DE19823369A1 - Verfahren zum Prüfen einer Radaufhängung - Google Patents
Verfahren zum Prüfen einer RadaufhängungInfo
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Abstract
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Prüfen einer Radaufhängung von Kraftfahrzeugen. Eine zuverlässige Aussage zu dem Zustand der Radaufhängung wird dadurch erreichbar, daß die Radaufhängung mit einem Modell beschrieben wird, die Modellparameter innerhalb eines Radaufhängungstests oder aus einer Datenbank ermittelt werden, aus den Modellparametern ein Sollwertbereich eines Gutmodells berechnet wird und aktuelle Parameter dem Sollwertbereich zur Auswertung gegenübergestellt werden.
Description
Die Erfindung bezieht sich auf ein Verfahren zum Prüfen einer Radaufhängung
von Kraftfahrzeugen.
Ein derartiges Verfahren ist in der DE 24 03 343 A1 angegeben. Bei diesem be
kannten Verfahren wird das dem zu prüfenden Stoßdämpfer zugeordnete Fahr
zeugrad mit einer relativ hohen Drehzahl angetrieben und durch eine auf das
Fahrzeugrad wirkende Kraft periodisch oder nicht periodisch ausgelenkt und die
Relativbewegung zwischen dem Fahrzeugrad und dem Fahrzeugaufbau erfaßt und
ausgewertet.
Ein weiteres Verfahren dieser Art ist in der DE 24 01 301 A1 beschrieben, wobei
das Fahrzeug zum Testen der Stoßdämpfer im freien Fall auf eine Wiegeeinrich
tung trifft und die sich verändernde Radaufstandskraft in einem Aufzeichnungs
gerät registriert wird, um eine Aussage über die Funktionsfähigkeit des ent
sprechenden Stoßdämpfers zu gewinnen.
Auch bei einem in der DE 44 31 794 A1 gezeigten Verfahren zum Prüfen einer
Radaufhängung wird das Schwingungsverhalten eines Rades nach einem Fall auf
eine Unterlage und zusätzlich das Schwingungsverhalten der Karosserie gemes
sen, um Daten für die Karosserie- und Radmassen, die Federsteifigkeit und die
Dämpfungskonstanten berechnen zu können. Mittels eines Meßsystems wird der
zeitliche Verlauf des Schwingungsverhaltens von Karosserie und Rad bestimmt.
Bei einer normierten Vorgehensweise nach EUSAMA ist vorgeschlagen, die Rad
aufhängungen der einzelnen Räder jeweils getrennt zu messen. Mittels eines
Elektromotors wird eine Schwungmasse auf eine Frequenz von ca. 25 Hz ge
bracht und der Elektromotor wird damit abgeschaltet. Die Schwungmasse treibt
einen Exzenter an, der eine Bodenplattform um +/- 3 mm auslenkt. Dabei mißt
ein Kraftgeber unterhalb der Bodenplattform die Radaufstandskraft. Die Rota
tionsfrequenz der anregenden Schwungmasse verringert sich durch Reibungs
momente, so daß eine Kleinsignal-Analyse bei abnehmender Frequenz durchführ
bar ist.
Die bisher bekannten Verfahren liefern wegen der komplexen Zusammenhänge
der Einflußgrößen (Massen, Federkonstanten, Dämpfungskonstanten bzw. Rei
bung) noch relativ unzuverlässige Werte, um beispielsweise den Zustand eines
Stoßdämpfers zuverlässig zu beurteilen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, ein Verfahren zum Prüfen einer Rad
aufhängung von Kraftfahrzeugen bereitzustellen, mit dem die einzelnen Parameter
mit möglichst wenig Aufwand sicherer bestimmbar sind.
Diese Aufgabe wird mit den Merkmalen des Anspruchs 1 gelöst. Hiernach ist vor
gesehen, daß die Radaufhängung mit einem Modell beschrieben wird, die standar
disierten Modellparameter innerhalb eines Radaufhängungstests und/oder aus
einer Datenbank ermittelt werden, aus den Modellparametern ein Sollwertbereich
eines Gutmodells berechnet wird und aktuelle Parameter dem Sollwertbereich zur
Auswertung gegenübergestellt werden.
