DE19820865A1 - Aktives Abstützsystem für schienengebundene Fahrzeuge - Google Patents
Aktives Abstützsystem für schienengebundene FahrzeugeInfo
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- B61—RAILWAYS
- B61F—RAIL VEHICLE SUSPENSIONS, e.g. UNDERFRAMES, BOGIES OR ARRANGEMENTS OF WHEEL AXLES; RAIL VEHICLES FOR USE ON TRACKS OF DIFFERENT WIDTH; PREVENTING DERAILING OF RAIL VEHICLES; WHEEL GUARDS, OBSTRUCTION REMOVERS OR THE LIKE FOR RAIL VEHICLES
- B61F5/00—Constructional details of bogies; Connections between bogies and vehicle underframes; Arrangements or devices for adjusting or allowing self-adjustment of wheel axles or bogies when rounding curves
- B61F5/02—Arrangements permitting limited transverse relative movements between vehicle underframe or bolster and bogie; Connections between underframes and bogies
- B61F5/22—Guiding of the vehicle underframes with respect to the bogies
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Abstract
Es wird ein Fahrzeug-Abstützsystem vorgeschlagen, das zwischen einer Achse bzw. einem Drehgestell (4) und dem Wagenkasten (5) eines Zuges angeordnet ist. Das System enthält ein aktives Abstützsystem (1 bis 3) zu dem Zweck, eine weitgehende dynamische Entkopplung des Wagenkastens von der Achse bzw. dem Drehgestell (4) zu erreichen und damit den Fahrkomfort erheblich zu verbessern. Mit den für die aktive Federung installierten Aktoren und Sensoren ist darüber hinaus eine aktive Neigetechnik ohne zusätzliche Aktoren und Sensoren realisierbar.
Description
Die Erfindung betrifft ein Abstützsystem entsprechend dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Die Erfindung bezieht sich auf ein Abstützsystem (aktives Federungssystem), das die
wesentlichen zwei Massen eines Bahnwaggons bzw. Triebkopfes (Wagenkasten und Drehgestell
bzw. Achsen) verkoppelt und den Wagenkasten federt und dämpft. Solche Federungssysteme
sind bekannt [1], [2], [3].
Bei diesen bekannten Abstützsystemen werden zusätzlich zur Luftfederung und zu aktiven
pneumatischen Aktuatoren noch passive hydraulische Dämpfer eingesetzt, d. h.
näherungsweise geschwindigkeitsproportionale Kräfte generiert; dies gilt auch für
hydropneumatische Federbeine, die ebenfalls solche Kräfte erzeugen können. Die meist
hydraulisch erzeugten Kräfte zur Dämpfung der Wagenkastenbewegung verschlechtern aber
den Fahrkomfort im oberen Frequenzbereich beträchtlich gegenüber einer Federung ohne
Dämpfer. Eine Verbesserung des Fahrkomforts ist somit nur im unteren Frequenzbereich bis zu
Frequenzen von ca. 8 Hz realisierbar.
Der Erfindung (Bild 1) liegt die Aufgabe zugrunde, den Nachteil heutiger Abstützsysteme mit
passiven Dämpfern zu vermeiden. Um den Fahrkomfort deutlich zu verbessern, wird bei der
Erfindung auf passive Dämpfer bzw. passiv erzeugte Dämpferkräfte vollständig verzichtet,
sowohl in vertikaler wie auch in beiden horizontalen Richtungen, so daß vom Drehgestell 4 auf
den Wagenkasten 5 erheblich weniger Kräfte vor allem im oberen Frequenzbereich übertragen
werden, d. h. der Wagenkasten 5 wird schwingungstechnisch weitgehend entkoppelt. Die
notwendige Dämpfung und Führung des Wagenkastens wird über aktive Steller realisiert, d. h.
mittels Aktoren 1 am Fußpunkt einer Luftfeder 3. Die Aktoren 1 erhalten von einer
geeigneten Regelung die dazu notwendigen Ansteuersignale. Die Regelung erhält notwendige
Informationen z. B. aus Messungen der Relativwege zwischen Wagenkasten und Drehgestellen
bzw. Achsen. Weitere Messungen können herangezogen werden.
Die Aufgabe wird durch ein Abstützsystem mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst.
