DE19741019A1 - Werkstoff und Verfahren zu dessen Herstellung - Google Patents
Werkstoff und Verfahren zu dessen HerstellungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft einen Werkstoff mit hoher Materialdämpfung und
Zugfestigkeit aus einem im wesentlichen metallischen Basismaterial und
einer Zweitphase, sowie ein Verfahren zur Herstellung eines solchen.
Die hohe Beschleunigung mechanisch bewegter Teile verursacht
unerwünschte Schwingungen über ein breites Frequenzspektrum. Die hohen
Vibrationsbelastungen in den schwingenden Systemen führen zu großen
Totzeiten, die durch lange Einschwingvorgänge hervorgerufen werden, und
limitieren die Lebensdauer der beanspruchten Bauteile. Ein weiteres Problem
liegt in der durch die Schwingungen hervorgerufenen Lärmbelastung.
Metalle und Legierungen besitzen aufgrund der hohen Festigkeit, dem
geringen Gewicht und den guten Korrosionseigenschaften ein weites
Anwendungsfeld. Sie weisen jedoch i. d. R. nur eine geringe Dämpfung auf,
weswegen zusätzlich reine Dämpfungsmaterialien eingesetzt werden. Hierbei
handelt es sich meist um Kunststoffe, was bei Temperaturen über deren
Schmelzpunkt und bei einer Beschränkung des Platzangebotes zu
Einschränkungen der Verwendungsmöglichkeiten führt. Grauguß oder
Reinmagnesium zeigen zwar eine höhere Dämpfung, weisen jedoch auf der
anderen Seite eine eingeschränkte Festigkeit auf.
Aus der Patentschrift US 4,946,647 sind metallische Werkstoffe aus einem
Basismaterial und einer Zweitphase aus Graphit bekannt. Allerdings liegt die
Zugfestigkeit der angegebenen Werkstoffe mit maximal 190 MPa weit unter
der des Basismaterials und die Bruchdehnung höchstens bei 4%, sogar wenn
Reinaluminium als Basismaterial verwendet wird. Diese mechanischen
Kennwerte zeigen, daß bei diesen Werkstoffen die Materialdämpfung mit
einem drastischen Verlust an Festigkeit einhergeht und sie sich deshalb nicht
für den Einsatz als Strukturwerkstoff eignen.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, einen Werkstoff aus einem
im wesentlichen metallischen Basismaterial und einer Zweitphase anzugeben,
der schon bei geringen Schwingungsamplituden eine erhöhte
Materialdämpfung aufweist, aber dennoch eine so hohe Zugfestigkeit und
Bruchdehnung zeigt, daß er als Strukturwerkstoff verwendet werden kann.
Zur Lösung der Aufgabe ist ein Werkstoff der eingangs beschriebenen Art
erfindungsgemäß dadurch gekennzeichnet, daß die in das Basismaterial
eingebrachte Zweitphase metallisch ist und zumindest teilweise ein
martensitisches Gefüge aufweist.
Der erfindungsgemäße Werkstoff besitzt schon bei geringen
Schwingungsamplituden hochdämpfende Eigenschaften. Ein weiterer Vorteil
liegt darin, daß die teilweise martensitisch vorliegende Zweitphase die
mechanischen Kennwerte des Basismaterials nicht negativ beeinflußt, so daß
der Werkstoff auch als Strukturwerkstoff verwendet werden kann. Es zeigt
sich ebenfalls, daß der erfindungsgemäße Werkstoff keinerlei Limitierung an
die Auswahl der äußeren Form der Zweitphase stellt, wodurch der Werkstoff
an verschiedene Anforderungen leicht angepaßt werden kann.
Vorzugsweise umfaßt die Zweitphase eine Legierung. Vorteilhaften Einfluß
auf die Materialdämpfung hat der Einsatz einer Legierung aus Nickel und
Titan, wenn diese Legierungsbestandteile in einem Bereich von 48 bis 52
Atom-% gemischt werden, insbesondere wenn die Legierung 49,9 Atom-%
Nickel und 50,1 Atom-% Titan enthält. Diese Bestandteile der Legierung
sind nur als bevorzugte Werte anzusehen, nicht jedoch als eine Beschränkung
der Erfindung.
