DE19826792C2 - Hochtemperaturbeständige Faserverbundmaterialien und Verfahren zu deren Herstellung - Google Patents
Hochtemperaturbeständige Faserverbundmaterialien und Verfahren zu deren HerstellungInfo
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Description
Gegenstand der Erfindung sind hochtemperaturbeständige Faserverbund
materialien aus oxidationsbeständigem Fasermaterial sowie ein Verfahren
zu ihrer Herstellung.
Aus der DE 196 23 425 A ist bekannt, daß langfaserverstärkte
keramische Verbundwerkstoffe als thermischer Schutz in Brennkammern
von mobilen und stationären Turbinen eingesetzt werden, um eine
Steigerung der Verbrennungstemperatur und damit eine Verringerung
des Schadstoffausstoßes zu erreichen. Von entscheidender Bedeutung,
insbesondere bei Flugzeugtriebwerks-Turbinen ist dabei die
Schadenstoleranz dieses Schutzsystems im Langzeiteinsatz. Ein nicht
katastrophales Versagensverhalten, der eingesetzten Werkstoffe,
beispielsweise bedingt durch Sprödbruch ist unabdingbar. Dies soll durch
Einsatz eines keramischen Faserverbundwerkstoffs auf Oxidbasis
ermöglicht werden. Die physikalisch - chemischen Eigenschaften von
Mullit (Al6Si2O13 bzw. 3Al2O3 . 2SiO2) machen ihn zu einem geeigneten
Matrix-Material für Verbundwerkstoffe für den Einsatz bei hohen
Temperaturen in oxidierender Atmosphäre.
Dies sind insbesondere:
- - Eine hohe Temperaturwechselbeständigkeit
- - Eine hohe Kriechbeständigkeit, auch bei hohen Temperaturen
- - Eine hohe chemische Resistenz, insbesondere gegenüber Oxidation
- - Eine relativ geringe Wärmeleitfähigkeit.
Konventionelle Herstellungsverfahren für Verbundwerkstoffe auf
Mullitbasis, wie das Sintern von Mullitpulvern oder das Reaktionssintern
von Aluminiumoxiden und Siliciumoxiden, erfordern
Prozesstemperaturen von mehr als 1650°C und sind mit hohen
Volumenabnahmen von mehr als 20 Vol.-% verbunden. Dies würde zu
Schädigungen des Keramikverbundes während der Herstellung führen,
da diese Prozesstemperaturen weit über der Grenze der thermischen
Stabilität aller bislang kommerziell erhältlichen Verstärkungsfasern
führen.
DE 38 05 110 A1 beschreibt ein leichtes hitzebeständiges
Material bestehend aus einem geformten porösen Körper mit
hitzebeständigen Teilchen und Alumunium-haltigen kurzen
Fasern, die mit Mullit aneinander gebunden sind. Hierbei wird
die Mullitfaser "in situ" über einen Reaktionsbindeprozess
oberhalb von 1500°C gebildet, was dazu führt, dass durch
Degradation der Fasern kein Faserverbundwerkstoff, sondern
eine hochporöse Keramik vorliegt, die aus mit Mullit gebundenem
Korund besteht. Die erreichte Festigkeit des Materials von etwa
10 bis 15 MPa steht einem Hochleistungseinsatz, wie z. B. in
Flugzeugturbinen, entgegen. Dieses Material dessen gesamte
Porosität im Bereich von 60 bis 80% liegt, stellt z. B. eine
Alternative zu Schaumkeramiken dar.
Eine Möglichkeit der Herstellung von faserverstärkten, keramischen
Verbundwerkstoffen ist das Heißpressen. Durch dieses Verfahren, das
Prozesstemperaturen < 1300°C ermöglicht, wurden bereits
Mullitmatrix-Verbundwerkstoffe hergestellt, wobei die Endprodukte auf
einfache Formen, wie z. B. Platten, beschränkt blieben.
In der DE 196 23 425 A wird die Verwendung von Siliciummetall als
Siliciumquelle und Korund (α-Al2O3)-Keramikpulver als Aluminiumquelle
beschrieben. Zur Steigerung der Reaktivität und der Verdichtung werden
Elemente der dritten Nebengruppe (Sc, Y, La) sowie der Seltenen Erden
(Ce . . . Lu) zugegeben, welche nach dem Prozess in einem
Temperaturbereich von weniger als 1400°C die kristallinen Phasen
Thortveitit bzw. analoge Silikatstruktur bilden (allgemein Me2Si2O7), oder
wie im Falle des Ce als Cerianit CeO2 in der Keramik verbleiben. Um die
Mullitisierung zu beschleunigen werden ggf. hochreaktive Mullit-
Precursorpulver verschiedener Korngrößen (bevorzugt etwa 0,1 µm) als
homogene Kristallisationskeime beigemischt.
