DE19741254C2 - Verfahren und Vorrichtung zum Füllen von Gebinden - Google Patents
Verfahren und Vorrichtung zum Füllen von GebindenInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Füllen von Gebinden
sowie eine Vorrichtung zur Durchführung dieses Verfahrens.
Kohlensäurehaltige Getränke, wie Bier, halten ihr CO2 nur dann
in Lösung, wenn der über der Flüssigkeit liegende Partialdruck
des Gases CO2 mindestens so hoch ist wie der Sättigungsdruck
in der Flüssigkeit. Liegt der Gasdruck über der Flüssigkeit
unterhalb des Sättigungsdruckes, so verliert die Flüssigkeit
CO2, liegt der Gasdruck aber wesentlich darüber, besteht die
Gefahr, daß zusätzliches CO2 in Lösung geht. Die Gasaufnahme
ist hierbei abhängig von dem Differenzdruck zwischen dem
Sättigungsdruck in der Flüssigkeit und dem Partialdruck über
der Flüssigkeit, der für den Gasaustausch zur Verfügung
stehenden Zeit, die in der Regel mit der Füllzeit des Gebindes
gleichzusetzen ist, und der Größe der Gasaustauschfläche, also
der Flüssigkeitsoberfläche. Aufgrund der während des Füll
vorganges auftretenden Turbulenzen in der Flüssigkeit ist die
Gefahr einer Gasaufnahme während des Füllens erheblich
vergrößert. Der Gasaustausch zwischen Flüssigkeit und der
überlagerten Gasatmosphäre betrifft jedoch nicht nur das CO2,
sondern auch andere in der Gasatmosphäre vorhandene Gase,
insbesondere Sauerstoff, der nach den gleichen Gesetzen von
der Flüssigkeit aufgenommen wird. Sauerstoff ist aber bei
Flüssigkeiten, die durch Mikroorganismen geschädigt werden
können oder deren Haltbarkeit durch Oxidation von Flüssig
keitsbestandteilen gefährdet ist, ein wesentlicher Faktor für
die Qualität des Produktes.
Um das Produkt durch ein Ventil in das Gebinde, sei es eine
Flasche oder ein Faß, zu bekommen, ist ein Differenzdruck
zwischen Zuleitung und Gebindeinnerem notwendig. Die Größe des
Differenzdrucks bestimmt die Einströmgeschwindigkeit des
Produktes. Üblicherweise wird das Produkt zur Vermeidung von
Oberflächenvergrößerungen durch Turbulenzen mit anfänglich
niedriger Geschwindigkeit gefüllt, die dann langsam gesteigert
wird. Hierzu wird das Gebinde mit einem Gasdruck vorgespannt,
der erheblich über dem Sättigungsdruck des in der Flüssigkeit
gelösten Gases liegt. Die abzufüllende Flüssigkeit selbst wird
durch Tanks oder Pumpen ebenfalls auf diesem Druckniveau
gehalten und der Füllmaschine zugeführt. Nach dem Vorspannen
des Gebindes auf den Druck der zugeführten Flüssigkeit wird
eine Verbindung zwischen Gebinde und Zuleitung des Füllgutes
hergestellt. Durch kontrolliertes Ablassen des im Gebinde
vorhandenen Vorspanngases wird das Einfließen des Füllgutes
in das Gebinde ermöglicht. Hierbei bestimmt der sich auf
bauende Differenzdruck die Fließgeschwindigkeit der Flüssig
keit. Es ist ferner bekannt, daß gegen Ende der Befüllung der
Gasaustritt gedrosselt wird und dadurch der Differenzdruck
zwischen Gebindeinnerem und Zuleitung abnimmt. Dies bewirkt
gegen Ende des Füllvorgangs eine Reduzierung der Einfüllmenge
pro Zeiteinheit, wodurch ein genaues Abschalten bei Erreichen
einer Sollmenge ermöglicht wird. Dieses bekannte Verfahren
wird als "Rückgasregelung" bezeichnet. Der Vorteil dieser
Regelung liegt darin, daß der Gasdruck über der Flüssigkeit
zu jeder Zeit über dem Sättigungsdruck des Produktes liegt.
