DE19751807A1 - Titan-Keramik-Körper zum Einsatz in der Dentaltechnik und Verfahren zur Herstellung einer Verbindung zwischen Titan und einem keramischen Werkstoff - Google Patents
Titan-Keramik-Körper zum Einsatz in der Dentaltechnik und Verfahren zur Herstellung einer Verbindung zwischen Titan und einem keramischen WerkstoffInfo
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Description
Die Erfindung betrifft einen als Zahnersatz einsetzbaren Titan-
Keramik-Körper und ein Verfahren zur Herstellung eines Haft
verbundes zwischen Titan und einem keramischen Werkstoff.
Für die Versorgung von Patienten mit Zahnersatz und Zahnkronen
wird in der Zahnmedizin und Dentaltechnik sowohl Edelmetall
als auch Keramik eingesetzt. Soweit es sich dabei um Zahnkronen
handelt, wird auf einen beschliffenen Zahnstumpf eine aus
Edelmetall, wie Gold, Silberlegierungen und Platin, oder eine
aus Keramik hergestellte Krone aufgepaßt und zur Unterfütterung
mit Spezialzement eingepaßt bzw. mit dem Zahnstumpf verbunden.
Die Zahnkrone wird dabei nach Herstellung eines Abdruckes auf
die Erfordernisse des Gebisses des Patienten abgestimmt. Der
Einsatz von Edelmetall für solche Überkronungen von Zähnen im
menschlichen Gebiß ist sehr teuer und die Haltbarkeit von
Überkronungen aus Edelmetall ist auch begrenzt. Der Einsatz von
Keramik zur Überkronung ermöglicht den äußeren Eindruck eines
natürlichen Gebisses zu erhalten, aber grundsätzlich haftet
auch dieser Art von Zahnersatz der Mangel der bedingten
Haltbarkeit an.
Als ein dem Edelmetall, wie Gold, Silber oder Platin gleich
wertiges Metall hat sich Titan in den vergangenen Jahrzehnten
als Werkstoff in der allgemeinmedizinischen, wie auch in der
zahnmedizinischen Implantologie und Chirurgie bewährt. Titan
ist hinsichtlich seiner Biokompatibilität, Atoxizität und Anti
allergenität sogar allen anderen Metallen, wie auch den
Edelmetallen, weit überlegen. Es kann daher für den klinischen
Einsatz sehr empfohlen werden. Es könnte in Zukunft sogar eine
kostengünstige Alternative zum Edelmetall darstellen. Die
anfänglichen Schwierigkeiten der Verarbeitung von Titan für
den zahntechnischen Einsatz sind mittlerweile fast vollständig
überwunden worden (Titanguß, Einbettmasse, alpha-case). Dagegen
stößt die keramische Verblendung von Titan auf große Schwierig
keiten, da die Herstellung eines Haftverbundes zwischen Titan
und Keramik entweder ungenügend ist oder für den Einsatz in der
Dentaltechnik zu vertretbaren Kosten technisch nicht reali
sierbar ist. So zeigten 3 Jahre nach Eingliederung der
keramisch verblendeten Titanrestaurationen 41% der Restau
rationen Schäden an der keramischen Verblendung auf. Die
Verbundfestigkeit des Titan-Keramik-Systems hat bei weitem noch
nicht das Niveau des etablierten Edelmetall-Keramik-Verbundes
erreicht. Ein klinischer Einsatz von keramisch verblendeten
Titanrestaurationen kann zur Zeit daher nur eingeschränkt
empfohlen werden.
Ursächlich verantwortlich für den mangelhaften Haftverbund
zwischen Titan und Keramik, d. h. für das Versagen des Titan-
Keramik-Verbundes ist die hohe Sauerstoffaufnahme des Titans
während des keramischen Brandes. Die hohe Sauerstoffaufnahme
des Titans führt zur Ausbildung von Titanoxidschichten, in
denen es zum Bruch des Titan-Keramik-Verbundes kommt.
Nach dem Erkennen der Ursache für das Versagen des Titan-
Keramik-Verbundes sind Versuche unternommen worden, die hohe
Sauerstoffaufnahme des Titans während des keramischen Brandes
zu verringern. Sie wurden mittels Silizium-Ionenimplantation
und Siliziumnitrid-Plasma Immersions Implantation und Depo
sition erfolgreich durchgeführt. Diese Verfahren sind aber über
reine, der Forschung dienende Laborversuche nicht hinaus ge
kommen und ihre Anwendung ist in zahntechnischen Laboratorien
wirtschaftlich nicht vertretbar.