Die DE 43 03 016 C2 betrifft einen oxidationsbeständigen keramischen
Faserverbundwerkstoff mit mehrphasiger Matrix, dadurch
gekennzeichnet, daß
- a) er Fasern einer beliebigen Zusammensetzung im Phasendiagramm Al2O3-B2O3-SiO2 enthält, wobei der Faservolumengehalt zwischen 20 und 70 Vol.-% beträgt;
- b) die Fasern mit einer Schicht aus Kohlenstoff überzogen sind;
- c) die Matrix eine erste Phase der Zusammensetzung n Al2O3 . m SiO2 mit 1 ≦ n/m ≦ 2 enthält;
- d) die Matrix mindestens eine weitere Phase aus Siliciumoxicarbid (Si-O- C) beliebiger Zusammensetzung enthält;
- e) er eine Porosität zwischen 5 und 25 Vol.-% besitzt, und
- f) die Siliciumoxicarbid-Phase als Bindephase für den Werkstoff dient,
- g) wobei die thermischen Ausdehnungskoeffizienten von Fasern und Matrix aneinander angepasst sind.
Die EP 0 410 601 A2 beschreibt ein keramisches Verbundmaterial, das
durch den Einbau von keramischen Fasern verstärkt ist sowie ein
Verfahren zu seiner Herstellung. Das keramische Verbundmaterial
besteht aus einer Aluminiumoxid-Matrix, die Mullitbereiche enthält, die
aus einem kolloidalen Siliciumdioxid-Füllstoff und Aluminiumoxidfasern
gebildet werden, wobei ein Teil des Mullits auf der Oberfläche der Faser
wächst. Das Verbundmaterial wird hergestellt durch Bilden einer
wässrigen Aufschlämmung, d. h. eine Dispersion der Fasern, Füllstoffe,
kolloidales Siliciumdioxid und die Rheologie beeinflussenden Mitteln
hergestellt wird. Anschließend wird die Aufschlämmung in die gewünschte
Form gebracht und das Produkt gebrannt. Das keramische Matrix-
Material soll insbesondere geeignet sein für die Herstellung von
keramischem Schaumfiltern.
Aus Patent Abstracts of Japan C-702, 15 März 1990, Vol. 14/No. 137
(Anmeldenr. 63-49169) ist ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung
faserverstärkter keramischer Verbundmaterialien bekannt, bei dem die
Bildung von Brüchen und Rissen durch Herstellung einer keramischen
Aufschlämmung vermieden werden soll und in die faserförmige Keramik
gleichförmig dispergiert ist. Die Aufschlämmung wird in eine Form
eingebracht, entwässert und zu dem geformten Körper getrocknet.
Nach wie vor besteht ein Bedarf für eine einfache Herstellung eines
oxidkeramischen Werkstoffverbundes mit exzellenten mechanischen
Eigenschaften.
Beispielsweise im Triebwerksbau ist der Einsatz von thermischen
Isoliermaterialien geplant, die uns erlauben, trotz erhöhter
Brennkammertemperaturen die Kühlluftmenge zu reduzieren und damit
bei verbessertem Wirkungsgrad die Schadstoffemission (NOX-Werte) zu
minimieren. Das Anforderungsprofil unter Berücksichtigung einer
Einsatztemperatur von mehr als 1300°C sieht dabei wie folgt aus:
- - Langzeitbeständigkeit bei zyklischer Beanspruchung hinsichtlich des Oxidationsverhaltens;
- - schadenstolerantes Verhalten, d. h. partielle Schädigung des Materials dürfen nicht zum Versagen des kompletten Bauteils führen;
- - ausreichende mechanische Stabilität (insbesondere Biegefestigkeit < 100 MPa);
- - geringe Wärmeleitfähigkeit und geringe Dichte.
