DE19803784A1 - Fahrzeugsitz, insbesondere Kraftfahrzeugsitz - Google Patents
Fahrzeugsitz, insbesondere KraftfahrzeugsitzInfo
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Description
Die Erfindung betrifft einen Fahrzeugsitz, insbesondere
Kraftfahrzeugsitz, nach dem Oberbegriff des Anspruchs 1.
Es ist bekannt, Fahrzeugsitze so zu polstern, daß sie in
der Lage sind, Beschleunigungen auf den Insassen bei
Erschütterungen des Fahrzeuges, z. B. bei Kraftfahrzeugen
infolge von Unebenheiten auf Straßen oder bei Booten infol
ge des Wellenschlags, zumindest zu verringern.
Weiterhin ist aus der EP 0 718 144 A1 ein Sitz für ein
Motorrad bekannt, bei dem im Sitzpolster, d. h., im Komfort
bereich, von Motorradsitzen zusätzliche Energieabsorptionse
lemente angeordnet sind. Diese bestehen vorzugsweise aus
weichem Polyurethanschaum, sind in unterschiedlicher Form
im Sitzpolster angeordnet und erstrecken sich in
Richtung der Längsachse des Fahrzeuges über eine gewisse
Länge im Sitz. In einer Ausführungsform weisen sie an
ihrer Vorderkante eine größere Dicke als an der Hinterkante
auf, wobei die Dicke kontinuierlich abnimmt und ihre Ober
seite schräg nach hinten abfällt. Dadurch soll verstärkt
vermieden werden, daß sich das Becken des Fahrers durch
Vibrationen und bei Verzögerungen des Fahrzeuges nach vorn
verlagert.
Mit diesen Energieabsorptionselementen können möglicherwei
se Vibrationen und Beschleunigungen des Beckens bei Verzöge
rungen des Fahrzeugs vermindert werden, wie sie beim Abbrem
sen auftreten. In der Praxis treten Konstellationen auf,
bei denen Energieabsorptionselemente die Beschleunigungen
des Beckens nach vorn, vor allem bei Anwendung in einem
Auto, nicht ausreichend vermindern, wenn große Verzögerun
gen des Fahrzeugs , wie im Crashfall, auftreten. Bei diesen
Verzögerungen wird die Unterschale des Fahrzeugsitzes erst
in einer späten Vorverlagerungsphase des Beckens mit verti
kalen und horizontalen Kräften beaufschlagt. Das Kraftni
veau liegt dabei zu niedrig für eine Energieabsorption. Die
kinetische Energie des Insassen wird daher in diesen Fällen
bei einem in einem Kraftfahrzeug angeschnallten Insassen do
minant über das Gurtsystem abgebaut. Aufgrund der
Kraft-Weg-Kennung des Gurtbandes kann das zu unnötig erhöh
ten Beckenbelastungen und zu starken Belastungen der Lenden
wirbelsäule durch unkontrollierte Beckenrotation führen.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, durch einen
frühzeitigen Anstieg der Rückhaltekräfte und eine Erhöhung
des Energieabsorptionsvermögens des Sitzsystems die In
sassenbelastungen bei großer Verzögerung des Fahrzeugs,
insbesondere infolge eines Crashs, zu vermindern.
Erfindungsgemäß wird das gemäß den Merkmalen des Anspruchs 1
erreicht.
Bei einem Fahrzeugsitz, insbesondere Kraftfahrzeugsitz,
wobei der Sitz mindestens ein Energieabsorptionselement
aufweist, ist erfindungsgemäß als Energieabsorptionselement
eine im Vorderteil des Sitzes unter dem Komfortbereich ange
ordnete, in horizontaler Richtung durch das Becken des
Insassen bei dessen Vorverlagerung infolge starker Verzöge
rung des Fahrzeuges, insbesondere infolge eines Crashs,
verformbare Stütze angeordnet, und die Sitzstruktur ist im
hinteren Bereich des Sitzes, insbesondere nahe der Stütze
zumindest teilweise durch das Becken des Insassen bei
dessen Vorverlagerung infolge starker Verzögerung des
Fahrzeuges nach unten verformbar, wobei die Höhenlage der
Stütze zumindest nahezu unverändert bleibt.
