DE19750214A1 - Verfahren zur Erzeugung kernspinspektroskopischer Signale durch räumliche Modulation von z-Magnetisierung - Google Patents
Verfahren zur Erzeugung kernspinspektroskopischer Signale durch räumliche Modulation von z-MagnetisierungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren der magnetischen Kern
resonanz (NMR) bei welchem eine in einem äußeren Magnetfeld
befindliche Menge von magnetischen Kernen unterschiedlicher
Larmorfrequenzen, wobei die Unterschiede der Larmorfrequen
zen entweder über die Art der Kerne oder die Inhomogenität
des verwendeten Magnetfeldes vorgegeben ist oder durch Ein
wirkung eines zusätzlichen Magnetfeldgradienten bewirkt
wird, einer Folge von mindestens zwei Hochfrequenzimpulsse
quenzen im zeitlichen Abstand tm unterworfen wird, wobei die
erste Hochfrequenzimpulssequenz die Erzeugung einer bezüg
lich der Verteilung der Larmorfrequenzen periodischen Modu
lation der z-Magnetisierungen mit einem Modulationsabstand
2Δω bewirkt und die zweite Hochfrequenzimpulssequenz diese
periodisch modulierten z-Magnetisierungen in transversale
Magnetisierung überführt, welche zur Signalgebung führt.
Ein solches Verfahren ist z. B. bekannt aus der
DE 34 45 689 A1.
Das erfindungsgemäße Verfahren beschäftigt sich mit einer
kernspintomographischen Methode zur Verbesserung der Signal
intensität sogenannter stimulierter Echos. Diese Art der Si
gnalbildung weist in der bisher bekannten Form gegenüber di
rekt refokussierten Spin Echos den Nachteil einer Reduktion
der Amplitude um 50% auf. Mit dem erfindungsgemäßen Verfah
ren wird eine Methode aufgezeigt, welche diesen Nachteil
vermeidet und zur Bildung von stimulierten Echos mit einer
im Grenzfall zu einem Spin-echo identischen Amplitude führt.
Der Mechanismus der Bildung eines NMR-Signals als stimulier
tes Echo wurde 1950 von Hahn (Hahn, E.L., Spin echoes,
Phys. Rev. 80: 580-594 (1950)) eingeführt. In dessen Arbeit
wurden stimulierte Echos als ein Spezialfall von Spin Echos
eingeführt. Inzwischen hat sich allerdings der Sprachge
brauch eingebürgert, demzufolge als Spin Echos diejenigen
Signale bezeichnet werden, welche durch Refokussierung von
transversaler Magnetisierung mittels eines Hochfrequenzim
pulses erzeugt werden. Im folgenden wird diese Nomenklatur
angewendet.
In der Literatur sind eine Reihe von Meßverfahren bekannt,
welche auf der Signalgebung durch stimulierte Echos beruhen.
Ein besonderer Vorteil stimulierter Echos besteht dabei dar
in, daß diese - im Gegensatz zu Spin Echos - die Magnetisie
rung während eines Teils der Präparation als z-Magnetisie
rung belassen, wo sie keinem der für transversale Magneti
sierung geltenden Mechanismen der Dephasierung unterworfen
ist. Zudem zerfällt die Magnetisierung während des entspre
chenden Zeitintervalls mit der longitudinalen Relaxations
zeit T1, welche - vor allem bei in vivo-Anwendungen - erheb
lich länger ist als die für Spin Echos relevante transversa
le Relaxationszeit T2. Allerdings wird dieser Vorteil da
durch erkauft, daß stimulierte Echos gegenüber Spin Echos
eine Reduktion der Signalamplitude um 50% aufweisen. Stimu
lierte Echos sind daher nur dann bevorzugt gegenüber Spin
Echos, wenn durch die Dauer der Anregungssequenz im Zusam
menhang mit dem langsameren T1-Signalzerfall dieser Nachteil
kompensiert wird. Dies ist derzeit vor allem bei Verfahren
zur diffusionsgewichteten Bildgebung nach dem Prinzip von
Stejskal-Tanner der Fall. In den meisten anderen NMR-Metho
den werden vorzugsweise Spin-Echos angewendet, da der Si
gnalverlust um einen Faktor 2 auf Grund der intrinsischen
Signal-zu-Rausch Probleme der NMR als nachteilig gesehen
wird.
