DE19701409A1 - Aufzug mit gesteuertem Lastausgleich - Google Patents
Aufzug mit gesteuertem LastausgleichInfo
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Description
Seilaufzug, dessen Wirkungsprinzip darauf beruht, daß ein definiertes Ungleichgewicht
zwischen Fahrkorb und Gegengewicht eingestellt wird, das ausreicht, den Fahrkorb mit
der gewünschten Dynamik in die jeweils vorgegebene Richtung zu bewegen. Besonderes
Kennzeichen ist die Bremsvorrichtung, die mit Hilfe einer mit dem Gebäude oder einem
Rahmen fest verbundenen Stange den Fahrkorb sicher bremst oder hält, womit
bestimmte Sicherheitsvorkehrungen - wie beispielsweise eine Fangvorrichtung -
überflüssig werden.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, eine Aufzugsanlage mit möglichst geringem
Aufwand herzustellen.
Seit langem sind Aufzüge bekannt, deren Antriebsprinzip darauf beruht, daß der Fahrkorb über
eine Seilrolle mit einem Gegengewicht oder einem zweiten Fahrkorb durch Umleiten von
Flüssigkeit - beispielsweise Wasser - in ein gewisses Ungleichgewicht gebracht wird, das
ausreicht, um die gewünschte Fahrt ohne direkte Unterstützung durch einen Motor
durchzuführen. Ob man dabei Flüssigkeiten umpumpt oder sich natürlicher Wasserquellen
bedient, ist für das Wirkungsprinzip nebensächlich. Ohne weiteres ist dieses einfache Prinzip
für Personenaufzüge aber nicht zu nutzen: Fahrkomfort, Sicherheit, Geräusch und
Umweltgesichtspunkte sowie Kosten und Haltbarkeit sind Nebenforderungen, die bislang noch
nicht zufriedenstellend gelöst werden konnten.
Die Aufgabe wird dadurch gelöst, daß ein Aufzugsfahrkorb mit einem Gegengewicht durch
Umleiten von Flüssigkeit in einen gleichgewichtsnahen Zustand gebracht wird und die aus dem
Ungleichgewicht resultierende Kraft zum Einleiten und Aufrechterhalten der Fahrt genutzt
wird. Als Bremse und Stellmittel für die Fahrdynamik wird eine Vorrichtung eingesetzt, deren
besonderes Kennzeichen eine mit dem Gebäude oder einem Tragrahmen fest verbundene -
vorzugsweise gespannte - Stange ist. Der Fahrkorb ist in Ruhestellung mit dieser Stange
indirekt so verbunden, daß eine Bewegung sicher verhindert wird. Diese Bindung wird durch
geeignete Stellmittel dosiert aufgehoben womit eine gesteuerte oder geregelte Fahrt
ermöglicht wird.
In einer Ausführungsform ist die gespannte Stange mit einem Kolben versehen, der durch einen
mit dem Fahrkorb fest verbundenen beidseitig wirkenden Steuerzylinder geführt ist. Die beiden
mit Flüssigkeit gefüllten Zylinderhälften werden mit einem steuerbaren Bypass verbunden. Bei
geschlossenem Bypass kann der Fahrkorb nicht bewegt werden, im geöffneten Zustand ist der
Fahrkorb dagegen beweglich.
In einer weiteren Ausführungsform wird die gespannte Stange als Zahnstange ausgeführt. Über
ein Zahnrad wird eine Hydropumpe angetrieben, deren Ein- und Ausgang mit einem
steuerbaren Bypass verbunden ist. Bei geschlossenem Bypass kann der Fahrkorb nicht bewegt
werden, im geöffneten Zustand ist der Fahrkorb dagegen beweglich.
