DE19824125C1 - Verfahren und Schienenfahrzeug zur aktiven Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen im Fahrgastraum von Schienenfahrzeugen - Google Patents
Verfahren und Schienenfahrzeug zur aktiven Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen im Fahrgastraum von SchienenfahrzeugenInfo
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Abstract
Zum aktiven Unterdrücken von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen, insbesondere von Luftschallanregungen, im Fahrgastraum von Schienenfahrzeugen (2), mit paarweise zu Achsen zusammengefaßten Scheibenrädern (3), die in Drehlagern (4) gelagert sind, welche über Primärfedern (5) zwei in Fahrtrichtung beabstandete Zwischengestelle (6) abstützen, die ihrerseits über Sekundärfedern (7) einen Wagenkasten (8) abstützen, wird für jedes Scheibenrad (3) die Drehfrequenz bestimmt. Aus der Drehfrequenz wird ein oder werden mehrere ganzzahlige Vielfache der Drehfrequenz generiert. Weiterhin werden Schwingungen oberhalb der Primärfedern (5) erfaßt. In Abhängigkeit von den Schwingungen werden parallel zu den jeweils einem Scheibenrad (3) zugeordneten Primärfedern (5) Ausgleichskräfte, die aus Frequenzanteilen mit dem einen oder den mehreren ganzzahligen Vielfachen der Drehfrequenz bestehen, zwischen den Drehlagern (4) und den Zwischengestellen (6) aufgebracht. Die Phasen und die Amplituden der jeweiligen Frequenzanteile werden jeweils so festgelegt, daß die Schwingungen minimiert werden.
Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zur aktiven
Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen,
insbesondere von Luftschallanregungen, im Fahrgastraum von
Schienenfahrzeugen, mit paarweise zu Achsen zusammengefaßten
Scheibenrädern, die in Drehlagern gelagert sind, welche über
Primärfedern zwei in Fahrtrichtung beabstandete Zwischengestelle
abstützen, die ihrerseits über Sekundärfedern einen Wagenkasten
abstützen. Weiterhin bezieht sich die Erfindung auf ein
Schienenfahrzeug zur Durchführung eines solchen Verfahrens.
Der von der Deutsche Bahn AG eingesetzte ICE-I weist je
Fahrgastwagen acht Scheibenräder auf, die zu vier Starrachsen
zusammengefaßt sind. Zwei Starrachsen gehören zu jeweils einem
Drehgestell am vorderen bzw. hinteren Ende des Wagenkastens des
Fahrgastwagens. Zwischen den endseitig angeordneten Drehlagern
für die Achsen und den Drehgestellen sind Primärfedern sowie
Primärdämpfer und Lenker angeordnet. Zwischen den Drehgestellen
und dem Wagenkasten befinden sich neben einer Drehführung
Sekundärdämpfer, Lenker und Sekundärfedern. Bei der Fahrt des
ICE-I mit hohen Geschwindigkeiten insbesondere im Bereich von
über 200 km/h macht sich ein unangenehmer Luftschall in den
Fahrgasträumen bemerkbar. Der Luftschall enthält Harmonische der
Drehfrequenz der Scheibenräder, wobei insbesondere die dritte
Harmonische der Drehfrequenz und benachbarte höhere Harmonische
hervortreten. Der Luftschall mit diesen Frequenzen wird als
ausgesprochen störend von den Fahrgästen empfunden und ist als
sogenanntes ICE-Brummen bekannt.
Ein Verfahren der eingangs beschriebenen Art und ein Schienen
fahrzeug zu seiner Durchführung sind aus der EP 0 618 564 A1
bekannt. Hier werden mit einem Schwingungsaufnehmer die fahr
werksbedingten Schwingungsanregungen des Wagenkastens erfaßt.
Mit zusätzlichen Schwingungsanregern, bei denen es sich bei
spielsweise um Lautsprecher handelt, werden dann Gegenschwin
gungen erzeugt, die die vom Fahrwerk angeregten Schwingungen im
Fahrgastraum im Sinne einer Auslöschung destruktiv überlagern
sollen. Bei dieser Vorgehensweise werden erst die bereits im
Fahrgastraum angelangten fahrwerksbedingten Schwingungsanre
gungen aktiv unterdrückt.
