DE19812004A1 - Dehydrogenasen mit verbesserter NAD-Abhängigkeit, deren Herstellung und Verwendung - Google Patents
Dehydrogenasen mit verbesserter NAD-Abhängigkeit, deren Herstellung und VerwendungInfo
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Abstract
Dehydrogenasen mit für präparative Zwecke tauglicher NADH-Abhängigkeit entsprechen k¶cat¶/K¶M¶ für NAD·+· >= 20 können mikrobiell dadurch gewonnen werden, daß man einen für das Enzym kodierenden Mikroorganismus mit einer Gen-Sequenz im genetischen Kode verwendet, die für das Enzym mit einer Aminosäure-Sequenz kodiert, deren basische Aminosäure(n) an der Coenzym-Bindungsstelle bzw. den -stellen zumindest teilweise durch ungeladene Aminosäure ersetzt ist bzw. sind. Das Verfahren wird insbesondere für die Gewinnung von short-chain Dehydrogenasen mit Coenzym-Bindungsstellen am N-Terminus angewandt. Gemäß Beispiel wurde Alkohol-Dehydrogenase mit Hilfe von E.coli HB101+(pUBS 520) gewonnen, der das für die Dehydrogenase kodierende mutierte Gen, kloniert im Expressionsplasmid pKK-117-3HB, überexpremiert enthält.
Description
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Gewinnung von Dehydrogenase - insb.
von short-chain Dehydrogenasen und vorzugsweise Alkohol-Dehydrogenasen - mit für
präparative Zwecke tauglicher NADH-Abhängigkeit entsprechend einem kcat/KM-Wert
für NAD⁺ ≧ 20 sowie danach erhältliche Dehydrogenasen und deren Verwendung.
Dehydrogenasen und insbesondere Alkohol-Dehydrogenasen (nachfolgend durch
ADHn abgekürzt) sind wertvolle Katalysatoren zur Gewinnung chiraler Produkte durch
stereoselektive Reduktion prochiraler Ketone zu den entsprechenden chiralen Alkoho
len. Kommerziell verfügbar sind im wesentlichen entsprechende Enzyme aus Hefe
(NAD-abhängig), Pferdeleber (NAD-abhängig) und Thermoanaerobium brockii
(NADP-abhängig), für spezielle Substrate auch noch beispielsweise Steroid-Dehydro
genasen (NAD und NADP-abhängig). Wegen des teilweise recht begrenzten Substrat
spektrums sind in den letzten Jahren weitere neue ADHn gefunden worden, die gerade
für den präparativen Einsatz gut geeignet sind, beispielsweise eine (S)-spezifische ADH
aus Rhodococcus erythropolis (NAD-abhängig) oder (R)-spezifische Enzyme aus der
Gattung Lactobacillus. Beide Enzymtypen setzen ein sehr breites Spektrum an Ketonen
mit hoher Enantioselektivität um. Die Enzyme aus L. kefir (DE 40 14 573) oder L.
brevis sind besonders interessant, da sie als einzige zu (R)-Alkoholen führen. Nachteilig
für eine Anwendung dieser Enzyme ist allerdings, daß sie das Coenzym NADP⁺, bzw.
NADPH benötigen, da dieses Coenzym beträchtlich instabiler und teurer (Faktor 5-10)
als NAD ist.
Ziel der Erfindung ist daher ein Verfahren zur Verbesserung der NAD⁺-Abhängigkeit
solcher ADHn, das aber auch ganz allgemein zur entsprechende Verbesserung von
Dehydrogenasen anwendbar ist.
Das zu diesem Zweck entwickelte erfindungsgemäße Verfahren der eingangs genannten
Art ist im wesentlichen dadurch gekennzeichnet, daß man einen für das Gen kodieren
den Mikroorganismus mit einer Gen-Sequenz im genetischen Kode verwendet, die für
das Enzym mit einer Aminosäure-Sequenz kodiert, deren basische Aminosäure(n) an
der Coenzym-Bindungsstelle bzw. den -stellen zumindest teilweise durch ungeladene
Aminosäure ersetzt ist bzw. sind.
Weitere Besonderheiten der Erfindung ergeben sich aus den Patentansprüchen und der
nachfolgenden Beschreibung.
Dieses Verfahren geht davon aus, daß für die Mitwirkung des Coenzyms bei der enzy
matischen Redoxreaktion eine Akzeptanz des Coenzyms an der Coenzym-Bindungs
stelle bedeutsam ist, so daß durch Minderung der Basizität im "Andockbereich" des
Enzyms für das Coenzym durch entsprechende Änderung der Aminosäure-Sequenz eine
Verbesserung der Akzeptanz von NAD⁺ im Vergleich zum NADP⁺ erreicht werden
kann. Die Realisierung einer solchen Abwandlung wurde gentechnologisch untersucht
und auf diese Weise eine deutlich faßbare Verbesserung erzielt, wie aus der nachfolgen
den Beschreibung ersichtlich werden wird.
Für die Untersuchungen wurde die ADH aus Lactobacillus brevis (DSM 20 054)
verwendet, bei der eine Coenzym-Bindungsstelle im N-Terminus vermutet wird und
deren Sequenz der ersten 50 Aminosäuren im N-terminalen Bereich lautet:
S-N-R-L-D-G-K-V-A-I10-I-T-G-G-T-L-G-I-G-L20A-I-A-T-K-
F-V-E-E-G30-A-K-V-M-I-T-G-R-H-S40-D-V-G-E-K-A-A-K-S-V50.
F-V-E-E-G30-A-K-V-M-I-T-G-R-H-S40-D-V-G-E-K-A-A-K-S-V50.
Die vollständige Sequenz einer Untereinheit dieser ADH, die aus vier identischen
Untereinheiten besteht, ist in der Dissertation B. Piebel (1997, Universität Düsseldorf)
veröffentlicht, ebenso dort die zugehörige DNA-Sequenz.
Durch an sich bekannte gentechnologische Methoden wurden bestimmte Aminosäuren
ausgetauscht und die Veränderung der Akzeptanz von NAD⁺ an Hand von zwei Größen
ermittelt: durch Bestimmung des KM und des kcat Wertes. Der KM-Wert kann als Maß
für die Affinität des Coenzyms zum Enzym betrachtet werden, vorteilhaft ist ein
möglichst kleiner KM-Wert. Der kcat-Wert (Mol gebildetes Produkt/Mol Enzym × sec)
ist ein Maß für den Umsatz, er sollte möglichst hoch sein. Ein kombinierter Wert, der
beide Größen berücksichtigt, ist der Quotient kcat/KM.