Der Vorteil dieser Anordnung besteht darin, daß im Crash
fall ein Formschluß zwischen den Becken-Sitzbeinhöckern des
Insassen einerseits sowie Sitzstruktur und Stütze anderer
seits erzeugt wird, so daß die auf den Insassen wirkenden
Rückhaltekräfte verstärkt vom Sitz aufgebraucht werden. Bei
einer großen Verzögerung des Fahrzeugs macht das Becken
während der Horizontalvorverlagerung, bedingt durch den
Beckengurt, auch eine vertikale Eindringbewegung in die in
Fahrtrichtung gesehen vor der Stütze angeordnete deformier
bare Sitzstruktur. Da die Stütze vertikal mit einer hohen
Steifigkeit versehen ist, und der Kraftfluß zwischen Stütze
und deformierbarer Sitzstruktur in geeigneter Weise ganz
oder teilweise entkoppelt ist, wird eine Deformation der
Stütze in dieser Richtung nahezu unterbunden. Es bildet
sich ein Absatz, der ein Abgleiten des Insassen verhindert.
Bei weiterer Vorverlagerung des Beckens wird die Stütze in
horizontaler Richtung verformt und das Becken mit angemesse
nen Rückhaltekräften beaufschlagt. Das Becken wird gewisser
maßen wie in einem Fangbügel horizontal in Beschleunigungs
richtung des Insassen abgebremst. Durch diese gezielte
Beaufschlagung des Beckens mit Rückhaltekräften werden In
sassenbelastungen vermindert.
Die Sitzsystemkomponenten sind derart ausgelegt, daß der
Formschluß erst im Crashfall erzeugt wird, im normalen
Fahrbetrieb aus Komfortgründen also nicht spürbar ist.
In einer Ausführungsform erstreckt sich die Stütze über die
gesamte Sitzbreite und ist an den Enden mit der Sitzstruk
tur verbunden, während im übrigen Bereich keine Verbindung
zur Sitzstruktur besteht. Dadurch wird die für die Bildung
des Absatzes notwendige Deformation des in Fahrtrichtung
gesehen vor der Stütze liegenden Bereiches der Sitzstruktur
gewährleistet.
Bei einer schalenförmigen Sitzstruktur weist die Schale
einen quer zur Längsachse des Fahrzeugs verlaufenden
Schlitz auf, in dem die Stütze angeordnet ist. Die Breite
des Schlitzes ist so bemessen, daß die Verformbarkeit der
Stütze in horizontaler Richtung auch bei einer schalenförmi
gen Sitzstruktur gewährleistet ist.
Eine weitere Ausführungsform weist ebenfalls eine schalen
förmige Sitzstruktur auf, wobei in diesem Fall eine Verbin
dung zwischen der Stütze und dem davor liegenden Bereich
der Sitzstruktur über die gesamte Sitzbreite besteht. Die
im Crashfall gewünschte Deformation der Sitzstruktur wird
hier durch eine Blechfalte gewährleistet, die in Fahrtrich
tung gesehen vor der Stütze vorgesehen ist.
In einer dritten Ausführungsform wird die Verformbarkeit
der Sitzstruktur durch die Ausbildung des in Fahrtrichtung
gesehen vor der Stütze liegenden Bereiches als Geflecht
gewährleistet. Hierbei ist die Verbindung zwischen der
Stütze und der Sitzstruktur zweckmäßig im mittleren Bereich
unterbrochen.
Bedingt durch die Gurtgeometrie führt das Becken während
der Vorverlagerung eine vertikale Eindringbewegung in den
Sitz aus, wobei der hintere Bereich des Sitzes vertikal
verformt wird. Zur Aufrechterhaltung des dadurch in
Fahrtrichtung gesehen vor der Stütze erzeugten Absatzes ist
es zweckmäßig, daß die Stütze in vertikaler Richtung eine
große Steifigkeit aufweist um auszuschließen, daß der
Insasse über den Absatz hinweg gleitet.
Die Stütze besteht in einer Ausführungsform aus einem Rohr
mit einem zur Erhöhung der Steifigkeit in vertikaler Rich
tung angesetzten Steg. Als weitere Ausführung für eine
Stütze ist jede Profilform denkbar, die einer Verformung in
vertikaler Richtung einen ausreichend großen Widerstand
entgegensetzt und durch die Möglichkeit einer horizontalen
Deformation den Insassen mit akzeptablen Rückhaltekräften
beaufschlagt.