Der einzustellende Vorspanndruck wird durch Erfahrung
ermittelt. Am Anfang der Befüllung soll das Produkt durch
Turbulenzen, die lokale Unterdrücke zur Folge haben, CO2
verlieren. Dadurch entsteht ein gewollter künstlicher Schaum
auf der Flüssigkeitsoberfläche, dessen Blasen ausschließlich
das freigewordene CO2 enthalten und somit das Produkt vor
Kontakt mit der darüberliegenden sauerstoffhaltigen Gas
atmosphäre schützen. Während des weiteren Füllvorgangs
verschwinden die Turbulenzen und damit die lokalen Unter
drücke. Das Produkt nimmt während der restlichen Füllzeit
wieder CO2 auf. Die Kunst besteht also darin, abhängig von
CO2-Gehalt, Temperatur, Gebindegröße und kalkulierter Füllzeit
ein Gleichgewicht zwischen CO2-Verlust und -Wiederaufnahme zu
erreichen.
Abgesehen davon, daß das Gebinde bei der Rückgasregelung weit
über den Sättigungsdruck vorgespannt werden muß und das
Ablassen zum Erreichen einer kontrollierten Füllgeschwindig
keit gesteuert vorgenommen werden muß, ist die Reduzierung der
Füllgeschwindigkeit im letzten Füllabschnitt problematisch.
Bei konstantem Zulaufdruck der Flüssigkeit kann die Fließ
geschwindigkeit nur reduziert werden, wenn der Differenzdruck
verringert wird. Bei den bekannten Verfahren wird hierzu der
Gasaustritt gedrosselt (bzw. im Extremfall unterbunden) und
abgewartet, bis der steigende Füllstand durch Kompression des
im Gebinde vorhandenen restlichen Gasvolumens eine Erhöhung
des Gegendrucks auf den gewünschten Wert erreicht hat. Dieser
Zeitraum kann insbesondere bei Bierfässern erheblich sein. So
hat ein 50 l-Keg üblicherweise einen Zulaufquerschnitt DN21
und eine maximale Einfüllgeschwindigkeit von 2,5 l/sec bei
einem Differenzdruck von 0,8 bar. Ist das Keg mit 35 l
gefüllt, so müssen zur Reduktion der Geschwindigkeit 15 l
Gasraum um 0,7 bar komprimiert werden. Hierfür werden 15 × 0,7
= 10,5 l Flüssigkeit und aufgrund der sich reduzierenden
Füllgeschwindigkeit ca. 8 Sekunden Füllzeit benötigt. Eine
schnelle, genaue Regelung ist, insbesondere bei möglicherweise
schwankenden Zulaufdrücken, also nicht möglich. Noch kriti
scher ist die Situation, wenn in dem Produkt nicht nur ein Gas
(beispielsweise CO2), sondern zwei Gase (beispielsweise CO2
und N2) bewußt gelöst sind. N2 wird heutzutage deshalb dem
Bier zugesetzt, weil es schaumstabilisierend wirkt. Bestes
Beispiel dafür ist Stout-Bier, dessen cremiger, lang an
haltender Schaum durch das gelöste, beim Zapfen freiwerdende
N2 verursacht wird. N2 und CO2 haben jedoch völlig verschiedene
Löslichkeiten und Sättigungsdruckkurven. Während CO2 leicht in
Lösung geht und nur schwer aus der Lösung zu bringen ist, ist
es äußerst schwierig, N2 überhaupt in Lösung zu bringen und
schon bei geringsten Turbulenzen sehr einfach, N2 wieder zu
entfernen. Die Balance zwischen Entgasen bei Füllbeginn und
Wiederaufnahme des verlorenen Gases während der Füllung ist
bei 2-Gas-Systemen nahezu nicht zu finden. Die Qualität des
abzufüllenden Produktes ist daher schwankend. Es wird
versucht, dies dadurch zu kompensieren, daß das Verhältnis der
Gasatmosphäre CO2 zu N2 anders gehalten wird als der Anteil
der gelösten Gase. Dieser Kompromiß ist jedoch immer nur für
eine Temperatur oder eine Gebindegröße und jeweils nur für
einen Produktzufuhrdruck gültig. Eine regelungstechnische
Beherrschung dieser vielen Faktoren und ihrer Toleranzen ist
unmöglich.
