch zwei unterschiedliche Hologramme wahrnehmen können,
woraus sich die Stereowahrnehmung ergibt.
Eine andere technische Lösung für das Problem besteht in der Verwendung einer beweg
ten Schlitzapertur: wenn die Apertur um eine der Beobachtungspositionen zentriert ist,
zeigt man auf einem Monitor, der in der Fensterebene plaziert ist, die zugehörige Per
spektivansicht, also die, die beispielsweise von einer Kamera in dieser Position aufge
nommen wurde. Danach bewegt sich die Apertur zur nächsten Position und so fort, bis
sich der Vorgang wieder von vorne wiederholt. Natürlich muß die Bewegung der Apertur
schnell genug erfolgen, um von einem Beobachter nicht mehr aufgelöst werden zu kön
nen. Außerdem muß die Synchronisation der Perspektivdarstellungen auf dem Monitor mit
der Aperturbewegung sichergestellt sein. Diese Lösung ist das in der DE 41 23 895 A1 dar
gelegte Einfach-Apertur-Verfahren.
Die hier beschriebene Erfindung setzt auf dieser Idee auf, verwendet aber mehrere Aper
turen, wodurch sich die oben aufgeführten Nachteile des Einfach-Aperturverfahrens ver
meiden lassen.
Wir beschreiben hier zwei technische Ausführungsformen, die sich in der Konstruktion und
in den Displayeigenschaften etwas voneinander unterscheiden. Beide Ausführungsformen
basieren auf der Verwendung von mehreren simultan geöffneten Aperturen innerhalb ei
nes Zeittaktes des Multiplexzyklus. Im nächsten Takt wird dann die momentan geöffnete
Aperturgruppe geschlossen und die nächste Gruppe von Aperturen geöffnet und so fort,
bis sich der Vorgang mit dem Einschalten der ersten Aperturgruppe wiederholt. Gleichzei
tig mit dem Öffnen der Aperturen muß auf dem Bildschirm die entsprechende Perspekti
vinformation, die als Bildkomposit bezeichnet wird, gezeigt werden, die sich anders wie
beim Einfach-Apertur Verfahren, aus mehreren Teilausschnitten von "konventionellen"
Perspektiven zusammensetzt, da sich ja die simultan geöffneten Aperturen die Bildschirm
fläche für die zugehörige Perspektivdarstellung teilen müssen. Die beiden Ausführungs
formen unterscheiden sich in der geometrischen Positionierung dieser Teilausschnitte re
lativ zu den geöffneten Aperturen:
a)
Beim Multi-Apertur-Verfahren I sind die perspektivischen Teilausschnitte genau hinter
den geöffneten Aperturen zentriert (Fig. 7a, b). Während eines Multiplextaktes werden
in der Aperturebene mehrere Aperturschlitze im äquidistanten Abstand simultan geöff
net (in Fig. 7a sind dies die fett markierten Schlitze mit der Numerierung 1, 4, 7). Fig. 7a
zeigt den Fall, in dem die Teilausschnitte, die zu den simultan geöffneten Aperturen
gehören, direkt aneinandergesetzt sind. Dadurch wird die verfügbare Bildschirmfläche
am besten genutzt, jedoch könnte man auch Dunkelbereiche zwischen den Aus
schnitten plazieren, um z. B. ein potentielles Übersprechen von verschiedenen Per
spektiven zu verhindern. Da für jede geöffnete Apertur nur ein streifenförmiger Aus
schnitt der ursprünglichen Vollperspektive dargestellt wird, ist der Bewegungsbereich
für einen Betrachter, innerhalb dessen er einen störungsfreien 3D-Eindruck hat, natür
lich eingeschränkt. Der Bereich, innerhalb dessen sich ein Beobachter, relativ zu einem
geöffneten Aperturschlitz, bewegen kann, läßt sich geometrisch aus der Breite der per
spektivischen Teilausschnitte und der Kanten des Aperturspalts bestimmen. Es ergibt
sich für jede Apertur ein trichterförmiger Bereich, der sich von dem jedem Teilaus
schnitt zugeordneten Projektionszentrum in den Beobachtungsraum hinein erstreckt
(Fig. 7a, b). Bewegt sich ein Beobachter außerhalb dieser Bereiche, so kann es dazu
kommen, daß Teilausschnitte durch die Apertur wahrgenommen werden, die nicht zu
dieser Apertur gehören und daher eine Störung des 3D-Effektes verursachen. Da dies
für jeden geöffneten Schlitz gilt, ergibt sich die Zone einer störungsfreien 3D-