Aus der DE 39 17 716 C2 ist ein Federungssystem für ein Kraft
fahrzeug bekannt, das zwischen dem Fahrzeugaufbau und mindestens
einem Radträger einen semi-aktiven Schwingungsdämpfer mit
steuerbarer Dämpfungscharakteristik aufweist. Die Dämpfungs
charakteristik des Schwingungsdämpfers wird dabei in Abhän
gigkeit von dem Bewegungszustand des Kraftfahrzeugs gesteuert.
Dieser Bewegungszustand wird aus Signalen von Sensoren ermit
telt, die einerseits die Kolbenbewegung des Schwingungsdämpfers
selbst und andererseits Lageänderungen des Kraftfahrzeugs
erfassen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren der
eingangs beschriebenen Art aufzuzeigen, mit dem das Entstehen
des sogenannten ICE-Brummen vermeidbar ist. Die Anwendung des
Verfahrens soll aber nicht auf dieses spezielle beim ICE-I
auftretende Phänomen beschränkt sein. Vielmehr ist die
Zielrichtung eine ganz allgemeine Unterdrückung von fahrwerks
bedingten Luftschallanregungen in schnellen Schienenfahrzeugen
auch mit vom ICE-I abweichenden Aufbau des Fahrwerks.
Erfindungsgemäß wird die Aufgabe bei einem Verfahren der
eingangs beschriebenen Art dadurch gelöst, daß für jedes
Scheibenrad die Drehfrequenz bestimmt wird, daß ein oder mehrere
ganzzahlige Vielfache der Drehfrequenz aus der Drehfrequenz
generiert werden, daß Schwingungen oberhalb der Primärfedern
erfaßt werden und daß in Abhängigkeit von den Schwingungen
parallel zu den jeweils einem Scheibenrad zugeordneten
Primärfedern Ausgleichskräfte, die aus Frequenzanteilen mit dem
einen oder den mehreren ganzzahligen Vielfachen der Drehfrequenz
bestehen, zwischen den Drehlagern und den Zwischengestellen
aufgebracht werden, wobei die Phasen und die Amplituden der
jeweiligen Frequenzanteile jeweils so festgelegt werden, daß die
Schwingungen minimiert werden.
Das neue Verfahren konzentriert sich auf die aktive Unter
drückung der Schwingungsanregungen bei der Drehfrequenz bzw. bei
Harmonischen der Drehfrequenz. Hierzu wird die Drehfrequenz
selbst für jedes Scheibenrad bestimmt. Die interessierenden
Harmonischen der Drehfrequenz werden hieraus künstlich gene
riert. Die künstlich generierten Harmonischen der Drehfrequenz
werden verwendet, um die Ausgleichskräfte für die den Schwin
gungen zugrundeliegenden Anregungen zu erzeugen. Das heißt
konkret, es werden sinusförmige Ausgleichskräfte aufgebracht,
deren Frequenzen der Drehfrequenz und/oder den ganzzahligen
Vielfachen der Drehfrequenz entsprechen. Die Phasen und
Amplituden der Ausgleichskräfte werden in Abhängigkeit von den
oberhalb der Primärfedern erfaßten Schwingungen im Sinne einer
Minimierung dieser Schwingungen festgelegt. Die Festlegung
selbst kann nach einem festen Regelalgorithmus erfolgen,
bevorzugt sind aber adaptive Regelalgorithmen, die die
Reglerkoeffizienten beispielsweise nach einem Trial-and-Error-
Verfahren optimieren, d. h. adaptieren. Das Aufbringen der
Ausgleichskräfte im Bereich der Primärfeder ist mit mehreren
Vorteilen verbunden. Im Bereich der Primärfedern treten die zu
dem störenden Luftschall führenden Anregungen im wesentlichen in
Form von linearen vertikalen Schwingungen auf, so daß ihnen mit
eindimensionalen Ausgleichskräften effektiv entgegengewirkt
werden kann. Zudem werden bei einer Aufbringung der Ausgleichs
kräfte parallel zu den Primärfedern gleichzeitig Effekte
kompensiert, die auf den Eigenresonanzen der Primärfedern in dem
relevanten Frequenzbereich beruhen.