Sämtliche der vorgenannten Anforderungen können ausschließlich von
oxidationsbeständigen, insbesondere oxidkeramischen Faserver
bundmaterialien erfüllt werden. Die Herstellung dieser Faserver
bundmaterialien setzt voraus, daß die Herstellungstemperatur nicht zur
Schädigung der Fasern führt und die Fasern nicht zu fest in die Matrix
eingebunden werden. Kommerziell erhältliche oxidationsbeständige,
insbesondere oxidkeramische Fasern zeigen üblicherweise bei etwa
1250°C einen starken Festigkeitsverlust, so daß konventionelle Her
stellungsverfahren für Oxidkeramiken mit Sintertemperaturen oberhalb
von 1650°C, wie oben beschrieben, nicht geeignet sind. Ein weiteres
gravierendes technisches Problem ist die üblicherweise starke
Schrumpfung der Keramik, die eine Rissbildung im Verbund zur Folge
hat.
In der Vergangenheit wurden daher, je nach Zielsetzung, nichtoxidische
bzw. oxidische Faserverbundmaterialien entwickelt und in einigen
Bereichen bereits erfolgreich eingesetzt. Insbesondere handelt es sich
hierbei um Langfaser-verstärkte Keramiken.
So stellen die eingangs genannten Druckschriften nur eine kleine Auswahl
aus der Fülle der Veröffentlichungen und Patente dar. Zahlreiche
Publikationen beinhalten die Beschichtung oxidischer Fasern mit Bornitrid
(BN), Siliciumcarbid (SiC) oder Kohlenstoff mit dem Ziel einer schwachen
Einbindung der Faser und einer damit verbesserten Schadenstoleranz des
Materials aufgrund von "pullout" Effekten oder Rissumleitungen (siehe
beispielsweise JUNG-SOO HA, K. K. CHAWLA: Effect of SiC/Bn double
coating on fiber pullout in mullite fibre/mullite matrix composites. J. of
Mat. Sci. Letters 12 (1993) S. 84-86).
Die keramischen Verbundwerkstoffe des Standes der Technik haben
folgende Nachteile:
- - nichtoxidische Keramikverbunde wie beispielsweise C-C; C-SiC; SiC-SiC oder RBSN/SiC sind unter den genannten Temperaturbedingungen nicht oxidationsbeständig;
- - Keramikverbunde auf oxidischer Basis sind nur nach entsprechend aufwendiger und kostenintensiver Beschichtung, in der Regel über CVD der Fasern zu realisieren, da sonst die Fasern zu stark in die Matrix eingebunden sind und der Werkstoff spröde versagt;
- - geometrisch komplexere Bauteile können unter Berücksichtigung des oben aufgeführten Anforderungsprofils bisher nicht aus oxidkeramischen Verbunden gefertigt werden, da ein Heißpressprozess unumgänglich erscheint;
- - jüngste Entwicklungen, keramische Verbundwerkstoffe herzustellen, zielen darauf ab, eine möglichst dichte Matrix zu erreichen, was jedoch bei unbeschichteten Fasern oder ungeeigneter Beschichtung ein sprödartiges Bruchverhalten zur Folge hat; weiterhin sind derzeit noch keine wirksamen Beschichtungen für den Einsatz in oxidierender At mosphäre erhältlich bzw. absehbar.
Der Kern der vorliegenden Erfindung besteht somit in der einfachen
Herstellung eines oxidkeramischen Faserverbundmaterials aus
aluminiumoxidreichen Mullitfasern mit exzellenten mechanischen
Eigenschaften, das vornehmlich auf einem hohen Faseranteil und einer
hochporösen Matrix basiert.
Die vorgenannte Aufgabe der Erfindung wurde in einer ersten
Ausführungsform gelöst durch hochtemperaturbeständige
Faserverbundmaterialien aus aluminiumoxidreichen Mullitfasern
und eine diese umgebende Matrix bestehend aus Mullit, deren
Porosität 40 bis 60 Vol.-% beträgt.
Erfindungsgemäß konnte die Aufgabe gelöst werden, in dem eine hohe
Restporosität des Materials eingestellt wurde. Diese hohe Restporosität
war besonders vorteilhaft erhältlich bei Verwendung eines sehr
sinteraktiven Mullitprecursorpulvers, das beispielsweise unter der
Bezeichnung Siral®28M der Firma Condea, Hamburg erhältlich ist. Dieses
Pulver ist insbesondere als Matrixmaterial geeignet, da es bei relativ
niedriger Temperatur (≧ 1300°C) dicht genug sintert, um partiell höhere
Spannungen im Verbund zu übertragen. Die Restporosität
der Matrix beträgt 40 bis 60 Vol-%. Damit geht einher ein niedriger E-Modul (58
bis 76 GPa), so daß auftretende Spannungen in einem Verbund mit
kontinuierlichen keramischen Fasern hauptsächlich vom Faseranteil, der
üblicherweise einen wesentlich höheren E-Modul hat, getragen werden.