Wahrnehmung nur im Überlappungsbereich der erlaubten Wahrnehmungszonen für
die einzelnen geöffneten Aperturen (in Fig. 7a, b fett eingezeichnet). Die für eine Grup
pe von geöffneten Aperturen beschriebenen Verhältnisse gelten genauso für jede an
dere Aperturgruppe, die im Verlauf des Multiplexzyklus geöffnet wird. Fig. 7b zeigt die
Aperturgruppe 3, 6, 9 im geöffneten Zustand (ebenfalls fett eingezeichnet). Der erlaubte
Wahrnehmungsbereich ist hier aber relativ zu jeder anderen Gruppe in dem Maße ver
schoben, wie es der Verschiebung der beiden Aperturgruppen entspricht. Da der Be
obachter innerhalb eines Multiplexzyklus widerspruchsfreie Information von allen
Aperturgruppen wahrnehmen sollte, ergibt sich die Beobachtungszone für eine wider
spruchsfreie 3D-Wahrnehmung als Durchschnitt der gültigen Beobachtungszonen für
alle Gruppen. Für die Konstruktion dieser Zone reicht es, den Überlappungsbereich der
ersten und letzten Aperturgruppe zu bestimmen, da dieser dann auch automatisch für
die dazwischenliegenden Gruppen Gültigkeit hat. Fig. 7c zeigt die Verhältnisse für das
Beispiel aus Fig. 7a, b. Für das praktische Design ist es wichtig den Abstand L der
Wahrnehmungszone zur Aperturebene, sowie den Abstand vom Beginn der Wahr
nehmungszone zu einer Sehline, mit vorgegebener Breite W, zu bestimmen. Mit den in
Fig. 7a, b, c dargelegten Bezeichnungen ergibt sich:
Eine typische Anzahl von gleichzeitig geöffneten Aperturen ist drei oder vier, jedoch
kann der Wert im Design variiert werden.
b)
Beim Multi-Apertur Verfahren II werden die Teilausschnitte auf dem Bildschirm, eben
falls zur besten Ausnutzung der Bildschirmfläche, aneinandergrenzend präsentiert.
Während beim Verfahren I die Aperturzentren den Mittelpunkten der Perspektivaus
schnitte gegenüberliegen, weicht Verfahren II jedoch von dieser Geometrie ab: eine
Anordnung von Aperturschlitzen wird den Perspektivausschnitten jetzt so zugeordnet,
daß der gültige Wahrnehmungsbereich für alle Schlitze auf einer vorgegeben Sehlinie
W zusammenfällt (Fig. 9). Es ergibt sich aus der Geometrie, daß die Anordnung der
Schlitze wiederum periodisch ist (allerdings mit einer unterschiedlicher Periode Sp als
für die Teilausschnitte). Weiterhin ist auch die sich aus diesem Konstruktionsprinzip er
gebende Schlitzbreite s stets die gleiche für alle Schlitzpositionen. Die Sehlinie W kann
beispielsweise so groß gewählt werden, wie die Shutterbreite bei einem Einfach-
Apertursystem. Damit ergibt sich automatisch ein ähnlich großer Wahrnehmungsbe
reich innerhalb dessen sich ein oder mehrere Beobachter frei bewegen können. Für die
Konstruktion ist der Zusammenhang zwischen der Schlitzperiode Sp innerhalb einer ge
öffneten Gruppe, der Schlitzbreite s, der Breite D der Teilausschnitte, der Sehlinien
breite W, sowie der Abstände Bildschirm zu Aperturebene d und Aperturebene zu
Sehlinie L entscheidend. Aus der Geometrie von Fig. 9 lassen sich folgende Relationen
herleiten:
Die Anzahl der simultan geöffneten Schlitze ist auch hier ein variabler Designparameter
und kann für einige Konstruktionen 30 oder mehr betragen.
Aus den beschriebenen Konstruktionsprinzipen ergibt sich auch für beide Verfahren die
Anleitung zum Aufbau der Bildkomposite. Dabei kann man einen "direkten" und einen "in
direkten" Aufbau der Bildkomposite unterscheiden. Beim direkten Aufbau (Fig. 8) wird je
der Teilausschnitt des Bildkomposits vom zugehörigen Projektionszentrum aufgenommen
oder erzeugt. Beispielsweise würde man in diese Position eine Kamera positionieren,
wenn es sich um die Aufnahme einer natürlichen Szene handelt. Durch geeignete Be
schränkung des Blickfeldes, z. B. durch Blenden, wird dann ein Teilausschnitt der Breite D
erzeugt. Aus den Aufnahmen mehrerer dieser Teilausschnitte, die jeweils den simultan
geöffneten Aperturen zugeordnet sind, wird dann das Bildkomposit zusammengesetzt.