Für das neue Verfahren ist es wichtig, die Drehfrequenz jedes
einzelnen Scheibenrads genau zu kennen. Wenn zwei Scheibenräder
einer Achse durch eine Starrachse drehfest miteinander verbunden
sind, reicht es natürlich aus, als Drehfrequenz für beide
Scheibenräder nur die Drehfrequenz der Starrachse zu bestimmen.
Typischerweise reicht es aus, für die effektive Unterdrückung
der Luftschallanregung zwei bis fünf Vielfache der Drehfrequenz
zu berücksichtigen. Dabei handelt es sich günstigerweise um das
Dreifache der Drehfrequenz und benachbarte höhere Harmonische.
Vorzugsweise werden zum Erfassen der Schwingungen die vertikalen
Beschleunigungen der Zwischengestelle jeweils oberhalb der einem
Scheibenrad zugeordneten Primärfedern erfaßt. In Abhängigkeit
von diesen Beschleunigungen werden dann die Ausgleichskräfte
parallel zu den entsprechenden Primärfedern aufgebracht.
Zusätzlich oder alternativ zu der Erfassung von Beschleunigungen
der Zwischengestelle oder des Wagenkastens kann zum Erfassen der
Schwingungen oberhalb der Primärfedern auch der Luftschall in
dem Fahrgastraum des Schienenfahrzeugs erfaßt werden. Dabei ist
es besonders interessant, den Luftschall, insbesondere in dem
Frequenzbereich von 60 bis 200 Hz, zur Feinabstimmung bei der
Festlegung der Phasen und der Amplituden der jeweiligen
Frequenzanteile der Ausgleichskräfte zur Minimierung der
Schwingungen zusätzlich zu berücksichtigen.
In Abstimmung auf die begrenzte Anzahl von relevanten höheren
Harmonischen der Drehfrequenz der Scheibenräder reicht es aus,
auch die Schwingungen nur in einem bestimmten Frequenzbereich zu
erfassen, typischerweise innerhalb von 60 bis 200 Hz. Besonders
interessant ist der Bereich von 80 bis 140 Hz.
Ein Schienenfahrzeug zur Durchführung des erfindungsgemäßen
Verfahrens zur Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungs
anregungen ist dadurch gekennzeichnet, daß Drehzahlmesser
vorgesehen sind, die für jedes Scheibenrad die Drehfrequenz
bestimmen, daß eine Steuereinrichtung vorgesehen ist, die ein
oder mehrere ganzzahlige Vielfache der Drehfrequenz aus der
Drehfrequenz generiert, daß Schwingungssensoren vorgesehen sind,
die Schwingungen der Zwischengestelle oder des Wagenkastens
oberhalb der Primärfedern erfassen, und daß Aktuatoren
vorgesehen sind, mit denen Ausgleichskräfte parallel zu den
jeweils einem Scheibenrad zugeordneten Primärfedern aufbringbar
sind, wobei die Steuereinrichtung in Abhängigkeit von den
Schwingungen Ansteuersignale für die Aktuatoren erzeugt, die aus
Frequenzanteilen mit dem einen oder den mehreren ganzzahligen
Vielfachen der Drehfrequenz bestehen, und wobei die Steuer
einrichtung die Phasen und die Amplituden der jeweiligen
Frequenzanteile jeweils so festlegt, daß die Schwingungen
minimiert werden.
Günstigerweise sind als Schwingungssensoren an den Zwischen
gestellen angeordnete Beschleunigungssensoren vorgesehen, wobei
den Beschleunigungssensoren vorzugsweise Bandpaßfilter für einen
Frequenzbereich von maximal 60 bis 200 Hz nachgeschaltet sind.
Auch hier ist eine Beschränkung auf den Kernbereich von 80 bis
140 Hz möglich.
Den jeweils einem Scheibenrad zugeordneten Primärfedern ist
jeweils mindestens ein Aktuator parallel geschaltet. Es kann
sich aber auch um mehrere Aktuatoren handeln, die dann vorzugs
weise von der Steuereinrichtung parallel, d. h. gleichphasig
angesteuert werden.