In einer weiteren Ausführungsform wird die gespannte Stange als ein- oder mehrgängige
Spindel ausgeführt. Eine auf diese Spindel gefädelte außen verzahnte Mutter wird drehbar und
unverrückbar mit dem Fahrkorb verbunden. Über ein Zahnrad wird eine Hydropumpe
angetrieben, deren Ein- und Ausgang mit einem steuerbaren Bypass verbunden sind. Bei
geschlossenem Bypass kann der Fahrkorb nicht bewegt werden, im geöffneten Zustand ist der
Fahrkorb dagegen beweglich.
Das Prinzip kann auch umgekehrt werden, daß nämlich die Mutter feststeht und die Stange
drehbar zwischen fest mit Gebäude bzw. Rahmen verbundenen Drucklagern eingespannt ist.
Bei allen Ausführungsformen kann der Gleichgewichtszustand durch eine einfache
Kraftmeßvorrichtung bestimmt werden, beispielsweise Dehnungsmeßstreifen zum Messen der
Bremskraft bzw. des Ungleichgewichtes oder ein Kontaktpaar zum Bestimmen des
Vorzeichens der Kraft.
Bei allen mit Steuerzylinder oder Hydropumpe und Bypass arbeitenden Ausführungsformen
kann das Ungleichgewicht durch eine Differenzdruckmessung bestimmt werden.
Es ist sinnvoll, zum Steuern des Ungleichgewichtes auf dem Fahrkorb und auch dem
Gegengewicht je einen Tank und eine Pumpe vorzusehen. Beide sind bei dieser
Ausführungsform mit einem flexiblen Hängeschlauch verbunden.
Aber es sind auch Ausführungen sinnvoll, bei denen nur ein Tank beweglich ist.
Sinnvollerweise wird das System aus Tanks, Schläuchen und Pumpen als geschlossenes System
ausgeführt, damit keine Flüssigkeit durch Verdunstung verlorengeht bzw. bei Verwendung
hygroskopischer Flüssigkeit Wasser absorbiert wird: Zum Luftausgleich werden die Tanks mit
einem weiteren Schlauch miteinander verbunden. Diese Ausführung kann noch weiter
verfeinert werden, indem beispielsweise die elektrische Verbindung zur Pumpe durch den
Luftschlauch und dieser durch den Hauptschlauch geführt wird.
Eine andere Ausführung hält das geschlossene System unter Druck, womit auch größere
Förderhöhen realisierbar sind. Die Schachtlänge kann dadurch auch bei Verwendung von
Wasser über zehn Meter betragen.
Eine weitere Ausführung arbeitet mit nur einer Pumpe auf der einen und einem Hydrospeicher
auf der anderen Seite.
Allen Ausführungen ist gemeinsam, daß die Fahrt durch ein definiert herbeigeführtes
Ungleichgewicht zwischen Fahrkorb und Gegengewicht angetrieben wird. Eine
Notevakuierung im Falle eines Stromausfalls oder einer sonstigen Störung kann daher auf
einfachste Weise realisiert werden: Durch manuelles Öffnen eines Notbypassventils kann
gefahrlos der Fahrkorb in eine Haltestelle bewegt werden.
Als Folge dieses Arbeitsprinzips entfällt eine Reihe kostenintensiver Elemente:
- - Trotz Seilaufhängung entfällt die Fangvorrichtung, weil die Bremsvorrichtung im Ruhezustand sicher den Aufzug hält.
- - Es werden lediglich Pumpen mit sehr geringer Anschlußleistung benötigt. Ein normaler einphasiger Haushaltsanschluß genügt, einen Aufzug mit guter Förderleistung zu realisieren.
- - Ein Maschinenraum wird nicht benötigt: Die komplette Steuerung kann im Fahrkorb untergebracht werden.
- - Es müssen keine umweltgefährdenden Hydraulikflüssigkeiten eingesetzt werden. Dadurch sind aufwendige Auffangwannen überflüssig.
- - Notendschalter können entfallen.
- - Eine Nachstellvorrichtung mit Sicherheitsschaltung ist nicht erforderlich, weil permanent Lastausgleich herbeigeführt wird.