Diese Vorgehensweise erhöht die Aussagefähigkeit der ermittelten Parameter,
beispielsweise des Zustandes der Stoßdämpfer oder der Bodenhaftung, indem es
seine eigenen Sollwerte errechnet. Dadurch wird der Aufwand zum Erhalten des
Sollwerts gering gehalten. Alternativ können die Modellparameter bei etwas er
höhtem Aufwand der Sollwertpflege mittels Daten einer Datenbank bestimmt
werden. Das Modell kann jederzeit nach neuen Erkenntnissen weiterentwickelt
und verfeinert werden, so daß die Sollparameter verhältnismäßig zuverlässig
bestimmt und die aktuellen Parameter diesen gegenüber hinsichtlich einer
Diagnose zuverlässig beurteilt werden können.
Die Gewinnung der standardisierten Modellparameter kann mit relativ wenig
Aufwand dadurch erfolgen, daß zum Ermitteln der Modellparameter diese durch
einfache Messungen bestimmt und/oder durch bekannte Werte vorgegeben wer
den. Die aktuellen Parameter der Radaufhängung eines Kraftfahrzeugs werden mit
wenig Aufwand für den Benutzer auf sichere Weise dadurch ermittelt, daß zum
Bestimmen der aktuellen Parameter mittels eines Rechenprogramms die Modell
parameter variiert werden und diejenigen variierten Parameter herausgesucht
werden, die am besten mit bei dem Radaufhängungstest gewonnenen Meßkurven
korrelieren.
Ein vorteilhaftes Modell zur Durchführung des Verfahrens mit guter Aussagekraft
besteht darin, daß die Modellparameter die Reifensteifigkeit, die Federkonstante
einer Federanordnung zwischen einer ungefederten Masse und einer gefederten
Masse, die gefederte Masse und die ungefederte Masse sowie den Reibkoeffizient
eines Stoßdämpfers umfassen und aus der bekannten Summe mr + mf der unge
federten Masse und der gefederten Masse, zwei bei geringer Dämpfung be
kannten Resonanzfrequenzen, bekannten Resonanzüberhöhungen und üblichen
Verhältnissen mr/mf der ungefederten Masse und der gefederten Masse sowie
cr/cf der Reifensteifigkeit und der Federkonstante ermittelt werden.
Ist vorgesehen, daß die Ermittlung der Modellparameter interaktiv mittels eines
Experten-Programms erfolgt, so wird unter einfacher Mitwirkung des Benutzers
der Sollwertbereich für beliebige Fahrzeuge und deren Radaufhängung den realen
Verhältnissen entsprechend definiert.
Zum schnellen, sicheren Auffinden und Festlegen der Modellparameter sind wei
terhin die Maßnahmen vorteilhaft, daß als Rahmen zum Ermitteln der Modellpara
meter eine Grobklassifikation nach Typklassen vorgegeben wird.
Ein einfaches, die realen Bedingungen gut wiedergebendes Modell wird dadurch
erhalten, daß dem Modell ein Zwei-Feder-/Zwei-Masse-/Zwei-Dämpfer-System zu
grundegelegt wird.
Die Zuverlässigkeit der ermittelten Parameter wird dadurch unterstützt, daß die
aktuellen Parameter durch Anregung und Auswertung in drei Frequenzbereichen,
nämlich die Reifensteifigkeit und eine Reifendämpfung bei hoher Frequenz < 25
Hz, die Reifenmasse oder ungefederte Masse und Reifensteifigkeit bei mittlerer
Frequenz von etwa 9 bis 15 Hz und die gefederte Masse mf und die Federkon
stante der Federanordnung bei niedriger Frequenz von etwa 0,5 bis 2 Hz, er
mittelt werden.
Mit wenig Aufwand werden zuverlässige Aussagen zu dem Zustand der Radauf
hängung dadurch erhalten, daß die aktuellen Parameter mittels einer Großsignal
analyse in Form eines manuellen Stoßdämpfertests, wobei das Fahrzeug mehr
mals durchgefedert und das Ausklingverhalten einer Radaufstandskraft ermittelt
wird, und/oder mittels eines Falltest gemessen werden. Diese Großsignalanalyse
kann zusätzlich oder alternativ zu einer Kleinsignalanalyse angewandt werden.