Bei den Aktuatoren handelt es sich vorzugsweise um Linearmoto
ren. Linearmotoren haben einen besonders großen Arbeitsbereich
ohne nennenswerte Eigensteifigkeit. Der besondere Vorteil des
großen Arbeitsbereichs von Linearmotoren wird anhand der
Tatsache deutlich, daß die statische Zusammendrückung der
Primärfedern stark von dem Beladungszustand des Schienen
fahrzeugs abhängt, wodurch sich der Nullpunkt der dynamischen
Zusammendrückung entsprechend verschiebt. Die Aktuatoren müssen
unabhängig von dem jeweiligen Nullpunkt voll funktionsfähig
sein. Grundsätzlich wäre auch die Verwendung einer Hydraulik
oder einer Piezoaktuatorik für die Aktuatoren möglich. Der
hierfür zu betreibende Aufwand wäre jedoch unverhältnismäßig
größer.
Die Aktuatoren können beispielsweise innerhalb von spriralförmi
gen Primärfedern angeordnet sein. Dabei ist auch eine Anordnung
innerhalb von Federpaketen von ihrerseits ineinander angeordne
ten Primärfedern möglich.
Die Lagerung der Aktuatoren an den Drehlagern und den Zwischen
gestellen kann über Federstahldrahtabschnitte erfolgen, die
vertikal ausgerichtet sind. Die Federstahldrahtabschnitte
kompensieren horizontale Relativbewegungen der Drehlager und der
Zwischengestelle, ohne daß mechanische Gelenke und damit
aufwendige und kostspielige zusätzliche Bauteile vorhanden sein
müssen.
Die Erfindung wird im folgenden anhand von Ausführungsbeispielen
näher erläutert und beschrieben. Dabei zeigt
Fig. 1 den prinzipiellen Aufbau des Fahrwerks eines Schienen
fahrzeugs mit Einrichtungen zur Unterdrückung von
fahrwerksbedingten Luftschallanregungen,
Fig. 2 ein Blockschaltbild zu der Regelung der Unterdrückung
der Luftschallanregungen bei dem Fahrwerk gemäß Fig.
1,
Fig. 3 einen Vergleich von Schwingungen bei dem Fahrwerk
gemäß Fig. 1 mit und ohne aktiver Unterdrückung der
fahrwerksbedingten Luftschallanregungen und
Fig. 4 ein Detail einer im Bezug auf die Anordnung des
Aktuators alternativen Ausführungsform des Fahrwerks
gemäß Fig. 1.
Fig. 1 zeigt einen Teil eines Fahrwerks 1 eines Schienenfahr
zeugs 2. Dargestellt ist dabei ein Scheibenrad 3 einer Starr
achse mit zwei drehfest miteinander verbundenen Scheibenrädern.
Für das Scheibenrad 3 ist ein endseitiges Drehlager 4 vorge
sehen. Das Drehlager 4 stützt über eine Primärfeder 5, die
stellvertretend auch für ein Federpaket aus mehreren einzelnen
Federn steht, ein Zwischengestell 6 ab. Das Zwischengestell 6
ist ein Drehgestell, zu dem in symmetrischer Anordnung noch eine
weitere Starrachse mit zwei Scheibenrädern und zwei Drehlagern
gehört. Das Zwischengestell 6 stützt über Sekundärfedern 7, von
denen eine dargestellt ist, einen Wagenkasten 8 des Schienen
fahrzeugs 2 ab. Das komplette Schienenfahrzeug 2 weist an seinen
beiden Enden in Fahrtrichtung jeweils ein als Drehgestell
ausgebildetes Zwischengestell 6 auf. Zwischen den Drehlagern 4
und dem Zwischengestell 6 bzw. zwischen dem Zwischengestell 6
und dem Wagenkasten 8 können neben den Primärfedern 5 bzw.
Sekundärfedern 7 zusätzlich Lenker und Dämpfer vorgesehen sein.
Zur Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen,
insbesondere von Luftschallanregungen innerhalb des Schienen
fahrzeugs 2 sind Aktuatoren 9 vorgesehen, die jeweils den einem
Scheibenrad 3 zugeordneten Primärfedern 5 parallel geschaltet
sind. Die Aktuatoren, bei denen es sich vorzugsweise um
Linearmotoren handelt, werden in Abhängigkeit von einem
Drehzahlsignal 10 eines Drehzahlmessers 11 und von dem
Beschleunigungssignal 12 eines Beschleunigungssensors 13 mit
einem Ansteuersignal 14 gleichphasig angesteuert. Dabei wird das
Ansteuersignal 14 zwar für alle Aktuatoren 9, die einem Schei
benrad 3 zugeordnet sind, gemeinsam generiert. Für jedes
Scheibenrad 3 wird jedoch ein separates Ansteuersignal 14
erzeugt.