Ein weiterer Nachteil der Rückgasregelung liegt darin, daß das
Gebinde weit über den Sättigungsdruck hinaus mit Gas, in der
Regel CO2, vorgespannt werden muß, um eine Druckabsenkung zu
erreichen, die auch während des maximalen Absenkens des
Innendrucks beim Füllprozeß immer noch über dem Sättigungs
druck des Gases liegt. Da das Gas anschließend in die
Atmosphäre entlassen wird, ist neben dem Energiekonsum auch
ein erhöhter Verbrauch des Treibhausgases CO2 die Folge.
Ferner wird das Bedienungspersonal durch den hohen CO2-Ausstoß
belastet.
Aus der DE 32 09 166 A1 ist ein gattungsgemäßes Verfahren
bekannt, bei dem die Befüllung der Kegs mit nach unten
gekehrter Anschlußarmatur erfolgt, wobei die Flüssigkeit durch
das Kohlensäureventil der Anschlußarmatur einströmt und das
verdrängte Gas durch den Stechdegen abgeführt wird. Läuft das
Bier schließlich über den oberen Rand des Steigrohres, ist das
Faß vollgefüllt. Um eine verwirbelungs- und schaumarme sowie
vor allem dauerhaft messgenaue Einfüllung von Bier in die Kegs
zu ermöglichen ist gemäß (1) vorgesehen, das Füllen in drei
Phasen durchzuführen, wobei in einer Anlaufphase ein erstes
vorbestimmtes Flüssigkeitsvolumen abgemessen und langsam in
das Keg eingeführt wird, in der nachfolgenden Schnellfüllphase
ein zweites vorbestimmtes Flüssigkeitsvolumen abgemessen und
schnell in das Keg eingeführt wird und wobei in der ab
schließenden Vollfüllphase ein drittes vorbestimmtes Flüssig
keitsvolumen abgemessen und langsam in das Keg eingeführt
wird. Die jeweils in das Keg eingefüllten Flüssigkeitsvolumina
werden über einen induktiven Messwertgeber an der Flüssig
keitsleitung erfaßt und an eine Auswert- und Schaltelektronik
weitergeleitet, innerhalb der die Messspannung digitalisiert
und einem in "Liter" geeichten Messwertanzeiger für das
Gesamtvolumen des Kegs zugeleitet wird. Die für die einzelnen
Füllphasen gewünschten Volumina können über einen Sollwertein
steller vorgegeben werden. Um die unterschiedlichen Füll
volumina in den einzelnen Füllphasen zu erreichen, wird in der
Schnellfüllphase eine weitere Fülleitung zugeleitet. Grundlage
des bekannten Verfahrens ist das Vorsehen von zwei parame
trierbaren Volumengrenzwerten, bei deren Erreichen zwischen
einer großen und einer kleineren Fülleitung umgeschaltet
werden kann. Die Durchflußgeschwindigkeit in der Produkt
zuführleitung wird nicht geregelt.
Aus der DE-AS 12 84 863 ist ein Verfahren zum Füllen von
Transportbehältern mit einer kohlensäurehaltigen, unter Druck
stehenden Flüssigkeit bekannt, wobei der Transportbehälter vor
dem Füllen etwa auf den Druck des Druckvorratsbehälters
gebracht wird. Der Fülldruck kann hierbei dadurch erreicht
werden, dass der Vorratsbehälter höher steht, so dass die
Flüssigkeit durch ihr eigenes Gewicht in den zu füllenden
Behälter abfließt. Hierbei muss der Produktdruck immer über
dem Sättigungsdruck des Produktes liegen, da neben der
Vermeidung einer Entkarbonisierung die sich während des
Befüllens im System ergebenden Strömungs- und Reibungsverluste
sowie Druckabfall kompensiert werden müssen, ohne dass der
Produktdruck irgendwann unter den Sättigungsdruck abfällt.
