DE19702181A1 - Neue Vorrichtung zur Begasungsflotation - Google Patents
Neue Vorrichtung zur BegasungsflotationInfo
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Description
Die vorliegende Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein
Verfahren zur Begasungsflotation.
Abgesehen von der flotativen Aufarbeitung von Erzen, wo
die Flotation seit Jahrzehnten ein konkurrenzloses Verfahren zur
selektiven Klassierung darstellt, hat sich die Flotation nur noch
in der Abwasserreinigung eingeführt, wo sie im wesentlichen zur
Eindickung des Überschuß-Klärschlammes verwendet wird.
Zu diesem Zweck sind feinste Gasbläschen und ein Ausblei
ben der Turbulenz in der Strömung nötig. Beides wird mittels
einer sog. Druckentspannungsflotation (engl. Dissolved Air
Flotation) bewirkt. Dazu werden etwa 30% des vom Belebtschlamm
gereinigten Abwassers im Kreislauf über einen Druckbehälter
geführt und dort bei ca. 6 bar mit Luft bis zu 70% der Gaslöslich
keit gesättigt. Dieser Flüssigkeitskreislauf wird anschließend im
Flotationstrog über einen Druckventil entspannt. Es entstehen
feinste Gasblasen (Bläschendurchmesser 40-60 µm), die die Oberfläche
der Belebtschlamm-Flocken besetzen und sie zur Oberfläche
tragen, flotieren.
Um der Flotation als einem interessanten mechanischen
Trennverfahren für das System fest/flüssig auch zur Reinigung
von Prozeßwasser in der chem. Industrie eine Chance zu geben,
wurde die sog. Begasungsflotation (engl.: Induced Air Flotation)
entwickelt. Zu diesem Zweck wurde eine neue, selbstansaugende
und radialstrahlende Trichterdüse entwickelt (EU-0 035 243), die
relativ feine Gasblasen (ca. 200 µm) erzeugt und sie gleichmäßig
über dem Boden der Flotationszelle verteilt. Diese Technik hat sich
bei vielen Betriebsaufgaben bewährt, vgl. z. B. Zlokarnik, M.,
Chem.-Ing.-Techn. 53 (1981) 8, 600-606 und Kem. Ind. (Zagreb) 34
(1985) 1, 1-6. Als Beispiel einer großtechnischen Anwendung
dieser Technik ist die flotative Entfernung von Silbersalzen aus
dem Waschwasser einer großen Filmfabrik zu nennen
(EU-0 059 227).
Wenn bei der biol. Abwasserreinigung der sog. Belebungs
raum als Grube oder als Turm von <10 m Höhe ausgeführt wird,
wird anschließend die sedimentative Trennung des Belebtschlam
mes vom gereinigten Abwasser stark beeinträchtigt, weil das
gereinigte Abwasser gelöstes CO2 enthält, das entgast und die
Flocken am Sedimentieren hindert. In diesen Fällen ist die Flota
tion sicherlich die Trennmethode der Wahl.
Für diese Aufgabe mußte die Flotation als ein kontinuierlich
laufendes Verfahren ausgeführt werden, was ein völlig neues
Konzept der Flotationszelle erforderlich machte. Die Flotations
zelle wurde zweigeteilt, indem in ihr ein zweiter Behälter konzen
trisch angebracht wurde. Dieser Behälter ist mit der Trichterdüse
versehen und dient als der eigentliche Flotationsraum. Zwischen
dem inneren und äußeren Behälter ist aber ein Ringraum ent
standen, der vom Flüssigkeitsdurchsatz von oben nach unten
laminar durchflossen wird. Dieser Ringraum erfüllt die Aufgabe
eines Beruhigungsraumes, in dem noch feinste, von der Flüssig
keit mitgerissene Flocken nach oben aufrahmen und ausgetragen
werden können, vgl. Zlokarnik, M., Korresp. Abwasser 32 (1985) 7,
598-603. Diese Technik wurde in einigen Kläranlagen der Bier
brauereien verwirklicht und hatte sich sehr gut bewährt, vgl.