Die Erfindung (Bild 1) hat den Vorteil, den Fahrkomfort deutlich zu verbessern, da bei der
Erfindung auf passive Dämpfer bzw. passiv erzeugte Dämpferkräfte vollständig verzichtet wird,
sowohl in vertikaler wie auch in beiden horizontalen Richtungen, so daß vom Drehgestell 4 auf
den Wagenkasten 5 erheblich weniger Kräfte vor allem im oberen Frequenzbereich übertragen
werden, d. h. der Wagenkasten 5 wird schwingungstechnisch weitgehend entkoppelt. Die
notwendige Dämpfung und Führung des Wagenkastens wird über aktive Steller realisiert, d. h.
mittels Aktoren 1 am Fußpunkt einer Luftfeder 3. Die Aktoren 1 erhalten von einer
geeigneten Regelung die dazu notwendigen Ansteuersignale. Die Regelung erhält notwendige
Informationen z. B. aus Messungen der Relativwege zwischen Wagenkasten und Drehgestellen
bzw. Achsen. Weitere Messungen können herangezogen werden.
Der zweite Vorteil der Erfindung liegt darin, daß ohne zusätzliche Aktoren eine aktive
Neigetechnik realisiert werden kann, die zum einen verhindert, daß der Wagenkasten bei
Kurvenfahrt sich aus der Schienenmitte bewegt, und zum anderen den Wagenkasten soweit
neigt, so daß die auf die Insassen wirkende Querbeschleunigung kompensiert oder zumindest
gemindert wird.
Ein weiterer Vorteil der Erfindung ist, daß mittels der Aktoren die Verschiebung der Luftfedern
beim Durchfahren von Gleisbögen ausgeglichen werden kann. Dadurch können Drehgestelle
besser enge Radien fahren.
Diese Aufgaben werden gemäß der Erfindung bei einem gattungsgemäßen Fahrzeug-
Abstützsystem durch die kennzeichnenden Merkmale des Hauptanspruchs gelöst.
Ein Ausführungsbeispiel der Erfindung ist in der Zeichnung (Bild 1) dargestellt und in der
nachfolgenden Beschreibung näher erläutert.
Das Ausführungsbeispiel unterscheidet sich von bisherigen aktiven und passiven
Wagenkastenfederungen (sogenannten Sekundärfederungen) vor allem dadurch, daß keine
passiven, in der Regel hydraulische, Schwingungsdämpfer verwendet werden und die
notwendige Schwingungsdämpfung über eine aktive Verstellung der Fußpunkte 3 geeigneter
Federelemente 2 und 3 (z. B. Luftfedern für Schienenfahrzeuge wie Gürtelrollbälge,
Halbrollbälge etc.) mittels geeigneter Aktoren 1 (hier Hydraulikzylinder) realisiert wird. Zur
aktiven Verstellung der Fußpunkte 3 werden die Bewegungen des Wagenkastens 5 relativ zu
den Drehgestellen bzw. Radsätzen 4 gemessen, und über eine geeignete Regelung werden
dann die Sollwege für die Aktoren 1 zur Fußpunktverstellung vorgegeben.
Zur Verbesserung der Regelung können weitere Meß- und Informationsgrößen herangezogen
werden, wie z. B. Quer- und Längsbeschleunigungen, der Schienenverlauf etc.
Die Aktoren 1 je Federelement 1 und 2 sind so mit dem Fußpunkt (in der Regel der Kolben
3) verbunden, daß dieser nicht wegkippen bzw. sich wegdrehen kann. Die Federelemente
müssen in drei Bewegungsrichtungen (quer, längs, vertikal) eine gewisse Steifigkeit aufweisen,
damit der Wagenkasten 5 aktiv geführt und gedämpft werden kann.
Bei Ausfall der Regelung bzw. der Aktoren 1 gewährleisten die Federelemente 2 und 3 einen
Notlaufbetrieb, der noch durch zuschaltbare Dämpfungselemente (in Bild 1 nicht eingezeichnet)
verbessert werden kann.
Die Aktoren 1 des Ausführungsbeispiels können z. B. durch Hydraulikzylinder oder elektrische
Linearantriebe realisiert werden. Die Aktoren in Längsrichtung können auch entfallen, da über
den Antrieb der Wagenkasten in Längsrichtung aktiv gedämpft werden kann.
