DE19641432A1 - Verfahren und Einrichtung zur Vorausberechnung von vorab unbekannten Parametern eines industriellen Prozesses - Google Patents
Verfahren und Einrichtung zur Vorausberechnung von vorab unbekannten Parametern eines industriellen ProzessesInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren und eine Einrichtung zur
Vorausberechnung von vorab unbekannten Parametern eines
industriellen Prozesses, insbesondere einer Anlage der
Grundstoffindustrie.
Bei der Regelung bzw. Steuerung von industriellen Prozessen,
insbesondere bei Anlagen der Grundstoffindustrie, wie z. B.
Stahlwerken, ist es häufig notwendig, bestimmte Prozeßpara
meter oder Zustände vorausschauend zu ermitteln, da sie zu
dem Zeitpunkt, an dem sie in der Regelung oder Steuerung
gebraucht werden, nicht zur Verfügung stehen.
Es ist bekannt, Prozeßparameter modellgestützt zu identifi
zieren. Dabei werden Eingangsgrößen, bzw. die für die zu
identifizierenden Prozeßparameter relevanten Eingangsgrößen
einem, in der Regel vereinfachten, Prozeßmodell zugeführt.
Dieses bekannte Verfahren führt jedoch bei Anlagen der Grund
stoffindustrie häufig zu Problemen. Kennzeichnend für Anlagen
der Grundstoffindustrie, insbesondere für Stahlwerke ist es,
daß Fehler bei der Identifikation oder mangelhafte Genauig
keit bei der Identifikation hohe Kosten durch die Herstellung
von Ausschuß führen. Dieses wird insbesondere dadurch begün
stigt, daß sich in Anlagen der Grundstoffindustrie insbeson
dere bei Stahlwerken die Betriebszustände sprunghaft ändern,
so daß es während der Zeit, die das Prozeßmodell zur Anpas
sung an die neuen Eingangsgrößen benötigt, zur Herstellung
von Gütern und unzureichender Qualität kommen kann. Dieses
Problem betrifft insbesondere Walzstraßen, bei denen sich der
Betriebszustand durch Walzen, z. B. eines neuen Walzbandes,
das aus einem neuen Material besteht, oder das eine andere
Dicke aufweist, als das vorhergehende Band, sprunghaft
ändert. Insbesondere beim Walzen stehen wichtige Regelungs- bzw.
Steuerungsgrößen, wie z. B. die Walzkraft, zu spät für
die entsprechende Steuerung bzw. Regelung als Meßgröße zur
Verfügung.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren bzw. eine Ein
richtung anzugeben, das bzw. die es ermöglicht, vorab nicht
bekannte Parameter eines industriellen Prozesses voraus
schauend und besonders präzise zu ermitteln. Dabei ist es
wünschenswert, wenn diese Ermittlung der Parameter schnell an
sich ändernde Betriebszustände oder Arbeitspunkte des ent
sprechenden Prozesses anpaßbar sind. Unter Parametern können
dabei Zustandsgrößen oder Prozeßparameter verstanden werden.
Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch ein Verfahren bzw.
eine Einrichtung zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern eines industriellen Prozesses, insbesondere einer
Anlage der Grundstoffindustrie, mit, insbesondere sprunghaft,
veränderlichen Parametern, gelöst, wobei die vorauszuberech
nenden, vorab unbekannten Parameter mittels eines Prozeß
modells in Abhängigkeit von vorab bekannten Parametern des
Prozesses bestimmt werden, und wobei das Prozeßmodell zumin
dest ein globales Prozeßmodell, das ein zeitlich gemitteltes
Abbild des Prozesses darstellt, und zumindest ein speziali
siertes Prozeßmodell aufweist, das ein Abbild des Prozesses
für einen bestimmten Betriebszustand oder Arbeitspunkt dar
stellt, der durch die vorab bekannten Parameter bestimmt ist.