Schmidt, E., Brauwelt 123 (1983) 42, 1830-1841 und Kühbeck, G.,
Forum der Brauerei 6 (1984), 126-131.
Bei weiteren möglichen Anwendungsfällen hatte sich
jedoch öfters herausgestellt, daß sowohl die Begasungsvorrich
tung (die Trichterdüse) als auch die beschriebene Flotationszelle
einige Nachteile aufweisen, die einer universellen Anwendung
dieses Konzeptes im Wege stehen.
So erzeugt die Trichterdüse für viele Feststoff-Dispersionen
zu große Gasblasen, um sie zufriedenstellend flotieren zu können.
Um diese Aufgabe optimal zu erfüllen, müßte der Flüssigkeits-Treib
strahldurchsatz im ringförmigen Mischraum der Trichter
düse auf eine maximale und gezielte Scherwirkung getrimmt
werden; dies ist durch die Steigerung der Sogwirkung allein
nicht zu bewerkstelligen, zumal es wenig Sinn macht, für eine
starke Sogwirkung der Trichterdüse zu sorgen und gleichzeitig
den angesaugten Gasdurchsatz zu drosseln, wie dies bei der
Trichterdüse mit konstantem hydraulischen Querschnitt erfolgt;
vgl. Zlokarnik, M. und J. Sua, Chem.-Ing.-Techn. 68 (1996) 12,
1572-1574.
Die bisherige Konzeption der Flotationszelle, wonach der
eigentliche Flotationsraum konzentrisch vom Ringraum umgeben
ist (DE 33 47 525 A1), in dem der Flüssigkeitsdurchsatz bei lamina
rer Strömung von oben nach unten beruhigt und von restlichen
Feststoff-Partikeln befreit wird, birgt bei technischen Zellenausfüh
rungen (D≧4 m) zwei gravierende Nachteile in sich:
Der erste Nachteil besteht darin, daß das Flotat vom Räumer
über den ganzen Zellenquerschnitt geschoben werden muß, was
den Strömungszustand im Ringraum beeinträchtigt und die
Gefahr in sich birgt, daß Teile des kompaktierten Schlammes im
Ringraum sedimentieren, bevor sie über den Zellenrand aus der
Zelle entfernt werden.
Der zweite Nachteil betrifft den Beruhigungsraum. Seine
Dimensionierung erfolgt nach der im Modellversuch ermittelten
Leerrohrgeschwindigkeit v (meist v≈10 m/h) und zusätzlich nach
der Forderung nach laminarer Strömung, also Re≈2000. Beide
Forderungen lassen sich gleichzeitig nur dann erfüllen, wenn die
Abmessungen des Ringraumes durch den Einbau eines beliebig
geformten Beruhigungsgitters verkleinert werden. Man muß da
bei allerdings in Kauf nehmen, daß die Flocken die Oberfläche
des Gitters belegen und somit auch den Querschnitt einengen
können.
Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, apparative Ver
änderungen an der Trichterdüse und an der Flotationszelle zu
schaffen, die die genannten Nachteile beseitigen.
Die erfindungsmäßige Veränderung der Trichterdüse
besteht darin, daß im Strömungskanal der Trichterdüse 2-5
Stolperdrähte am Umfang des Kegels und gfs. auch des Trichter
gehäuses angebracht werden, vgl. Abb. 1 und Abb. 2, die dafür sor
gen, daß die laminare Grenzschicht sowohl auf dem kegelför
migen Umlenkelement als auch auf dem Gehäuse abreist und es
zur voll ausgebildeten turbulenten Strömung im ganzen Kanal
kommt.
Durch diese Maßnahme wird die Sogwirkung einer beliebig
ausgeführten Trichterdüse verbessert. Noch wichtiger ist, daß
damit die höchstmögliche Scherwirkung der Strömung im Kanal
erzeugt wird, die Voraussetzung zur Bildung allerfeinsten Gas
bläschen ist.