Die Erfindung soll in Ausführungsbeispielen anhand von
Zeichnungen erläutert werden. Es zeigen:
Fig. 1 eine schematische Darstellung einer Ausführungs
form eines Fahrzeugsitzes mit quer verlaufendem
Schlitz vor einer Stütze,
Fig. 2 den Fahrzeugsitz nach Fig. 1 während der Verzöge
rungsphase des Fahrzeuges,
Fig. 3 den Fahrzeugsitz nach Fig. 1 in einer fortge
schrittenen Verzögerungsphase des Fahrzeuges,
Fig. 4 eine schematische Darstellung einer zweiten
Ausführungsform eines Fahrzeugsitzes mit einer
quer verlaufenden Falte vor der Stütze in einer
Sitzschale,
Fig. 5 eine schematische Darstellung einer dritten
Ausführungsform eines Fahrzeugsitzes mit einem
Geflecht vor der Stütze,
Fig. 6 die Vorderansicht einer als Energieabsorptionsele
ment ausgebildeten Stütze,
Fig. 7 die Seitenansicht der Stütze nach Fig. 6.
Der in der Fig. 1 schematisch dargestellte Fahrzeugsitz 1
weist eine Sitzschale 2 sowie eine Rückenlehne 3 auf. Die
Sitzschale 2 weist im vorderen Bereich einen Schlitz 4 auf,
der sich zumindest nahezu über die gesamte Breite der Sitz
schale erstreckt. Die Sitzschale 2 wird durch den Schlitz 4
in einen vorderen Bereich 2a und einen hinteren Bereich 2b
unterteilt. In diesem Schlitz ist eine Stütze 5 als Energie
absorptionselement angeordnet, das aus einem Rohr 6 und
einem Steg 7 besteht, der sich über den mittleren Bereich
des Rohres und in senkrechter Richtung erstreckt (Fig. 6
und 7).
Die Stütze ist nur an ihren Enden mit der Sitzstruktur ver
bunden. In horizontaler Richtung ist die Stütze mit einer
Steifigkeit versehen, die eine Deformation durch den Insas
sen nach der Erzeugung des Formschlusses gestattet. In ver
tikaler Richtung weist sie dagegen eine hohe Steifigkeit
auf, so daß eine Verformung in dieser Richtung praktisch
nicht möglich oder unterdrückt ist. Das Rohr 6 ist im
Schlitz so angeordnet, daß es oben mit der Sitzschale
abschließt, d. h., nicht aus dieser herausragt. Die Stütze
dringt also im normalen Fahrbetrieb nicht in die Polsterung
ein, und ist für den Insassen deshalb nicht spürbar.
Die Fig. 1 zeigt ebenfalls schematisch das Becken 8 des
Insassen und den Beckengurt 10.
Bei einer großen Verzögerung des Fahrzeugs, z. B. infolge
eines Crashs, hat das Becken das Bestreben, sich nach vorn
zu verlagern. Bedingt durch den Beckengurt 10 führt das
Becken während der Horizontalvorverlagerung auch eine
vertikale Eindringbewegung in den Sitz aus. Durch die erfin
dungsgemäße Ausbildung des Sitzes ,deformiert das Becken
dadurch den hinteren Bereich 2b der Sitzschale 2,
d. h., den in Fahrtrichtung gesehen vor der Stütze 5 liegen
den Bereich, nach unten, wie es in der Fig. 2 dargestellt
ist. Besonders leicht läßt sich die Sitzschale am Schlitz 4
deformieren, so daß die Stütze 5, deren Höhenlage sich
nicht verändert, die Sitzschale überragt. Dadurch wird ein
Formschluß zwischen den Becken-Sitzbeinhöckern und der
Stütze erzielt und schließlich kommt es zu einer Art Verha
kung zwischen beiden. Die Versteifung des Rohres 6 durch
den Steg 7 verhindert die Deformation der Stütze in vertika
ler Richtung und somit ein Übergleiten des Beckens 8 über
das Rohr 6. In horizontaler Richtung wird die Stütze dage
gen gezielt deformiert, wobei das Becken mit angemessener
Kraft zurückgehalten wird. Das Becken wird gewissermaßen
wie in einem Fangbügel horizontal in Beschleunigungsrich
tung abgebremst, wie es aus der Fig. 3 erkennbar ist.