Das Abstützsystem kann nicht nur in der im Ausführungsbeispiel gezeichneten Kombination von
Drehgestell 4 und Wagenkasten 5 realisiert werden, sondern z. B. auch in Kombination mit
sogenannten Jacobs-Drehgestellen, Einzelachsen oder auch Losradsätzen.
Da bei der Erfindung auf Dämpfer verzichtet wird, müssen erforderliche Dämpferkräfte über die
Aktoren 1 erzeugt werden. Dämpferkräfte sind geschwindigkeitsabhängig (oft
geschwindigkeitsproportional), d. h. über die Fußpunktverstellung des Federelementes 2 bis 3
müssen die Aktoren 1 von der Geschwindigkeit abhängige Kräfte stellen können. Übliche
Dämpfer stellen geschwindigkeitsabhängige Kräfte bis zu Frequenzen von über 50 Hz, mit dem
Nachteil, daß der Fahrkomfort und die akustische Entkopplung verschlechtert werden.
Notwendig sind zur Dämpfung des Wagenkastens 5 aber nur Dämpferkräfte bis ca. 5. Hz. Dies
wird z. B. durch entsprechende Filter oder andere Maßnahmen in der Regelung sichergestellt.
Zur Erzeugung der notwendigen Dämpferkräfte werden die Aktoren 1 des Abstützsystems im
Fahrbetrieb entsprechend einem Regelgesetz, das in einer Elektronik als Regeleinrichtung
realisiert wird, beaufschlagt. Das Regelgesetz kann neben den notwendigen Dämpferkräften
auch weitere für den Fahrbetrieb notwendige Kräfte generieren, z. B. solche, die zur
Kompensation von Kräften bei Kurvenfahrt, bei Anfahr- und Bremsmanövern oder zur Neigung
des Zuges bei Kurvenfahrt benötigt werden.
Für die Regelung werden als Rückführgrößen oder Aufschaltgrößen mehrere gemessene oder
beobachtete Größen verwendet, die den Bewegungszustand von Achse bzw. Drehgestell 4 und
Wagenkasten 5 oder Störungs- und Führungsgrößen kennzeichnen. Diese Größen sind z. B.:
- - Relativwege und/oder Relativgeschwindigkeiten zwischen Achse/Drehgestell 4 und Wagenkasten 5
- - Beschleunigungen von Achsen/Drehgestellen 4 und Wagenkasten 5
- - Kräfte des Abstützsystems
- - Drücke in den Aktoren 1
- - Position und Geschwindigkeit des Zuges
- - Längs-, Quer- und Vertikalbeschleunigung des Zuges
Durch die Verwendung eines aktiven Abstützsystems ergibt sich die Möglichkeit, innerhalb der
bestehenden Systemgrenzen nahezu beliebige Kraftgesetze zwischen Achse/Drehgestell 4 und
Wagenkasten 5 wirken zu lassen. Auf diese Weise wird die Wagenkastenmasse weitgehend
dynamisch von den Achsen bzw. Drehgestellen 4 entkoppelt und demzufolge eine wesentlich
stärker komfortorientierte Federung realisiert.
1
Aktoren zur Fußpunktverstellung (hydraulisch, elektrisch oder pneumatisch realisierbar)
2
Luftfederbälge
3
Luftfederunterteile (Kolben); senkrechte Aktoren sind oben mit den Luftfederunterteilen fest
verbunden; alle anderen Lagerstellen der Aktoren sind drehbar gelagert
4
Drehgestellrahmen bzw. Radsatzführung
5
Wagenkasten
[1] Nagai, M.; Mori, H.; Nakadai, S.: Active Vibration Control of Electrodynamic Suspension
System. JSME International Journal, Series c, Vol. 38, No. 1, 1995.
[2] Sinha, P. K.; Wormley, D. N.; Hedrick, J. K.: Rail Passanger Vehicle Lateral Dynamic Performance Improvement Through Active Control. ASME publication, 78-WA/DSC-14, September 1979
[3] Goodall; Roger: Active Railway Suspensions: Implementation State and Technological Trends. Vehicle System Dynamics, 28 (1997), pp. 87-117.