- - Eine Parkfahrt wie bei konventionellen Hydraulikaufzügen ist nicht erforderlich, weil ein unbeabsichtigtes Absinken durch Leckage unmöglich ist.
- - Notevakuierung ist mit einfachsten Mitteln möglich, weil sich die Anlage beim Stromausfall während einer Fahrt im definierten Ungleichgewicht befindet und durch einfaches Öffnen eines Notbypassventils ohne Antriebsquelle eine Notfahrt bis in eine Haltestelle durchgeführt werden kann.
Ein weiterer Vorteil dieser Anordnung liegt auch in der sehr günstigen Energiebilanz, denn im
theoretischen Grenzfall muß im statistischen Mittel lediglich die Energie zum Beschleunigen
der Fahrgäste, des Fahrkorbes sowie des Ausgleichs- und Gegengewichtes aufgebracht
werden. Bei konventionellen Seilaufzügen mit festem Gegengewicht muß selbst im
theoretischen Grenzfall noch die Differenzkraft zwischen Fahrkorb und Fahrgästen einerseits
und Gegengewicht andererseits bei der notwendigen Fahrgeschwindigkeit aufgebracht werden.
- Die Tatsache, daß im statistischen Mittel Fahrgäste, die einmal nach oben fahren, auch wieder
nach unten fahren, kann nur unvollkommen für die Energiebilanz genutzt werden. Bei
Hydraulikaufzügen ohne Gegengewicht sieht die Bilanz noch weitaus schlechter aus, muß doch
die gesamte zusätzliche potentielle Energie für jede Aufwärtsfahrt aufgebracht werden.
Claims (11)
1. Aufzugsanlage mit Seilaufhängung und Gegengewicht, gekennzeichnet dadurch,
daß der Fahrkorb und das Gegengewicht an über eine Umlenkrolle geführten Seilen
aufgehängt sind, entweder der Fahrkorb oder das Gegengewicht oder beide mit einem
Tank versehen sind, in den oder aus dem Ballastflüssigkeit gepumpt, ein- oder abgelassen
wird und dadurch, daß der Fahrkorb im Ruhezustand durch eine Bremsvorrichtung an
einer im Gebäude bzw. in einem Rahmen befestigten - vorzugsweise gespannten - Stange
gehalten wird und diese Bremsvorrichtung so gesteuert wird, daß nach Einstellen eines
Ungleichgewichts vermittels Umleiten oder Umpumpen von Ballastflüssigkeit eine
gesteuerte oder geregelte Fahrt ausgelöst wird.
2. Vorrichtung wie unter (1) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß die
Bremsvorrichtung so realisiert wird, daß am Fahrkorb ein doppelseitig wirkender
Hydraulikzylinder befestigt ist, durch den die ortsfeste gespannte Haltestange geführt
wird, an der sich ein ortsfester Kolben befindet. Diese Anordnung wird ergänzt durch
einen steuerbaren Bypass zwischen beiden Kolben- bzw. Zylinderseiten.
3. Vorrichtung wie unter (1) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß die
Bremsvorrichtung so realisiert wird, daß die Haltestange als Zahnstange ausgeführt ist,
die bei der Fahrt mittels Zahnrad eine Hydropumpe treibt, deren Ein- und Ausgang durch
einen steuerbaren Bypass verbunden sind.
4. Vorrichtung wie unter (1) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß die
Bremsvorrichtung so realisiert wird, daß die Haltestange als Spindel mit sehr starker
Steigung ausgeführt und torsionssicher gespannt ist, diese durch eine auf dem Fahrkorb
drehbar und unverschieblich angebrachte Mutter geführt wird, diese Mutter eine
Hydropumpe treibt, deren Ein- und Ausgang durch einen steuerbaren Bypass verbunden
sind.