Das Ziel der Erfindung ist es, für den Einsatz eines Titan-
Keramik-Körpers als Zahnersatz in der Dentaltechnik mit Hilfe
der vorhandenen konventionellen Technik in zahntechnischen
Laboratorien, unter wirtschaftlich vertretbarem Aufwand, die
Herstellung eines langzeitstabilen Haftverbundes zwischen Titan
und Keramik zu realisieren.
Die Aufgabe der Erfindung bestand folglich darin, einen in der
Dentaltechnik einsetzbaren Titan-Keramik-Körper mit einem lang
zeitstabilen Haftverbund und ein Verfahren zur Herstellung
einer Verbindung zwischen Titan und Keramik zu entwickeln, mit
dem die Sauerstoffaufnahme des Titans während des keramischen
Brandes blockiert wird, um damit die Voraussetzungen für einen
stabilen Titan-Keramik-Haftverbund durch Ausbildung einer
Haftbrücke auf der Oberfläche des Titans zur anschließenden
keramischen Verblendung des Titankörpers herbeizuführen.
Die Aufgabe, eine als Zahnersatz einsetzbare, keramisch ver
blendete Titanrestauration zu entwickeln, wurde dadurch gelöst,
daß erfindungsgemäß eine Oberfläche eines Titangußkörper mit
einer aus Titannitrid, Titanborid oder Titancarbid bestehenden
Haftbrücke versehen ist, auf der die Keramikverbindung aufge
bracht und in einem Brennvorgang mit dem Titangußkörper ver
bunden worden ist. Die Haftbrücke weist eine geringe Schicht
dicke auf und erstreckt sich auf maximal 10 µm.
Nach einem weiteren Merkmal der Erfindung besteht die Haft
brücke aus in die Oktaederlücken des Kristallgitters des Titan
gußkörpers einlagerten Fremdatomen aus Kohlenstoff, Bor oder
Stickstoff.
Die Aufgabe, die Sauerstoffaufnahme des Titans während des
keramischen Brandes zu verringern, um einen stabilen Titan-
Keramik-Verbund zu entwickeln, wurde erfindungsgemäß durch ein
Verfahren gelöst, bei dem nichtoxidische Keramiken als Strahl
mittel zur Oberflächenmodifikation von Titan in sauerstoff
freier Atmosphäre eingesetzt wird, dann eine Keramisierung der
Titanoberfläche durch ein Brennen in sauerstofffreier
Atmosphäre unter Anwesenheit von Bor, Kohlenstoff oder Stick
stoff vorgenommen wird und in Folge unter Einsatz von herkömm
lichen Bondern, modifizierten oxidischen, nichtoxidischen oder
oxidreduzierten Keramiken der Bonderbrand zwischen dem Titan
und den oxidischen Keramiken, als der Grundmasse der
keramischen Verblendung, durchgeführt wird.
Die Erfindung wird nachfolgend an einem Ausführungsbeispiel
näher erläutert. In der zugehörigen Zeichnung zeigen:
Fig. 1 einen Titankörper nach alpha-case Entfernung,
Fig. 2 die Oberfläche des in Fig. 1 dargestellten Titan
körpers nach Aufrauhung der Titanoberfläche durch
ein nichtoxidisches Strahlmittel, z. B. Silizium
carbid in einer Stickstoff-Atmosphäre,
Fig. 3 die Oberfläche des in Fig. 1 dargestellten Titan
körpers nach Vorbehandlung der Oberfläche und an
schließender Wärmebehandlung unter N2-Atmosphäre
zur Keramisierung der Oberfläche des Titan
körpers,
Fig. 4 den in Fig. 1 gezeigten Titankörper nach aufge
brachtem Bonderbrand aus einem modifizierten
oxidischen Bonder.
Nach Herstellung eines Titangußkörpers (1) nach den bekannten
Verfahren wird dieser Rohling unter Stickstoffatmosphäre mit
Siliziumcarbid (nicht dargestellt) mechanisch bestrahlt, um
mögliche Reste der ebenfalls nicht dargestellten alpha-case
Schicht zu entfernen, eine mechanische Haftung der später auf
zubrennenden Keramiken zu ermöglichen und erste Belegung der
Titanoberfläche mit Kohlenstoff- und Stickstoffatomen zu er
zielen.