Ein Austausch wurde an den Stellen A9, R38, H39, K45 und/oder K48 vorgenommen.
Die Charakterisierung der Mutanten zeigt, daß es tatsächlich möglich ist, diese Spezi
fität der ADH aus L. brevis von NADP⁺ hin zum NAD⁺ zu verändern. Obwohl nur eine
begrenzte Zahl von Aminosäure-Austauschen durchgeführt wurde, zeigen die Ergebnis
se, daß die gewünschte Verbesserung der NAD-Abhängigkeit durch Basizitätsminde
rung erreicht werden kann.
Abgesehen von den im N-Terminus-nahen Bereich der ADH aus L. brevis vorge
nommenen - nicht erschöpfenden - Aminosäure-Austauschen kann ein solcher
Austausch selbstverständlich auch in der verbleibenden Aminosäure-Kette (gemäß
Dissertation, s. o.) durchgeführt werden und auf positiven Erfolg überprüft werden.
Das erfindungsgemäße Verfahren setzt natürlich die Kenntnis der zu verändernden
Aminosäure-Sequenz eines bestimmten, zu verbessernden Enzyms voraus, um einen
gezielten Austausch basischer Aminosäuren durch ungeladene Aminosäuren vornehmen
zu können. Der für die NAD-Spezifitätsverbesserung nützliche Austausch bzw. Aus
tauschbereich ergibt sich dann - auch ohne Vorab-Kenntnis der Coenzym-Bindungs
stelle - nach dem trial-and-error-Prinzip. Als basische Aminosäuren können insbeson
dere Lysin und Arginin ausgetauscht werden, und zwar vorzugsweise gegen ungeladene
wie beispielsweise Glycin, Alanin, Valin, Leucin, Isoleucin, Methionin, Serin, Tyrosin
oder Phenylalanin.
Da sich die biochemischen Eigenschaften der mutierten Enzyme geändert haben, wur
den die einzelnen Mutanten umfassend charakterisiert: Dies beinhaltet die Bestimmung
der kinetischen Parameter für die Coenzyme NAD⁺, NADP⁺, NADH und NADPH
sowie die entsprechenden kinetischen Parameter für das Keton-Substrat (Acetophenon)
und für die Oxidationsreaktion den Alkohol (Phenylethanol). Des weiteren wurde
jeweils am Beispiel der Reduktion von Acetophenon geprüft, ob die Enantioselektivität
erhalten geblieben ist; es wurden Temperatur-optima und -stabilität, pH-optima und
-stabilität und der isoelektrischen Punkt bestimmt und mit den entsprechenden Daten für
das nichtmutierte Wildtyp-Enzym verglichen.
Das Wildtyp-Enzym zeigt folgende Eigenschaften:
Tabelle 1 zeigt, daß das Coenzym NADH vom Wildtyp der ADH aus L. brevis im
Rahmen der Nachweismöglichkeit nicht umgesetzt wird. Lediglich sehr hohe Konzen
trationen von NAD⁺ werden mit schwacher Aktivität akzeptiert, so daß die Selektivität
(kcat/KM) des Wildtyps für NAD⁺ (=7) im Vergleich zum Wert für NADP⁺ (=270) bei
ca. 2,5% liegt.
Das Temperaturoptimum der Wildtyp-ADH liegt bei 55°C, nach 24-stündiger Inku
bation bei verschiedenen Temperaturen zeigt es bei 30°C noch 100% Restaktivität, bei
37°C noch 50%.
Das pH-Optimum für die Reduktion von Acetophenon mit NADPH liegt bei 6,5. Der
optimale Bereich ist sehr schmal, bereits bei pH 6,0 oder 7,0 findet man nur noch ca.
60% Restaktivität. Für die Oxidation von Phenylethanol mit NADP⁺ liegt das Optimum
bei 8,0 mit einem breiteren Optimumsbereich von 7-9. Das Wildtyp-Enzym zeigt
höchste Stabilität bei Lagerung bei pH 7,0 bis 8,5.
Der isoelektrische Punkt des Wildtyp-Enzyms liegt bei 4,95.
Die Redaktion von Acetophenon mit NADPH mit dem Wildtyp-Enzym unter
Coenzym-Regenerierung zeigt bei gaschromatographischer Trennung ausschließlich das
(R)-Isomere von Phenylethanol.
In den folgenden Beispielen wird die Herstellung und Charakterisierung von Mutanten
beschrieben, bei denen mit gentechnischen Methoden Aminosäuren im N-terminalen
Bereich ausgetauscht wurden.
Ziel dieser Mutation war es, im Vergleich zum Wildtyp drei Aminosäure-Austausche
vorzunehmen: Arginin (R) in Position 38 soll gegen Leucin (L) ausgetauscht werden
(R38L), Lysin (K) in Position 45 gegen Isoleucin (1) (K45I) und Alanin (A) in Position
9 gegen Glycin (G) (A9G). Mutante 1 kann also im Vergleich zum Wildtyp
folgendermaßen beschrieben werden kann: A9G, R38L, K45I.
Ein wesentlicher methodischer Schritt bei der Herstellung der Mutanten stellt die PCR
(Polymerase chain reaction) zur Vermehrung von DNA dar. Ausgangspunkt ist die
DNA-Replikation durch DNA-Polymerasen, die anhand eines vorgegebenen Templats
dieses in einem 1. Schritt einfach verdoppeln. Durch Zyklisierung dieses einfachen
Schrittes wird jedes neu erzeugte und jedes alte Templat wieder Vorlage für die DNA-
Replikation. Dadurch wird eine Vermehrung im exponentiellen Maßstab bewirkt (2n).
Jeder einzelne Zyklus einer PCR besteht aus 3 Schritten, einem Denaturierungsschritt
bei 94-96°C, wo die doppelsträngige DNA in den einzelsträngigen Zustand versetzt
wird, einem Annealingschritt bei wählbarer Temperatur, wo sogenannte Primer an die
jetzt einzelsträngige DNA binden können, und einem Polymeraseschritt bei 72°C (dem
gängigen Temperaturoptimum thermophilen Polymerasen), wo diese Polymerasen an
die Primer binden und den Einzelstrang der DNA wieder zu einem Doppelstrang
vervollständigen. Da es sich hierbei um doppelsträngige DNA handelt, müssen Primer
für beide Stränge, den sense und den antisense Strang, zugegeben werden. Diese Primer
werden entsprechend sense und antisense Primer genannt. Als Annealingtemperatur
wird bei allen Fusions-PCR-Schritten 52°C verwendet, bei den anderen PCR-Schritten
bei der Herstellung der Mutanten 1 und 2 eine Temperatur von 52°C und den Mutanten
1/1 und 2/2 ein von 56°C.