Dementsprechend liegt bei einer in der DE-AS 12 84 863 näher
beschriebenen Ausführungsform der Vorspanndruck des Trans
portbehälters auch bei etwa 2 bis 5 atü (3 bis 6 bar) und
somit um einiges über dem Sättigungsdruck von CO2 in Bier. Es
ist ferner beschrieben, noch eine zusätzliche Pumpe vor
zusehen, durch die die Flüssigkeit in den Transportbehälter
hineingedrückt wird, doch ist diese Pumpe nicht geregelt, so
dass eine kontrollierte Variation der Füllgeschwindigkeit in
Abhängigkeit von der Füllstandshöhe im Keg nicht möglich ist.
Aufgabe der Erfindung ist es daher, eine schonende Füllung zu
ermöglichen und den Verbrauch an Vorspanngas zu reduzieren.
Diese Aufgabe wird mit der Erfindung durch die
Merkmale des Anspruchs 1 bzw. des Anspruchs 7 gelöst.
Im Gegensatz zum Stand der Technik wird das anfangs langsame
Einströmen des Produktes und die Steigerung der Fließ
geschwindigkeit zum Ende der Füllung nicht mehr indirekt durch
Modulierung des Keginnendrucks geregelt, sondern es erfolgt
eine direkte Regelung des Produkt-Volumenstroms.
Ein wesentlicher Vorteil dieses neuen Verfahrens besteht
darin, daß auf die bisher notwendige Installation von
Produktdrucksensoren völlig verzichtet werden kann, da diese
Drücke für die Erzeugung der Fließgeschwindigkeit nicht mehr
bestimmend sind. Hierdurch werden der Einsatz dieser hochge
nauen und empfindlichen Sensoren sowie deren meßtechnischer
Kalibrierabgleich nicht mehr erforderlich.
In einem mit Gegendruckgas befüllten Behälter kann nur sehr
träge auf Produktdruckschwankungen reagiert werden, indem der
Druck des relativ großen Gasvolumens durch Sperren oder
Freigeben des Gasauslasses erhöht bzw. erniedrigt wird. Die
Druckänderung hängt von dem langsam ansteigenden Produktniveau
im Gebinde ab. Bei der vorliegenden Erfindung läßt sich
hingegen trotz sich ändernder Produkt- oder Gasgegendrücke
durch Veränderung des Durchflußquerschnittes die Durchfluß
geschwindigkeit des Produktes in das Keg hinein stabil auf dem
vorgegebenen gewünschten Wert halten.
Das in das heiße Keg einströmende erste, kalte Produkt bringt
Restmengen atmosphärischen Sterildampfes im Gebinde zur
plötzlichen Kondensation. Die bisher angewendeten druckmodu
lierenden Verfahren konnten diesen Druckzusammenbruch nicht
schnell genug ausregeln. Das neue Verfahren löst diese Aufgabe
ohne Schwierigkeiten und ein kontrolliertes langsames
Anströmen des Produktes, Voraussetzung einer schonenden
Abfüllung, ist gewährleistet.
In Weiterbildung der Erfindung können in einer Datenver
arbeitungseinheit unterschiedliche Füllkurven hinterlegt
werden, die bestimmten Gebindegrößen, Fittingarten, unter
schiedlichen Produkttemperaturen und/oder bestimmten Treibgas
anteilen Rechnung tragen. Die Gestaltung dieser Kurven
geschieht durch Algorithmen, die errechnet oder empirisch
gewonnen werden und den erwähnten Gebindekomponenten oder
Produktzuständen entsprechende Fließgeschwindigkeiten
automatisch zuordnen. Neue Produkt-Gebindekonstellationen
können damit in diesem System selbstlernend optimierte
Füllprofile gestalten und abarbeiten. Die Füllkurven werden
als Sollwerte der Regelung des Produktvolumenstroms zu
grundegelegt.
Bei einer bevorzugten Ausgestaltung dieses Erfindungsgedankens
können die Füllkurven, bspw. mit graphisch interaktiven
Systemen, während der Produktion graphisch verändert und
angepaßt werden.