Beim indirekten Aufbau des Bildkomposits (Fig. 10) bestimmt sich jeder Teilausschnitt
selbst wieder aus einer Anzahl von Segmenten, wie sie von den Positionen Bi (i = -2 . . 2) auf
einer hinter dem Projektionszentrum gelegenen Beobachtungslinie sichtbar werden. Fig. 10
zeigt dies anhand von fünf Beobachtungspositionen, bei denen sich die entsprechenden
Segmente aus den fünf Vollperspektiven entnehmen lassen. Eine Vollperspektive ent
spricht dabei den Perspektiven, die von den jeweiligen Beobachtungspositionen aus ohne
jegliche Aperturbeschränkung zu gewinnen sind. Im Extremfall kann von jeder Vollper
spektive nur noch eine Pixelspalte verwendet werden, so daß sich für eine Anzahl von N
Perspektiven die Breite D als N × Pixelabstand ergibt. Ein Vorteil dieses Bildkompositauf
baus ist, daß bei Kameraaufnahmen nicht das Projektionszentrum verwendet werden
muß, sondern ein Abstand gewählt werden kann, der der Kameraoptik optimal entspricht.
In einer Echtzeitverarbeitung muß diese "Verschachtelung" von der elektronischen Pro
zessierungseinheit ausgeführt werden (Fig. 6).
Entscheidend für die Reduzierung der Bildwiederholrate (und damit auch der Erhöhung
der Lichteffizienz) bei beiden Verfahren ist das Verhältnis des Abstandes von Schlitz zu
Schlitz innerhalb einer Gruppe, also Sp, und der Schlitzbreite s. Dieses Verhältnis be
stimmt die Anzahl der erforderlichen Multiplexschritte und entspricht auch der Anzahl der
"effektiven" Perspektiven. Die Unterscheidung zwischen Perspektiven und "effektiven"
Perspektiven ergibt sich aus der Tatsache, daß eine Aperturöffnung nicht mehr alle Ob
jektpunkte erfaßt, sondern nur noch die, die zu der Teilansicht gehören. Die effektive An
zahl von Perspektiven ist durch die Anzahl der verschiedenen Ansichten festgelegt, mit
der jeder beliebiger Objektpunkt während einen Multiplexzyklus dargestellt werden soll.
Die Gesamtanzahl der Perspektiven (genauer eigentlich der perspektivischen Teilaus
schnitte), die ja per Definition immer größer ist als die effektive Perspektivenzahl, ist hin
gegen identisch mit der Gesamtzahl der Aperturen.
Obwohl das Multi-Apertur-Verfahren hier am Beispiel schlitzförmiger Aperturen erläutert
wird, ist es keineswegs darauf beschränkt. Eine andere Art der Multi-Apertur Gestaltung ist
beispielsweise das Öffnen mehrerer Kreissegmente in einer kreisförmigen Shutterfläche,
wie es insbesondere in einer Draufsichtgeometrie verwendet werden könnte.
Im folgenden geben wir einige Konstruktionsbeispiele an, die nach dem Verfahren I und II
konstruiert sind. Diese sollen nur beispielhaft für die Konstruktion in praktischen Applika
tionen stehen. Bei beiden Verfahren müssen, neben den oben angeführten geometrischen
Relationen, noch zwei weitere Bedingungen für ein erfolgreiches Design beachtet werden,
nämlich die Bedingung für stereoskopische Wahrnehmung und für Unterdrückung des
Flipping-Effektes (Ref. 7). Insbesondere die Bedingung für stereoskopische Wahrnehmung
ist kritisch für ein erfolgreiches Design und ist in den Beispielen berücksichtigt:
a) Verfahren I
Arbeitsplatzrechnerkonfiguration
Spaltbreite s = 1 cm
Bildschirmbreite B = 39 cm
Anzahl der Aperturen NT
= 27
Anzahl der geöffneten Aperturen No = 3
Abstand Bildschirm zu Aperturebene d = 26 cm
Sehlinie W = 15 cm im Abstand von 84 cm
b) Verfahren II
Arbeitsplatzrechnerkonfiguration
Spaltbreite s = 1 cm
Bildschirmbreite B = 30 cm
Anzahl der Aperturen NT
= 24
Anzahl der geöffneten Aperturen No = 6
Abstand Bildschirm zu Aperturebene d = 15 cm
Sehlinie W = 15 cm im Abstand von 60 cm
c) Verfahren II
Notebook-Konfiguration
Spaltbreite s = 0.5 mm
Bildschirmbreite B = 25 cm
Anzahl der Aperturen NT
= 480
Anzahl der geöffneten Aperturen No = 48
Abstand Bildschirm zu Aperturebene d = 3.5 cm
Sehlinie W = 6.5 cm im Abstand von 52.5 cm
d) Verfahren II
TV/Video-Konfiguration
Spaltbreite s = 0.5 cm
Bildschirmbreite B = 39 cm
Anzahl der Aperturen NT
= 72
Anzahl der geöffneten Aperturen No = 3
Abstand Bildschirm zu Aperturebene d = 10 cm
Sehlinie W = 150 cm im Abstand von 120 cm
Die Breite W der Sehlinie ist in den angegebenen Beispielen für den Minimalabstand spe
zifiziert. Der oder die Beobachter können sich auch in einem größeren Abstand plazieren,
wobei sich die Sehlinie vergrößert (siehe Fig. 7c).