Diese 3 Schritte sind beliebig oft wiederholbar, so daß in ein und demselben Reaktions
gefaß die gleichen 3 Schritte in dieser Reihenfolge an der stetig wachsenden Zahl der
vorliegenden und neu erzeugten Template durchgeführt werden.
Die im 2. Schritt erwähnten Primer sind notwendig für das richtige Ansetzen der Poly
merase und setzen auch die Spezifität der PCR fest. Durch die vorgegebene Primer
sequenz werden die gewünschten DNA-Abschnitte amplifiziert. Primer können jedoch
nur an die Ziel-DNA binden, wenn sie eine mehr oder minder komplementäre Sequenz
in der Ziel-DNA vorfinden. Die komplemetäre Bindungskapazität wird einerseits durch
die Sequenzhomologie und andererseits durch die Annealingtemperatur des 2. Schritts
festgelegt, wobei die Annealingtemperatur aus der Schmelztemperatur des Primers
resultiert.
Die PCR wurde in dem vorliegenden Fall für die Generierung der einzelnen Cofaktor
mutanten eingesetzt. Dabei wurden die Punktmutationen an der Ziel-DNA durch die
Verwendung solcher Primer eingeführt, d. h. die Primer zeigten in einzelnen Basen nicht
die korrekte Homologie zur DNA-Sequenz. Da jedoch die Homologie der Primer trotz
Punktmutationen noch 94% betrug, war eine Durchführung der PCR möglich (bei einer
Basenlänge der Primer von durchschnittlich 33 Basen wurden 2 Basen ausgetauscht).
Die Punktmutationen müssen für eine korrekte Änderung der Zielsequenz auf beiden
Strängen der doppelsträngigen DNA eingefügt werden. Das bedeutet, das für die Ein
führung einer Punktmutation im Gen zwei einzelne PCR-Reaktionen benötigt werden.
In einer Reaktion wird vom 5' Ende des Gens (sense-Primer) bis zur Mutation (anti
sense-Primer) eine PCR durchgeführt, in der 2. Reaktion wird von der Mutation (sense-
Primer) bis zum 3' Ende des Gens (antisense-Primer) eine PCR durchgeführt.
Sollen mehrere Punktmutationen eingeführt werden, deren Abstände zueinander die
endliche Länge eines Primers (40-60 Basen) überschreiten, muß für jede Punktmutation
die oben angeführten 2 PCR-Reaktionen gesondert durchgeführt werden.
Sind nun solche Punktmutationen durch PCR eingeführt worden, liegt in der Regel kein
komplettes Gen vor, sondern die aus den Einzelreaktionen hervorgegangenen Teilstücke
des Gens, das 5' Ende bis zur Mutation und das Stück von der Mutation bis zum 3' Ende.
Diese müssen durch eine sogenannte Fusions-PCR zu einem kompletten Gen fusioniert
werden.
Das Prinzip dieser PCR entspricht der oben beschriebenen, nur werden in diesem Fall 2
verschiedene Template zugegeben, die aber in dem Mutationsbereich eine 100% Homo
logie aufweisen, und zwar für die Länge des vorher eingesetzten Mutationsprimer (in
der Regel ca. 30-40 Basen). Dieser Mutationsbereich fungiert durch seine Homologie
als ein Primer der PCR, d. h. nach Denaturierung der DNA in die Einzelstränge können
sich im darauffolgenden Annealingschritt die beiden Ausgangsstränge wieder zusam
men finden, aber auch die beiden verschiedenen Strange in dem Homologiebereich
paaren. Die Polymerase kann dann von dem Mutationsbereich als dem Primer die
restliche DNA wieder zu einem Doppelstrang vervollständigen. Um nur diese Variante
als Möglichkeit zuzulassen, werden bei der Fusions-PCR in den ersten 5-10 Cyclen
keine genspezifischen Primer zugegeben.
Nach 5-10 Zyklen liegt genügend vervollständigte Gen-DNA zur Verfügung, so daß
dann nach Zugabe der 5' und 3'Primer des Gens dieses zur Amplifikation in den
folgenden Zyklen gebracht wird. Die vorher zugegebenen Genstücke können nicht
amplifiziert werden, da für jedes Genteilstück immer nur ein Primer zur Verfügung
steht (entweder nur der sense oder nur der antisense). Nur das in den ersten Zyklen
komplettierte Gen kann mit beiden Primern amplifiziert werden.
Die erste nach dieser Methode erzeugte Mutante enthält im Vergleich zum Wildtyp-
Enzym drei Aminosäure-Austausche: Arginin (R) in Position 38 wurde gegen Leucin
(L) ausgetauscht (R38L), Lysin (K) in Position 45 gegen Isoleucin (I) (K45I) und
Alanin (A) in Position 9 gegen Glycin (G) (A9G).
Dazu wurde im einzelnen folgendermaßen vorgegangen:
Als Templat für die Herstellung der Punktmutationsfragmente diente rekombinantes Plasmid [recADHpkk-177-3H], aus dem durch Restriktionsanalyse über Restriktions- Endonucleasen Eco Rl und Hind III das ADH-Gen (recADH) ausgeschnitten wurde. Das ausgeschnittene Fragment wurde nach Reinigung über ein Agarosegel in die PCR eingesetzt. Als Primer für die Mutante 1 dienten:
R38LK46I: acc ggc ctg cac agc gat gtt ggt gaa ata gca gct (36 bp) (5'-Primer sense) und
BRAS: gcgc aag ctt cta cta ttg agc agt gta gcc acc gtc aac tac aaa ttc aga (3'-Primer antisense), die das große Fragment B ergeben; sowie
BRS: gcgc gaa ttc atg tct aac cgt ttg gat ggt (5'-Primer sense) und
R38LK46Irev: agc tgc tat ftc acc aac atc gct gtg cag gcc ggt (3'-Primer antisense), die das kleine Fragment A ergeben.