Die erfindungsmäßige Veränderung der Flotationszelle
besteht darin, daß der Ringraum als Flotationsraum ausgeführt
wird und der innere zylindrische Behälter den Beruhigungsraum
bildet. Dieses erfinderische Konzept ist in Abb. 3 vorgestellt. (Die
Formelzeichen haben folgende Bedeutung: qG - selbstangesaugter
Luftdurchsatz; qzu - Zulauf der zu reinigenden Flüssigkeit; qFM - Zu
lauf des Flotationshilfsmittels; qL - Kreislauf der gereinigten
Flüssigkeit als Treibstrahldurchsatz; qD - Ablauf der gereinigten
Flüssigkeit; qF - Flotatabzug.) Diese Ausführung der Flotations
zelle bietet gleichzeitig mehrere bedeutende Vorteile:
- 1) Der Düse steht der ganze Zellenquerschnitt zur Verfügung; somit wird der Freistrahl G/L aus der Düse großflächig verteilt, was die Turbulenz im anschließenden Ringraum herabsetzt und eine gleichmäßige Verteilung der Gasblasen über den gesamten Querschnitt der Flotationszelle ermöglicht.
- 2) Die Hauptmenge der flotierten Flocken rahmt in der Nähe der Zellenwand auf und kann somit vom Räumer unmittelbar und ohne Aufwirbelung der Oberfläche über den Zellenrand gescho ben werden.
- 3) Im oberen Teil des zylindrischen Beruhigungsraumes bildet sich ein Flockenfilter aus, der für eine weitgehende Flockenfrei heit im Zylinder sorgt (ähnlich wie bei der Sedimentation im sog. Dortmund-Brunnen). Dieser Flockenfilter wird bei diesem Konzept vom Räumer praktisch nicht gestört, was seiner ungehinderten Ausbildung zugute kommt.
- 4) Der innere Zylinder erhält auf der unteren 1/2 bis 2/3 Höhe einen kreuz- oder ringförmigen Beruhigungseinsatz. Da dies bei einem kreisförmigen Querschnitt eine äußerst einfache Maß nahme ist, kann der Zylinderquerschnitt je nach Flotationsbedin gungen sogar so weit wie möglich auf Kasten des Ringraumquer schnitts vergrößert werden.
Claims (5)
1. Trichterdüsen nach den Bildern 1 und 2, die sich durch einen
Strömungskanal mit weitgehend konstantem hydraulischen
Durchmesser auszeichnen, dadurch gekennzeichnet, daß 2 bis 5
Stolperdrähte auf dem Umfang des Kegels und ggfs. alternierend
auch des Gehäuses angebracht sind.
2. Trichterdüsen und Strahlsauger jeglicher Bauart, die zum
Erzeugen einer Gas/Flüssigkeits-Dispersion dienen, dadurch
gekennzeichnet, daß in ihrem Mischraum Stolperdrähte zum
Abriß der laminaren flüssigen Grenzschicht angebracht sind.
3. Flotationszelle mit getrenntem Begasungs- und Beruhigungs
raum nach Abb. 3, wobei der letztere laminar von oben nach unten
durchströmt wird, dadurch gekennzeichnet, daß der Ringraum
als Begasungs-/Flotationsraum verwendet wird, während der
innere zylindrische und konzentrisch angeordnete Behälter als
Beruhigungsraum dient.
4. Flotationsverfahren zur Entfernung beliebiger Feststoffe aus
dem Prozeß- oder Abwasser, dadurch gekennzeichnet, daß zu
deren Durchführung die in Ansprüchen 1 und 2 beschriebenen
Düsen verwendet werden.
5. Flotationsverfahren zur Entfernung beliebiger Feststoffe aus
dem Prozeß- oder Abwasser, dadurch gekennzeichnet, daß zu
deren Durchführung die im Anspruch 3 beschriebene Flotations
zelle verwendet wird.
Priority Applications (4)
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