Ein spezieller Fall ergibt sich aus einer Grenzbetrachtung von Verfahren II, bei dem man
die Teilausschnitte D auf nur noch ein Pixel beschränkt. Mit anderen Worten wird jedem
Bildschirmpunkt eine Mikroschlitzanordnung zugeordnet, von der jeweils eine Mikroapertur
entsprechend der darzustellenden Perspektive des Bildpunktes geöffnet wird (Fig. 11). Bei
einem Pixelabstand von 0.5 mm ergibt sich für typische Werte der Notebook-Konfiguration
(W = 250 mm, L = 750 mm) mit 12 Perspektiven eine Spaltbreite von s = 0.5/12 mm und
eine Spaltperiode von ebenfalls 0.5 mm (die exakten Werte weichen geringfügig davon
ab). Die geometrischen Dimensionen sind zwar recht klein, jedoch innerhalb der Grenzen,
die sich heute fertigungstechnisch ohne weiteres herstellen lassen. Der Vorteil einer sol
chen Konfiguration für die Steigerung der Bildhelligkeit wird im Folgenden noch erkennbar
werden.
Aus den Designbeispielen erkennt man, daß sich eine große Zahl von Applikationen für
3D-Systeme, z. B. Workstation, Notebook, oder TV/Video, nach den hier beschriebenen
Verfahren konstruieren läßt. Bei Verfahren II können auch sehr kleine Perspektivenzahlen,
bis hin zu einem rein stereoskopischen Wiedergabesystem, realisiert werden. Natürlich ist
bei rein stereoskopischer Wiedergabe die Beobachtungszone recht klein (+/- halber Au
genabstand). Jedoch kann eine stereoskopische Wiedergabe auch mit einem Headtrac
kingsystem gekoppelt werden. Mit konfigurierbaren Schlitzbreiten, wie beispielsweise bei
einem elektro-optischen Shutter, und einem variablen Abstand zwischen Aperturebene
und Bildschirm, ließe sich das 3D-Wiedergabesystem flexibel den verschiedensten Situa
tionen anpassen.
Grundlegend für das Funktionieren des Multi-Apertur-Verfahrens (I oder II) ist die Syn
chronisation der Bildkomposite mit den zu öffnenden Aperturen. Fig. 6 zeigt das Steue
rungs- und Prozessierungssystem. Je nach der Aufnahmegeometrie der Eingangsdaten,
sind von der Prozessierungseinheit auch geometrische Korrekturen und der Aufbau der
Bildkomposite, Perspektiven-Verschachtelung genannt, vorzunehmen.
Die Verschachtelung von Perspektiven erlaubt es im übrigen, die bekannten Techniken mit
Polarisations-Farbfilterbrillen auf das beschriebene Bildaufnahme und Wiedergabeverfah
ren zu übertragen.
Dazu werden jedoch nicht die Bildkomposite in schneller Folge nacheinander, sondern
gleichzeitig auf dem Bildschirm gezeigt. Die Bildkomposite werden "gleichzeitig" auf dem
Bildschirm gezeigt, indem die Bilder von zwei Projektoren (mit jeweils einem Pol-Filter unterschiedlicher
Polarisationsrichtung) überlagert werden, oder die Bilder von LCD-Panels
oder CRTs polarisiert und dann mit einem Polarisationsteiler überlagert werden. Ein Son
derfall bildet die Darstellung verschiedener Perspektiven mit unterschiedlichen Farben, die
ja gleichzeitig von praktisch jedem normalen Monitor erzeugt werden können. Wählt man
beispielsweise eine Schlitzbreite s = 1 cm, Teilausschnitte der Breite D = 2 cm und einen
Abstand von Bildschirm- und Aperturebene d = 1 cm, so gibt es zwei Aperturgruppen, de
nen zwei Bildkompositgruppen zugeordnet sind. Statt sie zu multiplexen, werden sie un
terschiedlich polarisiert oder mit unterschiedlichen Farben dargestellt. Auf dem Bildschirm
überlagern sich also ständig zwei Bildkomposite von denen eines durch die erste Apertur
gruppe und das andere durch die zweite Aperturgruppe gesehen wird. Wenn man die
Farb- und Polarisationskodierung verknüpft, kann man sogar 6 verschiedene Bildkompo
site gleichzeitig zeigen. Die Shuttersegmente in dieser Ausführungsform sind aus vertika
len Streifen von Polarisations- bzw. Farbfilterfolien aufgebaut. Sie sind völlig passiv und
benötigen keinerlei elektronische Steuerung.