In Fig. 2 ist eine Darstellung des Mechanismus der Bildung
von stimulierten Echos entsprechend dem Stand der Technik
gezeigt. Hierbei sind die Komponenten Mx, My und Mz als Funk
tion der Resonanzfrequenz (und damit auf Grund der Larmorbe
ziehung ω = γ B0 mit γ = gyromagnetisches Verhältnis der ma
gnetischen Induktion B0 am Ort der Kerne ) dargestellt. Die
folgenden Ausführungen gehen davon aus, daß die Magnetisie
rung als Funktion von ω gleich verteilt vorliegt. Eine sol
che Gleichverteilung läßt sich - sofern sie durch die Art
der untersuchten Probe nicht ohnehin vorgegeben ist - am
einfachsten durch Anwendung eines konstanten Magnetfeldgra
dienten über die untersuchte Probe erzwingen.
Dann gilt:
- a) Zunächst liegt sämtliche Magnetisierung als z-Magnetisie rung mit der Amplitude M0 vor.
- b) Durch einen 90°-Impuls mit Phase y wird Mz in Mx überge führt.
- c) Nach einer Zeit te ist die transversale Magnetisierung dephasiert. Es gilt Mx = M0 cos (ω te), My = M0 sin (ω te)
- d) Durch einen weiteren 90°-Impuls wird Mx wieder in Mz übergeführt, My bleibt zunächst erhalten.
- e) Nach einer weiteren Zeit tm ist die transversale Magneti sierung My auf Grund von transversaler Relaxation mit der Zeitkonstante T2 zerfallen, Mz bleibt auf Grund des angenom men wesentlich längeren T1 erhalten.
- f) Durch einen weiteren 90°-Impuls wird die sinusoidal modu lierte z-Magnetisierung wieder in Mx übergeführt.
- g) Nach einem Zeitintervall te, welches identisch ist zu dem Zeitintervall te zwischen den Schritten b) und c), ist die transversale Magnetisierung moduliert entsprechend Mx = M0 cos2 (ω te), My = M0 cos (ω te) sin (ω te). Die beobachtbare Signalamplitude S ergibt sich als Integral über die trans versale Magnetisierung und ist damit S = ½ M0. Dieses Signal ist das stimulierte Echo.
Aus der Art der Darstellung des Bildungsmechanismus eines
stimulierten Echos nach Fig. 2 wird deutlich, daß der Signal
verlust um 50% dadurch auftritt, daß bei Anwendung des zwei
ten 90°-Pulses die Hälfte der gesamten Magnetisierung (näm
lich Mx) in z-Magnetisierung übergeführt wird, während die
andere Hälfte als transversale Magnetisierung verbleibt und
damit während des Zeitintervalls tm zerfällt.
Mit diesem Ansatz wird die methodische Verbesserung deut
lich, welche dem erfindungsgemäßen Verfahren zu Grunde
liegt. Diese besteht darin, die z-Magnetisierung von Schritt
a) direkt in eine mit ω modulierte Magnetisierung überzufüh
ren, ohne daß ein Zwischenschritt erfolgt, welcher zur Bil
dung von nachfolgend verlorener transversaler Magnetisierung
führt (Fig. 2).
Eine bevorzugte Art der Ausbildung der z-Magnetisierung be
steht dabei in einer Rechteckmodulation entsprechend Fig. 3.
Verfahren zur Bildung eines solchen Modulationspulses, wel
cher die Aufgabe erfüllt, eine Rechteckmodulation der z-Ma
gnetisierung in der gewünschten Art zu bewirken, sind in der
Literatur an sich bekannt (siehe Hennig, J, Magn. Reson. Med.
25, 289-98 (1992)). Sie bestehen in einer Überlagerung von n
Einzelpulsen mit rechteckigem Inversionsprofil, welche um
jeweils 2Δω gegeneinander verschoben sind.