Als Templat für die Herstellung der Punktmutationsfragmente diente rekombinantes Plasmid [recADHpkk-177-3H], aus dem durch Restriktionsanalyse über Restriktions- Endonucleasen Eco Rl und Hind III das ADH-Gen (recADH) ausgeschnitten wurde. Das ausgeschnittene Fragment wurde nach Reinigung über ein Agarosegel in die PCR eingesetzt. Als Primer für die Mutante 1 dienten:
R38LK46I: acc ggc ctg cac agc gat gtt ggt gaa ata gca gct (36 bp) (5'-Primer sense) und
BRAS: gcgc aag ctt cta cta ttg agc agt gta gcc acc gtc aac tac aaa ttc aga (3'-Primer antisense), die das große Fragment B ergeben; sowie
BRS: gcgc gaa ttc atg tct aac cgt ttg gat ggt (5'-Primer sense) und
R38LK46Irev: agc tgc tat ftc acc aac atc gct gtg cag gcc ggt (3'-Primer antisense), die das kleine Fragment A ergeben.
Alle Primer sind stets in 5' → 3' Leserichtung aufgeführt, die Primer BRS und BRAS
entsprechen den 5' bzw. 3' Enden des recADH Gens. Die Komponenten und die jeweils
verwendeten Konzentrationen sind in Tabelle 2 aufgeführt.
PCR-Ansätze (NTP=je 0,2 mM von dTTP, dATP, dCTP und dGTP; Puffer
(Stammlösung) = 100 mM Tris/HCl pH 8,8; 15 mM MgCl2; 500 mM KCl; 1% Triton
X-100 (v/v); Taq = Thermus aquaticus-Polymerase). Die Erläuterungen der Abkürzungen
gelten für alle folgenden Tabelle mit PCR-Ansätzen.
Je nach Volumina der einzelnen Substanzen wird der Reaktionsansatz mit Wasser auf
100 µl ergänzt, das gilt im folgenden für alle PCR-Ansätze.
Die PCR-Fragmente wurden aufgereinigt und durch den überlappenden Teil in der
Fusions-PCR (Tabelle 3) zu dem kompletten Gen mit den enthaltenden
Punktmutationen zusammengefügt.
Die Fragmentmengen sind abhängig von der Größe der Fragmente, es müssen für die
Fusions-PCR gleiche pmol-Mengen an freien Enden der Fragmente vorhanden sein, d. h.
bei gleicher Konzentration in ng haben kleinere Fragmente eine höhere Anzahl an pmol
Enden als größere Fragmente. Für Mutante 1 ist das Verhältnis 1 : 4,4 (kleines zu großes
Fragment), d. h. von dem kleinen muß 4,4 mal weniger eingesetzt werden als von dem
großen.
A9G: ggt aag gta gga atc att aca (5'Primer) und BRAS: (3'Primer), die das große
Fragment ergeben. BRS: (5'Primer) und A9Grev: tgt aat gat tcc tac ctt acc (3'Primer),
die das kleine Fragment ergeben (Komponenten und Konzentrationen siehe Tabelle 4).
Die aus der PCR entstandenden amplifizierten Fragmente werden erneut über Fusions-
PCR zusammengefügt (Tabelle 5).
Die Fragmente wurden im Verhältnis von 1 : 14.5 eingesetzt (klein zu groß). Das Produkt
aus dieser PCR stellt die Mutante 1 dar, es wurde nach Reinigung in den Expressions
vektor pkk-177-3H kloniert und in E.coli HB101+ (pUBS520) überexprimiert. Das
mutierte Genstück kann selbstverständlich auch in andere Vektoren als den pkk-177-3H
eingefügt werden, beispielsweise pBTac (Fa. Boebringer Mannheim), pKK-233 (Fa.
Stratagene) oder pET (Fa. Novagen). Ebenso können als Wirtsorganismus andere E.
coli-Stamme als HB101+ (pUBS520) verwendet werden wie E. coli NM 522, E. coli
RR1, E. coli DH5α oder E. coli TOP 10⁻, die von öffentlichen Stammsammlungen oder
Vektor-vertreibenden Firmen erhältlich sind.
Zellmasse für die Aufarbeitung der einzelnen Mutanten wurde immer durch 5 L
Schüttelkolbenfermentation produziert, als Wirt für die mutierten recADH Plasmide
diente immer der HB101+ Stamm, d. h. man benötigt für die Anzucht doppelten
Selektionsdruck durch Ampicillin und Neomycin. Nach Anzucht in Flüssigkultur (1%
Trypton, 0,5% Hefeextrakt, 1% NaCl; PH 7,5) bei 37°C bis zu einer OD550von 0.5
wurde das Enzym dann durch Zusatz von 1 mM IPTG induziert. Nach weiteren 4 h
Stunden Wachstum wurden die Zellen geerntet, und die Genexpression nach Zellauf
schluß durch Aktivitätsnachweis und SDS-PAGE der Proteine überprüft. Alternativ
können die durch Fermentation gewonnenen Zellen auch bei -20°C eingefroren gelagert
werden.
Zur Freisetzung des Enzyms können Standard-Aufschlußmethoden angewandt werden.
In diesem Fall wurden die rekombinanten Organismen durch gepulsten Ultraschall auf
geschlossen. Die in Tris-Puffer (0,1 M Tris-HCl, pH 7,5; 1 mM MgCl2) resuspendierten
Zellen wurden einem Aufschluß mit 2 × 25 sec Zyklen mit 30 sec Intervall zur Kühlung
am Pulsed Sonifier (Fa. Branson) mit 25% Intensität unterzogen. Die aufgeschlossenen
Zellen wurden zentrifugiert und der Überstand abpipettiert, er wird im folgenden als
Rohextrakt bezeichnet.
Wie die nachfolgenden Charakterisierungen zeigen werden, ist dieses mutierte Enzym
(Mutante 1), gerade im Vergleich zur Enzymmutante 2, relativ stabil.
Zur Gewinnung von gereinigtem Enzym wurden Standardverfahren der Proteinreini
gung verwendet. Eingesetzt wurden 3 Reinigungsschritte durch Chromatographie an
Phenylsepbarose 6 FF, Q-Sepharose FF und Octylsepharose FF (alles kommerziell
erhältliche Produkte der Fa. Pharmacia, Freiburg). Tabelle 6 faßt die Aktivitäten und
Ausbeuten der Reinigungsschritte zusammen.