Eine weitere Erhöhung der Materialdämpfung wird erzielt, indem die
Zweitphase zur Stabilisierung der martensitischen Phase und zur Anpassung
an die Betriebsbedingungen bevorzugt Zusätze in einem Bereich bis zu 25
Atom-% enthält. Auch diese bevorzugten Bereichsgrenzen sind nicht als
Beschränkung zu sehen, ebensowenig wie die Auswahl an Zusätzen, bei
denen es sich vorteilhaft um Zirkon, Hafnium, Kupfer, Niob, Mangan,
Palladium, Platin und Eisen handelt. Die Stabilisierung der martensitischen
Phase kann auch durch eine Vorbehandlung der Zweitphase verstärkt werden,
indem z. B. eine Deformierung der Zweitphase oder eine Homogenisierung
der Legierungsbestandteile durchgeführt wird.
Die Zweiphase kann die Form von Partikeln, Drähten, Kurzfasern haben und
als Lage im Basismaterial vorliegen, so daß hiermit vorzugsweise der
Werkstoff an die von außen vorgegebenen Anforderungen maximal angepaßt
werden kann. Dies geschieht auch dadurch, daß der Anteil der Zweitphase am
Gesamtwerkstoff je nach gewünschten Eigenschaften bevorzugt zwischen 5
und 60 Volumen-% variiert. Auch hier handelt es sich nicht um eine
Beschränkung der Erfindung.
Um bei der Dämpfung den notwendigen Lastübertrag vom Basismaterial auf
die Zweitphase besser gewährleisten zu können, ist es vorteilhaft, wenn die
Zweitphase an der Grenzfläche zum Basismaterial mit diesem eine
Verbindung ausbildet.
Durch die metallische Zweitphase mit zumindest teilweise martensitischem
Gefüge innerhalb des Basismaterials gelingt es, die Anförderungen die von
Seiten der Dämpfung an den Werkstoff gestellt werden, allein durch die
Zweitphase zu erfüllen, während die Zugfestigkeit und die Bruchdehnung vor
allem durch das Basismaterials bestimmt werden. Aus diesem Grund kann
das Basismaterial zu jeder Anforderung als Strukturwerkstoff gewählt
werden. Aufgrund der mechanischen Eigenschaften ist das Basismaterial aber
vorteilhaft ein Leichtmetall oder eine Leichtmetallegierung, wobei hier
insbesondere die Al-Legierung EN AW-6061, gemäß DIN EN 573,
bevorzugt wird. Es können aber auch Umstände vorliegen, die höhere
Festigkeiten notwendig machen, wodurch Basismaterialien zum Einsatz
kommen, die verschiedene Gefüge aufweisen oder die als Verbundwerkstoff
mindestens eine weitere Drittphase zur Verstärkung besitzen. Eine auf das
Basismaterial abgestimmte thermomechanische Behandlung führt ebenfalls
zu einer vorteilhaften Erhöhung der Festigkeit des Basismaterials.
Der folgende Teil der Beschreibung bezieht sich auf den
verfahrenstechnischen Teil zur Herstellung eines erfindungsgemäßen
Werkstoffes.
Durch Verfahren nach US 4,236,925 werden Werkstoffe mit einer
Zweitphase aus Graphit, Blei oder Magnesium hergestellt, die eine erhöhte
Materialdämpfung aufweisen. Hierbei muß das Herstellverfahren allerdings
so geführt werden, daß die Zweitphase nach einem zusätzlichen
Verfahrensschritt, in dem der Werkstoff einer plastischen Verformung
unterworfen wird, in Spindelform vorliegt und der Werkstoff in einem
weiteren Schrift über die Rekristallisationstemperatur des Basismaterials
erhitzt wird.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung soll weiterhin sein, ein Verfahren
zur Herstellung eines Werkstoffes mit hoher Materialdämpfung und
Festigkeit zu schaffen, das ohne zusätzliche komplexe Verfahrensschritte
auskommt.