Ebenfalls aus der Literatur an sich bekannt sind Verfahren
der Optimierung solcher Einzelpulse vor allem im Hinblick
auf eine Beschränkung der benötigten Hochfrequenzleistung
(dito). Eine sukzessive Anwendung der n Einzelpulse mit je
weils rechteckigem Inversionsprofil ist zwar weniger effizi
ent, aber ebenfalls möglich, vor allem wenn die Relaxations
zeit T1 deutlich länger ist als die Dauer des von der Folge
von Einzelpulsen benötigten Zeitintervalls.
Nach einer Wartezeit tm kann die so präparierte z-Magneti
sierung (Fig. 1d, e) im einfachsten Fall durch einen 90°-An
regungsimpuls mit einer Anregungsbandbreite Δωb in Mx über
führt werden. Durch zeitliche Evolution der Spins wird der
in Fig. 1g) dargestellte Zustand erreicht, für welchen gilt:
Mx = |M0 cos (2Δω te) (1).
Die Signalintensität S ergibt sich wieder durch Integration
zu
S = 2/π M0 (2)
was ungefähr 0,63 M0 entspricht.
Bei konstantem Dephasierungsgradient während der gesamten
Sequenz ergibt sich der Zeitpunkt des gebildeten Signals zu
te = 1/(2Δω) (3).
Entsprechend der Art der Signalerzeugung wird dieses Signal
als z-Modulations-Echo bezeichnet.
Gegenüber dem konventionellen stimulierten Echo ist dies be
reits ein Signalgewinn von mehr als 25%. Eine einfache Meß
sequenz nach diesem Prinzip ist in Fig. 4a dargestellt, wobei
"1" den z-Modulationspuls kennzeichnet, "2" den zur Signal
auslesung verwendeten Anregungsimpuls mit im allgemeinen 90°
Flipwinkel, "3" das angeregte Signal, welches nach
te = 1/(2Δω) auftritt und "4" die Prozesse ωdisp kennzeichnet,
welche zu einer Gleichverteilung der Spindichte als Funktion
der Beobachtungsfrequenz dienen (also im einfachsten Fall
die Anwendung eines Magnetfeldgradienten konstanter Stärke).
Diese können zum einen durch die physikalischen Eigenschaf
ten der Probe (Feldinhomogenität, Linienbreite der unter
suchten Substanz) vorgegeben sein.
Eine solche Gleichverteilung kann jedoch auch durch Anlegen
eines Magnetfeldgradienten erzwungen werden. Eine (zumindest
annähernde) Gleichverteilung muß dabei über den in der Mes
sung erfaßten Frequenzbereich der Larmorfrequenzen der be
obachteten Spins gelten. Das relevante Meßvolumen, über wel
ches eine (annähernde) Gleichverteilung vorliegt, ist dabei
durch das im Experiment jeweils separat vermessene Probenvo
lumen gegeben. In einem konventionellen NMR-Experiment ist
dies das durch das sensitive Volumen der Empfangsspule gege
bene Volumen, bei einem kernspintomographisch aufgelösten
Verfahren das Volumen eines separat erfaßten Raum-(Voxel)
oder Bild-(Pixel) elements. Wenn die räumliche Auflösung des
Experimentes größer ist als der Modulationsabstand, ist die
zur Ausbildung einer Kohärenz der Magnetisierungen zum Zeit
punkt der Signalgebung erforderliche Bedingung der Gleich
verteilung der Magnetisierungen über den erfaßten Frequenz
bereich nicht erfüllt und die Ausbildung des zum stimulier
ten Echo analogen Signals findet nicht statt. Eine solche
beobachtbare räumliche Modulation der z-Magnetisierung kann
zum Beispiel zur Ausbildung eines Modulationsmusters im Sin
ne eines Tagging-experimentes verwendet werden, welches in
der Literatur an sich bekannt ist (siehe Magnetic Resonance
Imaging, Eds. Stark u. Bradley, Mosby Year Book, 1992,
p. 1627-28).
Da die Magnetisierung zwischen den Pulsen 1 und 2 als z-Ma
gnetisierung vorliegt und damit unempfindlich gegen Depha
sierungseffekte ist, ist eine Anwesenheit von ωdisp in die
sem Zeitintervall nicht unbedingt erforderlich.