Die Charakterisierung der ADH-Mutante 1 bezüglich der kinetischen Daten ergab fol
gende, in Tabelle 7 zusammengefaßte Werte.
Im Vergleich zum Wildtyp ist bei dieser Mutante 1 bereits eine deutliche Verbesserung
in der Reaktivität gegenüber dem Coenzym NAD⁺ eingetreten: Der KM-Wert hat sich
signifikant von 2,9 auf 1,8 mM verringert, gleichzeitig hat sich die Aktivität (kcat) von
21 auf nahezu 80 erhöht. Beide Verbesserungen zusammengenommen zeigen, daß diese
Mutante NAD⁺ bereits deutlich besser akzeptiert. Während die Selektivität (kcat/KM) des
Wildtyps für NAD⁺ im Vergleich zu NADP⁺ bei nur ca. 2,5% liegt, ist dieser Wert bei
der Mutante 1 auf ca. 10% angestiegen.
Das Temperaturoptimum wurde für Reduktionsreaktionen bei pH 7,0 mit den beiden
Coenzymen NADH und NADPH aufgenommen. Es liegt in beiden Fällen bei 55°C. Die
Temperaturstabilität wurde als Restaktivität nach 25 h Inkubation bei verschiedenen
Temperaturen bestimmt. Bei 37°C wurden dabei noch 95% Restaktivität erhalten, bei
42°C noch 34%.
Zur Bestimmung des pH-Optimums wurden folgende Puffer verwendet:
pH 4,6 = Na-Aeetat; pH 5,0 und 5,5 = Na-Acetat; pH 6,0 und 6,5 = Kpi oder MES; pH 7,0 und 7,5 = Kpi oder TEA; pH 8,0 und 8,5 = Tris; pH 9,0 = Bicine. Alle Puffer wur den in einer Konzentration von 100 mM eingesetzt. Zur Bestimmung der Reduktions reaktion wurde 10 mM Acetophenon zugesetzt und für die Oxidation 25 mM Phenyl ethanol. Die Konzentration an NADP/NAD betrug jeweils 2 mM. Die Konzentration an NADH/NADPH betrug je 0,25 mM. Für die Messung wurden 970 µl der jeweiligen Pufferlösung, die bereits mit Substrat in der richtigen Konzentration versetzt war, mit 20 µl der Stammlösung an dem gewünschten Coenzym gemischt. Die Reaktion wurde mit 10 µl Enzym gestartet, je nach Aktivität unverdünnt oder so verdünnt, so daß die Aktivität bei der Messung zwischen 1 und 3 U/ml lag.
pH 4,6 = Na-Aeetat; pH 5,0 und 5,5 = Na-Acetat; pH 6,0 und 6,5 = Kpi oder MES; pH 7,0 und 7,5 = Kpi oder TEA; pH 8,0 und 8,5 = Tris; pH 9,0 = Bicine. Alle Puffer wur den in einer Konzentration von 100 mM eingesetzt. Zur Bestimmung der Reduktions reaktion wurde 10 mM Acetophenon zugesetzt und für die Oxidation 25 mM Phenyl ethanol. Die Konzentration an NADP/NAD betrug jeweils 2 mM. Die Konzentration an NADH/NADPH betrug je 0,25 mM. Für die Messung wurden 970 µl der jeweiligen Pufferlösung, die bereits mit Substrat in der richtigen Konzentration versetzt war, mit 20 µl der Stammlösung an dem gewünschten Coenzym gemischt. Die Reaktion wurde mit 10 µl Enzym gestartet, je nach Aktivität unverdünnt oder so verdünnt, so daß die Aktivität bei der Messung zwischen 1 und 3 U/ml lag.
Das pH-Optimum der Mutante für die Reduktions-Reaktionen liegt sowohl bei Verwen
dung von NADH als auch mit NADPH im relativ sauren Bereich zwischen 5,0 und 6,0.
Bei pH 7,5 wurden dazu im Vergleich nur noch 4% Aktivität gemessen. Für die
Oxidations-Reaktionen mit NAD und NADP erhält man maximale Aktivität bei einem
pH-Wert von 7,0.
Die pH-Stabilität wird als Restaktivität nach 25-ständiger Inkubation bei verschiedenen
pH-Werten ausgedrückt, wobei die gleichen Puffer wie zur Bestimmung des pH-Opti
mums verwendet wurden. 45 µl des jeweiligen Puffers wurden mit 5 µl der Enzym
lösung gemischt und bei Raumtemperatur inkubiert. Probenahmen erfolgten nach 30
min, 60 min, 6 h und 25 h.
Bei Mutante 1 erhielt man die höchste Restaktivität (100%) bei Lagerung bei pH 5,0.
Bereits ein pH von 5,5 resultiert in nur noch 80% Restaktivität und pH 7,0 ergibt nur
noch 34% Aktivität nach 25 h.
Der isoelektrische Punkt liegt nach Bestimmung mit isoelektrischer Fokussierung (IEF)
bei pH 4,28. Das ist gerade im Vergleich zur Mutante 2 (s. Beispiel 4) bemerkenswert.
Bei Mutante 2 liegt der IP bei 4,65, obwohl in beiden Mutanten jeweils ein Lysin
ausgetauscht wurde: bei Mutante 1 das Lysin-45 (in Isoleucin) und bei Mutante 2 das
Lysin-48 (in Methionin).
Im Batch-Ansatz zur Reduktion von Acetophenon unter Coenzym-Regenerierung mit
Isopropanol wurde eine vollständige Umsetzung zu Phenylethanol erreicht, eingesetzt
wurden dazu 960 µl Triethanolamin-Puffer, 50 mM pH 7,0 mit 11 mM Acetophenon;
10 µl Magnesiumchlorid (100 mM Stammlösung); 25 µl NADP⁺ (10 mM Stamm
lösung); 9,4 µl Isopropanol; 1 U Alkohol-Dehydrogenase. Die Bestimmung der Enan
tiomerenreinheit mittels Gaschromatographie in einer Probe nach vollständigem Umsatz
(4 h) zeigt, daß nur der (R)-Alkohol erhalten wurde, (S)-Phenylethanol war nicht nach
weisbar.
Ziel dieser Mutation war es, im Vergleich zu Mutante 1 das Lysin in Position 45 in
Methionin an Stelle von Isoleucin (Mutante 1) auszutauschen. Die übrigen in Mutante 1
vorgenommenen Austausche in Position 9 und 38 sind beibehalten worden, so daß
Mutante 1/1 im Vergleich zum Wildtyp folgendermaßen beschrieben werden kann:
A9G, R38L, K45M.