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, daß die aktuellen Parameter mittels einer
Geräuschanalyse gemessen werden.
Eine alternative oder ergänzende Möglichkeit zum Gewinnen zuverlässiger Dia
gnoseergebnisse besteht darin, daß die aktuellen Parameter mittels einer linearen
Impedanzanalyse ermittelt werden, indem bei im wesentlichen verzerrungsfreier
Anregung die Radaufstandskraft des Fahrzeugs und der Weg einer vertikal be
wegten Bodenplatte erfaßt und gespeichert werden, die Hüllkurven von maxi
maler und minimaler Radaufstandskraft gebildet werden, aus den beiden Hüll
kurven der Betragsfrequenzgang der Radaufstandskraft durch Mittelung gebildet
wird und aus der Radaufstandskraft sowie dem Wege der Bodenplatte der Pha
senverlauf ermittelt wird.
Eine verfeinerte Aussage wird dadurch erhalten, daß bei dem Modell auch die
Masse einer vertikal bewegen Bodenplatte berücksichtigt wird.
Mit den Maßnahmen, daß bei einseitiger Anregung Kraft und Weg der nicht an
geregten Seite mitgemessen werden, daß anhand des Verhältnisses der Kräfte
und/oder des Wegs auf die Art der Radaufhängung geschlossen wird und daß in
Abhängigkeit der Aufhängung mit einem Modell für eine Einzelradaufhängung
oder verkoppelter Räder gerechnet wird, wird eine erhöhte Genauigkeit bei der
Berechnung der Modellparameter und aktuellen Parameter ermöglicht.
Eine weitere Möglichkeit, den Zustand eines Stoßdämpfers genauer bestimmen zu
können, ergibt sich dadurch, daß anhand der Oberwellen (Klirrfaktor) eine Kenn
linie eines Stoßdämpfers näherungsweise ermittelt wird.
Die Erfindung wird nachfolgend anhand von Ausführungsbeispielen unter Bezug
nahme auf die Zeichnungen näher erläutert. Es zeigen:
Fig. 1 ein vereinfachtes Modell mit einem Feder-Masse-Dämpfer-System in
Blockdarstellung und
Fig. 2 einen Frequenzgang einer Radaufstandskraft auf einer vertikal
bewegten Bodenplatte.
Fig. 1 zeigt ein Modell für ein Feder-Masse-Dämpfer-System, das die Verhältnisse
zum Testen einer Radaufhängung eines Kraftfahrzeugs geeignet wiedergibt, um
daraus Modellgleichungen zu erstellen und Modellparameter zu ermitteln.
Eine Bodenplatte P wird beispielsweise mittels eines Motors und eines von die
sem angetriebenen Exzenters vertikal in Schwingungen versetzt. Die Bodenplatte
P besitzt die Masse mp und ist über einen Reifen mit einer Federsteifigkeit cr und
einer (nicht gezeigten) eventuellen Dämpfung rr mit der Radfelge R gekoppelt. Die
Masse mr des Rades und Teile der Radaufhängung wie Lenker und dgl. wird zu
einer ungefederten Masse zusammengefaßt. Die Radfelge R ist über eine Feder F,
beispielsweise eine Schraubenfeder oder Blattfeder einer Federkonstanten cf und
einen Stoßdämpfer mit einem Reibkoeffizienten rf mit dem Fahrzeugaufbau in
Form der Fahrzeugkarosserie K gekoppelt, die eine gefederte Masse mf darstellt.
Das Modell kann als ein lineares Zwei-Feder-/Zwei-Massen-/Zwei-Dämpfer-System
aufgefaßt werden, wobei die gefederte Masse mf der Karosserie über die Feder F
mit der Federkonstante cf und den Stoßdämpfer mit dem Reibkoeffizienten rf mit
der ungefederten Masse mr und diese wiederum über die Reifensteifigkeit cr und
die Reifendämpfung rr mit der in Schwingungen versetzten Bodenplatte gekoppelt
ist.