Schließlich soll noch darauf hingewiesen werden, daß der
Zeitpunkt des Auslesens der Signale bei Verwendung von zeit
lich veränderlichen Magnetfeldern dadurch beeinflußt werden
kann, daß die Gradientenstärke während des Modulationspulses
unterschiedlich ist zu derjenigen, welche zur Signalbildung
führt. So ist es häufig vorteilhaft, zur Vermeidung von Re
laxationseffekten während der Modulationspulse möglichst
kurze Pulse zu wählen (z. B. 1-2 ms bei Verwendung des Ver
fahrens in einem Ganzkörpertomographen). Solche Pulse erzeu
gen in Abhängigkeit von der Pulsform typischerweise Modula
tionsintervalle Δω im Bereich von 1-5 kHz. Entsprechend
Gl. (3) findet die Signalbildung dementsprechend nach weniger
als 1 ms statt. Ein späteres Auslesen kann durch entspre
chende Erniedrigung bzw. Verzögerung der Anwendung des für
die Signalbildung zuständigen Gradienten erfolgen (Fig. 4b
und c).
Eine weitere deutliche Verbesserung der Signalintensität in
einem solchen Experiment läßt sich dadurch erreichen, daß
auch zur Anregung der modulierten z-Magnetisierung ein Modu
lationsimpuls verwendet wird, dessen Anregungsprofil in
Fig. 5 dargestellt ist. Dieser Puls führt sowohl positive als
auch negative z-Magnetisierung in (positive) transversale
Magnetisierung über. Unmittelbar nach diesem Puls ist also
im Idealfall sämtliche Magnetisierung als kohärentes Signal
mit der Intensität
S = M0
beobachtbar (Fig. 6a-g).
Das Schema der entsprechenden Sequenz ist in Fig. 7a gezeigt,
wobei gegenüber Fig. 4 der Ausleseimpuls 2 durch den in Fig. 5
näher dargestellten Anregungsmodulationspuls 5 ersetzt wur
de.
Ein Anregungsimpuls mit entsprechendem Anregungsprofil läßt
sich in erster Näherung ebenfalls durch Superposition von
einzelnen und um Δω gegeneinander verschobenen Pulsprofilen
erreichen. Auf Grund der Nichtlinearität der das Verhalten
eines Spinsystems beschreibenden Bloch'schen Gleichungen ist
hierfür allerdings die Verwendung verbesserter Berechnungs
verfahren, wie sie ebenfalls an sich aus der Literatur be
kannt sind, vorzuziehen.
Für die Anwendung in der Praxis ist zu beachten, daß die
verwendeten Modulationspulse eine endliche Zeitdauer aufwei
sen, welche sich aus der Bandbreite der Modulationsperiode
der Pulse ergibt. Diese endliche Pulsdauer bewirkt im allge
meinen eine Dephasierung des Spinsystems nach Beendigung des
Modulations-Anregungsimpulses. Es ist daher im allgemeinen
vorteilhaft, wenn die Signalauslesung entweder in Form eines
nachfolgenden Spin Echos (Fig. 7b) durch Anwendung eines zu
sätzlichen Refokussierungspulses 6 oder - insbesondere bei
Verwendung eines Magnetfeldgradienten G als ωdisp-Mechanis
mus - durch Gradientenumkehr in Form eines Gradientenechos
(Fig. 7c) erfolgt.
Bei Verwendung eines konstanten Magnetfeldgradienten G ent
spricht der Modulationsabstand Δω in Frequenzeinheiten einer
räumlichen Modulation entlang des Gradienten mit einer Modu
lationsweite
Sm = Δω/γG (4).
Auch andere Arten der Signalauslesung sind dem Fachmann an
sich geläufig und folgen unmittelbar aus der Tatsache, daß
die Magnetisierung nach Abfolge der Pulse 1 und 5 bezüglich
ihres weiteren Signalverhaltens so vorliegt, als wäre die
Anregung durch einen einzelnen Anregungsimpuls erfolgt.