[2] Sinha, P. K.; Wormley, D. N.; Hedrick, J. K.: Rail Passanger Vehicle Lateral Dynamic Performance Improvement Through Active Control. ASME publication, 78-WA/DSC-14, September 1979
[3] Goodall; Roger: Active Railway Suspensions: Implementation State and Technological Trends. Vehicle System Dynamics, 28 (1997), pp. 87-117.
Claims (10)
1. Fahrzeug-Abstützsystem, das zwischen einer Achse bzw. einem Drehgestell (4) und einem
Wagenkasten (5) (oder zwei Wagenkästen beim sogenannten Jacobs-Drehgestell)
angeordnet ist und das als aktives (voll- oder teilaktives) System ausgebildet ist, dadurch
gekennzeichnet, daß keine passiven Dämpfer (keine hydraulischen Dämpfer oder
Reibungsdämpfer für die Sekundärfederung) verwendet werden, um den Wagenkasten (5)
zu dämpfen.
2. Fahrzeug-Abstützsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die notwendigen
Dämpfungs- und Führungskräfte für den Wagenkasten (5) durch Aktoren (1) am Fußpunkt
einer Luftfeder (Kolben z. B. einer Rollbalg- oder Gürtelrollbalgfeder) gestellt werden.
3. Fahrzeug-Abstützsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß von einer
Regeleinrichtung Eingangssignale für die Aktoren (1) so generiert werden, daß geeignete
Dämpfungs- und Führungskräfte für den Wagenkasten erzeugt werden.
4. Fahrzeug-Abstützsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als
Rückführgrößen für die Regelung die Relativwege oder die Relativgeschwindigkeiten
zwischen Wagenkasten (5) und Achse bzw. Drehgestell (4) verwendet werden.
5. Fahrzeug-Abstützsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet daß als
Rückführgrößen für die Regelung die Beschleunigungen von Wagenkasten (5) und Achse
bzw. Drehgestell (4) verwendet werden.
6. Fahrzeug-Abstützsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als
Rückführgrößen für die Regelung die Kräfte der Aktoren (1) zwischen Wagenkasten (5) und
Achse bzw. Drehgestell (4) verwendet werden.
7. Fahrzeug-Abstützsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Rückführ- bzw.
Aufschaltgrößen für die Regelung die Längs-, Quer- und Vertikalbeschleunigungen des
Zuges verwendet werden.
8. Fahrzeug-Abstützsystem nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß als Rückführ- bzw.
Aufschaltgrößen für die Regelung die Position und die Geschwindigkeit des Zuges verwendet
werden.
9. Fahrzeug-Abstützsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß
das Abstützsystem zur Kurvenneigung des Zuges genutzt werden kann.
10. Fahrzeug-Abstützsystem nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß
das Abstützsystem mittels der Aktoren die Verschiebung der Luftfedern beim Durchfahren
von Gleisbögen ausgleichen kann.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998120865 DE19820865A1 (de) | 1998-05-09 | 1998-05-09 | Aktives Abstützsystem für schienengebundene Fahrzeuge |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998120865 DE19820865A1 (de) | 1998-05-09 | 1998-05-09 | Aktives Abstützsystem für schienengebundene Fahrzeuge |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19820865A1 true DE19820865A1 (de) | 1999-11-18 |
Family
ID=7867272
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1998120865 Withdrawn DE19820865A1 (de) | 1998-05-09 | 1998-05-09 | Aktives Abstützsystem für schienengebundene Fahrzeuge |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19820865A1 (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO2003043840A1 (de) * | 2001-11-23 | 2003-05-30 | Bombardier Transportation Gmbh | Positionseinstellung eines fahrzeug-wagenkörpers |
| DE102004014904B4 (de) * | 2004-03-18 | 2013-06-13 | Railcab Development GmbH | Schienenfahrzeug |
-
1998
- 1998-05-09 DE DE1998120865 patent/DE19820865A1/de not_active Withdrawn
Cited By (3)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| WO2003043840A1 (de) * | 2001-11-23 | 2003-05-30 | Bombardier Transportation Gmbh | Positionseinstellung eines fahrzeug-wagenkörpers |
| CN100500459C (zh) * | 2001-11-23 | 2009-06-17 | 勃姆巴迪尔运输有限公司 | 车辆车体的位置调整系统 |
| DE102004014904B4 (de) * | 2004-03-18 | 2013-06-13 | Railcab Development GmbH | Schienenfahrzeug |
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