Die Erzeugung des Ansteuersignals 14 wird jetzt anhand von Fig.
2 näher erläutert. Am Anfang steht eine Anregung 15, bei der es
sich vorwiegend um Auswirkungen von Unrundheiten des Scheiben
rads 3 gemäß Fig. 1 handelt. Zu dieser Anregung 15 wird von dem
Drehzahlmesser 11 an dem Drehlager 4 gemäß Fig. 1 das Drehzahl
signal 10 als Referenzsignal ermittelt und einer Steuereinrich
tung 16 für die Ansteuerung der Aktuatoren 9 zugeführt. Die
Anregung 15 führt zu einer Störung 17 an dem Zwischengestell 6
gemäß Fig. 1, wobei eine dazwischen liegende Übertragungs
strecke 18 die Übertragung der Anregung 15 durch das Drehlager
4 und die Primärfedern 5 und dgl. in die Störung 17 berücksich
tigt. Die Störung 17, bei der es sich um Schwingungen oberhalb
der Primärfedern 5 handelt, werden in vertikaler Richtung von
dem Beschleunigungssensor 13 erfaßt, der der Steuereinrichtung
16 das Beschleunigungssignal 12 zur Verfügung stellt. Aus dem
Drehzahlsignal 10 und dem Beschleunigungssignal 12 generiert die
Steuereinrichtung 16 das Ansteuersignal 14. Aufgrund des
Ansteuersignals 14 beeinflussen die Aktuatoren 9 gemäß Fig. 1
die Störung 17. Im Idealfall ist die Störung 17 für die hier
interessierenden luftschallanregenden Frequenzen null oder doch
zumindest möglichst klein. Die Steuereinrichtung 16 konzentriert
sich bei der Erzeugung des Ansteuersignals 14 auf einige wenige
Frequenzen und zwar auf bestimmte Vielfache der Drehfrequenz des
Scheibenrads 3 gemäß Fig. 1. Typischerweise handelt es sich
hier um die dritte Harmonische der Drehfrequenz und benachbarte
höhere Harmonische. Mit diesen Frequenzen tritt besonders
störender Luftschall im Inneren von schnellen Schienenfahrzeugen
auf. Die Steuereinrichtung 16 generiert unter Verwendung des
Drehzahlsignals 10 Sinusfunktionen mit den Frequenzen der
bestimmten Harmonischen der Drehfrequenz. Die Phase und die
Amplitude der jeweiligen Sinusfunktion wird aufgrund des
Beschleunigungssignals 12 festgelegt. Die anschließend
überlagerten Sinusfunktionen werden als Ansteuersignal 14 zum
Ansteuern der Aktuatoren 9 gemäß Fig. 1 verwendet. Ziel ist es
dabei, die mit den relevanten Frequenzen auftretenden Anteile
des Beschleunigungssignals 12 gegen null zu führen. Der hierbei
verwendete Regelalgorithmus kann von der Steuereinrichtung 16
adaptiv optimiert werden. Da sich die Steuereinrichtung 16 auf
bestimmte Harmonische der Drehfrequenz des Scheibenrads 3
konzentriert, reicht es aus, mit dem Beschleunigungssensor 13
gemäß Fig. 1 nur die Schwingungen in einem entsprechenden
Frequenzbereich zu überwachen. So kann beispielsweise dem
Beschleunigungssensor 13 ein Bandpaßfilter nachgeschaltet sein,
so daß der Steuereinrichtung 16 von dem Beschleunigungssignal 12
nur die interessierenden Teile zugeführt werden.
Fig. 3 zeigt zwei Amplitudenspektren des Beschleunigungssignals
12, die einmal mit und einmal ohne aktive Unterdrückung der
Schwingungsanregungen oberhalb der Primärfeder 5 bei einem dem
Fahrwerk 1 gemäß Fig. 1 entsprechenden Versuchsstand an einem
das Zwischengestell 6 nachbildenden Bauteil aufgenommen wurden.
Dabei entsprachen die Anregungen unterhalb der Primärfeder 5
einer Geschwindigkeit des Schienenfahrzeugs 2 von über 200 km/h.