Eine weitere Möglichkeit der Verwendung von Modulationspul
sen besteht darin, zunächst eine sinusoidal modulierte z-Ma
gnetisierung durch sukzessive Anwendung zweier 90°-Impulse
getrennt von einem Dephasierungsintervall te zu erzeugen,
wobei die Dephasierung entweder durch geeignete technische
Maßnahmen (Anwendung von Magnetfeldgradienten) oder durch
die beim Versuch vorliegenden Rahmenbedingungen (Magnetfeld
inhomogenitäten) erfolgt. Wird die Magnetisierung anschlie
ßend mit einem Modulationsimpuls gemäß Fig. 5 ausgeführt, wo
bei der Modulationsabstand einer halben Dephasierungsperiode
während der Anregungsphase entspricht, so entsteht eine mo
dulierte transversale Magnetisierung identisch zu Fig. 1g mit
einer Signalamplitude 2/π.
Es soll darauf hingewiesen werden, daß die Art der Ausfüh
rung der Modulationspulse keineswegs exakt identisch zu den
in Fig. 5 und 7 gezeigten Profilen sein muß. Es ist nicht
erforderlich, daß die Modulationspulse exakt drei Intervalle
mit negativer Amplitude aufweisen. Die Zahl ni der inver
tierten Kompartimente sollte lediglich 1 oder größer sein
und die implizite Bedingung, daß Δωb größer ist als Δω muß
erfüllt sein. Für die auf Fig. 6a-g und 7 beruhenden Verfah
ren ist es nicht einmal erforderlich, daß die rechteckige
Modulation der z-Magnetisierung periodisch ist. Auch unre
gelmäßige Modulationsmuster mit irregulärer Lage und Breite
der invertierten Anteile der z-Magnetisierung führen zu dem
gewünschten Signal, sofern dafür Sorge getragen wird, daß
das Anregungsprofil des Modulationspulses ("5" in Fig. 7a-c)
dem des z-Modulationspulses ("1" in Fig. 7a-c) entspricht,
so daß im Idealfall eine möglichst kohärente transversale
Magnetisierung entsprechend Fig. 6g) entsteht. Auch die Pha
senlage der Pulse ist frei wählbar.
Anwendungen der beschriebenen Meßsequenzen ergeben sich un
mittelbar durch Übertragung der in der Literatur beschriebe
nen Verfahren, welche auf Bildung konventioneller stimulier
ter Echos beruhen. Bei Übertragung des beschriebenen Anre
gungsmechanismus ergibt sich bei diesen Verfahren ein deut
licher Zugewinn an Signalintensität. Beispielhaft zeigt
Fig. 8 eine Implementierung des Verfahrens entsprechend
Fig. 4a-c als bildgebendes Verfahren mit Modulation der
z-Magnetisierung in Richtung des Schichtselektionsgradien
ten. Fig. 9 zeigt ein entsprechendes Verfahren unter Signal
modulation in Richtung des Lesegradienten. Rf kennzeichnet
dabei die Hochfrequenzimpulse und Signale, GS, GR und GP
entsprechen dem Schichtselektions-, Lese- und Phasenkodie
rungs-Gradienten entsprechend einer Bildaufnahme nach dem
zwei-dimensionalen Fouriertransformationsverfahren. Die je
weils grau dargestellten Gradientenimpulse veranschaulichen
die zur Signalbildung notwendigen Gradientenperioden. Eine
entsprechende Übertragung des Signalerzeugungsprinzips auf
andere Verfahren ist ohne weiteres möglich.
Im folgenden werden beispielhaft einige Anwendungen ausge
führt, bei welchen der Einsatz des erfindungsgemäßen Signal
erzeugungsprinzips besonders vorteilhaft erscheint.
Eine besonders bevorzugte Anwendung ist die Messung von Be
wegungsvorgängen. Mit dem beschriebenen Meßprinzip lassen
sich sowohl kohärente Bewegungen als auch inkohärente Bewe
gungen beobachten. Als kohärent werden hierbei solche
Bewegungen bezeichnet, bei welchen alle Spins innerhalb des
jeweils beobachteten Volumens Bewegung in dieselbe Richtung
und mit derselben Geschwindigkeit zeigen. Als beobachtetes
Volumen gilt hierbei jedes Teilvolumen innerhalb der Probe,
aus welchem ein separates NMR-Signal detektiert wird.