Dabei wird in vorteilhafter Weise ein Modell zur Vorausbe
rechnung der vorab unbekannten Parameter für einen bestimmten
Zeitpunkt, d. h. entweder das globale Prozeßmodell oder ein
spezialisiertes Prozeßmodell, in Abhängigkeit von den vorab
bekannten Parametern oder eines Teils der vorab bekannten
Parameter ausgewählt. Durch dieses Umschalten in bestimmten
Betriebszuständen auf ein auf den entsprechenden Betriebs
zustand spezialisiertes Modell, wird erreicht, daß die vorab
unbekannten Parameter in besonders präziser Weise voraus
berechnet werden können. Diese Vorgehensweise hat sich
außerdem im Zusammenhang mit einer on-line-Adaption des
Prozeßmodells an das aktuelle Prozeßgeschehen bewährt. Wird
ein globales Prozeßmodell, das den entsprechenden Prozeß im
zeitlichen Mittelwert repräsentiert für die Vorausberechnung
von vorab unbekannten Prozeßparametern für Betriebszustände
verwendet, die nicht Eingang in die Modellierung durch das
globale Prozeßmodell gefunden haben, so kommt es unter Um
ständen für derartige Betriebszustände zu einer mangelhaften
Vorausberechnung der vorab unbekannten Parameter. Wird das
entsprechende globale Prozeßmodell an diese neuen Betriebs
zustände adaptiert, so liefert dieses Modell möglicherweise
für nachfolgende Betriebszustände eine mangelhafte Voraus
berechnung der vorab unbekannten Parameter. Für einen der
artigen Fall wird vorteilhafterweise ein spezialisiertes
Prozeßmodell zur Vorausberechnung der vorab unbekannten
Parameter eingesetzt, das speziell für den entsprechenden
Betriebszustand bzw. Arbeitspunkt angepaßt wird.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung
werden spezialisierte Prozeßmodelle für bestimmte Betriebs
zustände bzw. Arbeitspunkte in Form einer Bibliothek oder
Datenbank gespeichert.
In einer weiteren vorteilhaften Ausgestaltung der Erfindung
gibt es einen repräsentativen Datensatz von Parametern des
Prozesses, mit dem das globale Prozeßmodell in bestimmten
Abständen an den entsprechenden Prozeß adaptiert wird. Ist
z. B. das globale Prozeßmodell ein neuronales Netz, so wird
dieses mit dem repräsentativen Datensatz trainiert. Kommt es
zu in diesem Datensatz nicht repräsentierten Betriebszustän
den oder Arbeitspunkten, so werden die entsprechenden Para
meter zu dem Datensatz hinzugefügt. Wird nun das globale
Prozeßmodell mit diesem neuen Datensatz adaptiert bzw.
trainiert, so repräsentiert es auch die neuen Betriebszustän
de bzw. Arbeitspunkte. Im Gegensatz zu einem reinen Nach
training mit ausschließlich neuen Parametern führt dieses
Training nicht zu einer Zerstörung des im globalen Prozeß
modell repräsentierten Wissens über bereits vorgekommene
Betriebszustände bzw. Arbeitspunkte.
Weitere Vorteile und erfinderische Einzelheiten ergeben sich
aus der nachfolgenden Beschreibung von Ausführungsbeispielen
anhand der Zeichnung und in Verbindung mit den Unteransprü
chen. Im einzelnen zeigen:
Fig. 1 das erfindungsgemäße Verfahren zur Vorausberechnung
von vorab unbekannten Parametern,
Fig. 2 das Zusammenwirken von Vorausberechnung und Adaption.