Allerdings ist die Wahrnehmungszone für einen Betrachter vergleichsweise beschränkt.
Wie schon oben erwähnt, kann aber durch ein sog. Head Tracking System die Position
des Betrachters in der Horizontalen und sein Abstand zum Monitor bestimmt werden, wor
auf die Bildschirminformation entsprechend der geänderten Beobachtungsposition geän
dert wird. Die Steuerungs- und Prozessierungseinheit wären in diesem Fall analog zu Fig.
6, wobei allerdings die Shuttersteuerung durch eine Head Tracking Einheit zu ersetzen ist.
Der Bildprozessor wäre für das Verändern der Bildinformation mit der getrackten Beob
achterposition verantwortlich.
Zuletzt sei noch eine weitere erfindungsgemäße Methode der Helligkeitssteigerung be
schrieben, die auf der Beobachtung basiert, daß für die meisten Szenen die Pixelwerte für
die verschiedenen Perspektiven stark korreliert sind. Die Helligkeit und Farbe ändert sich
für ein Pixel zwischen benachbarten Perspektiven oft nur geringfügig. Dies gilt insbeson
dere für die Pixel, die nicht auf den Rändern von Objekten liegen, sondern auf den Ober
flächen. Hier ist diese Änderung sehr klein. Die Bildhelligkeit I eines jeden Pixels kann in
einen Basisanteil IB, der mehreren Perspektiven gemeinsam ist, und einen Modulations
anteil IM zerlegt werden, der die eigentliche Änderung mit der Perspektive darstellt:
Gleichung 7
I = IB
+ IM
Hierbei repräsentiert der Basisanteil allerdings nicht den Durchschnittswert der Perspektiv
intensitäten, sondern den Minimalwert. Dies resultiert aus der Tatsache, daß Lichtintensi
täten stets positiv sind und daher der Modulationsanteil nicht vom Basisanteil subtrahiert,
sondern nur hinzugefügt werden kann. Für eine größere Anzahl von Perspektiven wird es
daher wahrscheinlicher, daß der Basisanteil kleiner und der Modulationsanteil größer wird.
Fig. 12a zeigt einen angenommenen Intensitätsverlauf für einen Bildpunkt als Funktion
der Zeit (mit 6 Zeittakten, entsprechend einer Anzahl von 6 Perspektiven). Für die wahr
genommene Helligkeit einer Perspektive ist nur die integrierte Aperturhelligkeit entschei
dend (vorausgesetzt der Multiplexvorgang läuft genügend schnell ab). Im Standardmode
wird, durch das Ein- und Ausschalten der Aperturen, gerade der Anteil Sm(I) aus dem Pi
xelintensitätsprofil herausgeschnitten, der für die Perspektive m wirksam werden soll (Fig.