Die Lösung der Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch erzielt, indem ein
Gemisch aus in Pulverform vorliegendem Basismaterial und Zweitphase
durch Wärmebehandlung in einem Temperaturbereich von 400°C bis 700°C
und bei einem Druck von 1000 bar bis 3000 bar konsolidiert wird.
Dabei kann die Auslagerungsdauer zwischen 1 Stunde und 6 Stunden
betragen. Eine Durchführung der Konsolidierung bei 540°C, 2000 bar und 2
Stunden Auslagerungsdauer erzielt jedoch die besten Ergebnisse. Dies trifft
auch für die Wahl der Beschaffenheit der Ausgangsstadien für Basismaterial
und Zweitphase zu, wenn das Basismaterial als in Inertgas verdüstes Material
eingesetzt wird. Sofern die Wahl der äußeren Form der Zweitphase es zuläßt,
liegt die Zweitphase auch in dieser Verarbeitungsform vor. Ein vorteilhafter
Verfahrensschritt liegt in der Entgasung des Gemisches aus Basismaterial
und Zweitphase, bevor dieses konsolidiert wird. Diese Konsolidierung kann
durch Heiß-Isostatisches-Pressen, Sintern, Strangpressen oder Schmieden
geschehen.
Nach einer weiteren Lösung ist die Herstellung des Werkstoffes
erfindungsgemäß auch möglich, indem die Zweitphase dem in flüssiger Form
vorliegenden Basismaterial zugeführt wird.
Beim Einbringen der Zweitphase in das flüssige Basismaterial ist es zum
Schutz der Zweitphase von Vorteil, diese gegebenenfalls mit einem Überzug
zu versehen, um eine zu heftige Reaktion mit dem Basismaterial zu
verhindern.
Bei beiden erfindungsgemäßen Herstellverfahren kann die Zweitphase in
verschiedenen Formen eingebracht werden. Vorteilhaft liegt sie in beiden
Verfahren aber als Partikel, Draht, Kurzfaser oder Lage vor. In einem
bevorzugten Schritt wird die Zweitphase vor der Konsolidierung
vorbehandelt, um die martensitische Phase zu stabilisieren. Hierbei kann es
sich um Deformieren der Zweitphase oder um Homogenisieren der
Bestandteile der Zweitphase in dieser handeln.
Die Verfahren zur Herstellung des Werkstoffes machen keine kritischen
Verfahrensschritte notwendig, in denen die Zweitphase auf eine bestimmte
äußere Gestalt gebracht werden muß. Um eine hohe Materialdämpfung
aufzuweisen braucht der Werkstoff des weiteren nicht in einem zusätzlichen
Schritt über die Rekristallisationstemperatur des Basismaterials erwärmt zu
werden.
Die Erfindung wird im folgenden anhand eines Ausführungsbeispiels näher
beschrieben, aus dem sich weitere Einzelheiten, Merkmale und Vorzüge
ergeben.
In einer Ausgestaltung des erfindungsgemäßen Verfahren zur Herstellung des
Werkstoffs wird in Argon verdüstes Pulver aus der Al-Legierung
EN AW-6061, gemäß DIN EN 573, mit einer Partikelgröße kleiner als 45 µm
und auf dieselbe Weise hergestelltes NiTi-Pulver mit einer Partikelgröße
kleiner als 180 µm und einer Zusammensetzung von 49,9 Atom-% Nickel
und 50,1 Atom-% Titan verwendet. Die in Kapseln gefüllte Pulvermischung
enthält 10 Volumen-% NiTi-Pulver mit dem Rest Pulver der Al-Legierung
EN AW-6061. Zur Vermeidung von gashaltigen Poren wird das Gemisch bei
Raumtemperatur entgast und die Kapsel gasdicht verschlossen. Die
Konsolidierung des Werkstoffs erfolgt durch Heiß-Isostatisches-Pressen für
zwei Stunden bei einem Druck von 2000 bar und einer Temperatur von
540°C.