Fig. 1 zeigt das erfindungsgemäße Verfahren zur Vorausberech
nung von vorab unbekannten Parametern. Dabei werden vorab
bekannte Parameter zumindest einem Klassifikator 4 sowie,
insbesondere wahlweise, einem spezialisierten Prozeßmodell 5
und zumindest einem globalen Prozeßmodell 6 zugeführt. Das
globale Prozeßmodell 6 bzw. die spezialisierten Prozeßmodelle
5 berechnen die vorab unbekannten Parameter 3 in Abhängigkeit
von vorab bekannten Parametern 1 des Prozesses. Dabei erfolgt
die Vorausberechnung der vorab unbekannten Parameter durch
das globale Prozeßmodell 6 bzw. die für bestimmte Betriebs
zustände spezialisierten Prozeßmodelle 5, je nach Betriebs
zustand des Prozesses. Während die spezialisierten Prozeß
modelle 5 auf bestimmte Betriebszustände der zu modellie
renden industriellen Anlage, d. h. des Prozesses, speziali
siert sind, ist das globale Prozeßmodell 6 ein für den durch
schnittlichen Prozeß repräsentatives Modell. Unterschiedliche
Betriebszustände können z. B. in einem Walzwerk unterschiedli
che Stahlsorten sein. Die Auswahl, welches der Modelle für
den aktuellen Zeitpunkt zur Vorausberechnung der vorab unbe
kannten Parameter 3 verwendet wird, trifft der Klassifikator
4, der das geeignetste Modell auswählt. Dies erfolgt bei
spielsweise durch die Ermittlung einer Kontrollvariablen 2,
die angibt, welches das zum aktuellen Zeitpunkt geeignetste
Modell zur Identifikation der Prozeßparameter 3 ist.
Fig. 2 zeigt das Zusammenwirken von Vorausberechnung 15 und
Adaption 16 beim erfindungsgemäßen Verfahren. Für eine
bestimmte Steuerungs- bzw. Regelungsanwendung sind Parameter
12 notwendig, die vorab unbekannt sind. Diese vorab
unbekannten Parameter 12 sind jedoch von vorab bekannten
Parametern 10 über den Prozeß abhängig. Derartige vorab
bekannte Parameter 10 können Parameter im strengen Sinne, wie
Modellparameter, Zustandsgrößen, Stellgrößen oder Vorein
stellungen sein. Auf der Basis der vorab bekannten Parameter
10 werden mittels eines Modells 11 durch die Vorausberechnung
15 vorab unbekannte Parameter 14 vorausberechnet. Mittels
dieser voraus berechneten, vorab unbekannten Parameter 14
wird die gewünschte Steuerungs- bzw. Regelungsaufgabe für den
entsprechenden Prozeß durchgeführt. Zu einem späteren
Zeitpunkt können jedoch die vorab unbekannten Parameter für
den vergangenen Zeitpunkt ermittelt werden. In Abhängigkeit
der vorausberechneten, vorab unbekannten Parameter 14 sowie
der gemessenen zum vergangenen Zeitpunkt gültigen vorab
unbekannten Parametern 13 und in Abhängigkeit von den vorab
bekannten Prozeßparametern 10 ermittelt die Adaption 16 ein
neues Modell 11. Dabei kann ein Modell ein globales
Prozeßmodell oder ein spezialisiertes Prozeßmodell sein. Für
spezialisierte Prozeßmodelle wird die Adaption
vorteilhafterweise unmittelbar nach Vorliegen der gemessenen
vorab unbekannten Parameter 13 durchgeführt.
Claims (11)
1. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern (3) eines industriellen Prozesses, insbesondere
einer Anlage der Grundstoffindustrie, mit, insbesondere
sprunghaft, veränderlichen Parametern, wobei die
vorauszuberechnenden, vorab unbekannten Parameter (3) mittels
eines Prozeßmodells in Abhängigkeit von vorab bekannten
Parametern (1) des Prozesses bestimmt werden, und wobei das
Prozeßmodell zumindest ein globales Prozeßmodell (5), das ein
zeitlich gemitteltes Abbild des Prozesses darstellt, und
zumindest ein spezialisiertes Prozeßmodell (6) aufweist, das
ein Abbild des Prozesses für einen bestimmten Betriebszustand
oder Arbeitspunkt darstellt, der durch die vorab bekannten
Parameter (1) bestimmt ist.
2. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet,
daß ein Modell zur Vorausberechnung der vorab unbekannten
Parametern (3) für einen bestimmten Zeitpunkt, d. h. entweder
das globale Prozeßmodell (5) oder ein spezialisiertes
Prozeßmodell (6), in Abhängigkeit von den vorab bekannten
Parametern (1) oder eines Teils der vorab bekannten Parameter
(1) ausgewählt wird.
3. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach Anspruch 1 oder 2,
dadurch gekennzeichnet, daß das
globale Prozeßmodell (5) bzw. das spezialisierte Prozeßmodell
(6) ein analytisches Modell, ein neuronales Netz oder ein
hybrides Modell, d. h. ein analytisches Modell und ein
neuronales Netz aufweisendes Modell, ist.
4. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach Anspruch 1,2 oder 3,
dadurch gekennzeichnet, daß das
spezialisierte Prozeßmodell (6) eine Variable ist.
5. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach Anspruch 3,
dadurch gekennzeichnet, daß daß
das spezialisierte Prozeßmodell (6) ein einfaches Adaline,
d. h. ein ein Neuron aufweisendes neuronales Netz, ist.
6. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach Anspruch 1, 2, 3, 4 oder 5,
dadurch gekennzeichnet, daß das
globale Prozeßmodell (5) bzw. das spezialisierte Prozeßmodell
(6), insbesondere durch On-Line-Training, an das aktuelle
Prozeßgeschehen adaptiert werden.
7. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach Anspruch 6,
dadurch gekennzeichnet,
daß die Adaption (16) in Abhängigkeit der vorab bekannten
Parameter (10) und in Abhängigkeit der vorab unbekannten
Parameter (12) erfolgt.
8. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach Anspruch 7,
dadurch gekennzeichnet,
daß die vorab unbekannten Parameter (17), die zu einem
bestimmten gültigen Zeitpunkt in bezug auf den Prozeßablauf
aktuell gewesen sind, zu einem späteren Zeitpunkt bestimmt
bzw. gemessen werden und daß die Adaption (16) in Abhängig
keit der zum späteren Zeitpunkt bestimmten, vorab unbekannten
Parameter (13) zum gültigen Zeitpunkt und der für diesen
gültigen Zeitpunkt vorausberechneten vorab unbekannten
Parameter (14) erfolgt.
9. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach einem der Ansprüche 1 bis 8,
dadurch gekennzeichnet, daß die
mittels des globalen Prozeßmodells bzw. des spezialisierten
Prozeßmodells vorausberechneten Parameter einer auf
neuronalen Netzen basierenden Informationsverarbeitung
zugeführt werden, die diese im Sinne einer Feinanpassung
verbessert, wobei die auf neuronalen Netzen basierende
Informationsverarbeitung on-line an das aktuelle
Prozeßgeschehen adaptiert wird.
10. Verfahren zur Vorausberechnung von vorab unbekannten
Parametern nach einem der Ansprüche 1 bis 9,
dadurch gekennzeichnet, daß die
durch das globale Prozeßmodell bzw. das spezialisierte
Prozeßmodell vorausberechneten Parameter mit einem
Korrekturterm, insbesondere additiv oder multiplikativ,
verknüpft werden, wobei der Korrekturterm mittels einer auf
neuronalen Netzen basierenden Informationsverarbeitung in
Abhängigkeit von Meßwerten aus dem Prozeß gebildet wird, und
wobei die auf neuronalen Netzen basierende Informationsver
arbeitung on-line an den Prozeß angepaßt wird.
11. Einrichtung zur Durchführung des Verfahrens nach einem
der vorhergehenden Ansprüche zur Vorausberechnung von vorab
unbekannten Parametern eines industriellen Prozesses,
insbesondere einer Anlage der Grundstoffindustrie, mit,
insbesondere sprunghaft, veränderlichen Parametern, wobei die
vorauszuberechnenden, vorab unbekannten Parameter mittels
eines Prozeßmodells in Abhängigkeit von vorab bekannten
Parametern des Prozesses bestimmt werden, und wobei das
Prozeßmodell zumindest ein globales Prozeßmodell, das ein
zeitlich gemitteltes Abbild des Prozesses darstellt, und
zumindest ein spezialisiertes Prozeßmodell aufweist, das ein
Abbild des Prozesses für einen bestimmten Betriebszustand
oder Arbeitspunkt darstellt, der durch die vorab bekannten
Parameter bestimmt ist.
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