Der Sinterprozess ist mit Hilfe der vorliegenden Erfindung so gewählt,
daß keine Faserschädigung und nur eine schwache Faser-/Matrix-Re
aktion vorliegt. Besonders bevorzugt im Sinne der vorliegenden Erfindung
beträgt die Oberfläche des sinteraktiven Pulvers < 150 m2/g.
Besonders bevorzugt im Sinne der vorliegenden Erfindung beträgt der
Faseranteil in den Faserverbundmaterialien 50 bis 70 Gew.-%.
Die erfindungsgemäßen Faserverbundmaterialien aus oxidationsbe
ständigem, aluminiumoxidreichen Mullitfasern können in einer
weiteren Ausführungsform der Erfindung durch Schlickergießen
hergestellt werden. Das so zu realisierende Verfahren ist dadurch
gekennzeichnet, daß man die aluminiumoxidreichen Multitfasern
direkt mit dem Schlicker eines Mullitprecursors in Kontakt bringt,
antrocknet, aufwickelt und nach Trocknung des Wickelkörpers bei einer
Temperatur von 1250 bis 1350°C sintert. Ein wesentlicher Vorteil des
erfindungsgemäßen Verfahrens gegenüber Verfahren des Standes der
Technik ist, daß neben einer hohen Festigkeit, beispielsweise mehr als
200 MPa im 3-Punkt-Biegeversuch, die extrem hohe Schadenstoleranz
des neuen Faserverbundmaterials ohne Beschichtung der Fasern
realisiert wird. Biegeproben mit einer Höhe von 1,6 mm, einer Breite
von ca. 4 mm und einer Prüflänge von 40 mm halten nach einer
Durchbiegung von ca. 0,2 bis 0,3 mm noch eine Biegespannung von ca.
50% der maximalen Biegespannung. Bei weiterer Durchbiegung fällt die
Biegespannung nur auf 25 bis 30% der maximalen Biegespannung.
Besonders bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, daß bei
Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens keine Schrumpfrisse
auftraten.
Die Basis des erfindungsgemäßen Faserverbundmaterials ist eine hochpo
röse und mechanisch stabile Matrix, die insbesondere durch einen
hochsinteraktiven Mullitprecursor bei Sintertemperaturen von ≧ 1300°C
realisiert werden kann. Die Formgebung erfolgt über die
Schlickergussroute. Zur Optimierung des Schlickers hinsichtlich des
maximalen Feststoffgehalts bei minimaler Viskosität und ausreichender
Sinteraktivität wird das sehr feine Pulver zunächst calciniert, wie
beispielsweise in der DE 196 23 425 A beschrieben. Anschließend wird in
einem Misch-/Mahlprozess unter Zugabe von Wachsen, Emulgatoren,
Bindemitteln, Netzmitteln und/oder Verflüssigern aufbereitet. Durch
Zugabe eines Verflüssigers kann wesentlich Einfluß auf die Viskosität
genommen werden. Eine rheologische Untersuchung zeigt ein von der
Schergeschwindigkeit unabhängiges Viskositätsminimum bei der in den
Ausführungsbeispielen angegebenen Menge.
Als oxidationsbeständige, aluminiumoxidreiche Mullitfasern im
Sinne der vorliegenden Erfindung wurde besonders bevorzugt das
Material Nextel®720-Fasern der Firma 3M (USA) eingesetzt. Diese
Aluminiumsilikatfaser (Al2O3 . SiO2 = 85/15) hat im Vergleich zu anderen
Faserqualitäten die zur Zeit besten mechanischen Eigenschaften im
Hochtemperaturbereich in oxidierender Atmosphäre. Die Zugfestigkeit
dieser Faser liegt bei einer Prüflänge von 25 mm, etwa bei 2100 MPa, der
E-Modul beträgt 260 GPa.