Damit kann dabei entweder das durch das Volumen der von der
Messung erfaßten Probe gekennzeichnet sein, bei Kombination
mit Verfahren zur kernspintomographischen Bildgebung ist je
des Bildpixel gesondert zu betrachten. Inkohärent sind damit
alle Bewegungen, bei welchen die Geschwindigkeitsvektoren
keine Kohärenz aufweisen.
Ein Verfahren zur Messung kohärenter Bewegung ergibt sich
aus der Tatsache, daß bei Verschiebung der Profile der z-mo
dulierten Magnetisierung gegenüber dem Modulationsanregungs
impuls in Fig. 6a-g eine Signalabschwächung entsprechend dem
Ausmaß der Verschiebung eintritt. Bei Verschiebung um Δω/2
tritt die in Fig. 10a-g gezeigte Situation ein, in welcher
statt des im stationären Fall auftretenden z-Modulations
echos (Fig. 6g) Signalauslöschung auftritt (Fig. 10g), da die
transversale Magnetisierung mit einem Abstand Δω/2 peri
odisch invertiert vorliegt und das Integral über Mx damit
gleich null ist. Eine solche Verschiebung wird für eine Ge
schwindigkeit
v = sm/tm
erreicht.
Eine Refokussierung tritt dann allerdings analog zu der in
Fig. 1g gezeigten Situation nach te = 1/Δω auf, die Intensität
dieses verzögerten Echos beträgt - bei ideal rechteckigen
Anregungsprofilen - wieder 2/π. Wie sich leicht zeigen läßt,
nimmt die Signalintensität als Funktion von v im Bereich von
0 < v < 2sm linear von 1 nach -1 ab, während die des verzö
gerten Echos von 0 < v < sm von 0 bis 2/π zunimmt und an
schließend wieder auf 0 abnimmt. Durch Messung der Signalin
tensität als Funktion von tm läßt sich so die Geschwindig
keit der beobachteten Kerne bestimmen.
Eine inkohärente Bewegung läßt sich als Überlagerung von
entsprechend der Geschwindigkeitsverteilung gewichteten ko
härenten Bewegungen betrachten. Bei diffusionsbedingter Be
wegung erfährt das durch den ursprünglichen Modulationspuls
präparierte Verteilungsprofil Mz(ω) der Spins entsprechend
der Diffusionsgleichung in Abhängigkeit von tm eine Durchmi
schung. Mathematisch ergibt sich das diffusionsbedingte Ver
teilungsprofil Mz(ω, tm) durch Faltung der vom Modulations
puls erzeugten modulierten z-Magnetisierung Mz(ω) mit der
Diffusionsgleichung:
Mz(ω, tm) = c Mz(ω)*exp(-x2/4Dt).(* kennzeichnet hier das
Faltungsprodukt).
Die ursprünglich erzeugte räumliche Modulation der Magneti
sierung wird daher durch Diffusion verwischt. Nach erneuter
Anregung durch einen Modulationspuls tritt damit eine Reduk
tion der erzeugten Signalamplitude gegenüber dem in
Fig. 6a-g gezeigten Fall ohne Diffusion ein (Fig. 11a-g)
Wenn die mittlere Weglänge x' der Diffusion entsprechend der
Gleichung
x' = √Dt
gleich der Breite Δω der Modulation ist, verschwindet die
Modulation völlig und die Intensität des durch einen Modula
tionspulses erzeugten Signals wird null.
Eine komplementäre Art der Diffusionsmessung verwendet als
Wiederanregung einen Puls mit einfachem rechteckigem Profil.