Bei der Amplitude 19 ohne das Unterdrücken der Schwingungs
anregungen sind ausgeprägte Peaks jeweils bei einem Vielfachen
der Drehfrequenz des Scheibenrads 3, die bei 21 Hz liegt.
Relevant für die Unterdrückung des Luftschalls in dem
Schienenfahrzeug 2 sind jedoch nicht alle diese Peaks. So führen
die Peaks bei 25 und 50 Hz typischerweise nicht zu einer
störenden Luftschallanregung im Inneren des Schienenfahrzeugs.
Hierfür sind die Peaks der höheren Harmonischen der Drehfrequenz
verantwortlich, insbesondere die Peaks oberhalb von 70 Hz, auf
die sich die Darstellung konzentriert. Mit dünnerer Strichstärke
ist die jeweilige Amplitude 20 bei Ansteuerung der Aktuatoren
gemäß der in Fig. 2 dargestellten Regelung wiedergegeben. Die
Peaks bei den Harmonischen der Drehfrequenz werden soweit
reduziert, daß die Amplitude 20 derjenigen des Hintergrund
rauschens entspricht.
Fig. 4 zeigt eine gegenüber Fig. 1 abgewandelte Ausführungs
form bezüglich der Anordnung der Aktuatoren 9 relativ zu den
Primärfedern 5. Hier ist ein als Linearmotor ausgebildeter
Aktuator 9 innerhalb einer Primärfeder 5 angeordnet. An dieser
Stelle befinden sich bei bekannten Schienenfahrzeugen zwar
Notführungszapfen. Wenn diese verlagert werden, ergibt sich aber
ein besonders geschützter Raum für die Anbringung des Aktuators
9. Gelagert ist der Aktuator 9 über Federstahldrahtabschnitte
21. Die Federstahldrahtabschnitte 21 kompensieren horizontale
Relativbewegungen des Drehlagers 4 und des Zwischengestells 6,
ohne daß hierfür beispielsweise irgendwelche Kugelkopflager oder
ähnlich aufwendige Mittel vorgesehen sein müssen.
1
- Fahrwerk
2
- Schienenfahrzeug
3
- Scheibenrad
4
- Drehlager
5
- Primärfeder
6
- Zwischengestell
7
- Sekundärfeder
8
- Wagenkasten
9
- Aktuator
10
- Drehzahlsignal
11
- Drehzahlmesser
12
- Beschleunigungssignal
13
- Beschleunigungssensor
14
- Ansteuersignal
15
- Anregung
16
- Steuereinrichtung
17
- Störung
18
- Übertragungsstrecke
19
- Amplitude
20
- Amplitude
21
- Federstahldrahtabschnitt
Claims (12)
1. Verfahren zur aktiven Unterdrückung von fahrwerksbedingten
Schwingungsanregungen im Fahrgastraum von Schienenfahrzeugen
(2), mit paarweise zu Achsen zusammengefaßten Scheibenrädern
(3), die in Drehlagern (4) gelagert sind, welche über Primär
federn (5) zwei in Fahrtrichtung beabstandete Zwischengestelle
(6) abstützen, die ihrerseits über Sekundärfedern (7) einen
Wagenkasten (8) abstützen,
- 1. wobei für jedes Scheibenrad (3) die Drehfrequenz bestimmt wird,
- 2. wobei ein oder mehrere ganzzahlige Vielfache der Drehfre quenz aus der Drehfrequenz generiert werden,
- 3. wobei Schwingungen oberhalb der Primärfedern (5) erfaßt werden und
- 4. wobei in Abhängigkeit von den Schwingungen parallel zu den jeweils einem Scheibenrad (3) zugeordneten Primärfedern (5) Ausgleichskräfte, die aus Frequenzanteilen mit dem einen oder den mehreren ganzzahligen Vielfachen der Drehfrequenz bestehen, zwischen den Drehlagern (4) und den Zwischen gestellen (6) aufgebracht werden,
- 5. wobei die Phasen und die Amplituden der jeweiligen Frequenzanteile jeweils so festgelegt werden, daß die Schwingungen minimiert werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die
Drehfrequenz für zwei Scheibenräder (3) einer Starrachse gemein
sam bestimmt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß zwei bis fünf Vielfache der Drehfrequenz aus der Dreh
frequenz generiert werden.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekenn
zeichnet, daß das Dreifache der Drehfrequenz aus der Dreh
frequenz generiert wird.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekenn
zeichnet, daß zum Erfassen der Schwingungen die vertikalen
Beschleunigungen der Zwischengestelle (6) jeweils oberhalb der
einem Scheibenrad (3) zugeordneten Primärfedern (5) erfaßt
werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekenn
zeichnet, daß zum Erfassen der Schwingungen der Luftschall in
dem Fahrgastraum erfaßt.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Schwingungen innerhalb eines Frequenzbereichs
von 60 bis 200 Hz erfaßt werden.