Der in Fig. 1 gezeigte Aufbau kann mittels einer komplexen Übertragungsfunktion
in Form einer Modellgleichung folgendermaßen beschrieben werden:
Fu=su*pˆ2*(pˆ4*Z4+pˆ3*Z3+pˆ2*Z2+p*Z1+ZO)/(pˆ4*N4+pˆ3*N3+Pˆ2*N2+p*N1+NO)
Fu = Kraft auf DMS-Kraftsensor
su = Maximale Auslenkung Bodenplatte
p = komplexe Frequenz
su = Maximale Auslenkung Bodenplatte
p = komplexe Frequenz
Parameter:
Z4 {fm*mr*mp}
Z3 {rf*(mf+mr)*mp}
Z2 {(cf*(mf+mr)+cr*mf)*mp+mr*mf*cr}
Z4 {fm*mr*mp}
Z3 {rf*(mf+mr)*mp}
Z2 {(cf*(mf+mr)+cr*mf)*mp+mr*mf*cr}
Parameter:
N4 {mr*mf}
N3 {rf*(mf+mr)}
N2 {cf*(mf+mr)+cr*mf}
N4 {mr*mf}
N3 {rf*(mf+mr)}
N2 {cf*(mf+mr)+cr*mf}
Parameter:
Z1 {cr*rf*(mf+mr+mp)}
ZO {(mp+mr+mf)*cf*cr}
Z1 {cr*rf*(mf+mr+mp)}
ZO {(mp+mr+mf)*cf*cr}
Parameter:
N1 {cr*rf}
NO {cr*cf}
N1 {cr*rf}
NO {cr*cf}
Die Vorgehensweise zur Bestimmung aktueller Parameter der Radaufhängung
eines Kraftfahrzeugs erfolgt ohne hohen Aufwand der Sollwerterstellung und
Sollwertpflege, indem das Radaufhängungssystem durch das vorstehende oder
ein anderes Modell beschrieben wird, die Modellparameter innerhalb eines
Radaufhängungstests ermittelt werden und auf den Modellparametern der Soll
wertbereich des Gutmodells berechnet und die aktuellen gemessenen Parameter
durch Vergleich mit dem Sollwertbereich des Gutmodells ermittelt werden.
Die einzelnen Größen der Massen, Federkonstanten und Dämpfungen werden z. B.
durch Anregung in unterschiedlichen Frequenzbereichen auf einfache Weise
ermittelt, in denen nur einzelne Komponenten wirksam sind. Bei hoher Anre
gungsfrequenz < 25 Hz sind näherungsweise nur Reifenelastizität und Reifen
dämpfung wirksam, bei mittlerer Frequenz von ca. 9 bis 15 Hz liegt eine
Eigenresonanz bestimmt durch die Reifenmasse und die Reifenelastizität und bei
niedriger Frequenz von ca. 0,5 bis 2 Hz wird die Eigenresonanz im wesentlichen
durch die gefederte Masse mf und die Fahrzeugfeder F bestimmt (Karosserie
eigenschwingung). Die Dämpfung kann jeweils beispielsweise aus der Reso
nanzgüte bestimmt werden. Auch die Resonanzamplitude und Halbwertsbreite
können berücksichtigt werden. Ferner kann ein Abklingverhalten in Form eines
logarithmischen Dekrements der Karosserieeigenschwingung ausgewertet wer
den. Mittels eines optimierenden Rechenprogramms kann nachfolgend noch eine
Feinabstimmung der Modellparamter erfolgen, wodurch geringere Anforderungen
an die Parameterermittlung aus der Messung gestellt werden können. Nach
allgemein bekannten Eigenschaften (Gesamtgewicht, sportliche oder komfortable
Fahrwerkauslegung usw.) können die Kraftfahrzeuge zusätzlich in mehrere Grob
klassen eingeteilt werden. Dadurch ergibt sich eine weitere Verfeinerung und
Vereinfachung des Modells und der Auswertung.
In Fig. 2 ist ein Betrag des Frequenzganges einer Kraft auf der Bodenplatte P bei
Anregung mit konstanter Geschwindigkeit gezeigt. Bei schlechtem Stoßdämpfer
ergeben sich demnach hohe Resonanzamplituden bei ca. 1,0 Hz und 10 Hz, wäh
rend bei guten Stoßdämpfern relativ geringe Resonanzamplituden entstehen.