Das Gas im Gebindeinneren kann dann über ein einfaches
Überströmventil durch das einströmende Produkt herausgedrückt
werden. Die bisher üblichen teuren regelungstechnischen
Apparate sind hierfür nicht mehr notwendig. Bei Flüssigkeiten
mit mehreren gelösten Gasen kann die optimale Gaszusammenset
zung innerhalb des Gebindes eingestellt werden, da während des
Füllvorgangs über die gesamte Zeit ein gleicher Druck im
Gebindeinneren herrscht. Bei der herkömmlichen Rückgasregelung
hatten die wechselnden Drücke im Gebindeinneren während des
Füllvorgangs in den unterschiedlichen Füllphasen unter
schiedliche Gasaustauschverhalten und damit eine Beeinflussung
der Produktqualität zur Folge. Dies ist durch die Erfindung
vollständig behoben.
Gemäß einer bevorzugten Weiterbildung der Erfindung wird der
Vorspanndruck innerhalb des Gebindes entsprechend dem
Sättigungsdruck nach der Befüllung eingestellt. Hintergrund
dieses Erfindungsgedankens ist die Tatsache, daß Bierkegs vor
der Befüllung zur Sterilisation gedämpft werden und das kalte
Produkt in das noch heiße Gebinde eingefüllt wird. Hierbei
werden in ca. 12 kg Metall einer Temperatur von 100°C 50 l
Bier einer Temperatur von ca. 3°C eingefüllt. Es stellt sich
eine Misch- und Ausgleichstemperatur ein, die die Temperatur
des Produktes im Gebinde um ca. 4°C gegenüber der Zufuhr
temperatur erhöht. Dies verändert selbstverständlich die
Sättigungsdrücke der gelösten Gase, so daß erfindungsgemäß der
einzustellende Wert demjenigen des Produktes im abgefüllten
Gebinde entsprechen muß. Diese Frage hat sich in der Vergan
genheit nie gestellt, weil der Gegendruck stets erheblich über
dem Sättigungsdruck gelegen hat.
Eine Vorrichtung zur Durchführung des oben beschriebenen
Verfahrens weist erfindungsgemäß die Merkmale des Anspruchs
7 auf.
Hierdurch kann der Volumenstrom an jeder Füllstation in
Abhängigkeit von der Füllmenge oder Füllhöhe völlig unabhängig
vom Zufuhrdruck des einzufüllenden Produktes und unabhängig
von den an der Füllmaschine ggf. vorgesehenen anderen
Füllstationen individuell eingestellt werden. In vielen Fällen
ergibt sich außerdem eine Vereinfachung der den Füllmaschinen
üblicherweise vorgeschalteten Drucktanks und deren Regelung,
da diese ebenfalls ohne Produktbeeinflussung auf das optimale
Gasgemisch entsprechend der Verhältnisse bei Sättigungsdruck
eingestellt werden können. Der Produktvolumenstrom wird durch
einen Regler auf der Basis der von dem Strömungsmesser
ermittelten Durchflußgeschwindigkeit als Istwert und einer
vorzugsweise auf die Gebindegröße, Fittingart, Produkt
temperatur und/oder Treibgasanteile des Produktes abgestimm
ten, in einer Datenverarbeitungseinheit gespeicherten
Füllkurve als Sollwert geregelt. Hierzu ist der Blendenquer
schnitt erfindungsgemäß stufenlos veränderbar.
Gemäß einer bevorzugten Ausgestaltung der Erfindung ist in der
Rückgasleitung ein Überströmventil vorgesehen, über das das
Rückgas abgeführt wird.
Weiterbildungen, Vorteile und Anwendungsmöglichkeiten der
Erfindung ergeben sich auch aus der nachfolgenden Beschreibung
eines Ausführungsbeispiels und der Zeichnung.
Es zeigt:
Fig. 1 eine schematische Darstellung einer Füllstation
gemäß der Erfindung,
Fig. 2 schematisch die Einflußgrößen für die Festlegung der
Füllkurven und
Fig. 3a, b eine Gegenüberstellung der herkömmlichen Rückgas
regelung und der erfindungsgemäßen Regelung.