8. Schienenfahrzeug zur Durchführung des Verfahrens zur akti
ven Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen
nach einem der Ansprüche 1 bis 7, mit paarweise zu Achsen zu
sammengefaßten Scheibenrädern, die in Drehlagern gelagert sind,
welche über Primärfedern zwei in Fahrtrichtung beabstandete
Zwischengestelle abstützen, die ihrerseits über Sekundärfedern
einen Wagenkasten abstützen, dadurch gekennzeichnet,
- 1. daß Drehzahlmesser (11) vorgesehen sind, die für jedes Scheibenrad die Drehfrequenz bestimmen,
- 2. daß eine Steuereinrichtung (16) vorgesehen ist, die ein oder mehrere ganzzahlige Vielfache der Drehfrequenz aus der Drehfrequenz generiert,
- 3. daß Schwingungssensoren vorgesehen sind, die Schwingungen oberhalb der Primärfedern (5) erfassen, und
- 4. daß Aktuatoren (9) vorgesehen sind, mit denen Ausgleichs kräfte parallel zu den jeweils einem Scheibenrad (3) zuge ordneten Primärfedern (5) aufbringbar sind,
- 5. wobei die Steuereinrichtung (16) in Abhängigkeit von den Schwingungen Ansteuersignale (14) für die Aktuatoren (9) erzeugt, die aus Frequenzanteilen mit dem einen oder den mehreren ganzzahligen Vielfachen der Drehfrequenz bestehen,
- 6. wobei die Steuereinrichtung die Phasen und die Amplituden der jeweiligen Frequenzanteile jeweils so festgelegt, daß die Schwingungen minimiert werden.
9. Schienenfahrzeug nach Anspruch 8, dadurch gekennzeichnet,
daß als Schwingungssensoren Beschleunigungssensoren (13) an den
Zwischengestellen (6) angeordnet sind und daß den Beschleuni
gungssensoren (13) vorzugsweise Bandpaßfilter für einen
Frequenzbereich von maximal 60 bis 200 Hz nachgeschaltet sind.
10. Schienenfahrzeug nach Anspruch 8 oder 9, dadurch gekenn
zeichnet, daß alle Aktuatoren (9) die parallel zu den jeweils
einem Scheibenrad (3) zugeordneten Primärfedern (5) angeordnet
sind, von der Steuereinrichtung (16) parallel angesteuert
werden.
11. Schienenfahrzeug nach einem der Ansprüche 8 bis 10, dadurch
gekennzeichnet, daß die Aktuatoren (9) Linearmotoren sind, die
vorzugsweise innerhalb von spiralförmigen Primärfedern (5)
angeordnet sind.
12. Schienenfahrzeug nach einem der Ansprüche 8 bis 11, dadurch
gekennzeichnet, daß die Aktuatoren (9) über Federstahldraht
abschnitte (21) an den Drehlagern (4) und den Zwischengestellen
(6) gelagert sind.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998124125 DE19824125C1 (de) | 1998-05-29 | 1998-05-29 | Verfahren und Schienenfahrzeug zur aktiven Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen im Fahrgastraum von Schienenfahrzeugen |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998124125 DE19824125C1 (de) | 1998-05-29 | 1998-05-29 | Verfahren und Schienenfahrzeug zur aktiven Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen im Fahrgastraum von Schienenfahrzeugen |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19824125C1 true DE19824125C1 (de) | 1999-09-16 |
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ID=7869351
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1998124125 Expired - Fee Related DE19824125C1 (de) | 1998-05-29 | 1998-05-29 | Verfahren und Schienenfahrzeug zur aktiven Unterdrückung von fahrwerksbedingten Schwingungsanregungen im Fahrgastraum von Schienenfahrzeugen |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19824125C1 (de) |
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