Folgende Modellgleichungen ergeben sich beispielsweise bei einer Einzel
radaufhängung bei sinusförmiger Anregung konstanter Amplitude mittels eines
Radaufhängungstesters, wobei folgende vereinfachenden Annahmen gemacht
werden:
- - Der Radaufhängungstester liefere eine sinusförmige Anregung konstanter Amplitude von 0-25 Hz (su = e*cos(wt), v = du/dt = e*w*sin(wt), au = dvu/dt =e*wˆ2*cos(wt)).
- - Die Masse der Bodenplatte des Radaufhängungstesters werde vernachlässigt.
- - Meßtoleranzen und Fehler werden vernachlässigt,
- - alle Massen unterhalb Feder und Stoßdämpfer (samt Teilen derselben, die sich auf das Rad stützen, werden zur ungefederten Masse (mr) zusammen gefaßt,
- - alle Massen oberhalb zur gefederten Masse mf,
- - die Reifendämpfung wird vernachlässigt (rr=O), die Felge stehe auf der Reifensteifigkeit cr,
- - alle Nachgiebigkeiten zwischen Rad und Karosserie werden zur Feder zusammengefaßt.
- - Alle Dämpfungselemente werden im Stoßdämpfer zusammengefaßt.
- - Alle Feder- und Dämpfungselemente sind linearisiert.
- - Es werden nur Kräfte und Bewegungen in senkrechter Richtung betrachtet. Einbaulagen und -winkel werden nicht berücksichtigt.
- - Rückwirkungen durch Wank- und Nickbewegungen werden vernachlässigt.
Es ergibt sich ein Modell mit zwei verkoppelten Schwingkreisen (Tiefpässe) ge
bildet aus Reifensteifigkeit zu ungefederter Masse, sowie aus Feder zu gefederter
Masse, jeweils gedämpft durch den Stoßdämpfer.
Wenn die Schwingkreisdämpfung nicht zu hoch ist, und die Resonanzfrequenzen
der Schwingkreise genügend weiten Abstand haben (i.d.R. 1-2 Hz zu 8-15 Hz)
lassen sich die Schwingkreise entkoppeln. Bei tiefen Frequenzen folgt die Felge
der Bodenplatte, die Trägheitskraft der ungefederten Masse wird vernachlässigt.
Es wird dann ein Schwingkreis mit der Resonanzfrequenz ff=1/(2*pi)*sqrt
(cf/mf), der AbkIingkonstanten df=rf/2mf und der Dämpfung chif=df/(2*pi*ff) =
rf/(2*sqrt(cf*mf)) erhalten. Analog gilt für hohe Frequenzen daß die Karosserie
der Anregung nicht mehr folgen kann, die Trägheitskraft der gefederten Masse
wird dadurch vernachlässigbar. Die Feder ist viel weicher als die Reifensteifigkeit
und wird ebenfalls vernachlässigt. Es ergibt sich die Resonanzfrequenz fr =
1/(2*pi)*sqrt(cr/mr), die Abklingkonstante dr = rf/2mr und die Dämpfung chir =
dr/(2*pi*fr) = rf/(2*sqrt(cr*mr)). Es werden noch die Schwingkreisgüten
Qr = 1/2chri und Qf = 1/2chif definiert.
Die Bodenhaftung nach EUSAMA-Norm ist definiert zu b = Bodenhaftung in
Prozent, Fstat = statische Radlast = (mr+mf)*g, Fmin = minimale Kraft bei
Anregung nach EUSAMA
b = Fmin/Fstat*100.
Wird die mechanische Impedanz bei der dynamischen Last zu Zdyn = v/Fdyn de
finiert, dann gilt
Fmin = Fstat - Fdynmax = (mr+mf)g - max(e*3|jw/Zdyn(jw)|)
Fdyn ist näherungsweise maximal bei der Resonanzfrequenz wr = 2pi*fr =
sqrt(cr/mr).
Die komplexe mechanische Impedanz am Meßpunkt in der Nähe von wr beträgt
Zdyn(jw) = jw/cr+1/rf//1/jw*mr = jw/cr+1/rf*1/jw*mr/(1/rf+1/jw*mr)
Der Betrag der dynamischen Last Fdyn ist mit RE Realteil, 1 M = Imaginärteil de
finiert zu
|Fdyn| = e*/jw/Zdyn(jw)/ = e*sqrt(RE(jw/Zdyn)ˆ2+IM(jw/Zdyn)ˆ2)
die Phase zu
P(Fdyn) = arctan (IM(jw/Zdyn)/RE(jw//Zdyn)).