Findet im Evolutionsintervall keine Diffusion statt, so ist
die durch diesen Puls zunächst erzeugte Signalamplitude
gleich null, nachfolgend wird jedoch ein z-Modulationsecho
entsprechend Fig. 12a-g erzeugt. Bei Änderung der Modulation
der Magnetisierung durch Diffusion ist bereits die Amplitude
des direkt erzeugten Signals ungleich null und diejenige des
nachfolgenden z-Modulationsechos wird entsprechend redu
ziert. Das Verhältnis zwischen der Amplitude des direkt er
zeugten Signals und der des z-Modulationsechos hängt dabei
von der Diffusionskonstante sowie von der longitudinalen Re
laxationszeit T1 ab, mit welcher die modulierte Magnetisie
rung in den (nicht-modulierten) Gleichgewichtszustand zu
rückkehrt.
Die bisher beschriebenen Verfahren waren zur Messung von
Prozessen, die eine Änderung der z-Magnetisierung entlang
einer eindimensionalen Modulationsrichtung bewirken, ausge
legt. Eine Erweiterung auf zwei- oder dreidimensionale Pro
zesse ist ohne weiteres möglich. Die entsprechenden Modula
tionspulse müssen dabei lediglich auf eine 2- oder 3-dimen
sionale Modulation der Magnetisierung erweitert werden. Kon
zeptionell am einfachsten hierzu ist die Anwendung von zwei
oder drei Modulationspulsen in der oben beschriebenen Art,
welche jeweils eine Modulation in einer Raumrichtung bewir
ken.
Effizienter ist die Verwendung numerisch berechneter mehrdi
mensionaler Pulse, welche eine solche zwei- oder dreidimen
sional modulierte Magnetisierung erzeugen. Die diffusionsbe
dingten Signalveränderungen lassen sich dann analog zum oben
beschriebenen Fall der eindimensionalen Diffusion bei be
kanntem Modulationsmuster für jede Raumrichtung gesondert
berechnen.
Sowohl in der analytischen NMR-Spektroskopie als auch bei
in-vivo-Anwendungen (MRS = magnetic resonance spectroscopy wie
MRI = magnetic resonance imaging) sind in der Literatur eine
große Anzahl von Experimenten bekannt, welche auf der Anwen
dung stimulierter Echos beruhen. Diese Experimente können
unter Verwendung des oben beschriebenen Prinzips der Bildung
von z-modulierter Magnetisierung vom Fachmann ohne weiteres
in ein Experiment gemäß der Erfindung umgewandelt werden.
Die z-Modulation muß hierbei nicht notwendigerweise im Sinne
einer räumlichen Modulation der Magnetisierung durch Magnet
feldgradienten (oder die technisch bedingte Feldinhomogeni
tät) erfolgen. Eine Modulation der Magnetisierung kann auch
z. B. auf Grund der Verteilung von Kernen unterschiedlicher
chemischer Verschiebung wie z. B. in einem durch Anisotropie
des Magnetfeldtensors verbreiterten Spektrum eines Fest
stoffpulvers erfolgen. Durch ein Experiment im Sinne der Er
findung läßt sich dann z. B. die Zeitkonstante der Umorien
tierung der anisotropen Moleküle bestimmen.
Auch intrinsische mikroskopische Feldgradienten etwa in der
Umgebung molekular verteilter magnetischer Partikel können
im Sinne des erfindungsgemäßen Verfahrens genutzt werden.
Solche intrinsischen Gradienten treten etwa in der Umgebung
von SPIO (= superparamagnetic iron oxide)-Partikeln, die in
der medizinischen Anwendung zunehmend Verbreitung finden,
auf. Auch natürliche Substanzen wie etwa Deoxyhaemoglobin
besitzen ein starkes magnetisches Moment, welches zu einem
intrinsischen Feldgradienten führt. Die Durchführung des er
findungsgemäßen Verfahrens erfolgt dann so, daß eine Modula
tion innerhalb des durch die intrinsischen Feldgradienten
bestimmten Bereichs der Larmorfrequenzen erreicht wird.