Die in Fig. 1 dargestellte Füllstation 30 baut auf dem in der
Stammanmeldung 197 18 130.9 beschriebenen Prinzip des
niedrigen Gasgegendrucks im zu belüftenden Gebinde auf. Die
Füllstation 30 besteht im wesentlichen aus einem Füllventil
2, dem über eine Zufuhrleitung 3 eine Flüssigkeit, wie Bier,
in der Gase gelöst sind, zugeführt wird. Auf das Füllventil
2 ist ein Gebinde, insbesondere ein Keg 4 aufgesetzt, das mit
der Produktflüssigkeit gefüllt werden soll.
In der Zufuhrleitung 3 ist ein der einzelnen Füllstation 1
zugeordneter Strömungsmesser 31 zur Ermittlung der Durchfluß
geschwindigkeit des Produktes durch den Leitungsabschnitt 8
und eine stufenlos regelbare Blende 32, bspw. ein Membran
regelventil, vorgesehen. Der vor oder hinter der Blende 32
angeordnete Strömungsmesser 31 liefert die gewonnenen Daten
des Produktdurchflusses an eine Istwert-Verarbeitung 33, die
die aktuelle Durchflußmenge(-geschwindigkeit) als Ist-Wert an
eine Regeleinrichtung (34) weitergibt.
In dem Keg 4 ist ein Steigrohr 9 vorgesehen, das mit einer
Rückgasleitung 10 des Füllventils 2 verbunden ist. Die
Rückgasleitung 10 führt zu einem Überströmventil 11, über das
der Zugang zu einem Rückgasauslaß 12 gesteuert wird. An die
Rückgasleitung 10 ist außerdem eine Vorspanngasleitung 13
angeschlossen, die über ein Ventil 14 absperrbar ist.
Zum Füllen des Gebindes 4 wird dieses zunächst über die
Vorspanngasleitung 13 und die Rückgasleitung 10 mit einem
Vorspanngas, insbesondere CO2, vorgespannt. Bei bestimmten
Flüssigkeiten, beispielsweise Stout-Bier kann das Vorspanngas
auch eine Zusammensetzung mehrerer Gase, wie CO2 und N2 sein.
Der Vorspanndruck im Keg 4 liegt hierbei lediglich auf einem
etwa dem Sättigungsdruck des CO2 (oder N2) im Bier ent
sprechenden Partialdruck oder leicht darüber (bspw. 1,4 bar),
der unterhalb des vor dem Füllventil 2 anliegenden Produkt
druckes (bspw. 2,5 bar) in dem Leitungsabschnitt 8 der
Zufuhrleitung 3 liegt. Der Gegendruck des Vorspanngases im Keg
4 entspricht dem Sättigungsdruck des gelösten Gases nach
Füllen des Kegs 4, d. h. im abgefüllten Gebinde. Hierbei wird
berücksichtigt, daß sich das mit einer Temperatur von etwa 3°C
eingefüllte Bier in dem üblicherweise vor dem Füllen gedämpf
ten und daher etwa 100°C heißen Keg 4 um ca. 4°C erwärmt. Die
hierdurch bewirkte Änderung des Sättigungsdruckes wird bei der
Einstellung des ursprünglichen Vorspanndruckes bereits
berücksichtigt.
Beim Füllen vergleicht die Regeleinrichtung 33 den von dem
Strömungsmesser 31 gelieferten Istwert ständig mit einem durch
eine auf die Gebindegröße, Fittingart, Produkttemperatur,
Treibgasanteil oder dgl. Parameter abgestimmten in einer
Datenverarbeitungseinheit hinterlegten Füllkurve festgelegten
Sollwert und ändert ggf. die Durchflußmenge. Zu diesem Zweck
kommt die stufenlos veränderbare Blende 32 zum Einsatz, deren
Querschnitt durch einen Linearantrieb (Stellgröße: Hub) derart
variiert werden kann, daß zu jeder Zeit eine vorgegebene
Durchflußgeschwindigkeit (Regelgröße) erzeugt werden kann.