In einem nach diesem Verfahren hergestellten Werkstoff liegen die NiTi-
Partikel homogen verteilt in der Al-Legierung EN AW-6061 vor. Die
Zugfestigkeit dieses Werkstoffs entspricht derjenigen eines durch Heiß-
Isostatisches-Pressen hergestellten und nur aus der Al-Legierung
EN AW-6061 bestehenden Materials. Zudem weist der Werkstoff eine
Bruchdehnung größer als 10% auf, wodurch ein Einsatz als Strukturwerkstoff
möglich ist.
Claims (21)
1. Werkstoff mit hoher Materialdämpfung und Zugfestigkeit aus einem im
wesentlichen metallischen Basismaterial und einer Zweitphase, dadurch
gekennzeichnet, daß die Zweitphase metallisch ist und zumindest teilweise
ein martensitisches Gefüge aufweist.
2. Werkstoff nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß die
Zweitphase eine Legierung umfaßt.
3. Werkstoff nach Anspruch 2, dadurch gekennzeichnet, daß die Legierung
Nickel und Titan in einem Bereich von 48-52 Atom-%, bevorzugt 49,9
Atom-% Nickel und 50,1 Atom-% Titan, enthält.
4. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Zweitphase Zusätze bis zu 25 Atom-%
enthält.
5. Werkstoff nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei
den Zusätzen um Zirkon und/oder Hafnium und/oder Kupfer und/oder Niob
und/oder Mangan und/oder Palladium und/oder Platin und/oder Eisen
handelt.
6. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Zweitphase in Form von Partikeln
und/oder Drähten und/oder Kurzfasern und/oder lagenweise vorliegt.
7. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß der Anteil der Zweitphase am
Gesamtwerkstoff 5-60 Volumen-% beträgt.
8. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Basismaterial ein Leichtmetall oder eine
Leichtmetallegierung ist.
9. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Basismaterial die Al-Legierung
EN AW-6061, gemäß DIN EN 573, ist.
10. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Basismaterial verschiedene Gefüge
aufweist.
11. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß das Basismaterial ein Verbundwerkstoff mit
mindestens einer Drittphase ist.
12. Werkstoff nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, daß die Zweitphase an der Grenzfläche zum
Basismaterial eine Verbindung mit diesem ausbildet.
13. Verfahren zur Herstellung eines Werkstoffes nach einem oder mehreren
der vorausgehenden Ansprüche, dadurch gekennzeichnet, daß ein Gemisch
aus in Pulverform vorliegendem Basismaterial und Zweitphase durch
Wärmebehandlung in einem Temperaturbereich von 400-700°C und bei
einem Druck von 1000-3000 bar konsolidiert wird.
14. Verfahren nach Anspruch 13, dadurch gekennzeichnet, daß das
Basismaterial und, soweit es die äußere Form der Zweitphase zuläßt, auch
diese als in Inertgas verdüstes Material vorliegen.
15. Verfahren nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche 13
bis 14, dadurch gekennzeichnet, daß das Gemisch aus Basismaterial und
Zweitphase vor der Konsolidierung kalt und/oder warm entgast wird.
16. Verfahren nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche 13
bis 15, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der Wärmebehandlung um
Heiß-Isostatisch-Pressen, sog. HIPpen, und/oder Sintern und/oder
Strangpressen und/oder Schmieden handelt.
17. Verfahren zur Herstellung eines Werkstoffes nach einem oder mehreren
der vorausgehenden Ansprüche 1 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die
Zweitphase dem in flüssiger Form vorliegenden Basismaterial zugeführt
wird.
18. Verfahren nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche 13
bis 17, dadurch gekennzeichnet, daß die Zweitphase mit einem Überzug
versehen ist.
19. Verfahren nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche 13
bis 18, dadurch gekennzeichnet, daß die Zweitphase als Partikel und/oder
Drähte und/oder Kurzfasern und/oder als Lagen eingebracht wird.
20. Verfahren nach einem oder mehreren der vorausgehenden Ansprüche 13
bis 19, dadurch gekennzeichnet, daß die Zweitphase vor der Verarbeitung
vorbehandelt wird.
21. Verfahren nach Anspruch 20, dadurch gekennzeichnet, daß es sich bei der
Vorbehandlung um Deformieren und/oder um Homogenisieren handelt.
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