5. Vorrichtung wie unter (1) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß die
Bremsvorrichtung so realisiert wird, daß die Haltestange als Spindel mit sehr starker
Steigung ausgeführt und drehbar zwischen zwei Drucklagern gespannt ist, diese durch
eine auf dem Fahrkorb starr angebrachte Mutter geführt wird, die Stange eine
Hydropumpe treibt, deren Ein- und Ausgang durch einen steuerbaren Bypass verbunden
sind.
6. Vorrichtung wie unter (2) bis (5) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß die
Bestimmung des Ungleichgewichtes durch Messen der Druckdifferenz über dem Bypass
erfolgt.
7. Vorrichtung wie unter (2) bis (5) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß wenigstens
eine der beiden Kolbenstangenhälften als Doppelrohr ausgeführt wird und über geeignete
Bohrungen je einer der beiden durch die zwei Rohre gebildeten Räume mit dem unteren
und einer mit dem oberen Zylinderraum verbunden ist, und am Ende des Doppelrohres
ein Bypassventil für handgesteuerte Rückholsteuerung oder Notevakuierung angebracht
ist.
8. Vorrichtung wie unter (1) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß eine Vorrichtung
zur Zielrufeingabe in einer Mikroprozessorlogik ausgewertet wird und vorausschauend
der Bedarf an umzupumpender Flüssigkeit abgeschätzt wird und die Pumpensteuerung
zum Vermeiden unnötiger Wartezeiten lange vor Fahrtbeginn bereits mit dem
Umpumpen beginnt.
9. Vorrichtung wie unter (1) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß als
Ballastflüssigkeit in Fahrkorb und Gegengewicht im wesentlichen Wasser verwendet
wird.
10. Vorrichtung wie unter (9) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß Korrosion durch
Verwenden einer Opferanode oder Aufrechterhalten einer kleinen Gleichspannung
zwischen einer Hilfsanode und den mit der Flüssigkeit in Kontakt stehenden Metallteilen
aufrechterhalten wird.
11. Vorrichtung wie unter (1) beschrieben, dadurch gekennzeichnet, daß zum Zwecke einer
Notevakuierung bei Ausfall des Stromnetzes oder der Pumpe gegebenenfalls das
Wasserleitungsnetz genutzt wird, um das notwendige Ungleichgewicht zwischen
Fahrkorb und Gegengewicht herzustellen.
Priority Applications (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1997101409 DE19701409A1 (de) | 1997-01-17 | 1997-01-17 | Aufzug mit gesteuertem Lastausgleich |
Applications Claiming Priority (1)
| Application Number | Priority Date | Filing Date | Title |
|---|---|---|---|
| DE1997101409 DE19701409A1 (de) | 1997-01-17 | 1997-01-17 | Aufzug mit gesteuertem Lastausgleich |
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE19701409A1 true DE19701409A1 (de) | 1997-08-21 |
Family
ID=7817580
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DE1997101409 Withdrawn DE19701409A1 (de) | 1997-01-17 | 1997-01-17 | Aufzug mit gesteuertem Lastausgleich |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE19701409A1 (de) |
Cited By (2)
| Publication number | Priority date | Publication date | Assignee | Title |
|---|---|---|---|---|
| SG117469A1 (en) * | 2002-12-24 | 2005-12-29 | Inventio Ag | Lift cage with horizontal balancing system |
| DE102017002912A1 (de) * | 2017-03-20 | 2018-09-20 | Michael Semakin | Seilförderung |
-
1997
- 1997-01-17 DE DE1997101409 patent/DE19701409A1/de not_active Withdrawn
Cited By (2)
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|---|---|---|---|---|
| SG117469A1 (en) * | 2002-12-24 | 2005-12-29 | Inventio Ag | Lift cage with horizontal balancing system |
| DE102017002912A1 (de) * | 2017-03-20 | 2018-09-20 | Michael Semakin | Seilförderung |
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