12b). Nehmen wir nun an, der 6-te Teil der Minimalintensität Imin im Intensitätsprofil von
Fig. 12a würde ständig, d. h. für alle Perspektiven (wir beschreiben nachfolgend wie das
praktisch realisiert werden kann), durch den Shutter durchgelassen. Der Modulationsanteil
ergibt sich dann aus der Differenz der ursprünglichen Intensitätswerte reduziert um die
Minimalintensität. Insgesamt ergibt sich der gesamte Intensitätsverlauf nach Gleichung 7
als Summe beider Anteile. Fig. 12c zeigt diesen Intensitätsverlauf und Fig. 12d zeigt für
diesen Fall die integrierte Aperturhelligkeit wiederum als schraffierte Fläche. Nach Kon
struktion sind die schraffierten Flächen in Fig. 12b und 12d identisch und Gleiches gilt für
alle Aperturen, so daß man mit einem reduzierten Intensitätsverlauf, wie in Fig. 12c darge
stellt, genau dieselbe Bildhelligkeit erreicht wie mit dem Intensitätsverlauf aus Fig. 12a
(unter der Voraussetzung das der Basisanteil ständig durchgelassen wird). Oder anders
ausgedrückt: bei gleichem Intensitätsverlauf läßt sich mit dem angegebenen Verfahren die
Aperturhelligkeit erhöhen. Da für eine größere Anzahl von Perspektiven die Minimalinten
sitäten der Pixel im allgemeinen recht kleine Werte haben können (oder sogar Null wer
den), ist die "Ersparnis" im Intensitätsprofil nicht immer signifikant (wie es auch der Ver
gleich von Fig. 12a und 12c demonstriert). Jedoch kann man, anstatt die Aufspaltung in
Basis- und Modulationsanteil über den gesamten Perspektivenbereich zu erstrecken, die
Zerlegung auch auf eine kleinere Anzahl von Perspektiven anwenden. Während eine Per
spektivgruppe gemultiplext wird, müssen alle nicht zu dieser Gruppe gehörigen Aperturen
allerdings auf undurchlässig geschaltet werden. Fig. 13a zeigt eine Zerlegung des Inten
sitätsprofils von Fig. 12a in zwei Schaltgruppen. Der Basisanteil ist für die erste Gruppe
beträchtlich größer (Faktor 3) als der Basisanteil für alle Perspektiven, so daß sich der In
tensitätsverlauf des Pixels innerhalb dieser Gruppe viel wirksamer reduzieren läßt. Aller
dings ist der Intensitätsverlauf für die zweite Gruppe (in der die ursprüngliche Minimalin
tensität liegt) etwas größer als vorher (Fig. 12c). Wie man aus dem Vergleich von Fig. 12c
und Fig. 13a sieht, ist jedoch die gesamte mittlere Intensität für Fig. 13a beträchtlich gerin
ger als in Fig. 12a. In der Tat kann man die Zerlegung systematisch so wählen, daß die
mittlere Intensität minimal wird. Betrachtet man eine Anzahl von N Perspektiven mit Mini
malintensität Imin und eine Aufspaltung in N1 und N2 Perspektiven mit Minimalintensitäten
Imin1 = Imin (ohne Beschränkung der Allgemeinheit sei die ursprüngliche Minimalintensität
innerhalb der N, Perspektiven) und Imin2. Dann ist die mittlere Intensität für die Zerlegung
kleiner als für die ursprünglichen Perspektiven, wenn gilt:
Dieses Kriterium kann sukzessive angewandt werden, d. h. ausgehend von N Perspektiven
bestimmt man zunächst die Zerlegung mit Perspektiven N1 und N2 mit minimaler Intensität.
Dies kann in N Vergleichen in der Art von Gleichung 8 vollzogen werden. Dann kann man
für die so gefundenen Perspektivenzahlen N1 und N2 die Prozedur wiederholen, bis sich
keine Zerlegung mehr findet, die eine geringere mittlere Intensität aufweist. Sollte eine
Zerlegung eine genau so große mittlere Intensität haben, wie die ursprüngliche Perspekti
venzahl, so kann man zusätzlich die maximale Intensität minimieren. Dies ist für den Ver
lauf in Fig. 13c der Fall, der die gleiche mittlere Intensität wie Fig. 13a aufweist, aber eine
etwas geringere Maximalintensität hat (natürlich kann die Minimierung der Maximalinten
sität auch überhaupt als Kriterium für die Gruppenzerlegung herangezogen werden). Im
allgemeinen wird die optimale Zerlegung spezifisch für jeden Bildpunkt sein; deshalb ist
dieses Verfahren am effektivsten, wenn es für jeden Bildpunkt individuell optimiert werden
kann. Dies ist genau für die oben erwähnte Konfiguration der Fall, in der jeder Bildpunkt
seine eigene Mikroapertur vor sich hat. Für alle anderen Konfigurationen, bis hin zu der
Einfach-Apertur Geometrie, müssen die Zerlegungen so gewählt werden, daß sie im Mittel
über alle Bildpunkte eine Verbesserung erreichen. Da es hierbei nicht auf den absoluten
Intensitätsverlauf ankommt, sondern nur auf die Korrelation der Perspektiven von Bild
punkt zu Bildpunkt, wird im allgemeinen immer eine Reduzierung der mittleren Intensität
zu erreichen sein. Im einfachsten Fall kann man einfach eine feste Zerlegung in Gruppen
von drei oder vier Perspektiven wählen, da über eine solch geringe Anzahl von Perspekti
ven immer eine Korrelation für fast alle Bildpunkte besteht. Das Verfahren kann im
schlechtesten Fall, d. h. wenn keine Korrelationen gefunden werden, die sich für eine Hel
ligkeitssteigerung verwenden lassen, auch in der schon bekannten Standardweise, d. h.
mit IB = 0, betrieben werden.