Claims (8)
1. Verfahren der magnetischen Kernresonanz (NMR), bei wel
chem eine in einem äußeren Magnetfeld befindliche Menge
von magnetischen Kernen unterschiedlicher Larmorfrequen
zen, wobei die Unterschiede der Larmorfrequenzen entwe
der über die Art der Kerne oder die Inhomogenität des
verwendeten Magnetfeldes vorgegeben ist oder durch Ein
wirkung eines zusätzlichen Magnetfeldgradienten bewirkt
wird, einer Folge von mindestens zwei Hochfrequenzim
pulssequenzen im zeitlichen Abstand tm unterworfen wird,
wobei die erste Hochfrequenzimpulssequenz die Erzeugung
einer bezüglich der Verteilung der Larmorfrequenzen pe
riodischen Modulation der z-Magnetisierungen mit einem
Modulationsabstand 2Δω bewirkt und die zweite Hochfre
quenzimpulssequenz diese periodisch modulierten z-Magne
tisierungen in transversale Magnetisierung überführt,
welche zur Signalgebung führt,
dadurch gekennzeichnet,
daß mindestens eine der verwendeten Hochfrequenzimpuls
sequenzen ein periodisch rechteckiges Anregungsprofil
mit einem Modulationsabstand 2Δω besitzt, so daß nach
einer Zeit, welche bestimmt ist durch den Modulationsab
stand 2Δω eine zumindest teilweise Kohärenz der trans
versalen Magnetisierung und damit ein meßbares NMR-Si
gnal entsteht.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
beide verwendeten Hochfrequenzimpulssequenzen ein recht
eckiges Anregungsprofil mit einem Modulationsabstand 2Δω
aufweisen, wobei die Lage der beiden Anregungsprofile
bezüglich der Frequenzachse übereinstimmt, so daß unmit
telbar nach Anwendung des zweiten Modulationspulses eine
Kohärenz der beobachteten transversalen Magnetisierung
auftritt.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß
beide verwendeten Hochfrequenzimpulssequenzen ein recht
eckiges Anregungsprofil mit einem Modulationsabstand 2Δω
aufweisen, wobei die Lage der Anregungsprofile der bei
den Hochfrequenzimpulssequenzen um Δω/2 gegeneinander
verschoben ist, so daß für stationäre Spins keine be
obachtbare transversale Magnetisierung erzeugt wird,
wohl aber für Spins, welche sich zwischen den beiden Mo
dulationspulsen in ihrer Lage verschieben.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, da
durch gekennzeichnet, daß die Verteilung der Larmorfre
quenzen durch lokale Feldinhomogenitäten als Folge der
Beschaffenheit der Probe bewirkt wird, und der Modulati
onsabstand 2Δω sowie die zeitliche Abfolge der Hochfre
quenzimpulse und ihr Abstand tm so gewählt werden, daß
die durch Diffusion bewirkte Ortsveränderung der einzel
nen Spins die räumliche Verteilung der Modulation der
z-Magnetisierung und damit die Amplitude des durch die
zweite Hochfrequenzimpulssequenz erzeugten Signals so
verändert wird, daß über die Veränderung der Signalin
tensität als Funktion von tm und Δω eine Messung von Art
und Geschwindigkeit der für die Änderung der einzelnen
Spins verantwortlichen Transportvorgänge erfolgen kann.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß
eine Verteilung der Larmorfrequenzen durch Anlegen eines
zeitlich befristeten und veränderlichen Magnetfeldgradi
enten erfolgt.
6. Verfahren nach Anspruch 5, dadurch gekennzeichnet, daß
der Modulationsabstand 2Δω so gewählt wird, daß er in
der Größenordnung der mittleren Diffusionsweglänge im
Zeitintervall tm liegt, so daß durch die Attenuierung
des durch die zweite Hochfrequenzimpulssequenz bewirkten
Signals eine Messung der Diffusionskonstante der die ma
gnetischen Kerne tragenden Moleküle erfolgen kann.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch ge
kennzeichnet, daß die Verteilung der Larmorfrequenzen
durch die Orientierungsverteilung von Molekülen mit
räumlich anisotropem magnetischen Moment gegeben ist.
8. Verfahren nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß
der Modulationsabstand 2Δω sowie die zeitliche Abfolge
der Hochfrequenzimpulssequenzen und ihr Abstand tm so
gewählt werden, daß die ursprüngliche Modulation der
z-Magnetisierung durch Umorientierung der Moleküle im
Zeitintervall tm verändert wird.
Priority Applications (3)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
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