Nach einigen Umformungen erhält man
|Zdyn| = 1/(sqrt(cr*mr)*sqrt(1+cr*mr/rfˆ2))
Fdynmax = |Fdyn(wr)| = e*cr*sqrt(cr*mr/rfˆ2+1) = e*cr*sqrt(1+1/4chirˆ2) = e*cr*sqrt(1+Qrˆ2)
und für die von EUSAMA definierte Bodenhaftung
b = (1-e*cr*sqrt(1+1/4chirˆ2)/(mr+mf)*g) * 100
und für kleine Dämpfungen gilt mit der Näherung sqrt(1+Qrˆ2) = Qr
b = (1-e*cr*Qr/(mr+mf)*g) * 100 mit Qr = sqrt(cr*mr)/rf.
In diesen Gleichungen haben die Formelzeichen die oben angegebenen Bedeutun
gen und außerdem stellen w die Kreisfrequenz, b die Bodenhaftung und g die
Erdbeschleunigung (9,81 m/s2) dar.
Zum Definieren der Modellparameter und Ermitteln der aktuellen Parameter sind
weiterhin alternativ oder in Kombination folgende Vorgehensweisen geeignet.
Da sich viele Fehler bereits durch Geräusche äußern, ist es vorteilhaft, zum Be
stimmen des Zustandes der Fahrzeugaufhängung mittels eines Fahrzeugtesters
eine Geräuschbestimmung zu ermöglichen. In dem Radaufhängungstester sind da
her weiterhin Programmpunkte für eine Geräuschanalyse vorgesehen, mit dem
insbesondere der erfahrene Benutzer bereits wesentliche Aussagen über die
Radaufhängungskomponenten treffen kann. Ferner wird ein manueller Stoßdäm
pfertest angeboten, bei dem der Anwender das Fahrzeug z. B. dreimal durchfedert
und der Radaufhängungstester das Ausklingverhalten der Radaufstandskraft mißt.
Alternativ zu der manuellen Anregung kann auch ein Falltest vorgesehen werden,
bei dem das Fahrzeug auf den Radaufhängungstester fällt. Die Fallvorrichtung
kann separat von dem Anregungsmechanismus für die Schwingungserzeugung
beispielsweise auf einem Bremsrollenprüfstand mit eingebauter Waage verwirk
licht werden. Ein Programm analysiert das Ausklingverhalten und kann typische
Großsignalfehler erkennen. Mittels des Rechners erhält der Benutzer Hinweise zur
Beurteilung der Radaufhängungskomponenten.
Eine weitere Vorgehensweise zur Ermittlung der Parameter der Radaufhängung
besteht in einer Impedanzanalyse. Dazu wird zusätzlich zur Radaufstandskraft der
Weg der Bodenplattform P gemessen, beispielsweise über einen Drehgeber, der
auf einer Exzenterachse montiert ist. Mit der linearen Impedanzanalyse können
zum Beispiel die Parameter Reifensteifigkeit cr, ungefederte Masse mr, gefederte
Masse mf und Reibkoeffizient rf des Stoßdämpfers ermittelt werden, wobei eine
genügend verzerrungsarme Anregung des Radaufhängungstesters sichergestellt
wird. Die Vorgehensweise bei der linearen Impedanzanalyse ist die folgende:
- - Erfassen und Speichern der Radaufstandskraft sowie des Weges der Bodenplatte,
- - Bildung der Hüllkurven von maximaler und minimaler Radaufstandskraft.
- - Aus den beiden Hüllkurven wird der Betragsfrequenzgang der Radaufstands kraft durch Mittelung gebildet.
- - Aus Radaufstandskraft und Weg der Bodenplatte P wird der Phasenverlauf ermittelt.
- - Ein mathematisches Modell der Radaufhängung unter Berücksichtigung der Masse mp der Bodenplatte P wird gebildet entsprechend der vorstehend ge nannten komplexen Übertragungsfunktion.