Fig. 16 zeigt das System zur Erzeugung der Basisanteil-Bilder und der Modulationsanteil
bilder. Benachbarte perspektivische Ansichten werden in einem Bildspeicher abgelegt und
von einen Arithmetik-Prozessor werden die Intensitäten der Bildpunkte mit gleicher x-y-
Koordinate gemäß des erfindungsgemäßen Verfahrens ausgewertet. Dies geschieht Bild
punkt für Bildpunkt. Der gefundene Minimalwert der Intensität wird durch die Anzahl der
Aperturen in der dazugehörigen Schaltgruppe dividiert und als Basisanteil der Schaltgrup
pe abgelegt. Der Modulationsanteil ergibt sich aus der Differenz der ursprünglichen Inten
sität und des Minimalwertes.
Aus dem beschriebenen Funktionsprinzip ergibt sich, daß insgesamt drei Aperturzustände
erforderlich sind:
- - durchlässig für Basisanteil, aber undurchlässig für Modulationsanteil,
- - durchlässig für Basis- und Modulationsanteil,
- - undurchlässig für Basis- und Modulationsanteil.
Man braucht daher einen zusätzlichen Freiheitsgrad für die Trennung von Basis- und Mo
dulationsanteil, da eine einfache durchlässige Apertur nicht zwischen diesen beiden An
teilen unterscheiden kann. Als geeigneter Parameter für diese Informationstrennung bietet
sich die Polarisation des Lichtes an, die ohnehin schon implizit durch die Verwendung von
elektro-optischen Verschlüssen, die mit Polarisationsfolien arbeiten, verwendet wird. Au
ßerdem ist Polarisation eine zur Farbe orthogonale Eigenschaft des Lichtes, so das die
volle Farbfähigkeit weiterhin gewährleistet ist. Fig. 14 zeigt eine schematische Darstellung
der technischen Realisierung: dabei wird der Basisanteil mit horizontaler Polarisation
übertragen, während der Modulationsanteil mit vertikaler Polarisation ausgesandt wird
(wichtig ist allerdings nur, daß die Polarisationszustände orthogonal sind). Für den Zeit
takt, in dem der Modulationsanteil durchgeschaltet wird, überträgt man auch den Basi
santeil mit vertikaler Polarisation. Der elektro-optische Verschluß besteht aus zwei elek
trooptischen Medien, im folgenden EOM abgekürzt (beispielsweise zweier ferroelektri
scher Flüssigkristallschichten), hinter denen jeweils ein Polarisator gesetzt wird - ohne Be
schränkung der Allgemeinheit nehmen wir an, die Polarisatoren wären für vertikale Polari
sation durchlässig und für horizontale Polarisation sperrend. Durch Anlegen einer elektri
schen Spannung wird die Eingangspolarisation nach Durchlaufen des elektro-optischen
Mediums um 90 Grad gedreht. Es lassen sich dann folgende Schaltzustände realisieren:
- 1. es liegt keine Spannung an beiden elektro-optischen Medien an. Daher wird die ver
tikale Polarisation (Modulationsteil) durch das erste EOM durchgelassen, während
der Basisanteil mit horizontaler Polarisation gesperrt wird. Genau wie beim ersten
EOM läuft die vertikale Polarisation ungehindert durch den zweiten EOM. Da der
Basisanteil per Definition immer präsent sein muß, wird er in dieser Phase auf den
Modulationsanteil gelegt, d. h. also in vertikaler Polarisation übertragen.
- 2. es liegt eine Spannung am ersten EOM an, aber keine am zweiten. Der erste EOM
dreht die horizontale Polarisation in die Vertikale, weil umgekehrt die vertikale Pola
risation in eine horizontale umgewandelt wird. Da der Polarisator stets nur vertikale
Polarisation passieren läßt, wird nun der Basisanteil durchgelassen, nicht jedoch der
nun in horizontaler Polarisation auftretende Modulationsanteil. Wie vorher hat der
zweite EOM auf die vertikale Polarisation keinen Einfluß.
- 3. es liegt eine Spannung am hinteren EOM an; dadurch wird die vertikale Eingangs
polarisation in die Horizontale gedreht, und dann am Ausgangspolarisator gestoppt.
Da durch den vertikalen Polarisator des ersten EOM immer nur eine vertikale Polarisation
auftreten kann, ist das Element für alles Licht (unabhängig von der ursprüngli
chen Polarisation) undurchlässig.