Anschließend wird durch eine Wärmebehandlung bei hohen
Temperaturen, Brennen in Stickstoffatmosphäre, des so vorbe
handelten, d. h. mit Siliziumcarbid mechanisch bestrahlten
Titangußkörpers (1) die Belegung der Oberflächen (2) des Titan
gußkörpers (1) mit Stickstoffatomen optimiert. Der im Titan
physikalisch gelöste Stickstoff und Kohlenstoff reagiert mit
dem Titan, indem dieser in Titannitrid und Titancarbid
umgewandelt wird und sich eine nichtoxidische keramische
Schutzschicht ausbildet.
Hiernach wird ein Bonderbrand durchgeführt, wobei ein
modifizierter oxidischer Bonder eingesetzt wird. Der Hauptbe
standteil des Bonders, SiO2 ist dabei zu 30% durch ZrO2ersetzt.
Die Sintertemperatur des Bonderbrandes (840°C) liegt dabei
deutlich über der des folgenden Grundmassenbrandes (740°C), der
ebenso wie die weitere Verarbeitung nach dem Stand der Technik
durchgeführt wird.
In der zahnärztlichen Behandlung eines Patienten zur Versorgung
mit Zahnersatz wird der oder die zu überbrückenden Zähne im
Mund des Patienten beschliffen. Dann wird von allen Zähnen des
Oberkiefers, wie auch von denen des Unterkiefers ein Abdruck
als Negativ-Modell genommen. Dieser Abdruck wird mit Gips
gefüllt und so ein Gipsmodell als Positiv-Modell vom Ober- und
Unterkiefer des Patienten erstellt. Diese Modelle werden im
Artiklator fixiert, in dem der Oberkiefer und Unterkiefer in
die Beziehung, wie sie im Mund des Patienten bestehen, gebracht
wird. Die Zähne im Gipsmodell, die den beschliffenen Zähnen im
Mund des Patienten entsprechen, werden herausgesägt, so daß sie
vom Modell abgenommen aber auch wieder eingesetzt werden
können. Auf diese Gipsstümpfe wird ein Wachsmodell modelliert,
das der späteren einzugliedernden Titanrestauration entspricht.
Gußkanäle aus Wachs werden an das Wachsmodell angefügt und das
Modell mit Einbettmasse umgossen. Nach dem Erhärten der Ein
bettmasse wird das Wachs ausgeschmolzen und in die zurück
bleibenden Hohlräume wird, mit speziellen Titangußanlagen,
Titan gegossen. Nach Abkühlung wird der Titangußkörper (1)
entnommen und die Gußkanäle werden abgetrennt. Anschließend
wird die obere Reaktionsschicht des Titangußkörpers (alpha-case)
entfernt und anschließend unter Stickstoffatmosphäre mit
Siliziumcarbid mechanisch bestrahlt. Hierauf folgt das Brennen
des Titangußkörpers (1) in einer Stickstoffatmosphäre und dann
erfolgt der Bonderbrand gefolgt von dem Grundmassen-, Dentin-,
Korrektur- und Glanzbrand. Nach einer abschließenden Politur
und Probeeingliederung am Gipsmodell erfolgt die Eingliederung
der keramisch verblendeten Titanrestauration am Patienten durch
den Zahnarzt.
Das erfindungsgemäß vorgeschlagene Verfahren ist kostengünstig
in einem vorhandenen dentaltechnischen Labor realisierbar und
einfach zu handhaben. Die Titanrestauration verfügt über eine
hohe Qualität. Eine Versagensrate der Titanrestauration ist bei
einer guten Ausführung im zahntechnischen Labor ausgeschlossen.
Claims (9)
1. Zahnersatz, bestehend aus einer keramisch verblendeten
Titanrestauration, dadurch gekennzeichnet, daß eine Ober
fläche (2) eines Titangußkörpers (1) mit einer aus Titan
nitrid, Titanborid oder Titancarbid bestehenden Haft
brücke (3) versehen ist, auf der die Keramikverblendung
(4) aufgebracht und durch einen Brennvorgang mit dem
Titangußkörper (1) verbunden worden ist.
2. Zahnersatz nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Haftbrücke (3) eine geringe Schichtdicke von unter 10
µm aufweist.