Hierdurch können auch übliche Druckschwankungen in den
Produktleitungen oder dem Gasraum ausgeglichen und durch die
sehr kurze Regelstrecke ohne Zeitverzögerung kompensiert
werden. In Verbindung mit einem konstant am Sättigungsdruck
gehaltenen Gegendruck können ohne weitere Beeinflussung des
Produktinnendruckes in der zuführenden Leitung mit großer
Präzision vorgegebene Füllkurven nachgefahren werden.
Die Einflußgrößen für die Festlegung der Füllkurven sind in
Fig. 2 dargestellt. Zusätzlich zu dem über errechnete oder
empirisch ermittelten Algorithmen festgelegten und in der
Datenverarbeitungseinheit hinterlegten Füllkurven, können bei
neuen Produkt-/Gebindekonstellationen selbstlernend optimierte
Füllprofile gestaltet und abgearbeitet werden. Es kann auch
vorgesehen sein, die Füllkurven auf graphisch interaktiven
Systemen während des Produktionsablaufes zu verändern.
Die Fig. 3a, b zeigen eine Gegenüberstellung der herkömmlichen
"Rückgasregelung" und der erfindungsgemäßen Regelung. Während
die indirekte Druckregelung immer gegenläufig zur Fließ
geschwindigkeit erfolgt, wobei sich an den Kreuzungspunkten
erhebliche Regelungsprobleme ergeben, verlaufen bei der
erfindungsgemäßen direkten Regelung Strömungsquerschnitt
(Volumenstrom) und Fließgeschwindigkeit parallel. Auf
Druckveränderungen kann sehr schnell reagiert werden.
Wird nach Schließen des Vorspanngasventils 14 das Füllventil
2 geöffnet, so tritt zunächst nur eine kleine Produktmenge
ein. Ein Einspritzen des Produktes wird trotz des Druckunter
schiedes dadurch vermieden, daß die Zufuhrmenge gezielt
reduziert wird. Dann wird die Füllgeschwindigkeit langsam
gesteigert, um keine übergroßen Turbulenzen zu verursachen.
Das aus der Zufuhrleitung 8 durch den Ringspalt 15 im
Füllventil 2 in das Keg 4 hineingeförderte Bier drückt das im
Keg 4 enthaltene Vorspanngas durch das Steigrohr 9 aus dem Keg
4 heraus. Das Vorspanngas entweicht über das Überströmventil
11 in den Rückgasauslaß 12. Der durch das Überströmventil 11
festgelegte Rückgasdruck beträgt bspw. konstant 1,5 bar.
Wesentlicher Gesichtspunkt der Erfindung ist, daß die
Vorspannung im Keg 4 lediglich auf eine etwa dem Sättigungs
druck des CO2 (oder N2) im Bier entsprechenden Partialdruck
eingestellt werden muß und somit weit unter dem herkömmlicher
weise eingestellten Vorspanndruck liegt. Über die jeder
einzelnen Füllstation 30 zugeordnete Regelungseinheit 31-39
ist es möglich, die Füllgeschwindigkeit im Keg 4 verzögerungs
frei zu steuern, so daß eine Befüllung mit bisher unerreich
barer Produktschonung ermöglicht wird. Eine Schädigung durch
ungewollten Verlust oder Aufnahme von CO2 oder die Aufnahme
von Sauerstoff aus dem Vorspanngas wird vermieden und die
Produktqualität bei um 40% reduziertem Vorspanngasverbrauch
wesentlich verbessert.