Zur Gewinnung von Mutante 1/1 wurden prinzipiell die gleichen Methoden wie in
Beispiel 1 beschrieben verwendet. Da die Mutante 1/1 ist eine Erweiterung der Mutante
1, daher wird als Templat für die nachfolgende PCR die Mutante 1 verwendet.
R38LK45M: acc ggc etg cac agc gat gtt gaa atg gca (5'Primer) und BRAS (3' Primer),
die das große Fragment ergeben.
BRS (5'Primer) und R38LK45Mrev: tgc cat ttc acc aac atc gct gtg cag gcc ggt
(3'Primer), die das kleine Fragment ergeben.
Die Fragmente wurden aufgereinigt und in die Fusions-PCR eingesetzt.
Die Fragmente wurden im Verhältnis 1 : 4.4 in die PCR eingesetzt. Das Produkt stellt die
Mutante 1/1 dar, da ja aus Mutante 1 die Mutation A9G übernommen wurde.
Wie bei Mutante 1 wurde auch hier die eingeführten Mutationen durch Sequenzierung
des Gens bestätigt. Zur Gewinnung der Enzymmutante wurde das Gen dann in E.coli
HB101+ (pUBS520) überexprimiert.
Fermentation und Zellaufschluß entsprechen der in Beispiel 1 beschriebenen Vor
gehensweise.
Die Aufreinigung dieses mutierten Enzyms entspricht der in Beispiel 1 beschriebenen
Methode. Tabelle 10 faßt die charakteristischen Daten zusammen.
Die Charakterisierung der ADH-Mutante 1/1 bezüglich der kinetischen Daten für die
Coenzyme ergab die folgenden in Tabelle 11 zusammengestellten Werte.
Die kinetischen Daten zeigen, daß diese Mutante das Coenzym NAD⁺ genauso gut
akzeptiert wie NADP⁺. Der KM-Wert für NAD⁺ hat sich signifikant erniedrigt, er liegt
bei 0,5 mM an Stelle von 2,9 für den Wildtyp. Diese Mutante zeigt also bereits eine
besonders gute, niedrige Affinität zum Coenzym NAD⁺. Auch der kcat-Wert hat sich
leicht verbessert, er liegt bei 33,3 sec-1. Der Vergleich der Selektivitäten (kcat/KM) für
beide Coenzyme zeigt für NAD⁺ denselben Wert von 66 mM-1.sec-1 wie für NADP⁺.
Im Vergleich zum Wildtyp, der NAD⁺ zu ca. 2,5% bezogen auf NADP⁺ umsetzt, wird
NAD⁺ von dieser Mutante mit 100% umgesetzt.
Das Temperaturoptimum für die Enzymmutante 1/1 liegt mit NADPH gemessen bei
mindestens 65°C, höhere Temperaturen wurden meßtechnisch bedingt nicht erreicht.
Wird das Temperaturoptimum mit dem Coenzym NADH bestimmt, findet man einen
optimalen Wert bei 40°C. Vermutlich wird NADH bei höheren Temperaturen nicht
mehr so gut am Enzym gebunden, so daß dann nur noch verminderte Aktivität nach
weisbar ist. Die Messung zur Temperaturstabilität zeigt; daß nach 25 Std. nur bei 25°C
noch 100% Restaktivität nachweisbar ist, bei 30°C nur noch 59%. Die Temperatur
stabilität der Mutante 1/1 hat sich im Vergleich zum Wildtyp-Enzym also signifikant
verschlechtert.
Das pH-Optimum für die Reduktionsrichtung (Messung mit Acetophenon) liegt sowohl
mit NADPH als auch mit NADH gemessen bei ca. 6,0. Für die Oxidation liegt das
Optimum bei 7,0 (NADP⁺) bzw. 7,5 (NAD⁺).
Der isoelektrischen Punkts der Enzymmutante 1/1 liegt bei 4,85.
Die Reduktion von Acetophenon unter den in Beispiel 1 beschriebenen Bedingungen
ergab nur das (R)-Isomere von Phenylethanol.
Ziel dieser Mutation war es, im Vergleich zu Mutante 1 das Lysin in Position 48 in
Methionin auszutauschen an Stelle des Lysin-45. Die übrigen in Mutante 1 vorge
nommenen Austausche in Position 9 und 38 sind beibehalten worden, so daß Mutante 2
im Vergleich zum Wildtyp folgendermaßen beschrieben werden kann: A9G, R38L,
K48M.
Zur Gewinnung von Mutante 2 wurden prinzipiell die gleichen Methoden wie in Bei
spiel 1 beschrieben verwendet. Da die Mutante 2 unabhängig von Mutante 1 hergestellt
wurde, wurde hier wieder das Gen der Wildtyp-ADH (recADH) als Templat eingesetzt.
R38LK48M: acc ggc ctg cac agc gat gtt ggt gaa aaa gca gct atg agt gtc (5'Primer) und
BRAS (3 'Primer), die das große Fragment ergeben;
BRS (5'Primer) und
R38LK48Mrev: gac act cat agc tgc ttt ttc acc aac atc gct gtg cag gcc ggt (3 'Primer), die das kleine Fragment ergeben.
BRS (5'Primer) und
R38LK48Mrev: gac act cat agc tgc ttt ttc acc aac atc gct gtg cag gcc ggt (3 'Primer), die das kleine Fragment ergeben.
Die Fragmente wurden aufgereinigt und in die Fusions-PCR eingesetzt.
Die Fragmente wurden in einem Verhältnis von 1 : 4.4 eingesetzt, das Produkt dieser
Fusions-PCR ist ein Zwischenprodukt der Mutante 2, da die Mutation A9G noch
eingefügt werden muß.
A9G: ggt aag gta gga atc att aca (5'Primer) und BRAS: (3'Primer), die das große
Fragment ergeben;
BRS: (5'Primer) und A9Grev: tgt aat gat tcc tac ctt acc (3'Primer), die das kleine Fragment ergeben (Tabelle 18).
BRS: (5'Primer) und A9Grev: tgt aat gat tcc tac ctt acc (3'Primer), die das kleine Fragment ergeben (Tabelle 18).
Die Fragmente wurden im Verhältnis 1 : 14.5 in die Fusions-PCR (Tabelle 19)
eingesetzt.