Die Fasern werden, wie vom Hersteller geliefert, zunächst durch einen
Rohrofen mit einer Temperatur im Bereich von 900 bis 1100°C gezogen,
um das Sizing (epoxidartige Verklebung des Rovings, um eine schadlose
Bearbeitung der Fasern zu gewährleisten) auszubrennen. Anschließend
erfolgt die Tränkung der kontinuierlichen Fasern mit dem oben
beschriebenen Schlicker eines Mullit-Precursors mit vorzugsweise 25 bis
50 Gew.-% Feststoffgehalt auf Basis eines Pulvers mit einer
Oberfläche nach B.E.T. ≧ 150 m2/g über ein Rollensystem. Durch eine
nachgeschaltete (An)Trocknung der benetzten Faserbündel in einem
Mikrowellenofen für kontinuierliche Trocknung kann direkt Einfluß auf den
Fasergehalt des Verbundes genommen werden.
Die angetrockneten Fasern werden beispielsweise auf eine in einer
klimatisierten Kammer befindlichen und mit einer "Mylarfolie" belegten
Trommel aufgewickelt. Eine über ein Hebelsystem angepresste Walze
sorgt für eine Homogenisierung des Grünkörpers während des
Wickelprozesses.
Zur Herstellung von Rohren erfolgt die Trocknung direkt auf der
Trommel. Zur Fertigung anderer geometrischer Formen werden
beispielsweise die noch feuchten Fasergelege nach Einschneiden mit
einem Skalpell von der Trommel entfernt und durch Unterlegen
entsprechender Formen die gewünschte Geometrie nach vollständiger
Trocknung realisiert. Dabei können auch mehrere dünne Lagen im noch
feuchten Zustand gestapelt und durch Pressen zusammengefügt werden.
Somit ist auch die Herstellung von 1D bis 2D-Verbunden durchführbar.
Anschließend wird der so hergestellte Grünkörper in einem Luftofen bei
einer Temperatur von 1250 bis 1350°C gesintert. Somit konnten
beispielsweise auch keramische Federn hergestellt werden. Die
Grünkörper ließen sich nach der vollständigen Trocknung leicht
mechanisch bearbeiten - z. B. durch Bohren, Schleifen, Fräsen oder Sägen
mit herkömmlichem Werkzeug.
Ein Mullit-Precursor (Siral®28M, Condea Chemie, Hamburg), der im
Anlieferungszustand aus amorphem SiO2 (71,6%) und Al2O3 (28,4%)
bestand, wurde bei einer Temperatur von 1150°C vorcalciniert - hier
entstand ein Gewichtsverlust von ca. 20 Gew.-% und eine Abnahme der
spezifischen Oberfläche von 400 m2/g auf 146 m2/g. Die
Mullitbildungstemperatur wurde durch eine DSC-Messung bestimmt und
beträgt 1185°C.
Der entsprechende vorbehandelte Precursor wurde mit einer Mischung
aus deionisiertem Wasser als Lösungsmittel und organischen Zusätzen
(Hilfsmittelkombination) verrührt, um einen möglichst hohen
Feststoffgehalt bei minimaler Viskosität des Schlickers zu erhalten. Der
Feststoffanteil lag bei 45 Gew.-%. Zur Optimierung der Eigenschaften
des Schlickers und des Grünkörpers wurden folgende Hilfsmittel
verwendet:
| Bindemittel: Hydroxypropylcellulose | 0,1 bis 0,2 Gew.-% |
| Plastifizierer: Esterwachs und Palmitinsäure | 0,5 bis 1,0 Gew.-% |
| Benetzungsmittel: Alkansulfonat und Fettalkoholpolyglycolether | 0,5 bis 1,0 Gew.-% |
| AL=L<Emulgator: Molekular-destilliertes Monoglycerid | |
| Verflüssiger: Polyoxycarbonsäure | 7 bis 16 Gew.-%. |
Der Roving wurde zunächst im Anlieferungszustand mit einer
Geschwindigkeit von 3 m/min durch einen 1100°C heißen Rohrofen mit
einer beheizbaren Länge von 500 mm gezogen. Die Tränkung mit
Schlicker erfolgte in einer Nut, die ständig mit Schlicker gefüllt war - die
Einstellung der Matrixmenge erfolgte durch Abstreifen mit einem Spatel.