Fig. 13c zeigt die Polarisation des Basis- und Modulationsanteils für den Intensitätsverlauf
innerhalb der ersten Schaltgruppe und Fig. 13d die Polarisation des durch die Apertur m = 3
durchgelassenen Lichtes. Die beschriebene Vorrichtung, im Prinzip eine Anordnung von
zwei elektro-optischen Verschlüssen, hat also gerade die erforderliche Eigenschaft, die
Steuerung dreier Transmissionszustände vorzunehmen.
Darüber hinaus hat eine solche Vorrichtung noch eine andere positive Eigenschaft: solan
ge Flüssigkristalle als elektro-optische Verschlüsse verwendet werden, sind die in der Pra
xis verfügbaren Kontraste von 100 : 1 bis 150 : 1 für eine ideale 3D-Darstellung nicht immer
ausreichend, insbesondere für Systeme, die auf eine hohe Anzahl von Perspektiven di
mensioniert sind. Es kommt dann zu einer Art Halo-Bildung aufgrund der durchscheinen
den Perspektiven, die eigentlich nicht sichtbar sein sollten. Eine einfache aber wirkungs
volle Methode der Kontrasterhöhung ist es, zwei Verschlüsse dicht hintereinander zu ver
wenden. Aus der Optik ist bekannt, daß sich die Kontraste von zwei Transmissionsschei
ben im Kontakt multiplizieren. Daher ergibt sich für zwei Einzelverschlüsse mit einem
Kontrast von jeweils 100 : 1 ein Gesamtkontrast von 10000 : 1. Steuert man also synchron
zwei Schütze in den beiden Verschlüssen an, so ergibt sich dieser sehr hohe Gesamtkon
trast. Allerdings kommt es zu einem anderen störenden Effekt. Da nämlich die beiden Ver
schlüsse eine endliche Dicke und einen endlichen, wenn auch kleinen, Abstand voneinan
der haben, gibt es an der Grenzfläche von zwei hintereinander geöffneten Aperturen ein
Abblocken des Lichtes, das seitlich durch die Aperturöffnung fällt (Fig. 15a). Da die Apertu
ren über die gesamte Verschlußfläche gescannt werden, erhält man so einen Streifenein
druck zwischen den Aperturgrenzflächen. Der visuelle Eindruck ist daher ungefähr so, als
wenn man die 3D-Szene durch einen Lattenzaun betrachten würde. Schaltet man jedoch
in einem der beiden Verschlüsse, anstatt nur eine Apertur, einige der benachbarten Aper
turen ebenfalls auf durchlässig, so ergibt sich für das Licht aus der Bildebene eine trich
terförmige Bahn (Fig. 15b), die den beschriebenen Lattenzauneffekt wirksam unterdrückt.
Der oben beschriebene Gesamtkontrast wird dadurch nur unwesentlich reduziert, da ja nur
lokal um die Aperturöffnung herum der Kontrast reduziert ist. Die beschriebene Methode
kann für das Multi-Apertur- und das Einfach-Apertur-Verfahren in gleicher Weise eingesetzt
werden.
Bezüglich der Erzeugung von polarisierten Licht gibt es vielfältige Möglichkeiten, die in der
Literatur beschrieben sind. Es lassen sich sowohl Polarisationsmasken vor einem Bild
schirm verwenden als auch die Kombination von den polarisierten Komponenten zweier
Lichtquellen.
Werden in dem Display Bildprojektoren verwendet, so können vor deren Objektiven Pola
risationsfilter verwendet und die polarisierten Bilder auf einem geeigneten, polarisationser
haltenden Bildschirm überlagert werden. Kommen Bildröhren oder Flachdisplays zur An
wendung, können Basis- und Modulationsanteil über einen Polarisationsteiler überlagert
werden.
Die Verwendung von polarisiertem Licht bedeutet zwar eine 50%-Verminderung der Licht
leistung zur Verwendung von normalen, unpolarisierten Lichtquellen, jedoch ist dieser
Verlust ohnehin unvermeidlich, wenn von einer elektro-optischen Apertur Gebrauch ge
macht wird.
Eine Alternative zu dem Polarisationsverfahren besteht darin, nur eine Bildwiedergabeein
richtung zu verwenden und den Basis- und Modulationsanteil nacheinander wiederzuge
ben. Dabei werden die Doppel-EOMs so gesteuert, daß für den Basisanteil alle Aperturen
einer Schaltgruppe geöffnet sind, während für die Modulationsanteile nur die entsprechen
den einzelnen Aperturen geöffnet werden.