3. Zahnersatz nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet,
daß die Haftbrücke aus in die Oktaederlücken des Kri
stallgitters des Titangußkörpers (1) einlagerten Fremd
atomen aus Kohlenstoff, Bor oder Stickstoff besteht.
4. Verfahren zur Herstellung eines langzeitstabilen Titan-
Keramik-Haftverbundes, dadurch gekennzeichnet, daß
gleichzeitig mit einer alpha-case Entfernung der Ober
fläche (2) des Titangußkörpers (1) eine Einlagerung von
Fremdatomen in das Kristallgitter des Titans mit einer
definierten Schichtdicke der Oberfläche (2) des Titan
gußkörpers (1) dieser in einer Schutzgas-Atmosphäre
mechanisch bestrahlt wird.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
die mechanische Bestrahlung durch einen Einsatz von
nichtoxidischem Strahlmittel wie Siliziumcarbid, -nitrid,
Borcarbid, -nitrid, Titancarbid, -borid in Stickstoff- oder
Argon-Atmosphäre vorgenommen wird.
6. Verfahren nach Anspruch 4 und 5, dadurch gekennzeichnet,
daß dem nichtoxidischen Strahlmittel zur besseren Ab
sättigung der Oberfläche (2) des Titangußkörpers (1) mit
Fremdatomen die Füllstoffe Kohlenstoff, Bor und Bornitrid
zugesetzt werden.
7. Verfahren nach Anspruch 4 bis 6, dadurch gekennzeichnet,
daß nach der Aufrauhung der Oberfläche (2) des Titanguß
körpers (1) und alpha-case Entfernung dieser in einer N2-
Atmosphäre zur Fixierung der durch die mechanische Be
strahlung des Titangußkörpers (1) in die Oktaederlücken
des Kristallgitters eingelagerten Fremdatome zwecks
Sperrung der Kristallgitterwege für eine Sauerstoffauf
nahme vor einem später erfolgenden Brennvorganges zur
Herstellung des Titan-Keramik-Verbundes gebrannt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
zwecks Einlagerung von Fremdatomen in das Kristallgitter
des Titangußkörpers (1) bis zu einer Sättigung der Ober
fläche (2) desselben dieser mit Kohlenstoff, Bor oder
hexagonales Bornitrid belegt wird und anschließend in
einer Inertgas-Atmosphäre gebrannt wird.
9. Verfahren nach Anspruch 4 bis 8, dadurch gekennzeichnet,
daß nach der Herstellung einer Haftbrücke auf der Ober
fläche (2) des Titangußkörpers (1), die zur Verhinderung
des Sauerstoffaufnahme während des Bonderbrandes dient,
unter Einsatz von oxidischen, modifizierten oxidischen,
nichtoxidischen oder oxidreduzierten Keramiken ein
Bonderbrand der Grundmasse der keramischen Verblendung
vorgenommen wird.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19751807A DE19751807A1 (de) | 1997-11-24 | 1997-11-24 | Titan-Keramik-Körper zum Einsatz in der Dentaltechnik und Verfahren zur Herstellung einer Verbindung zwischen Titan und einem keramischen Werkstoff |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE19751807A DE19751807A1 (de) | 1997-11-24 | 1997-11-24 | Titan-Keramik-Körper zum Einsatz in der Dentaltechnik und Verfahren zur Herstellung einer Verbindung zwischen Titan und einem keramischen Werkstoff |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19751807A1 true DE19751807A1 (de) | 1999-05-27 |
Family
ID=7849529
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE19751807A Withdrawn DE19751807A1 (de) | 1997-11-24 | 1997-11-24 | Titan-Keramik-Körper zum Einsatz in der Dentaltechnik und Verfahren zur Herstellung einer Verbindung zwischen Titan und einem keramischen Werkstoff |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19751807A1 (de) |
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| EP1622534A4 (de) * | 2002-12-23 | 2007-03-07 | Nano Write Corp | Dampfabgeschiedene titan- und titan-nitrid-schichten für dentalprodukte |
-
1997
- 1997-11-24 DE DE19751807A patent/DE19751807A1/de not_active Withdrawn
Cited By (1)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| EP1622534A4 (de) * | 2002-12-23 | 2007-03-07 | Nano Write Corp | Dampfabgeschiedene titan- und titan-nitrid-schichten für dentalprodukte |
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