Das Produkt dieser Fusions-PCR stellt die Mutante 2 dar, diese wurde wie alle anderen
Mutanten in den Expressionsvektor pkk-177-3H einkloniert. Zur Gewinnung der
Enzymmutante wurde das Gen dann in E.coli HB101+ (pUBS520) überexprimiert.
Fermentation, Zellaufschluß und Enzymreinigung entsprechen der in Beispiel 1 be
schriebenen Vorgehensweise. Tabelle 20 faßt die charakteristischen Daten der
Reinigung zusammen.
Die Charakterisierung der ADH-Mutante 2 bezüglich der kinetischen Daten für die
Coenzyme ergab die folgenden in Tabelle 21 zusammengestellten Werte.
Bei dieser Mutante haben sich im Vergleich zum Wildtyp beide Parameter vorteilhaft
bezüglich NAD⁺ verändert, der KM-Wert ist von 2,9 auf 0,62 mM gesunken, der kcat-
Wert hat sich von 21 auf 33 verbessert. Damit hat sich der kcat/KM-Wert von 7,3 auf 54
verbessert. Gleichzeitig haben sich bei dieser Mutante vor allem Affinität zu NADP⁺
(KM-Wert), aber auch der kcat-Wert drastisch verschlechtert, so daß diese Mutante
bevorzugt NAD⁺ als Coenzym verwendet.
Das Temperaturoptimum liegt deutlich niedriger als beim Wildtyp-Enzym, mit NADP
gemessen liegt es bei 50°C, mit NAD⁺ bei 33-37°C. Die Temperaturstabilität zeigt, daß
nach 25 h nur bei 25°C noch 100% Restaktivität vorhanden sind, bei 30°C nur noch
40%.
Das pH-Optimum für die Reduktion von Acetophenon liegt mit NADPH gemessen bei
8,0, mit NADH gemessen dagegen bei 6,5. Dieses Optimum-bei 6,5 entspricht dem
Wildtyp-Enzym, gemessen mit NADPH. Vergleichbar mit dem Wildtyp-Enzym zeigt
auch die mit NADH gemessene Aktivität nur einen schmalen Aktivitätsbereich, bei pH
7,0 findet man nur noch 46% Restaktivität. Die Stabilität der Enzymmutante bei
verschiedenen pH-Werten nach 25 h zeigt ein Maximum bei pH 7,0, bei pH 6,0 wie
auch bei 8,0 wurden noch 84% Restaktivität gemessen.
Der isoelektrische Punkt der Enzymmutante liegt bei pH 4,65.
Die Reduktion von Acetophenon unter den in Beispiel 1 beschriebenen Bedingungen
ergab nur das (R)-Isomere von Phenylethanol.
Ziel dieser Mutation war es, im Vergleich zu Mutante 2 noch zusätzlich einen weiteren
Aminosäure-Austausch einzuführen, indem die basische Aminosäure Histidin in
Position 39 gegen eine neutrale Aminosäure, das Leucin, ausgetauscht wurde. Die
Mutante 2/2 kann also in Bezug auf den Wildtyp folgendermaßen beschrieben werden:
A9G, R38L, H39L, K48M.
Zur Gewinnung von Mutante 2/2 wurden prinzipiell die gleichen Methoden wie in
Beispiel 1 beschrieben verwendet. Da die Mutante 2/2 eine Folgemutante der Mutante 2
darstellt, wurde diese als Templat für die PCR eingesetzt.
R38LH39L: acc ggc ctg etc agc gat gtt (5'Primer) und
BRAS (3'Primer), die das große Fragment ergeben;
BRS (5'Primer) und R38LH39Lrev: aac atc gct gag cag gcc ggt (3'Primer), die das kleine Fragment ergeben.
BRS (5'Primer) und R38LH39Lrev: aac atc gct gag cag gcc ggt (3'Primer), die das kleine Fragment ergeben.
Die Fragmente wurden aufgereinigt und in die Fusions-PCR eingesetzt, in einem
Verhältnis von 1 : 4.4 (klein zu groß).
Das Produkt dieser Fusions-PCR stellt die komplette Mutante 2/2 dar, die Mutationen
K48M und A9G wurden aus der Mutante 2 übernommen. Zur Gewinnung der Enzym
mutante wurde das Gen dann in E.coli HB101+ (pUBS520) überexprimiert.
Die Enzymproduktion und Aufreinigung dieses mutierten Enzyms entspricht der in
Beispiel 1 beschriebenen Methode. Tabelle 24 faßt die charakteristischen Daten der
Enzymreinigung zusammen.
Die Charakterisierung der ADH-Mutante 2/2 bezüglich der kinetischen Daten ergab
folgende in Tabelle 25 aufgeführte Werte:
Für NAD⁺ hat sich im Vergleich zum Wildtyp-Enzym der u-Wert von 2,9 auf 0,96
mM erniedrigt. Für NADP⁺ haben sich KM- wie auch kcat-Wert leicht verschlechtert.
Auffallend ist die besonders gute Affinität der Mutante gegenüber NADH, der KM-Wert
liegt bei 0,07 mM.
Das Temperaturoptimum der Mutante 2/2, gemessen bei pH 5,0, liegt bei 42°C,
gemessen mit NADPH und bei Verwendung von NADH bei 50°C. Diese Optima sind
relativ breit, mit NADPH gemessen erhält man noch 95% Aktivität bei Messung bei
50°C, mit NADH gemessen bei 60°C noch 70%. Die Stabilität bei Lagerung (6h) bei
verschiedenen Temperaturen ergibt für 30°C noch 67%, bei 37°C nur noch 7%.
Das pH-Optimum liegt für die Reduktion von Actophenon mit NADPH bei 6,0, bei
Verwendung von NADH bei 5,0. Gerade mit NADH ist diese Mutante eigentlich nur im
sauren Bereich aktiv, bei pH 7,0 erhält man nur noch 6% Aktivität im Vergleich zum
Wert bei 5,0. Auch für die Oxidation ist das Optimum signifikant leicht in den sauren
Bereich verschoben, maximale Aktivität findet man sowohl mit NADP⁺ als auch NAD⁺
bei pH 7,5. Bei pH 8,0, dem Optimum des Wildtyps, findet man nur noch 77%
(NADP⁺) bzw. 61% (NAD⁺) Aktivität. Wird das Enzym bei verschiedenen pH-Werten
gelagert und die Restaktivität nach 6 h gemessen, findet man noch 100% Restaktivität
bei pH 7,0. Bei pH 8,5 erhält man nur noch 58%.