- - Aus dem Betragsfrequenzgang werden anhand von Näherungsformeln (z. B. gemäß der obigen Formel) geeignete Startparameter ermittelt.
- - Ein Programm variiert alle Parameter des mathematischen Modells und sucht den Parametersatz heraus, der am besten mit den Meßkurven korreliert.
Eine mögliche Vorgehensweise, die Parameter gefederte Masse mf, Federkon
stante cf und Reibkoeffizient rf zu bestimmen, ist die Auswertung des Auskling
verhaltens bei manueller Anregung oder durch Fallen des Fahrzeugs (logarith
misches Dekrement).
Es ist sinnvoll, die lineare Impedanzanalyse mit der Ermittlung des Großsignalver
haltens zu kombinieren.
Eine weitere zweckmäßige Maßnahme besteht darin, Kraft und Wege der nicht
angeregten Seite des Fahrzeugs mitzumessen. Anhand des Verhältnisses der
Kräfte zwischen angeregter und nicht angeregter Seite kann auf die Art der Rad
aufhängung geschlossen werden (Einzelrad, Starrachse). Je nach Radaufhängung
wird dann das mathematische Modell, das zunächst ein einfaches Modell mit
linearisierten Kennlinien und sinusförmiger Anregung sein kann, einer Ein
zelradaufhängung oder zweier verkoppelter Räder verwendet.
Mittels einer nichtlinearen Analyse kann das Spektrum der Kraft bei ange
schaltetem Motor (fixe, maximale Frequenz, sinusförmige Anregung) ausge
wertet werden. Beispielsweise kann anhand dar Oberwellen (Klirrfaktor) die
Kennlinie des Stoßdämpfers näherungsweise ermittelt werden.
Die Modellparameter sowie der Vergleich der aktuellen Parameter mit dem aus
den Modellparametern gewonnen Sollwertbereich können aufgrund einer Fahr
zeugdatenbank ermittelt werden, die jedoch einen entsprechend hohen Aufwand
hinsichtlich der Datenpflege erfordert, wobei Änderungen an Fahrzeugen nicht be
rücksichtigbar sind. Weniger Aufwand erfordert eine halbautomatische Bewertung
mit Experten-Programmen, die den Benutzer durch eine Klassifikation des Fahr
werktyps unterstützen, wobei z. B. der Reifentyp und der Reifensolldruck erfragt
werden. Das Programm ermittelt und vergleicht die Soll-Reifensteifigkeit mit der
gemessenen Reifensteifigkeit, und warnt bei zu niedrigem oder zu hohem Luft
druck oder bei zu großer Luftdruckdifferenz zwischen zwei Reifen einer Achse.
Desweiteren wird nach der zulässigen Zuladung sowie dem Fahrzeugcharakter
(sportlich, komfortabel, Kleinwagen, Limousine, Geländewagen usw.) gefragt.
Das Analyse-Programm ermittelt dann aus den Fahrwerksparametern, der Mas
senverteilung und den Zusatzinformationen Aussagen über Fahrsicherheit, den
Fahrkomfort sowie den Zustand der Radaufhängungskomponenten, insbesondere
des Stoßdämpfers.
Claims (14)
1. Verfahren zum Prüfen einer Radaufhängung von Kraftfahrzeugen, bei dem die
Radaufhängung mit einem Modell beschrieben wird, die standardisierten
Modellparameter innerhalb eines Radaufhängungstests und/oder aus einer
Datenbank ermittelt werden, aus den Modellparametern ein Sollwertbereich
eines Gutmodells berechnet wird und aktuelle Parameter dem Sollwertbereich
zur Auswertung gegenübergestellt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß zum Ermitteln der standardisierten Modellparameter diese durch einfache
Messungen bestimmt und/oder durch bekannte Werte vorgegeben werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet,
daß zum Bestimmen der aktuellen Parameter mittels eines Rechenprogramms
die Modellparameter variiert werden und diejenigen variierten Parameter
herausgesucht werden, die am besten mit bei dem Radaufhängungstest ge
wonnenen Meßkurven korrelieren.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Modellparameter die Reifensteifigkeit (cr), die Federkonstante (cf)
einer Federanordnung zwischen einer ungefederten Masse (mr) und einer ge
federten Masse (mf), die gefederte Masse (mf) und die ungefederte Masse
(mr) sowie den Reibkoeffizient (rf) eines Stoßdämpfers umfassen und aus der
bekannten Summe mr + mf der ungefederten Masse und der gefederten Mas
se, zwei bei-geringer Dämpfung bekannten Resonanzfrequenzen, bekannten
Resonanzüberhöhungen und üblichen Verhältnissen mr/mf der ungefederten
Masse und der gefederten Masse sowie cr/cf der Reifensteifigkeit und der
Federkonstante ermittelt werden.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Ermittlung der Modellparameter interaktiv mittels eines Experten-Pro
gramms erfolgt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Rahmen zum Ermitteln der Modellparameter eine Grobklassifikation
nach Typklassen vorgegeben wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß dem Modell ein Zwei-Feder-/Zwei-Masse-/Zwei-Dämpfer-System zugrun
degelegt wird.
8. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die aktuellen Parameter durch Anregung und Auswertung in drei Fre
quenzbereichen, nämlich die Reifensteifigkeit (cr) und eine Reifendämpfung
(rr) bei hoher Frequenz < 25 Hz, die Reifenmasse oder ungefederte Masse und
Reifensteifigkeit (cr) bei mittlerer Frequenz von etwa 9 bis 15 Hz und die
gefederte Masse mf und die Federkonstante (cf) der Federanordnung bei nie
driger Frequenz von etwa 0,5 bis 2 Hz, ermittelt werden.
9. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die aktuellen Parameter mittels einer Großsignalanalyse in Form eines
manuellen Stoßdämpfertests, wobei das Fahrzeug mehrmals durchgefedert
und das Ausklingverhalten einer Radaufstandskraft ermittelt wird, und/oder
mittels eines Falltests gemessen werden.
10. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die aktuellen Parameter mittels einer Geräuschanalyse gemessen werden.
11. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß die aktuellen Parameter mittels einer linearen Impedanzanalyse ermittelt
werden, indem bei im wesentlichen verzerrungsfreier Anregung die Radauf
standskraft des Fahrzeugs und der Weg einer vertikal bewegten Bodenplatte
erfaßt und gespeichert werden, die Hüllkurven von maximaler und minimaler
Radaufstandskraft gebildet werden, aus den beiden Hüllkurven der Betrags
frequenzgang der Radaufstandskraft durch Mittelung gebildet wird und aus
der Radaufstandskraft sowie dem Wege der Bodenplatte der Phasenverlauf er
mittelt wird.
12. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei dem Modell auch die Masse (mp) einer vertikal bewegen Bodenplatte
berücksichtigt wird.
13. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß bei einseitiger Anregung Kraft und Weg der nicht angeregten Seite mitge messen werden,
daß anhand des Verhältnisses der Kräfte und/oder des Wegs auf die Art der Radaufhängung geschlossen wird und
daß in Abhängigkeit der Aufhängung mit einem Modell für eine Einzelrad aufhängung oder verkoppelter Räder gerechnet wird.
daß bei einseitiger Anregung Kraft und Weg der nicht angeregten Seite mitge messen werden,
daß anhand des Verhältnisses der Kräfte und/oder des Wegs auf die Art der Radaufhängung geschlossen wird und
daß in Abhängigkeit der Aufhängung mit einem Modell für eine Einzelrad aufhängung oder verkoppelter Räder gerechnet wird.
14. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet,
daß anhand der Oberwellen (Klirrfaktor) eine Kennlinie eines Stoßdämpfers
näherungsweise ermittelt wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998123369 DE19823369A1 (de) | 1998-05-18 | 1998-05-18 | Verfahren zum Prüfen einer Radaufhängung |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1998123369 DE19823369A1 (de) | 1998-05-18 | 1998-05-18 | Verfahren zum Prüfen einer Radaufhängung |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19823369A1 true DE19823369A1 (de) | 1999-12-09 |
Family
ID=7868891
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1998123369 Ceased DE19823369A1 (de) | 1998-05-18 | 1998-05-18 | Verfahren zum Prüfen einer Radaufhängung |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19823369A1 (de) |
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