Danach wurde der vom Roving mittransportierte Schlicker in einer
Mikrowellen-Durchlaufkammer (Firma Linn High Therm Typ MEK 2,45/1,2
- Länge = 500 mm) mit einer Leistung von ca. 1.0 kW angetrocknet und
auf eine Spule gewickelt - dabei sorgte eine mit ca. 10 N belastete Walze
für eine ständige Homogenisierung des Wickelkörpers. Die Aufwicklung
der Fasern wurde dabei zwischen parallel (0°) entsprechend 1D bis 45°
entsprechend 2D eingestellt. Die Wickelzeit für einen 30 mm breiten
Abschnitt mit einer Höhe von ca. 2.0 mm betrug ca. 40 min bei
Verwendung einer Trommel mit einem Durchmesser von 150 mm. Nach
Einschneiden des Wickelkörpers mit einem Skalpell konnte dieser durch
die vorher aufgebrachte Mylarfolie leicht entnommen werden. Die
Trocknung erfolgte zwischen Papierstreifen bei einer Belastung von 10 bis
20 N - 24 h. Der Fasergehalt betrug 70 Gew.-% - die Gründichte ca. 1,2 g/cm3.
Die Sinterung erfolgte in einem Luftofen bei einer Temperatur von
1300°C und einer Haltezeit von 60 min. Die Auf- bzw. Abheizrate betrug
10°C/min.
Der gesinterte Verbund hatte eine Dichte von ca. 1,8 g/cm3 - einen E-
Modul von ca. 90 GPa und eine 3P-Biegfestigkeit von < 200 MPa.
Goniometeraufnahmen belegten eine 100%ige Mullitisierung der Matrix.
Die Porosität der Matrix betrug ca. 50 Vol.-%.
Die Herstellung von Rohren erfolgte analog dem 1. Ausführungsbeispiel -
mit dem Unterschied, daß der Wickelkörper bis zur vollständigen
Trocknung auf der Trommel blieb, um dann nach Einschneiden der
Trommel den Wickelkörper zu entnehmen.
Die Herstellung von komplexen Bauteilen erfolgte analog dem 1.
Ausführungsbeispiel - mit dem Unterschied, daß der Wickelkörper nicht
auf einer ebenen Unterlage getrocknet wurde, sondern zwischen zwei
dem entsprechenden Bauteil angepassten Werkzeugen (z. B. aus
Aluminium oder PVC).
Claims (6)
1. Hochtemperaturbeständige Faserverbundmaterialien aus
aluminiumoxidreichen Mullitfasern und eine diese umgebende Matrix
bestehend aus Mullit, deren Porosität 40 bis 60 Vol.-% beträgt.
2. Faserverbundmaterial nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet,
dass der Faseranteil 50 bis 70 Gew.-% beträgt.
3. Faserverbundmaterial nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch
gekennzeichnet, dass der E-Modul der Matrix, bestimmt im 3-Punkt-
Biegeversuch, 58 bis 76 GPa, der E-Modul der Fasern, bestimmt im
Zugversuch, < 200 MPa beträgt.
4. Verfahren zur Herstellung von Faserverbundmaterialien nach
einem der Ansprüche 1 bis 3 durch Schlickergießen, dadurch
gekennzeichnet, dass man die aluminiumoxidreichen Mullitfasern direkt
mit Schlicker eines Mullitprecursors in Kontakt bringt, in einem
Mikrowellenofen antrocknet, auf eine Trommel wickelt und den
getrockneten Wickelkörper bei einer Temperatur im Bereich von 1250 bis
1350°C sintert.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, dass man
einen Schlicker mit einem Feststoffgehalt von 25 bis 50 Gew.-% auf
Basis eines Pulvers mit einer Oberfläche nach B.E.T. ≧ 150 m2/g
einsetzt.
6. Verfahren nach Anspruch 4 oder 5, dadurch gekennzeichnet, dass
man einen Schlicker einsetzt, der weiterhin Wachse, Emulgatoren,
Bindemittel, Netzmittel und/oder Verflüssiger enthält.
Priority Applications (1)
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|---|---|---|---|
| DE19826792A DE19826792C2 (de) | 1998-06-16 | 1998-06-16 | Hochtemperaturbeständige Faserverbundmaterialien und Verfahren zu deren Herstellung |
Applications Claiming Priority (1)
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| DE19826792A DE19826792C2 (de) | 1998-06-16 | 1998-06-16 | Hochtemperaturbeständige Faserverbundmaterialien und Verfahren zu deren Herstellung |
Publications (2)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19826792A1 DE19826792A1 (de) | 1999-12-23 |
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Family
ID=7871040
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE19826792A Expired - Lifetime DE19826792C2 (de) | 1998-06-16 | 1998-06-16 | Hochtemperaturbeständige Faserverbundmaterialien und Verfahren zu deren Herstellung |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19826792C2 (de) |
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