Der isoelektrische Punkt der Enzymmutante 2/2 liegt bei 4,47.
Die Reduktion von Acetophenon unter den in Beispiel 1 beschriebenen Bedingungen
ergab nur das (R)-Isomere von Phenylethanol.
Aminosäure-Sequenzen von Wildtyp- und mutierten ADHn aus Lactobacillus brevis im
N-terminalen Bereich bis zur 50. Aminosäure (die Austausche in Bezug auf den
Wildtyp sind durch Unterstreichung hervorgehoben):
S-N-R-L-D-G-K-V-A-I10
-I-T-G-G-T-L-G-I-G-L20
-A-I-A-T-K-F-V-E-E-G30
-
A-K-V-M-I-T-G-R-H-S40
A-K-V-M-I-T-G-R-H-S40
-D-V-G-E-K-A-A-K-S-V50
S-N-R-L-D-G-K-V-G
-I10
-I-T-G-G-T-L-G-I-G-L20
-A-I-A-T-K-F-V-E-E-Q30
-
A-K-V-M-I-T-G-L
A-K-V-M-I-T-G-L
-H-S40
-D-V-G-E-I
-A-A-K-S-V50
S-N-R-L-D-G-K-V-G
-I10
-I-T-G-G-T-L-G-I-G-L20
-A-I-A-T-K-F-V-E-E-G30
-
A-K-V-M-I-T-G-L
A-K-V-M-I-T-G-L
-H-S40
-D-V-G-E-M
-A-A-K-S-V50
S-N-R-L-D-G-K-V-G
-I10
-I-T-G-G-T-L-G-I-G-L20
-A-I-A-T-K-F-V-E-E-G30
-
A-K-V-M-I-T-G-L
A-K-V-M-I-T-G-L
-H-S40
-D-V-G-E-K-A-A-M
-S-V50
S-N-R-L-D-G-K-V-G
-I10
-I-T-G-G-T-L-G-I-G-L20
-A-I-A-T-K-F-V-E-E-G30
-
A-K-V-M-I-T-G-L
A-K-V-M-I-T-G-L
-L
-S40
-D-V-G-E-K-A-A-M
-S-V50
Claims (11)
1. Verfahren zur mikrobiellen Gewinnung von Dehydrogenase mit für präparative
Zwecke tauglicher NADH-Abhängigkeit entsprechend kcat/KM für NAD⁺ ≧ 20
dadurch gekennzeichnet, daß man einen für das Enzym kodierenden
Mikroorganismus mit einer Gen-Sequenz im genetischen Kode verwendet, die für das
Enzym mit einer Aminosäure-Sequenz kodiert, deren basische Aminosäure(n) an der
Coenzym-Bindungsstelle bzw. den -stellen zumindest teilweise durch ungeladene
Aminosäure ersetzt ist bzw. sind.
2. Verfahren nach Anspruch 1, gekennzeichnet durch die Herstellung von short-chain
Dehydrogenasen mit Coenzym-Bindungsstellen am N-Terminus.
3. Verfahren nach Anspruch 2, gekennzeichnet durch die Herstellung von Alkohol-
Dehydrogenasen, insbesondere von (R)-spezifischen Alkohol-Dehydrogenasen.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß die
Dehydrogenase ausgehend von die Dehydrogenase erzeugenden Mikroorganismen mit
Hilfe von gentechnologisch gebildeten Enzymproduzenten-Stämmen gewonnen wird,
deren genetischer Kode die Information zur Bildung der gewünschten Aminosäure-
Sequenz enthält.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß die Dehydrogenase mit
Hilfe von E.coli, insb. von E.coli HB101+(pUBS520), gewonnen wird, der das für die
gewünschte Dehydrogenase kodierende mutierte, in einem Expressionsplasmid, insb.
pKK-117-3HB, klonierte Gen überexpremiert enthält.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß Alkohol-Dehydrogenase
ausgehend von Lactobacillen, insbesondere von L. brevis oder L. kefir gewonnen wird.
7. Für präparative Zwecke taugliche (R)-spezifische Alkohol-Dehydrogenase mit
einem kcat/KM für NAD⁺ ≦ 20, erhältlich ausgehend von Lactobacillus-Stämmen, insb.
von L.brevis oder L.kefir, mit einem für short-chain Dehydrogenasen mit Coenzym-
Bindungsstelle im N-Terminus kodierenden Gen durch Abwandlung der entsprechen
den Gen-Sequenz für einen Austausch basischer Aminosäure(n) an der Coenzym-
Bindungsstelle durch ungeladene Aminosäure(n).
8. Alkohol-Dehydrogenase nach Anspruch 7, gekennzeichnet durch zumindest einen
A9G-, R38L-, H39L-, K45I-, K45M- und/oder K48M-Austausch bei der Alkohol-
Dehydrogenase aus L.brevis im N-terrninalen Sequenz-bereich, der - unverändert -
S-N-R-L-D-G-K-V-A-I10-I-T-G-G-T-L-G-I-G-L20-A-I-A-T-K-F-V-E-E-G30-A-K-V-
M-I-T-G-R-H-S40-D-V-G-E-K-A-A-K-S-V50
lautet, insb. durch einen der folgenden Austausche
- - R38L, K45I, A9G;
- - R38L, K45M, A9G;
- - R38L, K48M, A9G;
- - R38L, H39L, K48M, A9G.
9. Verfahren zur stereo-selektiven Gewinnung von (R)-Hydroxy-Verbindungen durch
enzymatische Reduktion entsprechender Keto-Verbindungen, dadurch gekennzeichnet,
daß man als Enzym eine nach einem der Ansprüche 1 bis 6 erhältliche Dehydrogenase
verwendet.
10. Verfahren zur stereo-selektiven Gewinnung von S-Hydroxy-Verbindungen aus
Racematen durch enzymatische Oxidation der R-Hydroxy-Verbindungen, dadurch
gekennzeichnet, daß man als Enzym eine nach einem der Ansprüche 1 bis 6 erhältliche
Dehydrogenase verwendet.
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| EP99923384A EP1002097A2 (de) | 1998-03-19 | 1999-03-18 | Dehydrogenasen mit verbesserter nad-abhängigkeit, deren herstellung und verwendung |
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