Dadurch wird die kinetische Energie des Insassen 9 bei
einem Crash sowohl durch den Beckengurt 10 als auch durch
die Stütze 5 abgebaut, so daß die Belastung des Insassen
verringert wird.
Beim Ausführungsbeispiel der Fig. 4 weist die Sitzschale 2
in Fahrtrichtung gesehen vor der Stütze 5 eine Falte 11
auf. In diesem Ausführungsbeispiel ist die Sitzschale mit
der Stütze 5 verbunden. Im Crashfall wird der Bereich 2b
durch den Insassen nach unten gedrückt, so daß die Sitzscha
le dann den gestrichelt gezeichneten Verlauf aufweist. In
Verbindung mit der Stütze 5 wird die gleiche Wirkung er
zielt wie beim vorhergehenden Ausführungsbeispiel.
Beim Ausführungsbeispiel der Fig. 5 besteht der vor der
Stütze 5 liegende Bereich 2b des Sitzes aus Geflecht 12.
Dieses ist quer zur Fahrtrichtung, gesehen im mittleren
Bereich nicht mit der Stütze 5 verbunden. Im Crashfall
verformt sich das Geflecht nach unten und nimmt die in der
Fig. 5 gestrichelt gezeichnete Lage ein. Damit wird die
Stütze in gleicher Weise wie bei den vorhergehenden Ausfüh
rungsbeispielen wirksam.
Claims (8)
1. Fahrzeugsitz, insbesondere Kraftfahrzeugsitz, wobei
der Sitz mindestens ein Energieabsorptionselement
aufweist,
dadurch gekennzeichnet,
daß als Energieabsorptionselement eine im Vorder
teil des Sitzes (2) unter dem Komfortbereich ange
ordnete, in horizontaler Richtung durch das Becken
(8) des Insassen (9) bei dessen Vorverlagerung
infolge starker Verzögerung des Fahrzeuges, insbe
sondere infolge eines Crashs, verformbare Stütze
(5) angeordnet ist, und daß die Sitzstruktur im hin
teren Bereich (2b) des Sitzes, insbesondere nahe
der Stütze (5) zumindest teilweise durch das Becken
(8) des Insassen (9) bei dessen Vorverlagerung
infolge starker Verzögerung des Fahrzeuges nach
unten verformbar ist, wobei die Höhenlage der
Stütze (5) zumindest nahezu unverändert bleibt.
2. Fahrzeugsitz nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß sich die Stütze (5) über die gesamte Sitz
breite erstreckt und an den Enden mit der Sitzstruk
tur verbunden ist, während im übrigen Bereich keine
Verbindung zur Sitzstruktur besteht.
3. Fahrzeugsitz nach Anspruch 1, dadurch gekennzeich
net, daß sich die Stütze (5) über die gesamte
Sitzbreite erstreckt und an den Enden mit der
Sitzstruktur verbunden ist, wobei im übrigen Be
reich eine durchgehende oder teilweise unterbroche
ne Verbindung zur Sitzstruktur besteht.
4. Fahrzeugsitz nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekenn
zeichnet, daß bei einer schalenförmigen Sitzstruk
tur die Schale (2) einen quer zur Längsachse des
Fahrzeugs verlaufenden Schlitz (4) aufweist, in dem
die Stütze (5) angeordnet ist.
5. Fahrzeugsitz nach mindestens einem der vorhergehen
den Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß der
hintere Bereich (2b) der Sitzstruktur als Geflecht
(12) ausgebildet ist, vor dem die Stütze (5) ange
ordnet ist.
6. Fahrzeugsitz nach mindestens einem der vorhergehen
den Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekennzeichnet, daß
bei einer schalenförmigen Sitzstruktur die Schale
(2) mindestens eine quer zur Längsachse des Fahrzeu
ges verlaufende Falte (11) aufweist, vor der die
Stütze (5) angeordnet ist.
7. Fahrzeugsitz nach mindestens einem der vorhergehen
den Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
Stütze (5) in vertikaler Richtung eine so große
Steifigkeit aufweist, daß sie in dieser Richtung
weitestgehend unverformbar ist.
8. Fahrzeugsitz nach mindestens einem der vorhergehen
den Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß die
Stütze (5) aus einem Rohr (6) mit einem senkrechten
Steg (7) besteht.
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