2
Füllventil
3
Zufuhrleitung
4
Keg
8
Leitungsabschnitt
9
Steigrohr
10
Rückgasleitung
11
Überströmventil
12
Rückgasauslaß
13
Vorspannleitung
14
Ventil
15
Ringspalt
30
Füllstation
31
Strömungsmesser
32
Blende
33
Istwert-Verarbeitung
34
Regler
Claims (10)
1. Verfahren zum Füllen von Gebinden (4), insbesondere Kegs,
mit Flüssigkeiten, in denen wenigstens ein Gas gelöst ist,
wobei das Gebinde (4) vor dem Einfüllen der Flüssigkeit mit
einem Vorspanngas vorgespannt wird, dann dem Gebinde (4) über
ein an eine Zufuhrleitung (3, 8) angeschlossenes Füllventil
(2) einer Füllstation (30) Flüssigkeit zugeführt und während
des Füllvorgangs das im Gebinde (4) enthaltene Vorspanngas
abgeführt wird, wobei das Vorspanngas im Gebinde (4) lediglich
auf einen etwa dem Sättigungsdruck eines der in der abgefüll
ten Flüssigkeit gelösten Gase, insbesondere CO2 oder N2,
entsprechenden Partialdruck vorgespannt wird, und wobei die
Durchflußgeschwindigkeit in der Produktzufuhrleitung als
Istwert gemessen und durch eine stufenlose Anpassung des
Produktvolumenstroms als Sollwert geregelt wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
die Durchflußgeschwindigkeit in der Zufuhrleitung (8) auf der
Basis einer vorher festgelegten, in einer Datenverarbeitungs
einheit gespeicherten Füllkurve geregelt wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß
für unterschiedliche Gebindegrößen, Fittingarten, Produkt
temperaturen und/oder Treibgasanteile des Produktes ent
sprechende Füllkurven bestimmt und in der Datenverarbeitungs
einheit hinterlegt werden.
4. Verfahren nach Anspruch 2 oder 3, dadurch gekennzeichnet,
daß die Füllkurven bspw. mit Hilfe von graphisch interaktiven
Systemen während der laufenden Produktion anpaßbar sind.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch
gekennzeichnet, daß das in dem Gebinde (4) vorgesehene
Vorspanngas durch das einströmende Produkt aus dem Gebinde (4)
herausgedrückt wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch
gekennzeichnet, daß der Vorspanndruck in dem Gebinde (4) so
eingestellt wird, daß er etwa dem Sättigungsdruck des gelösten
Gases in dem gefüllten Gebinde (4) entspricht.
7. Vorrichtung zur Durchführung eines Verfahrens nach einem
der Ansprüche 1 bis 6 mit einer Füllstation (30) mit einer
Zufuhrleitung (3, 8), über die in ein auf der Füllstation (30)
vorgesehenes Gebinde (4) einzufüllende Produktflüssigkeit
zugeführt wird, und mit einer Rückgasleitung (10), über die
aus dem Gebinde (4) entweichendes Vorspanngas abgeführt wird,
wobei an der Füllstation (30) ein Strömungsmesser (31) zur
Ermittlung der Durchflußgeschwindigkeit in der Zufuhrleitung
(8) der Füllstation (20) und eine regelbare Blende (32) zur
Anpassung des Produktvolumenstroms vorgesehen sind, gekenn
zeichnet durch einen Regler (34), der das Öffnen und Schließen
der Blende (32) auf der Basis der von dem Strömungsmesser (31)
ermittelten Durchflußgeschwindigkeit als Istwert und einer in
einer Datenverarbeitungseinheit hinterlegten Füllkurve als
Sollwert stufenlos regelt.
8. Vorrichtung nach Anspruch 7, dadurch gekennzeichnet, daß
in der Datenverarbeitungseinheit eine Vielzahl von Füllkurven
für unterschiedliche Gebindegrößen, Fittingarten, Produkt
temperaturen und/oder Treibgasanteile des Produktes hinterlegt
sind.
9. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 oder 8, dadurch
gekennzeichnet, daß die Blende (32) ein Membranregelventil
ist.
10. Vorrichtung nach einem der Ansprüche 7 bis 9, dadurch
gekennzeichnet, daß in der Rückgasleitung (10) ein Über
strömventil (11) vorgesehen ist, über das das Rückgas
abgeführt wird.
Priority Applications (12)
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|---|---|---|---|
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- 1998-03-18 DE DE59800894T patent/DE59800894D1/de not_active Expired - Lifetime
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| DE59801083D1 (de) | 2001-08-30 |
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